# Das Priestertum und die kirchliche Ordnung

*Allgemeines und besonderes Priestertum, Weihe und apostolische Sukzession, Diener und Priester*

Lehrbuch · 4. Semester · [Thema 30: Priestertum, Krankensalbung und Ehe](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T30.md) · Vortrag 1 · Lesedauer etwa 18 Minuten

Koptisch-Orthodoxe Diözese Österreichs und der Deutschschweiz · Ausgabe 15, Stand 21. Oktober 2026 · Webseite: [https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T30/V01](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T30/V01.md)

## Lernziele

1.  Allgemeines und besonderes Priestertum unterscheiden.
2.  Die Weihe als Sakrament und die apostolische Sukzession erklären.
3.  Das Verhältnis von Diener und Priester in der Gemeinde beschreiben.

## Schlüsselbegriffe

allgemeines Priestertum · besonderes Priestertum · Kohen · Presbyter (Ältester) · Bischof · Diakon · Weihestufe · Sakrament des Priestertums · Handauflegung · apostolische Sukzession · geistliche Vaterschaft · Diakonatsstufen · Diakonisse

## Bibelstellen

1. Petr 2:9; Ex 19:6; Offb 1:6; Röm 12:1; Ps 141:2; Hebr 13:15; Hebr 5:4; Gal 3:28; Mal 2:7; Hebr 4:14; 1. Tim 2:5; Kol 1:18; Phil 1:1; Apg 20:28; Apg 14:23; Tit 1:5; 1. Tim 5:17; Jak 5:14; Apg 6:3–6; 1. Tim 3:2; 1. Tim 3:8; Apg 13:3; 2. Tim 1:6; Joh 20:21–23; 1. Tim 5:22; 2. Tim 2:2; Mt 23:9; 1. Kor 4:15; Mt 20:26; Röm 10:15; Hebr 13:17; 1. Thess 5:13; Gen 1:27; Lk 8:1–3; Röm 16:1; 1. Tim 2:12; 1. Tim 1:3; Apg 18:26; Tit 2:3; 2. Tim 1:5

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Der Priester feiert die Göttliche Liturgie, die Diakone dienen am Altar, und du lehrst die Kinder. Aus [Buch 1, Kapitel 9](https://dienerkursbooks.pages.dev/vorwissen/K09.md) („Kirchliche Ordnung, Kirchenjahr und Gebetsleben“) kennst du die drei **Weihestufen** des **Sakraments des Priestertums** und die fünf **Diakonatsstufen**. Warum gibt es Priester, wenn alle Getauften ein „priesterliches Volk“ sind, und wie arbeiten Diener und Priester zusammen?

## Allgemeines und besonderes Priestertum

### „Ein priesterliches Volk“

Manche sagen: „Wir brauchen keine Priester.“ Sie berufen sich auf Petrus: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde“ (1. Petr 2:9a).

Papst Schenouda III. antwortet mit dem Alten Testament. Das Wort des Petrus stammt aus dem Buch Exodus, wo Gott zu Israel sagt: „ihr aber sollt mir als ein Reich von Priestern und als ein heiliges Volk gehören“ (Ex 19:6a). Trotzdem hat Gott aus diesem „Reich von Priestern“ Aaron und seine Söhne als Priester erwählt, und nicht jeder durfte opfern. Auch die Offenbarung sagt: „er hat uns zu Königen gemacht und zu Priestern vor Gott, seinem Vater“ (Offb 1:6a). Niemand versteht „Könige“ so, als trüge jeder Christ eine Krone. Wenn das eine Wort nicht buchstäblich gemeint ist, dann auch das andere nicht.[^1]

### Das allgemeine Priestertum

Was ist dann gemeint? Papst Schenouda III. antwortet: „Ohne Zweifel ist es ein geistiges Priestertum, in dem der Gläubige geistige Opfer, geistigen Weihrauch darbringt, ohne dass er Priester dem Wort nach sein muss. Das darf für alle Gläubigen gelten.“[^2]

Solche geistlichen Opfer nennt die Schrift oft. David betet: „Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor dir auf; als Abendopfer gelte vor dir, wenn ich meine Hände erhebe“ (Ps 141:2; LXX 140). Paulus ermahnt die Christen, „euch selbst als lebendiges und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt“ (Röm 12:1a). Und der Hebräerbrief sagt: „Durch ihn also lasst uns Gott allezeit das Opfer des Lobes darbringen, nämlich die Frucht der Lippen, die seinen Namen preisen“ (Hebr 13:15). Das ist das **allgemeine Priestertum** aller Gläubigen.

### Das besondere Priestertum

Daneben gibt es ein Priestertum, das nicht allen gehört:

> **Aus der Lehre unserer Päpste**
>
> Darbringung solcher Opfer bedeutet allgemeines Priestertum aller Gläubigen. Das hindert allerdings das besondere Priestertum mit Darbringen der heiligen Sakramente nicht. \[…\] Aber wagt es einer, das Opfer des Leibes und Blutes des Herrn in der Eucharistie darzubringen? Niemals! Dazu sind im Neuen Testament die Priester im Priestertum berufen.[^3]
>
> – Papst Schenouda III., *Das Priestertum*, Kap. 1.2

Zu diesem **besonderen Priestertum** ruft Gott: „Und keiner nimmt sich eigenmächtig diese Würde, sondern er wird von Gott berufen, so wie Aaron“ (Hebr 5:4).

> **Begriff: Allgemeines und besonderes Priestertum**
>
> Das **allgemeine Priestertum** haben alle Getauften: Sie bringen Gott geistliche Opfer dar – Gebet, Lobpreis, Werke der Liebe, das eigene Leben. Das **besondere Priestertum** empfangen Bischöfe und Priester durch die Weihe: Sie bringen das Opfer der Eucharistie dar und spenden die Sakramente.

Sind manche Christen also mehr wert als andere? Nein: „ihr alle seid ‚einer‘ in Christus Jesus“ (Gal 3:28b). Papst Schenouda III. erklärt, dass Paulus hier von der Kindschaft spricht, die wir in der Taufe empfangen: „In Kindschaft und Segen der Taufe sind alle Menschen gleich. Aber sie sind in Qualifizierung und Priestertum nicht gleich.“[^4]

## Priestertum im Alten und im Neuen Bund

### „Kohen“ – der vor Gott steht

Das hebräische Wort für Priester heißt **Kohen**. Es „bedeutet ‚der Vorstehende‘ – also jemand, der vor Gott steht“.[^5] Der Priester steht vor Gott, um für das Volk zu beten, und vor dem Volk, um es im Namen Gottes zu lehren: „… die Lippen des Priesters bewahren die Erkenntnis und aus seinem Mund erwartet man Belehrung; denn er ist der Bote des Herrn der Heere“ (Mal 2:7).

### Christus, der Hohepriester

Mit Christus beginnt ein neues Priestertum. In ihm haben wir „einen erhabenen Hohenpriester“ (Hebr 4:14a), und er ist der eine „Mittler zwischen Gott und den Menschen“ (1. Tim 2:5b). Papst Schenouda III. erklärt: „Wenn Christus Hohepriester ist, muss es Priester geben, deren Oberer er ist.“[^6]

Entscheidend ist der Unterschied: „Christus ist Priester im Sinn des Opfernden, dessen Opfer er selbst ist. Das Priestertum der Menschen besteht darin, dass sie Diener des Opfers sind.“[^7] Der Priester steht nicht als zweiter Mittler neben Christus und bringt kein anderes Opfer dar als das eine Opfer Christi, das in der Eucharistie gegenwärtig wird. Darum nennt der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty den Priester „eine Ikone Christi – des Hohenpriesters“.[^8]

### Die drei Ämter im Neuen Testament

| Amt | griechisches Wort | Bibelstellen |
|----|----|----|
| Bischof | *episkopos* (Aufseher) | Apg 20:28; Phil 1:1; 1. Tim 3:2 |
| Priester | *presbyteros* (Ältester) | Apg 14:23; Tit 1:5; 1. Tim 5:17; Jak 5:14 |
| Diakon | *diakonos* (Diener) | Apg 6:3–6; Phil 1:1; 1. Tim 3:8 |

Tabelle 81 · Die drei Ämter im Neuen Testament

Die Bibel nennt die Priester meist „Älteste“, griechisch *presbyteros*; daher kommt das Wort „Presbyter“. Gemeint ist kein Lebensalter, sondern ein Amt.

Am Anfang des 2. Jahrhunderts bezeugt der heilige Ignatius von Antiochien diese Ordnung schon als selbstverständlich:

> **Aus den Vätern**
>
> Befleißiget euch, alles zu tun in der Eintracht Gottes, da der Bischof den Vorsitz führt an Stelle Gottes, die Presbyter an Stelle des Apostelkollegiums, und die Diakonen, die ich gar sehr liebe, mit dem Dienste Jesu Christi betraut sind.[^9]
>
> – Hl. Ignatius von Antiochien, *An die Magnesier*, Kap. 6,1

„An Stelle Gottes“ heißt nicht, dass der Bischof Gott ersetzt. Ignatius sagt selbst, wie er es meint: Man soll „den Bischof als das Abbild des Vaters“ achten.[^10] Der Bischof steht der Gemeinde als Vater vor; das Haupt der Kirche ist Christus: „Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche“ (Kol 1:18a).

## Die Weihe als Sakrament

### Handauflegung mit Gebet

Wie wird man Diakon, Priester oder Bischof? Die Apostelgeschichte zeigt es von Anfang an. Für den Dienst an den Witwen wählte die Gemeinde sieben Männer „voll Geist und Weisheit“ (Apg 6:3a); dann heißt es: „Sie ließen sie vor die Apostel hintreten und diese beteten und legten ihnen die Hände auf“ (Apg 6:6). Auch Paulus und Barnabas wurden so ausgesandt, obwohl der Heilige Geist sie selbst berufen hatte: „Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen“ (Apg 13:3). Und Paulus erinnert Timotheus an „die Gnade Gottes …, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist“ (2. Tim 1:6b).

Die **Handauflegung** mit Gebet ist das sichtbare Zeichen der Weihe. Der Katechismus erklärt, was in ihr geschieht:

> „Die Handauflegung ist ein Zeichen der Übertragung von Kraft – nicht von einem Menschen auf einen anderen, sondern von Gott, der Quelle aller Kraft und Gnade, auf den, der dem göttlichen Dienst geweiht ist.“[^11]

Darum ist die Weihe ein Sakrament: Der Bischof legt die Hand auf und betet, aber Gott schenkt die Gnade.

### Der heilige Hauch

Am Abend des Auferstehungstages sandte der Herr seine Apostel:

> **Heilige Schrift**
>
> Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.
>
> Joh 20:21–23

Dieses Anhauchen lebt in der Weihe weiter: „Bei der Priesterweihe öffnet der zum Priestertum Erwählte seinen Mund, und der Bischof haucht in seinen Mund und sagt: ‚Empfange den Heiligen Geist‘“.[^12] Der Neugeweihte antwortet: „Ich habe meinen Mund geöffnet und den Geist empfangen.“[^13] Er empfängt denselben Geist, den Christus den Aposteln gab.

### Ein Amt aus dem Himmel

Der heilige Johannes Chrysostomus nennt den Heiligen Geist hier **Paraklet**, mit dem griechischen Wort für „Beistand“, das der Herr selbst gebraucht (Joh 14:16):

> **Aus den Vätern**
>
> Was nämlich das Priestertum betrifft, so wird es zwar auf Erden verwaltet, nimmt jedoch den Rang himmlischer Einrichtungen ein. Und das ganz mit Recht. Denn kein Mensch, kein Engel, kein Erzengel, keine andere geschaffene Macht, sondern der Paraklet selbst hat dieses Amt gestiftet und hat Menschen, die noch im Fleische leben, bevollmächtigt, den Dienst von Engeln zu verrichten.[^14]
>
> – Hl. Johannes Chrysostomus, *Über das Priestertum*, Buch III, Kap. 4

Weil das Amt von Gott kommt, hängt die Gnade der Sakramente – der Katechismus nennt sie auch Mysterien – nicht an der persönlichen Heiligkeit des Priesters: „Letztlich vollzieht Christus all diese Mysterien durch das Sakrament des Priestertums.“[^15] Papst Schenouda III. fügt hinzu: „Wir glauben nicht an die Unfehlbarkeit eines Priesters, aber wir glauben an seine Macht.“[^16] Gemeint ist die Vollmacht, die Gott ihm anvertraut hat, nicht eine Herrschaft über Menschen.

### Auch der Diakonat ist eine Weihestufe

In die drei vorbereitenden Dienststufen, den Epsaltos (Sänger), den Anagnostis (Leser) und den Hypodiakon (Subdiakon; in unseren Gemeinden Epidiakon genannt), setzt der Bischof durch Gebet und Segnung mit dem Kreuzzeichen ein, ohne Handauflegung. Den Diakon dagegen weiht er wie die Apostel die sieben (Apg 6:6) mit Handauflegung und Gebet; die Apostel haben den Heiligen Geist „in allen Stufen des Priestertums durch Handauflegung weitergegeben: an Bischöfe, Priester, sogar Diakone“.[^17] Der Diakon gehört deshalb zu den drei Weihestufen des Priestertums.[^18]

## Die apostolische Sukzession

> **Begriff: Apostolische Sukzession**
>
> Die ununterbrochene Weitergabe des apostolischen Amtes und der apostolischen Lehre durch die Handauflegung, von den Aposteln bis heute.

Paulus mahnt Timotheus: „Lege keinem vorschnell die Hände auf“ (1. Tim 5:22a), und: „Was du vor vielen Zeugen von mir gehört hast, das vertrau zuverlässigen Menschen an, die fähig sind, auch andere zu lehren“ (2. Tim 2:2). Vier Generationen in einem Vers: Paulus, Timotheus, die zuverlässigen Menschen und die anderen, die sie lehren.

> **Aus der Lehre unserer Päpste**
>
> Dasselbe gilt für jeden Apostel an jedem Ort. Die Handauflegungen folgten ohne Unterbrechung aufeinander bis sie auf unsere Generation kamen: Es ist dasselbe Priestertum in seinen verschiedenen Stufen, das der Herr seinen Aposteln gab.[^19]
>
> – Papst Schenouda III., *Das Priestertum*, Kap. 2.6

Die Bischöfe sind „Nachfolger der Apostel. Der Heilige Geist bestellte sie zu Hirten“.[^20] So reicht die Kette der Handauflegungen in unserer Kirche über Papst Tawadros II., den 118. Papst von Alexandrien, bis zum heiligen Markus, dem Apostel und Evangelisten.[^21]

Mit dem Amt wird auch der Glaube der Apostel weitergegeben. Darum verspricht jeder neue Priester bei seiner Weihe vor dem Papst, seinem Bischof, dem Klerus (den Geistlichen) und dem ganzen Volk, dass er „fest bleibe im orthodoxen Glauben bis zum letzten Atemzug, die Gesetze der heiligen Kirche beachte, ihre Traditionen, Riten und Lehren bewahre“.[^22]

![Die Ordnung der Kirche: drei Weihestufen unter Christus, dem Hohenpriester](https://dienerkursbooks.pages.dev/bilder/T30/T30-B1.jpg)

*Abb. 58 · Die Ordnung der Kirche: drei Weihestufen unter Christus, dem Hohenpriester*

## Der Priester als Vater

„Abuna“ bedeutet „unser Vater“. Papst Tawadros II. erklärt diese Anrede:

> **Aus der Lehre unserer Päpste**
>
> Das Priestertum ist eines der sieben Sakramente der Kirche. Man könnte es ebenso als Sakrament der Väterlichkeit bezeichnen. \[…\] Die Würde des Priestertums ist die Würde der Vaterschaft. Die Würde des Priesters wächst durch den Geist der Vaterschaft in ihm.[^23]
>
> – Papst Tawadros II., *Die Kirche ist meine Mutter*, S. 29

Manche wenden ein: „Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel“ (Mt 23:9). Doch Paulus schreibt den Korinthern: „… in Christus Jesus bin ich durch das Evangelium euer Vater geworden“ (1. Kor 4:15b). Papst Schenouda III. erklärt: „dies ist geistige Vaterschaft, Vaterschaft durch Glauben, in Mission und Lehren“.[^24] Alle Vaterschaft kommt vom himmlischen Vater; der Priester ist Vater, weil er Kinder für Gott erzieht, nicht für sich selbst.

Ein Vater in Christus herrscht nicht, er dient (Mt 20:26). Der Priester „soll ein demütiger Priester sein und sich nicht Macht über Menschen anmaßen“.[^25]

Nach der Weihe und vierzig Tagen der Vorbereitung empfängt die Gemeinde ihren neuen Priester. Dabei lesen ihm die Priester vor: „Du, Geliebter Christi, erhebe dich nicht über das Volk Gottes, sondern bleibe in vollkommener Liebe zu ihm. Erwirb Demut, denn Hochmut ist vor Gott verhasst.“ Und die Gemeinde ruft: „Würdig, würdig, würdig, o unser Vater … der Priester.“[^26]

## Diener und Priester

### Alle dienen, jeder an seinem Platz

Wo stehst du als Diener in dieser Ordnung? Papst Tawadros II. schreibt: „Wir sind alle Diener“, und: „Die Kirche wird repräsentiert durch den Bischof, den Priester, den Diakon, den Diener, die Dienerin, die Männer, die Frauen, die jungen Männer und die jungen Frauen. Jeder hat eine Rolle“.[^27]

Der Diener ist nicht geweiht, aber er ist gesandt. Paulus fragt: „Wie soll aber jemand verkündigen, wenn er nicht gesandt ist?“ (Röm 10:15a). Papst Schenouda III. rät jedem, der den Eifer zur Verkündigung spürt: „Gehe zur Kirche, damit sie dich aussendet“.[^28] Ob du in der Sonntagsschule lehrst oder einen anderen Dienst tust: Du dienst im Auftrag der Kirche, die dich durch den Priester sendet.

### Gehorsam und Absprache

Zum gemeinsamen Dienst gehört **Gehorsam**: „Gehorcht euren Vorstehern und ordnet euch ihnen unter, denn sie wachen über euch und müssen Rechenschaft darüber ablegen“ (Hebr 13:17a). Gehorsam heißt, den Dienst mit dem Priester zu tragen, nicht gegen ihn.

Ebenso wichtig ist die **Absprache**. Der Priester trägt die Verantwortung für die ganze Gemeinde, auch für die Kinder deiner Klasse und für alle, denen du dienst. Darum sprichst du mit Abuna,

- bevor du etwas Neues beginnst, etwa einen Ausflug, ein Fest oder ein neues Programm;
- wenn dich ein Kind mit einer Glaubensfrage überfordert;
- wenn du dir um ein Kind Sorgen machst, weil es krank ist, sich zurückzieht oder du etwas Bedrückendes bemerkst; ist ein Kind in akuter Gefahr, rufst du sofort selbst den Notruf;
- wenn du einen Hausbesuch planst.

Vor den Kindern sprichst du von Abuna mit Achtung. Paulus bittet die Gemeinde, ihre Leiter „hoch“ zu achten und sie zu lieben „wegen ihres Wirkens“ (1. Thess 5:13a). Hast du etwas gegen eine Entscheidung einzuwenden, sagst du es ihm selbst, unter vier Augen und mit Respekt.

## Der Diener am Altar

Viele Diener und Kinder deiner Klasse dienen auch im Gottesdienst mit. Jede Diakonatsstufe hat eigene Aufgaben:[^29]

| Stufe | Aufgaben im Gottesdienst |
|----|----|
| Epsaltos (Sänger) | lernt und singt im Diakonenchor die Hymnen und die Antworten der Göttlichen Liturgie |
| Anagnostis (Leser) | liest Paulus, Katholikon und Praxis (die Lesungen aus den Paulusbriefen, den katholischen Briefen und der Apostelgeschichte) mit ihren Einleitungs- und Schlussworten; soll die Bibel gut kennen |
| Hypodiakon (Subdiakon) | hält die Ordnung in der Kirche, hütet ihre Türen, sorgt für die Leuchter und bereitet die Lesungen vor |
| Diakon | spricht die Antworten auf die Litaneien (die Fürbittgebete des Priesters), liest das Evangelium, trägt bei der Austeilung der Kommunion den Kelch und begleitet Priester und Bischof, wenn sie Bedürftige besuchen und betreuen |
| Archidiakon (Erzdiakon) | leitet alle Stufen der Diakone und bestimmt ihre Aufgaben |

Tabelle 82 · Die Diakonatsstufen und ihre Aufgaben im Gottesdienst

> **Beispiel**
>
> **Die Einsetzung junger Sänger und Leser.** Schon Kinder werden als Epsaltos (Sänger) oder Anagnostis (Leser) eingesetzt. Bei der Einsetzung des Lesers liest der Erzdiakon dem Jungen und seinen Eltern die Pflichten seiner Stufe vor: Die Eltern sollen ihn früh lehren, was dieser Dienst verlangt, ihn zum Fasten anhalten und darauf achten, dass er die Kirche besucht und an Gebet und Liturgie teilnimmt.[^30] So wachsen der Dienst im Gottesdienst, die Erziehung in der Familie und die Sonntagsschule zusammen.

## Frauen im Dienst der Kirche

### Viele Aufgaben

Mann und Frau sind von Gott gleich geschaffen, gleich an Würde und Natur (Gen 1:27; Gal 3:28). Papst Schenouda III. sagt: „Mann und Frau sind vor Gott gleich.“[^31]

Von Anfang an haben Frauen der Kirche gedient. Mit den Zwölf begleiteten Jesus auch Frauen und unterstützten ihn „mit dem, was sie besaßen“ (Lk 8:3b). Paulus empfiehlt „unsere Schwester Phöbe, die Dienerin der Gemeinde von Kenchreä“ (Röm 16:1b). In der frühen Kirche gab es **Diakonissen**; der Katechismus nennt „die heilige Olympias, die Jüngerin des heiligen Johannes Chrysostomus“.[^32] Papst Schenouda III. beschreibt ihren Dienst: „nicht für den Altardienst, sondern für den sozialen Dienst oder für den Unterricht oder für die Ordnung oder um dem Priester in Angelegenheiten zu helfen, die Frauen in den heiligen Sakramenten betreffen“.[^33] In unserer Zeit hat Papst Schenouda III. den Dienst der Diakonissen wiederbelebt. Sie werden durch die Segnung des Bischofs in ihren Dienst eingesetzt.[^34]

> **Begriff: Diakonisse**
>
> Eine durch die Segnung des Bischofs eingesetzte Frau im Dienst der Kirche, besonders in der Unterweisung und im Dienst an Frauen, Kindern und Bedürftigen; sie hat keinen Altardienst und empfängt keine Priesterweihe.

Papst Schenouda III. betont die Würde der Frauen in der Kirche: Sie sind „unsere Mütter, unsere Schwestern und für uns unsere geistlichen Töchter“; „wir achten sie, wir lieben sie, wir beten für sie, und wir geben ihnen Aufgaben in der Kirche“. Tausende Frauen lehren in der Sonntagsschule, und am Theologischen Seminar unterrichten Frauen.[^35]

### Warum keine Priesterinnen?

Das Priestertum hat die Kirche nie Frauen übertragen. Der Grund ist nicht, dass Frauen weniger wert oder weniger fähig wären. Christus hat seiner Kirche eine Ordnung mit verschiedenen Aufgaben gegeben; das Priestertum hat er den Aposteln übergeben, und die Kirche bewahrt, was sie von ihnen empfangen hat. Papst Schenouda III. sagt: „Das Priestertum ist eine göttliche Berufung, und es ist in der Heiligen Bibel ganz offensichtlich, dass Frauen zu vielen, vielen Aufgaben berufen wurden, aber nicht zum Priestertum.“[^36] Niemand kann das Priestertum für sich beanspruchen; der Hebräerbrief sagt: Keiner „nimmt sich eigenmächtig diese Würde, sondern er wird von Gott berufen“ (Hebr 5:4a). In seinem Buch *Das Priestertum* unterscheidet der Papst die Gleichheit aller Getauften von dieser Berufung: „Wir leugnen nicht, dass alle Gläubigen in ihrer Kindschaft zu Gott gleich sind und sie Altäre des Heiligen Geistes sind. Ein Volk ist nicht vor einem anderen ausgezeichnet; auch Geschlecht oder Hautfarbe zeichnen nicht aus; alle sind gleich in der Verantwortlichkeit ihrer Gewissen. Aber das alles heißt ganz und gar nicht, dass sie in bestimmten Qualifikationen gleich sind und gleich in Bezug auf das Priestertum!“[^37] Dass Heiligkeit nicht am Amt hängt, zeigt die heilige Jungfrau Maria: „Keine Frau auf der Welt ist heiliger als die heilige Maria“, und doch erhob sie keinen Anspruch, Priesterin zu sein; „sie war die geistliche Mutter aller Apostel“.[^38] Ihre Größe lag nicht im Amt, sondern in ihrer Heiligkeit.

### 1. Tim 2:12 richtig verstanden

Im ersten Timotheusbrief steht ein Satz, der oft Fragen auslöst:

> **Heilige Schrift**
>
> Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht, auch nicht, dass sie über ihren Mann herrscht; sie soll sich still verhalten.
>
> 1. Tim 2:12

Paulus bittet Timotheus, in Ephesus zu bleiben (1. Tim 1:3). Abuna Tadros Y. Malaty erklärt den Abschnitt vor dem Hintergrund der damaligen Kirche: Männer und Frauen lebten streng getrennt, in heidnischen Tempeln wie dem Artemistempel in Ephesus dienten Priesterinnen, und Irrlehrer wollten jeden Unterschied zwischen Mann und Frau aufheben. Paulus ordnet das Gemeindeleben und den Gottesdienst, ohne die Frau oder ihren Dienst herabzusetzen.[^39]

Was Paulus untersagt, erklärt der heilige Johannes Chrysostomus:

> **Aus den Vätern**
>
> Wie kann also der Apostel sagen: „Zu lehren gestatte ich dem Weibe aber nicht“? Damit untersagt er ihr nur, den Vorsitz in der Versammlung zu führen und den Sitz auf der Rednerbühne einzunehmen, nicht aber überhaupt mit Worten zu lehren. \[…\] Wie hätte Priscilla den Apollo unterweisen können?[^40]
>
> – Hl. Johannes Chrysostomus, *Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Römer*, Homilie 32,1

Gemeint ist das Lehren in der Versammlung der Kirche, das nach Chrysostomus „nur den Predigern zukommt“.[^41] So liest die Kirche den Vers: 1. Tim 2:12 ist aus der Lage der Gemeinde zu verstehen, in die Paulus schrieb, und wertet die Frau nicht ab. Der Vers betrifft das liturgisch-sakramentale Lehr- und Leitungsamt, das an das Priestertum gebunden ist; vom Dienst der Katechese schließt er Frauen nicht aus. Katechese heißt Unterweisung im Glauben. Gerade in Ephesus legten Priszilla und Aquila dem Apollos „den Weg Gottes noch genauer dar“ (Apg 18:26b). Von den älteren Frauen sagt Paulus, sie müssten „fähig sein, das Gute zu lehren“ (Tit 2:3b), und Timotheus selbst hat den Glauben von seiner Großmutter Loïs und seiner Mutter Eunike empfangen (2. Tim 1:5). Diesen Dienst tun heute die Dienerinnen in der Sonntagsschule und in anderen Diensten, und in der Familie die Mütter und Großmütter.

## Für den Dienst

**Bete für deinen Priester.** Wer weiß, dass der Priester „Rechenschaft“ ablegen muss (Hebr 13:17), betet für ihn. Lehre auch die Kinder, für Abuna, den Bischof und den Papst zu beten, wie die Kirche es in jeder Liturgie tut.

**Zeige den Kindern den Vater.** Kinder lernen von dir, wie man über den Priester denkt. Erzähle ihnen, dass Abuna für sie betet, sie tauft, ihnen die heilige Kommunion reicht und ihnen in der Beichte die Vergebung Gottes zuspricht.

**Erkläre, warum es keine Priesterinnen gibt.** Mann und Frau sind vor Gott gleich an Würde. Das Priestertum ist eine Berufung, die Christus den Aposteln gab; Maria, die größte aller Heiligen, war nicht Priesterin. Antworte ruhig und zeige den Kindern, welche Aufgaben Frauen in der Kirche übernehmen, etwa den Dienst in der Sonntagsschule. Fragen junge Frauen danach, nimm die Frage ernst; sie verdient ein ruhiges Gespräch und keine schnelle Antwort.

## Das Wichtigste in Kürze

- Alle Getauften haben das allgemeine Priestertum und bringen Gott geistliche Opfer dar. Das besondere Priestertum der Weihe dient den Sakramenten, vor allem der Eucharistie; zu ihm beruft Gott (Hebr 5:4).
- „Kohen“ heißt „der Vorstehende“, einer, der vor Gott steht. Das Neue Testament kennt drei Ämter: Bischof (*episkopos*), Priester (*presbyteros*, Ältester) und Diakon (*diakonos*).
- Christus ist der eine Hohepriester und Mittler; die Priester sind „Diener des Opfers“.
- Die Weihe ist ein Sakrament: Durch Handauflegung und Gebet schenkt Gott die Gnade. Auch der Diakonat ist eine Weihestufe.
- Apostolische Sukzession heißt: Die Handauflegungen folgten „ohne Unterbrechung aufeinander“ von den Aposteln bis heute; mit dem Amt wird der apostolische Glaube weitergegeben.
- Der Priester ist Vater in Christus und Diener; der Diener ist von der Kirche gesandt und arbeitet mit dem Priester in Gehorsam und Absprache.
- Mann und Frau sind vor Gott gleich an Würde und Natur; das Priestertum hat Christus den Aposteln übergeben. 1. Tim 2:12 ist aus der Lage der damaligen Gemeinde zu verstehen, wertet die Frau nicht ab und betrifft das liturgisch-sakramentale Lehr- und Leitungsamt, nicht den Dienst der Katechese.

## Zum Weiterlesen

- Papst Schenouda III.: *Das Priestertum*, Kap. 1–5 und Kap. 9.
- Abuna Tadros Y. Malaty: *Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche*, Bd. 1, Fr. 717, Fr. 808 und Fr. 812–813.
- Papst Tawadros II.: *Die Kirche ist meine Mutter*, S. 28–35.
- Johannes Chrysostomus: *Über das Priestertum*, Buch III (BKV 1. Reihe 27).
- *Die sieben Sakramente* (Liturgiebuch, hg. vom Koptisch-Orthodoxen Kloster des heiligen Antonius, Kröffelbach 2017), Kap. 7 „Das Sakrament des Priestertums“ (S. 119–128).

## Anmerkungen

[^1]: Vgl. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 1.1.

[^2]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 1.2.

[^3]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 1.2.

[^4]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 3.

[^5]: Damals wie Heute, S. 279.

[^6]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 1.5.2.

[^7]: Ebd., Kap. 8.4.

[^8]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 812.

[^9]: Ignatius von Antiochien, An die Magnesier, Kap. 6,1. „Befleißiget euch“: bemüht euch; „Apostelkollegium“: der Kreis der Apostel.

[^10]: Ignatius von Antiochien, An die Trallianer, Kap. 3,1.

[^11]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 717.

[^12]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 2.4.

[^13]: Die sieben Sakramente, S. 128.

[^14]: Johannes Chrysostomus, Über das Priestertum, Buch III, Kap. 4.

[^15]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 670.

[^16]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 4.1.3.

[^17]: Die sieben Sakramente, S. 123.

[^18]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 808.

[^19]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 2.6.

[^20]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 2.3.

[^21]: Vgl. Synaxarium, 9. Hatur, S. 116.

[^22]: Die sieben Sakramente, S. XVIII.

[^23]: Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 29.

[^24]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 5.2.

[^25]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 3.

[^26]: Der Ritus für den Empfang des neuen Priesters, S. 12 und 39–40.

[^27]: Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 34–35.

[^28]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 10.5.

[^29]: Vgl. Die sieben Sakramente, S. 125–127; Das Buch des koptischen Diakons, S. VII.

[^30]: Vgl. Ritual der Weihungen, S. 17–20.

[^31]: Papst Schenouda III., Ordination of Women & Homosexuality. Two Lectures, zweiter Vortrag, Antwort auf die fünfte Frage, S. 52.

[^32]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 569; vgl. Fr. 571.

[^33]: Papst Schenouda III., Ordination of Women & Homosexuality, S. 42.

[^34]: Vgl. Die sieben Sakramente, S. XXI.

[^35]: Papst Schenouda III., Ordination of Women & Homosexuality, S. 36.

[^36]: Ebd., S. 38.

[^37]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 3.

[^38]: Papst Schenouda III., Ordination of Women & Homosexuality, S. 41.

[^39]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, The First Epistle of Paul the Apostle to Timothy, S. 14, 17 und 62–66.

[^40]: Johannes Chrysostomus, Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Römer, Homilie 32,1. „Weib“: ältere Form für „Frau“; Einheitsübersetzung: „Priszilla“, „Apollos“ (Apg 18:26).

[^41]: Ebd.
