Kapitel 1
Wer die Kopten sind
Die Kirche des heiligen Markus – von Alexandrien bis nach Europa
13 Min. Lesezeit
In diesem Kapitel
- Du kannst erklären, warum die Koptisch-Orthodoxe Kirche die Kirche des heiligen Markus ist und warum ihr Papst „Papst von Alexandrien“ heißt.
- Du kennst den Kalender der Märtyrer und das Nayrouz-Fest.
- Du kannst die großen Mönchsväter und Lehrer Ägyptens nennen und ihre Bedeutung in je einem Satz beschreiben.
- Du kannst in Grundzügen erklären, wie es im Jahr 451 zur Trennung kam und was die Kirche über die eine Natur Christi bekennt.
- Du kennst den Weg der Kirche von der Erneuerung im 19. Jahrhundert bis zu den Gemeinden in Europa.
Inhalt
Wenn du sagst „Ich bin Kopte“ oder „Ich bin Koptin“, gehörst du zu einer der ältesten Kirchen der Welt. Ihre Geschichte beginnt mit dem Evangelium, das der heilige Markus nach Alexandrien brachte, und führt über Märtyrer, Mönchsväter und große Lehrer bis in deine Gemeinde. Vieles davon kennst du aus der Sonntagsschule und dem Religionsunterricht. Im Dienst – und ebenso in der Familie – gibst du diese Geschichte weiter: Kinder lieben die Heiligen, und sie wollen wissen, woher ihre Kirche kommt.
Die Kirche des heiligen Markus
Ägypten in der Heiligen Schrift
Die Kopten sind die Christen der Kirche Ägyptens. Ägypten hat in der Bibel einen besonderen Platz. Die heilige Familie floh vor Herodes nach Ägypten; der Evangelist sieht darin ein Prophetenwort erfüllt: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen“ (Mt 2:15b). Der Herr selbst hat dieses Land also gesegnet, als er dort Zuflucht fand.1 Schon der Prophet Jesaja hatte angekündigt: „An jenem Tag wird es für den Herrn mitten in Ägypten einen Altar geben“ (Jes 19:19a). Die Kirche liest dieses Kapitel als Verheißung für das christliche Ägypten.2
Denn der Herr der Heere wird sie segnen und sagen: Gesegnet ist Ägypten, mein Volk, und Assur, das Werk meiner Hände, und Israel, mein Erbbesitz.
Der heilige Markus in Alexandrien
Den Glauben brachte der heilige Markus, Apostel und Evangelist, nach Ägypten. Die Apostelgeschichte nennt ihn „Johannes mit dem Beinamen Markus“; im Haus seiner Mutter Maria versammelte sich die Gemeinde von Jerusalem zum Gebet (Apg 12:12). Er begleitete Paulus und Barnabas; später schrieb Paulus: „Bring Markus mit, denn er wird mir ein guter Helfer sein“ (2. Tim 4:11b). Nach der Überlieferung der Kirche gehörte Markus zu den Jüngern, die der Herr zu zweit vor sich her aussandte (Lk 10:1).3
Der Schuster Anianus. Nach der Überlieferung kam Markus um das Jahr 60 oder 61 nach Alexandrien. Seine Sandale war vom langen Weg zerrissen, und er brachte sie zum Schuster Anianus. Dabei fuhr diesem die Ahle, ein spitzes Schusterwerkzeug, in die Hand, und er rief: „O du einziger Gott!“ Markus heilte die Wunde und sprach mit ihm über Christus, über das Heil am Kreuz und über die Auferstehung. Anianus und sein ganzes Haus kamen zum Glauben und ließen sich taufen; später weihte Markus ihn zum Bischof von Alexandrien.4 Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty hebt hervor: Markus griff die alte Religion des Anianus nicht an, sondern nahm dessen Ruf zum einen Gott zum Ausgangspunkt seiner Verkündigung.5
Mit dem Evangelium empfingen die Ägypter den Glauben an den dreieinen Gott, den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Mit den Götterfamilien des alten Ägypten hat dieser Glaube nichts gemein.6
Die Gemeinde wuchs, und die Heiden wurden zornig. Am Auferstehungsfest des Jahres 68 ergriffen sie Markus in der Kirche; am folgenden Tag, dem 30. Baramuda, starb er als Märtyrer. An diesem Tag gedenkt die Kirche seiner.7
Warum der Papst „von Alexandrien“ heißt
Das Oberhaupt der koptischen Kirche ist der Nachfolger des heiligen Markus. Heute ist es Seine Heiligkeit Papst Tawadros II., der 118. Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhls des heiligen Markus; er wurde 2012 inthronisiert, also feierlich in sein Amt eingesetzt.8 Papst Tawadros II. erklärt den Titel so: „… wird der Papst in unserer Kirche ‚Papst von Alexandrien‘ genannt. Auch wenn dieser in Kairo ansässig ist (weil es die Hauptstadt des Landes ist), ist Alexandrien die erste Stadt im Land Ägyptens, die den Glauben an den Herrn Christus angenommen hat.“9
Ehrentitel des Patriarchen von Alexandrien, des Nachfolgers des heiligen Markus. Der volle Titel lautet „Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhls des heiligen Markus“. Ein Patriarch ist der Bischof einer großen, alten Hauptkirche, der den Bischöfen eines weiten Gebiets vorsteht. Mit dem „Stuhl“ des heiligen Markus ist kein Sessel gemeint, sondern das Amt, das auf Markus zurückgeht.
Die Kirche der Märtyrer
Die ersten Jahrhunderte brachten der Kirche Ägyptens schwere Verfolgungen. Am härtesten traf sie die Verfolgung unter Kaiser Diokletian. Die Kirche hat das Jahr, in dem Diokletian Kaiser wurde, zum ersten Jahr ihres Kalenders gemacht: 284 n. Chr. Seither zählt sie die Jahre nach dem Jahr der Märtyrer (lateinisch Anno Martyrum).10
Die koptische Jahreszählung. Sie beginnt mit dem Jahr 284 n. Chr., in dem Kaiser Diokletian die Herrschaft antrat, und ehrt die vielen Märtyrer seiner Verfolgung.
Das koptische Jahr beginnt am 1. Tut, der im bürgerlichen Kalender je nach Jahr auf den 11. oder 12. September fällt.11 An diesem Tag feiert die Kirche das Nayrouz, das koptische Neujahr und Fest der Märtyrer; bis zum 16. Tut betet sie in freudiger Melodie.12 Das Synaxarium, das Buch der Heiligengedenktage, sagt über den Sinn dieses Festes: Die Kirche „lehrt damit, dass sich der christliche Glaube in seiner Frühzeit mehr durch das Vergießen des Blutes der Märtyrer und durch das Vorbild verbreitete als durch Predigt und Lehre“.13 Die Märtyrer haben das Wort des Herrn gelebt: „Sei treu bis in den Tod; dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben“ (Offb 2:10b).
Die Kirche der Märtyrer ist keine Geschichte von gestern. Die Heilige Synode, die Versammlung der Bischöfe unter dem Vorsitz von Papst Tawadros II., hat den 8. Amschir als Gedenktag für alle Märtyrer der koptischen Kirche in der neueren Zeit festgelegt.14
Für deinen Dienst. Papst Schenouda III. rät, kleinen Kindern nicht von Folter und Qualen zu erzählen, damit sie die Nachfolge Christi nicht mit Angst verbinden. Erzähle ihnen vom Mut der Märtyrer, von ihrem Lobpreis und von Gottes Kraft, die sie stärkte.15
Die Kirche der Mönchsväter
In Ägypten ist das christliche Mönchtum entstanden. Ein Mönch verlässt um Christi willen Besitz und Familie, um in Gebet, Fasten und Arbeit ganz für Gott zu leben. Dieses Leben in Verzicht und geistlicher Übung nennt man Askese. Der Katechismus sagt: „Die Askese ist in der Koptisch-Orthodoxen Kirche kein Selbstzweck, sondern die praktische Antwort des Menschen auf die göttliche Liebe.“16
- Der heilige Antonius der Große (251–356) hörte in der Kirche das Evangelium: „Wenn du vollkommen sein willst, geh, verkauf deinen Besitz und gib das Geld den Armen; so wirst du einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach“ (Mt 19:21b). Er tat es, zog in die Wüste, und viele kamen als Schüler zu ihm. Die Kirche nennt ihn den „Vater aller Mönche“ und gedenkt seiner am 22. Tubeh.17
- Der heilige Pachomius (um 290–348) war Soldat und Heide. Die Gastfreundschaft von Christen bewegte ihn, sich taufen zu lassen. In Tabennesi baute er das erste Kloster, in dem die Mönche nach einer gemeinsamen Ordnung für Arbeit, Gebet und Mahlzeiten lebten. Darum heißt er „Vater der koinobitischen Gemeinschaft“; sein Gedenktag ist der 14. Baschans.18
- Der heilige Makarius der Große (300–390) zog mit dreißig Jahren in die Wüste Sketis (arabisch Schihit, heute Wadi El-Natrun). Der heilige Antonius bekleidete ihn mit dem Mönchsgewand. Er wurde zum Vater der Mönche der Sketis; das Kloster des heiligen Makarius trägt bis heute seinen Namen. Die Kirche gedenkt seiner am 27. Baramhat.19
Von griechisch „gemeinsames Leben“: Mönche leben nicht allein als Einsiedler, sondern in einem Kloster unter einem Vater und nach einer gemeinsamen Ordnung.
Schon die Väter staunten über die Wüste Ägyptens. Der heilige Johannes Chrysostomus schrieb in einer seiner Homilien (Predigten) über das Matthäusevangelium:
Ja, wenn du in die ägyptische Wüste gehst, so kannst du auch jetzt noch ein viel schöneres Schauspiel sehen, als je das Paradies geboten: tausende von Engelchören in Menschengestalt, Scharen von Märtyrern, Chöre von Jungfrauen … Ja der Himmel strahlt nicht so schön im bunten Reigen seiner Sterne, als die ägyptische Wüste, die allerorts die Hütten ihrer Mönche zeigt.20
Die Kirche der Lehrer
Alexandrien war eine Stadt der Bücher und der Philosophen. Darum brauchte die Kirche dort früh eine eigene Schule.21 Nach der Überlieferung gründete schon der heilige Markus die Theologische Schule von Alexandrien (auch Katechetenschule genannt, also Schule der Glaubensunterweisung); viele Gelehrte halten sie für die erste christliche Schule der Welt.22 Im Mittelpunkt ihrer Lehre stand immer das Heil: „Wir erkennen Gott nicht durch trockene theoretische Erörterungen, sondern durch sein heilbringendes Wirken“.23
Zwei Päpste von Alexandrien wurden Lehrer der ganzen Kirche:
- Der heilige Athanasius der Apostolische (um 297–373), der 20. Papst. Als junger Diakon nahm er mit Papst Alexander am Konzil von Nizäa im Jahr 325 teil, einer Versammlung der Hirten und Lehrer der ganzen Kirche, und trat Arius entgegen, der die Gottheit Christi leugnete. Von 328 an war er Papst und wurde fünfmal von seinem Stuhl verbannt, ohne den Glauben preiszugeben. Sein Gedenktag ist der 7. Baschans.24
- Der heilige Kyrill von Alexandrien († 444), der 24. Papst, genannt „Säule des Glaubens“. Er trat Nestorius entgegen, der Christus in zwei Personen trennte. Das Konzil von Ephesus im Jahr 431 verurteilte Nestorius und bekannte die heilige Jungfrau Maria als Gottesgebärerin (Theotokos). Die Kirche gedenkt Kyrills am 3. Abib.25
Maria heißt Gottesgebärerin (Theotokos), weil sie den ewigen Sohn Gottes geboren hat, der Mensch geworden ist. Der Titel bedeutet nicht, dass Maria die Gottheit hervorgebracht hätte.26
Mehr über die Konzile erfährst du in Kapitel 6 („Die Konzile in Grundzügen“).
451: Chalcedon und die Trennung
Im Jahr 451 berief Kaiser Markian ein Konzil nach Chalcedon bei Konstantinopel. Dort sollte der Glaube an zwei Naturen Christi nach der Einigung angenommen werden, also nach der Vereinigung von Gottheit und Menschheit in der Menschwerdung, wie ihn das Lehrschreiben Leos von Rom („Tomus Leos“) formulierte. Papst Dioskorus, der 25. Papst von Alexandrien, hielt am Glauben der Väter Athanasius und Kyrill fest. Er wurde abgesetzt und verbannt und starb in der Verbannung.27 Formal warf man ihm vor, dass er Leo von Rom aus der Gemeinschaft ausgeschlossen hatte und nach dreimaliger Vorladung nicht vor dem Konzil erschienen war. Verurteilt wurde er nicht wegen einer Irrlehre; entscheidend waren die politischen Umstände, die das Konzil beherrschten.28
Die koptische Kirche nahm Chalcedon nicht an: Das Konzil sprach von Christus „in zwei Naturen“ statt wie der heilige Kyrill „aus zwei Naturen“, und es nahm den Tomus Leos an.29 Kapitel 6 nennt weitere Gründe. Den Glauben unserer Kirche fasst dieser Merksatz zusammen:
Die Kirche bekennt mit dem heiligen Kyrill: Christus ist eine Natur des fleischgewordenen Wortes Gottes, aus zwei Naturen. Diese Einheit besteht ohne Vermischung, ohne Verwandlung, ohne Teilung und ohne Trennung – so bekennen wir es im Einklang mit unserer Liturgie und der gemeinsamen Erklärung der orthodoxen Kirchen von 1989.
„Eine Natur“ heißt nicht, dass die Menschheit Christi verschwunden wäre. Die Kirche weist die Lehre des Eutyches zurück, die Menschheit sei von der Gottheit „verschlungen oder in ihr aufgelöst worden“, ebenso wie die Trennung in zwei Personen.30 Man nennt diesen Glauben miaphysitisch (von griechisch mia physis, „eine Natur“).31 Ihn teilen die syrische, die armenische, die äthiopische, die eritreische und die indische Kirche; zusammen bilden sie die Familie der orientalisch-orthodoxen Kirchen.32
Die Trennung brachte der Kirche Ägyptens lange Leiden durch Mitchristen: Vom Kaiser eingesetzte Patriarchen verfolgten die Gläubigen, und Papst Benjamin musste aus Alexandrien fliehen, bis er nach der arabischen Eroberung mit einem Schutzbrief zurückkehren konnte.33 Heute suchen die Kirchen das Gespräch. Ein wichtiger Schritt geschah im September 1971 in Wien: Die Stiftung Pro Oriente lud Theologen der katholischen und der orientalisch-orthodoxen Kirchen ein, und sie fanden Übereinstimmung im Glauben an Christus. Für die koptische Kirche nahm der spätere Papst Schenouda III. teil.34 Die gemeinsamen Erklärungen von 1988 und 1989, die darauf folgten, stellt Kapitel 6 vor.
Unter islamischer Herrschaft
Im 7. Jahrhundert eroberten die Araber Ägypten. Die muslimischen Herrscher gingen sehr unterschiedlich vor. Es gab ruhige und friedliche Zeiten; die radikaleren Herrscher aber, besonders vom 7. bis zum 9. Jahrhundert, vertrieben Kopten aus den Ämtern, nahmen ihnen Besitz und zwangen sie, Arabisch zu gebrauchen.35 In dieser Lage bewahrte die Kirche ihre Lehre, ihre Überlieferungen und ihre Riten, also die Ordnung ihrer Gottesdienste, mit großer Sorgfalt. Im 10. Jahrhundert schrieb Bischof Severus ibn al-Muqaffa die ersten koptischen Bücher in arabischer Sprache.36
Nach der Überlieferung versetzte Gott im 10. Jahrhundert den Berg Mokattam bei Kairo als Antwort auf das Fasten und Beten der Gläubigen. Damals war Abraham ibn Zaraa, der 62. Patriarch, Papst. Zum Gedenken daran fügte die Kirche dem Weihnachtsfasten drei Tage hinzu.37
Erneuerung und Gegenwart
Am Ende der osmanischen Zeit war die Kirche geschwächt. Da schenkte Gott ihr Papst Kyrillus IV. (1816–1861), den 110. Patriarchen. Er wurde 1854 Papst, gründete Schulen für Knaben und Mädchen, kaufte eine Druckerei, pflegte die koptische Sprache und die Kirchengesänge. Die Kirche nennt ihn den „Vater der Reform“.38
Seine Nachfolger setzten das Werk fort. Papst Kyrillus V. eröffnete 1893 das Koptische Seminar, die theologische Schule der Kirche, wieder.39 Einer der ersten Studenten war der heilige Habib Girgis (1876–1951), später Erzdiakon. Er „rief die Sonntagsschulbewegung ins Leben, verfasste ihren ersten Lehrplan, bildete ihre Lehrer aus“.40 Die Kirche gedenkt seiner am 15. Misra.41 Jede Sonntagsschule und jeder Dienst an Kindern und Jugendlichen in der Kirche steht in dieser Linie.
Im 20. Jahrhundert wirkte der heilige Papst Kyrillus VI., der 116. Papst, ein Mann des Gebets, „vom Geist der Anbetung und Frömmigkeit erfüllt“.42
Papst Schenouda III., der 117. Papst, wurde am 3. August 1923 in der Provinz Assiut geboren. Ab 1939 diente er in der Sonntagsschule, 1954 wurde er Mönch, 1962 Bischof für das Bildungswesen, und am 14. November 1971 wurde er als Papst eingesetzt. Er schrieb viele Bücher. Er entschlief am 17. März 2012 (8. Baramhat).43 Sein Nachfolger ist Papst Tawadros II.
Zum Nachdenken. Papst Schenouda III. begann seinen Weg als Diener in der Sonntagsschule. Welche Menschen haben dich zum Glauben geführt – und wer könnte durch dich zum Glauben finden? Der Leitvers jedes Dieners lautet: „Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören“ (1. Tim 4:16).
Die koptische Kirche in Europa
Seit dem Ende der 1960er-Jahre wanderten viele Kopten in die Vereinigten Staaten, nach Kanada, Australien und Europa aus.44 Nach dem Katechismus verstand der heilige Papst Kyrillus VI. diese Familien als von Gott in die Diaspora gesandt, um das Evangelium Christi zu verbreiten.45 Diaspora nennt man die Gemeinden einer Kirche außerhalb ihres Ursprungslandes, für die koptische Kirche also die Gemeinden außerhalb Ägyptens.
Papst Schenouda III. gründete auch in den Ländern der Auswanderung Diözesen, also Gebiete, die ein Bischof als Hirte leitet, und weihte Bischöfe und Priester für sie. In seiner Zeit entstanden in Europa, Amerika und Australien viele Kirchen, und auch außerhalb Ägyptens wurden Klöster gegründet.46 So ist die Kirche des heiligen Markus heute auch in Europa zu Hause, und sie betet hier in der Sprache des Landes. Papst Tawadros II. sagt: „Unsere Kirchen in der Diaspora beten in der jeweiligen Landessprache, sei es Englisch, Deutsch, Schwedisch, Französisch usw.“47 Wie eine Diözese geordnet ist, erklärt Kapitel 9.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Koptisch-Orthodoxe Kirche ist die Kirche Ägyptens. Sie wurde vom heiligen Markus gegründet, der in Alexandrien verkündete und dort im Jahr 68 als Märtyrer starb (30. Baramuda).
- Der Papst heißt „Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhls des heiligen Markus“; Papst Tawadros II. ist der 118. Papst, inthronisiert 2012.
- Die Kirche zählt ihre Jahre nach dem Jahr der Märtyrer (ab 284 n. Chr.). Am 1. Tut (11. oder 12. September) feiert sie das Nayrouz, das Neujahrs- und Märtyrerfest.
- In Ägypten entstand das Mönchtum: Antonius der Große, Pachomius (Vater der koinobitischen Gemeinschaft) und Makarius der Große in der Sketis.
- Athanasius der Apostolische und Kyrill von Alexandrien verteidigten den Glauben an die Gottheit Christi und an die eine Person des menschgewordenen Wortes.
- Die Kirche nahm Chalcedon (451) nicht an. Sie bekennt mit dem heiligen Kyrill die eine Natur des fleischgewordenen Wortes Gottes aus zwei Naturen; diese Einheit besteht ohne Vermischung, ohne Verwandlung, ohne Teilung und ohne Trennung.
- Papst Kyrillus IV. (19. Jahrhundert) begann die Erneuerung; der heilige Habib Girgis gründete die Sonntagsschulbewegung.
- Seit dem Ende der 1960er-Jahre wanderten viele Kopten aus; der heilige Papst Kyrillus VI. sah sie von Gott gesandt, das Evangelium zu verbreiten. Unter Papst Schenouda III. entstanden Diözesen, Kirchen und Klöster auch in Europa.
Im Kurs vertieft
- Thema 32 („Die Kirche der Apostel und der heilige Markus“)
- Thema 33 („Märtyrer und Mönche“)
- Thema 36 („Ephesus und Chalcedon“)
- Thema 38 („Die Kirche unter islamischer Herrschaft“)
- Thema 41 („Die koptische Kirche in der Neuzeit und heute“)
Anmerkungen
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Synaxarium, 30. Baramuda, Das Martyrium des großen heiligen Markus, S. 420–421.↑
Vgl. Synaxarium, 30. Baramuda, S. 421–422; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 24.↑
Vgl. Synaxarium, 30. Baramuda, S. 422.↑
Damals wie Heute, S. 2; Synaxarium, 9. Hatur, S. 116; Euchologion, S. V und S. 1203 (Liste der Päpste).↑
Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 38–39.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1091; Synaxarium, 1. Tut, Das Nayrouz-Fest, S. 3.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1092.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1096.↑
Synaxarium, 1. Tut, Das Nayrouz-Fest, S. 3.↑
Vgl. Synaxarium, 8. Amschir, S. 286.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Wie man die Geschichten von Märtyrern erzählt“ (S. 55–57).↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 872.↑
Vgl. Synaxarium, 22. Tubeh, Die Entschlafung des großen Heiligen Anba Antonius, S. 256–257.↑
Vgl. Synaxarium, 14. Baschans, Die Entschlafung des heiligen Pachomius, S. 453–454.↑
Vgl. Synaxarium, 27. Baramhat, Entschlafung des heiligen Makarios des Großen, S. 363–364.↑
Johannes Chrysostomus, Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus, Homilie 8,4.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Synaxarium, 30. Baramuda, S. 422; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Synaxarium, 7. Baschans, Die Entschlafung … des apostolischen Papstes Athanasius, S. 437–440; zu Arius: Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Synaxarium, 3. Abib, Die Entschlafung des heiligen Papstes Kyrillus I., S. 538–539; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4; Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 9.↑
Vgl. Damals wie Heute, S. 357.↑
Vgl. Synaxarium, 7. Tut, Die Entschlafung des Papstes Dioscorus, S. 17–19.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Die Natur Christi, Kap. 2; Abuna Tadros Y. Malaty, Introduction to the Coptic Orthodox Church, Kap. 3, Abschnitt „Could the Council of Chalcedon Realize a Reconciliation?“.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 122.↑
Vgl. Damals wie Heute, S. 117.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Die Natur Christi, Kap. 1; Damals wie Heute, S. 117; Synaxarium, 8. Baramhat, S. 334.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4; Synaxarium, 8. Tubeh, S. 231–233.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Die Natur Christi, Kap. 1; Schlussprotokoll der Dialoge zwischen der Katholischen und der Koptisch-Orthodoxen Kirche, 12.02.1988, abgedruckt in: Papst Schenouda III., Die Natur Christi, Kap. 12.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Synaxarium, 18. Hatur, Gedenken an das Wunder der Versetzung des Mokattam-Berges, S. 134–135.↑
Vgl. Synaxarium, 23. Tubeh, Die Entschlafung von Papst Kyrillus IV., S. 258–259.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 14.5.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Synaxarium, 15. Misra, S. 606.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4; Synaxarium, 30. Amschir, Die Entschlafung von Papst Kyrillus VI., S. 317.↑
Vgl. Synaxarium, 8. Baramhat, Die Entschlafung von Papst Schenuda III., S. 333–335.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Synaxarium, 8. Baramhat, S. 334.↑
Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, „Entwicklung in der Geschichte der Kirche“ (S. 16).↑