# Die Göttliche Liturgie II – Liturgie der Gläubigen

*Vom Friedenskuss bis zur Eulogie*

Lehrbuch · 4. Semester · [Thema 28: Die Eucharistie und die Göttliche Liturgie](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T28.md) · Vortrag 3 · Lesedauer etwa 16 Minuten

Koptisch-Orthodoxe Diözese Österreichs und der Deutschschweiz · Ausgabe 15, Stand 21. Oktober 2026 · Webseite: [https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T28/V03](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T28/V03.md)

## Lernziele

1.  Den Sinn der Teile der Göttlichen Liturgie und der Lesungsfolge erklären.
2.  Die Rolle von Priester, Diakon und Volk in drei Teilen der Liturgie beschreiben.
3.  Vorbereitung und würdigen Empfang der Kommunion für Kinder erklären.

## Schlüsselbegriffe

Liturgie der Gläubigen · Versöhnungsgebet · Friedenskuss · Anaphora · Sanctus · Einsetzungsworte · Anamnese · Epiklese · Fürbitten · Gedächtnis der Heiligen · Gottesgebärerin (Theotokos) · Brotteilungsgebet · Vaterunser · Das Heilige den Heiligen · Bekenntnis vor der Kommunion · Kommunion · Entlassung · Eulogie

## Bibelstellen

2. Kor 5:19; Mt 5:23–24; Röm 16:16; Kol 3:1–2; Jes 6:3; Hebr 12:14; 1. Kor 11:26; Hebr 12:1; 1. Tim 2:5; Jes 6:6–7; Lk 18:13; 1. Tim 6:13; Ps 150:6; Ex 12:10; Joh 6:56; 1. Kor 10:17

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Nach dem Glaubensbekenntnis beginnt der zweite große Teil der Göttlichen Liturgie, die **Liturgie der Gläubigen**. In alter Zeit verließen die Katechumenen vorher die Kirche (zweiter Vortrag); zur Kommunion treten bis heute nur die Getauften, die den Glauben der Kirche teilen und sich vorbereitet haben. Der folgende Ablauf folgt der Basilius-Liturgie. Er führt durch Versöhnung und **Anaphora** mit den **Fürbitten**, dann durch Brotteilung, Bekenntnis und Kommunion bis zur Entlassung. Wer ihn kennt, kann Kinder anleiten, bewusst mitzufeiern.

## Versöhnung und Friedenskuss

Die Liturgie der Gläubigen beginnt mit dem **Versöhnungsgebet**: „Großer und ewiger Gott, der du den Menschen ohne Verderbnis geschaffen hast. Den Tod, der durch den Neid des Teufels in die Welt kam, hast du zerstört durch die lebensspendende Erscheinung deines eingeborenen Sohnes, unseres Herrn, unseres Gottes und Erlösers Jesus Christus.“[^1] So hat Christus uns mit dem Vater versöhnt: „Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat“ (2. Kor 5:19a). Bevor wir zu den Sakramenten treten, empfangen wir den Frieden Christi.[^2] Am Gründonnerstag entfällt dieses Gebet mit dem Friedenskuss; die Kirche erinnert damit an den falschen Kuss des Judas.[^3]

Am Ende ruft der Diakon zum **Friedenskuss**: „Küsst einander mit einem heiligen Kuß …“[^4] Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty sagt: „In der Göttlichen Liturgie tauschen die Priester, die Gemeinde und sogar die Kinder den heiligen Kuss aus, um ihre Liebe zueinander zu bekunden.“[^5] Schon Paulus schreibt: „Grüßt einander mit dem heiligen Kuss“ (Röm 16:16). Der heilige Kyrill von Jerusalem erklärt, dieser Kuss sei nicht wie der Gruß gewöhnlicher Freunde: „Der Kuss ist also Versöhnung und deshalb heilig.“[^6] Heute reichen die Gläubigen einander die Hand als Zeichen der Versöhnung.[^7] Damit erfüllen wir das Wort des Herrn: „geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe“ (Mt 5:24).

Danach heben Priester und Diakon die Prospherin ab, die seit der Darbringung über den Gaben liegt. Die Kirche erinnert damit an den Engel, der den Stein vom Grab wegwälzte und die Auferstehung des Herrn verkündete.[^8]

## „Erhebt eure Herzen!“ – die Anaphora beginnt

> **Begriff: Anaphora**
>
> Nun beginnt die **Anaphora**, das große Hochgebet. „Anaphora bedeutet ‚emporheben‘; denn durch die Feier der Eucharistie wird die Kirche zum Himmel emporgehoben.“[^9]

Sie beginnt mit einem Wechselgespräch zwischen Priester und Gemeinde:

> Priester: Der Herr sei mit euch allen. – Gemeinde: Und mit deinem Geiste.
>
> Priester: Erhebt eure Herzen! – Gemeinde: Wir haben sie beim Herrn.
>
> Priester: Lasst uns dem Herrn danken. – Gemeinde: Würdig und recht.[^10]

Priester und Volk beten hier füreinander. Wer antwortet „Wir haben sie beim Herrn“, soll sein Herz wirklich von den Sorgen der Welt lösen; sonst wären es nur Worte.[^11] Paulus sagt: „Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische!“ (Kol 3:2). Dann ruft der Diakon: „Wer sitzt, stehe auf!“ und „Schauet nach Osten!“[^12]

## Heilig, heilig, heilig

Der Priester preist Gott, vor dem die Engel stehen, und die Gemeinde stimmt in den Gesang der Serafim, der Engel vor dem Thron Gottes, ein: „Heilig, heilig, heilig, Herr der Heerscharen. Himmel und Erde sind erfüllt von Deiner heiligen Herrlichkeit.“[^13] Dieser Lobgesang heißt **Sanctus**. Er stammt aus der Berufung Jesajas: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt“ (Jes 6:3b). Verwechsle ihn nicht mit dem Trishagion vor dem Evangelium („Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Lebendiger, Unsterblicher“; zweiter Vortrag).

Beim „Agios“ (griechisch „heilig“) bezeichnet der Priester dreimal mit dem Kreuz: sich selbst, die Diener und das Volk.[^14] Heilig ist im eigentlichen Sinn nur Gott; wer mit den Engeln „Heilig“ singt, ist gerufen, selbst heilig zu leben, denn ohne Heiligung wird „keiner den Herrn sehen“ (Hebr 12:14).[^15]

Dann erzählt der Priester die ganze Geschichte des Heils: die Erschaffung des Menschen, den Fall, die Propheten und die Menschwerdung des Sohnes: „Er nahm Fleisch an und wurde Mensch und lehrte uns die Wege des Heils.“ Er sagt von Christus: „Er stieg hinab in die Unterwelt durch das Kreuz.“ Die Gemeinde antwortet: „Amen, wir glauben.“[^16] Mit der Unterwelt ist der Hades gemeint, nicht die Hölle ([Thema 22, Vortrag 3](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T22/V03.md)). In der Gregorius-Liturgie spricht der Priester dabei Christus selbst an, in der Ich-Form eines jeden Erlösten: „Du mein Herr hast mir die Strafe in Heil verwandelt.“[^17]

## Die Einsetzungsworte

Nun kommt der Priester zum letzten Abendmahl. Er spricht die **Einsetzungsworte**, und nach jedem Satz bekennt die Gemeinde ihren Glauben:

> Priester: Er nahm Brot in seine reinen, makellosen, unbefleckten, seligen und lebensspendenden Hände. – Gemeinde: Wir glauben, dass dieses in Wahrheit so ist. Amen.
>
> …
>
> Priester: Er teilte es und gab es seinen heiligen Jüngern und reinen Aposteln und sagte: Nehmt, esst alle davon! Denn dies ist mein Leib, der für euch und für viele gebrochen wird und hingegeben zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis. – Gemeinde: Dies ist es in Wahrheit. Amen.[^18]

Ebenso spricht er über dem Kelch, und die Gemeinde antwortet: „Dies ist es auch in Wahrheit. Amen.“[^19] Dabei entzünden Diakone Kerzen und beleuchten damit Patene und Kelch.[^20] Was die Einsetzungsworte bedeuten, hast du im ersten Vortrag gelernt: Christus sagt nicht „Das ist ein Zeichen meines Leibes“, sondern „Das ist mein Leib“.

## Die Anamnese

Der Priester fährt mit den Worten des Herrn fort: „Immer wenn ihr von diesem Brot eßt und aus diesem Kelch trinkt, verkündet ihr meinen Tod, bekennt meine Auferstehung und erinnert euch meiner, bis ich komme.“ Die Gemeinde antwortet: „Amen, Amen, Amen. Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, Deine heilige Auferstehung und Deine Himmelfahrt bekennen wir …“[^21] Bei Paulus heißt es: „… sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“ (1. Kor 11:26).

Das ist die **Anamnese**. Das Euchologion erklärt: „Die Anamnese ist die feierliche und lebendige Verkündigung des Todes und der Auferstehung Jesu und das Gedenken an Jesus bis er kommt.“[^22] Die Kirche gedenkt des Leidens, der Auferstehung, der Himmelfahrt und der Wiederkunft Christi und bringt Gott die Gaben dar „aus dem, was Dein ist, entsprechend allem, für alles, und in allem“.[^23]

## Die Epiklese

Jetzt ruft der Diakon: „Verbeugt euch vor Gott in Ehrfurcht und Zittern!“ Außerhalb der fünfzig Tage nach dem Auferstehungsfest wirft sich die Gemeinde nieder; in diesen fünfzig Tagen kniet man nach der Überlieferung nicht.[^24] Die folgende Beschreibung des Kniens gilt außerhalb dieser Zeit. Die Gemeinde spricht: „Wir preisen Dich, wir benedeien Dich, wir dienen Dir o Herr und wir verbeugen uns vor Dir.“[^25] Der Priester kniet vor dem Altar, breitet die Hände aus und bittet still um die Herabkunft des Heiligen Geistes, die **Epiklese**: „Es gefalle Deiner Güte, lass Deinen Heiligen Geist kommen. Über uns und über diese Gaben, die hier liegen, um sie zu reinigen, sie zu verwandeln, und offenbare sie als Heiliges für Deine Heiligen.“[^26] Das Liturgiebuch *Die sieben Sakramente* sagt von diesem Augenblick: „Der Augenblick des Herabkommens des Heiligen Geistes auf Brot und Wein, um sie in Leib und Blut des Herrn zu verwandeln, ist der furchterregendste Augenblick der ganzen Liturgie. In dieser Zeit kniet die ganze Kirche in Furcht vor dem Herrn.“[^27]

In der Gregorius-Liturgie betet der Priester zu Christus: „Sende auf uns die Gnade Deines Heiligen Geistes herab, damit er diese vorliegenden Opfergaben reinige und verwandle in den Leib und das Blut unserer Erlösung.“[^28] In der Basilius-Liturgie heben nach dem stillen Gebet alle das Haupt; der Priester bezeichnet die Gaben mit dem Kreuz.[^29] Dabei ruft er laut: „Und um dieses Brot in seinen heiligen Leib zu verwandeln.“ Die Gemeinde antwortet: „Wir glauben“. Ebenso über dem Kelch: „Und diesen Kelch in sein kostbares Blut des Neuen Bundes.“ – „Auch dieses glauben wir.“[^30]

Danach vermerkt das Euchologion: „Jetzt ist die Wandlung vollzogen, das Brot ist Leib Christi und der Wein ist Blut Christi geworden.“[^31]

Die Kyrillus-Liturgie nennt, was die Gaben in denen wirken sollen, die daran teilhaben, unter anderem „Liebe ohne Heuchelei“, „Vollkommene Geduld und feste Hoffnung“ und „Gemeinschaft im ewigen Leben, Unvergänglichkeit und Vergebung der Sünden“.[^32]

![Der Weg der Liturgie der Gläubigen](https://dienerkursbooks.pages.dev/bilder/T28/T28-B3.jpg)

*Abb. 55 · Der Weg der Liturgie der Gläubigen*

## Fürbitten und Gedächtnis der Heiligen

Vor Christus, der auf dem Altar gegenwärtig ist, betet die Kirche nun für alle: für den Frieden der Kirche, für den Papst und die Bischöfe, für die Priester, um Erbarmen für alle, für den Ort, an dem wir leben, für Wasser, Saaten und Früchte und für die Opfergaben und alle, die sie gebracht haben.[^33] In der Gregorius-Liturgie heißt eine dieser Bitten: „Leite die Hirten und stärke die, die durch sie gehütet werden.“[^34] Jeder Diener, der Kinder und Jugendliche begleitet, und jeder Vater und jede Mutter kann sich dieses Gebet zu eigen machen.

Dann gedenkt die Kirche der Heiligen: zuerst der **Gottesgebärerin (Theotokos)**, der heiligen Maria, dann Johannes des Täufers, des heiligen Stephanus, des heiligen Markus, der Väter, die den Glauben verteidigt haben, und der Mönchsväter. Sie sind die „Wolke von Zeugen“, die uns umgibt (Hebr 12:1).[^35] Anschließend gedenkt der Priester still der Entschlafenen und bittet Gott, ihre Seelen zu versorgen „im Paradies der Freude“.[^36]

Wir beten die Heiligen nicht an. Angebetet wird allein Gott; die Heiligen ehren wir und bitten sie um ihre Gebete und ihre Fürsprache vor Gott.[^37] Darum singt die Gemeinde: „Durch die Fürsprache der Mutter Gottes, der heiligen Maria, vergib uns, o Herr, unsere Sünden durch Deine Gnade.“[^38] Vergeben kann nur der Herr; denn „Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus“ (1. Tim 2:5).

## Brotteilung und Vaterunser

Nun beginnt die Brotteilung. Der Priester bekennt: „Der heilige Leib“. Die Gemeinde antwortet: „Wir verbeugen uns vor Deinem heiligen Leib.“ – „und das kostbare Blut“ – „und vor Deinem kostbaren Blut“.[^39] Er bezeichnet den Leib mit dem Blut; das weist auf die Leiden des Herrn im Leib hin und auf das Blut, das aus seiner Seite auf das Kreuz floss.[^40] Während er den Leib bricht, betet er das **Brotteilungsgebet**. Es wechselt nach den Festen und Zeiten des Kirchenjahres und ist zugleich Dank für die unaussprechliche Gabe und Bitte um ein reines Herz.[^41]

In der Kyrillus-Liturgie erinnert das Brotteilungsgebet an die glühende Kohle, mit der einer der Serafim die Lippen Jesajas berührte (Jes 6:6–7), und bittet: „gib uns die wahre Glut, die das Leben für Seele, Leib und Geist spendet, denn sie ist der heilige Leib und das kostbare Blut deines Christus“.[^42] Das Brotteilungsgebet endet mit der Bitte, „mit reinem Herzen“ und „ohne Furcht“ vor Gott zu treten und zu ihm zu rufen, und alle beten gemeinsam das **Vaterunser**.[^43]

Danach ruft der Diakon: „Neigt euer Haupt vor dem Herrn.“ Die Gemeinde antwortet: „Vor Dir, o Herr.“[^44] Wir neigen das Haupt wie der Zöllner: Er „wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben“ (Lk 18:13). Dann betet der Priester still die Absolution über das ganze Volk.[^45]

## „Das Heilige den Heiligen“

Bevor die Kommunion beginnt, nimmt der Priester das Mittelstück des Leibes, bezeichnet damit den Kelch und ruft: „Das Heilige den Heiligen.“ Die Gemeinde antwortet: „Einer ist der Heilige Vater. Einer ist der Heilige Sohn. Einer ist der Heilige Geist. Amen.“[^46] In dieser Antwort bekennen die Gläubigen, wie das Liturgiebuch *Die sieben Sakramente* sagt, „dass Gott allein der Heilige ist und dass sie unwürdig sind“.[^47]

> **Aus den Vätern**
>
> … ich wünsche vielmehr, dass ihr euch dem Heiligen fortwährend nahet. Darum ruft auch der Priester und gebraucht dabei den Namen Heilige und will durch diesen Zuruf alle in eine Prüfung einführen, damit niemand unvorbereitet hinzutrete.[^48]
>
> – Hl. Johannes Chrysostomus, *Homilien über den Brief an die Hebräer*, Homilie 17,4

Chrysostomus will die Gläubigen nicht fernhalten, sondern einladen, oft und vorbereitet zu kommen. Der Katechismus sagt: „Die Eucharistie ist eine Arznei für Priester und Gläubige, die allesamt als krank gelten.“[^49]

## Das Bekenntnis vor der Kommunion

Nun spricht der Priester das **Bekenntnis vor der Kommunion**. In der Basilius-Liturgie lautet es:

> Amen, Amen, Amen. Ich glaube! Ich glaube! Ich glaube und bekenne bis zum letzten Atemzug, dass dies der lebensspendende Leib ist, der Deinem eingeborenen Sohn, unserem Herrn, unserem Gott und unserem Erlöser Jesus Christus eigen ist. Er nahm ihn von unserer Herrin und unser aller Königin, der Mutter Gottes, der heiligen, vollkommen reinen Maria. Er machte ihn eins mit seiner Gottheit ohne Vermischung, ohne Verquickung und ohne Veränderung. Er legte das gute Bekenntnis vor Pontius Pilatus ab. Er gab ihn für uns an das Holz des Kreuzes, allein durch seinen eigenen Willen für uns alle. In Wahrheit glaube ich, dass seine Gottheit seine Menschheit keinen Moment lang und keinen einzigen Augenblick verlassen hat. …[^50]

Das Bekenntnis fasst den Glauben der Kirche an Christus zusammen. Das Synaxarium erzählt, dass Papst Gabriel II. den Satz „und machte es eins mit seiner Gottheit“ hinzufügte; auf Bitten der Mönche ergänzte er „ohne Vermischung, ohne Vermengung und ohne Veränderung“, damit niemand in die Irrlehre des Eutyches falle.[^51] Was die Kirche hier bekennt, sagt der Merksatz aus [Thema 18](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T18.md) („Menschwerdung und Christologie“):

> **Merksatz**
>
> Die Kirche bekennt mit dem heiligen Kyrill: Christus ist eine Natur des fleischgewordenen Wortes Gottes, aus zwei Naturen. Diese Einheit besteht ohne Vermischung, ohne Verwandlung, ohne Teilung und ohne Trennung – so bekennen wir es im Einklang mit unserer Liturgie und der gemeinsamen Erklärung der orthodoxen Kirchen von 1989.

Der Diakon bekräftigt das Bekenntnis im Namen des Volkes: „Ich glaube. Ich glaube. Ich glaube, dass dies wahrhaftig Wahrheit ist.“ Dann ruft er: „Betet für die würdige Teilnahme an diesem himmlischen, heiligen, reinen Sakrament.“[^52]

## Die Kommunion

Der Priester bittet die Diakone und das Volk um Vergebung und kommuniziert als Erster, dann die Diakone und dann das Volk; zuerst wird der Leib, dann das Blut ausgeteilt.[^53] Beim Austeilen spricht der Priester: „Der Leib Emmanuels, unseres Gottes. Dies ist es in Wahrheit. Amen.“[^54] Wer den Leib empfangen hat, hält ein kleines Tuch vor den Mund, damit nichts verloren geht.[^55]

Während der Kommunion singt die Gemeinde den Psalm 150: „Alles, was atmet, lobe den Herrn! Halleluja!“ (Ps 150:6).[^56] Die heiligen Gaben werden ganz empfangen; dass nichts bis zum nächsten Tag bleibt, erinnert an das Paschalamm (Ex 12:10).[^57] Die Frucht ist die Gemeinschaft mit Christus: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm“ (Joh 6:56). Zugleich werden wir eins miteinander: „Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib“ (1. Kor 10:17a).

Nach der Kommunion dankt der Priester: „Unser Mund wurde mit Freude erfüllt, unsere Zunge mit Jubel durch die Teilnahme an deinen unsterblichen Mysterien, o Herr.“[^58]

## Entlassung und Eulogie

Am Ende entlässt der Priester den Engel des Opfers: „O Engel dieses Opfers, der du mit unserem Lob in die Höhen fliegst, gedenke unser vor dem Herrn, dass er unsere Sünden vergebe.“[^59] Dann besprengt er das Volk mit Wasser; früher legte er jedem einzeln die Hand auf, und so kannte er jeden, der gekommen war.[^60] Im Schlusssegen nennt er die Gottesgebärerin und die Heiligen, die Gemeinde betet das Vaterunser, und der Priester entlässt sie mit den Worten „Gehet hin in Frieden“.[^61]

Zuletzt verteilt der Priester die **Eulogie**.[^62]

> **Begriff: Eulogie**
>
> Die Eulogie ist gesegnetes Brot, nicht der Leib Christi. Das Wort bedeutet „Segen“. Sie stammt von den Broten, die bei der Darbringung nicht als Lamm ausgewählt wurden.[^63]

Beim Austeilen sieht der Priester, wer gefehlt hat, und sucht ihn auf.[^64] Auch Kinder sollen den Unterschied zwischen Kommunion und Eulogie kennen. Schon in den überlieferten Kanones des Basilius heißt es, dass niemand nach der Verlesung des Evangeliums „ohne zwingenden Grund“ fortgehen soll, „außer nachdem er die Eucharistie empfangen hat“.[^65] Bleib auch nach der Kommunion bis zum Schluss, um mit der Gemeinde zu danken und den abschließenden Segen und die Eulogie zu empfangen.[^66]

## Priester, Diakon und Volk in der Liturgie der Gläubigen

| Teil | Priester | Diakon | Volk |
|----|----|----|----|
| Versöhnung und Anaphora | betet das Versöhnungsgebet, hebt mit dem Diakon die Prospherin ab, betet die Anaphora, spricht die Einsetzungsworte | ruft zum Friedenskuss auf, fordert zum Stehen und zum Blick nach Osten auf, hält Kerzen | reicht einander die Hand zum Friedensgruß, antwortet „Wir haben sie beim Herrn“, singt das Sanctus, bekennt „Wir glauben“ |
| Epiklese und Fürbitten | ruft den Heiligen Geist herab, betet für Kirche, Welt und Entschlafene | ruft „Verbeugt euch vor Gott in Ehrfurcht und Zittern!“, wacht am Altar | folgt der Gebetshaltung des Kirchenjahres, spricht „Wir preisen Dich …“, antwortet „Kyrie eleison“ |
| Brotteilung bis Entlassung | bricht den Leib, spricht das Bekenntnis, teilt die Kommunion aus, segnet, verteilt die Eulogie | bekräftigt das Bekenntnis, ruft zum Gebet um würdigen Empfang | betet das Vaterunser, neigt das Haupt, singt Psalm 150, kommuniziert vorbereitet |

Tabelle 79 · Rollen in der Liturgie der Gläubigen

## Für den Dienst

### Kinder zur bewussten Teilnahme anleiten

Kinder sollen die Liturgie nicht nur „aushalten“, sondern mitfeiern. Das gelingt, wenn sie wissen, was geschieht, und eine eigene Aufgabe haben.

- **Vorher erklären:** Erzähle vor der Liturgie kurz, was heute geschieht: „Gleich ruft der Diakon, dann beten wir ehrfürchtig mit, während der Priester um den Heiligen Geist bittet.“ Wähle jedes Mal nur einen Teil aus.
- **Antworten lernen:** Schon kleine Kinder können „Amen“, „Kyrie eleison“ und „Ich glaube“ mitsprechen. Größere lernen „Wir haben sie beim Herrn“, das Sanctus und Psalm 150.
- **Haltung zeigen:** Stehen beim Evangelium, die Gebetshaltung des Kirchenjahres bei der Epiklese, Haupt neigen beim Ruf „Neigt euer Haupt vor dem Herrn“. Kinder lernen das vor allem, indem sie es bei dir sehen.
- **Friedenskuss:** Der Katechismus erwähnt ausdrücklich die Kinder. Zeige ihnen, dass sie sich vorher mit Geschwistern und Freunden versöhnen dürfen.
- **Vorbereitung auf die Kommunion:** Wie Kinder sich vorbereiten (Umkehr, Beichte, Nüchternheit; siehe den ersten Vortrag), besprechen die Eltern mit dem Beichtvater. Stelle keine eigenen Regeln auf.
- **Danach danken:** Ein kurzes Dankgebet nach der Kommunion und das ruhige Warten bis zur Entlassung gehören dazu.
- **Ohne Nachspielen:** Im Unterricht werden priesterliche Handlungen nicht nachgespielt. Geübt werden die Antworten des Volkes.

### Für dich selbst

Bevor du Kinder anleitest, prüfe dich selbst: Kommst du rechtzeitig, betest du die Antworten mit, folgst du bei der Epiklese der Gebetshaltung des Kirchenjahres, bleibst du bis zur Entlassung? Der Ruf „Das Heilige den Heiligen“ gilt dir als Einladung, umzukehren und vorbereitet zu kommen.

## Das Wichtigste in Kürze

- Die Liturgie der Gläubigen beginnt mit dem Versöhnungsgebet und dem Friedenskuss: Wer zum Altar tritt, ist mit Gott und den Geschwistern versöhnt.
- In der Anaphora erhebt die Kirche ihr Herz zu Gott, singt mit den Engeln das Sanctus (Jes 6:3), erzählt das Heilswerk, spricht die Einsetzungsworte und vollzieht die Anamnese.
- In der Epiklese kommt der Heilige Geist auf Brot und Wein herab und macht sie zum Leib und Blut Christi; die Gemeinde betet ehrfürchtig mit.
- Die Kirche betet für alle, gedenkt der Gottesgebärerin (Theotokos) und der Heiligen und bittet um ihre Fürsprache; angebetet wird allein Gott.
- Brotteilungsgebet, Vaterunser, „Das Heilige den Heiligen“ und das Bekenntnis vor der Kommunion bereiten auf den Empfang vor.
- Zuerst kommuniziert der Priester, dann die Diakone und das Volk; dabei singt die Gemeinde Psalm 150. Entlassung und Eulogie schließen die Liturgie.
- Kinder feiern bewusst mit, wenn sie wissen, was geschieht, die Antworten kennen und sich nach der Ordnung der Kirche vorbereiten.

## Zum Weiterlesen

- Abuna Tadros Y. Malaty, *Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche*, Bd. 1, Fr. 796–807.
- Papst Schenouda III., *Die Geistlichen Mittel*, Kap. 8 „Heilige Kommunion“.
- *Die göttlichen Liturgien der koptischen Kirche*, Koptisch-Orthodoxe Kirche in Österreich, Wien 2009: Basilius-Liturgie, Liturgie der Gläubigen (S. 179–250).
- *Die sieben Sakramente*, hg. vom Koptisch-Orthodoxen Kloster des heiligen Antonius, Kröffelbach 2017, Kap. 4.2.5.
- Synaxarium, 10. Baramuda: Papst Gabriel II. (S. 387–389).

## Anmerkungen

[^1]: Das heilige Euchologion der koptisch-orthodoxen Kirche, hg. vom Koptisch-Orthodoxen Kloster des heiligen Antonius, Kröffelbach 2022, S. 388 (Basilius-Liturgie).

[^2]: Vgl. Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 174–175.

[^3]: Vgl. ebd., S. 176.

[^4]: Die göttlichen Liturgien, S. 182.

[^5]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 796.

[^6]: Kyrill von Jerusalem, Mystagogische Katechesen 5,3; zitiert nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 796.

[^7]: Vgl. Euchologion, S. 396.

[^8]: Vgl. Euchologion, S. 396.

[^9]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 792, Anm. 1549.

[^10]: Euchologion, S. 404.

[^11]: Vgl. Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 181–183.

[^12]: Die göttlichen Liturgien, S. 188–189.

[^13]: Die göttlichen Liturgien, S. 190; vgl. Jes 6:3.

[^14]: Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 191.

[^15]: Vgl. Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 184–185.

[^16]: Die göttlichen Liturgien, S. 192–193.

[^17]: Die göttlichen Liturgien, S. 271 (Gregorius-Liturgie).

[^18]: Euchologion, S. 416–418; vgl. Mt 26:26–28; 1. Kor 11:23–25.

[^19]: Euchologion, S. 420.

[^20]: Vgl. Euchologion, S. 416.

[^21]: Die göttlichen Liturgien, S. 198–199; vgl. 1. Kor 11:26.

[^22]: Euchologion, S. 422.

[^23]: Die göttlichen Liturgien, S. 200.

[^24]: Vgl. Euchologion, S. 1197 (Glossar, Nr. 20).

[^25]: Die göttlichen Liturgien, S. 200.

[^26]: Die stillen Gebete in den koptischen Liturgien, S. 42.

[^27]: Die sieben Sakramente, S. 90.

[^28]: Die stillen Gebete, S. 49.

[^29]: Vgl. Euchologion, S. 426.

[^30]: Die göttlichen Liturgien, S. 201.

[^31]: Euchologion, S. 426.

[^32]: Die göttlichen Liturgien, S. 366–367.

[^33]: Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 205–215.

[^34]: Euchologion, S. 580 (Gregorius-Liturgie).

[^35]: Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 216–219.

[^36]: Euchologion, S. 456.

[^37]: Vgl. Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 3.10.

[^38]: Die göttlichen Liturgien, S. 187.

[^39]: Die göttlichen Liturgien, S. 224–225.

[^40]: Vgl. Die sieben Sakramente, S. 94.

[^41]: Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 226–227 und 413–453; Die sieben Sakramente, S. 93.

[^42]: Die göttlichen Liturgien, S. 394–395 (Kyrillus-Liturgie).

[^43]: Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 227–228.

[^44]: Die göttlichen Liturgien, S. 228.

[^45]: Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 229–232.

[^46]: Die göttlichen Liturgien, S. 233–234.

[^47]: Die sieben Sakramente, S. 94; vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 799.

[^48]: Johannes Chrysostomus, Homilien über den Brief an die Hebräer, Homilie 17,4.

[^49]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 805.

[^50]: Die göttlichen Liturgien, S. 236–237; vgl. 1. Tim 6:13.

[^51]: Vgl. Synaxarium, 10. Baramuda, Die Entschlafung des heiligen Papstes Gabriel II., S. 387–388.

[^52]: Die göttlichen Liturgien, S. 238.

[^53]: Vgl. Die sieben Sakramente, S. 96; Die göttlichen Liturgien, S. 241.

[^54]: Euchologion, S. 498.

[^55]: Vgl. Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 241.

[^56]: Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 242–243.

[^57]: Vgl. Euchologion, S. 500; Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 248.

[^58]: Euchologion, S. 510.

[^59]: Die göttlichen Liturgien, S. 246.

[^60]: Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 246; Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 254–256.

[^61]: Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 247–249.

[^62]: Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 250; Die sieben Sakramente, S. 97.

[^63]: Vgl. Die sieben Sakramente, S. 67; Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 266.

[^64]: Vgl. Die sieben Sakramente, S. 67.

[^65]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 798.

[^66]: Vgl. Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 255.
