# Die Länder der Bibel

*Ägypten, Sinai, Kanaan und die Wege der Apostel*

Lehrbuch · 2. Semester · [Thema 11: Das Alte Testament I](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T11.md) · Vortrag 1 · Lesedauer etwa 17 Minuten

Koptisch-Orthodoxe Diözese Österreichs und der Deutschschweiz · Ausgabe 15, Stand 21. Oktober 2026 · Webseite: [https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T11/V01](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T11/V01.md)

## Lernziele

1.  Auf einer Karte die wichtigsten Orte der Heilsgeschichte zeigen (Ägypten, Sinai, Kanaan, Jerusalem, Galiläa, Wege der Apostel).

## Schlüsselbegriffe

Heilsgeschichte · Kanaan · Galiläa · Samarien · Judäa · Herrenfest · Einzug des Herrn in das Land Ägypten · Überlieferung

## Bibelstellen

Gen 12:10; Gen 41:57; Gen 45:5; Gen 46:3–4; Ex 1:11; Ex 12:40; Ex 13:17–18; Ex 19:1–2; Dtn 8:2; Dtn 11:10–12; Dtn 34:1–4; Num 34:10–12; Jos 3:15–17; 2. Sam 5:6–7; 2. Chr 3:1; Lk 2:4; Lk 3:1; Joh 4:3–4; Lk 10:30; Apg 1:8; Apg 13:4–5; Apg 15:36–41; Apg 28:30–31; Jes 19:19–25; Mt 2:13–15; Hos 11:1

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Gott hat sich in der Geschichte geoffenbart – an bestimmten Orten, unter Menschen, die dort lebten. Wer die Bibel liest, begegnet darum ständig Namen von Flüssen, Bergen, Städten und Wüsten. Die meisten gehören zu wenigen Landschaften: Ägypten, der Sinai, Kanaan mit Jerusalem, das Land zur Zeit Jesu und die Wege der Apostel. Ägypten, die Heimat unserer Kirche, hat in dieser Geschichte einen eigenen Platz. Für deinen Dienst ist das wichtig, weil Kinder fragen: „Wo war das?“ – und weil man eine Geschichte, die man auf der Karte zeigen kann, leichter versteht und behält.

> **Begriff: Heilsgeschichte**
>
> Die **Heilsgeschichte** ist das Handeln Gottes in der Geschichte der Menschen, durch das er sie zum Heil führt: von der Schöpfung über die Väter Israels, den Auszug aus Ägypten, die Könige und Propheten bis zu Jesus Christus und zu seiner Kirche. Gottes Plan, nach dem er dabei handelt, nennt die Kirche die **Heilsordnung**.

## Ein Land zwischen Wüste und Meer

Die meisten Geschichten des Alten Testaments spielen in einem schmalen Gebiet: im Land am Nil, in der Wüste Sinai und im Land **Kanaan**, das zwischen dem Mittelmeer und dem Jordan liegt. Die Südgrenze Kanaans reicht nach dem Buch Numeri bis zum „Grenzbach Ägyptens“ (Num 34:5). Weit im Osten liegt das Land, aus dem Abraham kam: Mit seinem Vater Terach wanderte er „aus Ur in Chaldäa“ aus und kam zunächst nach Haran (Gen 11:31). In dieselbe Richtung, nach Babylon, wurde Israel später in die Verbannung geführt; davon erzählt [Thema 13](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T13.md) („Das Alte Testament III“).

Die Schrift selbst zeigt uns, wie man dieses Land sehen soll. Als Mose am Ende seines Lebens auf den Berg Nebo stieg, heißt es: „der Herr zeigte ihm das ganze Land. Er zeigte ihm Gilead bis nach Dan hin, ganz Naftali, das Gebiet von Efraim und Manasse, ganz Juda bis zum Mittelmeer, den Negeb und die Jordangegend, den Talgraben von Jericho, der Palmenstadt, bis Zoar“ (Dtn 34:1–3). In diesem Satz steht die ganze Landkarte: der Norden mit Dan, die Mitte mit Efraim und Manasse, der Süden mit Juda und dem Negeb, im Osten der Jordangraben. Kurz sagt die Bibel: „von Dan bis Beerscheba“ (Ri 20:1).

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*Abb. 19 · Die Länder des Alten Testaments: Ägypten, Sinai und Kanaan*

## Ägypten und der Nil

Ägypten ist das Land am Nil. Vom Traum des Pharao heißt es: „Er stand am Nil“ (Gen 41:1). Später setzte die Mutter des Mose ihr Kind in einem Binsenkästchen „am Nilufer im Schilf aus“ (Ex 2:3). Weil der Nil das Land bewässert, hatte Ägypten Brot, wenn in Kanaan Hunger herrschte: „Als über das Land eine Hungersnot kam, zog Abram nach Ägypten hinab, um dort zu bleiben; denn die Hungersnot lastete schwer auf dem Land“ (Gen 12:10). Aus demselben Grund kamen später die Brüder Josefs: „Auch alle Welt kam nach Ägypten, um bei Josef Getreide zu kaufen“ (Gen 41:57).

Jakob und seine Söhne ließen sich im Gebiet Goschen nieder (Gen 45:10; 47:6). Dort wurde aus einer Familie ein Volk: „Israel ließ sich in Ägypten nieder, in der Landschaft Goschen. Sie wurden dort ansässig, waren fruchtbar und vermehrten sich sehr“ (Gen 47:27). „Der Aufenthalt der Israeliten in Ägypten dauerte vierhundertdreißig Jahre“ (Ex 12:40). Später wurden die Israeliten unterdrückt: „Sie mussten für den Pharao die Städte Pitom und Ramses als Vorratslager bauen“ (Ex 1:11). Die Schrift nennt Vorratsstädte, keine Pyramiden.

## Der Sinai und die Wüste

Zwischen Ägypten und Kanaan liegt die Wüste Sinai mit dem Berg, an dem Gott zu Mose sprach. Gott führte sein Volk beim Auszug nicht auf dem kürzesten Weg: „Als der Pharao das Volk ziehen ließ, führte sie Gott nicht den Weg ins Philisterland, obwohl er der kürzere war. … So ließ sie Gott einen Umweg machen, der durch die Wüste zum Schilfmeer führte“ (Ex 13:17–18). Am Schilfmeer rettete Gott sein Volk (Ex 14), und „im dritten Monat nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten … kamen sie in der Wüste Sinai an“ (Ex 19:1). Am Berg Sinai, den die Schrift auch Horeb nennt, schloss Gott mit Israel den Bund und gab ihm das Gesetz (Ex 19–24).

Die Wüste ist in der Bibel mehr als eine Landschaft. Sie ist der Ort der Prüfung und der Erziehung: „Du sollst an den ganzen Weg denken, den der Herr, dein Gott, dich während dieser vierzig Jahre in der Wüste geführt hat, um dich gefügig zu machen und dich zu prüfen“ (Dtn 8:2). Die Entfernung selbst war nicht groß: „Elf Tage sind es vom Horeb auf dem Weg zum Gebirge Seïr bis nach Kadesch-Barnea“ (Dtn 1:2). Dass daraus vierzig Jahre wurden, lag nicht an der Geographie, sondern am Herzen des Volkes. Auch der heilige Antonius und die Mönchsväter suchten später die Wüste Ägyptens auf, um dort Gott zu begegnen; davon erzählt [Thema 33](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T33.md) („Märtyrer und Mönche“).[^1]

## Kanaan, das verheißene Land

### Ein Land, um das sich Gott kümmert

Das Land, das Gott Abraham, Isaak und Jakob versprach, heißt in der Schrift Kanaan; später wird es das Land Israel genannt. Die Bibel beschreibt es im Vergleich mit Ägypten: „… das Land, in das du hineinziehst, um es in Besitz zu nehmen, ist nicht wie das Land Ägypten, aus dem ihr ausgezogen seid. Dort musstest du, wenn der Same gesät war, den Boden künstlich bewässern wie in einem Gemüsegarten. Das Land, in das ihr jetzt hinüberzieht, um es in Besitz zu nehmen, ist ein Land mit Bergen und Tälern und es trinkt das Wasser, das als Regen vom Himmel fällt. Es ist ein Land, um das der Herr, dein Gott, sich kümmert“ (Dtn 11:10–12). Ägypten lebt vom Fluss, Kanaan vom Regen – und damit, so sagt die Schrift, von der Sorge Gottes; es ist „ein Land mit Weizen und Gerste, mit Weinstock, Feigenbaum und Granatbaum, ein Land mit Ölbaum und Honig“ (Dtn 8:8).

Die Grenzen des Landes beschreibt das Buch Numeri: Im Osten soll die Grenze „östlich des Sees von Kinneret hinuntergehen. Dann soll die Grenze zum Jordan hinunterführen und ihre Ausläufer sollen bis zum Salzmeer reichen“ (Num 34:11–12). Damit kennst du die wichtigsten Gewässer des Landes: das Mittelmeer im Westen, den See Kinneret im Norden, den Jordan und das Salzmeer, zu dem die Fluten des Jordan „hinabfließen“ (Jos 3:16).

### Der Jordan

Der Jordan ist der Fluss des Übergangs. Unter Josua zog das Volk durch den Jordan in das Land: „da blieben die Fluten des Jordan stehen … und das Volk zog Jericho gegenüber durch den Jordan“ (Jos 3:16). Im Neuen Testament ist der Jordan der Ort der Taufe Jesu: „Zu dieser Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan zu Johannes, um sich von ihm taufen zu lassen“ (Mt 3:13). Am Fest der **Theophanie** (Gotteserscheinung) gedenkt die Kirche dieser Taufe, bei der sich der Vater, der Sohn und der Heilige Geist offenbarten.[^2]

### Jerusalem und der Tempel

Jerusalem gehörte zuerst den Jebusitern: „Dennoch eroberte David die Burg Zion; sie wurde die Stadt Davids“ (2. Sam 5:7). Dorthin brachte er die Bundeslade (2. Sam 6:12), und sein Sohn Salomo baute den Tempel: „Salomo begann, das Haus des Herrn in Jerusalem auf dem Berg Morija zu bauen“ (2. Chr 3:1). Der Name Morija erinnert an Abraham, der „in das Land Morija“ gehen sollte, um Isaak zu opfern (Gen 22:2); davon erzählt der dritte Vortrag.

Weil der Tempel auf einem Berg steht, spricht die Bibel immer davon, dass man nach Jerusalem „hinaufzieht“. Die Eltern Jesu gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem, und als er zwölf Jahre alt war, „zogen sie wieder hinauf“ (Lk 2:42). Jesus sagte vor seinem Leiden: „Wir gehen jetzt nach Jerusalem hinauf“ (Mk 10:33). Umgekehrt geht man von Jerusalem hinab, wie der Mann im Gleichnis vom barmherzigen Samariter, der „von Jerusalem nach Jericho hinab“ ging (Lk 10:30).

## Galiläa, Samarien und Judäa zur Zeit Jesu

Zur Zeit Jesu war das Land in mehrere Gebiete geteilt: Pontius Pilatus war „Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa“ (Lk 3:1); ein Tetrarch war ein Landesfürst unter der Herrschaft Roms. Merke dir die drei Landschaften westlich des Jordan von Norden nach Süden:

| Landschaft | Lage | Wichtige Orte und Ereignisse |
|----|----|----|
| **Galiläa** | im Norden, um den See von Galiläa | Nazaret, wo Jesus aufwuchs (Mk 1:9); Kafarnaum, „das am See liegt“ (Mt 4:13); Berufung der ersten Jünger am See (Mt 4:18) |
| **Samarien** | in der Mitte | Gespräch Jesu mit der Samariterin (Joh 4); Grenzgebiet der zehn Aussätzigen (Lk 17:11) |
| **Judäa** | im Süden | Betlehem, die Stadt Davids (Lk 2:4); Jerusalem mit dem Tempel; Jericho |

Tabelle 27 · Die drei Landschaften westlich des Jordan zur Zeit Jesu

Josef zog „von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt“ (Lk 2:4). Der Weg von Galiläa nach Judäa konnte durch Samarien führen; von Jesus heißt es: „Er musste aber den Weg durch Samarien nehmen“ (Joh 4:4). Die Samariter und die Juden waren einander fremd geworden; die Samariterin wundert sich: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Joh 4:9). Jesus überschreitet diese Grenze und offenbart sich ihr. Auch östlich des Jordan, in der Dekapolis, dem Gebiet der „Zehn Städte“, und im „Gebiet jenseits des Jordan“, folgten ihm Menschen (Mt 4:25).

![Das Land zur Zeit Jesu und der Mittelmeerraum der Apostelreisen](https://dienerkursbooks.pages.dev/bilder/T11/T11-B2.jpg)

*Abb. 20 · Das Land zur Zeit Jesu und der Mittelmeerraum der Apostelreisen*

## Die Wege der Apostel

### Von Jerusalem bis an die Grenzen der Erde

Vor seiner Himmelfahrt gab der Herr den Aposteln einen Auftrag, der zugleich eine Landkarte ist: „ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1:8b). Die Apostelgeschichte folgt diesem Weg. Schon am Pfingstfest in Jerusalem hörten Menschen aus vielen Ländern die Botschaft, auch Menschen „von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin“ (Apg 2:10). Dann verkündete Philippus in Samarien (Apg 8:5) und taufte auf der Straße von Jerusalem nach Gaza den Kämmerer aus Äthiopien (Apg 8:26–38). Bald entstand in Antiochia in Syrien eine große Gemeinde: „In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen“ (Apg 11:26). Von dort brach Paulus zu seinen Reisen auf.

### Die Reisen des Paulus im Überblick

| Reise | Stelle | Stationen (Auswahl) |
|----|----|----|
| Erste Reise mit Barnabas | Apg 13:1–14:28 | Antiochia – Seleuzia – Zypern mit Salamis und Paphos – Perge in Pamphylien – Antiochia in Pisidien – Ikonion – Lystra und Derbe – zurück nach Antiochia |
| Zweite Reise mit Silas | Apg 15:36–18:22 | Syrien und Zilizien – Derbe und Lystra – Troas – Philippi in Mazedonien – Thessalonich – Beröa – Athen – Korinth – Ephesus – Cäsarea – Antiochia |
| Dritte Reise | Apg 18:23–21:17 | Galatien und Phrygien – Ephesus – Mazedonien und Griechenland – Troas – Milet – Tyrus – Cäsarea – Jerusalem |
| Fahrt des gefangenen Paulus nach Rom | Apg 27:1–28:31 | Cäsarea – an Kreta entlang – Malta – Rom |

Tabelle 28 · Die Reisen des Apostels Paulus nach der Apostelgeschichte

Die Apostelgeschichte endet in Rom: Paulus „verkündete das Reich Gottes und trug ungehindert und mit allem Freimut die Lehre über Jesus Christus, den Herrn, vor“ (Apg 28:31). Die Reisen und Briefe des Paulus werden in [Thema 15](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T15.md) („Das Neue Testament im Überblick“) vertieft.

### Markus auf dem Weg nach Alexandrien

Auf der ersten Reise war „Johannes“ dabei (Apg 13:5); er „trennte sich von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück“ (Apg 13:13). Gemeint ist „Johannes mit dem Beinamen Markus“ (Apg 12:25), in dessen Elternhaus sich die Gemeinde von Jerusalem zum Gebet versammelte (Apg 12:12). Vor der zweiten Reise kam es seinetwegen zum Streit; „Barnabas nahm Markus mit und segelte nach Zypern“ (Apg 15:39). Was die Apostelgeschichte nicht mehr erzählt, bewahrt die Überlieferung unserer Kirche: Der heilige Markus, Apostel und Evangelist, brachte das Evangelium nach Ägypten. Das Synaxarium sagt: „Der heilige Markus gelangte um das Jahr 60 oder 61 n. Chr. nach Alexandria.“ Er taufte den Schuster Anianus und dessen Haus und erlitt im Jahr 68 in Alexandrien das Martyrium.[^3] Die Kirche gedenkt seiner am 30. Baramuda (8. Mai).[^4] Davon erzählt [Thema 32](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T32.md) („Die Kirche der Apostel und der heilige Markus“).

## Ägypten in der Heilsgeschichte

Ägypten ist in der Bibel ein Land mit zwei Gesichtern: Zuflucht und Ort der Knechtschaft, Land der Götzen und Land, über dem Gott eine Verheißung ausspricht. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty fasst die erste Seite zusammen: „Ägypten war eine Zuflucht für Abraham und Josef den Gerechten sowie das Land, in dem das Volk Gottes in früheren Zeiten heranwuchs.“[^5]

### Abraham, Josef und das Volk in Ägypten

Abraham kam in der Hungersnot nach Ägypten (Gen 12:10). Josef wurde von seinen Brüdern verkauft und kam als Sklave nach Ägypten; Gott aber machte aus dem Bösen etwas Gutes. Josef sagt: „… um Leben zu erhalten, hat mich Gott vor euch hergeschickt“ (Gen 45:5). Als Jakob mit seiner ganzen Familie nach Ägypten aufbrach, sprach Gott zu ihm in Beerscheba: „Fürchte dich nicht, nach Ägypten hinabzuziehen; denn zu einem großen Volk mache ich dich dort. Ich selbst ziehe mit dir hinunter nach Ägypten und ich führe dich auch selbst wieder herauf“ (Gen 46:3–4). Gott geht mit seinem Volk in die Fremde.

### Der Auszug aus Ägypten

Dann wurde Ägypten zum „Sklavenhaus“. Darum stellt sich Gott am Sinai so vor: „Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus“ (Ex 20:2). Der Auszug ist die große Rettungstat Gottes im Alten Testament; das Pascha weist auf Christus hin, „unser Paschalamm“ (1. Kor 5:7). Davon handelt [Thema 12](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T12.md) („Das Alte Testament II“).

### Die Verheißung über Ägypten (Jes 19)

Der Prophet Jesaja hat über Ägypten ein Wort gesprochen, das unsere Kirche besonders liebt: „An jenem Tag wird es für den Herrn mitten in Ägypten einen Altar geben und an Ägyptens Grenze wird ein Steinmal für den Herrn aufgestellt. … Der Herr wird sich den Ägyptern offenbaren und die Ägypter werden an jenem Tag den Herrn erkennen“ (Jes 19:19.21). Und am Ende: „Gesegnet ist Ägypten, mein Volk“ (Jes 19:25). Papst Schenouda III. erklärt, warum dieses Wort nicht vom Altar des Alten Bundes sprechen kann; denn nach dem Gesetz durfte Israel nur „an die Stätte“ opfern, „die der Herr, euer Gott, auswählt“ (Dtn 12:11), und das war Jerusalem:

> **Aus der Lehre unserer Päpste**
>
> Das heißt, der Altar des Herrn, den der Prophet Jesaja beschrieb und der in Ägypten stehen soll, ist der Altar der christlichen Zeit, und das beweist, dass es im Christentum Altäre gibt.[^6]
>
> – Papst Schenouda III., *Das Priestertum*, Kap. 6.1

### Die Flucht der Heiligen Familie

Die größte Ehre empfing Ägypten, als der Herr selbst als Kind dorthin kam. Ein Engel sagte dem Josef im Traum: „Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage“ (Mt 2:13). Josef floh in der Nacht und blieb in Ägypten bis zum Tod des Herodes. „… es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“ (Mt 2:15). Das Prophetenwort steht bei Hosea: „ich rief meinen Sohn aus Ägypten“ (Hos 11:1b). Was von Israel galt, erfüllt sich in Christus, dem Sohn Gottes: Er geht den Weg seines Volkes nach Ägypten und wieder heraus. Mit ihm waren die heilige Jungfrau Maria, die **Gottesgebärerin (Theotokos)**, und der heilige Josef.

Der heilige Athanasius, selbst ein Sohn Ägyptens, sieht in diesem Besuch das Ende des Götzendienstes in seinem Land:

> **Aus den Vätern**
>
> Wann ging ein Gerechter oder König hinab nach Ägypten, und stürzten bei dessen Ankunft die Götzen der Ägypter zusammen? Abraham ging hinab; aber der Götzendienst blieb überall nach wie vor. Moses ist dort geboren worden, und trotzdem verblieben die Verirrten dort bei ihrem Götzenkult. … Denn erst damals hat die Gottlosigkeit der Ägypter ein Ende genommen, als der Herr aller Dinge wie auf einer Wolke schwebend im Leibe dorthin kam, den Götzenwahn aufhob und alle zu sich und durch sich zum Vater bekehrte.[^7]
>
> – Hl. Athanasius der Apostolische, *Über die Menschwerdung des Logos*, Kap. 36 und 37

## Das Fest des Einzugs des Herrn in das Land Ägypten

### Das Fest

Die Kirche feiert diesen Besuch jedes Jahr. Das Synaxarium schreibt am 24. Baschans: „An diesem Tag feiert die Kirche das Fest des Einzugs des Herrn Christus in das Land Ägypten mit seiner Mutter, der Jungfrau Maria, und dem heiligen Josef, dem Gerechten.“[^8] Im bürgerlichen Kalender ist das der 1. Juni. Der Katechismus zählt das Fest zu den kleineren Festen des Herrn.[^9] Ein **Herrenfest** feiert ein Ereignis aus dem Leben des Herrn; die Kirche unterscheidet große und kleine Herrenfeste ([Thema 8](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T08.md), „Das Kirchenjahr“). Am Fest wird in festlicher Melodie gebetet, und Priester und Diakone tragen in einer Prozession die Ikone der Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten um den Altar und durch die Kirche.

### Fest und Überlieferung unterscheiden

Wenn du von der Heiligen Familie in Ägypten erzählst, unterscheide sorgfältig drei Dinge:

1.  **Was die Schrift sagt:** Josef floh auf Befehl des Engels mit dem Kind und seiner Mutter nach Ägypten, blieb dort bis zum Tod des Herodes und kehrte dann in das Land Israel zurück; die Familie ließ sich in Nazaret in Galiläa nieder (Mt 2:13–15.19–23). Das ist Wort Gottes.
2.  **Was die Kirche feiert:** den Einzug des Herrn in Ägypten als Herrenfest am 24. Baschans. Das Fest bekennt, dass Gott Ägypten gesegnet hat, wie Jesaja es verheißen hat.
3.  **Was die Überlieferung erzählt:** Die einzelnen Orte und Ereignisse der Reise nennt die Schrift nicht; die Kirche bewahrt sie als Überlieferung. Das Synaxarium selbst spricht vorsichtig: „Sie müssen durch Al-Arisch und dann die Stadt ‚Al-Farama‘ im Sinai gezogen sein“, und über einzelne Ereignisse heißt es „Es wird berichtet“ oder „Es wird erzählt“.[^10]

> **Beispiel**
>
> **Die Wege der Heiligen Familie nach der Überlieferung.** Nach dem Synaxarium kam die Heilige Familie über El-Arisch und El-Farama im Sinai nach Tel Basta bei Zagazig, nach El-Mahamma, Belbeis, Samannud und Sacha, ins Wadi El-Natrun, nach Ain Schams (El-Matariya) und nach „Babylon“ in Alt-Kairo, wo sie in einer Höhle wohnte, der Krypta, also dem unterirdischen Raum, der heutigen Kirche Abu Serga. Mit einem Boot fuhr sie weiter nach El-Bahnasa, zum Gebel El-Tair bei Samalut, nach El-Aschmunain, El-Qusiya und Meir. Am Berg Qusqam, wo heute das Kloster El-Muharraq steht, blieb sie nach dieser Überlieferung sechs Monate und zehn Tage. Auf dem Rückweg kehrte sie in Alt-Kairo, El-Matariya und El-Mahamma ein. Das Synaxarium sieht im Altar des Klosters El-Muharraq die Erfüllung des Wortes, dass „ein Altar für den Herrn in der Mitte des Landes Ägypten“ sein wird.[^11]

Diese Unterscheidung nimmt der Überlieferung nichts von ihrem Wert. Sie bewahrt den Segen, den viele Orte Ägyptens mit dem Besuch des Herrn verbinden; wir ehren sie als Erbe unserer Kirche, stellen sie aber nicht auf dieselbe Stufe wie das Evangelium.

## Für den Dienst

- **Mit der Karte erzählen.** Hänge in deiner Klasse eine einfache Karte auf, auf der Ägypten, der Sinai und Kanaan zu sehen sind, und zeige bei jeder Geschichte, wo sie spielt. Kinder ab der Volksschule fahren mit dem Finger den Weg Abrahams oder des Volkes durch die Wüste nach; Jugendliche zeichnen selbst eine Karte mit den Bibelstellen.
- **Die Sprache der Schrift ernst nehmen.** „Hinaufziehen“ nach Jerusalem, „hinabgehen“ nach Ägypten oder Jericho: Erkläre solche Wörter. Erzähle nur Zahlen und Einzelheiten, die in der Schrift stehen, und sage es, wenn etwas aus der Überlieferung kommt.
- **Die Heilige Familie in Ägypten als Teil unserer Identität.** Für Kinder, die in Europa zwischen zwei Heimaten aufwachsen, ist es ein Trost: Der Herr selbst war ein Kind auf der Flucht und wohnte in einem fremden Land. Rund um den 24. Baschans (1. Juni) eignet sich das Fest gut für eine Sonntagsschulstunde und für ein Gespräch in der Familie.
- **Für dich selbst.** Der Weg durch die Wüste war kurz und dauerte doch vierzig Jahre (Dtn 1:2; 8:2). Frage dich, wo Gott dich gerade „einen Umweg“ führt (Ex 13:18), damit du lernst, ihm zu vertrauen.

## Das Wichtigste in Kürze

- Gott offenbart sich in der Geschichte und an Orten; die Heilsgeschichte spielt vor allem in Ägypten, auf dem Sinai und in Kanaan.
- Ägypten lebt vom Nil, Kanaan vom Regen: Es ist ein Land, „um das der Herr, dein Gott, sich kümmert“ (Dtn 11:12). Seine wichtigsten Gewässer sind das Mittelmeer, der See Kinneret, der Jordan und das Salzmeer.
- David eroberte in Jerusalem die Burg Zion; Salomo baute den Tempel auf dem Berg Morija (2. Chr 3:1).
- Zur Zeit Jesu lagen westlich des Jordan von Norden nach Süden Galiläa, Samarien und Judäa.
- Die Apostelgeschichte folgt dem Weg von Apg 1:8: Jerusalem, Judäa und Samarien, bis an die Grenzen der Erde; Paulus unternahm drei Reisen und kam als Gefangener nach Rom. Der heilige Markus brachte das Evangelium nach Alexandrien.
- Ägypten war Zuflucht für Abraham und Josef und das Land, aus dem Gott sein Volk befreite; Jesaja verheißt einen Altar für den Herrn mitten in Ägypten (Jes 19:19).
- Die Heilige Familie floh nach Ägypten (Mt 2:13–15); die Kirche feiert den Einzug des Herrn in das Land Ägypten am 24. Baschans (1. Juni) als kleines Herrenfest. Die einzelnen Stationen der Reise sind Überlieferung, nicht Bericht der Schrift.

## Zum Weiterlesen

- *Synaxarium der Koptisch-Orthodoxen Kirche*, 24. Baschans (Einzug des Herrn in das Land Ägypten), S. 470–471, und 30. Baramuda (Martyrium des heiligen Markus), S. 420–422.
- Abuna Tadros Y. Malaty, *Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche*, Bd. 2, Fr. 1082 (Die kleineren Feste des Herrn).
- Hl. Athanasius, *Über die Menschwerdung des Logos*, Kap. 33–37 (Weissagungen auf Christus).
- Papst Schenouda III., *Das Priestertum*, Kap. 6.1 (Der Altar des Herrn in Ägypten).

## Anmerkungen

[^1]: Vgl. Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 14.

[^2]: Vgl. Synaxarium, 11. Tubeh, S. 238.

[^3]: Synaxarium, 30. Baramuda, Das Martyrium des großen heiligen Markus, des Apostels, des Evangelisten, des Verkünders des ägyptischen Landes, S. 420–422.

[^4]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1103.

[^5]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1082.

[^6]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 6.1.

[^7]: Athanasius, Über die Menschwerdung des Logos, Kap. 36 und 37. Das Bild der Wolke nimmt Jes 19:1 auf: „Seht, der Herr fährt auf einer leichten Wolke daher; er kommt nach Ägypten.“

[^8]: Synaxarium, 24. Baschans, Gedenken an die Ankunft des Herrn Christus im Land Ägypten, S. 470.

[^9]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1082 und 1104.

[^10]: Synaxarium, 24. Baschans, S. 470.

[^11]: Vgl. Synaxarium, 24. Baschans, S. 470–471.
