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Kapitel 9

Kirchliche Ordnung, Kirchenjahr und Gebetsleben

Wie die Kirche geordnet ist und wie sie die Zeit heiligt

14 Min. Lesezeit

In diesem Kapitel

  1. Du kannst die drei Weihestufen Bischof, Priester und Diakon von den Rangstufen und den Diakonatsstufen unterscheiden.
  2. Du kannst die Aufgaben von Bischof, Priester und Diakon und die Stellung der Heiligen Synode und der Diözese beschreiben.
  3. Du kannst die koptischen Monate nennen und die großen Feste und Fastenzeiten des Kirchenjahres einordnen.
  4. Du kannst die sieben Gebetszeiten der Agpeya und das Schleiergebet der Mönche nennen und sagen, woran jede Gebetszeit erinnert.
Inhalt

Die Kirche ist eine Familie, und jede Familie hat ihre Ordnung. Paulus schreibt: „Doch alles soll in Anstand und Ordnung geschehen“ (1. Kor 14:40). Zu dieser Ordnung gehören die Dienste in der Kirche und der Kirchenraum, das Jahr mit seinen Festen und Fasten und der Tag mit seinen Gebetszeiten. Als Diener arbeitest du mit dem Priester zusammen, und in deinem Dienst wie in der Familie führst du Kinder in das Leben der Kirche ein.

Die kirchliche Ordnung

Drei Weihestufen

Das Sakrament des Priestertums kennt drei Weihestufen: Bischof, Priester und Diakon. Papst Schenouda III. schreibt über sie: „Alle Grade sind vorgeschrieben und stehen in der Heiligen Schrift. Wir meinen das Amt der Bischöfe, die Weihegrade des Priestertums und die der Diakone.“ Er fasst ihre Aufgaben so zusammen: „Die Bischöfe sind Hirten / Die Priester sind Lehrer / Die Diakone sind Diener“.1

Das Neue Testament bezeugt bereits alle drei Weihestufen in ihrem Dienst und ihrer geistlichen Vollmacht:

  • das Bischofsamt in den Aposteln und ihren Nachfolgern wie Timotheus und Titus, die Älteste einsetzten und über die Gemeinden wachten (Apg 1:20; 1. Tim 3:1⁠–⁠7; 5:19⁠–⁠22; Tit 1:5);
  • das Priesteramt der durch Handauflegung eingesetzten Ältesten (Presbyter): Paulus und Barnabas bestellten „in jeder Gemeinde … durch Handauflegung Älteste“ (Apg 14:23a; vgl. 1. Tim 5:17; Jak 5:14);
  • den Diakonat: Die Gläubigen ließen die erwählten Männer „vor die Apostel hintreten und diese beteten und legten ihnen die Hände auf“ (Apg 6:6; vgl. 1. Tim 3:8⁠–⁠13).

In den Briefen des heiligen Ignatius von Antiochien, der um das Jahr 110 als Märtyrer starb, begegnen uns diese drei Stufen schon als feste Ordnung der Kirche: „Gleicherweise sollen alle die Diakonen achten wie Jesus Christus, wie auch den Bischof als das Abbild des Vaters, die Presbyter aber wie eine Ratsversammlung Gottes und wie einen Bund von Aposteln. Getrennt von diesen kann man von keiner Kirche reden.“2

Tabelle 10 · Die drei Weihestufen
Weihestufe Aufgabe wer weiht
Bischof Hirte einer Diözese, Nachfolger der Apostel; weiht Priester und Diakone zwei oder drei Bischöfe
Priester (Presbyter) feiert die Sakramente, lehrt und begleitet die Gemeinde als Vater der Bischof
Diakon dient am Altar und in der Gemeinde, hilft dem Priester der Bischof

Die Bischöfe sind „Nachfolger der Apostel. Der Heilige Geist bestellte sie zu Hirten“.3 Durch die ununterbrochene Handauflegung von den Aposteln bis heute ist es „dasselbe Priestertum in seinen verschiedenen Stufen, das der Herr seinen Aposteln gab“.4

Rangstufen: verschiedene Ränge innerhalb einer Weihestufe

Neben den drei Weihestufen gibt es Rangstufen. Sie sind keine neuen Weihestufen, sondern Ränge und Aufgaben innerhalb derselben Stufe.

  • Innerhalb des Bischofsamtes: Der Papst von Alexandrien ist ein Bischof. Sein voller Titel lautet „Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhls des heiligen Markus“.5 Ein Patriarch ist der Bischof einer großen, alten Hauptkirche, der den Bischöfen eines weiten Gebiets vorsteht; der „Stuhl“ des heiligen Markus ist das Amt, das auf Markus zurückgeht. Papst Tawadros II. ist der 118. Papst.6 Auch Metropoliten und Generalbischöfe sind Bischöfe.
  • Innerhalb des Priesteramtes: Der Hegumenos (Erzpriester) ist ein Priester, dem der Bischof diesen Ehrenrang verleiht.7 Er bleibt Priester; er wird nicht ein zweites Mal zum Priester geweiht.

Die Diakonatsstufen

In unserer Kirche umfasst die Ordnung des Diakonats fünf Stufen:

  1. Epsaltos (Sänger)
  2. Anagnostis (Leser)
  3. Hypodiakon (Subdiakon; in unseren Gemeinden Epidiakon genannt)
  4. Diakon
  5. Archidiakon (Erzdiakon)

Die ersten drei sind vorbereitende liturgische Dienststufen; in sie setzt der Bischof die Kandidaten durch Gebet und Segnung ein.8 Erst die vierte Stufe ist der volle Diakon (mit dem Archidiakon als Vorsteher): Er empfängt die Weihe durch Handauflegung und gehört damit im engeren Sinn zu den drei Weihestufen des Klerus. Papst Tawadros II. nennt den Klerus „Gottes Anteil“; dazu zählt er „den (vollständigen oder geweihten) Diakon, Priester und den Bischof“.9 Vielleicht dient auch ein Junge aus deiner Klasse oder deiner Gemeinde schon als Epsaltos (Sänger) im Diakonenchor unserer Kirche.

Merksatz

Es gibt drei Weihestufen: Bischof, Priester, Diakon. Papst, Metropolit und Generalbischof sind Bischöfe; der Hegumenos ist ein Priester. Epsaltos, Anagnostis, Hypodiakon, Diakon und Archidiakon sind die Diakonatsstufen; die ersten drei sind vorbereitende Dienststufen.

Die Heilige Synode

Begriff
Heilige Synode

Die Heilige Synode ist die Versammlung der Bischöfe unter dem Vorsitz des Papstes. Sie entscheidet über Lehre, Ritus (die überlieferte Form der Gottesdienste) und Ordnung der ganzen Kirche.

Zu ihr gehören „Väter, Metropoliten und Bischöfe“.10 Ein Beispiel für ihre Arbeit: Die Heilige Synode unter dem Vorsitz von Papst Tawadros II. hat beschlossen, den 8. Amschir als Gedenktag für alle Märtyrer der koptischen Kirche in der neueren Zeit festzulegen.11

Diözese und Gemeinde

Die Kirche ist in Diözesen gegliedert. Jeder Diözese steht ein Bischof vor. In den Gemeinden dienen Priester, die vom Bischof geweiht und gesandt sind.

Die Anreden kennst du: Einen Priester nennen wir Abuna („unser Vater“), etwa „Abuna Markus“. Bischöfe und große Heilige tragen den Titel Anba, etwa „Anba Gabriel“ oder „der heilige Anba Antonius“. Vor diesen Titeln steht kein Artikel. Förmlich sagt man „Seine Heiligkeit Papst Tawadros II.“ und „Seine Eminenz Bischof Anba Gabriel“.12

Der Priester ist für seine Gemeinde ein Vater. Papst Tawadros II. schreibt: „Der Priester ist kein Präsident, kein Manager oder eine Person, die nicht in der Nähe des Volkes ist, er ist ein Vater.“13 Jeder Gläubige hat einen Beichtvater, der ihn geistlich begleitet (siehe Kapitel 7 „Die sieben Sakramente – Beichte ausführlich“). Auch der Dienst in der Sonntagsschule und jeder andere Dienst geschieht in dieser Ordnung. Papst Schenouda III. betont: Die geistliche Arbeit ist Verantwortung des Klerus, „aber die Priester können nicht alles allein tun. Alle müssen ihnen helfen und mit ihnen zusammenarbeiten“.14 Christus selbst „gab … andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi“ (Eph 4:11⁠–⁠12).

Der Kirchenraum in Kürze

Eine koptische Kirche ist nach Osten ausgerichtet. Papst Tawadros II. erklärt: „Wir schauen beziehungsweise beten nach Osten, da Jesus Christus auch von Osten wieder kommen wird.“15

  • Das Heiligtum (Altarraum) liegt im Osten. Dort steht der Altar, auf dem die Eucharistie dargebracht wird. Das Heiligtum stellt den Himmel dar.16
  • Die Ikonostase ist die Wand mit Ikonen des Herrn, der Engel und der Heiligen. Sie trennt das Heiligtum vom Kirchenschiff.17
  • Im Kirchenschiff steht die Gemeinde.

Die Kirche weiht ihre Ikonen mit dem heiligen Myron.18 Wir ehren die Ikonen, indem wir sie küssen oder vor ihnen Weihrauch darbringen; diese Ehre gilt den Dargestellten.19 Das ist Verehrung, keine Anbetung. Anbetung gebührt allein Gott.

Zum Gebet gehören auch Gesten. Mit dem Kreuzzeichen bekennen wir den Glauben: Die Hand an der Stirn weist auf Gott den Vater, die Bewegung nach unten auf die Menschwerdung des Sohnes, die Bewegung von der linken zur rechten Schulter auf das Wirken des Heiligen Geistes. Dann sagen wir: „Ein Gott. Amen.“20 Papst Tawadros II. nennt das Kreuzzeichen „eine prägnante Zusammenfassung des Christentums“. Wir zeigen damit, dass wir Nachfolger des gekreuzigten Christus sind, und bekennen unseren Glauben vor anderen.21 Die Metanie (Mehrzahl Metanien) ist eine Niederwerfung, bis die Stirn den Boden berührt.22 Mit ihr beten wir Gott an und bitten um Vergebung.

Das Kirchenjahr

Der koptische Kalender

Die Kirche zählt die Jahre nach dem Jahr der Märtyrer (Anno Martyrum). Diese Zählung beginnt mit dem Regierungsantritt Kaiser Diokletians im Jahr 284 n. Chr.; unter ihm erlitten sehr viele Kopten das Martyrium.23 Der liturgische Tag beginnt mit dem Sonnenuntergang. Das Jahr hat zwölf Monate zu je dreißig Tagen und einen „kleinen Monat“ mit fünf, im Schaltjahr sechs Tagen.24

Tabelle 11 · Die koptischen Monate
Nr. Monat beginnt etwa am
1 Tut 11. September
2 Babeh 11. Oktober
3 Hatur 10. November
4 Kiyahk 10. Dezember
5 Tubeh 9. Jänner
6 Amschir 8. Februar
7 Baramhat 10. März
8 Baramuda 9. April
9 Baschans 9. Mai
10 Bauna 8. Juni
11 Abib 8. Juli
12 Misra 7. August
13 Nesi („kleiner Monat“) 6. September

Das neue Jahr beginnt am 1. Tut mit dem Nayrouz, dem koptischen Neujahr. Es ist zugleich das Fest der Märtyrer.25 Ein Datum schreibt man so: „29. Kiyahk / 7. Jänner“.

Die Kreise des Kirchenjahres

Die Kirche heiligt die Zeit in vier Kreisen:26

  • jeden Tag mit den Gebetszeiten der Agpeya;
  • jede Woche mit dem Sonntag, dem Tag der Auferstehung, und mit dem Fasten am Mittwoch und Freitag. Der Mittwoch erinnert an den Verrat des Judas, der Freitag an die Kreuzigung;
  • jeden Monat am 21. mit dem Gedenken der Gottesgebärerin (Theotokos), am 29. (außer in Tubeh und Amschir) mit dem Gedenken der Verkündigung, der Geburt und der Auferstehung Christi, am 12. mit dem Gedenken des Erzengels Michael;
  • jedes Jahr mit den Festen und Fastenzeiten.

Feste sind mehr als Erinnerungen an vergangene Ereignisse. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty mahnt: Wenn das Herz des Gläubigen „nicht von der Liebe zu Gott und zu seinen Brüdern und Schwestern sowie von der Sehnsucht nach dem himmlischen Leben entflammt ist, kann seine Feier nicht als kirchlich, schriftgemäß, geistlich oder Gott wohlgefällig gelten“.27 Im Kirchenjahr erlebst du das Heilswerk Christi jedes Jahr neu mit. Der Katechismus erinnert dabei an ein Wort des heiligen Athanasius aus einem seiner Osterbriefe: „Von nun an gehört das Paschafest uns.“28

Die Feste

Die Feste des Herrn feiern die großen Ereignisse seines Lebens. Die Kirche unterscheidet sieben große und sieben kleine Herrenfeste.29

  • Die großen Herrenfeste: die Verkündigung an die Gottesgebärerin (29. Baramhat / 7. April), die Geburt Christi (29. Kiyahk / 7. Jänner), die Theophanie (Fest der Taufe des Herrn; 11. Tubeh / 19. Jänner), der Palmsonntag, das Auferstehungsfest, die Himmelfahrt und Pfingsten.
  • Die kleinen Herrenfeste: die Beschneidung des Herrn, die Hochzeit zu Kana, die Darstellung des Herrn im Tempel, der Gründonnerstag (Donnerstag des Bundes), der Thomas-Sonntag, der Einzug des Herrn in das Land Ägypten und die Verklärung.

Palmsonntag, Auferstehungsfest, Himmelfahrt und Pfingsten sind bewegliche Feste. Sie richten sich nach dem Auferstehungsfest. Die Himmelfahrt feiert die Kirche vierzig Tage nach der Auferstehung. Am fünfzigsten Tag, dem Pfingstfest, betet sie das Kniebeugungsgebet.30 Die Zeit vom Auferstehungsfest bis Pfingsten heißt die Heiligen Fünfzig Tage. Sie ist eine Zeit der Freude ohne Fasten.

Vor dem Auferstehungsfest liegt die Karwoche (Pascha). Ihr gehen der Lazarussamstag und der Palmsonntag als Einleitung voraus. Von Montag bis Mittwoch betet die Kirche die Paschagebete. Es folgen der Gründonnerstag (Donnerstag des Bundes), an dem der Herr die Eucharistie einsetzte, der Karfreitag, der Tag der Kreuzigung, und der Lichtsamstag mit der Nachtwache, in der die Offenbarung des Johannes gelesen wird.31 In den Paschagebeten treten eigene Stundengebete an die Stelle der Agpeya. Am Lichtsamstag werden wieder Teile der Agpeya verwendet. Am Lichtsamstag und in der Nacht des Auferstehungsfestes geht die Trauer in Freude über.

Dazu kommen die Feste der Gottesgebärerin, etwa ihre Geburt, ihre Vorstellung im Tempel, ihr Entschlafen und die Aufnahme ihres Leibes in den Himmel, und die Feste der Engel, des heiligen Johannes des Täufers, der Apostel, der Märtyrer und der Heiligen.32 Vor Weihnachten und vor der Theophanie liegt der Paramoun, ein Fasttag zur Vorbereitung.33 Der Monat Kiyahk vor Weihnachten hat eigene Lobpreisungen, die Kiyahk-Psalmodie.

Alle Termine findest du im Anhang „Feste und Fasten“.

Die Fastenzeiten

Beim Fasten unterscheidet die Kirche drei Dinge:

  • Die Enthaltsamkeitszeit: An Fasttagen verzichtet man eine Zeit lang ganz auf Speisen und Getränke, bis zum Ende der Liturgie des Fasttages oder bis zu der Tagesstunde, die du mit deinem Beichtvater vereinbarst.
  • Die pflanzliche Kost: Danach isst man kein Fleisch, keine Milchprodukte und keine Eier; in den strengen Fastenzeiten auch keinen Fisch.
  • Die eucharistische Nüchternheit: Vor jeder Kommunion isst und trinkt man nichts bis zum Empfang der Kommunion (Kapitel 8).

Fisch ist nach Papst Schenouda III. ein tierisches Lebensmittel; die Kirche erlaubt ihn in manchen Fastenzeiten, beim „Fasten erster Klasse“ aber nicht.34 Der Herr hat gesagt: „Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; dann werden sie fasten“ (Mt 9:15b). Die Kirche kennt diese gemeinsamen Fastenzeiten:35

Tabelle 12 · Die gemeinsamen Fastenzeiten
Fastenzeit Dauer Fisch erlaubt?
Mittwoch und Freitag jede Woche, außer in den Heiligen Fünfzig Tagen und wenn Weihnachten oder die Theophanie auf einen dieser Tage fällt nein
Paramoun ein Vorbereitungstag (oder mehr) vor Weihnachten und Theophanie nein
Weihnachtsfasten dreiundvierzig Tage, ab dem 16. Hatur ja, außer Mittwoch und Freitag
Jona-Fasten drei Tage (Montag bis Mittwoch), zwei Wochen vor der Großen Fastenzeit; am Donnerstag das Pascha des Jona nein
Große Fastenzeit fünfundfünfzig Tage, mit der Karwoche nein
Apostelfasten vom Tag nach Pfingsten bis zum Vorabend des Apostelfestes ja, außer Mittwoch und Freitag
Marienfasten fünfzehn Tage vor der Aufnahme ihres Leibes in den Himmel ja, außer Mittwoch und Freitag

Wie lange du am Tag ohne Essen bleibst, hängt auch von Alter, Gesundheit und Arbeit ab. Papst Schenouda III. rät: „Die Zeit der Enthaltsamkeit sollte unter der Leitung deines Beichtvaters stehen.“36 Fasten ist mehr als eine Speiseregel. Es gehört zusammen mit Gebet, Umkehr und Werken der Liebe. Und es geschieht ohne Zurschaustellung: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler“ (Mt 6:16a).

Das Gebetsleben

Die Agpeya

Begriff
Agpeya

Die Agpeya ist das Gebetbuch der Kirche mit den sieben Gebetszeiten des Tages und der Nacht und dem Schleiergebet der Mönche. Jede Gebetszeit enthält Psalmen, einen Abschnitt aus dem Evangelium und Gebete.

Schon der Psalmist sagt: „Siebenmal am Tag singe ich dein Lob wegen deiner gerechten Entscheide“ (Ps 119:164; LXX 118). Auch die Apostel beteten zu festen Stunden: „Petrus und Johannes gingen um die neunte Stunde zum Gebet in den Tempel hinauf“ (Apg 3:1).

Jede Gebetszeit erinnert an einen Schritt im Heilswerk Christi:37

Tabelle 13 · Die Gebetszeiten der Agpeya
Gebetszeit Woran wir denken
Erste Stunde (am Morgen) die Auferstehung des Herrn
Dritte Stunde die Verurteilung Christi und die Herabkunft des Heiligen Geistes
Sechste Stunde die Kreuzigung des Herrn
Neunte Stunde den Tod Christi im Fleisch und den rechten Schächer, den mit ihm gekreuzigten Verbrecher, dem er das Paradies verhieß
Elfte Stunde (Sonnenuntergang) die Abnahme des Leibes Christi vom Kreuz; Dank für den Tag
Zwölfte Stunde (vor dem Schlafen) die Grablegung Christi und unser eigenes Entschlafen
Mitternachtsgebet die Wiederkunft Christi, des himmlischen Bräutigams
Schleiergebet (in den Klöstern) zusätzliches Gebet der Mönche nach der zwölften Stunde und vor dem Mitternachtsgebet; es gehört ebenfalls zur Agpeya

Der Katechismus fasst zusammen: Wir beginnen den Tag mit der Freude über die Auferstehung und beschließen ihn um Mitternacht mit der Freude, dem himmlischen Bräutigam zu begegnen. „So wird jeder Tag zu einem freudigen Fest“.38 Psalmen, Kernverse und den Ablauf einer Gebetszeit findest du im Anhang „Gebetszeiten“.

Feste Gebetszeiten sind kein Gegensatz zum unablässigen Gebet. Der Katechismus zitiert den heiligen Hieronymus: Wir sollten feste Gebetszeiten haben, damit uns die Zeit, falls wir durch Arbeit aufgehalten werden, an unsere Pflicht erinnert.39 Vor der Göttlichen Liturgie beten Priester, Diakone und Gemeinde gemeinsam Gebetszeiten der Agpeya (siehe Kapitel 8 „Die Göttliche Liturgie – Aufbau und Lesungen“). Du musst nicht von Anfang an alle Gebetszeiten beten. Der heilige Basilius sagt, dass man die Gebetszeiten auch mitten in der Arbeit halten kann.40 Fang mit einer oder zwei Gebetszeiten an, zum Beispiel am Morgen und vor dem Schlafen, und besprich deinen Weg mit deinem Beichtvater. So lernst du, was Paulus meint: „Betet ohne Unterlass!“ (1. Thess 5:17).

Der Mitternachtslobpreis

Der Mitternachtslobpreis (Tasbeha) ist der nächtliche Lobgottesdienst der Kirche. Die Lobgesänge stehen in der Psalmodie, dem Hymnenbuch der Kirche. Dazu gehören die vier Hoos (biblische Lobgesänge), die Theotokien (Lobgesänge auf die Gottesgebärerin) und Doxologien (Lobpreis-Hymnen).41 Wer ihn mitsingt, erfüllt das Wort des Psalms: „Um Mitternacht stehe ich auf, um dich zu preisen wegen deiner gerechten Entscheide“ (Ps 119:62; LXX 118).

Hinweis
Zum Nachdenken
  • Mit welchem Priester, Diakon oder Mitdiener in deiner Gemeinde arbeitest du schon zusammen, und wem könntest du für seinen Dienst danken?
  • Welches Fest des Kirchenjahres bedeutet dir am meisten? Warum?
  • Welche Gebetszeit der Agpeya könntest du ab dieser Woche regelmäßig beten?

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Sakrament des Priestertums hat drei Weihestufen: Bischof, Priester und Diakon. Die Bischöfe sind Hirten, die Priester Lehrer, die Diakone Diener.
  • Papst, Metropolit und Generalbischof sind Bischöfe; der Hegumenos ist ein Priester. Rangstufen sind keine eigenen Weihestufen.
  • Die Diakonatsstufen sind Epsaltos (Sänger), Anagnostis (Leser), Hypodiakon (Subdiakon), Diakon und Archidiakon (Erzdiakon); die ersten drei sind vorbereitende Dienststufen, voller Diakon ist erst die vierte Stufe.
  • Die Heilige Synode unter dem Vorsitz des Papstes leitet die Kirche. Jeder Diözese steht ein Bischof vor.
  • Das koptische Jahr zählt nach dem Jahr der Märtyrer und hat dreizehn Monate; es beginnt am 1. Tut mit dem Nayrouz.
  • Die Kirche feiert sieben große und sieben kleine Herrenfeste, Feste der Gottesgebärerin und der Heiligen; sie fastet am Mittwoch und Freitag und in sechs weiteren Fastenzeiten.
  • Die Agpeya hat sieben Gebetszeiten; jede erinnert an das Heilswerk Christi. Dazu kommt in den Klöstern das Schleiergebet.

Im Kurs vertieft

  • Thema 4 („Das geistliche Leben des Dieners“): Gebet und geistliche Regel.
  • Thema 7 („Ritus und Gotteshaus“): Kirchenraum, Gesten und Weihrauch.
  • Thema 8 („Das Kirchenjahr“): Sinn und Ordnung des Kirchenjahres.
  • Thema 19 („Die Gottesgebärerin“): die Feste der Gottesgebärerin.
  • Thema 29 („Karwoche, Auferstehungsfest und die Heiligen Fünfzig Tage“).
  • Thema 30 („Priestertum, Krankensalbung und Ehe“): Priestertum und apostolische Sukzession, die ununterbrochene Weitergabe des apostolischen Amtes und der apostolischen Lehre.

Anmerkungen

  1. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 4.2.↑

  2. Ignatius von Antiochien, An die Trallianer, Kap. 3,1.↑

  3. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 2.3.↑

  4. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 2.6.↑

  5. Damals wie Heute, S. 2.↑

  6. Vgl. Synaxarium, 9. Hatur, S. 116.↑

  7. Vgl. Synaxarium, 20. Babeh, Die Entschlafung des heiligen Anba Johannes des Kleinen, S. 85 (Weihe „zum Hegumenos“).↑

  8. Vgl. Die sieben Sakramente, S. 125⁠–⁠126.↑

  9. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 29.↑

  10. Synaxarium, 9. Hatur, S. 116.↑

  11. Vgl. Synaxarium, 8. Amschir, S. 286.↑

  12. Vgl. Damals wie Heute, S. 2.↑

  13. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 29.↑

  14. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitt „Hindernisse für den Eifer“.↑

  15. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 11.↑

  16. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 598.↑

  17. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 608⁠–⁠612.↑

  18. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 617.↑

  19. Vgl. Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 7.6, Nr. 13.↑

  20. Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 91.↑

  21. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 90.↑

  22. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 979; Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 31.↑

  23. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1091.↑

  24. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1088 und 1091.↑

  25. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1096.↑

  26. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1076⁠–⁠1080.↑

  27. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1075.↑

  28. Nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1080.↑

  29. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1081⁠–⁠1082.↑

  30. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1111.↑

  31. Vgl. Papst Schenouda III., Betrachtung über die Karwoche, Abschnitt „Wir folgen dem Herrn in seinen Leiden“ (S. 46); Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1110.↑

  32. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1084⁠–⁠1085.↑

  33. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1087 b, Fr. 1099 c und Fr. 1100 c.↑

  34. Vgl. Papst Schenouda III., Die Spiritualität des Fastens, Kap. 2.↑

  35. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1087, Fr. 1098 d und Fr. 1109 a.↑

  36. Papst Schenouda III., Die Spiritualität des Fastens, Kap. 2.↑

  37. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 927 und 1077; zur dritten Stunde Die göttlichen Liturgien, S. 38.↑

  38. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1077.↑

  39. Vgl. Hieronymus, Briefe, Brief 22,37 (an Eustochium); nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 921.↑

  40. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 926.↑

  41. Vgl. Euchologion, S. 1217⁠–⁠1218.↑

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