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Kapitel 7

Die sieben Sakramente – Beichte ausführlich

Wie Christus in seiner Kirche heiligt

18 Min. Lesezeit

In diesem Kapitel

  1. Du kannst erklären, was ein Sakrament (Mysterium) ist, und die sieben Sakramente mit Zeichen, Gabe und Spender nennen.
  2. Du kannst sagen, was ein Mensch am Tag seiner Taufe empfängt, und Taufe und Myronsalbung unterscheiden.
  3. Du kannst beschreiben, wie du dich auf die Beichte vorbereitest, wie sie abläuft und was die Lossprechung bedeutet.
  4. Du kannst die Aufgabe des Beichtvaters und den Zusammenhang von Beichte und heiliger Kommunion erklären.
Inhalt

Du bist getauft, du hast das heilige Myron empfangen, du gehst zur heiligen Kommunion und zur Beichte. Das alles kennst du seit deiner Kindheit. Aber was ist ein Sakrament, was schenkt Gott in jedem der sieben Sakramente, und wer spendet sie? Die Beichte steht hier im Mittelpunkt, denn sie begleitet dich ein Leben lang. Als Diener wirst du Kindern erklären, was in ihrer Taufe geschehen ist und wie man sich auf die Beichte vorbereitet.

Was ein Sakrament ist

Das Wort Sakrament kommt aus dem Lateinischen. Die griechische Kirche sagt Mysterium (Geheimnis). Beide Wörter meinen dasselbe. Der heilige Paulus spricht von einem Geheimnis, das seit ewigen Zeiten unausgesprochen war (vgl. Röm 16:25). Gemeint ist Gottes Heilsplan: Durch Kreuz und Auferstehung Christi und durch das Wirken seiner Gnade in der Kirche wird die Gemeinschaft des Menschen mit Gott erneuert.1

Begriff
Sakrament (Mysterium)

Ein Sakrament ist eine heilige Handlung der Kirche. In ihr schenkt Gott durch das Gebet und durch sichtbare Zeichen – Wasser, heiliges Öl, Brot und Wein – die unsichtbare Gnade des Heiligen Geistes.

Warum braucht Gott dafür sichtbare Dinge? Der Mensch hat einen Leib und eine Seele. Gott verachtet die Materie nicht, er heiligt sie. Der Sohn Gottes hat selbst wirkliches Fleisch angenommen. So gebraucht der Heilige Geist das Sichtbare, um den unsichtbaren Segen zu schenken.2

Wer handelt in einem Sakrament? Der Priester spricht die Gebete, aber der eigentlich Handelnde ist Christus selbst. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty sagt: „Letztlich vollzieht Christus all diese Mysterien durch das Sakrament des Priestertums.“3 Darum hängt die Gnade eines Sakraments nicht an der Person des Priesters, sondern an Christus, der durch ihn handelt.

Die Kirche kennt sieben Sakramente: Taufe, Myronsalbung, Eucharistie, Buße und Beichte, Krankensalbung, Ehe und Priestertum.4 In allen wirkt Christus. Nicht jedes Sakrament ist für jeden verpflichtend: Nicht jeder heiratet, und nicht jeder wird geweiht. Taufe, Myronsalbung, Eucharistie und Beichte aber gehören zum Leben jedes Christen.

Hinweis

Die Emporhebung des Abend- und Morgenweihrauchs gehört nicht zu den sieben Sakramenten, auch wenn man sie manchmal so nennt; sie ist ein Gebetsgottesdienst der Kirche.

Die sieben Sakramente im Überblick

Tabelle 6 · Die sieben Sakramente
Sakrament Sichtbares Zeichen Gabe Gottes Spender
Taufe dreimaliges Untertauchen im geweihten Wasser Wiedergeburt, Vergebung der Sünden, Gotteskindschaft Priester oder Bischof
Myronsalbung Salbung mit dem heiligen Myron der Heilige Geist nimmt Wohnung im Getauften Priester oder Bischof
Eucharistie Brot und Wein, die wahrhaft Leib und Blut Christi werden Einheit mit Christus, Vergebung, ewiges Leben Priester oder Bischof
Buße und Beichte Bekenntnis vor Gott in Gegenwart des Priesters, Absolutionsgebet (Gebet der Lossprechung) Vergebung und Heilung der Seele Priester oder Bischof
Krankensalbung Gebet und Salbung mit Öl Heilung an Seele und Leib, Vergebung Priester oder Bischof
Ehe Gebete und Segen der Krönung (Trauung) Christus vereint Mann und Frau zu einem Fleisch Priester oder Bischof
Priestertum Handauflegung mit Gebet Gnade und Vollmacht für den Dienst Bischof

Taufe, Myronsalbung und Eucharistie – die Sakramente des Tauftages

Papst Tawadros II. schreibt über den Tag der Taufe: „Der Tag der Taufe ist ein einzigartiger Tag, weil das Kind drei Sakramente empfängt: Taufe, Myronsalbung und Eucharistie.“5 Diese drei Sakramente führen einen Menschen in das Leben der Kirche ein.

Die Taufe

In der Taufe wird der Täufling dreimal im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit in das Wasser eingetaucht.6 Der Herr selbst hat sie als Neugeburt bezeichnet:

Heilige Schrift

Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

Joh 3:5

Vor seiner Himmelfahrt gab Christus den Aposteln den Auftrag: „… geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28:19). Das Untertauchen hat einen tiefen Sinn: „Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben“ (Röm 6:4).

Die Taufe geschieht nur einmal. „Die Taufe ist eine geistliche Wiedergeburt. So wie der Mensch nur einmal leiblich geboren wird, wird er auch nur einmal geistlich geboren.“7 Die Kirche tauft auch Säuglinge. Das Heil ist ein Geschenk, das niemand verdienen kann, auch kein Erwachsener. Darum enthalten christliche Eltern ihren Kindern diese Gnade nicht vor.8

Die Taufe spendet der Priester oder der Bischof; durch ihn tauft Christus selbst.9 Christus hat das Taufen den Aposteln anvertraut, die Apostel übergaben es den Bischöfen, und diese beauftragten die Priester.10

Die Myronsalbung

Gleich nach der Taufe wird der Neugetaufte mit dem heiligen Myron gesalbt. Das Myron ist ein wohlriechendes Salböl, das der Papst gemeinsam mit den Bischöfen in einer mehrtägigen Liturgie weiht; jede Gemeinde erhält es aus dieser Weihe.11 Schon die Apostel beteten für die Getauften, dass sie den Heiligen Geist empfangen. In Samarien geschah es so: „Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist“ (Apg 8:17). Als die Zahl der Getauften wuchs, konnten die Apostel nicht mehr allen selbst die Hände auflegen; an ihre Stelle trat die Salbung mit dem Myron.12 Die Handauflegung gehört aber bis heute zum Ritus, also zur überlieferten Ordnung der Feier: Nach der Salbung legt der Priester jedem Getauften die Hände auf, haucht ihn an und spricht: „Empfange den Heiligen Geist.“13

Taufe und Myronsalbung werden am selben Tag gespendet, sind aber zwei verschiedene Sakramente:

Merksatz

In der Taufe empfangen wir die Wiedergeburt und die Vergebung der Sünden; in der Myronsalbung empfangen wir den Heiligen Geist, damit er in uns Wohnung nimmt.14

Die Eucharistie

Das Wort Eucharistie bedeutet „Danksagung“. In ihr empfangen wir den wahren Leib und das wahre Blut Christi. Sie ist „das Mysterium, das uns Gläubige mit dem Erlöser vereint, indem wir seinen Leib und sein Blut empfangen, die er für uns hingegeben hat“.15 Der Herr hat sie beim letzten Abendmahl eingesetzt: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22:19b). Und er verheißt: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm“ (Joh 6:56).

Brot und Wein werden in der Göttlichen Liturgie wirklich in den Leib und das Blut Christi verwandelt. Diese Verwandlung wirkt nicht der Mensch, sondern Christus selbst durch seinen Heiligen Geist.16 Wie die Liturgie aufgebaut ist und wie du dich auf die Kommunion vorbereitest, liest du in Kapitel 8 („Die Göttliche Liturgie – Aufbau und Lesungen“).

Das Sakrament der Buße und Beichte

Mit der Taufe ist der Kampf gegen die Sünde nicht vorbei. Auch Getaufte fallen. Darum hat Christus seiner Kirche einen Weg geschenkt, auf dem wir immer wieder gereinigt werden: das Sakrament der Buße und Beichte. Papst Schenouda III. nennt die Buße „die einzige Möglichkeit, unsere Sünden nach der Taufe zu tilgen“; darum haben manche sie „eine zweite Taufe“ genannt.17 Dabei gehören die Umkehr des Herzens und das Sakrament zusammen: Gott sieht und hört die ehrliche Reue unseres Herzens im Gebet in jedem Augenblick, und im Sakrament der Beichte empfangen wir durch den Dienst des Priesters die Lossprechung Christi (Joh 20:23).

Umkehr, Reue und Bekenntnis

Drei Wörter gehören zusammen:

  • Umkehr oder Buße ist die Rückkehr des Herzens zu Gott. „Da Sünde Trennung von Gott ist, dann ist Buße Rückkehr zu Gott.“18 Der verlorene Sohn sagte: „Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt“ (Lk 15:18).
  • Reue ist der Schmerz des Herzens über die Sünde.
  • Beichte ist das Bekenntnis der Sünden vor Gott in Gegenwart des Priesters.
Begriff
Umkehr (Buße)

„Buße ist also Verlassen der Sünde aus Liebe zu Gott und der Gerechtigkeit.“19 Wer eine Sünde nur aus Angst oder Verlegenheit lässt, ist noch nicht umgekehrt. Wahre Umkehr kommt aus der Liebe zu Gott.

Die Beichte ist also kein bloßer Bericht. Papst Schenouda III. schreibt: „Sie ist keine Abrechnung eines alten Kontos, um ein neues Konto zu eröffnen!“ Sie ist ein Zeichen der Umkehr; darum braucht der Beichtende „Demut, Reue und Unterwerfung“.20

Papst Schenouda III. nennt vier Arten des Bekenntnisses, die zusammengehören:21

  1. vor dir selbst: Du gibst dir ehrlich zu, dass du gesündigt hast;
  2. vor Gott im Gebet;
  3. vor dem Priester in der Beichte;
  4. vor dem Menschen, gegen den du gesündigt hast: Du bittest ihn um Vergebung und versöhnst dich mit ihm (Mt 5:23⁠–⁠24).

Warum vor dem Priester?

Manche fragen: „Kann ich meine Sünden nicht direkt Gott bekennen?“ Natürlich bekennst du sie Gott, jeden Tag. Aber Christus hat seinen Aposteln eine besondere Vollmacht gegeben:

Heilige Schrift

Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

Joh 20:21⁠–⁠23

Diese Vollmacht ist in der Kirche durch die Handauflegung weitergegeben worden. Im Sakrament der Beichte empfängt der Büßer darum „die Absolution von Gott durch den Mund des Priesters“.22 Schon im Neuen Testament bekannten die Menschen ihre Sünden vor anderen: bei Johannes dem Täufer (Mt 3:6) und bei den Aposteln (Apg 19:18). Darauf beruft sich der heilige Basilius: Die Sünden müssen denen gebeichtet werden, „denen die Ausspendung der Geheimnisse Gottes anvertraut ist“, also denen, die die Sakramente spenden.23

Die Vergebung kommt nicht vom Menschen. Papst Schenouda III. erklärt:

Aus der Lehre unserer Päpste

Der Priester ist nicht die Quelle der Vergebung, sondern ist der, der die Vergebung mitteilt. … Die Vergebung geschieht durch Gott; der Priester ist nur sein Verwalter. Deshalb sagt der Priester niemals zum Sünder: Ich vergebe dir, ich spreche dich los, sondern er sagt: „Gott spricht dich los“.24

– Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 7.4

Die Beichte vor dem Priester hat noch weitere Früchte. Du bekommst Rat für deinen geistlichen Weg. Du findest ein Herz, dem du anvertrauen kannst, was du sonst niemandem sagen würdest. Papst Schenouda III. schreibt: Beim Priester „findet man Vertrauen, geistliche Lösungen für Probleme und eine aufrichtige, helfende Hand, die mit aufrichtiger Liebe führt“. Wer in der Beichte sein Herz öffnet, wird vor Gott getröstet und kann neu anfangen.25

Der Beichtvater

Der Priester, bei dem du regelmäßig beichtest, ist dein Beichtvater. Papst Schenouda III. nennt den Menschen glücklich, der einen geistlichen Vater hat, der ihn führt, lehrt und ihm den geistlichen Weg erklärt.26

Der Katechismus vergleicht den Beichtvater mit dem Taufpaten: Beide sind „vor Gott für den Gläubigen verantwortlich“. Die Beichte ist darum eine Form der Jüngerschaft, also des Lernens bei einem geistlichen Vater.27 Papst Tawadros II. betont: Diese Jüngerschaft ist „eine geistliche Jüngerschaft und keine persönliche“. Die Gespräche mit dem Beichtvater sollen geistlicher Natur sein, „nicht Nachrichten, Geschichten und Diskussionen“.28

Dein Beichtvater führt dich. Das heißt aber nicht, dass du nicht mehr selbst denkst. Papst Schenouda III. rät, ihm keine fertigen Entscheidungen vorzulegen, sondern Fragen und Vorschläge, damit er dir raten kann.29

Beispiel

Anba Moses der Starke und sein Lehrer Isidor. Das Synaxarium erzählt: Moses war ein gewalttätiger Mann, Anführer einer Räuberbande. Er suchte den wahren Gott und kam zu den Mönchen der Sketis. Der heilige Makarius der Große taufte ihn. Als ihn später seine alten Sünden in Gedanken bedrängten, ging er zu seinem Lehrer, dem heiligen Isidor, und erzählte ihm davon. Dieser tröstete und ermutigte ihn und zeigte ihm, wie er die Versuchungen überwinden kann. Moses wurde ein großer Heiliger und starb als Märtyrer. Das Synaxarium schließt: „Betrachtet nun, ihr Geliebten, die Kraft der Reue und was sie bewirkt hat: Sie hat einen ungläubigen Sklaven, einen Mörder, Ehebrecher und Dieb verwandelt und zu einem Mönch, Lehrer, Priester und großen Heiligen gemacht.“30

Die Vorbereitung auf die Beichte

Eine gute Beichte beginnt nicht erst beim Priester. Papst Schenouda III. rät zu einer „Sitzung“ mit dir selbst: Nimm dir Zeit und Ruhe, sieh ehrlich auf dein Leben und frage dich, wo du gesündigt hast und was dich zur Sünde geführt hat.31 Diese Gewissenserforschung geschieht im Gebet. Du kannst dabei mit David beten: „Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen, beständigen Geist!“ (Ps 51:12; LXX 50). Dieser Psalm ist der 50. Psalm der Agpeya.

Hilfreiche Fragen für die Gewissenserforschung:

  • Wie steht es um mein Gebet, meine Schriftlesung und meinen Besuch der Göttlichen Liturgie?
  • Wie habe ich mit meinen Eltern, Geschwistern, Freunden und Kollegen gesprochen, und wie bin ich mit ihnen umgegangen?
  • Wo habe ich gelogen, verletzt, nicht vergeben oder jemandem nicht geholfen, obwohl ich es konnte?
  • Womit beschäftige ich mich in Gedanken, was sehe ich mir an, und was schreibe oder teile ich im Internet?
  • Was habe ich mir beim letzten Mal vorgenommen, und was ist daraus geworden?

Danach fasst du einen Vorsatz. Papst Schenouda III. warnt aber davor, daraus einen Schwur zu machen, so als könntest du dich allein aus eigener Kraft bessern. Du bittest Gott um Kraft, denn „ohne Ihn kannst du nichts tun“.32

Zur Vorbereitung gehört auch die Versöhnung. Wenn du jemandem Unrecht getan hast, gilt das Wort des Herrn: „… geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder“ (Mt 5:24b).

Wie die Beichte abläuft

Die Beichte geschieht beim Beichtvater, meist in der Kirche. Für den Ablauf gilt:

  1. Du beginnst mit Gebet. Du stehst vor Gott, nicht nur vor einem Menschen. Papst Tawadros II. schreibt, dass der Priester bei der Beichte das Kreuz in der Hand hält, „sodass das Kreuz zwischen ihm und dem Beichtenden ist“.33
  2. Du bekennst deine Sünden ehrlich und vollständig, ohne dich zu rechtfertigen und ohne die Schuld auf andere zu schieben. Erzähle „nicht nur die halbe Geschichte, sondern die ganze Geschichte“.34 Die Beichte ist auch keine Gelegenheit, sich über andere zu beschweren.
  3. Du erhältst Rat. „Die Beichte ist ein Gespräch.“35 Der Beichtvater hilft dir, die Ursachen deiner Sünden zu erkennen, und zeigt dir den nächsten Schritt.
  4. Der Priester betet das Absolutionsgebet. Du kniest nieder, und der Priester legt dir das Kreuz auf das Haupt. Während er betet, sprichst du den 50. Psalm der Agpeya und bittest um Vergebung. Die Absolution ist ein Gebet: Der Priester bittet Gott, dir die Sünden zu vergeben, und spricht: „Segne uns, reinige uns und sprich uns frei“.36 Gott spricht dich frei durch den Mund des Priesters und durch seinen Heiligen Geist.37
  5. Der Beichtvater begleitet dich. Er führt dich auf deinem geistlichen Weg und hilft dir bei der Buße. Im Einzelfall kann er dich bei schwerer Schuld väterlich von der heiligen Kommunion zurückhalten, bis die Umkehr geschehen ist.
  6. Danach lebst du die Umkehr. Wo möglich, machst du die Folgen deiner Sünde wieder gut.38 Gibt dir der Beichtvater eine Übung mit, etwa ein Gebet oder ein Fasten, dann ist sie ein Heilmittel, das dich auf dem rechten Weg stärkt, keine Bezahlung für die Sünde.39

Rücksicht gehört auch dazu: Bereite dich gut vor, damit die Beichte nicht unnötig lange dauert, denn andere warten nach dir.40

Heilige Schrift

Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.

1. Joh 1:9

Das Beichtgeheimnis

Was du in der Beichte sagst, bleibt geheim. Der Beichtvater behält für sich, was du ihm über deine Sünden anvertraust. Papst Schenouda III. bittet umgekehrt auch den Beichtenden, die persönlichen Weisungen seines Beichtvaters für sich zu behalten, „so wie er alles, was du über deine Sünden sagst, geheim hält“.41 Ebenso fragt man den Priester nicht nach der Beichte anderer, denn damit würde man sich „in das Beichtgeheimnis“ einmischen.42 Dieses Beichtgeheimnis schützt das Vertrauen, ohne das niemand ehrlich beichten könnte.

Wie oft beichten?

Umkehr ist keine Sache besonderer Anlässe. Papst Schenouda III. schreibt: „Wir alle brauchen Buße, brauchen sie jeden Tag, da wir jeden Tag sündigen.“43 Jeden Abend kannst du im Gebet vor Gott auf den Tag zurückblicken. Zur Beichte gehst du regelmäßig. Die Verbindung mit dem Beichtvater soll lebendig sein, „nicht nur zu einer bestimmten Zeit in der Woche, sondern ununterbrochen“.44 Als Hilfe nennt das Sakramentenbuch der Kirche eine Richtschnur: „Von einer Beichte zur anderen sollten nicht mehr als 40 Tage vergehen.“45 Das ist ein seelsorglicher Rat, kein Gesetz. Wie oft du beichtest, besprichst du mit deinem Beichtvater. Und wer länger nicht zur Beichte war, ist nicht verstoßen: Er kehrt im Gespräch mit dem Beichtvater zurück.

Beichte und heilige Kommunion

Beichte und Kommunion gehören eng zusammen. Papst Schenouda III. fasst es so: „Mit Buße bist du der Vergebung würdig, und mit der Beichte und der Heiligen Kommunion empfängst du diese.“46 Er warnt zugleich vor einem falschen Verständnis: als bestünde die Beichte nur darin, Sünden aufzuzählen und die Absolution zu bekommen, und damit sei die Sache erledigt. Ohne wahre Umkehr kann gerade die Leichtigkeit der Beichte zum Rückfall führen.47 Wer aber ehrlich umkehrt, geht mit reinem Gewissen und mit Frieden im Herzen fort.48

Merksatz

In der Beichte bekennst du deine Sünden vor Gott in Gegenwart des Priesters. Gott vergibt durch den Mund des Priesters. Der Beichtvater begleitet und führt dich auf deinem geistlichen Weg; im Einzelfall kann er dich bei schwerer Schuld väterlich von der heiligen Kommunion zurückhalten, bis die Umkehr geschehen ist.

Krankensalbung, Ehe und Priestertum

Die Krankensalbung

Die Krankensalbung gründet auf dem Wort des Apostels Jakobus:

Heilige Schrift

Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.

Jak 5:14⁠–⁠15

Der Katechismus sagt: „Die Kirche nimmt als Braut Anteil an den Schmerzen der Kranken.“ Darum beten Priester, Gemeinde und Familie für den Kranken, „damit er an Seele und Leib Heilung empfängt“.49 Das Sakrament ist nicht nur für Sterbende bestimmt, sondern für jeden Kranken. Vor der Salbung soll der Kranke beichten.50 Der Ritus heißt nach der Lampe, die dabei brennt, Gebet der Lampe (Kandil). Am letzten Freitag der Heiligen Vierzig Tage der Großen Fastenzeit betet die Kirche die Krankensalbung für die ganze Gemeinde.51

Die Kirche betet um Heilung, aber nach Gottes Willen. Wenn jemand krank bleibt, heißt das nicht, dass er zu wenig geglaubt hätte. Auch der heilige Paulus hörte: „Meine Gnade genügt dir“ (2. Kor 12:9a).52

Das Sakrament der heiligen Ehe

Im Sakrament der heiligen Ehe vereint Christus Mann und Frau. „Im Christentum ist die Ehe heilig und das Ehebett rein.“53 Die Ehe ist kein bloßer Vertrag, sondern ein Bund, der die Liebe zwischen Christus und seiner Kirche abbildet:

Heilige Schrift

Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.

Eph 5:31⁠–⁠32

Der Ritus der Trauung heißt Krönung: Der Priester betet über den Kronen und setzt sie dem Brautpaar auf mit den Worten: „Lege, o Herr, auf deine Diener: Kronen der Gnade, die nie versiegt.“54 So richtet die Kirche den Blick auf die „Krönung der Heiligen durch den himmlischen Bräutigam Jesus Christus“.55 Durch die heilige Ehe werden „unsere Häuser zu Kirchen“.56

Das Sakrament des Priestertums

Im Sakrament des Priestertums weiht der Bischof durch Handauflegung und Gebet die Diener des Altars. „Die Handauflegung ist ein Zeichen der Übertragung von Kraft – nicht von einem Menschen auf einen anderen, sondern von Gott“.57 Schon die Apostel setzten so Älteste ein: „In jeder Gemeinde bestellten sie durch Handauflegung Älteste und empfahlen sie mit Gebet und Fasten dem Herrn …“ (Apg 14:23). Paulus schreibt an Timotheus: „Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist“ (2. Tim 1:6b).

Das Priestertum hat drei Weihestufen: Bischof, Priester und Diakon. Auch der Diakonat ist eine Weihestufe des Priestertums. Priester und Diakone weiht der Bischof; einen Bischof weihen mehrere Bischöfe. Wie die kirchliche Ordnung aufgebaut ist, liest du in Kapitel 9 („Kirchliche Ordnung, Kirchenjahr und Gebetsleben“). Durch das Priestertum schenkt Christus seiner Kirche die übrigen Sakramente.

Hinweis
Zum Nachdenken
  • Wann hast du zuletzt bewusst an deine eigene Taufe gedacht? Was hat Gott dir an diesem Tag geschenkt?
  • Was hilft dir, ehrlich zu beichten, und was hält dich manchmal davon ab?
  • Wie könntest du einem Kind erklären, dass Gott in der Beichte vergibt und nicht der Priester aus eigener Macht?

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Sakrament (Mysterium) ist eine heilige Handlung der Kirche: Durch Gebet und sichtbare Zeichen schenkt Gott die unsichtbare Gnade des Heiligen Geistes. In allen Sakramenten wirkt Christus selbst.
  • Die sieben Sakramente sind Taufe, Myronsalbung, Eucharistie, Buße und Beichte, Krankensalbung, Ehe und Priestertum. Der Weihrauch ist kein Sakrament.
  • Die Sakramente spenden Bischof und Priester, das Sakrament des Priestertums jedoch nur der Bischof. In der Taufe empfangen wir die Wiedergeburt und die Vergebung der Sünden; in der Myronsalbung empfangen wir den Heiligen Geist, damit er in uns Wohnung nimmt.
  • Am Tag der Taufe empfängt ein Kind drei Sakramente: Taufe, Myronsalbung und Eucharistie.
  • Buße ist Rückkehr zu Gott aus Liebe. Die Beichte ist Bekenntnis vor Gott in Gegenwart des Priesters; die Absolution ist ein Gebet, durch das Gott vergibt.
  • Der Priester ist nicht die Quelle der Vergebung, sondern ist der, der die Vergebung mitteilt. Der Beichtvater ist zugleich geistlicher Führer.
  • Was in der Beichte gesagt wird, bleibt geheim.
  • Die Krankensalbung ist für Leib und Seele bestimmt; die Ehe ist ein heiliger Bund; im Priestertum weiht der Bischof Priester und Diakone, ein Bischof wird durch mehrere Bischöfe geweiht.

Im Kurs vertieft

  • Thema 23 („Umkehr, Beichte und geistlicher Kampf“): der geistliche Weg der Umkehr.
  • Thema 26 („Die Sakramente; Taufe und Myronsalbung“): die Lehre von den Sakramenten, Kindertaufe und Taufritus.
  • Thema 28 („Die Eucharistie und die Göttliche Liturgie“): die Lehre von der Eucharistie.
  • Thema 30 („Priestertum, Krankensalbung und Ehe“): diese drei Sakramente im Einzelnen.

Anmerkungen

  1. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 670.↑

  2. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 671.↑

  3. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 670.↑

  4. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 673.↑

  5. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 33.↑

  6. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 676.↑

  7. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 710.↑

  8. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 681.↑

  9. Vgl. Euchologion, S. 1220.↑

  10. Vgl. Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 1.2; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 689.↑

  11. Vgl. Die sieben Sakramente, S. 37⁠–⁠38; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 714.↑

  12. Vgl. Die sieben Sakramente, S. 37; Ritus des Taufsakraments, S. 75.↑

  13. Die sieben Sakramente, S. 40.↑

  14. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 715.↑

  15. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 764.↑

  16. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 778 und 780.↑

  17. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Eins, Abschnitt 1.↑

  18. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Eins, Abschnitt 1.↑

  19. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Eins, Abschnitt 1.↑

  20. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Vier, Nr. 1.↑

  21. Vgl. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Vier, Nr. 1; Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 7 „Beichte“.↑

  22. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Eins, Abschnitt 8.↑

  23. Basilius, 313 kurzgefasste Vorschriften, Nr. 288.↑

  24. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 7.4.↑

  25. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Eins, Abschnitt 8.↑

  26. Vgl. Papst Schenouda III., Jüngerschaft, Abschnitt „Von einem geistlichen Vater lernen“ (S. 55).↑

  27. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 761.↑

  28. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 34.↑

  29. Vgl. Papst Schenouda III., Jüngerschaft, Abschnitt „Von einem geistlichen Vater lernen“, Nr. 8 (S. 59).↑

  30. Synaxarium, 24. Bauna, S. 524⁠–⁠526.↑

  31. Vgl. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Drei, Nr. 1.↑

  32. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Drei, Nr. 1; vgl. Joh 15:5.↑

  33. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 34.↑

  34. Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 7 „Beichte“, Abschnitt „Ratschläge für Beichtende“, Nr. 14; vgl. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Vier, Nr. 1.↑

  35. Die sieben Sakramente, S. 47.↑

  36. Die sieben Sakramente, S. 47⁠–⁠48.↑

  37. Vgl. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 7.4⁠–⁠7.5.↑

  38. Vgl. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Vier, Nr. 6.↑

  39. Vgl. Die sieben Sakramente, S. 56.↑

  40. Vgl. Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 7, „Ratschläge für Beichtende“, Nr. 1.↑

  41. Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 7, „Ratschläge für Beichtende“, Nr. 3.↑

  42. Ebd., Nr. 9.↑

  43. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Vorwort (S. 8).↑

  44. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 761.↑

  45. Die sieben Sakramente, S. 58.↑

  46. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Eins, Abschnitt 8.↑

  47. Vgl. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Sechs, Abschnitt „Andere Mittel“.↑

  48. Vgl. ebd., Teil Eins, Abschnitt 8.↑

  49. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 867.↑

  50. Vgl. Die sieben Sakramente, S. 98 und 103.↑

  51. Vgl. ebd., S. 103.↑

  52. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 867.↑

  53. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 845.↑

  54. Die sieben Sakramente, S. 112.↑

  55. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 673 e.↑

  56. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 670.↑

  57. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 717.↑

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