# „Achte auf dich selbst und auf die Lehre“ – 1. Tim 4:16 und Vorbilder des Dienstes

*Der Leitvers des Dieners, der Apostel Paulus und die Gottesgebärerin*

Lehrbuch · 1. Semester · [Thema 1: Berufen zum Dienst](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T01.md) · Vortrag 2 · Lesedauer etwa 16 Minuten

Koptisch-Orthodoxe Diözese Österreichs und der Deutschschweiz · Ausgabe 15, Stand 21. Oktober 2026 · Webseite: [https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T01/V02](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T01/V02.md)

## Lernziele

1.  Den Vers 1. Tim 4:16 auswendig wiedergeben und beide Vershälften erklären.
2.  An drei Stationen aus dem Leben des Apostels Paulus beschreiben, was seinen Dienst getragen hat.
3.  An der Gottesgebärerin zeigen, wie Hören, Gehorsam und Dienen zusammengehören (Lk 1:38; Joh 2:5).

## Schlüsselbegriffe

Leitvers · Lehre · Überlieferung · Gottesgebärerin (Theotokos) · Fürsprache · Gastfreundschaft · Segen

## Bibelstellen

1. Tim 4:16; 1. Tim 4:6–16; Apg 16:1–2; 2. Tim 1:5; 2. Tim 3:15; 1. Kor 9:27; Joh 17:19; 2. Tim 1:13–14; 1. Kor 3:6–9; Phil 2:13; 1. Tim 2:4–5; Apg 9:1–19; 1. Kor 15:10; Apg 20:17–35; 2. Kor 11:23–29; 2. Kor 5:14; 2. Tim 4:7–8; 1. Kor 13:1–3; Phil 1:24–25; Gal 2:20; 1. Tim 1:15; Lk 1:26–56; Joh 2:1–11; Lk 2:19.51; Gen 18:1–10; Hebr 13:2; Gen 12:2; Lk 17:10; Mt 10:42; Joh 15:11

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Kein Vers wird im Dienerkurs so oft gelernt wie dieser: „Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören“ (1. Tim 4:16). Er ist der **Leitvers** des Dieners, weil er in einem Satz sagt, worauf es ankommt: auf das eigene Leben mit Gott und auf die Treue zur **Lehre** der Kirche. Wie man ihn lebt, zeigen drei Vorbilder: der Apostel Paulus, die **Gottesgebärerin (Theotokos)** und Abraham.

## Der Leitvers des Dieners

> **Heilige Schrift**
>
> Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören.
>
> 1. Tim 4:16

Diesen Vers lernst du auswendig. Er hat drei Teile: zwei Aufträge („Achte auf dich selbst und auf die Lehre“), eine Mahnung zur Ausdauer („halte daran fest!“) und eine Verheißung („rettest du dich und alle, die auf dich hören“).

### Wer war Timotheus?

Paulus schreibt den Vers an seinen jungen Mitarbeiter Timotheus. Er stammte aus Lystra und war „der Sohn einer gläubig gewordenen Jüdin und eines Griechen“ (Apg 16:1b). Der Glaube war in seiner Familie lebendig, schon „in deiner Großmutter Loïs und in deiner Mutter Eunike“ (2. Tim 1:5), und Timotheus kannte „von Kindheit an die heiligen Schriften“ (2. Tim 3:15a). Paulus nennt ihn „mein geliebtes und treues Kind im Herrn“ (1. Kor 4:17a) und ließ ihn in Ephesus zurück, damit er dort über die Lehre wacht (1. Tim 1:3). Papst Schenouda III. spricht vom „heiligen Timotheus, dem Bischof von Ephesus“.[^1] Timotheus ist also ein Beispiel für das, was du selbst bist: ein junger Mensch, der den Glauben empfangen hat und ihn weitergeben soll.

### Der Zusammenhang: 1. Tim 4:6–16

Der Vers schließt einen Abschnitt ab, in dem Paulus beschreibt, was einen guten Diener ausmacht. Er beginnt mit dem Satz: „dann wirst du ein guter Diener Christi Jesu sein, erzogen in den Worten des Glaubens und der guten Lehre, der du gefolgt bist“ (1. Tim 4:6b). Dann folgen die Aufträge: „Niemand soll dich wegen deiner Jugend gering schätzen. Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit“ (1. Tim 4:12). „Lies ihnen eifrig (aus der Schrift) vor, ermahne und belehre sie“ (1. Tim 4:13a). „Vernachlässige die Gnade nicht, die in dir ist“ (1. Tim 4:14a). „Dafür sollst du sorgen, darin sollst du leben, damit allen deine Fortschritte offenbar werden“ (1. Tim 4:15). Vers 16 fasst alles zusammen.

## „Achte auf dich selbst“ – die erste Vershälfte

Die erste Vershälfte meint die Sorge um das eigene geistliche Leben: Gebet, Lesung der Schrift, Fasten, Beichte und Kommunion, die du aus Buch 1 kennst, und die Lauterkeit, also ein reines und aufrichtiges Leben, im Alltag. Wer anderen von Gott erzählt, muss selbst bei Gott sein. Die Väter haben das so ausgedrückt:

> **Aus den Vätern**
>
> Es ist notwendig, zuerst rein zu sein, erst dann zu reinigen, zuerst Weisheit zu lernen, erst dann sie zu lehren, zuerst Licht zu werden, erst dann zu leuchten, zuerst zu Gott zu treten, erst dann zu ihm zu führen, zuerst sich zu heiligen, erst dann andere zu heiligen.[^2]
>
> – Hl. Gregor von Nazianz, *Reden*, Rede 2,71

Der heilige Gregor von Nazianz (Gregor der Theologe) schrieb diese Worte in einer Rede, in der er erklärt, warum er nach seiner Priesterweihe zunächst geflohen war: Die Größe des Amtes hatte ihn erschreckt. Was er über den Priester sagt, gilt in seinem Maß für jeden, der im Namen der Kirche lehrt. Papst Schenouda III. liest 1. Tim 4:16 genauso: „Der Herr stellte die Praxis vor die Lehre.“ Und: „Hier sehen wir also, wie Paulus seinen Jünger anweist, ‚auf sein Leben zu achten‘, bevor er sich mit der Lehre befasst“.[^3]

Christus selbst betet für seine Jünger: „Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind“ (Joh 17:19). Papst Schenouda III. verbindet diesen Vers mit 1. Tim 4:16 und sagt von den geistlichen Dienern: „Sie geben nicht bloß Lektionen, sie sind die Lektion. Diese Diener bereiten sich selbst vor, bevor sie die Lektion vorbereiten“.[^4] Auch Paulus achtete auf sich: „vielmehr züchtige und unterwerfe ich meinen Leib, damit ich nicht anderen predige und selbst verworfen werde“ (1. Kor 9:27).

Auf sich selbst zu achten heißt nicht, ständig um sich selbst zu kreisen. Es heißt, das eigene Leben mit Gott nicht dem Dienst zu opfern. Ein Diener, der vor lauter Vorbereitung nicht mehr betet, verliert die Quelle, aus der er geben soll.

## „… und auf die Lehre; halte daran fest!“ – die zweite Vershälfte

Die zweite Vershälfte meint die Treue zur Lehre der Kirche. Der Diener gibt nicht seine eigenen Ansichten weiter, sondern den Glauben, den er empfangen hat. Papst Schenouda III. warnt vor einem Mangel an Demut im Lehren: „Wenn ein Diener durch seine Lektüre einen neuen Gedanken gewonnen hat, versucht er, ihn den anderen aufzuzwingen und daraus eine Lehre zu machen. Das Problem dabei ist, dass du eine persönliche Überzeugung vorträgst und nicht die Lehren der Kirche.“ Demütige Diener dagegen „tragen die Lektion einfach und geistlich vor statt auf philosophische Weise“.[^5]

Die Lehre der Kirche ist ein anvertrautes Gut. Paulus schreibt Timotheus: „Halte dich an die gesunde Lehre, die du von mir gehört hast; nimm sie dir zum Vorbild und bleibe beim Glauben und bei der Liebe, die uns in Christus Jesus geschenkt ist. Bewahre das dir anvertraute kostbare Gut durch die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt“ (2. Tim 1:13–14).

> **Begriff: Überlieferung**
>
> **Überlieferung** nennt die Kirche das Weitergeben des Glaubens, den sie empfangen hat. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty erklärt das Wort: „Im biblischen Sinn bedeutet es, etwas Kostbares weiterzugeben. Eine Generation gibt den Glauben weiter, die nächste empfängt ihn.“[^6]

> **Begriff: Lehre**
>
> Mit „Lehre“ ist in 1. Tim 4:16 der Glaube gemeint, den die Kirche von den Aposteln empfangen hat und weitergibt – nicht eine Sammlung persönlicher Meinungen. Wer lehrt, prüft das, was er sagt, an der Schrift, an den Vätern und an den Büchern der Kirche.

Was heißt das für dich? Bereite deine Lektion aus der Heiligen Schrift und aus den Büchern der Kirche vor, nicht aus dem, was zufällig im Internet steht. Wenn du etwas nicht weißt, sag es ehrlich und frag nach. Und lehre einfach: Die Lehre wird nicht dadurch wahrer, dass sie kompliziert klingt.

Beide Vershälften gehören zusammen. Der heilige Gregor von Nazianz sagt von den Jüngern, die Christus aussandte, sie sollten „so himmlisch sein, dass das Evangelium ebenso sehr durch seine Wahrheit wie durch ihren Wandel wachse und gedeihe“.[^7] Die Wahrheit der Lehre und ein Leben, das zu ihr passt – beides braucht das Evangelium.

## „Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören“

Diese Verheißung ist groß, und sie muss richtig verstanden werden. Retten kann nur Gott: Er „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus“ (1. Tim 2:4–5a). Der Diener ist nicht der Retter, sondern Gottes Mitarbeiter: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen“ (1. Kor 3:6). „… wir sind Gottes Mitarbeiter“ (1. Kor 3:9a). Papst Schenouda III. sagt von den geistlichen Dienern: „Sie wissen sehr wohl, dass das Heil der Menschenseelen höher ist als ihre Fähigkeiten, dass es Gottes Werk ist.“[^8]

„Rettest du dich“ bedeutet also: Wer auf sich und auf die Lehre achtet, bleibt selbst auf dem Weg des Heils und hilft anderen, ihn zu gehen. Das Heil ist Geschenk; der Mensch wirkt mit, aber er verdient es nicht: „… Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt, noch über euren guten Willen hinaus“ (Phil 2:13).

> **Merksatz**
>
> 1. Tim 4:16 ist der Leitvers des Dieners: Achte auf dein eigenes Leben mit Gott und bleib der Lehre der Kirche treu. Gott rettet; der Diener wirkt mit, indem er selbst auf dem Weg bleibt und andere darauf führt.

## Der Apostel Paulus: drei Stationen seines Dienstes

Paulus hat den Leitvers selbst gelebt. Drei Stationen seines Lebens zeigen, was seinen Dienst getragen hat.

### Damaskus: berufen aus Gnade

Saulus, wie Paulus zuerst hieß, verfolgte die Kirche. Auf dem Weg nach Damaskus umstrahlte ihn ein Licht vom Himmel, und er hörte: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ – „Ich bin Jesus, den du verfolgst“ (Apg 9:4b.5b). Drei Tage war er blind, bis Hananias kam. Ihm hatte der Herr gesagt: „… dieser Mann ist mein auserwähltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor Völker und Könige und die Söhne Israels tragen“ (Apg 9:15b). Paulus hat nie vergessen, dass er den Dienst nicht verdient hat: „Doch durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben“ (1. Kor 15:10a). Ihn trugen die Gnade und der Ruf Christi. Am Anfang jedes Dienstes steht Gottes Erbarmen.

### Ephesus: dienen in Demut, mit Tränen und mit der ganzen Lehre

Drei Jahre wirkte Paulus in Ephesus. Beim Abschied in Milet erinnert er die Ältesten der Gemeinde daran, „wie ich dem Herrn in aller Demut diente unter Tränen und vielen Prüfungen“ (Apg 20:19a). „Ich habe es euch verkündigt und habe euch gelehrt, öffentlich und in den Häusern“ (Apg 20:20b). „… ich habe mich der Pflicht nicht entzogen, euch den ganzen Willen Gottes zu verkünden“ (Apg 20:27). Und er mahnt mit Worten, die wie ein Echo des Leitverses klingen: „Gebt Acht auf euch und auf die ganze Herde“ (Apg 20:28a). Er sagt auch: „Seid also wachsam und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgehört habe, unter Tränen jeden einzelnen zu ermahnen“ (Apg 20:31). Er blieb jedem Einzelnen zugewandt und der ganzen Lehre treu, auch dort, wo sie schwer anzunehmen war.

### Leiden und Vollendung: die Liebe Christi drängt

Paulus zählt auf, was er im Dienst erlitten hat: Schläge, Gefängnis, Schiffbruch, Hunger und Kälte (2. Kor 11:23–27). Dann sagt er: „Um von allem andern zu schweigen, weise ich noch auf den täglichen Andrang zu mir und die Sorge für alle Gemeinden hin. Wer leidet unter seiner Schwachheit, ohne dass ich mit ihm leide? Wer kommt zu Fall, ohne dass ich von Sorge verzehrt werde?“ (2. Kor 11:28–29). Den Grund nennt er selbst: „… die Liebe Christi drängt uns“ (2. Kor 5:14a). Papst Schenouda III. schreibt: „Im Dienst des Apostels Paulus und seiner Mitstreiter war der Eifer nie in irgendeiner Weise vom Kreuz getrennt.“[^9] Am Ende seines Lebens kann Paulus sagen: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten“ (2. Tim 4:7). In allem trugen ihn die Liebe Christi, die Sorge um die Gemeinden und die Hoffnung auf den „Kranz der Gerechtigkeit“, der „allen“ bereitliegt, „die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten“ (2. Tim 4:8b).

Aus dem Dienst des Paulus lernt der Diener sechs Lektionen:

| Lektion | Bibelstelle | Bedeutung für den Diener |
|----|----|----|
| Liebe | 1. Kor 13:1–3 | Ohne Liebe ist jeder Dienst nichts. |
| Lehre und Lernen | 1. Tim 4:16 | Der Diener bleibt ein Lernender und der Lehre treu. |
| Achtsamkeit auf sich selbst | 1. Kor 9:27 | Er lebt, was er lehrt. |
| Sendung | Phil 1:24–25 | Er weiß, dass er um der anderen willen gesandt ist. |
| Hingabe | Gal 2:20 | Er gibt sein Leben Christus, der ihn zuerst geliebt hat. |
| Demut | 1. Tim 1:15 | Er weiß sich selbst als Sünder, dem Erbarmen geschenkt wurde. |

Tabelle 3 · Sechs Lektionen aus dem Dienst des Paulus

## Die Gottesgebärerin: hören, gehorchen, dienen

Die heilige Jungfrau Maria, die **Gottesgebärerin**, ist das schönste Vorbild dafür, wie Hören, Gehorsam und Dienen zusammengehören.

> **Begriff: Gottesgebärerin (Theotokos)**
>
> Maria heißt **Gottesgebärerin**, weil sie den ewigen Sohn Gottes nach dem Fleisch geboren hat. Das griechische Wort dafür ist **Theotokos**.

### Hören und gehorchen: die Verkündigung

Der Engel Gabriel bringt ihr die Botschaft, dass sie den Sohn des Höchsten empfangen wird. Maria fragt nach, wie das geschehen soll (Lk 1:34), und hört die Antwort. Dann sagt sie:

> **Heilige Schrift**
>
> Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.
>
> Lk 1:38

„Magd“ heißt Dienerin. Maria hört, fragt, vertraut und stellt sich ganz Gott zur Verfügung. Der Katechismus sagt: „So nahm sie die Menschwerdung des Wortes Gottes in ihrem Schoß mit Freude auf und blieb dabei allzeit Jungfrau.“[^10] Gehorsam ist hier nicht Unterwerfung aus Angst, sondern freie, frohe Zustimmung zu Gottes Willen. Elisabet preist sie dafür: „Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ“ (Lk 1:45).

### Dienen ohne Zögern: der Besuch bei Elisabet

Unmittelbar nach der Verkündigung „machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa“ (Lk 1:39b). Ihre Verwandte Elisabet erwartete im Alter ein Kind. Maria kommt nicht nur für einen Gruß: „Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr“ (Lk 1:56a). Erst hier, im Haus Elisabets, singt sie ihren Lobgesang, das **Magnifikat**: „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut“ (Lk 1:46b–48a). Wer Gottes Wort wirklich gehört hat, bleibt nicht bei sich; er eilt zu dem Menschen, der ihn braucht, und gibt Gott die Ehre.

### Zu Christus führen: die Hochzeit zu Kana

Bei der Hochzeit zu Kana bemerkt Maria, was den Gastgebern fehlt: „Sie haben keinen Wein mehr“ (Joh 2:3b). Sie bringt die Not zu ihrem Sohn. Dann wendet sie sich an die Diener:

> **Heilige Schrift**
>
> Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!
>
> Joh 2:5

Die Diener gehorchen. Sie füllen die Krüge „bis zum Rand“ (Joh 2:7b) und bringen das Wasser, das zu Wein geworden ist, zum Verantwortlichen des Festmahls; „die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wussten es“ (Joh 2:9b). Wer tut, was Christus sagt, wird Zeuge seines Wirkens. Maria lenkt den Blick auf ihren Sohn. Sie ist **Fürsprecherin**: Sie bittet für die Menschen; der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist Christus (1. Tim 2:5). Auch das gilt für jeden Diener: Er führt die Kinder nicht zu sich, sondern zu Christus.

Zu diesen drei Szenen kommt ein stiller Zug: „Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2:19). Wer dient, braucht diese Stille, um das Gehörte zu bewahren.

| Szene | Haltung Marias | Lehre für den Diener |
|----|----|----|
| Verkündigung (Lk 1:38) | hören, fragen, Ja sagen | Gottes Wort annehmen, auch wenn man nicht alles versteht |
| Weg zu Elisabet (Lk 1:39) | eilen | Dienst wartet nicht |
| drei Monate bei Elisabet (Lk 1:56) | bleiben | Treue statt kurzer Begeisterung |
| Magnifikat (Lk 1:46–48) | Gott loben | Die Ehre gehört Gott, nicht dem Diener |
| Kana (Joh 2:3) | die Not bemerken | aufmerksam sein für die Kinder |
| Kana (Joh 2:5) | auf Christus weisen | zu Christus führen, nicht zu sich |
| Lk 2:19.51 | im Herzen bewahren | Stille und Nachdenken |

Tabelle 4 · Lehren aus dem Leben der Gottesgebärerin

![Die Gottesgebärerin besucht Elisabet (Lk 1:39–45)](https://dienerkursbooks.pages.dev/bilder/T01/T01-B2.jpg)

*Abb. 2 · Die Gottesgebärerin besucht Elisabet (Lk 1:39–45)*

## Abraham als Gastgeber: Segen ohne Lohndenken

Ein drittes Vorbild stammt aus dem Alten Testament. „Der Herr erschien Abraham bei den Eichen von Mamre. Abraham saß zur Zeit der Mittagshitze am Zelteingang“ (Gen 18:1). Als er drei Männer sieht, „lief er ihnen vom Zelteingang aus entgegen, warf sich zur Erde nieder“ (Gen 18:2b). Er lässt Wasser bringen, damit sie sich die Füße waschen, „lief … eiligst ins Zelt zu Sara“, übergibt dem Jungknecht ein Kalb zum Zubereiten und bedient die Gäste selbst: „Er wartete ihnen unter dem Baum auf, während sie aßen“ (Gen 18:6a.8b).

Abraham dient bereitwillig, auch in der Mittagshitze. Er bedient seine Gäste selbst, bezieht andere ein und bleibt bei ihnen. Der Hebräerbrief erinnert daran: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt“ (Hebr 13:2).

Am Ende verheißt der Herr: „In einem Jahr komme ich wieder zu dir, dann wird deine Frau Sara einen Sohn haben“ (Gen 18:10a). Diese Verheißung ist ein Geschenk Gottes, keine Bezahlung für die Bewirtung. Gott hatte Abraham schon lange zuvor versprochen: „Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen. Ein Segen sollst du sein“ (Gen 12:2). Papst Schenouda III. fragt mit diesem Vers jeden Diener: „Sind wir ebenso, wohin wir auch gehen? Ist unser Dienst ein Segen für andere?“[^11] Der Diener dient nicht, um etwas dafür zu bekommen, und macht aus seinem Dienst kein Geschäft mit Gott. Er sagt mit Christus: „Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan“ (Lk 17:10b). Und doch vergisst Gott keinen Dienst: Wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, „wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen“ (Mt 10:42b). Segen und Lohn schenkt Gott aus Güte – als Gabe, nicht als Bezahlung.

## Freude und Wachstum im Dienst

Wer dient, gibt nicht nur, er empfängt auch. Papst Schenouda III. schreibt über die geistlichen Diener: „Wann immer sie zu dienen beginnen, empfinden sie, dass sie etwas Neues von Gott gewinnen und dass der Dienst ihnen mehr gibt, als sie ihm geben.“[^12]

> **Aus der Lehre unserer Päpste**
>
> Der Dienst ist ein Weg zum geistlichen Wachstum: Nicht nur für die Kinder, sondern auch für den Lehrer. Wenn die Diener die Lektion nicht selbst für sich nutzen, kann diese Lektion niemals auf die Kinder wirken. Die Lektion muss ein geistliches Mittel für das Wachstum des Dieners und der Kinder sein.[^13]
>
> – Papst Schenouda III., *The Spiritual Ministry*, Kap. I, Nr. 15

Christus selbst verheißt diese Freude: „Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird“ (Joh 15:11).

## Für den Dienst

- **Lerne 1. Tim 4:16 auswendig** und sprich den Vers vor jeder Vorbereitung einer Lektion oder eines anderen Dienstes.
- **Achte auf dich selbst:** Prüfe vor jedem Sonntag, ob du gebetet, in der Schrift gelesen und die Göttliche Liturgie nicht nur „erledigt“ hast. Bereite zuerst dich, dann die Lektion vor (Joh 17:19).
- **Achte auf die Lehre:** Bereite deine Lektionen aus der Schrift und den Büchern der Kirche vor. Was du nicht sicher weißt, fragst du nach, statt es zu erfinden.
- **Lerne von Paulus:** Kenne die Namen deiner Kinder und bete für jedes einzelne (Apg 20:31).
- **Lerne von Maria:** Bemerke, was einem Kind fehlt, und führe es zu Christus: „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2:5).
- **Lerne von Abraham:** Diene bereitwillig und ohne etwas dafür zu verlangen, auch wenn es unbequem ist.

## Das Wichtigste in Kürze

- Der Leitvers des Dieners lautet: „Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören“ (1. Tim 4:16).
- Die erste Vershälfte meint die Sorge um das eigene geistliche Leben: „zuerst sich zu heiligen, erst dann andere zu heiligen“ (Gregor von Nazianz, Rede 2,71).
- Die zweite Vershälfte meint die Treue zur Lehre der Kirche statt persönlicher Meinungen; die Lehre ist ein anvertrautes Gut (2. Tim 1:13–14).
- Retten kann nur Gott; der Diener ist sein Mitarbeiter (1. Kor 3:6–9).
- Den Dienst des Paulus trugen die Gnade seiner Berufung (Apg 9), die Liebe zu jedem Einzelnen und die Treue zur ganzen Lehre (Apg 20) und die Liebe Christi im Leiden (2. Kor 11; 2. Kor 5:14).
- An der Gottesgebärerin sieht man, wie Hören, Gehorsam und Dienen zusammengehören: „Ich bin die Magd des Herrn“ (Lk 1:38a), der Weg zu Elisabet (Lk 1:39–56) und „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2:5).
- Abraham zeigt den bereitwilligen, demütigen Dienst ohne Anspruch auf Gegenleistung; Segen und Lohn schenkt Gott als Gabe (Gen 18:1–10; Lk 17:10; Mt 10:42).
- Der Dienst ist ein Weg zum geistlichen Wachstum für den Diener und die Kinder.

## Zum Weiterlesen

- Hl. Gregor von Nazianz: *Reden*, Rede 2 (Verteidigung der Flucht), besonders die Abschnitte 69–74.
- Papst Schenouda III.: *Heiliger Eifer*, Kap. 3, Abschnitt „Begleitet von einem guten Lebensstil“, und Kap. 4, Abschnitt „Der Apostel St. Paulus“.
- Papst Schenouda III.: *Jüngerschaft*, Abschnitt „Jüngerschaft des Lebens“ (S. 18–22).
- Abuna Tadros Y. Malaty: *Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche*, Bd. 1, Fr. 61–62 (Überlieferung).

## Anmerkungen

[^1]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 4.1.6.

[^2]: Gregor von Nazianz, Reden, Rede 2,71.

[^3]: Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3, Abschnitt „Begleitet von einem guten Lebensstil“.

[^4]: Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. V.

[^5]: Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. III.

[^6]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 61.

[^7]: Gregor von Nazianz, Reden, Rede 2,69.

[^8]: Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. V.

[^9]: Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 4, Abschnitt „Der Apostel St. Paulus“.

[^10]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1164.

[^11]: Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. V.

[^12]: Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. V.

[^13]: Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 15.
