Thema 1 · Vortrag 1
Warum Dienerkurs? – Ruf Gottes und Motive des Dieners
Der Dienst als Antwort auf den Ruf Gottes
17 Min. LesezeitBerufen zum Dienst
Lernziele
- Mindestens fünf Gründe für den Besuch des Dienerkurses nennen und jeden einer Bibelstelle zuordnen.
- Reine und unreine Motive des Dienens unterscheiden und die eigenen Motive mit einem Selbsttest prüfen.
Schlüsselbegriffe
Dienst · Diener · Jüngerschaft (Nachfolge) · Berufung · Motiv · Unterscheidungsgabe · Beichtvater · Talent · Demut · Hospitation · Selbstprüfung
Bibelstellen
Joh 15:16; Hebr 5:4; Jes 6:1–8; Jer 1:4–10; Apg 13:2; Mt 9:37–38; Lk 10:27; Mt 25:40; Apg 2:42; 1. Tim 4:16; Hos 4:6; Hebr 13:7; 2. Tim 2:2; Mt 6:33; 1. Kor 14:40; Jak 4:17; Jak 1:22; Joh 21:15–17; 1. Joh 4:19; 1. Kor 13:3; Mt 6:1; 1. Petr 5:2–3; Spr 3:5–6; 1. Sam 3:10; Apg 5:29; Mt 25:14–30; Joh 13:1–15
Inhalt
Warum bist du hier? Vielleicht hat dich ein Priester angesprochen; wir nennen ihn Abuna, das heißt „unser Vater“. Vielleicht dienst du schon in der Sonntagsschule, vielleicht spürst du einfach den Wunsch, Gott mit deinem Leben zu danken. Wie auch immer du gekommen bist, jeder Dienst in der Kirche beginnt mit einem Ruf Gottes und ist eine Antwort der Liebe. Wer das weiß, kann seine Beweggründe ehrlich anschauen, nach Gottes Willen für den eigenen Weg fragen und sich im Kurs auf den Dienst vorbereiten.
Dienst beginnt mit Jüngerschaft
Aus Buch 1, Kapitel 10 („Der Diener – Verhalten und Vorbild“) weißt du: „Jede Person, die in die Kirche kommt, ist ein Diener.“1 Hier fragen wir tiefer: Wo beginnt der Dienst, und warum lässt man sich dafür ausbilden?
Dienst ist die Arbeit für Gott und die Menschen in der Kirche aus Liebe, besonders die geistliche Begleitung und Unterweisung der Kinder und Jugendlichen. Wer so dient, heißt Diener oder Dienerin.
Papst Schenouda III. beginnt sein Buch Jüngerschaft mit dem Satz: „Das christliche Leben ist ein Leben in der Nachfolge. Jeder, der an Christus glaubt, ist berufen, Sein Jünger zu sein.“2 Am Ende des Buches schreibt er einen Satz, der über dem ganzen Dienerkurs stehen könnte: „Das Leben des Dienstes … beginnt mit Jüngerschaft.“3 Bevor du lehrst, lernst du; bevor du führst, folgst du.
Jüngerschaft heißt, bei Christus in die Schule zu gehen: auf sein Wort zu hören, es ins Leben umzusetzen und von denen zu lernen, die er uns in der Kirche als Lehrer gegeben hat. Sie ist „nicht nur eine Sache des Lernens bestimmter Fakten, sondern vielmehr eine Lebensart“.4
Der Dienst ist deshalb nicht zuerst deine Idee, sondern Gottes Einladung: „Gott ist der Grund des Dienstes, er ist es, der uns dazu eingeladen hat. Er wirkt mit uns, um das Ziel zu erreichen.“5 Christus sagt zu seinen Jüngern: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt“ (Joh 15:16a).
Berufung ist der Ruf Gottes an einen Menschen, ihm in einer bestimmten Aufgabe zu dienen. Gott ruft durch sein Wort, durch die Liebe zum Dienst, die seine Gnade im Herzen weckt, und durch die Kirche, die diesen Ruf prüft und bestätigt.
Wie Gott ruft: Berufung in der Schrift
Die Schrift erzählt von Menschen, die Gott unmittelbar gerufen hat: Mose am brennenden Dornbusch (Ex 3), Samuel im Tempel des Herrn (1. Sam 3), Jesaja und Jeremia, die zwölf Apostel (Mt 10).6 An zwei von ihnen sieht man, wie Gott ruft und wie ein Mensch antworten kann.
Jesaja: „Hier bin ich, sende mich!“
Jesaja sieht im Tempel den Herrn auf einem hohen und erhabenen Thron. Serafim rufen einander zu: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt“ (Jes 6:3b). Jesaja erschrickt: „Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen“ (Jes 6:5a). Einer der Serafim berührt seinen Mund mit einer glühenden Kohle vom Altar: „Deine Schuld ist getilgt, deine Sünde gesühnt“ (Jes 6:7b). Erst danach hört Jesaja die Frage Gottes.
Danach hörte ich die Stimme des Herrn, der sagte: Wen soll ich senden? Wer wird für uns gehen? Ich antwortete: Hier bin ich, sende mich!
Am Anfang steht die Begegnung mit Gottes Heiligkeit und Barmherzigkeit, keine eigene Leistung. Jesaja weiß, dass er unwürdig ist, und gerade ihn reinigt Gott. Gott zwingt nicht, er fragt. Wer sich dann anbietet, ist deshalb nicht stolz. Papst Schenouda III. schreibt: „Eifer bietet sich selbst für den Dienst an. Das zeigt keinen Mangel an Demut, denn er weiß, dass er durch das Wirken Gottes gebraucht werden wird, das durch ihn wirkt, wenn er sich selbst völlig verleugnet.“7
Jeremia: „Sag nicht: Ich bin noch so jung“
Jeremia war jung, als ihn das Wort des Herrn traf: „Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen“ (Jer 1:5a). Er wehrt ab: „Ach, mein Gott und Herr, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung“ (Jer 1:6b). Gott nimmt die Ausrede nicht an:
Aber der Herr erwiderte mir: Sag nicht: Ich bin noch so jung. Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten – Spruch des Herrn.
Dann berührt der Herr seinen Mund: „Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund“ (Jer 1:9b). Jeremia muss nicht aus eigener Kraft reden. An ihn denkt Papst Schenouda III., wenn jemand sagt: „Ich weiß nicht, wie man dient“, und er antwortet: „Gott kennt alle Gaben, die er uns gegeben hat, er kennt unseren Verstand. Darum haben wir keine Ausrede, wenn wir bestreiten, dass wir fähig sind, dem Herrn zu dienen.“8 Jung zu sein, ist kein Hindernis; auch Timotheus war jung, als Paulus ihm den Leitvers des Dieners schrieb (1. Tim 4:12.16; dazu der zweite Vortrag).
Der Ruf durch die Kirche
Nicht jeder hört eine Stimme wie Jesaja. Für eine volle Weihe des Lebens, etwa um Priester zu werden, braucht es einen klaren Ruf: „Und keiner nimmt sich eigenmächtig diese Würde, sondern er wird von Gott berufen, so wie Aaron“ (Hebr 5:4).9 Es gibt aber Menschen, die keine so klare Berufung erlebt haben und doch in sich eine Liebe zum Dienst finden, der sie nicht widerstehen können. Papst Schenouda III. sagt von ihnen: „Und dieses innere Feuer ist ein göttlicher Ruf durch das Wirken von Gottes Gnade in dieser Person.“ Er nennt dafür drei Bedingungen: „dass die Ziele des Handelns dieser Person gesund, dass seine Mittel geistlich sind, und dass er in seinem Dienst an Gott nicht unabhängig von der Kirche handelt“.10
Darum kommt der Ruf meist durch die Kirche. Als die Gemeinde in Antiochia betete und fastete, „sprach der Heilige Geist: Wählt mir Barnabas und Saulus zu dem Werk aus, zu dem ich sie mir berufen habe“ (Apg 13:2b). Der Geist ruft, und die betende Kirche hört den Ruf, prüft ihn und sendet. So geschieht es auch heute, wenn ein Priester, eine Dienerin oder ein Diener dich fragt, ob du in einer Klasse mithelfen willst. Christus selbst sagt: „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9:37b–38). Vielleicht bist du eine Antwort auf dieses Gebet. Papst Tawadros II. sagt: „Wir sind alle Diener und es gibt keinen – beziehungsweise sollte es keinen geben – der nicht arbeitet oder am Dienst der Kirche nicht teilhat.“11
Der heilige Pachomius, der Vater der koinobitischen Gemeinschaft (des gemeinsamen Klosterlebens), war als junger Soldat noch kein Christ. In der Stadt Latopolis brachten die Einwohner den Soldaten großzügig Speise und Trank. Er fragte nach dem Grund: „Man sagte ihm, dass sie dies um des Gottes des Himmels willen täten. Da beschloss er, Christ zu werden, wenn er wohlbehalten zurückkehrte.“12 Später, so erzählt seine alte Lebensbeschreibung, sah er beim Gebet einen Engel des Herrn, der ihn rief: „Pachomius!“ Er antwortete: „Herr, was willst Du von mir?“ Und er hörte: „Der Wille Gottes ist es, ihm zu dienen und das Menschengeschlecht mit Gott zu versöhnen.“13 Gottes Ruf erreichte Pachomius zuerst durch den stillen Dienst anderer Christen.
Warum Dienerkurs? Zehn Gründe aus der Schrift
Wenn Gott ruft, wozu dann ein Kurs? Weil die Kirche ihre Diener vorbereitet, so wie Christus seine Jünger lehrte, bevor er sie aussandte. Papst Tawadros II. nennt das Ziel aller Arbeit in der Sonntagsschule: „… das Hauptziel mit höchster Priorität ist, dass die Menschen, die an den Sonntagsschulklassen … teilnehmen, einen Anteil am Himmel haben.“14 Für dieses Ziel genügt guter Wille allein nicht. Der Kurs bereitet dich aber nicht nur auf die Sonntagsschule vor, sondern auf jeden Dienst in der Kirche, an Kindern und Jugendlichen ebenso wie an Kranken und Älteren,15 und auf dein Leben als Diener in der Familie, in der Gesellschaft und, wenn Gott dich dorthin ruft, im Kloster. Zehn Gründe sprechen für den Dienerkurs; jeder hat einen Anker in der Schrift.
| Nr. | Grund | Bibelstelle | Was das für dich heißt |
|---|---|---|---|
| 1 | aus Liebe zu Gott dienen | Lk 10:27; Mt 25:40 | Du dienst, weil du Gott liebst, und begegnest ihm in den Kindern und in jedem Menschen, dem du dienst. |
| 2 | die Beziehung zu Gott wachsen lassen | Apg 2:42 | Gebet, Schriftlesung, Fasten, Beichte und Kommunion werden mit dem Dienst mehr, nicht weniger. |
| 3 | die Lehre der Kirche lernen | 1. Tim 4:16 | Die Kinder sollen den Glauben der Kirche empfangen, nicht deine Meinung. |
| 4 | den Glauben umfassend kennenlernen | Hos 4:6 | Du lernst in allen Bereichen – Schrift, Glaubenslehre, Ritus (die Ordnung der Gottesdienste), Geschichte, Dienst –, nicht nur in dem, was dir liegt. |
| 5 | von den Vätern und Hirten der Kirche lernen | Hebr 13:7 | Du lernst die Kirche, ihre Väter und Hirten kennen und findest deinen Platz unter den Dienern. |
| 6 | dienen lernen in der Jüngerschaft | 2. Tim 2:2 | Du empfängst von erfahrenen Dienern, was du später selbst weitergibst. |
| 7 | Prioritäten setzen | Mt 6:33 | Die Göttliche Liturgie und der übernommene Dienst gehen der Bequemlichkeit vor; Ruhe, Familie und Ausbildung haben dabei ihren Platz. |
| 8 | Ordnung lernen | 1. Kor 14:40 | Termine, Vorbereitung und Absprachen ordnen den Dienst. |
| 9 | Disziplin und Verantwortung | Jak 4:17 | Du trägst Verantwortung für die Kinder, die dir anvertraut werden. |
| 10 | hören, verstehen, handeln, Vorbild sein | Jak 1:22 | Was du hörst, soll dein Leben verändern, damit die Kinder es an dir sehen. |
Drei dieser Verse lohnt es, dir im Wortlaut einzuprägen: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst“ (Lk 10:27b); „Mein Volk kommt um, weil ihm die Erkenntnis fehlt“ (Hos 4:6a); „Was du vor vielen Zeugen von mir gehört hast, das vertrau zuverlässigen Menschen an, die fähig sind, auch andere zu lehren“ (2. Tim 2:2).
Motive prüfen: Warum will ich dienen?
Zwei Menschen können dasselbe tun und doch aus ganz verschiedenen Gründen. Darum fragt die Kirche auch, warum du dienst.
Ein Motiv ist der innere Grund, aus dem du etwas tust.
Der reine Beweggrund des Dienstes ist die Liebe zu Christus und zu den Kindern, die er dir anvertraut. Papst Schenouda III. schreibt: „Der Dienst ist Ausdruck einer Liebe, die aus dem Herzen überfließt, er ist der Wunsch zu dienen. Ist er ohne Liebe, wird er trocken, routinemäßig und ohne Geist und ohne Früchte.“16 Und: „Wer Gott liebt, möchte, dass alle Ihn lieben.“17 Bevor der auferstandene Herr Petrus seine Herde anvertraut, fragt er ihn dreimal: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ – und erst dann sagt er: „Weide meine Schafe!“ (Joh 21:16). Die Liebe kommt vor dem Auftrag, und sie ist selbst Antwort: „Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1. Joh 4:19). Ohne sie ist auch der größte Einsatz leer: „Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts“ (1. Kor 13:3).
Unreine Beweggründe schleichen sich leise ein. Wer dient, um gesehen und gelobt zu werden, hört die Warnung Christi: „Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten“ (Mt 6:1). Wer nur aus Gewohnheit dient, wird mit der Zeit müde und leer. Wer dient, weil andere Druck machen oder weil er nicht Nein sagen konnte, dient nicht frei. Was der erste Petrusbrief den Hirten der Kirche sagt, gilt für jeden Dienst:
Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung; seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde!
| Was den Dienst trägt | Was den Dienst verdirbt |
|---|---|
| Liebe zu Christus (Joh 21:15–17) | Wunsch nach Ansehen und Lob (Mt 6:1) |
| Liebe zu den Kindern und Sorge um ihr Heil | bloße Gewohnheit, Routine ohne Herz |
| Dankbarkeit für die empfangene Liebe (1. Joh 4:19) | Druck von außen, Angst, Nein zu sagen (1. Petr 5:2) |
| Freiwilligkeit und Freude | Lohndenken, Gewinn, Lust an Macht (1. Petr 5:2–3) |
Kaum jemand beginnt mit ganz reinen Motiven. Freie Zeit füllen, Gemeinschaft erleben, selbst mehr lernen – das ist nicht verwerflich, solange die Liebe die Mitte bleibt und wächst. Wie Gott die Lippen Jesajas gereinigt hat, reinigt er auch deine Beweggründe, wenn du sie ihm hinhältst.
Selbstprüfung. Im Arbeitsheft findest du den Bogen „Selbsttest: Warum will ich dienen?“. Fülle ihn für dich allein aus, am besten bevor du zum ersten Mal in einer Sonntagsschulklasse oder in einem anderen Dienst mithilfst. Er ist nur für dich bestimmt. Wenn du willst, sprich mit deinem Beichtvater darüber.
Gottes Willen erkennen
Wie weißt du, ob Gott dich gerade jetzt zu diesem Dienst ruft? Die Schrift gibt dir einen Vers, den du auswendig lernst:
Mit ganzem Herzen vertrau auf den Herrn, bau nicht auf eigene Klugheit; such ihn zu erkennen auf all deinen Wegen, dann ebnet er selbst deine Pfade.
„Nicht auf eigene Klugheit bauen“ heißt nicht, den Verstand auszuschalten. Du öffnest ihn Gott und der Kirche.
Die Unterscheidungsgabe ist nach dem Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty „das Auge des Herzens, das unsere Gedanken und Handlungen ordnet und zwischen ihnen unterscheidet“, eine göttliche Gabe, um die wir Gott „beharrlich und inständig bitten müssen“.18
Wer diese Gabe demütig sucht, verlässt sich nicht allein auf sein eigenes Denken. Er hält sich an das Denken der Väter der Kirche und verbirgt seinem Beichtvater keinen seiner Gedanken.19 Drei Hilfen gehören zusammen.
Das Gebet. Bete, bevor du zusagst, mit dem jungen Samuel: „Rede, denn dein Diener hört“ (1. Sam 3:10b).
Der Beichtvater. Papst Schenouda III. nennt den Menschen glücklich, der einen geistlichen Vater hat, der ihn führt, lehrt und ihm den geistlichen Weg erklärt.20 Mit deinem Beichtvater besprichst du, ob und wo du dienen sollst.
Der Beichtvater ist der Priester, bei dem du regelmäßig beichtest und der dich auf deinem geistlichen Weg führt.
Dieser Gehorsam ist nicht blind. Du darfst fragen, und der geistliche Vater soll „versuchen, zu überzeugen und seine Lehre durch Verse aus der Bibel, oder durch Geschichten und Sprüche der Heiligen zu untermauern“.21 Widerspräche ein Rat dem Wort Gottes, so gilt: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5:29b).22
Der Rat der Kirche. Der Dienst geschieht nicht auf eigene Faust. Sprich auch mit den Verantwortlichen des Dienstes in deiner Gemeinde; sie wissen, wo jemand gebraucht wird. Wer sich vom geistlichen Vater und von der Kirche leiten lässt, dessen Eifer geht keine eigenen Wege.23
Dienst als Verantwortung und Talent
Christus erzählt das Gleichnis von den Talenten (Mt 25:14–30): Ein Mann vertraut seinen Dienern sein Vermögen an, „jedem nach seinen Fähigkeiten“ (Mt 25:15). Zwei wirtschaften damit, der dritte vergräbt sein Talent: „weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt“ (Mt 25:25a). Nicht die kleine Gabe war sein Problem, sondern die Angst, die ihn untätig machte. Den treuen Dienern aber sagt der Herr:
Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!
Ein Talent war eine große Geldsumme; im Gleichnis steht es für die Gaben, die Gott jedem anvertraut.
Papst Schenouda III. folgert: „Erinnern wir uns immer daran, dass der Dienst keine Tätigkeit ist, sondern eine Verantwortung und ein Talent, das wir Gott mit Gewinn darbringen sollen.“24 Und Gott misst nicht nach der Menge: „Gott achtet nicht darauf, wie viel wir tun, ihm geht es nur um unsere Treue in der Arbeit mit dem, was wir haben.“25
Demut von Anfang an
Am Abend vor seinem Leiden „stand [Jesus] vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch“ (Joh 13:4) und wusch seinen Jüngern die Füße. Dann sagte er: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh 13:14–15). Papst Tawadros II. fragt, warum der Herr diese Lektion bis zuletzt aufgehoben hat: „Ganz einfach, weil dies die wichtigste Lektion war, die ein Jünger lernen konnte. Wer in der Kirche oder anderswo dient, muss einen demütigen Geist haben!“26 Am Gründonnerstag (Donnerstag des Bundes) erinnert die Kirche beim Lakkan (Wasserweihe) an diese Fußwaschung.27
In der Kirche gibt es keine Beförderungen. Das ist ein weltliches Konzept. Aber das spirituelle Konzept von Beförderungen in der Kirche und im Dienst besteht darin, sich zu bücken, um die Füße zu erreichen. Je mehr Verantwortung Sie tragen, desto mehr müssen Sie sich beugen.28
Wer sich beugt, redet sich deshalb nicht klein. Papst Tawadros II. sagt: „Sich zu demütigen bedeutet nicht, sich anderen gegenüber minderwertig zu fühlen oder die eigenen Fähigkeiten oder Talente herabzusetzen, denn diese sind ein Segen Gottes, den er uns geschenkt hat, damit wir uns gegenseitig ergänzen.“29
Demut heißt, Gott die Ehre zu geben und dort zu dienen, wo man gebraucht wird – auch wo es niemand sieht.
Der Weg des Dienerkurses
Der Dienerkurs ist nach Themen aufgebaut: Jedes Thema behandelt eine Frage des Glaubens oder des Dienstes in ein bis drei Vorträgen. Buch 1 (Vorwissen) erinnert an das, was du aus Sonntagsschule und Religionsunterricht kennst; die Vorträge bauen darauf auf. Zu jedem Vortrag gehört eine Hausaufgabe, in der du das Gelernte für deinen Dienst durchdenkst und anwendest.
Von erfahrenen Dienern kannst du lernen, indem du ihnen beim Unterrichten zuschaust; ein solcher Besuch heißt Hospitation. Wenn du selbst in einer Klasse mithilfst oder eine Stunde hältst, hilft dir das anschließende Gespräch mit einem erfahrenen Diener. Wie du den Kindern mit Achtung begegnest und das rechte Maß von Nähe und Distanz wahrst, behandelt Thema 2 („Vorbild, Verhalten und Schutz“).
Für den Dienst
- Bevor du zum ersten Mal in einer Klasse oder in einem anderen Dienst mithilfst, machst du den Selbsttest der Motive und sprichst, wenn du willst, mit deinem Beichtvater darüber.
- Bete um deinen Ruf mit Samuel: „Rede, denn dein Diener hört“ (1. Sam 3:10b), oder mit Jesaja: „Hier bin ich, sende mich!“ (Jes 6:8b).
- Lerne die Lernverse: Spr 3:5–6 in diesem Vortrag, 1. Tim 4:16 im nächsten.
- In der Klasse wie in der Familie spüren Kinder schnell, ob jemand aus Liebe kommt oder aus Pflicht. Erzähle ihnen einmal von Samuel oder Jeremia: Gott ruft auch junge Menschen.
Das Wichtigste in Kürze
- Jeder Dienst beginnt mit Jüngerschaft: Wer dient, bleibt zeitlebens ein Lernender.
- Der Dienst ist Antwort auf einen Ruf Gottes; Gott ruft durch sein Wort, durch die Liebe, die seine Gnade im Herzen weckt, und durch die Kirche (Jes 6:8; Jer 1:7–8; Apg 13:2).
- Zehn Gründe sprechen für den Dienerkurs, von der Liebe zu Gott (Lk 10:27) bis zum eigenen Vorbild (Jak 1:22).
- Der reine Beweggrund des Dienstes ist die Liebe zu Christus und zu den Kindern; Ansehen, Gewohnheit, Druck und Lohndenken verderben den Dienst (Joh 21:15–17; Mt 6:1; 1. Petr 5:2–3).
- Gottes Willen erkennst du im Gebet, mit deinem Beichtvater und im Rat der Kirche (Spr 3:5–6); dieser Gehorsam ist nicht blind.
- Der Dienst ist Verantwortung und Talent; Gott fragt nach der Treue, nicht nach der Menge (Mt 25:14–30).
- Demut gehört von Anfang an dazu: „In der Kirche gibt es keine Beförderungen.“
- Der Dienerkurs führt mit Themen, Hausaufgaben und der Praxis in der Sonntagsschule nach und nach in den Dienst hinein.
Zum Weiterlesen
- Papst Schenouda III.: Jüngerschaft, besonders die Abschnitte „Das Leben der Jüngerschaft“ und „Von einem geistlichen Vater lernen“ (S. 8–16 und 55–63).
- Papst Schenouda III.: Heiliger Eifer, Kap. 2 „Motive des heiligen Eifers“.
- Papst Tawadros II.: Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, „Der demütige Geist“ (S. 52–68).
- Abuna Tadros Y. Malaty: Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 2, Fr. 1188–1211 (Unterscheidung und Gehorsam).
- Papst Tawadros II.: Die Kirche ist meine Mutter, „Verbundenheit mit der Kirche“ (S. 32–35).
Anmerkungen
Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 22.↑
Papst Schenouda III., Jüngerschaft, Abschnitt „Das Leben der Jüngerschaft“ (S. 8).↑
Ebd., Schlusswort (S. 66).↑
Papst Schenouda III., Jüngerschaft, Abschnitt „Die notwendigen Bedingungen der Jüngerschaft“ (S. 10).↑
Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. II.↑
Diese Beispiele nennt Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitt „Hindernisse für den Eifer“.↑
Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 4, Abschnitt „Der Prophet Jesaja“.↑
Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. V.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitt „Hindernisse für den Eifer“.↑
Ebd.↑
Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 34.↑
Synaxarium, 14. Baschans, Die Entschlafung des heiligen Pachomius, des Vaters der koinobitischen Gemeinschaft, S. 453.↑
Leben des heiligen Pachomius, Kap. 8. Die Lebensbeschreibung stammt nicht von Pachomius selbst; sie gibt die Überlieferung über ihn wieder.↑
Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 24.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Eine komplette spirituelle Lebenslehre, Kap. „Je nach der uns verliehenen Gnade“, Abschnitt „Der Dienst“ (S. 108).↑
Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 1.↑
Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitt „Die Liebe zu Gott und Seinem Reich“.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1198.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1198 a–b.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Jüngerschaft, Abschnitt „Von einem geistlichen Vater lernen“ (S. 55).↑
Ebd., Nr. 2–3 (S. 56).↑
Vgl. ebd., Nr. 3 (S. 56–57); Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1209–1210.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitt „Hindernisse für den Eifer“.↑
Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 9.↑
Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. V.↑
Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 54.↑
Vgl. ebd.↑
Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 55.↑
Ebd., S. 59.↑