# Wiederkunft, Auferstehung und ewiges Leben

*Christus kommt in Herrlichkeit – die Hoffnung der Kirche ohne Spekulation*

Lehrbuch · 4. Semester · [Thema 31: Die letzten Dinge](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T31.md) · Vortrag 2 · Lesedauer etwa 18 Minuten

Koptisch-Orthodoxe Diözese Österreichs und der Deutschschweiz · Ausgabe 15, Stand 21. Oktober 2026 · Webseite: [https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T31/V02](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T31/V02.md)

## Lernziele

1.  Offb 20 ohne Chiliasmus deuten und Gründe gegen die Entrückungslehre nennen.
2.  Auferstehungsleib und Gericht beschreiben.
3.  Erklären, warum uns Tag und Stunde der Wiederkunft nicht offenbart sind.
4.  Jugendlichen mit Endzeitängsten die christliche Hoffnung zeigen.

## Schlüsselbegriffe

Wiederkunft · Antichrist · Chiliasmus · Entrückungslehre · Auferstehung der Toten · Auferstehungsleib · Letztes Gericht · Himmelreich · Grade der Herrlichkeit · Hölle (Gehenna)

## Bibelstellen

Apg 1:11; Mt 24:27; Mt 24:30; Offb 22:20; 2. Thess 2:3–4; 2. Thess 2:8; 1. Joh 2:18; Mt 24:23; Mt 24:36; Mk 13:32; Apg 1:7; Mt 24:42; Offb 20:1–6; Joh 12:31; Kol 2:12; Joh 18:36; 1. Thess 4:16–17; Röm 8:17; Joh 5:28–29; 1. Kor 15:20; 1. Kor 15:35–38; 1. Kor 15:42–49; 1. Kor 15:51–52; Mt 13:43; Phil 3:21; Lk 24:39; Mt 25:31–46; Joh 5:22; 1. Petr 4:5; 2. Kor 5:10; 1. Kor 2:9; 1. Joh 3:2; Offb 21:4; 1. Kor 15:41; Joh 14:2; 1. Tim 2:4; Mt 24:6; 1. Petr 3:15; Lk 21:28

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Im Glaubensbekenntnis bekennst du von Christus: „Und so wird er wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten, und seine Herrschaft wird kein Ende sein.“[^1] Am Ende der Zeit steht nicht ein Untergang, sondern Christus: die **Wiederkunft Christi**, die Auferstehung der Toten, das Gericht und das ewige Leben. Über dieses Thema kursieren viele Gerüchte; die Kirche antwortet nüchtern und voller Hoffnung.

## Christus kommt wieder

### Zweimal kommt der Herr

Bei der Himmelfahrt hören die Jünger: „Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen“ (Apg 1:11b). Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty erklärt: „Wir verkündigen das zweifache Kommen unseres Herrn Christus. Das erste geschah, als das Wort Gottes Mensch wurde, um uns durch das Kreuz das Heil unentgeltlich zu schenken. Das zweite wird geschehen, wenn er in großer Herrlichkeit wiederkommt.“[^2] Papst Tawadros II. nennt den Unterschied: Beim ersten Kommen kam Christus „in Gestalt eines Erlösers“, bei der Wiederkunft wird er „in Gestalt eines Richters kommen“.[^3]

Die Wiederkunft geschieht nicht im Verborgenen, sondern für alle sichtbar: „… wie der Blitz bis zum Westen hin leuchtet, wenn er im Osten aufflammt, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein“ (Mt 24:27). Alle Völker „werden den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen“ (Mt 24:30b). Der heilige Athanasius schreibt:

> **Aus den Vätern**
>
> Du wirst aber auch von seiner zweiten herrlichen und wahrhaft göttlichen Ankunft bei uns Kenntnis erhalten, wann er nicht mehr in Niedrigkeit kommt, sondern in seiner Herrlichkeit, nicht mehr in Demut, sondern in seiner Majestät, nicht mehr, um zu leiden, sondern um dann allen die Frucht seines Kreuzes mitzuteilen, nämlich die Auferstehung und die Unverweslichkeit. Auch wird er nicht mehr gerichtet; vielmehr richtet er alle, einen jeden nach dem Guten oder Bösen, das er mit seinem Leibe getan hat. Da ist den Guten das Himmelreich aufbehalten, den Übeltätern aber das ewige Feuer und die äußerste Finsternis.[^4]
>
> – Hl. Athanasius der Apostolische, *Über die Menschwerdung des Logos*, Kap. 56

### Die Kirche erwartet ihren Herrn

Die Kirche erwartet diesen Tag nicht mit Furcht, sondern mit Sehnsucht. In der Basilius-Liturgie gedenkt sie nach den Einsetzungsworten (den Worten des Herrn über Brot und Kelch am Abend vor seinem Leiden) der Leiden, der Auferstehung und der Himmelfahrt Christi und „seines zweiten Kommens vom Himmel, furchterregend und voll Herrlichkeit“.[^5] Am Ende der Bibel steht das Gebet: „Ja, ich komme bald. – Amen. Komm, Herr Jesus!“ (Offb 22:20b). Der Katechismus sagt: „Der Tag seiner Wiederkunft ist kein Grund mehr zur Furcht – er ist zur Sehnsucht unseres Herzens geworden, der wir mit Freude und Jubel entgegensehen.“[^6]

![Christus kommt in seiner Herrlichkeit (Mt 25:31)](https://dienerkursbooks.pages.dev/bilder/T31/T31-B3.jpg)

*Abb. 62 · Christus kommt in seiner Herrlichkeit (Mt 25:31)*

## Der Antichrist

In Thessalonich meinten manche, der Tag des Herrn sei schon da. Paulus antwortet:

> **Heilige Schrift**
>
> Lasst euch durch niemand und auf keine Weise täuschen! Denn zuerst muss der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Sohn des Verderbens, der Widersacher, der sich über alles, was Gott oder Heiligtum heißt, so sehr erhebt, dass er sich sogar in den Tempel Gottes setzt und sich als Gott ausgibt.
>
> 2. Thess 2:3–4

> **Begriff: Antichrist**
>
> Den **Antichristen** beschreibt der Katechismus so: „Er ist der Widersacher Christi, der danach trachtet, das Christentum auszulöschen, doch er wird ein schreckliches Ende nehmen“.[^7] Denn „Jesus, der Herr, wird ihn durch den Hauch seines Mundes töten und durch seine Ankunft und Erscheinung vernichten“ (2. Thess 2:8b).

Schon der Apostel Johannes schreibt: „Ihr habt gehört, dass der Antichrist kommt, und jetzt sind viele Antichriste gekommen“ (1. Joh 2:18b). Der Katechismus folgert: „In jeder Generation haben die Gläubigen empfunden, dass es die letzte Stunde ist; deshalb bereiten sie sich auf seine Wiederkunft vor und hüten sich vor den Täuschungen Satans.“[^8] Der Herr warnt aber: „Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier ist der Messias!, oder: Da ist er!, so glaubt es nicht!“ (Mt 24:23). Darum erklären wir keinen Politiker, kein Land, kein Volk, keine Religion und kein Ereignis zum Zeichen des Antichristen und lesen aus den Nachrichten keinen Fahrplan des Endes heraus.

## Tag und Stunde: wachsam bleiben

> **Heilige Schrift**
>
> Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.
>
> Mt 24:36

Vor seiner Himmelfahrt sagt der Herr: „Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat“ (Apg 1:7b). Der Katechismus fasst zusammen: „Die Wiederkunft unseres Herrn Jesus steht fest; wann er aber kommen wird, wissen wir nicht.“ Und er schließt: „Nach den Worten unseres Herrn und seiner Jünger sollen wir also nicht versuchen, den Zeitpunkt seiner Wiederkunft zu erfahren, sondern wachsam sein und uns darauf vorbereiten, dem Herrn zu begegnen.“[^9] Wer ein Datum für das Ende nennt, widerspricht dem Wort des Herrn.

Wie kann der Sohn, durch den alles geschaffen ist, den Tag nicht kennen?[^10] Die Kirche lehrt im Einklang mit den Vätern: Der eine Christus kennt als Gott und Richter die Stunde; er offenbart sie den Jüngern aber zu ihrem geistlichen Nutzen nicht. Der Katechismus vergleicht ihn mit einem Lehrer, der eine Prüfung ansetzt und seinen Schülern die Antworten nicht verrät.[^11] Der eine Christus weiß in seiner Gottheit alles und verschweigt die Stunde zu unserem Heil, damit wir wachsam bleiben; als Mensch hat er sie mit uns nicht gewusst, denn die menschliche Natur besitzt aus sich heraus keine Allwissenheit. Der heilige Athanasius sagt: „… wie er Mensch geworden, mit den Menschen hungert, dürstet und leidet, so weiß er nicht als Mensch mit den Menschen, in der Gottheit aber, als Wort und Weisheit im Vater, weiß er und es gibt nichts, das er nicht wüßte.“[^12] Dieses Nichtwissen ist „nicht eine Schwäche des Wortes, sondern der menschlichen Natur“,[^13] die er zu unserer Erlösung angenommen hat. Es ist derselbe Eine, der als Mensch „nicht einmal der Sohn“ sagt und als Gott alles weiß; wir teilen ihn nicht in einen wissenden und einen unwissenden Christus. Athanasius sagt auch: „Es weiß also der Sohn als Wort“; er hat das Wort „des Vorteils wegen“ gesprochen, damit wir „jederzeit bereit stehen“.[^14] Ausführlich erklärt [Thema 17](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T17.md) („Die Gottheit Christi aus der Schrift“) diese Stelle.

Statt zu rechnen, sollen wir wachen: „Seid also wachsam! Denn ihr wisst nicht, an welchem Tag euer Herr kommt“ (Mt 24:42). Dass das Ende noch nicht gekommen ist, bedeutet kein Zögern Gottes. Christus „hat Geduld mit der Menschheit, um ihnen Gelegenheit zur Umkehr und zum Heil zu geben“.[^15]

## Offb 20 – die tausend Jahre

In [Thema 15](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T15.md) („Das Neue Testament im Überblick“) hast du Offb 20 kennengelernt: Satan wird „für tausend Jahre“ gefesselt, und die Märtyrer herrschen „mit Christus für tausend Jahre“ (Offb 20:2.4).

> **Begriff: Chiliasmus**
>
> **Chiliasmus** ist die Lehre von einem irdischen Reich Christi vor dem Ende der Welt. Die Kirche lehnt sie ab.

Der Katechismus erklärt: „Es ist klar, dass der Zeitraum von tausend Jahren symbolisch zu verstehen ist.“ Das tausendjährige Reich „bezeichnet den Sieg der Kirche und die Erfüllung der Botschaft des Evangeliums in der ganzen Welt“.[^16] Abuna Tadros Y. Malaty bezieht die Zahl in seinem Kommentar zur Offenbarung auf die Zeit nach Kreuz und Auferstehung, denn „tausend zeigt die Vollständigkeit der Zeit und ihre Fülle an“.[^17] Was bedeuten dann die Bilder?

- **Die Fesselung Satans** geschah durch das Kreuz. Vor seinem Leiden sagt der Herr: „Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden“ (Joh 12:31). Seither ist die Macht des Teufels begrenzt: „… kann er keine Herrschaft über den Menschen haben, soweit der Mensch ihm keinen Platz in seinem Herzen einräumt.“[^18]
- **Die erste Auferstehung** ist das neue Leben, das wir schon jetzt empfangen: „Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt“ (Kol 2:12a). Der Katechismus folgert, dass die tausendjährige Herrschaft Christi „mit Jesus Christus selbst in der Kirche begonnen hat und die Heiligen jetzt an dieser Herrschaft Anteil haben“.[^19]
- **Die Herrschaft Christi** ist geistlich. Vor Pilatus sagt er: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18:36a). Papst Tawadros II. schreibt: „Er ist ein geistiger König und kein materieller.“[^20]

> **Merksatz**
>
> Die tausend Jahre in Offb 20 sind symbolisch. Sie bezeichnen die Zeit der Kirche zwischen dem Kreuz und der Wiederkunft, in der Christus in den Herzen der Gläubigen herrscht.

## Keine Entrückung vor der Wiederkunft

Manche christliche Gemeinschaften vertreten eine **Entrückungslehre**: Christus komme zuerst, um die Gläubigen vor einer großen Drangsal, einer Zeit schwerer Not, aus der Welt zu holen, und später noch einmal zum Gericht. Diese Vorstellung wurde erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch John Darby verbreitet.[^21] Sie beruft sich auf ein Wort des Apostels Paulus:

> **Heilige Schrift**
>
> Denn der Herr selbst wird vom Himmel herabkommen, wenn der Befehl ergeht, der Erzengel ruft und die Posaune Gottes erschallt. Zuerst werden die in Christus Verstorbenen auferstehen; dann werden wir, die Lebenden, die noch übrig sind, zugleich mit ihnen auf den Wolken in die Luft entrückt, dem Herrn entgegen. Dann werden wir immer beim Herrn sein.
>
> 1. Thess 4:16–17

Paulus spricht von der einen Wiederkunft: Der Herr kommt herab, die Toten stehen auf, die Lebenden gehen ihm entgegen. Der heilige Johannes Chrysostomus erklärt, warum:

> **Aus den Vätern**
>
> Wenn nun Christus herabkommen wird, weshalb sollen wir dann in die Höhe entrückt werden? Der Ehre wegen. Denn wenn ein König in eine Stadt einziehen will, dann gehen diejenigen, welche in Ehre und Ansehen stehen und bei ihm in Gunst sind, vor die Stadt hinaus ihm entgegen \[…\]. Seht, welch eine große Ehre! Wir dürfen die Schar bilden, die ihm entgegenzieht, wenn er herabkommt, und wir werden, o welche Fülle von Seligkeit, so allzeit beim Herrn sein.[^22]
>
> – Hl. Johannes Chrysostomus, *Homilien über den I. Thessalonicher-Brief*, Homilie 8,2

Der Katechismus nennt folgende Einwände gegen diese Entrückungslehre:

1.  Weder die Kirchenväter noch die Liturgien der Kirche kennen sie als Lehre.
2.  In seiner ausführlichen Darstellung der Auferstehung (1. Kor 15) gebraucht Paulus das Wort „Entrückung“ nicht.
3.  Die Schrift kennt kein eigenes Kommen Christi, das die Kirche der Drangsal entzieht, und danach ein drittes Kommen zum Gericht.
4.  Die Apostel sahen die Drangsale als Gabe, in der wir mit Christus leiden, „um mit ihm auch verherrlicht zu werden“ (Röm 8:17b).

> **Begriff: Entrückungslehre**
>
> Die Lehre, Christus werde die Gläubigen vor seiner Wiederkunft aus der Welt holen. Die Kirche lehnt sie ab. Das Wort „entrückt“ in 1. Thess 4:17 meint, dass die Gläubigen dem Herrn bei seiner einen Wiederkunft entgegengehen.

## Die Auferstehung der Toten

Papst Tawadros II. erklärt: „Die allgemeine Auferstehung oder die Auferstehung der Toten ist die Wiederherstellung und Vereinigung der Geister mit den Körpern durch den Befehl Gottes, des Schöpfers, und seine erhabene Macht.“[^23] Der Herr sagt:

> **Heilige Schrift**
>
> Wundert euch nicht darüber! Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und herauskommen werden: Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, zum Gericht.
>
> Joh 5:28–29

Der Katechismus sagt: „Alle Menschen, die gestorben sind, werden ausnahmslos auferstehen; diejenigen, die zu jener Zeit noch leben, werden in einem Augenblick verwandelt und geistliche und unsterbliche Leiber erhalten“.[^24] Paulus schreibt: „Wir werden nicht alle entschlafen, aber wir werden alle verwandelt werden – plötzlich, in einem Augenblick, beim letzten Posaunenschall“ (1. Kor 15:51b–52a). Der Grund unserer Hoffnung ist die Auferstehung Christi: „Nun aber ist Christus von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen“ (1. Kor 15:20).

Warum muss auch der Leib auferstehen? Der Mensch ist Leib und Seele; beide haben gemeinsam gelebt und gehandelt. Papst Tawadros II. sagt, der Mensch strebe „nach einem freudigen Leben mit Gott in der Ewigkeit“: „Dieses Ziel kann nicht erreicht werden, wenn der Geist nicht zum Fleisch zurückkehrt, und zwar durch die Auferstehung.“[^25] Schon der heilige Polykarp von Smyrna verbindet die Auferstehung zum ewigen Leben damit, Gottes Willen zu tun:

> **Aus den Vätern**
>
> Er kommt als Richter der Lebendigen und Toten \[…\]. Der aber ihn von den Toten erweckt hat, wird auch uns auferwecken, wenn wir seinen Willen tun und in seinen Geboten wandeln und lieben, was er geliebt hat.[^26]
>
> – Hl. Polykarp von Smyrna, *Brief an die Philipper*, Kap. 2,1

## Der Auferstehungsleib

„Wie werden die Toten auferweckt, was für einen Leib werden sie haben?“ (1. Kor 15:35b). Paulus antwortet mit dem Bild vom Samenkorn: „Auch das, was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt“ (1. Kor 15:36b). „Gott gibt ihm die Gestalt, die er vorgesehen hat, jedem Samen eine andere“ (1. Kor 15:38). Im Katechismus heißt es: „Es ist ein neuer Leib, aber keine völlig neue Schöpfung. Seiner materiellen Beschaffenheit nach steht er in Beziehung zum alten Leib, auch wenn zwischen beiden sowohl Ähnlichkeiten als auch Unterschiede bestehen.“[^27]

Es ist derselbe Mensch, der aufersteht: „Der Leib, den der Herr auferweckt, ist ein wirklicher Leib: der Leib eines Menschen mit seiner eigenen individuellen Prägung, zugleich aber verherrlicht und geistlich. Er ist keine Erscheinung, wie manche meinen.“[^28] So sagt auch der Auferstandene: „Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht“ (Lk 24:39b).

> **Heilige Schrift**
>
> So ist es auch mit der Auferstehung der Toten. Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich. Was gesät wird, ist armselig, was auferweckt wird, herrlich. Was gesät wird, ist schwach, was auferweckt wird, ist stark. Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen.
>
> 1. Kor 15:42–44

Der Katechismus nennt fünf Eigenschaften des Leibes der Gerechten:

| Eigenschaft | Schrift | Bedeutung |
|----|----|----|
| unverweslich | 1. Kor 15:42 | keinem Verfall, keiner Verwesung und keinem Tod mehr unterworfen |
| verherrlicht | 1. Kor 15:43; Mt 13:43a | „Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten.“ |
| kraftvoll | 1. Kor 15:43 | frei von Müdigkeit, Krankheit, Alter und Tod |
| geistlich | 1. Kor 15:44 | vom Heiligen Geist ganz erfüllt; das „bedeutet nicht, dass er ein Geist wäre“[^29] |
| nach dem Bild Christi | 1. Kor 15:45–49; Phil 3:21 | dem verherrlichten Leib des Herrn nachgebildet |

Tabelle 84 · Die Eigenschaften des Auferstehungsleibes (nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1424)

Wie das im Einzelnen geschieht, „bleibt für uns ein Geheimnis, das unser menschliches Erkenntnisvermögen übersteigt“.[^30]

## Das Gericht

Nach der Auferstehung folgt das Gericht. Der Herr beschreibt es selbst:

> **Heilige Schrift**
>
> Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.
>
> Mt 25:31–32

Der Richter ist Christus: Der Vater „hat das Gericht ganz dem Sohn übertragen“ (Joh 5:22b). Das soll uns nicht erschrecken. Der Katechismus sagt: „Christus bezeichnet sich selbst als den Richter (Joh 5:22), der die Lebenden und die Toten richten wird (1. Petr 4:5) – nicht, um sie zu erschrecken, sondern um ihnen Zuversicht zu geben.“[^31] Papst Tawadros II. fügt hinzu: „Aber dieser Richter liebt uns und ist für uns gestorben“.[^32]

Jeder wird nach seinen Taten gerichtet: „… wir alle müssen vor dem Richterstuhl Christi offenbar werden, damit jeder seinen Lohn empfängt für das Gute oder Böse, das er im irdischen Leben getan hat“ (2. Kor 5:10). Der Maßstab ist die Liebe: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25:40b). Papst Tawadros II. sagt, die Waage werde „das Maß unserer Liebe“ sein.[^33] Am Ende steht die Scheidung: „Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben“ (Mt 25:46).

> **Beispiel**
>
> In der Basilius-Liturgie betet der Priester von Christus: „Er bestimmte einen Tag zur Vergeltung, an dem er erscheinen wird, um die ganze Welt in Gerechtigkeit zu richten …“ Die Gemeinde antwortet: „Nach Deiner Barmherzigkeit, o Herr, und nicht nach unseren Sünden.“[^34] So denkt die Kirche an das Gericht: mit Ernst und mit Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit.

## Das Himmelreich

### Für immer bei Christus

Das Himmelreich übersteigt jede Beschreibung: „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (1. Kor 2:9b). Die Schrift spricht darum zurückhaltend:

> **Heilige Schrift**
>
> Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
>
> 1. Joh 3:2

Dort gilt: „Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal“ (Offb 21:4a). Die Quelle dieser Freude nennt der Katechismus: „Es ist die Betrachtung des Lichtes Gottes und seiner Herrlichkeit sowie die Vereinigung mit ihm.“[^35] Papst Tawadros II. sagt: „das Schönste am Reich Gottes ist, dass wir für immer bei Christus sein werden“.[^36]

### Grade der Herrlichkeit

Sind im Himmel alle gleich? Der Katechismus antwortet: „Jeder Mensch wird entsprechend seinem Glauben, seiner Liebe und seinen heiligen Werken einen bestimmten Grad der Herrlichkeit empfangen.“ Paulus vergleicht das mit den Gestirnen (1. Kor 15:41). Zugleich gilt: „Außerdem wird sich jeder Gläubige über die Herrlichkeit der anderen freuen und sie ohne Neid als seine eigene betrachten.“[^37] Man kann es mit Gefäßen vergleichen: Alle sind voll, aber manche sind größer und fassen mehr. Der Herr verheißt: „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“ (Joh 14:2a). Verdienen kann sich niemand den Himmel; Gott schenkt das Heil, das er „uns unentgeltlich anbietet“.[^38]

## Die Hölle – ernst nehmen, nicht ausmalen

Der Herr spricht deutlich von der ewigen Strafe: „Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!“ (Mt 25:41b). Die Kirche nimmt dieses Wort ernst. Als der Prokonsul, der römische Statthalter, dem Bischof Polykarp drohte, ihn vom Feuer verzehren zu lassen, antwortete er nach dem Bericht seiner Kirche:

> **Aus den Vätern**
>
> Du drohst mir mit einem Feuer, das nur eine Stunde brennt und nach kurzem erlischt; denn du kennst nicht das Feuer des zukünftigen Gerichtes und der ewigen Strafe, das auf die Gottlosen wartet.[^39]
>
> – Kirche von Smyrna, *Martyrium des hl. Polykarp*, Kap. 11

Warum straft Gott ewig? Der Katechismus antwortet: „Was ihnen widerfährt, ist die Frucht ihrer eigenen Entscheidung, sich von Gott, der Quelle ihres Lebens und ihrer Freude, abzusondern.“[^40] Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden“ (1. Tim 2:4a). In *Damals wie Heute* heißt es: „Wer in seinem Leben die Gemeinschaft mit Gott abgelehnt hatte, den wird Gott nicht in der Ewigkeit dazu zwingen.“[^41]

> **Hinweis**
>
> Über die Hölle sagst du nicht mehr, als Schrift und Kirche sagen. Wie sie beschaffen ist, malen wir nicht aus, und über keinen einzelnen Menschen sagen wir, er sei in der Hölle. Mit der Hölle wird nie gedroht. Papst Schenouda III. warnt den Diener mit Blick auf das Kind: „Mache ihm keine Angst vor Gott …“; falsch ist ein Satz wie: „Wenn du das getan hast, wird Gott dich in die Hölle schicken“.[^42]

## Für den Dienst

### Endzeitängste ernst nehmen

Jugendliche hören im Internet von Weltuntergang, Endzeitzeichen und Daten; manche bekommen Angst. Papst Tawadros II. antwortet: „Das Ende der Zeiten sollte keine Angst auslösen, denn es ist der Tag, der auf die Nacht folgt, und durch die Taufe sind wir in die neue Welt eingetreten, die kommen wird“.[^43]

- **Erst zuhören.** Frag, was der Jugendliche gehört hat und was ihm Angst macht, und nimm die Angst ernst.
- **Mit dem Wort des Herrn antworten.** Kriege und Katastrophen hat der Herr angekündigt und hinzugefügt: „Gebt Acht, lasst euch nicht erschrecken! Das muss geschehen. Es ist aber noch nicht das Ende“ (Mt 24:6b). Ein Datum hat der Herr uns nicht offenbart (Mt 24:36; Apg 1:7); wer eines nennt, widerspricht seinem Wort.
- **Ruhig mit Freunden sprechen.** Wer von einer Entrückung oder einem irdischen Tausendjahrreich gehört hat, bekommt von dir eine freundliche Antwort ohne Spott: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1. Petr 3:15b).
- **Hoffnung zeigen.** Für Kinder ist die Wiederkunft eine frohe Botschaft: Jesus kommt wieder, und wir werden immer bei ihm sein (1. Thess 4:17). Der Herr sagt: „richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe“ (Lk 21:28b).
- **Wachsam leben.** Die beste Vorbereitung ist ein Leben mit Gott und mit dem Nächsten. Der Gedanke an das Ende „weckt in uns den Wunsch, Gott zu begegnen“.[^44]

## Das Wichtigste in Kürze

- Christus kommt sichtbar und in Herrlichkeit als Richter wieder (Apg 1:11; Mt 24:27); er vernichtet den Antichristen, seinen Widersacher (2. Thess 2:8).
- Tag und Stunde hat uns der Herr nicht offenbart (Mt 24:36; Apg 1:7); der eine Christus weiß als Gott alles, auch die Stunde, und verschweigt sie zu unserem Heil; als Mensch hat er sie mit uns nicht gewusst, denn die menschliche Natur besitzt aus sich heraus keine Allwissenheit. „Seid also wachsam!“ (Mt 24:42a): Wir rechnen nicht, wir wachen.
- Die tausend Jahre in Offb 20 sind symbolisch; Christus herrscht seit dem Kreuz in den Herzen. Die Kirche lehnt den Chiliasmus ab (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1379).
- Eine Entrückung vor der Wiederkunft lehrt die Kirche nicht; 1. Thess 4:17 spricht von der einen Wiederkunft (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1387).
- Alle Toten stehen auf (Joh 5:28–29; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1395). Der Leib der Gerechten ist unverweslich, verherrlicht, kraftvoll, geistlich und Christus nachgebildet (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1424).
- Christus richtet jeden nach seinen Taten, und der Maßstab ist die Liebe (Mt 25:31–46). Der Richter liebt uns.
- Im Himmelreich sind wir für immer bei Christus; es gibt Grade der Herrlichkeit, aber keinen Neid (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1403). Die Hölle ist die Frucht der eigenen Abwendung von Gott (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1405); wir malen sie nicht aus und drohen nicht mit ihr.

## Zum Weiterlesen

- Abuna Tadros Y. Malaty, *Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche*, Bd. 2, Fr. 1372–1389, Fr. 1393–1406 und Fr. 1419–1424.
- Papst Tawadros II., *Mein Glaube*, Fr. 113–122 und Fr. 143–147.
- Athanasius, *Über die Menschwerdung des Logos*, Kap. 56.
- Abuna Tadros Y. Malaty, *Das Buch der Offenbarung. Patristische Kontemplationen*, Kap. 20.

## Anmerkungen

[^1]: Die göttlichen Liturgien, S. 178; vgl. [Buch 1, Kapitel 4](https://dienerkursbooks.pages.dev/vorwissen/K04.md) („Das Glaubensbekenntnis“).

[^2]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Einleitung zu Fr. 1380–1388.

[^3]: Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 113.

[^4]: Athanasius, Über die Menschwerdung des Logos, Kap. 56.

[^5]: Die göttlichen Liturgien, S. 200 (Anamnese, das Gedächtnisgebet der Basilius-Liturgie).

[^6]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1380.

[^7]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1383.

[^8]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1381.

[^9]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1389.

[^10]: Die Worte „nicht einmal der Sohn“ fehlen in vielen Handschriften von Mt 24:36; in Mk 13:32 stehen sie fest. Die Erklärung der Kirche gilt beiden Stellen.

[^11]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1389.

[^12]: Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 3, Kap. 46.

[^13]: Ebd., Kap. 43.

[^14]: Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 3, Kap. 49.

[^15]: Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 119.

[^16]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1379.

[^17]: Abuna Tadros Y. Malaty, Das Buch der Offenbarung. Patristische Kontemplationen, S. 164.

[^18]: Abuna Tadros Y. Malaty, Das Buch der Offenbarung, S. 164; vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1372.

[^19]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1373.

[^20]: Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 120.

[^21]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1387.

[^22]: Johannes Chrysostomus, Homilien über den I. Thessalonicher-Brief, Homilie 8,2.

[^23]: Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 143.

[^24]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1395.

[^25]: Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 146.

[^26]: Polykarp, Brief an die Philipper, Kap. 2,1.

[^27]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1424.

[^28]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1421.

[^29]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1424.

[^30]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1424.

[^31]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 407.

[^32]: Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 115.

[^33]: Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 115.

[^34]: Die göttlichen Liturgien, S. 193–194.

[^35]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1401.

[^36]: Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 147.

[^37]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1403.

[^38]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1406.

[^39]: Martyrium des hl. Polykarp, Kap. 11.

[^40]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1405.

[^41]: Damals wie Heute, Abschnitt „Das Gericht und die ewige Strafe“, S. 219.

[^42]: Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Einschüchterung“ (S. 36).

[^43]: Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 122.

[^44]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1406.
