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Kapitel 10

Der Diener – Verhalten und Vorbild

Was es heißt, in der Kirche Kindern zu dienen

14 Min. Lesezeit

In diesem Kapitel

  1. Du kannst erklären, wer ein Diener ist, wozu der Dienst da ist und woraus er lebt.
  2. Du kannst die fünf Bereiche nennen, in denen der Diener nach 1. Tim 4:12 Vorbild ist, und dein Verhalten in digitalen Medien daran ausrichten.
  3. Du kannst beschreiben, wie sich ein Diener gegenüber Kindern, Eltern, Priester und Mitdienern verhält.
  4. Du kannst die Haltung des Dieners in Nähe und Distanz beschreiben und weißt, dass Verschwiegenheit eine Grenze hat.
Inhalt

Bald stehst du selbst vor einer Klasse der Sonntagsschule oder übernimmst einen anderen Dienst in der Kirche. Die Kinder und alle, denen du dienst, werden nicht nur hören, was du sagst. Sie werden sehen, wie du betest, wie du sprichst, wie du mit ihnen und mit anderen umgehst. Ein Diener dient zuerst mit seinem Leben, dann mit seinen Worten.

Heilige Schrift

Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören.

1. Tim 4:16

Wer ein Diener ist

Papst Tawadros II. schreibt: „Mit ‚Diener‘ sind nicht nur die Diener der Sonntagsschule gemeint. Jede Person, die in die Kirche kommt, ist ein Diener.“1 Jeder Christ dient in der Kirche auf seine Weise. Darum bereitet dich der Dienerkurs nicht nur auf die Sonntagsschule vor, sondern darauf, überall als Diener zu leben: im Umgang mit Kindern, Jugendlichen und Älteren (vgl. 1. Tim 5:1⁠–⁠2), in der Familie und in der Gesellschaft; und wer ins Kloster gerufen wird, lebt so als Mönch unter Brüdern, als Nonne unter Schwestern.

Begriff
Diener / Dienerin

Ein Diener oder eine Dienerin im engeren Sinn ist, wer in der Sonntagsschule und in der Jugendarbeit Kinder und Jugendliche geistlich begleitet und im Glauben unterweist.

Was ist das Ziel dieses Dienstes? Papst Tawadros II. antwortet: „Wir können Aktivitäten und Kirchenfeiern organisieren. Das ist alles gut. Aber das Hauptziel mit höchster Priorität ist, dass die Menschen, die an den Sonntagsschulklassen … teilnehmen, einen Anteil am Himmel haben.“2 Der Dienst ist also mehr als Wissensvermittlung. Papst Schenouda III. sagt: Der Dienst „ist vor allem anderen Geist. Er ist der Geist des Dieners, den er seinen Kindern weitergibt, … er ist sein Herz vor seiner Zunge“.3

Berufen und gesandt

Wie wird man Diener? Manche spüren eine klare Berufung. Bei anderen brennt im Herzen eine Liebe zum Dienst, der sie nicht widerstehen können. Papst Schenouda III. nennt dieses innere Feuer einen göttlichen Ruf durch das Wirken der Gnade. Er fügt aber hinzu: Die Ziele müssen gesund und die Mittel geistlich sein, und der Diener darf „in seinem Dienst an Gott nicht unabhängig von der Kirche“ handeln.4 Den Dienst übernimmt man darum nicht auf eigene Faust. „Gehe zur Kirche, damit sie dich aussendet“, rät Papst Schenouda III.5 Beginn und Ende eines Dienstes besprichst du immer mit deinem Beichtvater und mit der Leitung des Dienstes. Der Dienerkurs ist ein Teil dieses Weges.

Dienst beginnt mit Jüngerschaft, also mit Nachfolge. „Das Leben des Dienstes … beginnt mit Jüngerschaft. Und je tiefer der Einzelne in seiner Jüngerschaft geht, desto erfolgreicher und effektiver ist sein Dienst.“6 Bevor der auferstandene Herr Petrus den Auftrag gab, fragte er ihn: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Erst nach der Antwort sagte er: „Weide meine Lämmer!“ (Joh 21:15b).

Das geistliche Leben des Dieners

Du kannst nur weitergeben, was du selbst empfangen hast. Papst Schenouda III. schreibt in The Spiritual Ministry: „Wenn die Diener die Lektion nicht selbst für sich nutzen, kann diese Lektion niemals auf die Kinder wirken.“7 Zum geistlichen Leben des Dieners gehören:

  • Gebet – das persönliche Gebet und die Gebetszeiten der Agpeya (siehe Kapitel 9 „Kirchliche Ordnung, Kirchenjahr und Gebetsleben“);
  • Schriftlesung – täglich, nicht nur zur Vorbereitung der Lektion;
  • Beichte und Kommunion – regelmäßig, mit einem Beichtvater, der dich kennt und begleitet (siehe Kapitel 7 „Die sieben Sakramente – Beichte ausführlich“);
  • Fasten mit der Kirche und
  • eine geistliche Regel: ein persönlicher Plan für Gebet, Lesung, Fasten und Dienst, den du mit deinem Beichtvater besprichst.

Der Dienst ist kein Ersatz für die eigene Umkehr. Papst Schenouda III. warnt: „Wenn du in den Dienst trittst, erlaube dir nicht, deine Sünden zu vergessen. Lass nicht zu, dass dein Erfolg in irgendeiner geistlichen Arbeit dich deine Tränen und deine Reue vergessen lässt.“8 Er rät zur täglichen Selbstprüfung: „Frag dich jeden Tag, ob du einen neuen Beitrag zu dem Reich Gottes leistest und dessen Ertrag vergrößerst? Und ob du in der Lage warst, das Wort Gottes an andere weiterzugeben?“9

Vorbild in Wort und Wandel

Paulus schrieb dem jungen Timotheus einen Vers, der jedem Diener gilt:

Heilige Schrift

Niemand soll dich wegen deiner Jugend gering schätzen. Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit.

1. Tim 4:12

Der Vers nennt fünf Bereiche:

  1. Worte: freundlich, wahr, ohne Spott und Schimpfwörter. „Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt“ (Eph 4:29a).
  2. Lebenswandel: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, angemessene Kleidung, ein Leben, das zu dem passt, was du lehrst – in der Kirche und außerhalb.
  3. Liebe: zu allen Kindern, auch zu den schwierigen und zu denen, die selten kommen.
  4. Glaube: Vertrauen auf Gott, auch wenn der Dienst schwer wird.
  5. Lauterkeit: reine Absichten, Ehrlichkeit und Reinheit im Denken und Handeln.

Warum ist das Vorbild so wichtig? Papst Schenouda III. antwortet:

Aus der Lehre unserer Päpste

Was Menschen von deinem Leben und Verhaltensmodell sehen, hat einen größeren Einfluss auf sie als das, was sie von deinen Predigten und Ratschlägen hören.10

– Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3, Abschnitt „Begleitet von einem guten Lebensstil“

Er fügt ein einprägsames Bild hinzu: „Sei nicht wie Glocken, die Menschen rufen, in die Kirche zu kommen, aber selbst nie die Kirche betreten.“11 Und er warnt vor einer düsteren Frömmigkeit, die nie lacht und nie lächelt. Kinder sollen am Diener sehen, dass ein Leben mit Gott ein Leben der Freude und des Friedens ist.12

Vorbild auch online

Dein Vorbild endet nicht an der Kirchentür. Kinder, Jugendliche und Eltern sehen auch, was du in sozialen Medien zeigst, teilst und kommentierst. Frag dich vor jedem Beitrag: Würde ich das auch in der Kirche vor den Kindern sagen oder zeigen? Was du online schreibst, ist ein Teil deiner „Worte“ und deines „Lebenswandels“ nach 1. Tim 4:12. Fällt dir dort etwas auf, das dich um ein Kind oder einen Jugendlichen besorgt, sprichst du mit Abuna.

Im Umgang mit den Kindern

Jesus wurde unwillig, als die Jünger die Kinder abweisen wollten: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes“ (Mk 10:14b). Papst Schenouda III. gibt in seinem Buch Wie man mit den Kindern umgeht viele Ratschläge, die im Dienst ebenso gelten wie in der Familie. Einige davon:

  • Begib dich auf ihre Ebene. „Du musst also für das Kind zum Kind werden, damit du das Kind gewinnen kannst.“13
  • Liebe zuerst. „Nachdem du ihre Liebe gewonnen hast, kannst du ihnen beibringen, was sie wissen müssen oder was für sie geeignet ist.“14 Liebe ohne Bevorzugung: Jedes Kind soll spüren, dass es dir wichtig ist. „Lass sie also deine Liebe spüren“, schreibt Papst Schenouda III. auch in Heiliger Eifer.15
  • Lob und Würde. „Du gewinnst das Kind durch Lob.“ Und: „Ein Kind ist sehr auf seine Würde bedacht und mag es nicht, wenn es wegen seiner Fehler gedemütigt wird.“16 Stelle kein Kind vor den anderen bloß.
  • Ehrlichkeit. Ein Kind vertraut dir, wenn du ehrlich zu ihm bist, auch in dem, was du ihm erzählst.17
  • Kein Prüfer sein. „Bei Kindern dürfen wir nicht den Ansatz eines ‚Inspektors‘ oder ‚Prüfers‘ wählen, denn das ist ein falsches Vorgehen.“18 Das Kind soll sich bei dir angenommen fühlen, nicht kontrolliert.
  • Altersgerecht erzählen. Der Unterricht soll „dem Alter, der Mentalität, den Umständen und den Fähigkeiten der Kinder“ angepasst sein.19 Von den Märtyrern erzählst du kleinen Kindern nicht die Qualen, sondern ihren Mut.20

Zum Dienst gehört auch das Nachgehen. Wenn ein Kind mehrere Wochen nicht kommt, fragt der Diener nach: mit einem Anruf bei den Eltern oder mit einem Hausbesuch (Eftekad). Der Hausbesuch ist eine Gelegenheit, die Familie kennenzulernen und dem Kind zu zeigen, dass es vermisst wird. Er geschieht nur nach Absprache mit Abuna und mit den Eltern; empfohlen ist, zu zweit zu gehen.

Besonders wichtig ist, wie du einem Kind von Gott erzählst. Papst Schenouda III. schreibt dem Diener über das Kind:

Aus der Lehre unserer Päpste

Hüte dich auch davor, ihn einzuschüchtern. Mache ihm keine Angst vor Gott und den Kirchenvätern.21

– Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Einschüchterung“ (S. 36)

Zeichne dem Kind also nicht das Bild eines Gottes, der darauf wartet, es zu bestrafen, oder der nicht verzeiht, oder dessen Liebe es verlieren könnte.22 Schon Paulus mahnt: „Ihr Väter, schüchtert eure Kinder nicht ein, damit sie nicht mutlos werden“ (Kol 3:21). Und der Herr sagt: „Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten!“ (Mt 18:10a).

Im Umgang mit Eltern, Priester und Mitdienern

Die Eltern

Die erste Verantwortung für ein Kind tragen seine Eltern. Papst Schenouda III. schreibt: Es ist falsch, wenn Familien die religiöse Erziehung ganz der Sonntagsschule überlassen, denn „die Eltern tragen die Verantwortung für ihr Kind“.23 Der Diener ersetzt die Eltern nicht, er unterstützt sie. Begegne den Eltern mit Respekt. Sprich wichtige Dinge mit ihnen ab, etwa Besuche und Ausflüge, und frag sie vorher, was du über ihr Kind wissen musst. Sprich über ein Kind nie schlecht vor anderen.

Der Priester

Der Diener arbeitet in der Kirche, nicht neben ihr. Der Priester ist der Vater der Gemeinde (siehe Kapitel 9 „Kirchliche Ordnung, Kirchenjahr und Gebetsleben“). „Die Priester können nicht alles allein tun. Alle müssen ihnen helfen und mit ihnen zusammenarbeiten.“24 Darum stimmst du deinen Dienst mit dem Priester und der Dienstleitung ab, bittest um seinen Rat und informierst ihn über wichtige Dinge. Für diese Zusammenarbeit gilt: „Gehorcht euren Vorstehern und ordnet euch ihnen unter, denn sie wachen über euch und müssen Rechenschaft darüber ablegen“ (Hebr 13:17a).

Die Mitdiener

Ein Diener dient nie allein. Streit im Dienst schadet dem Reich Gottes. Papst Schenouda III. klagt, dass wir das Wachstum des Reiches manchmal behindern „durch unsere Negativität, unsere Kämpfe gegeneinander im Dienst, durch unsere laue Haltung“.25 Darum: Freu dich über den Erfolg anderer. Sprich Konflikte offen und freundlich an, nicht hinter dem Rücken. „In Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst“ (Phil 2:3b).

Der Herr hat seinen Jüngern die Füße gewaschen und gesagt: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh 13:15). Papst Tawadros II. zieht daraus eine Lehre für jeden Diener:

Aus der Lehre unserer Päpste

In der Kirche gibt es keine Beförderungen. Das ist ein weltliches Konzept. Aber das spirituelle Konzept von Beförderungen in der Kirche und im Dienst besteht darin, sich zu bücken, um die Füße zu erreichen. Je mehr Verantwortung Sie tragen, desto mehr müssen Sie sich beugen.26

– Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 55

Nähe und Distanz

Eltern vertrauen der Kirche ihre Kinder an. Dieses Vertrauen bewahrst du zuerst durch deine Haltung.

Begriff
Nähe und Distanz

Nähe und Distanz bezeichnen das richtige Maß im Umgang mit Kindern und Jugendlichen: so viel Zuwendung, dass sie sich angenommen fühlen, und so viel Abstand, dass ihre Grenzen, ihre Würde und ihr Wille immer geachtet bleiben.

Eine Grundregel des Dienstes hilft dabei: Um die Mädchen kümmern sich die Dienerinnen, um die Burschen die Diener. Darum dienen in jeder Klasse Dienerinnen und Diener gemeinsam.

  • Kein falsches Wort. Du machst keine Bemerkungen über den Körper oder das Aussehen eines Kindes, auch nicht im Scherz. Du gibst niemandem einen kränkenden Spitznamen und erzählst keine zweideutigen Witze.
  • Keine falsche Berührung. Christus hat die Kinder in seine Arme genommen (Mk 10:16); Liebe zu Kindern darf warm sein. Eine Berührung ist aber nur recht, wenn sie dem Alter entspricht und offen geschieht. Das Nein eines Kindes gilt immer. Sein Ja macht aber nicht jede Nähe richtig: Den Rahmen setzt der Diener, nicht das Kind.
  • Keine Heimlichkeit. Du suchst keine heimliche Sonderbeziehung zu einem Kind, auch nicht am Handy. In Nachrichten gehst du achtsam mit den Kindern um und schreibst nichts, was die Eltern nicht lesen dürften.
  • Respekt vor dem Kind. Du strafst nicht; Erziehung – auch mit angemessenen Konsequenzen – ist Sache der Eltern. Für Ordnung sorgst du mit Ruhe, Lob, gemeinsam vereinbarten Regeln und einem freundlichen Gespräch.

Im Zweifel ist Zurückhaltung die bessere Form der Liebe. Diese Haltung schützt die Kinder, und sie hilft dir, aufrichtig und ohne Heimlichkeit zu dienen.

Verschwiegenheit und ihre Grenzen

Kinder und Jugendliche werden dir manches anvertrauen. Was sie dir sagen, behandelst du vertraulich. „Wer als Verleumder umhergeht, gibt Geheimnisse preis, der Verlässliche behält eine Sache für sich“ (Spr 11:13). Ein weiser Diener gibt die Geheimnisse derer nicht preis, die sich ihm anvertrauen.27

Verschwiegenheit hat aber eine Grenze: den Schutz des Kindes. Wenn ein Kind in Not oder in Gefahr ist oder dir von Gewalt oder Missbrauch erzählt, behältst du das nicht für dich. Versprich darum nie: „Ich sage es niemandem.“ Ein solches Versprechen könntest du vielleicht nicht halten.28 Sag stattdessen: „Ich hole mir Hilfe, damit es dir gut geht.“ Hör ruhig zu, frag das Kind nicht aus und sprich mit Abuna über deine Sorge; die Leitung des Dienstes steht dir dabei zur Seite. Der Priester zieht je nach Lage die Eltern und weitere Hilfen hinzu. Was dem Kind peinlich ist oder aus seinem Elternhaus kommt, klärt er mit den Eltern, nicht du. Darüber sprichst du nur mit denen, deren Hilfe für das Kind nötig ist.

Ist ein Kind in akuter Gefahr, etwa wenn es verletzt ist oder davon spricht, sich etwas anzutun, wartest du nicht: Du handelst selbst und sofort, rufst den Notruf, holst Hilfe und lässt das Kind nicht allein. Danach sprichst du mit Abuna.

Merksatz

Der Diener liebt die Kinder und schützt sie. Er achtet Nähe und Distanz: kein falsches Wort, keine falsche Berührung, keine Heimlichkeit. Ist ein Kind in Not, verspricht er keine Geheimhaltung und spricht mit dem Priester. Bei akuter Gefahr handelt er selbst und sofort und ruft den Notruf.

Gaben im Dienst

Nicht jeder Diener ist gleich. Der eine erzählt lebendig, der andere singt, ein dritter kann gut zuhören oder organisieren. Paulus schreibt: „Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn“ (1. Kor 12:4⁠–⁠5). Und Petrus mahnt: „Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat“ (1. Petr 4:10).

Du musst also nicht einen anderen Diener kopieren. Entdecke deine eigenen Gaben und setze sie für die Kinder ein. Sprich darüber mit deinem Beichtvater und mit erfahrenen Dienern. Auch ein guter geistlicher Führer versucht nicht, den Charakter dessen auszulöschen, den er begleitet.29 Und vergiss nicht: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“ (Mt 20:26b).

Beispiel

Der heilige Erzdiakon Habib Girgis. Die Kirche gedenkt seiner am 15. Misra.30 Papst Schenouda III. erzählt: Habib Girgis lebte in einer Zeit, in der es kaum Lehrer des Glaubens gab. Er lehrte am Theologischen Seminar, der Schule der Kirche für Priester und Prediger, schrieb Bücher und Lehrbücher für den Religionsunterricht und kümmerte sich um die Gründung von Sonntagsschulen. Er ermutigte viele, mitzuhelfen, und Tausende wurden Lehrer. Über seine Art schreibt Papst Schenouda III.: „Es kam nie vor, dass er die Schwachen kritisierte, oder diejenigen, die in seiner Ära in die Irre gegangen waren. Aber wenn er jemals einen Mangel oder Fehler fand, versuchte er, ihn zu beheben, ohne jemanden zu verurteilen.“31

Hinweis
Zum Nachdenken
  • Welcher Diener oder welche Dienerin hat dich als Kind geprägt? Was hat er oder sie getan?
  • In welchem der fünf Bereiche von 1. Tim 4:12 möchtest du in diesem Jahr wachsen?
  • Was zeigt dein letzter Beitrag in sozialen Medien einem Kind, dem du dienst?

Das Wichtigste in Kürze

  • Jeder, der in die Kirche kommt, ist ein Diener. Der Diener begleitet Kinder und Jugendliche, damit sie einen Anteil am Himmel haben.
  • Der Dienst beginnt mit Jüngerschaft. Man dient in der Kirche und von ihr gesandt, nicht auf eigene Faust.
  • Der Diener lebt aus Gebet, Schriftlesung, Beichte, Kommunion und Fasten und hat einen Beichtvater.
  • Nach 1. Tim 4:12 ist der Diener Vorbild in Worten, Lebenswandel, Liebe, Glauben und Lauterkeit – auch online.
  • Der Diener liebt alle Kinder ohne Bevorzugung, lobt, demütigt nicht und macht keine Angst vor Gott.
  • Der Diener unterstützt die Eltern, arbeitet mit dem Priester zusammen und dient in Demut mit den Mitdienern.
  • Der Diener achtet Nähe und Distanz: kein falsches Wort, keine falsche Berührung, keine Heimlichkeit, keine Strafen. Um die Mädchen kümmern sich die Dienerinnen, um die Burschen die Diener.
  • Verschwiegenheit hat ihre Grenze beim Schutz des Kindes: Ist ein Kind in Not, spricht der Diener mit dem Priester. Bei akuter Gefahr handelt er selbst und sofort und ruft den Notruf.

Im Kurs vertieft

  • Thema 1 („Berufen zum Dienst“): Berufung und Bild des Dieners.
  • Thema 2 („Vorbild, Verhalten und Schutz“): Vorbild in Fallbeispielen, Nähe und Distanz im Einzelnen.
  • Thema 3 („Die Sonntagsschullektion“): Vorbereitung und Aufbau einer Lektion.
  • Thema 4 („Das geistliche Leben des Dieners“): Gebet, geistliche Regel und Beichtvater.
  • Thema 21 („Der geistliche Dienst“): die Spiritualität des Dienstes.

Anmerkungen

  1. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 22.↑

  2. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 24.↑

  3. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 14.↑

  4. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitt „Hindernisse für den Eifer“.↑

  5. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 10.5.↑

  6. Papst Schenouda III., Jüngerschaft, Schlusswort (S. 66).↑

  7. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 15.↑

  8. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Vier, Nr. 5.↑

  9. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3, Abschnitt „Ein fruchtbarer und aktiver Eifer“.↑

  10. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3, Abschnitt „Begleitet von einem guten Lebensstil“.↑

  11. Ebd.↑

  12. Vgl. ebd.↑

  13. Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Dich auf sein Niveau herablassen“ (S. 13).↑

  14. Ebd., Abschnitt „Der Liebesfaktor“ (S. 29).↑

  15. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitt „Liebe zu den Menschen und Mitgefühl für sie“.↑

  16. Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Lob und Ermutigung“ (S. 34⁠–⁠35).↑

  17. Vgl. ebd., Abschnitt „Die Wahrheit“ (S. 31).↑

  18. Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Angelegenheit des Kindes“ (S. 38).↑

  19. Ebd., Abschnitt „Der richtige Unterricht“ (S. 50).↑

  20. Vgl. ebd., Abschnitt „Wie man die Geschichten von Märtyrern erzählt“ (S. 55).↑

  21. Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Einschüchterung“ (S. 36).↑

  22. Vgl. ebd.↑

  23. Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Sonntagsschulen“ (S. 48).↑

  24. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitt „Hindernisse für den Eifer“.↑

  25. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 1, Abschnitt „Partnerschaft mit Gott“.↑

  26. Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 55.↑

  27. Vgl. Abuna Daoud Lamei, The Harvest is Plentiful, Kap. 6.↑

  28. Vgl. ebd.↑

  29. Vgl. Papst Schenouda III., Jüngerschaft, Abschnitt „Von einem geistlichen Vater lernen“, Nr. 5 (S. 57).↑

  30. Vgl. Synaxarium, 15. Misra, Die Entschlafung des heiligen Erzdiakons Habib Girgis, S. 606.↑

  31. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 4, Abschnitt „Erzdiakon Habib Girgis“.↑

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