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Thema 2 · Vortrag 1

Vorbild in Wort und Wandel

Wie der Diener durch sein Leben lehrt

16 Min. LesezeitVorbild, Verhalten und Schutz

Lernziele

  1. Anhand von 1. Tim 4:12 die fünf Bereiche beschreiben, in denen der Diener Vorbild ist.
  2. Diese Grundsätze auf Fallbeispiele aus der Sonntagsschule anwenden: Kinder, Eltern, Priester und Mitdiener, Öffentlichkeit und digitale Medien.

Schlüsselbegriffe

Vorbild · Lebenswandel · Lauterkeit · Diener · Dienerin · Mitdiener · Abuna · Selbstprüfung

Bibelstellen

1. Tim 4:12; 1. Kor 11:1; Phil 4:9; Joh 13:15; Eph 4:29; Lk 6:45b; 1. Joh 3:18; 1. Tim 5:21b; 2. Kor 6:3; Mt 18:15; 2. Kor 3:2; 1. Kor 10:31; Phil 4:4; Gal 5:22⁠–⁠23; Phil 2:3; Kol 3:23; Lk 16:10; Mt 5:37; 1. Thess 2:7.11; Eph 4:3; 1. Tim 1:2⁠–⁠3

Inhalt

Kinder hören zu, aber vor allem schauen sie zu. Was ein Diener in der Sonntagsschule sagt, messen sie an dem, was sie von ihm in der Kirche, auf dem Kirchplatz, auf der Straße und im Internet sehen. In 1. Tim 4:12 nennt Paulus fünf Bereiche, in denen der Diener Vorbild ist; sie gelten im Umgang mit Kindern, Eltern, Priester und Mitdienern ebenso wie in der Öffentlichkeit und in den digitalen Medien. Die Selbstprüfung hilft dir, dein eigenes Verhalten daran zu prüfen.

Kinder lernen mit den Augen

Wer dient, wird beobachtet – ob er es will oder nicht. Ein Kind merkt, ob sein Diener in der Göttlichen Liturgie mitbetet oder mit dem Handy beschäftigt ist, ob er pünktlich kommt, wie er mit anderen spricht und ob er das tut, was er in der Stunde sagt. Papst Schenouda III. kannte das aus vielen Jahren mit Kindern in der Sonntagsschule. Kinder ahmen nach, was sie sehen; darum schreibt er: „Sonntagsschullehrer und Familienmitglieder des Kindes müssen aufpassen, dass es nicht etwas Schlechtes von ihnen nachahmt.“1

Aus der Lehre unserer Päpste

Was Menschen von deinem Leben und Verhaltensmodell sehen, hat einen größeren Einfluss auf sie als das, was sie von deinen Predigten und Ratschlägen hören.2

– Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3, Abschnitt „Begleitet von einem guten Lebensstil“

Im selben Abschnitt warnt der Papst davor, nur ein Wegweiser zu sein, der die Richtung zeigt, aber selbst nicht ans Ziel geht: „Sei nicht wie Glocken, die Menschen rufen, in die Kirche zu kommen, aber selbst nie die Kirche betreten.“3 Ein Diener, der vom Gebet spricht und selbst nicht betet, oder der Vergebung lehrt und mit einem Mitdiener seit Wochen nicht spricht, lehrt am Ende das Gegenteil dessen, was er sagt.

Das erste Vorbild ist Christus selbst. Nachdem er seinen Jüngern die Füße gewaschen hatte, sagte er: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe“ (Joh 13:15). Der Apostel Paulus konnte deshalb schreiben: „Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme“ (1. Kor 11:1), und: „Was ihr gelernt und angenommen, gehört und an mir gesehen habt, das tut!“ (Phil 4:9a). Der Diener ist also nicht Vorbild aus eigener Kraft. Er folgt Christus nach, und die Kinder sollen durch ihn hindurch Christus sehen.

Aus den Vätern

Was Du lehren willst, lerne zuvor selbst! … Handlung und Wort sollen zueinander nicht in Gegensatz treten. Es könnte sonst, wenn Du in der Kirche predigst, der eine oder andere im Stillen fragen: „Warum tust Du nicht selbst, was Du predigst?“4

– Hl. Hieronymus, Briefe, Brief 52,7 (an Nepotian)
Beispiel

Am Gründonnerstag, dem Donnerstag des Bundes, erinnert die Kirche jedes Jahr mit den Gebeten des Lakkan (der Wasserweihe) an die Fußwaschung (Joh 13:1⁠–⁠15). Papst Tawadros II. sieht darin eine Lektion für jeden, der dient: „Möge jeder Diener im Namen Christi und jeder Verantwortliche, wie groß oder klein seine Verantwortung auch sein mag, sich immer an diese kraftvolle Lektion über Demut erinnern.“5

Buch 1, Kapitel 10 („Der Diener – Verhalten und Vorbild“), beschreibt das geistliche Leben und das Auftreten eines Dieners. Die folgenden Beispiele zeigen, was das im Alltag der Sonntagsschule bedeutet.

Christus wäscht den Jüngern die Füße (Joh 13:1⁠–⁠15)

Fünf Bereiche des Vorbilds (1. Tim 4:12)

Paulus schreibt an Timotheus, „seinen echten Sohn durch den Glauben“ (1. Tim 1:2), den er in Ephesus zurückgelassen hatte (1. Tim 1:3). Der Vers beginnt mit einem Satz, der genau in deine Lage passt: Timotheus soll sich wegen seines Alters nicht kleinmachen lassen. Seine Autorität kommt nicht aus den Jahren, sondern aus seinem Leben. Dann nennt Paulus die fünf Bereiche, in denen er Vorbild sein soll. Dieser Vers ist der Lernvers des Themas.

Heilige Schrift

Niemand soll dich wegen deiner Jugend gering schätzen. Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit.

1. Tim 4:12
Begriff
Vorbild

Ein Vorbild ist ein Mensch, an dessen Leben andere ablesen können, wie man nach dem Evangelium lebt. Der Diener ist Vorbild nicht, weil er ohne Fehler wäre, sondern weil er selbst Christus nachfolgt und darin für die Kinder sichtbar wird (1. Kor 11:1).

In deinen Worten

Worte bauen auf oder reißen nieder. Der Maßstab des Apostels ist klar: „Über eure Lippen komme kein böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt und dem, der es hört, Nutzen bringt“ (Eph 4:29). Für den Diener heißt das: nicht fluchen und nicht schimpfen, nicht über andere herziehen, keine spöttischen Bemerkungen über ein Kind, auch nicht im Scherz. Seine Sprache außerhalb der Kirche gleicht der Sprache in der Kirche, denn er ist überall derselbe Mensch. Worte kommen aus dem Herzen: „Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund“ (Lk 6:45b).

Zu den Worten gehört die Wahrhaftigkeit. Ein Kind merkt, wenn man ihm etwas vormacht. Papst Schenouda III. schreibt: „Außerdem wird er dir vertrauen, wenn du ihm gegenüber ehrlich bist, sei es bei den Informationen oder den Daten, die du ihm gibst.“6 Wer ehrlich ist, verspricht auch nur, was er halten kann – darauf kommt der zweite Vortrag dieses Themas bei der Verschwiegenheit zurück.

In deinem Lebenswandel

Begriff
Lebenswandel

Der Lebenswandel ist das ganze sichtbare Leben: wie du gehst und stehst, wie du dich kleidest, ob du pünktlich und verlässlich bist, wie du dich in der Liturgie verhältst, wie du mit Menschen umgehst, die dir nichts zurückgeben können.

Schon der heilige Ambrosius hat seinen Klerikern, also den Geistlichen seiner Kirche, gesagt, dass man am äußeren Auftreten die innere Haltung erkennt.

Aus den Vätern

Ebenso ist auch in Bewegung, Haltung und Gang Sittsamkeit zu beobachten. Denn in der Haltung des Körpers verrät sich der Zustand des Geistes. … Durch die Körperbewegung spricht also gleichsam die Stimme des Geistes.7

– Hl. Ambrosius von Mailand, Von den Pflichten der Kirchendiener, Buch I, Kap. 18,71

Das verlangt keine steife Strenge, wohl aber Achtsamkeit. Kinder beobachten, wie sich ihr Diener verhält. Wer in der Stunde von Ehrfurcht spricht und danach im Kirchenraum laut telefoniert, hat eine zweite, wirksamere Lektion gehalten.

In der Liebe

Die Liebe des Dieners braucht keine großen Worte. Sie zeigt sich in Zeit und Aufmerksamkeit: „Meine Kinder, wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit“ (1. Joh 3:18). Ein liebevoller Diener kennt die Namen der Kinder, bemerkt, wer fehlt, und fragt nach einer Prüfung, von der ein Kind erzählt hat. Nach der Stunde nimmt er sich noch Zeit für sie.

Zur Liebe gehört, dass sie niemanden bevorzugt. Paulus schreibt Timotheus: „Befolge dies alles ohne Vorurteil und vermeide jede Bevorzugung!“ (1. Tim 5:21b). Kinder sind empfindlich für Ungerechtigkeit. Papst Schenouda III. erinnert an die Brüder Josefs, die eifersüchtig wurden, weil ihr Vater einen Sohn mehr liebte, und folgert: „Versuche also, fair mit den Kindern umzugehen“.8 Das gilt für Lob, für Aufgaben in der Stunde und für die Zeit, die du einzelnen Kindern schenkst.

Im Glauben

Vorbild im Glauben ist, wer seinen Glauben lebt und kennt. Ein Diener kann die Kinder nicht zum Fasten ermutigen, wenn er selbst nicht fastet, und nicht zur Beichte, wenn er selbst nicht beichtet. Er lehrt den Glauben der Kirche und nicht seine persönliche Meinung. Was er nicht versteht, fragt er nach – bei Abuna (der Anrede des Priesters, „unser Vater“), bei seinem Beichtvater oder bei erfahrenen Dienern. Wie eng das eigene Leben und die Treue zur Lehre zusammengehören, zeigt der Leitvers 1. Tim 4:16 in Thema 1 („Berufen zum Dienst“).

In der Lauterkeit

Begriff
Lauterkeit

Lauterkeit ist die Reinheit des Herzens, der Absichten und des Lebens. Der lautere Diener hat keine verborgenen Absichten: Er sucht nicht sich selbst, sondern das Heil der Kinder, und er lebt so, dass niemand an seinem Verhalten Anstoß nehmen muss.

Paulus sagt von seinem eigenen Dienst: „Niemand geben wir auch nur den geringsten Anstoß, damit unser Dienst nicht getadelt werden kann“ (2. Kor 6:3). Lauterkeit zeigt sich darin, dass ein Diener nichts tut, was er vor Abuna, vor den Eltern oder vor den Mitdienern verbergen müsste. Dazu gehört das rechte Maß von Nähe und Distanz im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, damit Nähe nie missverstanden oder missbraucht werden kann; davon handelt der zweite Vortrag dieses Themas.

Vorbild gegenüber Kindern, Eltern, Priester und Mitdienern

Die Kinder: Liebe ohne Bevorzugung

Beispiel

Fall 1. Eine Dienerin hat in ihrer Klasse ein Mädchen, das immer aufmerksam ist und gern hilft. Sie lässt es jede Woche die Blätter austeilen, lobt es oft vor den anderen und setzt es im Kreis neben sich. Ein Junge sagt eines Tages: „Sie mag sowieso nur die eine.“

Überlegung. Die Dienerin meint es gut, aber die anderen Kinder erleben eine Bevorzugung. Richtig ist, Aufgaben reihum zu verteilen, jedes Kind für etwas Konkretes zu loben und gerade die stillen und schwierigen Kinder zu suchen. Das hilfsbereite Mädchen verliert dabei nichts.

Die Eltern

Die ersten Lehrer des Glaubens sind die Eltern. Papst Schenouda III. betont, dass man die religiöse Erziehung nicht der Sonntagsschule allein überlassen kann, denn „die Eltern tragen die Verantwortung für ihr Kind, sei es für dessen religiöse Erziehung oder für die Überwachung dieser Erziehung“.9 Der Diener ersetzt die Eltern nicht, er unterstützt sie. Darum begegnet er ihnen mit Achtung, spricht vor einem Kind nie schlecht über seine Eltern, hält vereinbarte Zeiten ein, informiert über Ausflüge und besondere Vorhaben und hört zu, wenn Eltern Sorgen oder Kritik äußern. In Familienkonflikten ergreift er nicht Partei und spielt nicht den Problemlöser der Familie; wo eine Familie Hilfe braucht, ist Abuna der richtige Ansprechpartner.

Beispiel

Fall 2. Nach der Stunde kommt ein Vater aufgebracht zu einem Diener: Sein Sohn habe erzählt, er sei vor allen anderen ausgelacht worden. Mehrere Kinder stehen noch dabei.

Überlegung. Der Diener rechtfertigt sich nicht vor den Kindern und streitet nicht. Er bittet den Vater ruhig um ein Gespräch an einem ruhigeren Ort, hört zuerst zu, fragt nach und sagt zu, der Sache nachzugehen. Ist etwas schiefgelaufen, entschuldigt er sich. Kommt man nicht weiter, zieht er die Leitung des Dienstes oder Abuna hinzu.

Der Priester und die Mitdiener

Der Dienst in der Sonntagsschule ist kein Privatunternehmen. Er geschieht in der Kirche, unter der Hirtensorge des Priesters und zusammen mit anderen Dienern. Wer meint, die geistliche Arbeit sei allein Sache des Klerus, der geweihten Geistlichen, dem antwortet Papst Schenouda III.: „Natürlich haben sie recht, es ist die Verantwortung des Klerus, aber die Priester können nicht alles allein tun. Alle müssen ihnen helfen und mit ihnen zusammenarbeiten.“ Zugleich soll der Diener „in seinem Dienst an Gott nicht unabhängig von der Kirche“ handeln.10

Streit unter Dienern schadet dem Dienst. Der Papst nennt unter den Dingen, die das Wachstum des Reiches Gottes behindern, „unsere Negativität, unsere Kämpfe gegeneinander im Dienst, … unsere menschlichen Rivalitäten, die alle so weit entfernt sind von dem wahren Geist des Eifers und des Dienstes“.11 Meinungsverschiedenheiten gibt es überall; entscheidend ist, wie man mit ihnen umgeht. Und selbst wenn ein Mitdiener einen Fehler macht oder dich verletzt, gibt Christus den Weg vor: „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn unter vier Augen zurecht“ (Mt 18:15a). Unter vier Augen heißt: nicht vor den Kindern, nicht in der Dienergruppe im Chat und nicht hinter dem Rücken des anderen. Wer einen Fehler gemacht hat, entschuldigt sich. Versöhnung gehört auch zur Vorbereitung auf die heilige Kommunion: Wenn du jemanden verletzt hast, suche die Versöhnung mit ihm; wenn du selbst verletzt wurdest, bewahre dein Herz vor Hass. Ungeklärte Fragen besprichst du mit deinem Beichtvater.12 Papst Tawadros II. schreibt: „Die Fähigkeit zu sagen: ‚Ich habe gesündigt‘ oder ‚Es tut mir leid‘ ist nicht erniedrigend oder demütigend und verletzt nicht Ihre Würde. Im Gegenteil, es spiegelt Ihre wahre innere Demut wider.“13

Beispiel

Der heilige Erzdiakon Habib Girgis, dessen Entschlafung die Kirche am 15. Misra begeht,14 hat die Sonntagsschulen aufgebaut und viele Menschen zur Mitarbeit ermutigt. Papst Schenouda III. sagt von ihm: „Es kam nie vor, dass er die Schwachen kritisierte, oder diejenigen, die in seiner Ära in die Irre gegangen waren. Aber wenn er jemals einen Mangel oder Fehler fand, versuchte er, ihn zu beheben, ohne jemanden zu verurteilen.“15

Beispiel

Fall 3. Zwei Diener führen gemeinsam eine Klasse. Während der eine erzählt, unterbricht ihn der andere vor den Kindern: „Das stimmt so nicht, das hast du falsch verstanden.“ Der erste antwortet gereizt. Die Kinder schauen gespannt zu.

Überlegung. Ist eine Aussage wirklich falsch, kann der zweite Diener sie später gemeinsam mit dem ersten richtigstellen, ohne ihn bloßzustellen. Den Streit klären beide nach der Stunde unter vier Augen, und wer zu scharf war, entschuldigt sich. Bleiben sie uneinig, fragen sie gemeinsam die Leitung des Dienstes oder Abuna.

Vorbild in der Öffentlichkeit und in digitalen Medien

Paulus sagt den Korinthern: „Unser Empfehlungsschreiben seid ihr; es ist eingeschrieben in unser Herz und alle Menschen können es lesen und verstehen“ (2. Kor 3:2). Ähnlich ist das Leben eines Dieners ein Brief, den andere lesen – auch dort, wo er es nicht erwartet: auf einer Feier, in der Schule, an der Universität, am Arbeitsplatz, in der Straßenbahn. Der Grundsatz des Apostels gilt überall: „Ob ihr also esst oder trinkt oder etwas anderes tut: Tut alles zur Verherrlichung Gottes!“ (1. Kor 10:31).

Heute wird dieser Brief zu einem großen Teil im Internet gelesen. Kinder, Jugendliche und Eltern sehen Profile, Bilder, Kommentare und Videos – oft auch solche, die du längst vergessen hast. Bevor du etwas veröffentlichst, teilst oder kommentierst, helfen diese Fragen:

  • Würde ich das auch vor meiner Klasse sagen oder zeigen?
  • Verletzt es jemanden oder macht es jemanden lächerlich?
  • Passen Sprache, Kleidung und Umgebung zu einem Diener der Kirche?
  • Rede ich öffentlich schlecht über Abuna, über Mitdiener oder über die Kirche?
  • Achte ich auch im Internet die Würde der Kinder und das Vertrauen ihrer Familien?
Beispiel

Fall 4. Ein Diener teilt nach einer Geburtstagsfeier spätabends ein Video, in dem er und seine Freunde über einen anderen Diener spotten. Am Sonntag erzählen zwei Jugendliche seiner Gruppe lachend davon.

Überlegung. Das Video widerspricht allem, was der Diener über Ehrfurcht und Liebe lehrt. Er löscht es und spricht die Sache vor den Jugendlichen offen an: Es war falsch, und es tut ihm leid. Wer einen Fehler ehrlich eingesteht, kann auch darin Vorbild sein. Hat er jemanden verletzt, bittet er ihn um Vergebung.

Freude statt düsterer Frömmigkeit

Manche meinen, ein geistlicher Mensch müsse immer ernst sein. Papst Schenouda III. nennt das einen Stolperstein, denn andere sagen sich dann: Wenn ich mit Gott lebe, werde ich auch so düster.16 Dagegen steht die Freude, die zu den Früchten des Geistes gehört (Gal 5:22⁠–⁠23): „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (Phil 4:4).

Aus der Lehre unserer Päpste

Wenn sie dich aber als einen rechtschaffenen und heiligen Menschen sehen, der gleichzeitig glücklich ist und sich „allezeit im Herrn“ … mit einem friedlichen Herzen freut, der mit anderen mit einem lächelnden Gesicht spricht, eher als mit einem düsteren, dann werden sie sich ermutigt fühlen und beginnen, das, was sie vom geistlichen Leben sehen, zu mögen, und es nicht zu fürchten.17

– Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3, Abschnitt „Begleitet von einem guten Lebensstil“

Ein Diener darf lachen, mit den Kindern spielen und sich mit ihnen freuen. Seine Freude kommt nicht aus Oberflächlichkeit, sondern aus dem Frieden mit Gott. Kinder, die ihren Diener froh erleben, lernen: Ein Leben mit Gott ist schön.

Werte und Eigenschaften des Dieners – eine Selbstprüfung

Die folgenden Werte beschreiben, was einen Diener prägt. Sie sind kein Notensystem. Niemand erfüllt sie vollkommen, und die Arbeit an sich selbst braucht Zeit. Papst Tawadros II. warnt davor, Demut mit Minderwertigkeit zu verwechseln: „Sich zu demütigen bedeutet nicht, sich anderen gegenüber minderwertig zu fühlen oder die eigenen Fähigkeiten oder Talente herabzusetzen, denn diese sind ein Segen Gottes, den er uns geschenkt hat, damit wir uns gegenseitig ergänzen.“18

Tabelle 5 · Werte des Dieners für die Selbstprüfung
Wert Wort der Schrift Frage an mich
Demut Phil 2:3 Diene ich, um gesehen zu werden, oder um den Kindern zu helfen?
Liebe 1. Joh 3:18 Zeigt sich meine Liebe in Zeit und Aufmerksamkeit für jedes Kind?
Hingabe Kol 3:23 Bereite ich mich so vor, als wäre die Stunde für den Herrn?
Treue und Verantwortung Lk 16:10 Bin ich pünktlich und verlässlich, auch in kleinen Dingen?
Aufrichtigkeit Mt 5:37 Bin ich derselbe in der Kirche, zu Hause und im Internet?
Väterliche und mütterliche Sorge 1. Thess 2:7.11 Trage ich Verantwortung für die mir anvertrauten Kinder und begegne ich ihnen mit Wärme?
Kirchlichkeit Eph 4:3 Diene ich in Einheit mit Abuna, der Leitung und meinen Mitdienern?

Nimm dir für diese Selbstprüfung in den nächsten Tagen eine ruhige halbe Stunde und das Arbeitsblatt im Arbeitsheft. Sie wird nicht abgegeben und nicht benotet. Wenn du merkst, dass dir in einem Bereich viel fehlt, ist das kein Grund aufzugeben, sondern ein Anlass für das Gespräch mit deinem Beichtvater.

Ein zweites Arbeitsblatt dreht die Frage um: Was darf ein Kind von mir erwarten? Du füllst es im Kurs aus, die ersten Zeilen nach diesem Vortrag, die übrigen nach dem zweiten.

Für den Dienst

  • Lerne 1. Tim 4:12 auswendig und prüfe dich an den fünf Bereichen, bevor du zum ersten Mal in eine Klasse oder in einen anderen Dienst gehst.
  • Achte in der Liturgie und auf dem Kirchplatz darauf, was die Kinder an dir sehen: Mitbeten, Ehrfurcht, Freundlichkeit.
  • Verteile Aufgaben und Lob gerecht und suche gerade die Kinder, die leicht übersehen werden.
  • Kläre Meinungsverschiedenheiten mit Mitdienern nach der Stunde unter vier Augen; entschuldige dich, wenn du falsch gehandelt hast.
  • Sieh dir deine Profile in sozialen Medien mit den Augen eines Kindes deiner Klasse an und lösche, was dem Dienst widerspricht.
  • Mach die Selbstprüfung mit dem Arbeitsblatt und bring, was dich beschäftigt, in das Gespräch mit deinem Beichtvater.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kinder lernen mehr durch das, was sie am Diener sehen, als durch das, was sie von ihm hören (Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3).
  • Das erste Vorbild ist Christus; der Diener folgt ihm nach und soll ihn für die Kinder sichtbar machen (Joh 13:15; 1. Kor 11:1).
  • Nach 1. Tim 4:12 ist der Diener Vorbild in seinen Worten, in seinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben und in der Lauterkeit.
  • Liebe zu den Kindern ist gerecht und ohne Bevorzugung (1. Tim 5:21).
  • Den Eltern begegnet der Diener mit Achtung; sie tragen die erste Verantwortung für die Erziehung ihres Kindes.
  • Mit Priester und Mitdienern arbeitet der Diener in Einheit zusammen; Konflikte werden unter vier Augen geklärt, nie vor den Kindern (Mt 18:15).
  • Auch in der Öffentlichkeit und in digitalen Medien bleibt der Diener derselbe und achtet die Würde der Kinder und ihrer Familien.
  • Vorbild sein heißt nicht, ohne Fehler zu sein: Wer einen Fehler ehrlich eingesteht und um Vergebung bittet, ist auch darin Vorbild.

Zum Weiterlesen

  • Papst Schenouda III.: Heiliger Eifer, Kap. 3 „Die notwendigen Bedingungen des heiligen Eifers“ und Kap. 4, Abschnitt „Erzdiakon Habib Girgis“.
  • Papst Schenouda III.: Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitte „Imitation“ bis „Lob und Ermutigung“ (S. 26⁠–⁠36).
  • Papst Tawadros II.: Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, „Der demütige Geist“ (S. 52⁠–⁠68).
  • Hl. Hieronymus: Brief 52 an Nepotian, Abschnitte 5⁠–⁠7 (BKV 2. Reihe 16/18).
  • Hl. Ambrosius von Mailand: Von den Pflichten der Kirchendiener, Buch I, Kap. 18 (BKV 1. Reihe 32).

Anmerkungen

  1. Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Imitation“ (S. 26).↑

  2. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3, Abschnitt „Begleitet von einem guten Lebensstil“.↑

  3. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3.↑

  4. Hieronymus, Briefe, Brief 52,7 (an Nepotian).↑

  5. Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 54.↑

  6. Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Die Wahrheit“ (S. 31).↑

  7. Ambrosius, Von den Pflichten der Kirchendiener, Buch I, Kap. 18,71.↑

  8. Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Eifersucht“ (S. 30); vgl. Gen 37:3⁠–⁠4.↑

  9. Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Sonntagsschulen“ (S. 48).↑

  10. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitt „Hindernisse für den Eifer“.↑

  11. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 1, Abschnitt „Partnerschaft mit Gott“.↑

  12. Vgl. Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 8, Abschnitt „Vorbereitung auf die Heilige Kommunion“.↑

  13. Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 64.↑

  14. Synaxarium, 15. Misra, Die Entschlafung des heiligen Erzdiakons Habib Girgis, S. 606.↑

  15. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 4, Abschnitt „Erzdiakon Habib Girgis“.↑

  16. Vgl. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3.↑

  17. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3, Abschnitt „Begleitet von einem guten Lebensstil“.↑

  18. Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 59.↑

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