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Glossar
388 Begriffe
Hier sind die Fachbegriffe erklärt, die in den Vorträgen des Dienerkurses eingeführt werden. Die Angabe in Klammern nennt das Thema, in dem ein Begriff eingeführt wird, bei Begriffen aus Buch 1 das Kapitel von Buch 1. Der Pfeil (→) verweist auf den Eintrag, unter dem ein Begriff erklärt ist. Umlaute sind wie die einfachen Buchstaben eingeordnet.
A
- Abba
- Ehrentitel („Vater“) der Mönchsväter der Wüste, ohne Artikel vor dem Namen, etwa „Abba Moses“; Amma heißt eine geistliche Mutter, etwa die Wüstenmutter Amma Synkletika. (Thema 33)
- Abendweihrauch, Morgenweihrauch
- → Emporhebung des Abend- und Morgenweihrauchs
- Absolution
- Das Gebet des Priesters, in dem Gott die Sünden vergibt; der Priester ist nicht die Quelle der Vergebung, sondern teilt sie mit. Absolutionen heißen auch die Gebete um Vergebung für die Gemeinde in den Gottesdiensten, etwa die Absolution des Sohnes, die sich an Christus richtet, und das abschließende Bittgebet jeder Gebetsstunde der Agpeya. (Thema 4)
- Abuna
- Anrede des Priesters; das Wort bedeutet „unser Vater“. Es steht ohne Artikel vor dem Namen, etwa „Abuna Markus“. (Thema 1)
- Adam und Watos
- Die zwei Weisen der Hymnen im Lauf der Woche: Adam für Sonntag bis Dienstag, Watos („Busch“) für Mittwoch bis Samstag; benannt nach den Anfangsworten der Theotokien vom Montag („Während Adam noch trauerte …“) und vom Donnerstag („Der Dornbusch, den Moses in der Wüste gesehen hat …“). (Thema 20)
- Adoptianismus
- Die Irrlehre, Jesus sei ein bloßer Mensch gewesen, den Gott nachträglich als Sohn angenommen habe; die Kirche bekennt ihn als Sohn von Natur, nicht durch Annahme. (Thema 16)
- Agpeya
- Das Stundengebetbuch der Kirche mit den sieben Gebetszeiten des Tages und der Nacht und dem Schleiergebet der Mönche; jede Gebetszeit enthält Psalmen, einen Abschnitt aus dem Evangelium und Gebete. Der Name kommt vom koptischen Wort für „Stunde“. (Thema 4)
- allein die Schrift
- Lat. sola scriptura: der Grundsatz vieler Kirchen, die aus der Reformation hervorgegangen sind: Nur was in der Bibel steht, sei für den Glauben verbindlich. Die Kirche teilt die Liebe zur Schrift, lebt aber nicht nach diesem Grundsatz, denn sie empfängt die Schrift in der Heiligen Überlieferung. (Thema 6)
- allein durch den Glauben
- Lat. sola fide: der Grundsatz der evangelischen Kirchen seit der Reformation, der Mensch werde allein durch den Glauben gerecht; gute Werke sind nach ihrer Lehre nicht die Bedingung, sondern die Frucht der Rechtfertigung. Die Kirche bekennt das Zusammenwirken von Gnade, Glaube und Werken (→ Synergie). (Thema 45)
- allgemeines Priestertum
- Das Priestertum aller Getauften: Sie bringen Gott geistliche Opfer dar – Gebet, Lobpreis, Werke der Liebe, das eigene Leben. Davon unterschieden ist das besondere Priestertum, das Bischöfe und Priester durch die Weihe empfangen, um das Opfer der Eucharistie darzubringen und die Sakramente zu spenden. (Thema 30)
- allzeit Jungfrau
- Maria hat den Sohn Gottes als Jungfrau empfangen und geboren und ist vor und nach der Geburt Jungfrau geblieben; darum nennt die Kirche sie „allzeit Jungfrau“ oder „immerwährende Jungfrau“. (Thema 19)
- Altar
- Der annähernd würfelförmige Tisch in der Mitte des Heiligtums, auf dem die Eucharistie dargebracht wird; er erinnert an das Grab Christi und ist innen hohl, damit Reliquien darin aufbewahrt werden können. An einem Altar wird am selben Tag nur eine Liturgie gefeiert. (Thema 7)
- Altersstufe
- Ein Lebensabschnitt, in dem Kinder oder Jugendliche ähnliche Fähigkeiten, Bedürfnisse und Fragen haben. Die Grenzen sind fließend: Jedes Kind entwickelt sich nach seiner Begabung, seinem Gemüt und seiner Erziehung schneller oder langsamer. (Thema 9)
- Anamnese
- Gr. „Gedächtnis“: der Teil der Anaphora, der des Todes, der Auferstehung, der Himmelfahrt und der Wiederkunft Christi gedenkt. Sie ist kein bloßes Erinnern an Vergangenes, sondern tätiges Gedenken, das das Opfer Christi gegenwärtig setzt. (Thema 28)
- Anaphora
- Gr. „Emporheben“: das große Hochgebet der Göttlichen Liturgie mit den Einsetzungsworten, der Anamnese, der Epiklese und den Fürbitten; durch die Feier der Eucharistie wird die Kirche zum Himmel emporgehoben. Die drei Liturgien der koptischen Kirche unterscheiden sich vor allem in ihrer Anaphora. (Thema 28)
- Anathema (Bannfluch)
- Die feierliche Verurteilung einer Irrlehre; das Wort bezeichnet den Ausschluss aus der Gemeinschaft der Kirche. (Thema 34)
- Anathematismus
- Ein feierlicher Lehrsatz, der eine Irrlehre verurteilt, in der Form: „Wenn jemand … nicht bekennt …, so sei er im Banne.“ Der heilige Kyrill fügte seinem dritten Brief an Nestorius zwölf Anathematismen an. (Thema 18)
- Anba
- Titel der Bischöfe und großer Heiliger, ohne Artikel vor dem Namen: „Anba Gabriel“, „der heilige Anba Antonius“. (Buch 1, Kapitel 9)
- Anbetung
- Die Hingabe, die allein Gott gebührt. Den Heiligen und den Ikonen erweisen wir Verehrung, keine Anbetung. (Thema 7)
- Anstoß
- Alles, was einen anderen, besonders ein Kind, im Glauben zum Straucheln bringt (vgl. Röm 14:13). (Thema 27)
- Antichrist
- Der Widersacher Christi am Ende der Zeit, der danach trachtet, das Christentum auszulöschen; der Herr wird ihn bei seiner Ankunft vernichten (2. Thess 2:8). (Thema 31)
- Antiphonarium (Difnar)
- Der kurze Lobpreis auf den Heiligen des Tages am Schluss des Mitternachtslobpreises; auch das Buch mit diesen Strophen. (Thema 20)
- Apokryphen
- „Verborgene Schriften“: Bücher, die die Kirche nicht als Heilige Schrift angenommen hat, etwa Evangelien, die unter dem Namen eines Apostels verbreitet wurden. Unsere Kirche nennt die deuterokanonischen Bücher nie Apokryphen, auch wenn manche evangelische Bibelausgaben sie so bezeichnen. (Thema 5)
- Apollinarismus
- Die Lehre des Apollinaris von Laodicea, die das Konzil von Konstantinopel (381) verurteilte: Christus habe zwar einen menschlichen Leib, aber keine vernünftige menschliche Seele angenommen; das göttliche Wort habe in ihm die Stelle des menschlichen Geistes und Verstandes eingenommen. Damit leugnet sie, dass Christus vollständig Mensch ist. (Thema 34)
- Apologet
- Ein Verteidiger des Glaubens; Apologeten heißen besonders die Christen der ersten Jahrhunderte, die ihren Glauben vor Kaisern, Richtern und Philosophen verantworteten, etwa der heilige Justin der Märtyrer. (Thema 37)
- Apologetik
- Der Teil der Theologie, der den christlichen Glauben vor den Fragen und Einwänden der Menschen verantwortet (vgl. 1. Petr 3:15). Sie zeigt, dass der Glaube vernünftig ist, antwortet auf Einwände und lädt ein, Christus kennenzulernen. (Thema 42)
- Apostelfasten
- Das Fasten vom Tag nach Pfingsten bis zum Apostelfest (5. Abib / 12. Juli), eine Einladung zum Dienst am Evangelium mit den Aposteln; die Kirche fastet nach dem Euchologion, um „die Dienste der Apostel nachzuahmen“. (Themen 8, 29)
- Apostelkonzil
- Die Versammlung der Apostel und Ältesten in Jerusalem (Apg 15), die unter der Führung des Heiligen Geistes entschied, dass Christen aus den Heiden nicht beschnitten werden müssen. (Thema 15)
- apostolische Sukzession
- Die ununterbrochene Weitergabe des apostolischen Amtes und der apostolischen Lehre durch die Handauflegung, von den Aposteln bis heute, verbunden mit der Treue zum Glauben der Apostel. Eine Kirche, die so auf einen Apostel zurückgeht, heißt apostolische Kirche. (Thema 25)
- Apostolische Väter
- Die Schriftsteller, die die Apostel noch kannten oder ihnen ganz nahe standen, etwa der heilige Ignatius von Antiochien und der heilige Polykarp. (Thema 37)
- Arabisierung
- Der lange Weg, auf dem das Arabische in Ägypten an die Stelle des Koptischen trat: zuerst in der Verwaltung, dann im Alltag, schließlich in den Büchern und Gebeten der Kirche. Das Koptische blieb Sprache der Liturgie und der Hymnen. (Thema 38)
- Archonten
- Angesehene koptische Laien, die in Staat und Kirche Verantwortung trugen und mit Bischöfen und Klerus an der Wahl des Papstes mitwirkten. (Thema 38)
- Arianismus
- Die Lehre des Arius, der Sohn Gottes sei ein Geschöpf aus dem Nichts und nicht ewig: „Es gab eine Zeit, da er nicht war.“ Damit leugnet sie die Gottheit Christi; das Konzil von Nizäa hat sie verurteilt. (Thema 16)
- Askese
- → Mönchtum
- Atheist, Agnostiker
- Ein Atheist glaubt nicht, dass es einen Gott gibt: Manche sagen ausdrücklich, es gebe keinen Gott; andere sagen, die Gründe für Gott überzeugten sie nicht. Ein Agnostiker sagt: Ich weiß nicht, ob es Gott gibt; manche meinen, man könne es grundsätzlich nicht wissen. (Thema 42)
- Auferstehung der Toten
- Am großen Tag des Herrn werden alle Toten leiblich auferstehen und vor dem Gericht stehen; die Gerechten haben mit Leib und Seele an der Herrlichkeit teil. (Buch 1, Kapitel 4)
- Auferstehungsfest
- Das Fest der Auferstehung des Herrn, das christliche Pascha (Ostern), in der Nacht zum Sonntag mit Mitternachtslobpreis, Morgenweihrauch und Göttlicher Liturgie ganz in der Freudenmelodie gefeiert. (Thema 29)
- Auferstehungsprozession
- Die Prozession mit der Ikone des Auferstandenen, die die Kirche vom Auferstehungsfest bis zur Himmelfahrt in der Liturgie an der Stelle des Synaxariums hält; an Pfingsten hält sie die Prozession vor dem Evangelium des Morgenweihrauchs (Die göttlichen Liturgien, S. VI). (Thema 29)
- Aufnahme des Leibes der Jungfrau Maria in den Himmel
- Das Marienfest am 16. Misra: Nach der Überlieferung trugen Engel den Leib der Gottesgebärerin in den Himmel. Ihr Entschlafen feiert die Kirche am 21. Tubeh. (Thema 19)
- Ausbildung neuer Diener
- Die fünf Schritte, in denen neue Diener für ihre Aufgabe vorbereitet werden: Auswahl, Jüngerschaft, Schulung, Begleitung und Übertragung von Verantwortung, alle im Gebet. (Thema 40)
B
- Barnabasevangelium
- Ein Buch, das unter dem Namen des Barnabas verbreitet wird, aber viele Jahrhunderte nach den Aposteln in italienischer Sprache verfasst wurde und Irrtümer enthält; es gehört nicht zu den Büchern, die die Kirche von den Aposteln empfangen hat. (Thema 44)
- Baukalia
- Ort im Osten Alexandriens, „Haus der Rinder“ (im Synaxarium auch Bokalia). Dort bauten die Gläubigen die erste Kirche; in ihr wurde der heilige Markus am Auferstehungsfest des Jahres 68 ergriffen. (Thema 32)
- Beichte
- Das Bekenntnis der Sünden vor Gott in Gegenwart des Priesters im Sakrament der Buße und Beichte; kein bloßer Bericht, sondern ein Zeichen der Umkehr. (Thema 13)
- Beichtgeheimnis
- Was in der Beichte gesagt wird, bleibt beim Beichtvater. Das Beichtgeheimnis gehört zum Sakrament und schützt das Vertrauen, ohne das niemand ehrlich beichten könnte. (Thema 23)
- Beichtvater
- Der Priester, bei dem ein Gläubiger regelmäßig beichtet und der ihn auf seinem geistlichen Weg führt, lehrt und begleitet. (Thema 1)
- Beigesellung
- Neben den einen Gott andere Wesen stellen und sie wie Gott verehren; so lautet der Vorwurf aus dem islamischen Umfeld, Christen beteten in Vater, Sohn und Heiligem Geist drei Götter an. Die Kirche bekennt den einen Gott in drei Hypostasen. (Thema 44)
- Beistand (Paraklet)
- Name des Heiligen Geistes, den der Herr verheißt (Joh 14:16): gr. parakletos, eingedeutscht Paraklet, einer, der einem anderen zur Seite steht – Helfer, Fürsprecher und Verteidiger. Die Kirche nennt ihn auch Tröster (dritte Stunde: „Himmlischer König, du Tröster …“). (Thema 24)
- Bekenner
- Ein Christ, der sich in der Verfolgung offen zu Christus bekannt und dafür gelitten hat – durch Verhör, Folter, Gefängnis oder Verbannung –, aber nicht getötet worden ist: ein „Märtyrer ohne Blutvergießen“. (Thema 33)
- Bekenntnis vor der Kommunion
- Das Bekenntnis, das der Priester nach dem Brotteilungsgebet kurz vor der Kommunion spricht: Dies ist der lebensspendende Leib, den der Sohn Gottes von der Gottesgebärerin angenommen und mit seiner Gottheit eins gemacht hat „ohne Vermischung, ohne Verquickung und ohne Veränderung“; seine Gottheit hat seine Menschheit „keinen Moment lang und keinen einzigen Augenblick verlassen“ (Die göttlichen Liturgien, S. 237). (Themen 18, 28)
- Berufung
- Der Ruf Gottes an einen Menschen, ihm in einer bestimmten Aufgabe zu dienen. Gott ruft durch sein Wort, durch die Liebe zum Dienst, die seine Gnade im Herzen weckt, und durch die Kirche, die diesen Ruf prüft und bestätigt. (Thema 1)
- Bischof
- Eine der drei Weihestufen: Nachfolger der Apostel und Hirte einer Diözese; er weiht Priester und Diakone. Papst, Metropolit und Generalbischof sind Bischöfe mit einem Rang, keine eigenen Weihestufen. (Thema 30)
- Böse, das
- Das Böse ist nicht etwas, das Gott geschaffen hätte, und keine Macht neben Gott, sondern das Fehlen des Guten, so wie die Finsternis das Fehlen des Lichtes ist. Es entsteht, wo sich ein freies Geschöpf vom Guten abwendet. (Thema 42)
- Brotteilungsgebet
- Das Gebet, das der Priester beim Brechen des Leibes des Herrn vor der Kommunion spricht; es wechselt nach den Festen und Zeiten des Kirchenjahres und ist Dank für die Gabe und Bitte um ein reines Herz. (Thema 28)
- Bruder des Herrn
- So nennt Paulus Jakobus, den Leiter der Kirche von Jerusalem (Gal 1:19); „Bruder“ meint hier einen nahen Verwandten. (Thema 32)
- Bund
- In der Schrift eine Gemeinschaft, die Gott aus freier Liebe stiftet: Sie geht von Gott aus, enthält seine Verheißung und die Antwort, die er vom Menschen erwartet, und wird oft durch ein Zeichen bestätigt. Gott schloss einen Bund mit Noach, Abraham, Israel am Sinai und David; in Christus schloss er den Neuen Bund (vgl. Lk 22:20). (Thema 11)
- Buße
- → Umkehr (Buße)
C
- Chalcedon (451)
- Das Konzil von 451, das von Christus „in zwei Naturen“ nach der Einigung (siehe Einigung) sprach, den Tomus Leos annahm und Papst Dioskorus absetzte, nicht wegen einer Irrlehre. Die koptische Kirche nimmt es nicht an; die Kirchen, die es annehmen, heißen chalcedonisch. (Thema 36)
- chalcedonisch
- Bezeichnung der Kirchen, die das Konzil von Chalcedon annehmen: der römisch-katholischen und der chalcedonisch-orthodoxen Kirchen, etwa der von Konstantinopel, Griechenland, Russland und Serbien. Die orientalisch-orthodoxen Kirchen heißen nichtchalcedonisch. (Thema 36)
- Chiliasmus
- Die Lehre von einem irdischen Tausendjahrreich Christi vor dem Ende der Welt. Die Kirche lehnt sie ab; die tausend Jahre in Offb 20 sind symbolisch zu verstehen. (Thema 15)
- christliche Ethik
- Die Sittenlehre, die beschreibt, wie ein Mensch lebt, der Christus gehört; sie ist die Antwort auf die Liebe Gottes und zeigt sich im Umgang mit Gott, mit den Mitmenschen und mit der ganzen Schöpfung. (Thema 46)
- Christologie
- Die Lehre von Christus, besonders von der Einheit von Gottheit und Menschheit in ihm (→ Formel des heiligen Kyrill). (Thema 18)
- Christusgebärerin
- Gr. Christotokos: der Titel, den Nestorius statt „Gottesgebärerin“ für Maria wollte, als sei sie nur die Mutter des Menschen Jesus, in dem die Gottheit wohnte; er trennt den einen Christus. (Thema 18)
D
- Dankgebet (Danksagungsgebet)
- Das Gebet „Lasst uns danksagen dem Wohltaten spendenden und erbarmungsreichen Gott …“, mit dem jede Stunde der Agpeya und die Gottesdienste der Kirche beginnen; das Messbuch unserer Diözese nennt es Danksagungsgebet. (Thema 4)
- Darbringung des Lammes
- Der erste Teil der Göttlichen Liturgie: Die Gläubigen bringen Brote und Wein; der Priester wählt aus den Opferbroten (Qurban), die mit einem Siegel aus einem großen und zwölf kleinen Kreuzen gestempelt sind, das Lamm aus, das zum Leib Christi, des Lammes Gottes, wird (vgl. Joh 1:29), und bringt es mit dem Wein auf den Altar. (Thema 28)
- Demut
- Die Haltung, Gott die Ehre zu geben und dort zu dienen, wo man gebraucht wird, auch wo es niemand sieht. Im Dienst heißt Demut, Gott und den Menschen zu dienen, ohne zu herrschen oder sich über sie zu erheben. (Thema 1)
- deuterokanonische Bücher
- „Zum zweiten Kanon gehörig“: die Bücher des Alten Testaments, die die Kirche mit der Septuaginta als Heilige Schrift empfangen hat. Die deuterokanonischen Schriften umfassen die sieben Bücher Tobit, Judit, Weisheit Salomos, Jesus Sirach, Baruch sowie 1. und 2. Makkabäer und außerdem die Zusätze zu den Büchern Ester und Daniel. Zum Buch der Psalmen gehört in unserer Kirche zudem Psalm 151. Sie sind vollgültige Heilige Schrift. (Thema 5)
- Diakonatsstufen
- Die fünf Stufen des Diakonats: Epsaltos (Sänger), Anagnostis (Leser), Hypodiakon (Subdiakon; in unseren Gemeinden Epidiakon genannt), Diakon und Archidiakon (Erzdiakon). Die ersten drei sind vorbereitende Dienststufen, in die der Bischof durch Gebet und Segnung einsetzt; voller Diakon ist erst die vierte Stufe, die durch Handauflegung geweiht wird. Der Diakon dient am Altar und in der Gemeinde und hilft dem Priester. (Thema 30)
- Diakonisse
- Eine durch die Segnung des Bischofs eingesetzte Frau im Dienst der Kirche, besonders in der Unterweisung und im Dienst an Frauen, Kindern und Bedürftigen; sie hat keinen Altardienst und empfängt keine Priesterweihe. (Thema 30)
- Diaspora
- Die Gemeinden einer Kirche außerhalb ihres Ursprungslandes, die durch Auswanderung entstanden sind; für die koptische Kirche die Gemeinden außerhalb Ägyptens, auch die in Europa. (Thema 25)
- Didache
- „Lehre der zwölf Apostel“: eine sehr alte Kirchenordnung, deren Verfasser unbekannt ist; sie beginnt mit den zwei Wegen, einem zum Leben und einem zum Tod, und regelt Taufe, Fasten und Gebet. (Thema 37)
- Didaktik
- Die Lehre vom Lehren; sie fragt, was unterrichtet wird. In der Vorbereitung kommt sie vor der Methodik: Erst wenn feststeht, was die Kinder mitnehmen sollen, wird die passende Methode gewählt. (Thema 3)
- Diener, Dienerin
- Wer in der Kirche dient, besonders wer Kinder und Jugendliche in der Sonntagsschule geistlich begleitet und im Glauben unterweist. (Thema 1)
- Dienertreffen
- Das regelmäßige Treffen der Diener zu Gebet, Vorbereitung und Austausch. (Thema 27)
- Dienst
- Die Arbeit für Gott und die Menschen in der Kirche aus Liebe, besonders die geistliche Begleitung und Unterweisung der Kinder und Jugendlichen. Der Dienst beginnt mit der Jüngerschaft und ist mehr als Wissensvermittlung. (Thema 1)
- Dienstleiter
- Wer für einen Bereich der Sonntagsschule verantwortlich ist. (Thema 40)
- Diözese
- Das Gebiet, das ein Bischof als Hirte leitet, zum Beispiel die Koptisch-Orthodoxe Diözese Österreichs und der Deutschschweiz. (Thema 41)
- Diptychon
- Das Gedenken der Heiligen in der Liturgie, in dem die Kirche ihre Heiligen und Väter mit Namen nennt; der heilige Kyrill nahm den heiligen Johannes Chrysostomus darin auf. (Thema 37)
- Dogma
- Eine Glaubenswahrheit, die die Kirche verbindlich bekennt. Es gründet auf der Heiligen Schrift und der apostolischen Überlieferung und verändert sich in seinem Inhalt nicht; gegen Irrlehren hat die Kirche es mit genaueren Worten ausgesprochen, etwa: Der Sohn Gottes ist „wahrer Gott vom wahren Gott“ und „eines Wesens mit dem Vater“. (Thema 6)
- Doketismus
- Von gr. dokein, „scheinen“: die Lehre, Christus habe nur scheinbar einen Leib gehabt, wie es die Gnostiker behaupteten. Die Apostel haben ihr widersprochen (1. Joh 4:2b). (Thema 18)
- Doppelgebot der Liebe
- Die Liebe zu Gott und zum Nächsten als Zusammenfassung der Gebote; mit ihm begann die christliche Unterweisung, schon in der Didache. (Thema 46)
- Doxologie (Mehrzahl Doxologien)
- Ein Lobpreis in Strophen auf Gott, auf die Gottesgebärerin, die Engel und die Heiligen, etwa im Mitternachtslobpreis und im Weihrauchgottesdienst. (Thema 7)
- Dschizya
- Die Kopfsteuer, die Christen und Juden unter muslimischer Herrschaft zahlen mussten; wer sie zahlte, durfte seinen Glauben behalten und ausüben. Diese Christen und Juden hießen Schutzbefohlene (arab. ahl adh-dhimma); zu vielen Zeiten galten für sie besondere Auflagen. (Thema 38)
E
- Ebenbild (Bild Gottes)
- Der Mensch ist nach Gottes Bild geschaffen, mit Leib und geistiger Seele, mit Vernunft, freiem Willen und Gewissen, bestimmt zur Gemeinschaft mit Gott; das Bild ist Gabe und Berufung zugleich. Durch den Fall ist es entstellt; Christus, das Bild des Vaters, hat es erneuert. (Thema 11)
- Eftekad
- → Hausbesuch (Eftekad)
- Einheitsübersetzung (EÜ)
- Die deutsche Bibelübersetzung in der Fassung von 1980, die Kursbibel des Dienerkurses; sie enthält alle dreiundsiebzig Bücher, auch die deuterokanonischen Bücher und die Zusätze zu Ester und Daniel. Nur Psalm 151 fehlt in ihr. (Thema 5)
- Einigung
- In der Lehre über Christus die Vereinigung von Gottheit und Menschheit in der Menschwerdung, im Schoß der Jungfrau Maria; „nach der Einigung“ heißt also: nach der Menschwerdung. (Themen 18, 36)
- Einigung von 433
- Die Versöhnung zwischen dem heiligen Kyrill und Johannes von Antiochien im Jahr 433 auf der Grundlage eines Bekenntnisses der Antiochener zum einen Christus und zur Gottesgebärerin; es sagt: „Es hat nämlich eine Einigung der zwei Naturen stattgefunden“ (Kyrill von Alexandrien, Friedensbrief an Johannes von Antiochien, S. 102–103). Ein neues Glaubensbekenntnis war sie nicht. (Thema 36)
- Einleitung zum Glaubensbekenntnis
- Der Lobpreis der Gottesgebärerin, den die Kirche vor dem Glaubensbekenntnis spricht; nach der Überlieferung entstand er in der Zeit des Konzils von Ephesus. Wortlaut nach dem Messbuch unserer Diözese (Die göttlichen Liturgien, S. 92): „Wir rühmen dich, du Mutter des wahren Lichts …“. (Thema 36)
- Einsetzungsworte
- Die Worte des Herrn beim letzten Abendmahl über Brot und Kelch („Das ist mein Leib“), die der Priester in der Anaphora spricht, mit dem Auftrag: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22:19b). (Thema 28)
- Einsiedler (Anachoret)
- Ein Mönch, der allein in der Wüste oder an einem abgelegenen Ort lebt, um ganz dem Gebet und dem Kampf gegen die Sünde zu leben, wie der heilige Antonius und der heilige Paulus der Einsiedler. (Thema 33)
- Elternarbeit
- Die Zusammenarbeit des Dieners mit den Eltern, die für die Erziehung ihrer Kinder zuerst verantwortlich sind; der Diener ersetzt die Eltern nicht, er unterstützt sie. (Thema 35)
- Emporhebung des Abend- und Morgenweihrauchs
- Die Gottesdienste am Vorabend und am Morgen mit Gebeten, Lobgesängen, Litaneien, Lesungen und der Darbringung von Weihrauch, kurz Abendweihrauch und Morgenweihrauch. Sie bereiten auf die Göttliche Liturgie vor, können aber auch für sich allein gefeiert werden; sie sind kein Sakrament. (Thema 7)
- Engel
- Von Gott geschaffene, leiblose, vernunftbegabte Geister mit eigenem Willen, die Gott loben, ihm gehorchen und von ihm zum Dienst an den Menschen gesandt werden. Jedem Menschen gibt Gott einen Schutzengel (vgl. Mt 18:10; Ps 91:11; LXX 90). (Thema 22)
- Entäußerung (Kenosis)
- Nach Phil 2:7 (gr. kenosis): Der Sohn hat, ohne seine Gottheit abzulegen, Knechtsgestalt angenommen und sich aus Liebe bis zum Tod am Kreuz erniedrigt. Er hat nichts von seiner Gottheit verloren, sondern unsere Menschheit dazugenommen; die Entäußerung ist die freiwillige Demut Gottes. (Thema 17)
- Entrückungslehre
- Die Lehre, Christus werde die Gläubigen vor seiner Wiederkunft aus der Welt holen; die Kirche lehnt sie ab. Das Wort „entrückt“ in 1. Thess 4:17 meint, dass die Gläubigen dem Herrn bei seiner einen Wiederkunft entgegengehen. (Thema 31)
- Entschlafung
- Der leibliche Tod des Gläubigen als Übergang zum Herrn: Der Tod ist nicht das Ende, sondern ein Schlaf, aus dem Christus am Letzten Tag aufweckt. (Thema 31)
- Ephesus (431)
- Das dritte ökumenische Konzil unter der Leitung des heiligen Kyrill von Alexandrien; es verurteilte Nestorius und bekannte Maria als Gottesgebärerin. (Thema 36)
- Epiklese
- Gr. „Herabrufung“: das Gebet, mit dem die Kirche in ihren Sakramenten den Heiligen Geist anruft; in der Liturgie bittet der Priester Gott, den Heiligen Geist auf die Gemeinde und auf Brot und Wein herabzusenden, damit sie Leib und Blut Christi werden. (Thema 24)
- Epsaltos (Sänger)
- Die erste Stufe des Diakonats, eine vorbereitende Dienststufe: der Sänger, der im Diakonenchor die Hymnen und Antworten singt. (Themen 7, 30)
- Erbsünde
- Die ganze Menschheit hat von Adam die Erbsünde geerbt: die Trennung von Gott, die Verderbnis der Natur und die Verurteilung zum Tod. Die Sünde Adams ist für uns nicht eine von uns begangene (tatsächliche) Sünde; wir tragen aber ihre Folgen. In der Taufe werden wir von der Erbsünde befreit und neu geboren. (Thema 11)
- Erlösung
- Das ganze Heilshandeln Gottes in Christus – Menschwerdung, Kreuz und Auferstehung –, durch das der Mensch von Sünde, Tod und Verderbnis befreit, geheilt und erneuert wird; Sühne und Heilung gehören zusammen. Ihr Ziel ist die Versöhnung, die Wiederherstellung der Gemeinschaft mit Gott. (Thema 22)
- Ersatztheorie
- Die Behauptung, Gott habe einen anderen Menschen Jesus ähnlich gemacht; dieser sei gekreuzigt, Jesus aber lebendig in den Himmel aufgenommen worden. (Thema 44)
- Erzpriester
- → Hegumenos (Erzpriester)
- Eschatologie
- Die Lehre von den letzten Dingen; sie handelt nach dem Katechismus von dem, was nach der Vollendung dieser Welt geschieht, der Wirklichkeit der kommenden Welt. (Thema 31)
- Eucharistie
- „Danksagung“: das Sakrament, in dem die Gläubigen den wahren Leib und das wahre Blut des Herrn empfangen, die er für uns hingegeben hat, und so mit dem Erlöser vereint werden. Sie heißt unblutiges Opfer, weil das eine Opfer Christi am Kreuz auf dem Altar gegenwärtig wird, ohne neues Blutvergießen; den Empfang nennt man heilige Kommunion. (Thema 28)
- Euchologion
- Das Buch der Göttlichen Liturgie mit der Emporhebung des Weihrauchs und den Gebeten von Priester, Diakon und Volk. Die Bücher des Dienerkurses führen die Liturgietexte nach der deutschen Ausgabe unserer Diözese an (Die göttlichen Liturgien, Wien 2009), ergänzend nach dem deutschen Euchologion aus Kröffelbach (2022). (Themen 5, 28)
- Eulogie
- „Segen“: das gesegnete Brot, das nach der Liturgie verteilt wird; es ist nicht der Leib Christi und stammt von den Broten, die bei der Darbringung nicht als Lamm ausgewählt wurden. (Thema 28)
- Eutychianismus
- Die Lehre des Eutyches, die menschliche Natur Christi sei nach der Einigung in der göttlichen aufgegangen wie ein Tropfen im Meer; damit leugnet sie die bleibende, wahre Menschheit Christi. Die koptische Kirche hat Eutyches verurteilt. (Thema 18)
- Evangelisation
- Die Weitergabe der Frohen Botschaft von Jesus Christus durch Leben, Wort und Einladung, damit Menschen zum Glauben und in die Kirche finden; sie geschieht in Liebe und lässt dem anderen seine Freiheit. (Thema 43)
- Evangelium
- „Gute Nachricht“, „frohe Botschaft“: die Botschaft von Jesus Christus und die vier Bücher, die von seinem Leben, seiner Lehre, seinem Tod und seiner Auferstehung berichten; ihre Verfasser heißen Evangelisten. In der Liturgie heißt die Lesung aus ihnen Evangelium; die Gemeinde hört sie stehend. (Thema 15)
- Evolutionstheorie
- Eine naturwissenschaftliche Theorie über die Entwicklung der Lebewesen. Welche Abläufe es in der Natur und bei den Lebewesen gibt, untersucht die Naturwissenschaft; die Heilige Schrift irrt nicht, ist aber kein Lehrbuch der Naturwissenschaft. Der Glaube bekennt Gott als Schöpfer und den Menschen als sein Ebenbild mit geistiger Seele; ein Weltbild ohne Gott lehnt er ab. (Thema 42)
- Exil
- Die Wegführung des Volkes in ein fremdes Land: das Nordreich nach Assur, Juda nach Babel. (Thema 13)
F
- Fasten
- Der völlige Verzicht auf Speisen und Getränke für eine bestimmte Zeit des Fasttages (Enthaltsamkeitszeit, an Sonntagen und an Samstagen außer dem Lichtsamstag ausgesetzt) und danach die pflanzliche Kost ohne Fleisch, Milchprodukte und Eier, als Mittel der geistlichen Freiheit, verbunden mit Gebet, Umkehr und Werken der Liebe. In manchen Fastenzeiten ist Fisch erlaubt. Davon zu unterscheiden ist die eucharistische Nüchternheit vor jeder Kommunion. (Thema 8)
- Fegefeuer
- Nach katholischer Lehre die Läuterung, die Menschen, die in der Gnade Gottes sterben, aber noch nicht ganz gereinigt sind, nach dem Tod erfahren; sie ist von der Strafe der Verlorenen verschieden. Die koptisch-orthodoxe Kirche lehrt kein Fegefeuer. (Thema 31)
- Festbrief
- Das jährliche Schreiben des Papstes von Alexandrien nach der Theophanie, das den Tag des Auferstehungsfestes und den Beginn der Fastenzeit ankündigt. Im 39. Festbrief (367) zählt der heilige Athanasius die Bücher der Schrift auf, als Zeuge, nicht als Urheber des Kanons. (Thema 14)
- Filioque
- Lat. filioque, „und vom Sohn“: der im Westen eingefügte Zusatz zum Glaubensbekenntnis, der Heilige Geist gehe vom Vater und vom Sohn aus. Die koptische Kirche nimmt ihn nicht an, denn er verwechselt Hervorgehen und Sendung. (Thema 24)
- Formel des heiligen Kyrill
- „Eine Natur des fleischgewordenen Wortes Gottes“ (gr. mia physis tou Theou Logou sesarkomenē), aus zwei Naturen: So bekennt der heilige Kyrill von Alexandrien die Einheit von Gottheit und Menschheit in Christus. Die Formel stammt von ihm, nicht vom Konzil von Ephesus; „eine“ meint die geeinte Natur aus vollkommener Gottheit und vollkommener Menschheit, nicht „nur eine Natur“. Die Kirche bekennt dazu, dass diese Einheit ohne Vermischung, ohne Verwandlung, ohne Teilung und ohne Trennung besteht (siehe Schutzformeln). (Thema 18)
- freier Wille
- Die von Gott geschenkte Fähigkeit des Menschen, Gottes Ruf anzunehmen oder abzulehnen; er gehört zum Bild Gottes. Eine Versuchung wird erst durch die Zustimmung des freien Willens zur Sünde. (Thema 22)
- Freikirchen
- Im deutschen Sprachraum die Bezeichnung für evangelische Gemeinden verschiedener Größe und Prägung, die nicht zu den großen evangelischen Kirchen gehören, etwa die Baptisten, die nur Menschen taufen, die selbst ihren Glauben bekennen, und die Pfingstgemeinden. (Thema 45)
- Fünf kleine Bittgebete
- Kurze Gebete nach dem Evangelium im Abend- und Morgenweihrauch für den Frieden der Kirche, für die Väter, für den Ort, je nach Jahreszeit für die Gewässer, die Saaten oder die Früchte, und für die Versammlungen. (Thema 7)
- Fürbitte
- → Fürsprache
- Fürsprache
- Auch Fürbitte: das Gebet für andere. Die Gottesgebärerin und die Heiligen beten bei Gott für uns, wir beten füreinander und für die Welt. Beides ist Bitten, nicht Erlösen: Erlöser und Mittler ist allein Christus (1. Tim 2:5). (Themen 19, 25)
G
- Gaben des Geistes (Charismen)
- Befähigungen, die der Heilige Geist frei zuteilt, wie Weisheit, Erkenntnis, Heilung oder prophetische Rede (1. Kor 12:4–11); jeder dient mit der Gabe, die er empfangen hat. Wichtiger für das Heil ist die Frucht des Geistes (Gal 5:22–23). (Thema 24)
- Gebet der Lampe (Kandil)
- Name des Ritus der Krankensalbung nach der Lampe, die dabei brennt: In einer Schale mit reinem Öl liegen sieben Dochte; zu Beginn jedes der sieben Gebete zündet der Priester einen an. (Thema 30)
- Gebet des dritten Tages
- Das Gebet, das der Priester am dritten Tag nach dem Tod mit den Angehörigen spricht: Psalmverse, Röm 5:6–15 und Joh 11:38–45, Dank für Christi Sieg über den Tod, Bitte für den Verstorbenen um einen guten Anteil im Reich Gottes und um Trost für die Familie. Es „entlässt“ keine Seele. (Themen 31, 35)
- Gefährdung
- Eine Bedrohung des Wohls, der Gesundheit oder der Sicherheit eines Kindes oder Jugendlichen, etwa wenn es von Gewalt oder Missbrauch erzählt, wenn es Anzeichen dafür gibt oder wenn es sich selbst oder andere in Gefahr bringt. Bei einer Gefährdung spricht der Diener sofort mit dem Priester; ist das Kind in akuter Gefahr, ruft er selbst und sofort den Notruf. (Thema 2)
- geistliche Mittel
- Die Wege, auf denen der Heilige Geist den Menschen führt und die Gnade Gottes in ihm wirkt, auch „Mittel der Gnade“ genannt: Gebet, Lesung der Heiligen Schrift, Lesung der Heiligenleben, Betrachtung (das betende Nachsinnen über Gottes Wort und Werk), geistliche Übung, Selbstprüfung, Beichte, heilige Kommunion, Fasten, Almosen und Dienst. (Thema 4)
- geistliche Regel
- Ein mit dem Beichtvater besprochener persönlicher Plan für Gebet, Schriftlesung, Beichte und Kommunion, Fasten und Dienst. Sie ordnet die geistlichen Mittel so, dass sie zum eigenen Leben passen und beständig geübt werden können. (Thema 4)
- geistlicher Dienst
- Der Dienst, der vom Heiligen Geist bestimmt und auf Gott hin ausgerichtet ist: Er gibt nicht nur Kenntnisse weiter, sondern führt die Kinder zu Gott. (Thema 21)
- geistlicher Kampf
- Der Widerstand, den der Christ auf dem Weg der Umkehr erfährt – alte Gewohnheiten, sich aufdrängende Gedanken, Müdigkeit und Mutlosigkeit –, und der Kampf, den er mit Gebet, Wachsamkeit und den anderen Waffen des Christen führt; die Beichte stärkt ihn darin. (Thema 23)
- geistlicher Vater
- Zuerst der Beichtvater, der auf dem geistlichen Weg führt, lehrt und begleitet. Hat er dafür nicht die Zeit, soll man nach Papst Schenouda III. zusätzlich einen erfahrenen geistlichen Führer suchen, auf dessen Rat man sich verlassen kann – immer in der Kirche, nicht neben ihr. (Thema 40)
- Gemeinschaft der Heiligen
- Die Verbundenheit aller Glieder des einen Leibes Christi: der Gläubigen auf Erden mit der Gottesgebärerin (Theotokos), den Engeln und den Heiligen, die schon bei Gott sind. Sie lieben einander, beten füreinander und loben gemeinsam Gott; ihr Mittelpunkt ist Christus. (Thema 25)
- Gewissen
- Die innere Stimme, die das Gute vom Bösen unterscheidet, zum Guten mahnt und das eigene Tun beurteilt. Es ist eine Gabe Gottes, aber nicht die Stimme Gottes selbst und nicht unfehlbar; es wird durch Gottes Wort, die Lehre der Kirche und die geistliche Begleitung gebildet. (Thema 22)
- Gewissenserforschung
- Die ehrliche Prüfung des eigenen Lebens vor der Beichte, in Ruhe und im Gebet, mit der Frage nach den Sünden und ihren Ursachen. (Thema 23)
- gezeugt, nicht geschaffen
- Aussage des Glaubensbekenntnisses: Der Sohn ist kein Geschöpf, sondern selbst der Schöpfer, aus dem Vater geboren vor aller Zeit. (Buch 1, Kapitel 4)
- Glaube
- Das vertrauende Ja des Menschen zu Gott, der sich offenbart: „Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht“ (Hebr 11:1). Er widerspricht der Vernunft nicht, führt aber über sie hinaus, und er ist eine Gabe des Heiligen Geistes. (Thema 6)
- Glaubensbekenntnis
- Die verbindliche Zusammenfassung des Glaubens der Kirche, formuliert in Nizäa (325) und vollendet in Konstantinopel (381); darum heißt es Nizäno-Konstantinopolitanum, das Bekenntnis von Nizäa in der Gestalt, die ihm Konstantinopel gegeben hat, gr. symbolon. In der Liturgie ist es die Brücke zwischen der Liturgie der Katechumenen und der Liturgie der Gläubigen; die Gemeinde beginnt es mit den Worten „In Wahrheit glauben wir an den einen Gott …“ (Die göttlichen Liturgien, S. 177). (Buch 1, Kapitel 4)
- Glaubensregel
- Der gemeinsame Kern des apostolischen Glaubens nach dem heiligen Irenäus: der eine Gott und Vater, der Schöpfer; der eine Christus Jesus, der Sohn Gottes, der für unser Heil Fleisch angenommen hat; der Heilige Geist, der durch die Propheten gesprochen hat. (Thema 37)
- Gleichnis
- Eine Erzählung Jesu aus dem Alltag, die eine Wahrheit über Gott und sein Reich anschaulich macht. (Thema 10)
- Gnade
- Gottes freies, unverdientes Geschenk seines Lebens und seiner Kraft an den Menschen und sein Wirken in uns; aus Gnade sind wir gerettet (vgl. Eph 2:8), und wir wirken mit der Gnade mit. (Thema 45)
- Gnostiker (Gnosis)
- Anhänger von Strömungen der ersten Jahrhunderte, die das Heil von einer geheimen Erkenntnis (griechisch gnosis) erwarteten, Leib und Materie verachteten und oft lehrten, Christus habe nur scheinbar einen Leib gehabt (→ Doketismus). (Themen 18, 37)
- Gottesgebärerin (Theotokos)
- Titel der heiligen Jungfrau Maria, den das Konzil von Ephesus (431) bekannt hat: Sie hat nicht eine bloße Natur, sondern die Person des ewigen Sohnes Gottes nach dem Fleisch geboren; der Titel bedeutet nicht, dass sie die Gottheit hervorgebracht hätte. Gr. Theotokos und koptisch ti-theotokos heißen wörtlich „Gottesgebärerin“; „Gottesmutter“ sagt dasselbe. (Thema 1)
- Gotteskindschaft und Teilhabe am göttlichen Leben aus Gnade
- Die Annahme an Kindes statt: Durch den eingeborenen Sohn werden wir zu Kindern Gottes angenommen, nicht von Natur aus, sondern durch Gottes freie Gnade; wir verdienen sie nicht. Christus ist von Natur und von Ewigkeit der Sohn, wir werden es aus Gnade. Durch den Heiligen Geist erhalten wir so Anteil am göttlichen Leben (vgl. 2. Petr 1:4), niemals am göttlichen Wesen und ohne Gleichheit mit Gott. (Themen 22, 26)
- Gottesmutter
- → Gottesgebärerin (Theotokos)
- Gottesseher
- Ehrentitel des heiligen Markus in der Liturgie unserer Kirche; im Abschlusssegen heißt es: „der Gottesseher, der Evangelist Markus der Apostel, der Heilige und Märtyrer“ (Die göttlichen Liturgien, S. 118). (Thema 32)
- Göttliche Liturgie
- Der eucharistische Gottesdienst der Kirche: Die Gemeinde hört das Wort Gottes, die Kirche bringt das unblutige Opfer dar, die Gläubigen empfangen die heilige Kommunion. Die koptische Kirche feiert sie in drei Formen, die sich vor allem in der Anaphora unterscheiden: die Basilius-Liturgie, die am häufigsten gefeiert wird, die Gregorius-Liturgie, deren Gebete sich an die Hypostase des Sohnes richten, und die Kyrillus-Liturgie, für die der heilige Kyrill von Alexandrien die ältere Liturgie des heiligen Markus bearbeitet hat. (Buch 1, Kapitel 8)
- Grade der Herrlichkeit
- Jeder Gerechte empfängt im Himmelreich nach seinem Glauben, seiner Liebe und seinen heiligen Werken einen eigenen Grad der Herrlichkeit; alle freuen sich ohne Neid an der Herrlichkeit der anderen. Das Heil bleibt Geschenk (1. Kor 15:41; Joh 14:2). (Thema 31)
- Große Fastenzeit
- Die Fastenzeit von fünfundfünfzig Tagen vor dem Auferstehungsfest mit Vorbereitungswoche, Heiligen Vierzig Tagen und Karwoche; die Teilnahme am Fasten Christi (Mt 4:2) und der Weg zum Pascha. (Thema 8)
- große und kleine Propheten
- Die Einteilung der Prophetenbücher nach dem Umfang der überlieferten Schriften, nicht nach der Bedeutung: große Propheten sind Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel, dazu kommen die zwölf kleinen Propheten. (Thema 13)
- Gründonnerstag (Donnerstag des Bundes)
- Der Donnerstag der Karwoche, an dem die Kirche das Abendmahl des Herrn feiert; nach dem Lakkan wäscht der Priester den Gläubigen die Füße, wie der Herr seinen Jüngern (Joh 13:1–17). An ihm und am Lichtsamstag wird in der Karwoche die Göttliche Liturgie gefeiert. (Thema 29)
H
- Hades (Unterwelt)
- Vor der Erlösung der Warteort aller Entschlafenen, in den Christus hinabstieg, um die Gerechten seit Adam zu befreien. Seitdem gehen die Gerechten in das Paradies der Freude (vgl. Lk 23:43), und der Hades ist der Warteort der von Gott Getrennten bis zum Gericht. Der Hades ist nicht die Hölle (Gehenna), die nach dem Gericht folgt (vgl. Offb 20:13–14). (Themen 18, 31)
- Handauflegung
- Die Weitergabe des Dienstes mit Gebet und Fasten (Apg 13:3; 2. Tim 1:6), das Zeichen der Weihe; durch sie wird Kraft übertragen, nicht von einem Menschen auf einen anderen, sondern von Gott. (Thema 25)
- Hängende Kirche (al-Muallaqa)
- Kirche der heiligen Jungfrau in Alt-Kairo. Dort fasteten Papst Abraham ibn Zaraa, Bischöfe und Mönche vor dem Mokattam-Wunder; Papst Christodoulos machte sie zum Sitz des Papstes. (Thema 38)
- Häresie (Irrlehre)
- Eine Lehre, die vom überlieferten apostolischen Glauben abweicht und von der Kirche verurteilt wurde. Die Kirche verurteilt die Lehre; für die Menschen betet sie. (Thema 6)
- Hauptziel (Ziel der Lektion)
- Die eine Hauptaussage, die die Kinder aus der Stunde mitnehmen sollen. Es wird vor allem anderen festgelegt und in einem Satz formuliert, und alle Teile der Lektion dienen ihm. (Thema 3)
- Hausbesuch (Eftekad)
- Der Besuch und die persönliche, nachgehende Begleitung eines Kindes und seiner Familie durch den Diener. Er geschieht nach Absprache mit den Eltern und dem Priester und mit vereinbartem Termin. (Thema 2)
- Hegumenos (Erzpriester)
- Ein Priester mit einem Ehrenrang, den der Bischof verleiht; er wird nicht ein zweites Mal zum Priester geweiht. (Buch 1, Kapitel 9)
- Heilige Dreifaltigkeit (Trinität)
- Der eine Gott, der in drei Hypostasen existiert: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gott ist ein einziges, ungeteiltes und untrennbares Wesen und zugleich eine Dreifaltigkeit von Hypostasen, die ewig sind und einen einzigen Willen haben; die Dreifaltigkeit ist keine Anzahl von Göttern, sondern das Geheimnis des einen Gottes. Das Fachwort Trinität (lat. trinitas, „Dreiheit“) meint dasselbe. (Thema 16)
- Heilige Fünfzig Tage
- Die Freudenzeit vom Auferstehungsfest bis Pfingsten, ohne Fasten und ohne Metanien; bis zur Himmelfahrt hält die Kirche in der Liturgie an der Stelle des Synaxariums die Auferstehungsprozession. (Thema 29)
- heilige Kommunion
- Der Empfang des Leibes und des Blutes Christi in der Göttlichen Liturgie; man bereitet sich darauf durch Umkehr und Beichte, Versöhnung und Fasten vor. (Thema 28)
- Heilige Schrift
- Die Bibel; sie heißt Wort Gottes, weil Gott in ihr zu den Menschen spricht – durch die Propheten und durch seinen Sohn (vgl. Hebr 1:1–2). Sie umfasst dreiundsiebzig Bücher, sechsundvierzig im Alten und siebenundzwanzig im Neuen Testament, und ist das Buch der Kirche, das wir durch die Überlieferung empfangen. (Thema 5)
- Heilige Synode
- Die Versammlung der Bischöfe unter dem Vorsitz des Papstes; sie entscheidet über Lehre, Ritus und Ordnung der ganzen Kirche. (Buch 1, Kapitel 1)
- Heilige Überlieferung (Tradition)
- Die Weitergabe des Glaubens, des Gottesdienstes und des Lebens, die die Kirche von Christus und den Aposteln mündlich und schriftlich empfangen hat und unter der Führung des Heiligen Geistes unversehrt bewahrt. In ihr wird auch die Heilige Schrift empfangen und ausgelegt; echte Überlieferung widerspricht der Schrift nie. (Thema 5)
- heiliger Eifer
- Nach Papst Schenouda III. eine Feuerflamme im Herzen, die es voll Liebe zu den anderen und voll Verlangen nach ihrem Heil macht. Heiliger Eifer ist auf Wissen gegründet, vom Leben begleitet, aufbauend, mutig und fruchtbar; falscher Eifer ist gut gemeint, aber ohne Erkenntnis, mit falscher Methode oder nur in Worten. (Thema 21)
- Heiliger Geist
- Eine der drei Hypostasen (Personen) der Heiligen Dreifaltigkeit, wesensgleich mit dem Vater und dem Sohn, keine bloße Kraft. Er geht von Ewigkeit aus dem Vater hervor, wird vom Sohn zu uns gesandt, heiligt und macht lebendig und wirkt in der Kirche und in den Sakramenten. (Thema 24)
- Heiligtum (Altarraum)
- Der Altarraum im Osten der Kirche, durch die Ikonostase vom Kirchenschiff getrennt; in seiner Mitte steht der Altar. Es stellt den Himmel dar. (Thema 7)
- Heilsgeschichte
- Das Handeln Gottes in der Geschichte der Menschen, durch das er sie zum Heil führt: von der Schöpfung über die Väter Israels, den Auszug aus Ägypten, die Könige und Propheten bis zu Jesus Christus und zu seiner Kirche. Gottes Plan, nach dem er dabei handelt, nennt die Kirche die Heilsordnung. (Thema 11)
- Heilsgewissheit
- Die Überzeugung vieler evangelischer Christen, besonders in Freikirchen, wer sich Christus im Glauben anvertraut habe, dürfe wissen, dass er gerettet ist. Auch ein orthodoxer Christ lebt nicht in Angst; seine Gewissheit gründet aber auf der Treue Gottes und lebt als Hoffnung (Röm 8:24), denn das Heil umfasst das ganze Leben. (Thema 45)
- Herrenfeste
- Die Feste der großen Ereignisse im Leben des Herrn, sieben große und sieben kleine, etwa die Geburt Christi, die Theophanie und das Auferstehungsfest. (Thema 8)
- Hervorgang
- → Hervorgehen
- Hervorgehen
- Die ewige Weise, in der der Heilige Geist aus dem Vater ist, ohne Anfang und ohne Zeit, auch Hervorgang genannt: Er geht allein aus dem Vater hervor (Joh 15:26). Davon zu unterscheiden ist seine Sendung zu den Menschen in der Zeit, vom Vater und vom Sohn. (Thema 16)
- Hexaemeron
- Griechisch „Sechstagewerk“: die Erschaffung der Welt in sechs Tagen; Titel der neun Predigten des heiligen Basilius darüber. (Themen 37, 42)
- Hexapla
- Die sechsspaltige Ausgabe des Alten Testaments, die Origenes im 3. Jahrhundert in Alexandrien und Cäsarea zusammenstellte: der hebräische Text, seine Umschrift und vier griechische Übersetzungen nebeneinander. (Thema 5)
- Himmelreich
- Die vollendete, ewige Gemeinschaft mit Gott, die die Gerechten nach der Auferstehung und dem Gericht mit Leib und Seele empfangen; das Paradies ist sein Vorgeschmack. (Thema 31)
- Hölle (Gehenna)
- Der endgültige Zustand derer, die Gott bis zuletzt ablehnen; sie folgt nach dem Letzten Gericht, der Hades dagegen ist vorläufig. (Thema 31)
- homoousios
- → wesensgleich (gr. homoousios)
- Hoos
- Von koptisch hoos, „loben, lobpreisen“: ein Lobgesang; die vier Hoos des Mitternachtslobpreises stammen aus der Heiligen Schrift. (Thema 5)
- Hospitation
- Ein Besuch in einer Sonntagsschulklasse, bei dem ein Teilnehmer die Stunde eines erfahrenen Dieners beobachtet, um daraus zu lernen. (Thema 1)
- Hypostase (Person)
- Jeder der drei – Vater, Sohn und Heiliger Geist –, insofern er in seiner eigenen, unverwechselbaren Weise im einen göttlichen Wesen existiert: der Vater ungezeugt, der Sohn gezeugt, der Heilige Geist hervorgehend. Eine Hypostase ist weder eine bloße Eigenschaft Gottes noch eine Rolle; drei Hypostasen sind nicht drei Götter, sondern der eine Gott. In Christus ist die eine Hypostase die des ewigen Wortes; seine Menschheit ist keine zweite Person neben ihm. (Thema 6)
- hypostatische Eigenschaften
- Was jede Hypostase von den anderen unterscheidet, die Art, wie jeder von ihnen ist und sich zu den anderen verhält: Der Vater ist ungezeugt, der Sohn aus ihm gezeugt, der Heilige Geist geht aus ihm hervor. (Thema 16)
- hypostatische Einheit
- Die wirkliche und unauflösliche Einung von Gottheit und Menschheit in der einen Hypostase des fleischgewordenen Wortes (Logos), vom ersten Augenblick der Empfängnis an. Man spricht von Vereinigung, wenn man den Vorgang meint, und von Einheit, wenn man den bleibenden Zustand meint. (Thema 18)
I
- Ikone
- Ein heiliges Bild Christi, der Gottesgebärerin, der Engel oder der Heiligen, das verehrt, nicht angebetet wird. Die Kirche weiht ihre Ikonen mit dem heiligen Myron; die Ehre, die wir der Ikone durch Kuss und Weihrauch erweisen, gilt dem Dargestellten. (Thema 25)
- Ikonostase
- Die feste Wand aus Holz oder Marmor zwischen dem Heiligtum und dem Kirchenschiff, an der Ikonen des Herrn, seiner Engel und seiner Heiligen angebracht sind; ihre mittlere Tür ist die Königliche Pforte. (Thema 7)
- Inkarnation
- → Menschwerdung
- Inspiration
- Die Eingebung der Schrift: Der Heilige Geist hat die biblischen Schriftsteller so geführt, dass sie aufgeschrieben haben, was Gott den Menschen zu ihrem Heil sagen will (vgl. 2. Tim 3:16). Die Schreiber blieben dabei selbst tätig, mit ihrer Sprache, ihrem Stil, ihrem Wissen und ihrer Mühe; Inspiration ist kein Diktat. (Thema 5)
- Irrlehre
- → Häresie (Irrlehre)
J
- Jahr der Märtyrer
- Die koptische Jahreszählung (lat. Anno Martyrum) ab dem Regierungsantritt Kaiser Diokletians im Jahr 284 n. Chr.; unter ihm litten so viele Christen in Ägypten, dass die Kirche ihre Jahre seither nach den Märtyrern zählt. (Thema 8)
- Jesusgebet
- Ein kurzes, oft wiederholtes Gebet, das im Vertrauen auf die Kraft seines Namens den Herrn Jesus anruft, etwa „Mein Herr Jesus Christus, sei mir gnädig“. (Thema 4)
- Jona-Fasten
- Das dreitägige Fasten im Gedenken an die Umkehr Ninives (Jona 3:10), zwei Wochen vor der Großen Fastenzeit; am Donnerstag danach feiert die Kirche das Pascha des Jona. (Thema 8)
- Jüngerschaft (Nachfolge)
- Bei Christus in die Schule gehen: bei ihm bleiben, auf sein Wort hören, es ins Leben umsetzen und von denen lernen, die er uns in der Kirche als Lehrer gegeben hat; ein Jünger ist ein Lernender, der seinem Meister folgt und ihm ähnlich werden will. Sie ist nicht nur eine Sache des Wissens, sondern eine Lebensart; auch als Diener bleibt man ein Lernender, beim Beichtvater, in der Kirche und beim Lesen geistlicher Bücher. (Thema 1)
K
- Kalif
- Der oberste Herrscher des islamischen Reiches, zuerst in Medina, später in Damaskus und Bagdad. Ägypten war über Jahrhunderte eine Provinz dieses Reiches und wurde von einem Statthalter regiert, den der Kalif einsetzte und oft bald wieder abberief. (Thema 38)
- kämpfende und triumphierende Kirche
- Die zwei Teile der einen Kirche: Die kämpfende Kirche umfasst die Glieder, die noch auf Erden leben, die triumphierende Kirche im Himmel die, die aus ihr hinübergegangen sind – Erzväter, Propheten, Apostel, Märtyrer und alle Gerechten. Es sind nicht zwei Kirchen, sondern eine. (Thema 25)
- Kanon
- Gr. „Richtschnur“: das verbindliche Verzeichnis der Bücher, die die Kirche als von Gott eingegeben empfangen hat, 46 im Alten und 27 im Neuen Testament. In der Mehrzahl, Kanones, heißen so auch die Regeln, die ein Konzil für das Leben und die Ordnung der Kirche festlegt, etwa für Gebet, Fasten und Feste. (Thema 5)
- Kappadokier
- Die drei Väter aus Kappadokien in Kleinasien: der heilige Basilius der Große, sein Bruder Gregor von Nyssa und ihr Freund Gregor von Nazianz. (Thema 37)
- Karwoche (Pascha)
- Die Pascha-Woche von Montag bis Lichtsamstag; Lazarussamstag und Palmsonntag gehen ihr als Einleitung voraus. An die Stelle der Agpeya treten die Paschagebete mit eigenen Gebetsstunden. Außer am Gründonnerstag und am Lichtsamstag wird keine Göttliche Liturgie gefeiert. (Thema 29)
- Katameros
- Das Buch der Schriftlesungen für die Emporhebung des Abend- und Morgenweihrauchs und für die Göttliche Liturgie, geordnet nach dem Kirchenjahr. (Thema 7)
- Katechet
- Ein Glaubenslehrer, besonders der, der Taufbewerber im Glauben unterweist; davon zu unterscheiden ist der Katechumene, der unterwiesen wird. (Thema 43)
- Katechetenschule
- → Theologische Schule von Alexandrien
- Katechumene
- Nach dem Katechismus einer, der unterwiesen wird, ein Mensch, der sich auf die Taufe vorbereitet; die Zeit dieser Vorbereitung heißt Katechumenat. Taufbewerber heißen die Menschen, die sich auf die Taufe vorbereiten, in der alten Kirche besonders die Katechumenen der letzten Stufe vor der Taufe (vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 683–684). (Themen 33, 43)
- Katholikon
- Die zweite Lesung der Göttlichen Liturgie, aus den katholischen Briefen: den sieben Briefen von Jakobus, Petrus, Johannes und Judas, die sich meist an viele Christen an verschiedenen Orten richten. „Katholisch“ bedeutet hier „allumfassend, allgemein“. (Thema 15)
- katholisch (allumfassend)
- Kennzeichen der Kirche: Sie umfasst alle Völker, Sprachen und Kulturen und die Heiligen bei Gott; das Wort ist kein Name einer Konfession. (Thema 15)
- Kenosis
- → Entäußerung (Kenosis)
- Keuschheit
- Die Tugend, die die geschlechtliche Kraft in die Liebe zu Gott und zum Nächsten einordnet: vor der Ehe als Enthaltsamkeit, in der Ehe als Treue. Sie ist zuerst eine Gabe Gottes und dann eine Aufgabe des Menschen. (Thema 46)
- Kirche
- Die Gemeinschaft der Gläubigen, die durch die Taufe Glieder des Leibes Christi geworden sind; Christus ist ihr Haupt, der Heilige Geist schenkt ihr das Leben. Sie ist auf die Apostel gegründet, bewahrt ihren Glauben und empfängt in den Sakramenten das Heil; zu ihr gehören die Gläubigen auf Erden und die Heiligen, die schon bei Gott sind. Das Glaubensbekenntnis nennt ihre vier Kennzeichen: Sie ist eine, heilig, apostolisch und universal; im koptischen Wortlaut steht „katholisch“, das heißt allumfassend. (Thema 25)
- Kirchenfamilie
- Eine Gruppe von Kirchen mit gemeinsamen geschichtlichen und theologischen Wurzeln. Der Begriff allein besagt noch nicht, dass alle diese Kirchen denselben Glauben bekennen und in voller Gemeinschaft miteinander stehen. (Thema 45)
- Kirchenhymnen
- Die überlieferten Hymnen der Kirche mit ihren Melodien (arabisch alhan), die den Glauben singend lehren. (Thema 20)
- Kirchenjahr
- Die Ordnung, in der die Kirche das Heilswerk Christi im Lauf von Tag, Woche, Monat und Jahr betend, fastend und feiernd begeht; jede Feier ist nach dem Katechismus eine Begegnung mit der Heiligen Dreifaltigkeit. (Thema 8)
- Kirchenvater
- Ein Lehrer der Kirche, meist aus den ersten Jahrhunderten, der den rechten Glauben gelehrt, heilig gelebt und Schriften hinterlassen hat und dessen Zeugnis die Kirche als treues Zeugnis des apostolischen Glaubens aufgenommen hat. Kein einzelner Kirchenvater erfasst die ganze Wahrheit allein; dazu ist nur die Kirche als Ganzes imstande. (Thema 6)
- Kniebeugungsgebet
- Das Gebet nach der Liturgie des Pfingstfestes: Zum ersten Mal seit dem Auferstehungsfest knien die Gläubigen wieder und machen Metanien; in drei Abschnitten mit Lesungen und Fürbitten bittet die Kirche um den Heiligen Geist. (Thema 29)
- koinobitisch
- Von gr. „gemeinsames Leben“: Die Mönche wohnen in einem Kloster zusammen und beten, arbeiten und essen nach einer gemeinsamen Regel unter einem Vater, wie es der heilige Pachomius begründet hat. (Thema 33)
- Königliche Pforte (Heilige Pforte)
- Die mittlere der drei Türen der Ikonostase, die Tür des Heiligtums. Sie heißt königlich, weil an ihr die Opfergaben dargebracht werden und der Priester das Brot auswählt, das in den Leib Christi, des Königs der Könige, verwandelt wird. (Thema 7)
- Konstantinopel (381)
- Das zweite ökumenische Konzil, das die Gottheit des Heiligen Geistes gegen die Makedonianer bekannte und das Glaubensbekenntnis vollendete. (Thema 34)
- Koptisch
- Die letzte Stufe der ägyptischen Sprache, geschrieben mit dem griechischen Alphabet und sieben zusätzlichen Buchstaben aus dem Demotischen, der Schrift des ägyptischen Alltags; heute vor allem die Sakralsprache der koptischen Kirche. Ihr Kirchendialekt ist seit dem Mittelalter das Bohairische, der Dialekt des Nildeltas und der Sketis. (Thema 39)
- koptischer Kalender
- Der von den ägyptischen Vorfahren übernommene Kalender mit zwölf Monaten zu je dreißig Tagen und dem „kleinen Monat“ Nesi mit fünf, in jedem vierten Jahr sechs Tagen. Das Jahr beginnt am 1. Tut (je nach Jahr 11. oder 12. September); der liturgische Tag beginnt mit dem Sonnenuntergang. (Thema 8)
- Krankensalbung
- Das Sakrament, in dem die Priester über dem Kranken beten und ihn mit Öl salben, damit er an Seele und Leib Heilung und Vergebung empfängt (vgl. Jak 5:14–15); es ist für jeden Kranken, nicht nur für Sterbende. (Thema 26)
- Kreuzzeichen
- Die häufigste Geste des Christen: Die Hand an der Stirn weist auf Gott den Vater, die Bewegung nach unten auf die Menschwerdung des Sohnes, die Bewegung von der linken zur rechten Schulter auf das Wirken des Heiligen Geistes. Es bekennt die Dreifaltigkeit und erinnert an Menschwerdung und Erlösung. (Thema 7)
L
- Lakkan
- Die Wasserweihe der Kirche am Gründonnerstag, an der Theophanie und am Apostelfest; das Becken dafür ist in vielen Kirchen im Westteil des Kirchenschiffs in den Boden eingelassen. (Thema 1)
- Laster
- Eine schlechte Haltung, aus der immer neue Sünden wachsen; die Väter sehen in den Lastern, auch Hauptsünden genannt, die wenigen Wurzeln der vielen einzelnen Sünden. Der Katechismus nennt nach dem Mönchsvater Evagrius Ponticus acht: Völlerei, Unzucht, Habgier, Traurigkeit, Zorn, Trägheit (Acedia, die geistliche Lustlosigkeit), Ruhmsucht und Hochmut. (Thema 23)
- Lauheit
- Der Zustand eines Christen, der weder kalt noch heiß ist (vgl. Offb 3:15–16): Er hat den Glauben nicht verlassen, aber sein Eifer ist erkaltet, und er merkt es oft selbst nicht. (Thema 27)
- Lebensspender
- Name des Heiligen Geistes: Das Glaubensbekenntnis nennt ihn „den lebensspendenden Herrn“; die Gebete der dritten Stunde nennen ihn „Lebensspender“. Er schenkt allem Lebendigen das natürliche Leben und uns das Leben der Gnade. (Thema 24)
- Legende
- Eine fromme Erzählung, die erst spät bezeugt ist und deren Einzelheiten sich nicht prüfen lassen; sie will zum Glauben ermutigen, nicht genau berichten. (Thema 32)
- Lehrprobe
- Eine Übungsstunde, die ein Teilnehmer des Dienerkurses selbst hält und danach mit einem erfahrenen Diener bespricht. (Thema 3)
- Leitung
- Verantwortung für andere tragen – für Kinder, eine Klasse oder ein Team – nach dem Vorbild Christi: dienend, durch Überzeugung, in Liebe und Gerechtigkeit und in Gemeinschaft mit der Kirche (vgl. Mk 10:42–45). (Thema 40)
- Leitvers
- Das Leitwort des Dieners: „Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören“ (1. Tim 4:16). Es nennt das eigene Leben mit Gott und die Treue zur Lehre, dem Glauben, den die Kirche von den Aposteln empfangen hat und weitergibt – nicht einer Sammlung persönlicher Meinungen. (Thema 1)
- Lektion
- Die vorbereitete Einheit der Sonntagsschule, die Stunde: mit einem Ziel (der Hauptaussage), einer biblischen Geschichte oder einem anderen Inhalt aus dem Leben der Kirche und einer Anwendung, die das Ziel in eine konkrete Aufgabe für das Leben der Kinder überträgt. (Thema 3)
- Lesart
- Eine abweichende Fassung eines Bibelverses in alten Handschriften oder Übersetzungen. Solche Unterschiede sind Fragen der Überlieferung des Textes und kein Zeichen von Fälschung; die Kirche lehrt ihren Glauben aus der ganzen Schrift, nicht aus einer einzelnen unsicheren Stelle. (Thema 5)
- Lichtsamstag
- Der Samstag der Karwoche (Samstag des Lichtes), Trauer und Freude zugleich. In der Nacht davor, der Apokalypse-Nacht, wacht die Gemeinde am Grab Christi; am Lichtsamstag wird unter anderem Psalm 151 gesungen. (Thema 29)
- Litanei
- Ein Fürbittgebet des Priesters mit Antwort der Gemeinde. In der Göttlichen Liturgie betet die Kirche nach dem Evangelium und der Predigt, vor dem Glaubensbekenntnis, die drei großen Litaneien für den Frieden der Kirche, für die Väter der Kirche und für die Versammlung der Gläubigen; im Abend- und Morgenweihrauch die Litaneien für die Entschlafenen, die Kranken, die Reisenden und die Opfergaben. (Thema 7)
- Liturgie der Gläubigen
- Der zweite große Teil der Göttlichen Liturgie nach dem Glaubensbekenntnis: Versöhnungsgebet, Anaphora, Fürbitten, Brotteilung, Bekenntnis und Kommunion; zur Kommunion treten nur die Getauften, die sich vorbereitet haben. (Thema 28)
- Liturgie der Katechumenen
- Der erste große Teil der Göttlichen Liturgie mit den Lesungen und der Predigt, auch Liturgie des Wortes; die Taufbewerber durften sie mitfeiern. (Thema 28)
- liturgische Geräte
- Die heiligen Gefäße und Tücher des Altars: der Kelch für den mit Wasser gemischten Wein, der zum Blut des Herrn geheiligt wird; die Patene, eine kleine runde Schale ohne Fuß für das Lamm; die Kuppel (Asteriskos), zwei gekreuzte Silberbänder über der Patene; der Kelchthron in der Mitte des Altars; die Velen, kleine Tücher über den Gaben, und die Prospherin, das große Tuch (gr. prosphora, „Opfergabe“); dazu das Rauchfass für den Weihrauch. (Thema 7)
- liturgische Gewänder
- Die weißen Gewänder der Altardiener: die Tunika (Tonja), die alle Stufen tragen; das Orarion („Patrashel“), die Stola des Diakons; die Sadra, die Stola des Priesters und des Bischofs; das Phelonion („Burnus“), der weite, ärmellose Mantel des Priesters und des Bischofs; der Tailasan, die Kopfbedeckung des Priesters. (Thema 7)
- Lobpreis
- Das Gebet, in dem die Gläubigen sich mit den Engeln vereinen, Gott preisen und ihm danken. Die Kirchenhymnen sind nach dem Katechismus die musikalische Sprache der Gläubigen, durch die die Kirche Gott ihren Lobpreis darbringt. (Thema 20)
- Lobsch
- Eine Auslegung in Strophen („Erläuterung“), die im Mitternachtslobpreis auf einen Hoos oder eine Theotokie folgt und sie singend erklärt. (Thema 20)
- Lockgaben
- Geschenke, Geld oder Vorteile, mit denen jemand zum Glauben gelockt werden soll; ein so angenommener Glaube steht auf Sand. (Thema 43)
- Logos
- Gr. „Wort“ und „Vernunft“: Johannes nennt so den ewigen Sohn Gottes, das personale Wort des Vaters, durch das alles geschaffen ist und das Fleisch geworden ist (vgl. Joh 1:14a). Der Logos ist keine unpersönliche Kraft, sondern eine Hypostase (Person) der Dreifaltigkeit. (Thema 5)
M
- Makedonianer (Pneumatomachen)
- Die Anhänger der Lehre des Makedonius, eines früheren Bischofs von Konstantinopel, der Heilige Geist sei geschaffen; alle, die gegen die Gottheit des Geistes stritten, heißen auch Pneumatomachen, „Geistbekämpfer“. Das Konzil von Konstantinopel hat ihre Lehre verurteilt. (Thema 16)
- Markusliturgie
- Die Liturgie, die der heilige Markus nach der Überlieferung dem Anianus übergab. Sie wurde lange mündlich weitergegeben, vom heiligen Athanasius aufgeschrieben und vom heiligen Kyrill bearbeitet; die koptische Kirche feiert sie heute als Kyrillus-Liturgie. (Thema 32)
- Märtyrer, Märtyrerin
- Ein Christ, der um seines Glaubens an Christus willen getötet wurde, weil er ihn nicht verleugnen wollte; das Martyrium ist dieses Zeugnis bis zum Tod. (Thema 33)
- Melkiten
- In Ägypten die Anhänger der kaiserlichen Reichskirche, die Chalcedon annahm, und ihrer vom Kaiser eingesetzten Patriarchen; eine geschichtliche Gruppenbezeichnung, kein Urteil über Christen von heute. (Thema 36)
- Melodie
- Die nach Kirchenjahr und Fest wechselnde Weise der koptischen Hymnen: die Jahresmelodie an gewöhnlichen Tagen, die Kiyahk-Melodie im Monat Kiyahk, die Fastenmelodie in der Großen Fastenzeit und im Jona-Fasten, die Pascha-Melodie (Trauermelodie) in der Karwoche, die Freudenmelodie an den Herrenfesten und in den Heiligen Fünfzig Tagen und die Hosanna-Melodie am Palmsonntag und an den Festen des Kreuzes. (Thema 20)
- Menschwerdung
- Das Geheimnis, dass der ewige Sohn Gottes durch den Heiligen Geist aus der Jungfrau Maria einen wirklichen Leib mit einer vernünftigen Seele angenommen hat und Mensch geworden ist, ohne aufzuhören, Gott zu sein. Das Fremdwort dafür lautet Inkarnation („Fleischwerdung“). (Thema 18)
- Messias
- Hebräisch „der Gesalbte“, gr. Christos. Im Alten Testament heißt der gesalbte König „Gesalbter des Herrn“; die Kirche bekennt Jesus als den verheißenen Messias. (Thema 10)
- Metanie (Mehrzahl Metanien)
- Eine Niederwerfung, bei der die Stirn den Boden berührt; vor Gott ein Zeichen der Anbetung und der Buße. Nicht zu verwechseln mit gr. metanoia, „Umkehr“. (Thema 7)
- Methode
- Von gr. methodos, „der Weg zu etwas hin“: das planmäßige Vorgehen, mit dem der Diener einen Inhalt so vermittelt, dass die Kinder ihn verstehen, behalten und im Leben umsetzen. (Thema 9)
- Methodik
- Die Lehre von den Methoden; sie fragt, wie ein Inhalt vermittelt wird: Vorbereitung, Erzählen, Anschauung, Gesprächsführung und das Eingehen auf die Altersstufen. (Thema 3)
- miaphysitisch
- Von gr. mia physis, „eine Natur“: der Glaube der orientalisch-orthodoxen Kirchen, die mit dem heiligen Kyrill die eine Natur des fleischgewordenen Wortes Gottes aus zwei Naturen bekennen; diese Einheit besteht ohne Vermischung, ohne Verwandlung, ohne Teilung und ohne Trennung. „Eine“ meint die Einheit, nicht das Verschwinden einer Natur; auch die koptische Kirche lehnt Eutyches ab. (Thema 18)
- Miterlöserin
- Eine Bezeichnung, die Maria einen eigenen Anteil am Erlösungswerk zuschreibt. Die Kirche gebraucht sie nicht: Maria ist Fürsprecherin, Christus allein Erlöser und Mittler. (Thema 19)
- Mitternachtslobpreis (Tasbeha)
- Der nächtliche Lobgottesdienst der Kirche mit den Lobgesängen der Psalmodie: den Hoos, Psalis, Theotokien und Doxologien (vgl. Ps 119:62; LXX 118). (Thema 4)
- Modalismus
- → Sabellianismus (Modalismus)
- Mokattam-Wunder
- Nach der Überlieferung der Kirche das Wunder zur Zeit Papst Abrahams ibn Zaraa im 10. Jahrhundert: Auf das Gebet des Papstes, Simons des Gerbers und des Volkes hob und senkte sich der Berg Mokattam bei Kairo. Zum Gedenken daran fügte die Kirche nach dem Synaxarium (18. Hatur) dem Weihnachtsfasten drei Tage hinzu; seither dauert es dreiundvierzig Tage. (Thema 38)
- Monarchie des Vaters
- Von gr. „Alleinherrschaft“: Der Vater ist die Quelle, aus der der Sohn ewig gezeugt wird und der Geist ewig hervorgeht, ohne Zeit und ohne Rangordnung. Die drei Hypostasen und der eine Ursprung gehören zusammen. (Thema 16)
- Mönchtum
- Die Lebensform, in der Männer und Frauen allein oder in Gemeinschaft ganz für Christus leben: als Einsiedler, in Gemeinschaft (koinobitisch) oder in nahe beieinanderliegenden Zellen. Zu ihm gehört die Askese, der Verzicht auf weltliche Freuden aus Liebe zu Gott, nach dem Katechismus die praktische Antwort des Menschen auf die göttliche Liebe. (Thema 33)
- monophysitisch
- Falsche Bezeichnung für den Glauben der koptischen Kirche: Das Wort würde bedeuten, in Christus sei nur eine der beiden Naturen übrig geblieben – genau das lehrte Eutyches, den die Kirche verurteilt. Richtig ist „miaphysitisch“. (Thema 18)
- Montanismus
- Die Bewegung des Montanus aus Phrygien, dessen Anhänger ihn als den Parakleten priesen und seine Begleiterinnen Priscilla und Maximilla als Prophetinnen; Tertullian schloss sich ihr später an. (Thema 37)
- Myron
- Gr. „wohlriechende Salbe“: das heilige Salböl, eine Mischung aus Duftstoffen und Gewürzen, die durch das Wort Gottes und das Gebet geheiligt wird; der Papst weiht es gemeinsam mit den Bischöfen. (Thema 24)
- Myronsalbung
- Das Sakrament, in dem der Getaufte unmittelbar nach der Taufe mit dem heiligen Myron gesalbt wird. In der Myronsalbung empfangen wir den Heiligen Geist, damit er in uns Wohnung nimmt; die Apostel nennen diese Gabe Salbung und Siegel (2. Kor 1:21–22). (Thema 24)
- Mysterium
- → Sakrament (Mysterium)
N
- nach dem Augenschein
- Die Schrift beschreibt die Natur so, wie der Mensch sie sieht und erlebt, und nicht in der Fachsprache einer Wissenschaft. Sie will nicht erklären, wie die Abläufe der Natur gemessen werden, sondern wer die Welt geschaffen hat, warum und wozu. (Thema 42)
- Nachbetreuung
- Jede Form, in der der Diener einem Kind außerhalb der Stunde nachgeht: der Gruß, der Anruf bei den Eltern, das Gespräch, die Begegnung in der Kirche und der Besuch. Sie kennt Stufen von der einfachsten bis zur persönlichsten, dem Hausbesuch. (Thema 35)
- Nähe und Distanz
- Das richtige Maß im Umgang mit Kindern und Jugendlichen: so viel Zuwendung, dass sie sich angenommen fühlen, und so viel Abstand, dass ihre Grenzen, ihre Würde und ihr Wille immer geachtet bleiben. (Thema 2)
- Natur (gr. physis)
- Was etwas seinem Sein nach ist: Die göttliche Natur umfasst alles, was Gott ist, die menschliche alles, was zum Menschsein gehört – Leib und vernünftige Seele. In der Lehre von der Dreifaltigkeit sagt man „ein Wesen“; „Natur“ braucht man vor allem für Christus, in dem beide Naturen ganz und unverkürzt da sind. In der Formel des heiligen Kyrill bezeichnet „aus zwei Naturen“ die vollkommene Gottheit und die vollkommene Menschheit; „eine Natur des fleischgewordenen Wortes Gottes“ meint ihre untrennbar geeinte Wirklichkeit in Christus (wie Leib und Seele die eine Natur des Menschen bilden), nicht die Verschmelzung zu einem einzigen Wesen. Christus ist dem Vater wesensgleich nach der Gottheit und uns wesensgleich nach der Menschheit. (Thema 6)
- Nayrouz
- Das koptische Neujahr und Fest der Märtyrer am 1. Tut (je nach Jahr 11. oder 12. September); bis zum 16. Tut betet die Kirche in der Freudenmelodie. (Thema 8)
- Nestorianismus
- Die Lehre des Nestorius, die Gottheit und Menschheit Christi in zwei Personen trennt – den Sohn Gottes und den Sohn Marias – und Maria nur „Christusgebärerin“ nennt. Das Konzil von Ephesus (431) hat sie verurteilt. (Thema 18)
- Nizäa (325)
- Das erste ökumenische Konzil gegen Arius; es bekannte den Sohn als wesensgleich mit dem Vater und ordnete den Termin des Auferstehungsfestes für alle Kirchen gleich. (Thema 34)
- Nizäno-Konstantinopolitanum
- → Glaubensbekenntnis
- Nomina sacra
- „Heilige Namen“: die Abkürzungen heiliger Wörter in koptischen Büchern; man schreibt nur einige Buchstaben des Wortes und setzt einen Strich darüber. (Thema 39)
O
- Offenbarungszelt
- Das tragbare Heiligtum Israels in der Wüste, in der Einheitsübersetzung auch „Wohnstätte“, in anderen Büchern „Stiftshütte“ oder „Zelt der Begegnung“. Der Weg führte vom Vorhof über das Heilige ins Allerheiligste, wo die Bundeslade stand und Gott sich „zwischen den beiden Kerubim“ zu erkennen geben wollte (Ex 25:22). (Thema 12)
- Ökumene
- Die Bemühungen der getrennten Kirchen, einander kennenzulernen, miteinander zu sprechen und die Einheit im Glauben wiederzufinden. Das Wort kommt von gr. oikumene, „die bewohnte Erde“; darum heißen die Konzile der ganzen Kirche ökumenisch. (Thema 45)
- ökumenisches Konzil
- Eine Versammlung der Hirten und Lehrer der Kirche aus allen Teilen der Welt, die eine Frage des Glaubens prüft. Die koptische Kirche erkennt drei an: Nizäa (325), Konstantinopel (381) und Ephesus (431). (Thema 6)
- orientalisch-orthodoxe Kirchen
- Die Kirchenfamilie der koptischen, syrischen, armenischen, äthiopischen, eritreischen und indischen Kirche, die miaphysitisch glauben, die drei ökumenischen Konzile anerkennen und Chalcedon nicht annehmen; sie heißen auch nichtchalcedonisch. (Thema 18)
- Ortskirche
- Die Kirche an einem Ort, die nach dem Katechismus den einen Glauben durch ihre eigene Sprache, ihre Riten, Hymnen und Gewänder ausdrückt, ohne die Einheit des Glaubens zu verlieren. (Thema 43)
P
- Palmsonntag
- Das große Herrenfest des Einzugs des Herrn in Jerusalem (Joh 12:13): Die Kirche singt in der Hosanna-Melodie und zieht mit Palmzweigen und dem Kreuz durch die Kirche. „Hosanna“ bedeutet „rette uns“. (Thema 29)
- Pantokrator
- „Der Allmächtige“, der Herrscher über alles; seine Herrschaft steht im Einklang mit seiner Liebe und hebt die Freiheit des Menschen nicht auf. (Buch 1, Kapitel 4)
- Papst von Alexandrien
- Titel des Nachfolgers des heiligen Markus: „Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhls des heiligen Markus“; heute Papst Tawadros II. (seit 2012), der 118. Papst. Der Papst ist ein Bischof, keine eigene Weihestufe. (Buch 1, Kapitel 1)
- Paradies
- Der Ruheplatz, an dem die Seelen der Gerechten nach dem Tod beim Herrn sind und die Auferstehung erwarten; es ist noch nicht das Himmelreich, sondern sein Vorgeschmack. „Paradies“ heißt auch der Garten Eden (vgl. Gen 2:8). (Thema 22)
- Paraklet
- → Beistand (Paraklet)
- Paramoun
- Gr. „Vorbereitung“: der Vorbereitungstag mit strengem Fasten vor Weihnachten und vor der Theophanie. Weil am Samstag und Sonntag nicht streng gefastet wird, verlängert er sich auf zwei oder drei Tage, wenn das Fest auf einen Sonntag oder Montag fällt. (Thema 8)
- Pascha
- „Vorübergehen“: Das Wort erinnert an den Auszug aus Ägypten, als das Blut des Lammes die Israeliten schützte (Ex 12:13); Christus ist unser Paschalamm (1. Kor 5:7). Darum heißt die Karwoche Pascha oder Pascha-Woche. (Thema 12)
- Paschalamm
- Das fehlerlose Lamm des Auszugs aus Ägypten (Ex 12), dessen Blut die Israeliten schützte; Vorbild Christi und der Eucharistie: „… als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden“ (1. Kor 5:7b). (Thema 12)
- Patriarch
- Der Bischof einer großen, meist apostolischen Hauptkirche, der den Bischöfen eines weiten Gebiets vorsteht; sein Gebiet heißt Patriarchat. Der Patriarch von Alexandrien heißt zugleich Papst. (Thema 32)
- Patriarchen (Erzväter)
- Abraham, Isaak und Jakob, die Erzväter Israels; die Kirche nennt sie auch die Väter des Glaubens, weil sie Gott vertrauten und diesen Glauben an ihre Nachkommen weitergaben. Vom kirchlichen Titel → Patriarch zu unterscheiden. (Thema 11)
- Patrologie
- Die Wissenschaft von Leben, Werken, Aussprüchen und Lehren der rechtgläubigen Schriftsteller der frühen Kirche (von griechisch patēr, Vater, und logos, Lehre). (Thema 37)
- Paulus
- Die erste Lesung der Göttlichen Liturgie, aus den vierzehn Briefen des Paulus mit dem Hebräerbrief. (Thema 28)
- Paulusbriefe
- Die vierzehn Briefe des heiligen Paulus; die koptische Kirche zählt den Hebräerbrief dazu. Man unterscheidet die Hauptbriefe (Röm, 1. Kor, 2. Kor, Gal), die Gefangenschaftsbriefe (Eph, Phil, Kol, Phlm), die Pastoralbriefe (1. Tim, 2. Tim, Tit) und die Thessalonicherbriefe. (Thema 15)
- Pentapolis
- Die „fünf Städte“ an der Küste Libyens westlich von Ägypten, darunter Kyrene. Nach dem Synaxarium wurde der heilige Markus in Kyrene geboren und verkündete später in der Pentapolis das Evangelium. (Thema 32)
- Perichorese
- Das vollkommene gegenseitige Ineinandersein der drei Hypostasen: Der Vater ist im Sohn, der Sohn im Vater, der Geist im Vater und im Sohn – ohne Vermischung und ohne Trennung. (Thema 16)
- Pfingstbewegung
- Gemeinden, die die Gaben des Heiligen Geistes betonen, an eine von der Taufe aus Wasser und Geist verschiedene „Taufe im Heiligen Geist“ glauben und die Zungenrede als ihr erstes Zeichen sehen. Von der Zungenrede sagt Paulus, sie richte sich nicht an Menschen, sondern an Gott (1. Kor 14:2a). (Thema 45)
- Pfingsten
- Das Fest am fünfzigsten Tag nach der Auferstehung, an dem der Heilige Geist auf die Apostel herabkam (Apg 2:1–4). Im Alten Bund war dieser Tag das Wochenfest, „das Fest der Erstlingsfrüchte von der Weizenernte“ (Ex 34:22a); ihm entspricht Pfingsten, nicht dem Laubhüttenfest. (Thema 29)
- Praxis
- Die dritte Lesung der Göttlichen Liturgie, aus der Apostelgeschichte; „Praxis“ heißt Taten. (Thema 15)
- Priester (Presbyter)
- Eine der drei Weihestufen: vom Bischof durch Handauflegung geweiht; er feiert die Sakramente, lehrt und begleitet die Gemeinde als Vater. Er ist nicht die Quelle der Vergebung, sondern teilt sie mit; Mittler zwischen Gott und den Menschen ist Christus allein. (Thema 30)
- Primat
- Vorrang: Nach katholischer Lehre hat der Bischof von Rom als Nachfolger des Petrus die oberste Leitungsvollmacht über die ganze Kirche. (Thema 45)
- Pro Oriente
- Die Stiftung in Wien, die im September 1971 Theologen der katholischen Kirche und der orientalisch-orthodoxen Kirchen zum Gespräch über die Christologie einlud; Gegenstand war die Formel des heiligen Kyrill, und die Theologen erzielten Übereinstimmung. (Thema 36)
- Prophet
- Ein Mensch, den Gott beruft, damit er Gottes Wort ausspricht: Er deutet die Gegenwart im Licht des Bundes, ruft zur Umkehr und kündigt an, was Gott tun wird. (Thema 13)
- Protoevangelium
- „Erste frohe Botschaft“: so nennt die Kirche Gen 3:15, die erste Verheißung des Erlösers nach dem Sündenfall. (Thema 11)
- Psali (Mehrzahl Psalis)
- Ein rhythmischer Hymnus in Strophen, meist an Christus gerichtet. (Thema 20)
- Psalm 151
- Ein Psalm der Septuaginta nach dem 150. Psalm, in dem der junge David spricht, den Gott erwählt und gesalbt hat; er gehört zum Psalter der Kirche und wird am Lichtsamstag gesungen („Anok pe pikouji“). In der Einheitsübersetzung steht er nicht. (Thema 14)
- Psalmodie
- Das Hymnenbuch der Kirche und zugleich der Lobgottesdienst, der mit ihm gefeiert wird, mit Hoos, Psalis, Theotokien und Doxologien. Es gibt die Jahrespsalmodie für das ganze Jahr und die Kiyahk-Psalmodie für den Monat Kiyahk. (Thema 4)
- Psalter
- Das Buch der Psalmen; die Einheitsübersetzung zählt hundertfünfzig Psalmen, zum Psalter der Kirche gehört dazu Psalm 151 der griechischen Bibel. Er ist das Gebetbuch der Kirche, aus dem die Agpeya zum größten Teil besteht. (Thema 4)
R
- Rechtfertigung
- „Gerecht gemacht“: Gott spricht den Sünder in Christus gerecht und macht ihn wirklich gerecht. (Thema 45)
- Reformation
- Die Bewegung im 16. Jahrhundert, die von Martin Luther ausging, als er sich gegen den Handel mit Ablässen wandte und die Vollmacht des Papstes in Frage stellte; aus ihr gingen die evangelischen Kirchen hervor, deren Christen man evangelisch oder Protestanten nennt. (Thema 45)
- Reinheit
- Nach dem Katechismus betrifft sie das ganze Wesen des Menschen – Seele, Leib, Verstand, Gefühle, Fähigkeiten, Kräfte, Gedanken, Worte und Taten. Sie ist mehr als Verzicht: Reinheit bedeutet, sich mit ungeteiltem Herzen Gott zuzuwenden (vgl. Mt 5:8). (Thema 46)
- Rekapitulation
- Schlüsselwort des heiligen Irenäus: Christus, der neue Adam, fasst die ganze Menschheit in sich zusammen und heilt durch seinen Gehorsam, was durch den Ungehorsam Adams verdorben wurde (Röm 5:19). (Thema 37)
- Reliquien
- Die leiblichen Überreste der Heiligen, ihre Gebeine, die die Kirche ehrt; sie werden auch in den Altären der Kirchen aufbewahrt. Verehrt werden die Heiligen, angebetet wird allein Gott. (Thema 25)
- Reue
- Der Schmerz des Herzens über die Sünde; sie führt zur Umkehr und zur Beichte. (Thema 13)
- Ritus
- Die von der Kirche überlieferte Ordnung des Gottesdienstes und des kirchlichen Lebens, auch Brauch genannt: was gebetet und gesungen wird, wer es spricht und welche Handlungen, Zeichen und Gegenstände dazugehören. In ihm feiert und lebt die Kirche ihren Glauben. (Thema 6)
- Rückkehrgebet
- Das stille Gebet, das der Priester nach dem Weihrauchumgang am Altar für das Bekenntnis des Volkes spricht. (Thema 7)
S
- Sabellianismus (Modalismus)
- Die Irrlehre nach Sabellius, Vater, Sohn und Heiliger Geist seien nur drei Erscheinungsweisen einer einzigen Hypostase, ein Gott, der nacheinander als Vater, Sohn und Geist erscheint. Die Kirche bekennt drei wirkliche Hypostasen, gleichzeitig und ewig. (Thema 6)
- Sakrament (Mysterium)
- Eine heilige Handlung der Kirche, in der Gott durch das Gebet und durch sichtbare Zeichen – Wasser, heiliges Öl, Brot und Wein – die unsichtbare Gnade des Heiligen Geistes schenkt; der eigentlich Handelnde ist Christus selbst. Die Kirche kennt sieben Sakramente: Taufe, Myronsalbung, Eucharistie, Buße und Beichte, Krankensalbung, Ehe und Priestertum. Die Sakramente spenden Bischof und Priester; die Weihe im Sakrament des Priestertums spendet nur der Bischof. (Themen 7, 26)
- Sakrament der Buße und Beichte
- Das Sakrament, in dem der Getaufte seine Sünden vor Gott in Gegenwart des Priesters bekennt und durch das Absolutionsgebet Vergebung empfängt; man empfängt es immer wieder. Es beruht auf der Vollmacht zu binden und zu lösen, die Christus selbst seiner Kirche gegeben hat (Mt 18:18; vgl. Joh 20:21–23). (Thema 23)
- Sakrament der heiligen Ehe
- Das Sakrament, in dem Christus Mann und Frau durch die Gnade des Heiligen Geistes zu einem Fleisch vereint und ihren Bund segnet; ihre Einheit ist ein Bild der Einheit zwischen Christus und der Kirche (Eph 5:31–32). Die Trauung heißt Krönung: Der Priester betet über den Kronen und setzt sie dem Brautpaar auf. (Thema 30)
- Sakrament des Priestertums
- Das Sakrament, in dem Bischöfe, Priester und Diakone durch Handauflegung und Gebet geweiht werden; es kennt drei Weihestufen: Bischof, Priester und Diakon. (Thema 30)
- Salbung
- Bei der Salbung wurde Öl über das Haupt eines Menschen gegossen; so setzte Gott in Israel Könige für ihr Amt ein und gab ihnen seinen Geist (1. Sam 16:13), und der König hieß „Gesalbter des Herrn“. Im Neuen Bund beschreiben die Apostel mit diesem Wort die Gabe des Heiligen Geistes (1. Joh 2:20), die der Getaufte in der Myronsalbung empfängt. (Thema 13)
- Sanctus
- Der Lobgesang der Engel „Heilig, heilig, heilig“ (vgl. Jes 6:3), den die Kirche in der Anaphora der Göttlichen Liturgie singt. (Thema 20)
- Schisma
- Gr. „Riss, Spaltung“: eine Trennung zwischen Kirchen. (Thema 45)
- Schleiergebet
- Ein Gebet der Agpeya, das besonders für Mönche bestimmt ist und nach dem Gebet vor dem Schlafengehen gebetet wird. (Thema 4)
- Schöpfung aus dem Nichts
- Gott hat die Welt nicht aus einem Stoff gemacht, der schon vor ihm da war; alles, was ist – das Sichtbare und das Unsichtbare –, hat er durch sein Wort ins Dasein gerufen. Nur Gott ist ohne Anfang; alles andere hat von ihm sein Dasein. (Thema 22)
- Schriftsinn
- Die Ebene, auf der ein Text der Schrift verstanden wird. Grundlage ist der wörtliche Sinn, auf dem der geistliche Sinn aufbaut; nach Johannes Cassianus kommen zum wörtlichen der allegorische (auf Christus und die Kirche), der moralische (auf die Seele und ihre Tugenden) und der anagogische Sinn (auf die himmlischen Wirklichkeiten). Die Allegorie deutet irdische Dinge als Bilder für himmlische Wirklichkeiten. (Thema 10)
- Schutzbefohlene
- → Dschizya
- Schutzformeln
- Die vier Worte, mit denen die Kirche die Einheit von Gottheit und Menschheit in Christus beschreibt: ohne Vermischung, ohne Verwandlung, ohne Teilung, ohne Trennung. „Ohne Vermischung, ohne Verwandlung“ wehren die Lehre des Eutyches ab, „ohne Teilung, ohne Trennung“ die Lehre des Nestorius. Die gemeinsame Erklärung der orthodoxen Kirchen von 1989 zählt sie zu „unserer gemeinsamen Tradition“ (Papst Schenouda III., Die Natur Christi, Kap. 14); das Bekenntnis vor der Kommunion sagt „ohne Vermischung, ohne Verquickung und ohne Veränderung“. (Thema 18)
- seelsorgliches Gespräch
- Ein Gespräch, in dem der Diener einem Kind oder Jugendlichen in einer Lebensfrage zuhört, es annimmt, mit ihm betet und es, wo nötig, zu den Eltern, zum Priester oder zu Fachleuten begleitet. Es ersetzt weder die Beichte noch eine ärztliche oder psychologische Behandlung; weiterverweisen heißt nicht abschieben, sondern zu dem begleiten, der besser helfen kann, und an der Seite des Kindes bleiben. (Thema 35)
- Sekundärzitat
- Ein Väterwort, das aus einem anderen Buch übernommen wird, ohne dass man es im vollständigen Werk des Vaters selbst nachgelesen hat; es wird mit „nach …“ gekennzeichnet. (Thema 37)
- Selbstprüfung
- Die ehrliche Bestandsaufnahme des eigenen Lebens vor Gott, am besten regelmäßig; auf sie folgen Besserung, Beichte und Übung. Man bespricht sie, wenn man will, mit dem Beichtvater. (Thema 1)
- Septuaginta (LXX)
- Die alte griechische Übersetzung des Alten Testaments, die Bibel der Apostel und Väter und Grundlage der koptischen Liturgie. Nach ihrer Zählung zählen die Agpeya und die Väter die Psalmen; die Nummer liegt bei vielen Psalmen um eins unter der der Einheitsübersetzung. Die Bücher des Kurses geben sie ergänzend an: „Ps 51:12 (LXX 50)“, innerhalb einer Klammer „(Ps 51:12; LXX 50)“. (Thema 4)
- Sketis
- Die Mönchswüste im Wadi El-Natrun (arab. Schihit), wo der heilige Makarius der Große Vater vieler Mönche wurde. (Thema 33)
- Sondergemeinschaft
- Eine Gemeinschaft, die sich auf die Bibel oder auf Christus beruft, aber zentrale Wahrheiten des christlichen Glaubens leugnet – vor allem die Dreifaltigkeit und die Gottheit Christi – oder eigene Offenbarungen und heilige Bücher neben oder über die Schrift stellt; die anderen christlichen Kirchen sind keine Sondergemeinschaften. Davon unterschieden sind neue religiöse Bewegungen, die sich oft gar nicht als christlich verstehen, und die Esoterik, eine Vielfalt von Lehren und Praktiken, die geheimes Wissen über Schicksal, Kräfte und Jenseits versprechen. (Thema 44)
- stiller Dienst
- Das Lehren durch das eigene Leben: Die Kinder lernen aus dem, was sie am Diener sehen – wie er betet, spricht, mit anderen und mit Fehlern umgeht –, oft mehr als aus dem, was er sagt. (Thema 21)
- Stilles Weihrauchgebet
- Das Gebet, das der Priester still über dem Weihrauch spricht, am Abend an den Sohn, am Morgen an den Vater gerichtet; arabisch sirr. Es ist kein Sakrament. (Thema 7)
- Stuhl des heiligen Markus
- Bezeichnung für das Amt des Papstes von Alexandrien als Nachfolger des heiligen Markus. Nach Papst Schenouda III. ist damit kein Sessel gemeint, sondern die apostolische Nachfolge und die Fortsetzung seines Wirkens. (Thema 32)
- Sucht (Abhängigkeit)
- Ein zwingendes Verlangen nach einem Stoff oder einem Verhalten: Der Mensch verliert die Kontrolle darüber und macht weiter, obwohl es ihm schadet – bei Alkohol, Drogen und Nikotin, aber auch beim Glücksspiel oder beim Bildschirm. (Thema 46)
- Sühne
- Die Hingabe Christi, der sich als makelloses Opfer für alle in den Tod gab und so die Sünde tilgte. Sie geht von der Liebe Gottes aus (1. Joh 4:10): Der Vater musste nicht erst zur Liebe bewegt werden; Sühne und Heilung gehören zusammen. (Thema 22)
- Sünde
- Die freie Abkehr des Menschen von Gott und von seinem Willen in Gedanken, Worten oder Taten. Weil Gott die Quelle des Lebens ist, bedeutet Sünde Trennung vom Leben. (Thema 22)
- Synaxarium
- Das Buch der Heiligengeschichten und Gedenktage im Kirchenjahr, nach den Tagen der koptischen Monate geordnet. In der Göttlichen Liturgie wird das Leben des Heiligen des Tages daraus gelesen, außer in der Karwoche und vom Auferstehungsfest bis zur Himmelfahrt. (Themen 4, 25)
- Synergie
- Das Zusammenwirken der zuvorkommenden Gnade Gottes mit der freien Mitwirkung des Menschen. Die Gnade geht voraus und trägt; der Mensch antwortet im Glauben, der in der Liebe wirksam ist. Das Heil wird nicht verdient, aber auch nicht ohne den Menschen empfangen. (Thema 22)
- synoptische Evangelien
- Die Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas; sie erzählen das Leben Jesu in ähnlicher Reihenfolge und oft mit ähnlichen Worten, sodass man sie nebeneinander („zusammenschauend“) lesen kann. (Thema 15)
T
- Targum
- Die aramäische Übersetzung und Erklärung der Bücher des Alten Testaments für die Juden, die kein Hebräisch mehr sprachen. (Thema 5)
- Tarh
- Arabisch „Erklärung“: die Erläuterung einer Lesung oder eines Hymnus, verbunden mit einer Mahnung für das Leben, vor allem im Monat Kiyahk und in der Karwoche. (Thema 20)
- Tasbeha
- → Mitternachtslobpreis (Tasbeha)
- Taufe
- Das erste Sakrament, die geistliche Geburt: Der Täufling wird dreimal im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit in das Wasser eingetaucht, stirbt der Sünde und wird mit Christus zu neuem Leben auferweckt. In der Taufe empfangen wir die Wiedergeburt und die Vergebung der Sünden; sie wird nur einmal gespendet. Die Taufe spendet der Priester oder der Bischof. (Thema 26)
- Taufpate
- Der Bürge, der für den Glauben des Täuflings eintritt und ihn im Glauben begleitet. (Themen 26, 43)
- Teilhabe am göttlichen Leben
- → Gotteskindschaft und Teilhabe am göttlichen Leben aus Gnade
- Thebäische Legion
- Nach dem Synaxarium christliche Soldaten aus Theben in Oberägypten unter ihrem Anführer, dem heiligen Mauritius, die zur Zeit der Kaiser Diokletian und Maximian im Gebiet der heutigen Schweiz für ihren Glauben getötet wurden. (Thema 33)
- Theologie
- Das Nachdenken der Kirche über den Glauben: Sie erklärt das Dogma, begründet es aus der Schrift, sucht Bilder und Vergleiche und antwortet auf neue Fragen, ohne Schrift und Überlieferung zu widersprechen. (Thema 6)
- Theologische Schule von Alexandrien
- Die Lehrstätte der Kirche von Alexandrien in den ersten Jahrhunderten, nach der Überlieferung vom heiligen Markus gegründet; sie heißt auch Katechetenschule, weil sie die Taufbewerber (Katechumenen) im Glauben unterwies. Sie bereitete Taufbewerber auf die Taufe vor, festigte die Gläubigen und antwortete den Philosophen. (Thema 32)
- Theophanie
- Das Fest der Taufe des Herrn am 11. Tubeh / 19. Jänner, eines der großen Herrenfeste, mit dem Lakkan. (2) Eine Gotteserscheinung: ein Ereignis, in dem Gott sich Menschen sichtbar oder hörbar offenbart, etwa bei Mamre und am Dornbusch; viele Väter sehen darin den Sohn, die vollkommene Offenbarung ist seine Menschwerdung. (Thema 8)
- Theotokie (Mehrzahl Theotokien)
- Ein Lobgesang auf die Gottesgebärerin (Theotokos) aus der Psalmodie, für jeden Tag der Woche. (Thema 8)
- Theotokos
- → Gottesgebärerin (Theotokos)
- Tomus Leos
- Das Lehrschreiben Leos, des Bischofs von Rom, aus dem Jahr 449, das in Christus zwei Naturen nach der Einigung lehrt, jede mit ihrem eigenen Wirken. Das Konzil von Chalcedon hat es angenommen, die koptische Kirche hat es zurückgewiesen. (Thema 36)
- Tradition
- → Heilige Überlieferung (Tradition)
- Trinität
- → Heilige Dreifaltigkeit (Trinität)
- Trishagion
- Der Gesang „Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Lebendiger, Unsterblicher …“ (Wortlaut nach Die göttlichen Liturgien, S. 157) im Weihrauchgottesdienst und in der Göttlichen Liturgie; nicht zu verwechseln mit dem Sanctus „Heilig, heilig, heilig“. (Thema 7)
- Tugend
- Eine gute Haltung, die durch Gnade und Übung wächst; die Tugenden sind Frucht des Wirkens des Heiligen Geistes im Gläubigen (vgl. Gal 5:22–23). (Thema 46)
- Typologie
- Eine Auslegung, die die Geschichte ernst nimmt: Ein wirkliches Ereignis oder eine wirkliche Person des Alten Testaments ist ein Vorausbild eines späteren Geschehens, besonders der Person und des Wirkens Christi. (Thema 10)
- Typus
- Eine Person, ein Ereignis, eine Sache oder eine Einrichtung des Alten Testaments, die geschichtlich wirklich ist und zugleich im Voraus auf Christus, die Kirche oder die Sakramente hinweist, deutsch Vorausbild oder Vorbild; Adam ist „die Gestalt, die auf den Kommenden hinweist“ (Röm 5:14). Der Typus ist nicht dasselbe wie Christus; die Erfüllung ist größer. (Thema 10)
U
- Übergabe des Glaubens
- Die Weitergabe des Glaubens an das Kind: Es lernt das Kreuzzeichen und das Glaubensbekenntnis, ohne dass man ihm die Dreifaltigkeit mit gelehrten Begriffen erklären müsste; das Verstehen wächst später auf dem Boden dessen, was es empfangen hat. (Thema 9)
- Überlieferung
- Im biblischen Sinn das Weitergeben von etwas Kostbarem: Eine Generation gibt den Glauben weiter, die nächste empfängt ihn; zur Überlieferung des Glaubens → Heilige Überlieferung (Tradition). In der Kirchengeschichte heißt Überlieferung auch, was die Kirche über Personen und Ereignisse in Liturgie, Synaxarium und Geschichtswerken bewahrt, auch wenn es nicht in der Schrift steht und sich nicht mit Berichten anderer Zeitzeugen nachprüfen lässt. (Thema 1)
- Umkehr (Buße)
- Die Rückkehr des Herzens zu Gott: Da die Sünde Trennung von Gott ist, ist die Buße Rückkehr zu Gott. Das Wort des Neuen Testaments dafür ist gr. metanoia, „Sinnesänderung“; „Umkehr“ und „Buße“ meinen dasselbe. (Thema 13)
- Unbefleckte Empfängnis
- Die Lehre der römisch-katholischen Kirche, die Papst Pius IX. im Jahr 1854 zum Dogma erklärte: Maria sei vom ersten Augenblick ihrer eigenen Empfängnis im Schoß ihrer Mutter an von der Erbsünde bewahrt worden; gemeint ist nicht die Empfängnis Jesu. Die koptische Kirche lehrt sie nicht: Maria gehört zu unserem Geschlecht und brauchte Erlösung; der Heilige Geist reinigte und heiligte sie bei der Verkündigung (Lk 1:35). (Thema 19)
- Unfehlbarkeit
- Nach katholischer Lehre seit dem Ersten Vatikanischen Konzil (1870) ist der Papst unfehlbar, wenn er als oberster Lehrer feierlich (lat. ex cathedra, „vom Lehrstuhl aus“) eine Lehre über Glauben und Sitten für die ganze Kirche verkündet; das bedeutet nicht, dass er ohne Sünde wäre. Die koptische Kirche glaubt, dass Christus die Unfehlbarkeit der ganzen Kirche verheißen hat, nicht einem einzelnen Bischof. (Thema 45)
- Urknalltheorie
- Eine naturwissenschaftliche Theorie über den Anfang des Weltalls: Es dehnt sich seit einem Anfang vor sehr langer Zeit aus. Sie beschreibt, wie das Weltall sich entwickelt hat, nicht, warum es etwas gibt; dem Glauben an die Schöpfung aus dem Nichts widerspricht sie nicht. (Thema 42)
V
- Verderbnis
- Die Zerrüttung und Todesverfallenheit der menschlichen Natur infolge der Sünde: Der Mensch ist dem Tod unterworfen, sein Wille ist geschwächt, und er kann Gottes Gebot aus eigener Kraft nicht mehr halten. (Thema 22)
- Verehrung
- Die Ehre, die wir den Heiligen und heiligen Dingen um Gottes willen erweisen, etwa durch einen Kuss oder Weihrauch; sie ist keine Anbetung. (Thema 7)
- Verschwiegenheit
- Der Diener erzählt nicht weiter, was Kinder, Jugendliche und Familien ihm anvertrauen, weder anderen Dienern noch anderen Kindern noch in sozialen Medien. Die Verschwiegenheit hat aber eine Grenze, den Schutz des Kindes: Bei einer Gefährdung spricht der Diener mit dem Priester; bei akuter Gefahr ruft er sofort selbst den Notruf. (Thema 2)
- Versöhnungsgebet
- Das Gebet am Beginn der Liturgie der Gläubigen: Es erzählt, wie der Mensch in Sünde und Tod fiel und Christus uns durch sein Blut mit dem Vater versöhnt hat. Ihm folgt der Friedenskuss, der heilige Kuss, mit dem Priester, Gemeinde und Kinder ihre Liebe zueinander bekunden (vgl. Röm 16:16). (Thema 28)
- Versuchung
- Eine Lockung zum Bösen, die von außen – durch den Feind oder durch andere Menschen – oder von innen – durch die eigene Begierde – an den Menschen herantritt. Sie wird zur Sünde erst, wenn der Mensch ihr mit seinem freien Willen zustimmt. (Thema 23)
- Verwandlung
- Brot und Wein werden in der Liturgie wahrer Leib und wahres Blut Christi; das wirkt nicht der Mensch, sondern Christus selbst durch seinen Heiligen Geist. (Thema 28)
- Vorbild
- Ein Mensch, an dessen Leben andere ablesen können, wie man nach dem Evangelium lebt. Der Diener ist Vorbild nicht, weil er ohne Fehler wäre, sondern weil er selbst Christus nachfolgt (1. Kor 11:1). Zum Vorbild in der Auslegung der Schrift → Typus. (Thema 2)
- Vorherbestimmung (Prädestination)
- Gottes ewiger Ratschluss, die Menschen zum Heil in Christus zu berufen. Nach orthodoxer Lehre gründet sie in Gottes Vorherwissen und hebt den freien Willen nicht auf; eine Vorherbestimmung zur Verdammnis lehrt die Kirche nicht. (Thema 45)
- Vulgata
- Die lateinische Übersetzung der Bibel, die der heilige Hieronymus um 400 schuf; sie wurde die Bibel der Kirche des Westens. (Thema 5)
W
- Wahrheit der Schrift
- Die Heilige Schrift irrt nicht; Gott selbst steht für sein Wort ein. Sie ist kein Lehrbuch der Naturwissenschaft, sondern spricht nach dem Augenschein und will das Heil lehren (Basilius, Hexaemeron 9,1). (Themen 5, 42)
- Weihestufe
- Bischof, Priester und Diakon, die drei Stufen des Sakraments des Priestertums: Die Bischöfe sind Hirten, die Priester Lehrer, die Diakone Diener. (Thema 30)
- Weihnachtsfasten
- Das Fasten von dreiundvierzig Tagen vor der Geburt Christi (29. Kiyahk / 7. Jänner), mit dem Paramoun; in ihm geht die Kirche auf die Geburt des Herrn zu. (Thema 8)
- Weihrauch
- Das Darbringen von Weihrauch vor Gott, ein Zeichen für die Gegenwart Gottes unter seinem Volk und für die zum Himmel aufsteigenden Gebete, verbunden mit dem Opfer Christi. Der Weihrauch ist kein Sakrament. (Thema 7)
- Weihrauchbehälter
- Das kleine Kästchen aus Holz oder Silber mit dem Weihrauch, das auf dem Altar steht; der Katechismus nennt es Weihrauchdose. (Thema 7)
- Weihrauchgefäß (Rauchfass)
- Das becherförmige Gefäß aus Kupfer oder Silber an drei Ketten, in dem der Weihrauch verbrannt wird; es wird auf die Gottesgebärerin gedeutet, die drei Ketten auf die Dreifaltigkeit. (Thema 7)
- Weisheitsbücher
- Die sechs Bücher Ijob, Sprichwörter, Kohelet, Hohelied, Weisheit und Jesus Sirach; mit dem Psalter bilden sie in der Einheitsübersetzung eine Gruppe von sieben Büchern. Sie fragen, wie man vor Gott lebt, leidet, liebt und stirbt; Weisheit und Jesus Sirach sind deuterokanonisch. (Thema 14)
- Weltbild ohne Gott
- Die Behauptung, alles sei nur durch Zufall entstanden, die Welt habe keinen Schöpfer und keinen Sinn und der Mensch sei nichts als Materie; keine naturwissenschaftliche Erkenntnis, sondern eine Weltanschauung, die der Glaube ablehnt. (Thema 42)
- Wesen (gr. ousia)
- Das eine göttliche Sein, das der Vater, der Sohn und der Heilige Geist gemeinsam und ungeteilt besitzen. Es gibt nur ein göttliches Wesen und darum nur einen Gott; es wird nicht aufgeteilt, jede Hypostase ist ganz Gott. (Thema 6)
- wesensgleich (gr. homoousios)
- Eines und desselben Wesens: Der Sohn hat nicht ein ähnliches oder ein geschaffenes, sondern dasselbe göttliche Wesen wie der Vater, ebenso der Heilige Geist; und doch ist der Sohn nicht der Vater. So bekannte es das Konzil von Nizäa (325) gegen Arius. (Thema 6)
- Wiedergeburt
- Name der Taufe, weil der Mensch in ihr ein zweites Mal geboren wird – nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Gott; Paulus nennt sie „das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist“ (Tit 3:5b). (Thema 24)
- Wiederkunft Christi
- Das sichtbare Kommen Christi in Herrlichkeit am Ende der Zeit zum Letzten Gericht über alle Menschen nach ihren Taten, mit der Auferstehung der Toten und dem ewigen Leben. (Thema 31)
- Wort Gottes
- → Heilige Schrift; als Name des Sohnes Gottes → Logos
Z
- Zehn Gebote
- Die „zehn Worte“ (Ex 34:28), die mit dem beginnen, was Gott getan hat (Ex 20:2); sie sind die Antwort des befreiten Volkes. Die koptisch-orthodoxe Kirche zählt sie in zwei Tafeln: vier Gebote gegenüber Gott und sechs gegenüber dem Nächsten. (Thema 12)
- Zeugen Jehovas
- Eine Sondergemeinschaft, die im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten entstand; sie lehrt, Christus sei ein Geschöpf und vor der Menschwerdung der Erzengel Michael gewesen, der Heilige Geist eine Kraft. Ihre Zeitschrift ist der „Wachtturm“, ihre Bibelübersetzung die Neue-Welt-Übersetzung. (Thema 44)
- Zimbelstrophen
- Die Strophen, die die Gemeinde nach dem Danksagungsgebet im Abend- und Morgenweihrauch singt, während der Priester den Weihrauch einlegt und den Altar umschreitet. (Thema 7)
- Zwischenzustand
- Der Zustand der Seelen zwischen dem Tod und dem Letzten Gericht: die Gerechten im Paradies, die von Gott Getrennten im Hades. (Thema 31)