# Das Konzil von Ephesus 431

*Nestorius, der heilige Kyrill und das Bekenntnis zur Gottesgebärerin*

Lehrbuch · 5. Semester · [Thema 36: Ephesus und Chalcedon](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T36.md) · Vortrag 1 · Lesedauer etwa 17 Minuten

Koptisch-Orthodoxe Diözese Österreichs und der Deutschschweiz · Ausgabe 15, Stand 21. Oktober 2026 · Webseite: [https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T36/V01](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T36/V01.md)

## Lernziele

1.  Die Lehre des Nestorius und die Antwort des heiligen Kyrill beschreiben.
2.  Inhalt und Bedeutung der zwölf Anathematismen am Beispiel von Anathematismus 1 und 12 nennen.

## Schlüsselbegriffe

Nestorianismus · Christusgebärerin · Gottesgebärerin (Theotokos) · hypostatische Einheit · Anathematismus · Einleitung zum Glaubensbekenntnis · Einigung von 433

## Bibelstellen

Lk 1:43; Mt 1:23; Gal 4:4; Joh 1:9a; 1. Kor 2:8; Joh 4:6; Joh 10:30; 2. Kor 13:5a

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Bevor die Kirche das Glaubensbekenntnis spricht, betet sie: „Wir rühmen dich, du Mutter des wahren Lichts …“. Dieses kurze Gebet führt zurück in das 5. Jahrhundert, zum Streit um die Frage, wer der ist, den Maria geboren hat. Nestorius, der Patriarch von Konstantinopel, wollte Maria nicht Mutter Gottes nennen; der heilige Kyrill von Alexandrien antwortete ihm mit Briefen und zwölf **Anathematismen**, Lehrsätzen, die Irrlehren verurteilen, und das Konzil von Ephesus bekannte im Jahr 431 den Glauben, den Kyrill verteidigt hatte. Wer Kindern den Titel **Gottesgebärerin (Theotokos)** erklärt, spricht zuerst über Christus.

## Ein Streit um den einen Christus

Aus [Buch 1, Kapitel 6](https://dienerkursbooks.pages.dev/vorwissen/K06.md) („Die Konzile in Grundzügen“) kennst du die drei ökumenischen Konzile unserer Kirche, Versammlungen der Bischöfe aus der ganzen Kirche: Nizäa (325), Konstantinopel (381) und Ephesus (431). Nach der Gottheit des Sohnes und des Heiligen Geistes stellte sich im 5. Jahrhundert die Frage: Wie sind Gottheit und Menschheit in Christus eins? Die Antwort hast du in [Thema 18](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T18.md) („Menschwerdung und Christologie“) gelernt; hier geht es um die Geschichte, in der sie erkämpft wurde.

Im Mittelpunkt stehen zwei Bischöfe: Nestorius, seit dem Jahr 428 Patriarch von Konstantinopel, der Hauptstadt des Reiches, und der heilige Kyrill, Papst von Alexandrien.[^1]

## Was Nestorius lehrte

Nestorius trennte Christus. Nach dem Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty sah er in Christus zwei verschiedene Personen, den Sohn Marias und den Sohn Gottes, die nicht dem Wesen nach, sondern nur moralisch miteinander verbunden seien.[^2]

Papst Schenouda III. erklärt, in dieser Lehre sei Christus nur „Wohnort“ für Gott gewesen, so wie Gott in den Heiligen wohnt. Darum nannte Nestorius Christus einen „Gottesträger“ (*Theophorus*).[^3] Das Synaxarium gibt seine Lehre so wieder: „Die heilige Maria gebar nicht den fleischgewordenen Gott, sondern einen gewöhnlichen Menschen, in dem danach der Sohn Gottes wohnte, eine Einwohnung des Willens und des Wohlgefallens, nicht eine Einwohnung der Einheit“.[^4]

Daraus folgte sein Urteil über Maria. Sie dürfe nicht **Gottesgebärerin (Theotokos)** heißen, sondern nur **Christusgebärerin** (griechisch *Christotokos*, „Mutter oder Gebärerin Christi“).[^5] Nestorius meinte, ein Geschöpf könne den Schöpfer nicht gebären; Fleisch könne nur Fleisch hervorbringen.[^6]

> **Begriff: Nestorianismus**
>
> Der **Nestorianismus** ist die Lehre des Nestorius, die Gottheit und Menschheit Christi in zwei Personen trennt – den Sohn Gottes und den Sohn Marias – und Maria nur „Christusgebärerin“ nennt. Das Konzil von Ephesus (431) hat sie verurteilt.

### Wohin diese Lehre führt

Die Väter prüften eine Irrlehre mit der Methode „Wenn – dann“, die du aus [Thema 34](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T34.md) („Nizäa und Konstantinopel“) kennst:

- **Wenn** in Christus zwei Personen sind, **dann** gibt es zwei Söhne. Der heilige Kyrill schreibt, wer die Einheit der Person ablehne, sei „gezwungen, zwei Söhne anzunehmen“.[^7]
- **Wenn** am Kreuz nur ein Mensch gelitten hat, **dann** hat uns nicht Gott selbst erlöst. Der heilige Athanasius sagt dagegen vom Logos, dem Wort Gottes, selbst: Er nahm „einen Leib an, dem unsrigen gleich“, gab ihn „anstatt aller dem Tode“ und kam, „um als Bild des Vaters den ebenbildlich erschaffenen Menschen wiederherzustellen“.[^8]
- **Wenn** in Jesus Gott nur wohnt, **dann** beten wir in Christus einen Menschen an. Kyrill verwirft darum den Satz: „Um des Trägers willen verehre ich den Getragenen“.[^9]

Es ging also nicht um einen frommen Ehrentitel. Es ging um die Frage, ob der, der für uns geboren wurde und gelitten hat, wirklich der Sohn Gottes ist.

## Der heilige Kyrill, „Säule des Glaubens“

Das Synaxarium gedenkt des heiligen Kyrill am 3. Abib und nennt ihn „die Säule des Glaubens und die Leuchte der orthodoxen Kirche“, den 24. Patriarchen auf dem Stuhl des heiligen Markus.[^10] Schon in seiner Jugend unterwies ihn sein Onkel, Papst Theophilus. Über den jungen Kyrill heißt es: „Er liebte es, die Heiligen Schriften und die Lebensbeschreibungen der heiligen Väter zu lesen, und war bestrebt, die Kirchenhymnen und Lobgesänge auswendig zu lernen.“[^11] Nach dem Studium an der Theologischen Schule von Alexandrien wurde er in der Sketis (arabisch Schihit, Wadi El-Natrun) Mönch, dann Priester und im Jahr 412 Papst. Er nahm den heiligen Johannes Chrysostomus in das Gedenken der Heiligen auf und ergänzte die Markusliturgie, die wir heute als Kyrillus-Liturgie feiern.[^12] Er entschlief im Jahr 444. Sein Sekretär war Dioskorus, sein späterer Nachfolger.[^13]

![Der heilige Kyrill von Alexandrien, die „Säule des Glaubens“](https://dienerkursbooks.pages.dev/bilder/T36/T36-B1.jpg)

*Abb. 72 · Der heilige Kyrill von Alexandrien, die „Säule des Glaubens“*

## Die Briefe an Nestorius

Kyrill verurteilte Nestorius nicht sofort. Nach dem Synaxarium erklärte er ihm zuerst in einem Brief die rechte Lehre und bat ihn, zur Besinnung zu kommen; dann schrieb er ihm ein zweites Mal und schickte ihm eine Abordnung, die Nestorius nicht empfing.[^14] Zwei dieser Briefe sind erhalten und gehören zu den wichtigsten Zeugnissen des Streites: der zweite und der dritte Brief an Nestorius.

### Der zweite Brief: Bei den Vätern bleiben

Kyrill beginnt mit einem Rat, der für jeden Lehrer der Kirche gilt:

> **Aus den Vätern**
>
> Auch dies aber wird von großem Nutzen für uns sein, wenn wir die Schriften der heiligen Väter zur Hand nehmen und ihre Worte möglichst hoch schätzen und „uns selbst prüfen, ob wir im Glauben sind“, wie geschrieben steht, indem wir unsere Ansichten mit den richtigen und untadeligen Lehren der Väter in Einklang bringen.[^15]
>
> – Hl. Kyrill von Alexandrien, *Zweiter Brief an Nestorius*, S. 82–83

Dann erklärt er, was es heißt, dass das Wort Fleisch geworden ist:

> **Aus den Vätern**
>
> Wir behaupten nämlich nicht, dass die Natur des Wortes in Fleisch umgewandelt, auch nicht, dass sie zu einem ganzen, aus Seele und Leib bestehenden Menschen umgeändert worden sei. Wir behaupten vielmehr, dass das Wort mit einer vernünftigen Seele beseeltes Fleisch der Person nach in unaussprechlicher und unbegreiflicher Weise sich selbst geeint hat und so Mensch geworden ist und Menschensohn geheißen hat, nicht bloß dem Willen oder dem Wohlgefallen nach, auch nicht bloß durch Annahme einer Person, sondern deshalb, weil aus den beiden verschiedenen, zu wahrer Einheit verbundenen Naturen ein Christus und Sohn geworden ist.[^16]
>
> – Hl. Kyrill von Alexandrien, *Zweiter Brief an Nestorius*, S. 83

Diese Passage gibt drei Antworten:

- **„nicht … umgewandelt“:** Die Gottheit hat sich nicht in Fleisch verwandelt. Das Wort bleibt Gott.
- **„mit einer vernünftigen Seele beseeltes Fleisch“:** Christus ist ganz Mensch, mit Leib und menschlicher Seele.
- **„der Person nach … geeint“:** Das Wort wohnt nicht bloß in einem Menschen, wie Nestorius meinte, sondern hat die Menschheit zu seiner eigenen gemacht.

> **Begriff: hypostatische Einheit**
>
> Die **hypostatische Einheit** ist die Einung von Gottheit und Menschheit in der einen **Hypostase (Person)** des Wortes (**Logos**).

Darum, schließt Kyrill, haben die heiligen Väter „unbedenklich die heilige Jungfrau Gottesgebärerin genannt“.[^17]

### Der dritte Brief und die Synoden von Alexandrien und Rom

Weil Nestorius nicht nachgab, berief Kyrill die Bischöfe seines Stuhles zu einer Synode nach Alexandrien. Diese verurteilte die Lehre des Nestorius. Auch Coelestin, der Bischof von Rom, hielt eine Synode, die Nestorius ausschloss, und überließ es Kyrill, nach eigenem Ermessen zu handeln.[^18] Darauf schrieb Kyrill den dritten Brief, nicht allein, sondern im Namen der Bischöfe: „Ihrem frömmsten und gottgeliebtesten Amtsbruder Nestorius sagen Cyrillus und die aus der ägyptischen Provinz zu Alexandrien zusammengetretene Synode Gruß im Herrn.“[^19] Im Einklang mit der Synode in Rom beschwört er Nestorius „zum dritten Male“, von seiner Lehre abzulassen.[^20]

Der Brief zitiert das Bekenntnis von Nizäa und legt es aus. Ein Satz fasst den Kern zusammen: „Es sind also sämtliche in den Evangelien mitgeteilten Worte einer Person zuzuschreiben, der einen fleischgewordenen Hypostase des Wortes. Denn es ist ein Herr Jesus Christus nach den Schriften.“[^21] Wenn Jesus „müde von der Reise“ am Brunnen sitzt (Joh 4:6) und wenn er sagt: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10:30), dann spricht und handelt derselbe eine Herr. Am Ende des Briefes stehen die zwölf Anathematismen.

## Die zwölf Anathematismen

> **Begriff: Anathematismus**
>
> Ein **Anathematismus** ist ein feierlicher Lehrsatz, der eine Irrlehre verurteilt. Er hat die Form: „Wenn jemand … nicht bekennt …, so sei er im Banne.“ Das Wort **Anathema** (Bannfluch) bezeichnet den Ausschluss aus der Gemeinschaft der Kirche.[^22]

Die Anathematismen sind keine Liste von zwölf verbannten Menschen. Sie sind zwölf Grenzsteine des Glaubens: Jeder beschreibt eine falsche Aussage über Christus und weist sie zurück. Nestorius sollte sie selbst annehmen und „schriftlich und eidlich bekennen“, dass er seine Lehren verwirft.[^23] Kyrill schreibt: „Was aber Deine Gottesfurcht zu anathematisieren hat, haben wir diesem unserm Briefe angeschlossen.“[^24]

| Nr. | Was bekannt wird | Was zurückgewiesen wird |
|----|----|----|
| 1 | Der Emmanuel ist wahrer Gott, Maria Gottesgebärerin. | Maria habe nur einen Menschen geboren. |
| 2 | Das Wort ist dem Fleisch der Person nach geeint; Christus ist einer, Gott und Mensch. | zwei Personen in Christus |
| 3 | Die Naturen sind wirklich geeint. | eine bloße Verbindung durch Würde oder Macht |
| 4 | Alle Worte der Schrift über Christus gelten einer Person. | Verteilung der Worte auf zwei Personen |
| 5 | Christus ist in Wahrheit Gott. | Christus sei ein „gottgetragener Mensch“. |
| 6 | Christus ist Gott und Mensch zugleich. | Das Wort sei „Gott oder Herrscher Christi“. |
| 7 | Die Herrlichkeit gehört dem Eingeborenen, dem einzigen Sohn, selbst. | Jesus sei als ein anderer vom Wort befähigt worden. |
| 8 | Der Emmanuel wird mit einer Anbetung geehrt. | Ein angenommener Mensch werde „zusammen“ mit Gott angebetet. |
| 9 | Christus wirkte die Zeichen durch seinen eigenen Geist. | Christus habe den Geist wie eine fremde Kraft gebraucht. |
| 10 | Das fleischgewordene Wort ist unser Hoherpriester und opferte sich für uns. | Ein anderer Mensch sei Priester gewesen und habe auch für sich geopfert. |
| 11 | Das Fleisch des Herrn ist lebenspendend als eigenes Fleisch des Wortes. | das Fleisch eines anderen, mit Gott nur verbundenen Menschen |
| 12 | Das Wort Gottes hat im Fleisch gelitten und ist der Erstgeborene aus den Toten. | Das Wort Gottes habe nicht im Fleisch gelitten. |

Tabelle 97 · Die zwölf Anathematismen in Kurzform (nach dem dritten Brief an Nestorius)

### Anathematismus 1: Der Emmanuel ist Gott

> **Aus den Vätern**
>
> Wenn jemand nicht bekennt, dass der Emmanuel in Wahrheit Gott ist und die heilige Jungfrau deshalb Gottesgebärerin ist, weil sie das fleischgewordene aus Gott entstammte Wort fleischlich geboren hat, so sei er im Banne.[^25]
>
> – Hl. Kyrill von Alexandrien, *Dritter Brief an Nestorius*, Anathematismus 1

Der erste Anathematismus verbindet zwei Aussagen mit dem Wort „deshalb“. Der Emmanuel ist „in Wahrheit Gott“. Der Name stammt aus der Schrift: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott ist mit uns“ (Mt 1:23). Erst daraus folgt der Titel Marias: Weil sie das fleischgewordene Wort geboren hat, ist sie Gottesgebärerin. Wer ihr den Titel nimmt, nimmt Christus die Gottheit. Kyrill sagt im selben Brief: „Da aber die heilige Jungfrau den der Person nach mit dem Fleische geeinten Gott fleischlich geboren hat, so behaupten wir, dass sie deshalb auch Gottesgebärerin ist.“[^26]

Auf das Wort „fleischlich“ kommt es an. Maria hat nicht die Gottheit hervorgebracht; sie hat dem ewigen Wort das Fleisch gegeben und so den einen Sohn geboren, der Gott ist. Schon Elisabet grüßt sie: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ (Lk 1:43).

### Anathematismus 12: Er hat im Fleisch gelitten

> **Aus den Vätern**
>
> Wenn jemand nicht bekennt, dass das Wort Gottes im Fleische gelitten hat und im Fleische gekreuzigt worden ist und im Fleische den Tod gekostet hat und der Erstgeborene aus den Toten geworden ist, da es als Gott Leben und lebenspendend ist, so sei er im Banne.[^27]
>
> – Hl. Kyrill von Alexandrien, *Dritter Brief an Nestorius*, Anathematismus 12

Der letzte Anathematismus führt zum Ziel des Streites: zu unserer Erlösung. Der eine menschgewordene Logos litt im Fleisch, die Gottheit blieb leidensunfähig. Kyrill erklärt das schon im zweiten Brief: „… die göttliche Natur ist leidenslos, weil ja auch körperlos. Da aber der ihm zu eigen gewordene Leib dies gelitten hat, so heißt es wiederum, dass er selbst es für uns gelitten hat. Denn in dem leidenden Leibe war der Leidensunfähige.“[^28] Der am Kreuz litt, ist also kein anderer als das Wort Gottes. Paulus sagt von der Weisheit Gottes: „Keiner der Machthaber dieser Welt hat sie erkannt; denn hätten sie die Weisheit Gottes erkannt, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt“ (1. Kor 2:8). Und weil das Wort „Leben und lebenspendend“ ist, wurde er „der Erstgeborene aus den Toten“.

Anathematismus 1 schützt also die Wahrheit, dass Gott wirklich Mensch geworden ist; Anathematismus 12, dass wirklich der Sohn Gottes für uns gelitten hat, im Fleisch.

## Das Konzil von Ephesus (431)

### Die Versammlung der Väter

Weil Nestorius die Beschlüsse nicht unterschrieb, rief Kaiser Theodosius II. eine ökumenische Synode nach Ephesus.[^29] Im Jahr 431 versammelten sich dort, in Kleinasien, zweihundert Bischöfe unter dem Vorsitz des heiligen Kyrill.[^30] Mit ihm kamen nach dem Synaxarium „fünfzig ägyptische Bischöfe“, der heilige Schenute der Archimandrit, also der Vorsteher eines Klosterverbandes (im Synaxarium: Anba Schenuda), Anba Viktor, der Vorsteher der Klöster des Anba Pachomius, und Dioskorus, der Sekretär des Papstes.[^31] Coelestin von Rom konnte nicht selbst kommen; er schickte Gesandte mit einem Brief.[^32]

![Die Orte der Konzile von Ephesus (431) und Chalcedon (451)](https://dienerkursbooks.pages.dev/bilder/T36/T36-B2.jpg)

*Abb. 73 · Die Orte der Konzile von Ephesus (431) und Chalcedon (451)*

### Die Verurteilung des Nestorius

Die Väter begannen mit dem Glauben der Kirche: Sie lasen das Glaubensbekenntnis von Nizäa, den Brief Kyrills an Nestorius und die Antworten des Nestorius darauf. Weil Nestorius bei seiner Lehre blieb, „verurteilte“ ihn die Synode „als Häretiker, exkommunizierte ihn, setzte ihn von seinem Stuhl ab und enthob ihn des Priesteramtes“.[^33] Später verbannte ihn der Kaiser nach Oberägypten. Nach dem Synaxarium lebte er bis zu seinem Tod in Achmim, nahe dem Kloster des heiligen Schenute.[^34]

### Was der Titel „Gottesgebärerin“ schützt

Warum ist ein Titel Marias so wichtig, dass ein ökumenisches Konzil seinetwegen zusammentritt? *Damals wie Heute* antwortet: „Eine Mutter gebiert nicht eine bloße Natur, sondern immer eine Person. Deshalb nennt die Kirche die heilige Jungfrau Maria mit Recht Gottesgebärerin.“[^35] Jede Mutter gibt ihrem Kind den Leib und ist doch die Mutter des ganzen Menschen. So hat Maria dem Wort das Fleisch gegeben und ist die Mutter des einen Herrn, der Gott ist. Paulus sagt: „Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt“ (Gal 4:4).

Wie sehr der Titel und der Glaube an Christus zusammengehören, zeigt der heilige Kyrill selbst zwei Jahre nach dem Konzil, wenn er schreibt, „dass sozusagen unser ganzer Kampf für den Glauben hinausgelaufen ist auf Verfechtung des Satzes: Die heilige Jungfrau ist Gottesgebärerin“.[^36]

> **Merksatz: Das Konzil von Ephesus (431)**
>
> Das dritte ökumenische Konzil tagte im Jahr 431 in Ephesus unter dem Vorsitz des heiligen Kyrill. Es verurteilte die Lehre des Nestorius von zwei Personen in Christus und bekannte: Christus ist einer, wahrer Gott und wahrer Mensch, und Maria ist Gottesgebärerin (Theotokos).

## Die Einleitung zum Glaubensbekenntnis

Bis heute spricht die Kirche vor dem Glaubensbekenntnis ein Gebet, das sie die **Einleitung zum Glaubensbekenntnis** nennt.[^37] Im Messbuch unserer Diözese beginnt es so:

> „Wir rühmen dich, du Mutter des wahren Lichts; wir verherrlichen dich, heilige Jungfrau, Mutter Gottes, denn du gebarst uns den Erlöser der Welt. Er kam und befreite unsere Seelen. Verherrlichung sei dir, unser Herr und König, Christus, du Ruhm der Apostel, du Krone der Martyrer, du Jubel der Gerechten, du Stärke der Gemeinden, du Vergeber der Sünden.“[^38]

Das Gebet sagt mit wenigen Worten, was Ephesus bekannt hat. Maria ist die „Mutter des wahren Lichts“, denn Christus ist „das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet“ (Joh 1:9a). Und sogleich wendet sich das Gebet zu Christus: „Verherrlichung sei dir, unser Herr und König, Christus“. So führt die Ehre der Gottesgebärerin zur Anbetung ihres Sohnes.

Die Überlieferung unserer Kirche verbindet das Gebet mit dem heiligen Kyrill und dem Kampf um die Gottesgebärerin.[^39] Es gehört nicht zum Wortlaut des Glaubensbekenntnisses, sondern geht ihm voran.

## Die Formel des heiligen Kyrill – kein Beschluss von Ephesus

Wie spricht man die Einheit von Gottheit und Menschheit in Christus richtig aus? Papst Schenouda III. sagt: „Die heilige Kirche fand keinen zutreffenderen, innigeren und genaueren Ausdruck als den des Heiligen Kyrillus des Großen“.[^40] Diesen Ausdruck, „eine Natur des fleischgewordenen Wortes Gottes“, kennst du aus Buch 1 und aus [Thema 18](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T18.md):

> **Merksatz: Die eine Natur des fleischgewordenen Wortes**
>
> Die Kirche bekennt mit dem heiligen Kyrill: Christus ist eine Natur des fleischgewordenen Wortes Gottes, aus zwei Naturen. Diese Einheit besteht ohne Vermischung, ohne Verwandlung, ohne Teilung und ohne Trennung – so bekennen wir es im Einklang mit unserer Liturgie und der gemeinsamen Erklärung der orthodoxen Kirchen von 1989.

Unsere Kirche lehnt die Lehre des Eutyches von einer einzigen, verschmolzenen Natur ab. „Eine Natur“ (*mia physis*) meint bei Kyrill die eine geeinte Natur aus vollkommener Gottheit und vollkommener Menschheit, nicht „nur eine Natur“.

Die Formel von der einen Natur stammt aus den Schriften des heiligen Kyrill; Ephesus hat sie nicht beschlossen. Die vier Schutzformeln bekennt die Kirche als Auslegung dieser Einheit; sie sind kein wörtliches Zitat Kyrills. In seinem Werk *Dass Christus einer ist* weist er den Vorwurf zurück, sie bedeute eine Vermischung:

> **Aus den Vätern**
>
> Mein Freund, wenn jemand sagt, dass wir, wenn wir von der einen Natur Gottes, des fleischgewordenen und menschgewordenen Wortes (Logos), sprechen, damit andeuten, eine Vermischung oder Vermengung habe stattgefunden, dann redet er völligen Unsinn.[^41]
>
> – Hl. Kyrill von Alexandrien, *Dass Christus einer ist*, Kap. 11

Kyrill verteidigte also die Einheit Christi gegen Nestorius und zugleich die bleibende Unterschiedenheit von Gottheit und Menschheit gegen jede Vermischung.

## Die Einigung von 433

Nach dem Konzil war der Friede noch nicht erreicht. Johannes, der Patriarch von Antiochien, und einige Bischöfe des Ostens hielten zu Nestorius; Kyrill erlitt ihretwegen „viele Bedrängnisse“. Doch, so das Synaxarium, „sie kehrten danach zur Übereinstimmung zurück“.[^42] Im Jahr 433 überbrachte Bischof Paulus von Emesa dem heiligen Kyrill ein Bekenntnis, das Johannes und die Bischöfe des Ostens verfasst hatten.[^43]

Kyrill fand darin den rechten Glauben: einen Christus, einen Sohn, einen Herrn, vollkommen Gott und vollkommen Mensch, und Maria als Gottesgebärerin. In der Sprache der Antiochener sagt das Bekenntnis: „Es hat nämlich eine Einigung der zwei Naturen stattgefunden, und deshalb bekennen wir einen Christus, einen Sohn, einen Herrn.“[^44] Kyrill ließ diese Rede von der Einigung zweier Naturen zu, weil sie zeigt, dass Gottheit und Menschheit unvermischt zusammenkamen; das Bekenntnis nennt die Einigung selbst „unvermischt“ und bekennt den einen Christus. Zugleich hielt Kyrill daran fest, dass man die Naturen nach der Einigung nur in der Betrachtung unterscheiden, in der Wirklichkeit aber nie in zwei trennen darf; so hält es auch die gemeinsame Erklärung der orthodoxen Kirchen von 1989 fest.[^45] In seinem Antwortbrief wehrt er Vermischung und Trennung zugleich ab: „… Einer ist der Herr Jesus Christus, ohne dass der Unterschied der Naturen verkannt werden soll, welche in unaussprechlicher Einigung miteinander verbunden sind.“[^46]

Ein neues Glaubensbekenntnis war die Einigung nicht. Am Bekenntnis von Nizäa, schreibt Kyrill, gestatte er niemandem, „ein Wort daran zu ändern oder eine Silbe davon auszulassen“.[^47] So bleibt der Hirte fest in der Lehre und reicht doch die Hand zur Versöhnung, sobald der Glaube gewahrt ist.

## Für den Dienst

- **Die Einleitung zum Glaubensbekenntnis erklären.** Wenn Kinder „Wir rühmen dich, du Mutter des wahren Lichts“ mitbeten, sag den Jüngeren: „Maria ist die Mutter von Jesus, und Jesus ist Gott. Darum nennen wir sie Mutter Gottes.“ Mit Jugendlichen kannst du über Nestorius und Ephesus sprechen.
- **Über Maria immer von Christus her sprechen.** Der Titel Gottesgebärerin ist zuerst ein Bekenntnis zu Christus.
- **Vom heiligen Kyrill lernen.** Er las die Schrift und die Väter, lernte die Hymnen auswendig und schrieb Nestorius mehrmals, bevor er die Synoden anrief: geduldig, aber treu in der Lehre.
- **Die Lehre beurteilen, nicht die Person verspotten.** Erkläre, was Nestorius lehrte und warum es falsch ist. Spott über Irrlehrer gehört weder in die Sonntagsschule noch in ein Gespräch über den Glauben.

## Das Wichtigste in Kürze

- Nestorius, seit 428 Patriarch von Konstantinopel, lehrte in Christus zwei Personen – den Sohn Gottes und den Sohn Marias – und wollte Maria nur „Christusgebärerin“ nennen.
- Der heilige Kyrill, 24. Papst von Alexandrien und „Säule des Glaubens“, antwortete: Das Wort hat das Fleisch mit vernünftiger Seele „der Person nach“ mit sich geeint; es ist ein Christus und Sohn.
- Im dritten Brief an Nestorius fasste Kyrill mit der Synode von Alexandrien den Glauben in zwölf Anathematismen zusammen: Lehrsätze, die Irrtümer über Christus zurückweisen.
- Anathematismus 1: Der Emmanuel ist in Wahrheit Gott, deshalb ist Maria Gottesgebärerin. Anathematismus 12: Das Wort Gottes hat im Fleisch gelitten, ist im Fleisch gekreuzigt worden und hat im Fleisch den Tod gekostet.
- Das Konzil von Ephesus (431) unter dem Vorsitz Kyrills verurteilte Nestorius und bekannte Maria als Gottesgebärerin (Theotokos).
- Die Überlieferung der Kirche verbindet die Einleitung zum Glaubensbekenntnis („Wir rühmen dich, du Mutter des wahren Lichts“) mit diesem Kampf.
- Die Formel „eine Natur des fleischgewordenen Wortes Gottes“ stammt vom heiligen Kyrill; Ephesus hat sie nicht beschlossen. Die vier Schutzformeln bekennt die Kirche als Auslegung dieser Einheit.
- Im Jahr 433 versöhnten sich Kyrill und Johannes von Antiochien auf der Grundlage eines Bekenntnisses zum einen Christus und zur Gottesgebärerin.

## Zum Weiterlesen

- Kyrill von Alexandrien: *Drei ökumenische Briefe* (BKV 2. Reihe 12), vor allem der dritte Brief an Nestorius mit den zwölf Anathematismen (S. 86–100).
- Papst Schenouda III.: *Die Natur Christi*, Kap. 2.
- Abuna Tadros Y. Malaty: *Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche*, Bd. 1, Fr. 4.
- Synaxarium: 12. Tut (Das Konzil von Ephesus, S. 28) und 3. Abib (Der heilige Kyrill, S. 538–539).

## Anmerkungen

[^1]: Vgl. Papst Schenouda III., Die Natur Christi, Kap. 2.3.

[^2]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.

[^3]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4; Papst Schenouda III., Die Natur Christi, Kap. 2.3.

[^4]: Synaxarium, 12. Tut, Gedenken der Abhaltung des Dritten Ökumenischen Konzils von Ephesus, S. 28.

[^5]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.

[^6]: Vgl. Papst Schenouda III., Die Natur Christi, Kap. 2.3.

[^7]: Kyrill von Alexandrien, Zweiter Brief an Nestorius, S. 85.

[^8]: Athanasius, Über die Menschwerdung des Logos, Kap. 8 und 13.

[^9]: Kyrill von Alexandrien, Dritter Brief an Nestorius, S. 92.

[^10]: Synaxarium, 3. Abib, Die Entschlafung des heiligen Papstes Kyrillus I., des vierundzwanzigsten Patriarchen des Markusstuhles, S. 538.

[^11]: Ebd.

[^12]: Vgl. ebd., S. 538–539.

[^13]: Vgl. Synaxarium, 7. Tut, Die Entschlafung des Papstes Dioscorus, des 25. Patriarchen des Markusstuhles, S. 17.

[^14]: Vgl. Synaxarium, 3. Abib, S. 539.

[^15]: Kyrill von Alexandrien, Zweiter Brief an Nestorius, S. 82–83. Kyrill bezieht sich auf 2. Kor 13:5; die Einheitsübersetzung liest: „Fragt euch selbst, ob ihr im Glauben seid, prüft euch selbst!“ (2. Kor 13:5a).

[^16]: Ebd., S. 83.

[^17]: Ebd., S. 85–86.

[^18]: Vgl. Synaxarium, 3. Abib, S. 539.

[^19]: Kyrill von Alexandrien, Dritter Brief an Nestorius, S. 86.

[^20]: Ebd., S. 87.

[^21]: Ebd., S. 95.

[^22]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 8.

[^23]: Kyrill von Alexandrien, Dritter Brief an Nestorius, S. 88.

[^24]: Ebd., S. 98.

[^25]: Kyrill von Alexandrien, Dritter Brief an Nestorius, Anathematismus 1.

[^26]: Kyrill von Alexandrien, Dritter Brief an Nestorius, S. 97.

[^27]: Kyrill von Alexandrien, Dritter Brief an Nestorius, Anathematismus 12.

[^28]: Kyrill von Alexandrien, Zweiter Brief an Nestorius, S. 84.

[^29]: Vgl. Synaxarium, 3. Abib, S. 539.

[^30]: Vgl. Synaxarium, 12. Tut, S. 28; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.

[^31]: Vgl. Synaxarium, 12. Tut, S. 28.

[^32]: Vgl. Synaxarium, 3. Abib, Entschlafung des heiligen Coelestin, Papst von Rom, S. 540.

[^33]: Synaxarium, 3. Abib, S. 539. Ein Häretiker ist ein Irrlehrer; exkommunizieren heißt aus der Gemeinschaft der Kirche ausschließen.

[^34]: Vgl. ebd.; Synaxarium, 12. Tut, S. 28; 7. Abib, S. 546.

[^35]: Damals wie Heute, S. 357.

[^36]: Kyrill von Alexandrien, Friedensbrief an Johannes von Antiochien, S. 103.

[^37]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 9.

[^38]: Die göttlichen Liturgien, S. 92.

[^39]: Vgl. Synaxarium, 12. Tut, S. 28; 3. Abib, S. 539; Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 9.

[^40]: Papst Schenouda III., Die Natur Christi, Kap. 1.

[^41]: Kyrill von Alexandrien, Dass Christus einer ist, Kap. 11, deutscher Wortlaut nach John A. McGuckin, On the Unity of Christ, S. 79.

[^42]: Synaxarium, 3. Abib, S. 539.

[^43]: Vgl. Kyrill von Alexandrien, Friedensbrief an Johannes von Antiochien, S. 101–102; Abuna Tadros Y. Malaty, Introduction to the Coptic Orthodox Church, Kap. 3, Abschnitt „Events Precedent to the Council of Chalcedon“.

[^44]: Kyrill von Alexandrien, Friedensbrief an Johannes von Antiochien, S. 102–103.

[^45]: Vgl. Übereinstimmende Erklärung von 1989, abgedruckt in: Papst Schenouda III., Die Natur Christi, Kap. 14.

[^46]: Kyrill von Alexandrien, Friedensbrief an Johannes von Antiochien, S. 105.

[^47]: Ebd., S. 106.
