# Leib, Sexualität und Ehe

*Der Leib als Tempel des Heiligen Geistes und die Würde jedes Menschen*

Lehrbuch · 6. Semester · [Thema 46: Christliche Lebensführung](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T46.md) · Vortrag 2 · Lesedauer etwa 15 Minuten

Koptisch-Orthodoxe Diözese Österreichs und der Deutschschweiz · Ausgabe 15, Stand 21. Oktober 2026 · Webseite: [https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T46/V02](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T46/V02.md)

## Lernziele

1.  Die Lehre der Kirche über Leib, Sexualität und Ehe erklären.
2.  Beschreiben, wie ein Diener auf Jugendliche reagiert, die sich mit Fragen der Sexualität anvertrauen.

## Schlüsselbegriffe

Leib · Tempel des Heiligen Geistes · Reinheit · Keuschheit · Sexualität · Sakrament der heiligen Ehe · Versuchung · Würde der Person · Verschwiegenheit

## Bibelstellen

1. Kor 6:19–20; Gen 1:31; Joh 1:14; Röm 12:1; 1. Kor 6:13; Gal 5:16–17; Mt 5:8; Ps 51:12; Gen 1:27; Gen 2:24; Mt 19:4–6; Joh 2:1–11; Hebr 13:4; Eph 5:21; Eph 5:25; Eph 5:32; 1. Kor 7:3–4; 1. Thess 4:3–5; 2. Tim 2:22; Mt 5:28; 1. Kor 10:13; Sir 6:14; 1. Kor 13:4–5; Gal 3:28; 1. Kor 14:33; 1. Tim 2:12; Hebr 12:14; Röm 1:26–27; 1. Kor 6:9–11; Hebr 4:15; Jak 1:19; Mt 12:20; Joh 8:11; Gal 6:2

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Fragen nach Liebe, **Sexualität** und Ehe beschäftigen viele Jugendliche. In Schule, Medien und Freundeskreis hören sie dazu oft andere Antworten als in der Kirche. Die Kirche lehrt, dass der **Leib** Tempel des Heiligen Geistes ist (1. Kor 6:19) und **Reinheit** und **Keuschheit** zum christlichen Leben gehören; die Sexualität hat ihren Ort in der Ehe. Mann und Frau sind vor Gott gleich, und jeder Mensch verdient Achtung, auch wenn es um **Homosexualität** geht. Wie antwortest du als Diener, wenn sich dir ein Jugendlicher mit solchen Fragen anvertraut?

## Der Leib: Tempel des Heiligen Geistes

Das Christentum verachtet den Leib nicht. Paulus schreibt:

> **Heilige Schrift**
>
> Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib!
>
> 1. Kor 6:19–20

Papst Schenouda III. nennt Gründe, warum der Leib „an sich kein Übel“ ist: Gott hat ihn geschaffen und „sehr gut“ genannt (Gen 1:31); das Wort ist Fleisch geworden (Joh 1:14); der Leib ist Tempel des Heiligen Geistes und Glied Christi; Gott wird ihn in der Auferstehung verherrlichen; die Kirche ehrt die Leiber der Heiligen; und der Christ bringt seinen Leib Gott als lebendiges Opfer dar (Röm 12:1).[^1] Wenn die Schrift gegen das „Fleisch“ spricht (Gal 5:16–17), meint sie nicht den Leib an sich, sondern den Leib, der sündigt.[^2] Darum gilt: „Der Mensch muss vor allem erkennen, dass der Leib nicht für das Vergnügen und die Zerstreuungen da ist. Er ist vielmehr dazu da, Gott zu verherrlichen“.[^3] Paulus sagt es kurz: „Der Leib ist aber nicht für die Unzucht da, sondern für den Herrn, und der Herr für den Leib“ (1. Kor 6:13b).

Geheiligt wurde dein Leib in der Taufe und in der **Myronsalbung**: „Als dein ganzer Leib mit dem heiligen Myron gesalbt wurde, nahm der Heilige Geist in dir Wohnung, und du wurdest geheiligt und allein für den Herrn ausgesondert.“[^4]

Auch die Triebe sind gute Gaben Gottes. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty sagt von den Trieben und Regungen des Leibes: „sie sind die Schöpfung des guten Gottes, der die Menschen liebt, und alles, was er schafft, ist gut. Gerade die Regungen, die deine Beziehung zum Herrn zerstören, sind dieselben, die dir auf dem Weg des Herrn helfen – wenn du sie in die Hände des Heiligen Geistes legst“.[^5] Die Triebe brauchen also eine Richtung. Der heilige Johannes Chrysostomus warnt: „… jeder Trieb, der einmal die ihm von Gott gesetzten Grenzen überspringt, geht nach Absonderlichkeiten und Widernatürlichkeiten.“[^6] Leib und Geist sind keine Feinde: „unser Feind ist die Sünde, die den Leib gegen den Geist aufbegehren lässt“.[^7]

## Reinheit: eine positive Tugend

Reinheit bedeutet nach dem Katechismus, in Gemeinschaft mit Gott zu leben und Christus ähnlich zu werden. In dieser Gemeinschaft bereiten wir uns wie eine Braut auf das himmlische Hochzeitsmahl vor.[^8]

**Reinheit** betrifft „das ganze Wesen des Menschen: Seele, Leib, Verstand, Gefühle, Fähigkeiten, Kräfte, Gedanken, Worte und Taten“. Wer sie nur als Verzicht versteht, entwertet sie.[^9]

> **Begriff: Reinheit**
>
> Reinheit bedeutet, sich mit ungeteiltem Herzen Gott zuzuwenden.

„Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen“ (Mt 5:8). Mit David beten wir darum: „Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist!“ (Ps 51:12; LXX 50).

## Sexualität in der Ehe von Mann und Frau

Gott hat den Menschen „als Mann und Frau“ geschaffen (Gen 1:27) und gesagt: „… verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch“ (Gen 2:24). Jesus bestätigt diese Ordnung des Anfangs (Mt 19:4–6). Die Anziehung zwischen Mann und Frau ist Gottes Werk. Der heilige Johannes Chrysostomus sagt: „… es liegt in der Natur ein verborgener Trieb, der unwillkürlich die beiden Geschlechter zueinander zieht“, und: „… nichts schweißt unser Leben so sehr zusammen wie die Liebe zwischen Mann und Weib.“[^10]

Ihren Ort hat die geschlechtliche Vereinigung in der Ehe. Das **Sakrament der heiligen Ehe** hast du in [Thema 30](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T30.md) („Priestertum, Krankensalbung und Ehe“) kennengelernt; hier geht es um die Liebe der Eheleute. Der Katechismus sagt: „Im Christentum ist die Ehe heilig und das Ehebett rein“,[^11] und der Hebräerbrief mahnt: „Die Ehe soll von allen in Ehren gehalten werden und das Ehebett bleibe unbefleckt“ (Hebr 13:4a). Eheliche Liebe ist ein Mysterium, ein heiliges Geheimnis, in dem die Eheleute Gottes Wirken in ihrem Leben annehmen. Sie erschöpft sich weder in der Befriedigung sexueller Bedürfnisse noch in der Gründung einer Familie.[^12]

Paulus sieht in dieser Liebe ein Bild der Liebe Christi: „Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus“ (Eph 5:21); „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat“ (Eph 5:25); und vom „ein Fleisch“ der Eheleute sagt er: „Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche“ (Eph 5:32). Er beschreibt auch die Gegenseitigkeit: „Der Mann soll seine Pflicht gegenüber der Frau erfüllen und ebenso die Frau gegenüber dem Mann. Nicht die Frau verfügt über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt nicht der Mann über seinen Leib, sondern die Frau“ (1. Kor 7:3–4). Keiner gebraucht den anderen; beide schenken sich einander.

![Christus ehrt die Hochzeit zu Kana (Joh 2:1–11)](https://dienerkursbooks.pages.dev/bilder/T46/T46-B2.jpg)

*Abb. 97 · Christus ehrt die Hochzeit zu Kana (Joh 2:1–11)*

Nach dem heiligen Augustinus wollte der Herr durch sein Kommen zur Hochzeit zu Kana „versichern, dass die Ehe seine eigene Stiftung ist“.[^13]

## Keuschheit vor der Ehe

> **Begriff: Keuschheit**
>
> **Keuschheit** ist die Tugend, die die geschlechtliche Kraft in die Liebe zu Gott und zum Nächsten einordnet: vor der Ehe als Enthaltsamkeit, in der Ehe als Treue. Sie ist zuerst eine Gabe Gottes und dann eine Aufgabe des Menschen.

Paulus schreibt: „Das ist es, was Gott will: eure Heiligung. Das bedeutet, dass ihr die Unzucht meidet“ (1. Thess 4:3), und seinem jungen Schüler Timotheus: „Flieh vor den Begierden der Jugend; strebe unermüdlich nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe und Frieden“ (2. Tim 2:22a). Vielen Jugendlichen scheint das unmöglich. Der Katechismus fragt deshalb selbst: „Kann ich keusch leben?“, und antwortet: „Die Keuschheit ist eine Gabe Gottes, der will, dass du heilig bist.“ Gott fordert dich nicht auf, „das Problem allein zu lösen“, sondern will dir die Keuschheit schenken.[^14]

Die Sünde beginnt meist klein. Die Didache warnt: „Mein Kind, sei nicht lüstern, denn die Lüsternheit führt zur Unzucht, meide die Zoten und freche Blicke; denn all das führt zum Ehebruch.“[^15] Papst Schenouda III. sagt: „Die Sinne sind die Eingangstore der Gedanken.“[^16] Das gilt heute besonders für Bilder und Videos auf dem Bildschirm, auch für Pornografie. Christus sagt: „Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen“ (Mt 5:28). Wer davon nicht loskommt, ist nicht verloren; er spricht mit seinem Beichtvater. Der Katechismus nennt praktische Schritte gegen die Begierde, darunter: „Erkenne, wer du bist. Du bist der Mittelpunkt der Liebe Gottes und seine Freude.“ – „Erkenne auch deine Schwäche.“ – „Nutze die Mittel der Gnade. Die Tür zu Buße und Beichte steht immer offen“.[^17] Dazu kommen Fasten, Gebet und gute Freunde. „Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet“ (1. Kor 10:13b).

Ein Gedanke, der in dir aufsteigt und dem du nicht zustimmst, ist noch keine Sünde. Der Katechismus führt das Wort des heiligen Markus des Asketen an, eines Mönchsvaters der alten Kirche: „Das Aufkommen eines Gedankens ist an sich weder böse noch gut, sondern vielmehr eine Prüfung unseres freien Willens.“[^18] Christus ist der Hohepriester, „der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat“ (Hebr 4:15b). Die Sünde beginnt mit der Zustimmung des Herzens, mit dem Begehren: Darum nennt Christus schon den lüsternen Blick Ehebruch „in seinem Herzen“ (Mt 5:28). Vollendet wird sie in der Tat. Entscheidend ist also, was der Mensch mit dem Gedanken tut: Er stimmt ihm nicht zu, sondern bringt ihn im Gebet zu Gott.

Wer gefallen ist, gibt nicht auf. „Das Leben in Christus bedeutet: ein unablässiges Streben nach einem Leben in Heiligkeit, getragen von der Kraft der Gnade, ohne in Verzweiflung zu geraten, sondern stets auf das Erbarmen Gottes zu hoffen – auch mitten in Straucheln und Fallen.“[^19]

> **Beispiel**
>
> **Die heilige Maria von Ägypten.** Nach dem Synaxarium lebte Maria aus Alexandrien viele Jahre in schwerer Sünde, bis die Gnade Gottes sie erreichte. In Jerusalem spürte sie an der Tür der Auferstehungskirche eine Kraft, die sie am Eintreten hinderte, und erkannte, dass es wegen ihrer Unreinheit geschah. Sie bat die Gottesgebärerin (Theotokos) um ihre Fürsprache und war bereit, die Sünde zu lassen. Nun betrat sie die Kirche ohne Hindernis und „freute sich sehr über die Annahme ihrer Reue durch Gott“. Sie beichtete, empfing die heiligen Mysterien und ging in die Wüste jenseits des Jordan. Dort kämpfte sie gegen die Begierden, „als ob sie gegen wirkliche wilde Tiere kämpfte, bis sie den Feind besiegte“.[^20] Die Kirche ehrt sie als Heilige: Wer umkehrt, dem steht die Tür offen, und kein Leben ist so verloren, dass Gott es nicht rein machen könnte.

## Freundschaft und der Weg zur Ehe

Freundschaft ist ein großes Geschenk: „Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt; wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden“ (Sir 6:14). Sie soll, so der Katechismus, „nicht lediglich auf wechselnden menschlichen Gefühlen beruhen, sondern aus aufrichtiger Liebe hervorgehen, die eine göttliche Gabe ist“.[^21]

Wer an die Ehe denkt, fragt nach dem, was bleibt. Der heilige Johannes Chrysostomus rät dem jungen Mann – und es gilt ebenso für die junge Frau:

> **Aus den Vätern**
>
> Verlange nach seelischer Schönheit; ahme hierin den Bräutigam der Kirche nach! \[…\] vielmehr erhält sich da natürlicherweise die anfängliche Liebe in ungeminderter Stärke, weil sie eben auf der Schönheit der Seele und nicht auf der des Leibes beruht.[^22]
>
> – Hl. Johannes Chrysostomus, *Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser*, Homilie 20,2

Die Zeit der Verlobung lebt von Achtung: Niemand drängt den anderen, kontrolliert ihn oder verlangt etwas, was gegen sein Gewissen ist. „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig … Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil“ (1. Kor 13:4a.5a). Die Eltern und der Beichtvater sind dabei gute Begleiter.

## Mann und Frau – gleich vor Gott

Mann und Frau sind gemeinsam nach dem Bild Gottes geschaffen: „Als Mann und Frau schuf er sie“ (Gen 1:27b). In Christus gilt: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ‚einer‘ in Christus Jesus“ (Gal 3:28). Der heilige Clemens von Alexandrien schreibt: „Es ist aber offenbar nicht so, dass hinsichtlich des Menschseins das Weib eine andere Natur hätte als der Mann; vielmehr haben beide die gleiche Natur, also auch die gleiche Tugend.“[^23] Der heilige Basilius lässt die Märtyrin Julitta vor ihrem Tod zu den Frauen sagen: „Nach dem Bilde Gottes sind wir erschaffen – wie sie.“[^24] Papst Schenouda III. sagte 1990 vor Geistlichen verschiedener Kirchen:

> **Aus der Lehre unserer Päpste**
>
> … denn Mann und Frau sind vor Gott gleich. Weder wird der Mann bevorzugt noch die Frau, doch die Taten jedes Menschen können ihn an die erste oder letzte Stelle setzen. Vor Gott sind sie in ihren Taten gleich. Doch in ihren Eigenschaften, in ihren Aufgaben unterscheiden sie sich.[^25]
>
> – Papst Schenouda III., *Ordination of Women & Homosexuality. Two Lectures*, Zweiter Vortrag, Antwort auf die fünfte Frage (S. 52)

Gleiche Würde heißt nicht gleiche Aufgabe. Christus hat seiner Kirche eine Ordnung mit verschiedenen Gaben gegeben, denn „Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern ein Gott des Friedens“ (1. Kor 14:33a). Das Priestertum hat er den Aposteln übergeben ([Thema 30](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T30.md) „Priestertum, Krankensalbung und Ehe“); Frauen dienen der Kirche in vielen Aufgaben, als Mütter, Dienerinnen, Lehrerinnen und Diakonissen. Papst Schenouda III. erklärt in seinem Buch *Das Priestertum*: Alle Gläubigen sind in ihrer Kindschaft zu Gott gleich, und auch das Geschlecht zeichnet niemanden aus; das heißt aber „ganz und gar nicht, dass sie in bestimmten Qualifikationen gleich sind und gleich in Bezug auf das Priestertum!“[^26] Auch 1. Tim 2:12, nach dem oft gefragt wird, wertet die Frau nicht ab. Paulus schrieb seinen Brief angesichts der damaligen Lage in der Gemeinde von Ephesus;[^27] der Vers betrifft das liturgisch-sakramentale Lehr- und Leitungsamt, das an das Priestertum gebunden ist, nicht den Dienst der Katechese, also der Unterweisung im Glauben (ausführlich in [Thema 30](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T30.md) „Priestertum, Krankensalbung und Ehe“).

## Homosexualität

Über Homosexualität wird heute viel und oft heftig gesprochen. Die Kirche lehrt darüber nichts anderes als über jede Sexualität: Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen und die geschlechtliche Vereinigung der Ehe von Mann und Frau zugeordnet (Gen 1:27; 2:24; Mt 19:4–6), und der Ruf zur Heiligkeit gilt allen (1. Thess 4:3–5; Hebr 12:14). Die Schrift nennt gleichgeschlechtliche Handlungen Sünde (Röm 1:26–27; 1. Kor 6:9–10), wie sie jede Unzucht Sünde nennt. Auch der heilige Athanasius nennt widernatürliche Handlungen (Röm 1:26) in einer langen Reihe von Sünden, in die die Menschheit nach dem Fall geraten ist – neben Ehebruch, Diebstahl, Mord und Krieg.[^28]

Homosexualität ist also eine Sünde wie alle anderen Sünden: Sie braucht Reue und Beichte, und wie jede bereute Sünde wird sie vergeben. Paulus schreibt nach seiner Aufzählung: „Und solche gab es unter euch. Aber ihr seid rein gewaschen, seid geheiligt, seid gerecht geworden im Namen Jesu Christi, des Herrn, und im Geist unseres Gottes“ (1. Kor 6:11). Den Weg der Umkehr geht jeder mit seinem Beichtvater; das ist nicht Sache des Dieners.

> **Merksatz**
>
> Gott hat die Ehe als Bund von Mann und Frau geschaffen. Homosexualität ist eine Sünde wie alle anderen Sünden: Sie braucht Reue und Beichte, und jede bereute Sünde wird vergeben (1. Kor 6:11).

## Für den Dienst

### Wenn sich dir ein Jugendlicher anvertraut

Es kann sein, dass dir ein Jugendlicher nach der Stunde oder bei einer Freizeit sagt, dass er immer wieder in dieselbe Sünde fällt, dass er in einer Beziehung Grenzen überschritten hat oder dass er von Bildern im Netz nicht mehr loskommt. Dann gilt:

1.  **Zuhören.** „Jeder Mensch soll schnell bereit sein zu hören, aber zurückhaltend im Reden“ (Jak 1:19b). Danke für das Vertrauen. Bleib ruhig; zeig weder Erschrecken noch Belustigung.
2.  **Die Person achten.** Ein Mensch ist mehr als seine Gefühle und seine Fehler. Lege ihn nicht auf seine Gefühle oder Fehler fest. Von Christus heißt es: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslöschen“ (Mt 12:20a).
3.  **Klar und liebevoll antworten.** Wenn er fragt, sag die Lehre der Kirche ohne Abstriche und ohne Härte: Versuchung ist keine Sünde; Gott liebt ihn; der Ruf zur Keuschheit gilt allen; jede bereute Sünde wird vergeben. Der Herr sagte zur Ehebrecherin: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“ (Joh 8:11b). Antworte ruhig und kurz und vertiefe das Gespräch nicht allein; ins Einzelne geht es beim Beichtvater.
4.  **Nichts Unerfüllbares versprechen.** Du versprichst keine Geheimhaltung, die du nicht halten kannst. Abuna Daoud Lamei nennt unter den Dingen, die ein weiser Diener des Evangeliums nicht tun soll: „Versprechen geben, die er vielleicht nicht erfüllen kann“ und „Geheimnisse derer preisgeben, die sich ihm anvertrauen“.[^29] Was dir anvertraut wird, erzählst du nicht weiter.
5.  **Die Grenze der Verschwiegenheit kennen.** Spricht er von Selbstverletzung oder Suizidgedanken, von Gewalt oder Missbrauch, ist er in Gefahr. Dann versprichst du nicht zu schweigen, sagst ihm ehrlich, dass du mit Abuna sprechen musst, und sprichst sofort mit ihm; der Priester zieht je nach Lage die Eltern und weitere Hilfen hinzu. Ist der Jugendliche in akuter Gefahr, handelst du selbst und sofort und rufst den Notruf.
6.  **Weiterführen.** Ermutige ihn zum Gespräch mit seinem Beichtvater und, wo es passt, mit seinen Eltern. Was dem Jugendlichen peinlich ist, erzählst du nicht selbst seinen Eltern; muss es mit ihnen geklärt werden, tut das der Priester. Braucht er weitere Hilfe, hilft Abuna, sie zu finden. Du selbst bist nicht sein Therapeut.
7.  **Bleiben.** Bete für ihn, behandle ihn danach wie vorher und halte ihn in der Gemeinschaft. „Einer trage des anderen Last“ (Gal 6:2a).

Auch in solchen Gesprächen gilt die Haltung aus [Thema 2](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T02.md) („Vorbild, Verhalten und Schutz“): Nähe und Distanz achten, kein falsches Wort, keine falsche Berührung. Du suchst keine heimliche Sonderbeziehung, auch nicht am Handy.

### Mit Kindern und Eltern

Kinder begegnen dem Thema in Schule, Serien und Spielen. Sag ihnen altersgerecht: Gott hat die Menschen als Mann und Frau geschaffen und die Ehe für Mann und Frau gestiftet; wir lieben und achten alle Menschen, wir sind zu allen freundlich und verspotten oder beschimpfen niemanden. Mit Kindern spielst du keine Rollen- oder Gruppenspiele zur Sexualität, und Fragen einzelner Kinder besprichst du nicht vor der Klasse. Die ersten Ansprechpartner der Kinder in Fragen der Sexualität sind ihre Eltern; sprich dich mit ihnen ab und unterstütze sie, statt sie zu ersetzen.[^30] Erzählt dir ein Kind, dass ihm jemand anstößige Bilder gezeigt oder geschickt hat, hörst du ruhig zu, fragst nicht aus und sprichst mit Abuna; er klärt es mit den Eltern.

## Das Wichtigste in Kürze

- Der Leib ist kein Übel, sondern Tempel des Heiligen Geistes (1. Kor 6:19–20); er ist dazu da, Gott zu verherrlichen. Die Triebe sind gute Gaben, die eine Richtung brauchen.
- Reinheit ist eine positive Tugend, Gemeinschaft mit dem Heiligen, die den ganzen Menschen betrifft (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1223).
- Die geschlechtliche Vereinigung hat ihren Ort in der Ehe von Mann und Frau (Gen 2:24): „Im Christentum ist die Ehe heilig und das Ehebett rein“ (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 845). Die eheliche Liebe ist gegenseitige Hingabe (1. Kor 7:3–4).
- Keuschheit ist Gabe Gottes und Aufgabe; vor der Ehe bedeutet sie Enthaltsamkeit. Wer fällt, steht durch Umkehr und Beichte wieder auf.
- Mann und Frau sind von Gott gleich an Würde und Natur geschaffen und haben verschiedene Gaben und Aufgaben. 1. Tim 2:12 wertet die Frau nicht ab; der Vers betrifft das an das Priestertum gebundene liturgisch-sakramentale Lehr- und Leitungsamt, nicht den Dienst der Katechese.
- Ein Gedanke, dem du nicht zustimmst, ist noch keine Sünde; die Sünde beginnt mit der Zustimmung des Herzens, mit dem Begehren (Mt 5:28), und wird in der Tat vollendet. Homosexualität ist eine Sünde wie alle anderen Sünden: Sie braucht Reue und Beichte, und jede bereute Sünde wird vergeben (1. Kor 6:11).
- Vertraut sich dir ein Jugendlicher an: zuhören, die Person achten, klar und liebevoll antworten, nichts Unerfüllbares versprechen, die Grenze der Verschwiegenheit kennen, zum Beichtvater führen und bleiben.

## Zum Weiterlesen

- Abuna Tadros Y. Malaty, *Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche*, Bd. 2, Buch 6, Kap. 4 (Keuschheit und Reinheit, Fr. 1223–1242).
- Abuna Tadros Y. Malaty, *Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche*, Bd. 1, Fr. 842–860 (die heilige Ehe).
- *Die sieben Sakramente*, hg. vom Koptisch-Orthodoxen Kloster des heiligen Antonius, Kröffelbach 2017, Kap. 6 („Das Sakrament der Eheschließung“), ab S. 104.
- Papst Schenouda III., *Wer ist der Mensch?*, Kap. 6 (der Leib) und Kap. 8 (das Denken).
- Hl. Johannes Chrysostomus, *Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser*, Homilie 20.

## Anmerkungen

[^1]: Vgl. Papst Schenouda III., Wer ist der Mensch?, Kap. 6.1.1.

[^2]: Vgl. ebd., Kap. 6.1.1–6.1.2.

[^3]: Ebd., Kap. 6.1.4.

[^4]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1228.

[^5]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1227.

[^6]: Johannes Chrysostomus, Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Römer, Homilie 5,1.

[^7]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1239.

[^8]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1223.

[^9]: Ebd.

[^10]: Johannes Chrysostomus, Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser, Homilie 20,1. „Weib“ ist die ältere Sprachform für „Frau“.

[^11]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 845.

[^12]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 844.

[^13]: Augustinus, Vorträge über das Johannes-Evangelium, Vortrag 9,2; zitiert nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 846.

[^14]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1225–1226.

[^15]: Didache, Kap. 3,3. Zoten sind unanständige Witze und Reden.

[^16]: Papst Schenouda III., Wer ist der Mensch?, Kap. 8.3.

[^17]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1230.

[^18]: Nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1242.

[^19]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1229.

[^20]: Synaxarium, 6. Baramuda, Gedenken an die Entschlafung der heiligen Maria von Ägypten, der Wüstenwanderin, S. 381–382.

[^21]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1297.

[^22]: Johannes Chrysostomus, Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser, Homilie 20,2.

[^23]: Clemens von Alexandrien, Teppiche (Stromateis), Buch IV, 59,1. „Weib“ ist die ältere Sprachform für „Frau“.

[^24]: Basilius, Ausgewählte Predigten, Predigt IV (Auf die Märtyrin Julitta), Kap. 2.

[^25]: Papst Schenouda III., Ordination of Women & Homosexuality. Two Lectures, zweiter Vortrag, Antwort auf die fünfte Frage, S. 52.

[^26]: Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 3.

[^27]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, The First Epistle of Paul the Apostle to Timothy, zu 1. Tim 2 (S. 62–65).

[^28]: Vgl. Athanasius, Über die Menschwerdung des Logos, Kap. 5.

[^29]: Abuna Daoud Lamei, The Harvest is Plentiful, Kap. 6.

[^30]: Vgl. Abuna Luke Istafanous und Marguerite Rizk, Purity. An Orthodox Christian Curriculum, 2. Aufl. 2017, S. 4.
