Thema 2 · Vortrag 2
Nähe und Distanz – Schutz der anvertrauten Kinder
Die Haltung des Dieners gegenüber den Kindern und ihren Familien
16 Min. LesezeitVorbild, Verhalten und Schutz
Lernziele
- Die Haltung des Dieners in Nähe und Distanz – in Worten, Berührungen, Gesprächen, Besuchen und Nachrichten – beschreiben und begründen.
- Verschwiegenheit von der Pflicht unterscheiden, eine Sorge um ein Kind mit dem Priester zu besprechen, und wissen, was bei akuter Gefahr zu tun ist.
- Erklären, warum der Diener nicht straft und wie er ohne Strafe für Ordnung sorgt.
- Diese Haltung auf drei Fallbeispiele aus der Sonntagsschule anwenden.
Schlüsselbegriffe
Nähe und Distanz · Hausbesuch (Eftekad) · Verschwiegenheit · Abuna
Bibelstellen
Mk 10:13–16; Mt 18:6; Mt 18:10; Mt 18:14; 2. Kor 8:20–21; Kol 3:21; Eph 6:4; Spr 11:13; Spr 31:8; Sir 38:1; Mt 18:15
Inhalt
Eltern vertrauen der Kirche ihr Kostbarstes an, wenn sie ihre Kinder in die Sonntagsschule bringen. Dieses Vertrauen bewahrt der Diener zuerst durch seine Haltung. Er achtet Nähe und Distanz: kein falsches Wort, keine falsche Berührung. Er begegnet dem Kind und seiner Familie mit Achtung und spricht sich mit den Eltern ab. Er straft nicht, er behält für sich, was ihm anvertraut wird, und er weiß, wann er trotzdem mit dem Priester sprechen muss.
Die Kleinen unter dem Schutz Christi
Als man Kinder zu Jesus brachte, damit er ihnen die Hände auflegte, wiesen die Jünger die Leute schroff ab. Jesus aber wurde unwillig und sagte: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes“ (Mk 10:14b). Und weiter heißt es: „Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie“ (Mk 10:16). Die Kinder haben bei Christus einen Ehrenplatz. Gegen jeden, der ihnen schadet, richtet er eines seiner schärfsten Worte:
Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde.
Ein Diener, der ein Kind verletzt, beschämt, ängstigt oder missbraucht, zerstört genau das, wofür er da ist: den Glauben und das Vertrauen des Kindes. Jesus fügt hinzu: „Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten!“ (Mt 18:10a), und: „So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verloren geht“ (Mt 18:14).
Papst Schenouda III. schreibt über das Kind, das in der Schule einer Welt außerhalb seiner Familie begegnet: „Es ist daher unsere Pflicht, ihm die notwendige Aufmerksamkeit und den nötigen Schutz zukommen zu lassen.“1 Schon die Väter der ersten Generationen haben die Hirten der Kirche an die Sorge für die Schwächsten erinnert:
Auch die Presbyter (sollen) wohlwollend (sein), barmherzig gegen alle, (sollen) die Verirrten zurückführen, alle Kranken besuchen, voll Sorge sein für die Witwen, die Waisen und die Armen; stets (sollen) sie bedacht (sein) auf das Gute vor Gott und den Menschen, sich frei halten von jedem Zorn, von Parteilichkeit, von ungerechtem Urteil …2
Was der heilige Polykarp von den Presbytern, den Priestern der Gemeinde, verlangt, gilt in seiner Weise für jeden, der in der Kirche für andere sorgt.
Diese Haltung gilt für alle Diener und Dienerinnen, für erfahrene wie für neue, und sie richtet sich gegen niemanden. Sie schützt die Kinder. Sie hilft auch dem Diener, aufrichtig und ohne Heimlichkeit zu handeln. Und sie macht das Vertrauen der Eltern möglich. Schon Paulus achtete beim Überbringen einer Geldsammlung darauf, keinen Verdacht aufkommen zu lassen: „… angesichts der großen Spende, die von uns überbracht werden soll, möchten wir vermeiden, dass man uns verdächtigt. Es liegt uns nämlich daran, dass alles einwandfrei zugeht, nicht nur vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen“ (2. Kor 8:20–21).
Die Grundhaltung: Liebe ohne Angst
Am Anfang steht die Liebe. Das Kind soll sich bei seinem Diener sicher fühlen, und es soll Gott als den liebenden Vater kennenlernen, nicht als Drohung.
Hüte dich auch davor, ihn einzuschüchtern. … Mache dem Kind nicht das Bild von Gott, das es fürchtet, und dass Gott darauf wartet, es zu bestrafen, … oder dass Gott nicht verzeiht, oder dass das Kind aus irgendeinem Grund die Liebe Gottes zu ihm verlieren kann …3
Der Papst nennt auch Sätze, die nicht fallen dürfen: „Gott wird sich über dich ärgern“, „Gott wird dich nicht lieben, wenn du das tust“ oder „Wenn du das getan hast, wird Gott dich in die Hölle schicken“.4 Paulus schreibt den Vätern: „Ihr Väter, schüchtert eure Kinder nicht ein, damit sie nicht mutlos werden“ (Kol 3:21). Dazu gehört die Achtung vor der Würde des Kindes: „Ein Kind ist sehr auf seine Würde bedacht und mag es nicht, wenn es wegen seiner Fehler gedemütigt wird.“5 Ein Diener stellt deshalb kein Kind bloß, macht sich über niemanden lustig und nimmt das Nein eines Kindes ernst.
Diese Haltung hat eine Folge, die für den Schutz entscheidend ist. Ein Kind, das Angst hat, verschweigt, was ihm geschieht. Papst Schenouda III. beobachtet: Ein Kind, das Strafe fürchtet, wird alles verheimlichen, „damit es nicht geschlagen, getadelt oder bedroht wird. Aber wenn wir uns mit ihm anfreunden und ihm das Gefühl geben, dass er sich sicher fühlt …, dann wird er uns alles offenbaren“.6 Nur einem Diener, vor dem es keine Angst hat, kann ein Kind sagen, wenn es in Not ist.
Nähe und Distanz
Nähe und Distanz bezeichnen das richtige Maß im Umgang mit Kindern und Jugendlichen: so viel Zuwendung, dass sie sich angenommen fühlen, und so viel Abstand, dass ihre Grenzen, ihre Würde und ihr Wille immer geachtet bleiben.
Eine Grundregel des Dienstes gibt dieser Haltung eine einfache Form: Um die Mädchen kümmern sich die Dienerinnen, um die Burschen die Diener. Darum dienen in jeder Klasse und in jeder Sonntagsschule Dienerinnen und Diener gemeinsam, und jeder hält vor allem zu den Kindern seines Geschlechts den Kontakt.
Bei manchen Diensten, vor allem mit Jugendlichen, ist der Altersunterschied zwischen Diener und Jugendlichen nicht groß. Der Diener darf ihnen ein Freund sein, bei dem sie sich wohlfühlen. Gerade dann geht er mit dieser Nähe achtsam um und wahrt in Worten und Verhalten das rechte Maß.
Kein falsches Wort
Nähe und Distanz beginnen bei der Sprache. Hat ein Kind etwas falsch gemacht, mahnt Papst Schenouda III.: „Wenn du ihn deswegen zurechtweist, verwende kein falsches Wort, das er dann bei anderen anwenden könnte.“7 Ein Diener macht keine Bemerkungen über den Körper oder das Aussehen eines Kindes, auch nicht im Scherz. Er gibt niemandem einen kränkenden Spitznamen und erzählt keine zweideutigen Witze. Stellt ein Jugendlicher eine persönliche Frage zur Sexualität, antwortet er ruhig und kurz und verweist freundlich auf die Eltern und den Beichtvater; ein solches Gespräch vertieft er nicht unter vier Augen.
Keine falsche Berührung
Christus hat die Kinder in seine Arme genommen (Mk 10:16). Liebe zu Kindern darf warm und spürbar sein. Eine Berührung ist aber nur recht, wenn sie dem Alter entspricht und offen geschieht. Das Nein des Kindes gilt immer. Sein Ja macht aber nicht jede Nähe richtig: Den Rahmen setzt der Diener, nicht das Kind. Papst Schenouda III. rät schon für die erste Begegnung: „Wenn du ein Kind zum ersten Mal triffst oder es während deines Besuchs bei seiner Familie siehst, beeile dich nicht, es an deiner Schulter zu halten oder mit ihm zu scherzen.“ Das Kind braucht Zeit, bis es sich sicher fühlt.8 Der Diener drängt sich nicht auf und sucht keine Nähe für sich selbst. Körperliche Nähe ist nie ein Mittel, um ein Kind für sich zu gewinnen; die Beziehung entsteht durch Zuhören, Zeit und Treue. Im Zweifel ist Zurückhaltung die bessere Form der Liebe.
Vertrauliche Gespräche
Wenn ein Kind nach der Stunde noch etwas erzählen möchte, nimmt sich der Diener Zeit und hört aufmerksam zu. Er achtet auf das Schamgefühl und die persönlichen Grenzen des Kindes. Vertraulichkeit darf nicht zu einer heimlichen Sonderbeziehung werden.
Besuche und Ausflüge
Bei einem Hausbesuch (Eftekad) besucht der Diener ein Kind und seine Familie und begleitet sie auch danach.
Ein Hausbesuch geschieht nur nach Absprache mit Abuna (der Anrede des Priesters, „unser Vater“) und mit den Eltern; empfohlen ist, zu zweit zu gehen. Der Diener bleibt nicht länger, als es der Familie recht ist. Er ist Gast: Er ist nicht neugierig auf die Geheimnisse der Familie, schaut sich nicht in der Wohnung um und will nicht der Problemlöser der Familie sein. Wer eine Familie mit Kindern besucht, soll nach Papst Schenouda III. darauf achten, „was ihnen Angst machen könnte. Respektiere ihre Gefühle …“.9 Wie man Hausbesuche geistlich vorbereitet und gestaltet, lernst du in Thema 35 („Begleiten – Hausbesuch und Seelsorge“).
Bei Ausflügen und Freizeiten sind die Eltern einverstanden, und das Programm ist mit dem Priester abgesprochen. Vorher bespricht der Diener mit den Eltern, was er wissen muss, etwa gesundheitliche Fragen. Im Notfall handeln die Diener selbst und sofort und informieren danach den Priester und die Eltern. Unterwegs gilt dieselbe Haltung wie in der Kirche: keine Heimlichkeit, keine Sonderstellung eines einzelnen Kindes, Achtung vor dem Schamgefühl jedes Kindes.
Nachrichten und soziale Medien
Nähe und Distanz gelten auch am Handy. In Nachrichten und Gruppen geht der Diener achtsam und mit Weisheit mit den Kindern um und sucht keine heimliche Sonderbeziehung zu einem Kind. Seine Worte sind freundlich, dem Alter angemessen und achten die Würde des Kindes. Bemerkt er in sozialen Medien etwas, das einem Kind oder Jugendlichen seiner Klasse schaden könnte, bespricht er seine Sorge mit Abuna. Auch im Internet bewahrt er, was Kinder und Familien ihm anvertrauen.
Der Diener straft nicht
Erziehen – auch mit angemessenen Konsequenzen – ist Recht und Pflicht der Eltern. Papst Schenouda III. betont, dass sich Familien nicht ganz auf die Sonntagsschule verlassen dürfen, denn „die Eltern tragen die Verantwortung für ihr Kind, sei es für dessen religiöse Erziehung oder für die Überwachung dieser Erziehung“.10 Auch die Schrift richtet die Mahnung zur Erziehung an die Väter: „Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Weisung des Herrn!“ (Eph 6:4). Der Diener ist in der Erziehung des Kindes ein Helfer der Eltern, nicht ihr Ersatz. Darum straft er nicht.
Strafen durch einen Diener zerstören außerdem, was er aufbauen soll: das Vertrauen des Kindes und sein Bild von Gott. Ein Kind, das sich vor seinem Diener fürchtet, wird ihm nichts mehr anvertrauen. Und für den Weg der Kirche zum Menschen gilt, was der heilige Johannes Chrysostomus schreibt:
Am allerwenigsten ist es den Christen erlaubt, mit Gewalt die Fehler der Sünder bessern zu wollen. … Bei uns aber gilt es, einen solchen Menschen nicht durch Zwang, sondern durch Überzeugung zu bessern.11
Selbst wo Papst Schenouda III. von der Bestrafung durch die Eltern spricht, setzt er ihr Grenzen: „Disziplin ist falsch, wenn sie auf eine ungeistliche, unmenschliche oder harte Weise ausgeübt wird“, und die Eltern sollen „Mitgefühl zeigen“.12 Über ein kleines Kind, das etwas genommen hat, was ihm nicht gehört, schreibt er: „Tadele ihn auch nicht, schlage ihn nicht und sei nicht zu hart zu ihm“.13 Für den Diener heißt das: Er schlägt nie, auch nicht leicht. Er schüttelt nicht, schreit nicht, beschämt nicht und droht nicht – weder mit Strafen noch mit Gott.
Das heißt nicht, dass in der Stunde alles erlaubt wäre. Der Diener sorgt mit Ruhe und Geduld für Ordnung: Er spricht ein Kind ruhig an („Nein, mein Lieber, tu das nicht, das ist nicht richtig“14), erinnert an die gemeinsam vereinbarten Regeln, gibt dem unruhigen Kind eine Aufgabe, lobt das Gute und spricht nach der Stunde freundlich mit ihm. In der Gruppe darf und soll er auch Folgen umsetzen, die vorher gemeinsam vereinbart wurden: Sie sind angemessen, beschämen nicht und helfen dem Kind, es besser zu machen, etwa wenn Kaputtes gemeinsam wieder in Ordnung gebracht wird. Eine solche Folge ist keine Strafe: Eine Strafe vergilt und beschämt; die vereinbarte Folge nimmt das Kind ernst und zeigt ihm einen Weg zurück. Wiederholen sich Schwierigkeiten, bespricht er sie mit der Leitung des Dienstes und, in Absprache mit ihr, mit den Eltern.
Verschwiegenheit und ihre Grenzen
Verschwiegenheit heißt, dass der Diener das, was Kinder, Jugendliche und Familien ihm anvertrauen oder was er über sie weiß, nicht weitererzählt – weder anderen Dienern noch anderen Kindern noch in sozialen Medien.
Die Schrift lobt den, der schweigen kann: „der Verlässliche behält eine Sache für sich“ (Spr 11:13b). Abuna Daoud Lamei nennt unter den Dingen, die ein weiser Diener des Evangeliums nicht tun soll: „Versprechen geben, die er vielleicht nicht erfüllen kann“ und „Geheimnisse derer preisgeben, die sich ihm anvertrauen und seinen Rat oder seine Führung suchen“.15
Die Verschwiegenheit hat aber eine Grenze: wenn ein Kind in Not oder in Gefahr ist. Das ist etwa der Fall, wenn es von Gewalt oder Missbrauch erzählt, wenn es Anzeichen dafür gibt oder wenn es sich selbst oder andere in Gefahr bringt. Wer dann schweigt, schützt nicht das Kind, sondern das Unrecht. Die Schrift sagt: „Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!“ (Spr 31:8). Papst Schenouda III. fragt, ob einem erst gesagt werden muss, einen Ertrinkenden zu retten, und antwortet: „Nein, ganz und gar nicht. Denn das Herz, das mit Liebe brennt, brennt mit Eifer zu retten“.16
Wenn dir ein Kind etwas anvertraut, das auf eine solche Not hindeutet, gilt:
- Zuhören und ernst nehmen. Bleib ruhig, hör zu und zeig dem Kind, dass es richtig war, dir das zu sagen. Ist ihm Unrecht geschehen, sag ihm, dass es keine Schuld daran trägt.
- Nichts Unerfüllbares versprechen. Sag nicht: „Ich erzähle es niemandem.“ Sag ehrlich: „Ich muss das jemandem sagen, der dir helfen kann.“
- Nicht ausfragen und nicht selbst nachforschen. Du bist nicht der Ermittler und nicht der Problemlöser der Familie. Sprich nicht auf eigene Faust mit der Familie oder mit anderen Beteiligten darüber.
- Hilfe holen. Ist das Kind in akuter Gefahr, rufst du sofort selbst den Notruf. Sonst sprichst du mit Abuna über deine Sorge um das Kind.
- Sonst schweigen. Mit anderen Dienern, Freunden oder Eltern anderer Kinder sprichst du nicht darüber. Was dich selbst belastet, besprichst du mit deinem Beichtvater.
Bei akuter Gefahr wartet der Diener nicht bis zum nächsten Sonntag: wenn ein Kind verletzt ist, wenn es davon spricht, sich etwas anzutun, oder wenn ihm unmittelbar Gefahr droht. Dann handelt er selbst und sofort. Er ruft den Notruf, holt Hilfe und lässt das Kind nicht allein; danach informiert er Abuna. Ist keine akute Gefahr, spricht er mit Abuna. Der Priester zieht je nach Lage die Eltern und weitere Hilfen hinzu, auch die Hilfe, die Gott durch Ärzte und andere Helfer schenkt. Was dem Kind peinlich ist oder aus seinem Elternhaus kommt, klärt der Priester mit den Eltern, nicht der Diener. Schon Jesus Sirach mahnt: „Schätze den Arzt, weil man ihn braucht; denn auch ihn hat Gott erschaffen“ (Sir 38:1).
Auch wenn ein Diener bemerkt, dass ein Mitdiener mit Worten oder Berührungen die Grenzen eines Kindes nicht achtet, schweigt er nicht aus falscher Rücksicht. Bei einer Kleinigkeit, etwa einem unbedachten Scherz, spricht er ihn nach der Stunde unter vier Augen an (Mt 18:15). Geht es um das Wohl eines Kindes oder ändert sich nichts, spricht er mit Abuna und erzählt es niemand anderem.
Drei Fälle aus der Sonntagsschule
Fall 1. Eine Dienerin bemerkt, dass eine Dreizehnjährige aus ihrer Klasse in sozialen Medien Bilder und Nachrichten von sich teilt, die ihr schaden können. Die anderen Mädchen tuscheln in der Stunde schon darüber.
Überlegung. Die Dienerin stellt die Jugendliche nicht vor den anderen bloß und kommentiert ihre Beiträge nicht. Sie bleibt ihr freundlich zugewandt und lässt nicht zu, dass die anderen schlecht über sie reden. Ihre Sorge bespricht sie mit Abuna. Weil das Thema der Jugendlichen peinlich sein kann, klärt der Priester mit den Eltern, wie es weitergeht; die Dienerin spricht nicht auf eigene Faust mit der Familie.
Fall 2. Eine vierzehnjährige Jugendliche schreibt ihrer Dienerin spätabends private Nachrichten: Niemand verstehe sie, sie sehe in nichts mehr einen Sinn. Sie bittet, das solle „unter uns bleiben“.
Überlegung. Die Dienerin antwortet freundlich, dass sie für sie da ist, lässt sie nicht allein und bietet ein Gespräch in der Kirche an. Weil die Worte auf eine ernste Not hindeuten können, verspricht sie keine Geheimhaltung und wartet nicht bis zum Sonntag: Sie ruft sofort Abuna an, und der Priester bezieht je nach Lage die Eltern ein. Schreibt die Jugendliche davon, sich etwas anzutun, ruft die Dienerin sofort selbst den Notruf. Ein Leben zu retten geht jeder anderen Rücksicht vor.
Fall 3. Ein Kind wirkt seit Wochen verängstigt. Nach der Stunde erzählt es seiner Dienerin, zu Hause werde es geschlagen, und bittet sie, niemandem etwas zu sagen.
Überlegung. Die Dienerin hört ruhig zu, glaubt dem Kind und sagt ihm, dass es richtig war, davon zu erzählen, und dass es keine Schuld trägt. Sie verspricht nicht zu schweigen, sondern sagt, dass sie mit jemandem sprechen muss, der helfen kann. Sie fragt das Kind nicht aus und spricht nicht selbst mit den Eltern. Noch am selben Tag spricht sie mit Abuna über ihre Sorge um das Kind. Weil die Not aus dem Elternhaus kommt, klärt der Priester den weiteren Weg und zieht die nötigen Hilfen hinzu. Ist das Kind in akuter Gefahr, ruft die Dienerin sofort selbst den Notruf. Gegenüber anderen schweigt sie. Dem Kind begegnet sie weiter mit Freundlichkeit, und sie betet für es.
Für den Dienst
- Sprich mit den Kindern so, dass jedes Wort vor den Eltern bestehen kann, und achte das Nein jedes Kindes; den Rahmen der Nähe setzt du, und sie bleibt dem Alter angemessen.
- Um die Mädchen kümmern sich die Dienerinnen, um die Burschen die Diener.
- Höre einem Kind aufmerksam zu und achte auch im vertraulichen Gespräch seine Würde und seine persönlichen Grenzen.
- Mach Hausbesuche nur nach Absprache mit Abuna und den Eltern, am besten zu zweit, und sprich vor Ausflügen mit den Eltern über das, was du wissen musst.
- Geh auch in Nachrichten und sozialen Medien achtsam und mit Weisheit mit den Kindern um; suche keine heimliche Sonderbeziehung und bewahre Anvertrautes.
- Strafe nie; sorge mit Ruhe, Regeln, Lob und Gespräch für Ordnung und besprich Schwierigkeiten mit der Leitung des Dienstes.
- Versprich keine Geheimhaltung, die du nicht halten kannst. Sorgst du dich um ein Kind, sprich mit Abuna; bei akuter Gefahr rufst du sofort selbst den Notruf.
Das Wichtigste in Kürze
- Christus stellt die Kinder unter seinen besonderen Schutz (Mk 10:14; Mt 18:6); ihr Schutz ist Aufgabe jedes Dieners.
- Die Grundhaltung ist Liebe ohne Angst: keine Drohung mit Gott, keine Bloßstellung (Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, S. 36).
- Nähe und Distanz heißt: kein falsches Wort, keine falsche Berührung, keine Heimlichkeit; das Nein des Kindes gilt, den Rahmen setzt der Diener.
- Um die Mädchen kümmern sich die Dienerinnen, um die Burschen die Diener.
- Hausbesuche und Ausflüge geschehen nur in Absprache mit Abuna und den Eltern; Hausbesuche macht man am besten zu zweit.
- Auch am Handy geht der Diener achtsam mit den Kindern um und schreibt nichts, was die Eltern nicht lesen dürften.
- Erziehung – auch mit angemessenen Konsequenzen – ist Sache der Eltern; der Diener straft nie und sorgt mit Ruhe, Geduld und vereinbarten Regeln für Ordnung.
- Die Verschwiegenheit endet, wo ein Kind in Not ist: keine unerfüllbaren Versprechen, sondern das Gespräch mit dem Priester, der je nach Lage die Eltern und weitere Hilfen hinzuzieht. Bei akuter Gefahr handelt der Diener selbst und sofort und ruft den Notruf.
Zum Weiterlesen
- Papst Schenouda III.: Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Wie fange ich an?“ (S. 14–15), Abschnitte „Lob und Ermutigung“ und „Einschüchterung“ (S. 34–37), „Breitere Gesellschaft“ und „Sonntagsschulen“ (S. 47–49), „Bestrafung und Belohnung“ (S. 57–58).
- Papst Schenouda III.: Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitt „Hindernisse für den Eifer“, und Kap. 3, Abschnitt „Konstruktiv und nicht zerstörerisch“.
- Hl. Johannes Chrysostomus: Über das Priestertum, Buch II, Kap. 3–4 (BKV 1. Reihe 27).
- Hl. Polykarp von Smyrna: Brief an die Philipper, Kap. 4–6 (BKV 1. Reihe 35).
Anmerkungen
Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Breitere Gesellschaft“ (S. 48).↑
Polykarp, Brief an die Philipper, Kap. 6,1.↑
Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Einschüchterung“ (S. 36).↑
Ebd.↑
Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Lob und Ermutigung“ (S. 35).↑
Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Breitere Gesellschaft“ (S. 48).↑
Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Lob und Ermutigung“ (S. 35).↑
Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Wie fange ich an?“ (S. 14).↑
Ebd. (S. 15).↑
Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Sonntagsschulen“ (S. 48).↑
Johannes Chrysostomus, Über das Priestertum, Buch II, Kap. 3.↑
Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Bestrafung und Belohnung“ (S. 58).↑
Ebd., Abschnitt „Besitzt alles“ (S. 31).↑
Ebd., Abschnitt „Lob und Ermutigung“ (S. 35).↑
Abuna Daoud Lamei, The Harvest is Plentiful, Kap. 6.↑
Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitt „Hindernisse für den Eifer“.↑