# Kapitel 4: Das Glaubensbekenntnis

*Was wir in jeder Liturgie bekennen – Artikel für Artikel*

Vorwissen · Kapitel 4 · Lesedauer etwa 13 Minuten

Koptisch-Orthodoxe Diözese Österreichs und der Deutschschweiz · Ausgabe 15, Stand 21. Oktober 2026 · Webseite: [https://dienerkursbooks.pages.dev/vorwissen/K04](https://dienerkursbooks.pages.dev/vorwissen/K04.md)

## In diesem Kapitel

1.  Du kennst den Wortlaut des Glaubensbekenntnisses und kannst seine Teile benennen.
2.  Du kannst erklären, was in Nizäa (325) und was in Konstantinopel (381) formuliert wurde.
3.  Du kannst die Aussagen über den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, über die Kirche, die Taufe und die Vollendung in einfachen Worten erklären.
4.  Du weißt, wo das Glaubensbekenntnis im Leben der Kirche vorkommt.

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Seit deiner Kindheit hast du es unzählige Male gehört und mitgesprochen: „In Wahrheit glauben wir an den einen Gott …“ In jeder Göttlichen Liturgie betet die ganze Gemeinde gemeinsam mit dem Klerus, also den geweihten Dienern am Altar, laut das **Glaubensbekenntnis**.[^1] In wenigen Sätzen sagt es, was die Kirche glaubt. Als Diener sollst du „stets bereit“ sein, „jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1. Petr 3:15b) – einem Kind in deiner Klasse oder in der Familie ebenso wie einem Fremden, der dich fragt.

## Was ein Glaubensbekenntnis ist

Schon im Neuen Testament bekennen die Jünger ihren Glauben in kurzen Sätzen. Petrus antwortet Jesus: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16:16b). Und der auferstandene Herr sendet die Apostel aus: „tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28:19b). Aus dem Bekenntnis zu Christus und dem Bekenntnis zur Heiligen Dreifaltigkeit ist das Glaubensbekenntnis der Kirche gewachsen. Zuerst sprachen es die Taufbewerber vor ihrer Taufe. Als Irrlehren aufkamen, wurde es ein fester Teil der Liturgie und des persönlichen Gebets.[^2]

Auf Griechisch heißt das Bekenntnis ***Symbolon***, „Erkennungszeichen“: So wie Soldaten Zeichen austauschten, um Freund und Feind zu unterscheiden, gibt sich ein Christ durch dieses Bekenntnis als Glied der Kirche zu erkennen.[^3]

> **Begriff: Glaubensbekenntnis**
>
> Die kurze, verbindliche Zusammenfassung des Glaubens der Kirche, formuliert auf dem Konzil von Nizäa (325) und vollendet auf dem Konzil von Konstantinopel (381); ein Konzil ist eine Versammlung der Hirten und Lehrer der ganzen Kirche. Nach diesen beiden Konzilen heißt es auch **Nizäno-Konstantinopolitanum**.

Es ist nicht dasselbe wie das „Apostolische Glaubensbekenntnis“, das du vielleicht kennst; das ist ein anderer Text.[^4]

## Der Wortlaut

So lautet das Glaubensbekenntnis im Messbuch unserer Diözese, dem Buch der Göttlichen Liturgie:[^5]

> **Merksatz: Das Glaubensbekenntnis**
>
> In Wahrheit glauben wir an den einen Gott, Gott den Vater, den Allmächtigen, Schöpfer des Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und Unsichtbaren.\
> Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes einzigen Sohn, geboren aus dem Vater vor aller Zeit:\
> Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geworden.\
> Für uns Menschen und um unsres Heiles willen ist er vom Himmel herabgestiegen.\
> Er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden.\
> Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus an unsrer Statt, hat gelitten und ist begraben worden.\
> Am dritten Tage auferstanden von den Toten gemäß der Schrift, aufgefahren in den Himmel, dort sitzet er zur Rechten seines Vaters.\
> Und so wird er wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten, und seine Herrschaft wird kein Ende sein.\
> Ja, wir glauben an den Heiligen Geist, den lebensspendenden Herrn, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, er hat gesprochen durch die Propheten.\
> Wir glauben an die eine, heilige, apostolische und universale Kirche.\
> Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.\
> Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.

> **Hinweis**
>
> **„An den einen Gott“.** Die Gemeinde beginnt das Bekenntnis mit „In Wahrheit glauben wir an den einen Gott“. Der Text des Konzils von Nizäa begann mit „Wir glauben an einen Gott“.[^6]

Vor dem Bekenntnis singt die Kirche die **Einleitung zum Glaubensbekenntnis**, einen Lobpreis der Gottesgebärerin (Theotokos). Die Überlieferung unserer Kirche verbindet ihn mit dem heiligen Kyrill von Alexandrien und dem Kampf um den Titel „Gottesgebärerin“ ([Kapitel 6](https://dienerkursbooks.pages.dev/vorwissen/K06.md)).[^7]

> **Merksatz: Die Einleitung zum Glaubensbekenntnis**
>
> Wir rühmen dich, du Mutter des wahren Lichts; wir verherrlichen dich, heilige Jungfrau, Mutter Gottes, denn du gebarst uns den Erlöser der Welt. Er kam und befreite unsere Seelen.\
> Verherrlichung sei dir, unser Herr und König, Christus, du Ruhm der Apostel, du Krone der Martyrer, du Jubel der Gerechten, du Stärke der Gemeinden, du Vergeber der Sünden.\
> Wir verkünden die Heilige Dreifaltigkeit, den einen Gott:\
> Wir huldigen ihm; wir verherrlichen ihn.\
> Herr, erbarme dich, Herr, erbarme dich, Herr, segne uns. Amen.[^8]

## Zwei Konzile – ein Bekenntnis

Das Bekenntnis ist in zwei Schritten entstanden, jeweils als Antwort auf eine Irrlehre.[^9]

| Konzil | Anlass | Beitrag zum Bekenntnis |
|----|----|----|
| Nizäa (325) | Arius lehrte, der Sohn sei ein Geschöpf und nicht ewig. | Bekenntnis zum Vater und zum Sohn, der wesensgleich mit dem Vater ist; der Text endete mit den Worten „und an den Heiligen Geist“. |
| Konstantinopel (381) | Makedonius, ein früherer Bischof von Konstantinopel, lehrte, der Heilige Geist sei ein Geschöpf. | Vollendung des Bekenntnisses: der Artikel über den Heiligen Geist, dazu Kirche, Taufe, Auferstehung und das Leben der kommenden Welt. |

Tabelle 4 · Wie das Glaubensbekenntnis entstanden ist

Auch im Teil über Christus kamen nach Nizäa noch Worte hinzu, etwa „seine Herrschaft wird kein Ende sein“.[^10] Mehr über die beiden Konzile erfährst du in [Kapitel 6](https://dienerkursbooks.pages.dev/vorwissen/K06.md).

## Artikel für Artikel

### „In Wahrheit glauben wir an den einen Gott“

„Wir glauben“ – nicht „ich glaube“: Wer das Bekenntnis spricht, erfindet keinen eigenen Glauben, sondern nimmt den Glauben der Kirche an.[^11] Glaube ist dabei mehr als ein Wissen über Gott; er ist ein Leben in Beziehung zu ihm.[^12]

Gott ist **einer**. Mit Mose bekennt die Kirche: „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig“ (Dtn 6:4).[^13] Dieser eine Gott ist zugleich Vater, Sohn und Heiliger Geist. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty sagt: „Gott ist einer: Er ist ein einziges, ungeteiltes und untrennbares Wesen und zugleich eine Dreifaltigkeit von Hypostasen, die voneinander unterschieden werden können. Die Hypostasen sind ewig und ohne Anfang; sie gehören einem einzigen Wesen an und haben einen einzigen Willen.“[^14]

> **Begriff: Hypostase (Person)**
>
> Jede der drei Personen der Heiligen Dreifaltigkeit in ihrer jeweiligen Eigenart: der Vater ungezeugt, der Sohn gezeugt, der Heilige Geist hervorgehend – innerhalb des einen göttlichen Wesens. Die drei sind nicht drei Götter und keine Teile eines Gottes.

### „Gott den Vater, den Allmächtigen …“

Im koptischen Wortlaut steht hier **Pantokrator**: der Allmächtige, der Herrscher über alles.[^15] Gott hält die ganze Schöpfung in seiner Hand; seine Herrschaft steht im Einklang mit seiner Liebe und hebt die Freiheit des Menschen nicht auf.[^16] In der Ostwand des Heiligtums (Altarraums) befindet sich eine **Apsis**, eine halbrunde Nische, die „Schoß des Vaters“ heißt; dort ist Christus als Pantokrator dargestellt, der die Erde in seiner Hand hält.[^17]

Mit dem Wort „Vater“ bekennen wir zugleich den Sohn: Gott ist nicht erst im Lauf der Zeit Vater geworden, sondern war es immer.[^18]

„Schöpfer des Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und Unsichtbaren“: Zum Unsichtbaren gehören die Engel.[^19] Alles, was Gott geschaffen hat, ist gut – auch der Leib und die Materie. Das Böse kommt nicht aus der Schöpfung, sondern aus einem Willen, der sich von Gott abwendet.[^20]

### „Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus …“

Wir bekennen Jesus Christus als „Gottes einzigen Sohn“, den Sohn Gottes von Natur. Er ist „geboren aus dem Vater vor aller Zeit“: Es gab keine Zeit, in der der Sohn Gottes nicht war.[^21] Wir dagegen werden Kinder Gottes durch die Gnade. Darum sagt der Herr nicht „zu unserem Vater“, sondern: „Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater“ (Joh 20:17b).[^22]

- „**Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott**“: Wie das Licht aus dem Licht hervorstrahlt und doch in ihm bleibt, so ist der Sohn aus dem Vater – ohne Anfang und nicht auf körperliche Weise.[^23]
- „**gezeugt, nicht geschaffen**“: Der Sohn ist kein Geschöpf, sondern selbst der Schöpfer. Die Worte „durch ihn ist alles geworden“ nehmen das Johannesevangelium auf: „Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist“ (Joh 1:3).
- „**eines Wesens mit dem Vater**“: Mit diesem Wort antwortete das Konzil von Nizäa auf Arius. Jesus sagt: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10:30).[^24]

> **Begriff: wesensgleich**
>
> „Eines Wesens mit dem Vater“ heißt: Der Sohn ist **wesensgleich** mit dem Vater. Er hat dasselbe eine göttliche Wesen wie der Vater – nicht ein ähnliches und nicht ein geschaffenes. Das griechische Fachwort des Konzils von Nizäa heißt *homoousios*; es steht auch im koptischen Wortlaut des Bekenntnisses.

### „Für uns Menschen und um unsres Heiles willen …“

Der Sohn ist nicht für eine bestimmte Gruppe herabgestiegen, sondern für die ganze Menschheit, um uns von der Sünde, vom Fluch und vom Tod zu retten.[^25] Wie das geschieht, erklärt [Kapitel 5](https://dienerkursbooks.pages.dev/vorwissen/K05.md). „Vom Himmel herabgestiegen“ heißt nicht, dass er den Himmel verlassen hätte: Er ist überall gegenwärtig, ist aber als Mensch auf der Erde sichtbar erschienen.[^26]

Er hat „Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria“ und ist „Mensch geworden“. Das nennen wir die **Menschwerdung**: Der Sohn Gottes „wurde Mensch, ohne aufzuhören, Gott zu sein“.[^27]

> **Heilige Schrift**
>
> Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
>
> Joh 1:14

> **Aus den Vätern**
>
> Einer ist demnach der Herr Jesus Christus, das eingeborene Wort des Vaters selbst, das Fleisch geworden, ohne aufzuhören zu sein, was es war.[^28]
>
> – Hl. Kyrill von Alexandrien, *Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses*, Kap. 14

„Fleisch“ meint hier den ganzen Menschen: Christus hat einen wirklichen Leib mit einer vernünftigen Seele angenommen.[^29] Weil Maria nicht einen bloßen Menschen, sondern den menschgewordenen Sohn Gottes geboren hat, nennt die Kirche sie Gottesgebärerin ([Kapitel 6](https://dienerkursbooks.pages.dev/vorwissen/K06.md)).

### „Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus an unsrer Statt …“

Mit dem Namen des Pontius Pilatus verankert das Bekenntnis die Kreuzigung in der Geschichte: Sie geschah zu einer bestimmten Zeit, unter einem bekannten römischen Statthalter; sie ist kein Mythos.[^30] „Für uns“ und „an unsrer Statt“: Christus hat das Kreuz nicht verdient. Er ist aus freiem Willen für uns ans Kreuz gegangen, um uns zu retten.[^31]

Wer hat gelitten? Der eine Herr Jesus Christus, das menschgewordene Wort Gottes. Er hat in seinem Fleisch gelitten; seine Gottheit blieb dabei leidensunfähig. Der heilige Kyrill sagt, „dass er, als Gott allem Leiden entrückt, als Mensch in seinem Fleische gelitten hat“.[^32]

„Am dritten Tage auferstanden von den Toten gemäß der Schrift“: Das Bekenntnis nimmt hier die Worte des Apostels Paulus auf.

> **Heilige Schrift**
>
> Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift.
>
> 1. Kor 15:3–4

### „aufgefahren in den Himmel … Und so wird er wiederkommen …“

Mit seiner Himmelfahrt hat Christus die Welt nicht verlassen; er ist mitten unter uns, wenn wir uns in seinem Namen versammeln (Mt 18:20).[^33] „Zur Rechten seines Vaters“ ist ein Bild: Gott hat keine rechte und linke Hand. Gemeint sind die Herrlichkeit und Macht, in die Christus mit seinem verherrlichten Leib eingegangen ist; unsere menschliche Natur hat er mit in die Herrlichkeit genommen.[^34]

Bei seinem ersten Kommen kam Christus als Erlöser, bei seiner Wiederkunft kommt er als Richter.[^35] Dieser Richter ist derselbe, der uns liebt und für uns gestorben ist.[^36] „Seine Herrschaft wird kein Ende sein“: Christus herrscht geistlich und ohne Ende; sein Reich begann am Kreuz und dauert in Ewigkeit.[^37]

### „Ja, wir glauben an den Heiligen Geist …“

Mit diesem Satz beginnt der Teil, den das Konzil von Konstantinopel ausgearbeitet hat. Wir bekennen den Heiligen Geist als „den lebensspendenden Herrn“: Er ist der Herr, also Gott – kein Geschöpf und keine bloße Kraft –, und er spendet das Leben; darum heißt er auch **Lebensspender**. Er schenkt allem Geschaffenen das Leben und uns das Leben der Gnade, besonders in den Sakramenten der Kirche.[^38] Er geht aus dem Vater hervor – von Ewigkeit her, so wie der Sohn von Ewigkeit her aus dem Vater gezeugt ist; zu uns gesandt wird er vom Sohn.[^39]

> **Heilige Schrift**
>
> Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.
>
> Joh 15:26

Weil er „mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird“, bekennen wir seine Gottheit; denn Anbetung gebührt Gott allein.[^40] Zuletzt heißt es von ihm: „er hat gesprochen durch die Propheten“; denn „vom Heiligen Geist getrieben haben Menschen im Auftrag Gottes geredet“ (2. Petr 1:21b).

### „Wir glauben an die eine, heilige, apostolische und universale Kirche“

Der Heilige Geist wirkt in der Kirche; darum steht sie im Bekenntnis unmittelbar nach ihm.[^41] Das Bekenntnis nennt vier Kennzeichen der Kirche:[^42]

- **eine:** ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Leib mit Christus als Haupt (Eph 4:4–6);
- **heilig:** Christus hat sie gegründet und heiligt sie; ihre Glieder sind zur Heiligkeit berufen;
- **apostolisch:** Sie ist auf den Glauben und die Lehre der Apostel gebaut;
- **universal:** Sie umfasst alle Völker, Sprachen und Kulturen und auch die Heiligen, die schon bei Gott sind. Im koptischen Wortlaut steht dafür das griechische Wort **katholisch**; es bedeutet „allumfassend“ und ist kein Name einer Konfession.

### „Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden“

In der Taufe werden wir „aus Wasser und Geist“ neu geboren (Joh 3:5); sie ist das erste der Sakramente und die Tür zum Leben mit Gott.[^43] Sie heißt „eine“, weil sie nicht wiederholt wird: Wie ein Mensch nur einmal geboren wird, so wird er auch nur einmal geistlich geboren.[^44] Wer nach der Taufe sündigt, findet die Tür der Buße offen: Die Taufe empfangen wir einmal, das Sakrament der Buße und Beichte immer wieder.[^45]

### „Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.“

„Wir erwarten“: Das Bekenntnis endet mit Hoffnung. Am großen Tag des Herrn werden alle Toten mit ihrem Leib auferstehen und vor dem Gericht Christi stehen. Die Gerechten werden mit Leib und Seele an der Herrlichkeit teilhaben.[^46] Das „Leben der kommenden Welt“ ist das ewige Leben, und das Schönste daran ist, für immer bei Christus zu sein.[^47]

> **Heilige Schrift**
>
> Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.
>
> Joh 17:3

„Amen“ ist ein hebräisches Wort und heißt „fest, sicher, wahrhaftig“.[^48] Mit unserem „Amen“ bekräftigen wir das Bekenntnis aus ganzem Herzen.[^49]

## Wo wir das Bekenntnis beten

Das Glaubensbekenntnis begleitet das ganze Leben der Kirche:[^50]

- im Abend- und Morgenweihrauch und in der Göttlichen Liturgie, laut und gemeinsam mit dem Klerus;[^51]
- in den Gebetszeiten der Agpeya (Anhang „Gebetszeiten“);
- bei der Taufe, bei Verlobung und Eheschließung und in den Gebeten für die Entschlafenen.

Wir sprechen es stehend und hörbar. So bekennen wir vor Gott und den Menschen, dass wir am rechten Glauben festhalten, und denken an die Väter, die für die Reinheit dieses Glaubens gelitten haben.[^52]

> **Beispiel**
>
> In der Sonntagsschule fragt dich ein Kind: „Warum stehen wir beim Glaubensbekenntnis auf?“ Du kannst antworten: „Weil wir vor Gott und allen Menschen zeigen, dass wir zu unserem Glauben stehen – so wie die Heiligen, die für diesen Glauben gelitten haben.“

> **Hinweis: Zum Nachdenken**
>
> Welcher Satz des Glaubensbekenntnisses ist dir beim Beten bisher am wenigsten bewusst gewesen? Lies ihn nach diesem Kapitel noch einmal langsam und frage dich, was er für dein Leben bedeutet.

## Das Wichtigste in Kürze

- Das Glaubensbekenntnis fasst den Glauben der Kirche zusammen; wir beten es in der Liturgie, in der Agpeya und bei den Sakramenten.
- Das Konzil von Nizäa (325) formulierte das Bekenntnis zum Vater und zum Sohn; sein Text endete mit „und an den Heiligen Geist“. Das Konzil von Konstantinopel (381) vollendete es mit dem Artikel über den Heiligen Geist und den Sätzen über Kirche, Taufe und Auferstehung.
- Gott ist einer: ein Wesen in drei Hypostasen (Personen) – Vater, Sohn und Heiliger Geist.
- Der Sohn ist „gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater“ (wesensgleich); er wurde Mensch, ohne aufzuhören, Gott zu sein.
- Der eine Herr Jesus Christus hat im Fleisch gelitten; seine Gottheit blieb leidensunfähig. Er ist auferstanden und wird als Richter wiederkommen.
- Der Heilige Geist ist der lebensspendende Herr; er geht aus dem Vater hervor und wird mit dem Vater und dem Sohn angebetet.
- Die Kirche ist eine, heilig, apostolisch und universal (katholisch, „allumfassend“); die eine Taufe wird nicht wiederholt.

## Im Kurs vertieft

- [Thema 6](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T06.md) („Glaube, Dogma und Heilige Überlieferung“)
- [Thema 16](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T16.md) („Die Heilige Dreifaltigkeit“)
- [Thema 17](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T17.md) („Die Gottheit Christi aus der Schrift“) und [Thema 18](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T18.md) („Menschwerdung und Christologie“)
- [Thema 24](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T24.md) („Der Heilige Geist“) und [Thema 25](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T25.md) („Die Kirche und die Gemeinschaft der Heiligen“)
- [Thema 31](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T31.md) („Die letzten Dinge“)
- [Thema 34](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T34.md) („Nizäa und Konstantinopel“)
- [Thema 42](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T42.md) („Glaube und Vernunft“) und [Thema 44](https://dienerkursbooks.pages.dev/lehrbuch/T44.md) („Christentum und Islam; Sondergemeinschaften“): die Kreuzigung als Ereignis der Geschichte und die Antwort auf Zweifel daran

## Anmerkungen

[^1]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 100.

[^2]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 97–98.

[^3]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 5.

[^4]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 97, Anmerkung 277.

[^5]: Die göttlichen Liturgien, S. 177–178.

[^6]: Vgl. Kyrill von Alexandrien, Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, Kap. 7.

[^7]: Vgl. Synaxarium, 12. Tut, Gedenken der Abhaltung des Dritten Ökumenischen Konzils von Ephesus, S. 28; 3. Abib, Die Entschlafung des heiligen Papstes Kyrillus I., S. 539.

[^8]: Die göttlichen Liturgien, S. 92.

[^9]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 7; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 98.

[^10]: Vgl. Kyrill von Alexandrien, Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, Kap. 7; Die göttlichen Liturgien, S. 178.

[^11]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 106.

[^12]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 1.

[^13]: Vgl. Kyrill von Alexandrien, Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, Kap. 8.

[^14]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 176.

[^15]: Vgl. Euchologion, S. 124.

[^16]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 110.

[^17]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 29.

[^18]: Vgl. Kyrill von Alexandrien, Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, Kap. 9.

[^19]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 30.

[^20]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 112.

[^21]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 43–44.

[^22]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 109.

[^23]: Vgl. Kyrill von Alexandrien, Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, Kap. 11.

[^24]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 48.

[^25]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 119.

[^26]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 117.

[^27]: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 121.

[^28]: Kyrill von Alexandrien, Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, Kap. 14.

[^29]: Vgl. Kyrill von Alexandrien, Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, Kap. 13–14.

[^30]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 127.

[^31]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 83.

[^32]: Kyrill von Alexandrien, Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, Kap. 24.

[^33]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 135.

[^34]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 109 und Fr. 111.

[^35]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 113.

[^36]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 115.

[^37]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 121.

[^38]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 124.

[^39]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 204.

[^40]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 126.

[^41]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 139.

[^42]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 134; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 140.

[^43]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 140.

[^44]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 142.

[^45]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 141.

[^46]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 142; Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 114 und Fr. 143.

[^47]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 147.

[^48]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 148.

[^49]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 144.

[^50]: Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 102; Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 11.

[^51]: Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 92 und 177–178.

[^52]: Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 11.
