Thema 28 · Vortrag 2
Die Göttliche Liturgie I – Darbringung und Liturgie des Wortes
Vom Anlegen der Gewänder bis zum Glaubensbekenntnis
16 Min. LesezeitDie Eucharistie und die Göttliche Liturgie
Lernziele
- Den Sinn der Teile der Göttlichen Liturgie und der Lesungsfolge erklären.
- Die Rolle von Priester, Diakon und Volk in drei Teilen der Liturgie beschreiben.
Schlüsselbegriffe
Basilius-Liturgie · Gregorius-Liturgie · Kyrillus-Liturgie · Tunika · Sadra · Phelonion · Tailasan · Orarion · Opferbrot (Qurban) · Lamm · Darbringung des Lammes · Prospherin · Absolution der Dienenden · Liturgie der Katechumenen · Paulus · Katholikon · Praxis · Synaxarium · Trishagion · Evangeliumsgebet · Evangeliar · Litaneien · Glaubensbekenntnis
Bibelstellen
Mk 14:15; Ps 30:2; Ps 93:1; Lev 8:13; Eph 6:17; Ps 51:9; Ps 26:6; Joh 19:34; Ex 12:5; Gen 48:14; Gen 14:18; Lk 2:28; Mt 28:2; 1. Kor 15:10; Apg 1:4; Apg 1:8; Hebr 13:7; Mt 13:16–17; Lk 2:29–30; 1. Tim 2:1–2; Hebr 11:6
Inhalt
Wer am Sonntag erst zur Lesung des Evangeliums kommt, hat schon viel versäumt. Die Göttliche Liturgie beginnt früher: mit dem Anlegen der Gewänder, dem Gebet der Agpeya, der Auswahl des Lammes und den Lesungen, die die Gemeinde zum Altar hinführen. Den Aufbau der Liturgie kennst du aus Buch 1, Kapitel 8 („Die Göttliche Liturgie – Aufbau und Lesungen“). Wer die Handlungen und die Aufgaben von Priester, Diakon und Volk versteht, kann Kindern ihren Sinn erklären.
Eine Liturgie – drei Anaphoren
Die Koptisch-Orthodoxe Kirche feiert die Göttliche Liturgie in drei Formen. Sie unterscheiden sich vor allem im großen Hochgebet, der Anaphora. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty beschreibt sie so:1
- Basilius-Liturgie: Sie „wird am häufigsten gefeiert“.
- Gregorius-Liturgie: Sie wird häufig an Festen gefeiert. „Die Gebete dieser Liturgie richten sich an die Hypostase des Sohnes.“ Hypostase heißt hier Person; darum spricht der Priester Christus selbst an: „Du bist wie ein Lamm zur Schlachtung gekommen bis zum Kreuz.“2
- Kyrillus-Liturgie: Nach dem Messbuch unserer Diözese, Die göttlichen Liturgien, stammt sie ursprünglich von unserem Vater, dem heiligen Apostel Markus, und wurde vom heiligen Kyrill bearbeitet.3 Auch Papst Tawadros II. erinnert daran, dass ihre Anfänge auf den heiligen Markus zurückgehen.4
Die Darbringung des Lammes und die Liturgie des Wortes, der Teil mit den Lesungen, werden für die Gregorius- und die Kyrillus-Liturgie aus der Basilius-Liturgie übernommen.5 Der folgende Ablauf folgt der Basilius-Liturgie.
Die Vorbereitung
Weiße Gewänder
Priester und Diakone legen vor der Liturgie weiße Gewänder an. In den überlieferten Kanones des Basilius heißt es: „Die Gewänder müssen weiß sein, nicht bunt.“6 Papst Schenouda III. erklärt: „Sie sind ein Symbol der inneren Reinheit.“7 Der Priester bezeichnet die Gewänder mit dem Kreuz, und beim Anlegen werden Psalm 30 und Psalm 93 gebetet: „Ich will dich rühmen, Herr, denn du hast mich aus der Tiefe gezogen“ (Ps 30:2a; LXX 29) und „Der Herr ist König, bekleidet mit Hoheit“ (Ps 93:1a; LXX 92).8
Die wichtigsten Gewänder sind:
- die Tunika: das weite weiße Gewand mit einem Kreuz auf Brust und Rücken, das Priester und Diakone aller Stufen zum liturgischen Dienst tragen;
- die Sadra: die breite Stola des Priesters, die vom Hals bis zu den Füßen reicht;
- das Phelonion („Burnus“): der mantelartige Überwurf des Priesters, ein Sinnbild der Fürsorge Gottes, die den Priester von allen Seiten umhüllt;
- der Tailasan: die liturgische Kopfbedeckung des Priesters, gedeutet auf den Kopfbund der Priester des Alten Bundes (Lev 8:13) und auf den „Helm des Heils“ (Eph 6:17);
- das Orarion („Patrashel“): die Stola des Diakons.
Der Altar wird bereitet
Der Priester breitet die Tücher über den Altar und stellt Kelch und Patene, die kleine Schale für das Lamm, bereit; die Geräte selbst kennst du aus Thema 7 („Ritus und Gotteshaus“). Der bereitete Altar erinnert an das Obergemach, in dem der Herr mit seinen Jüngern das Pascha feierte: „einen großen Raum im Obergeschoss …, der schon für das Festmahl hergerichtet … ist“ (Mk 14:15).9 Dabei betet der Priester still das Gebet der Vorbereitung: „O Herr, der Du das Herz eines jeden kennst, der Du heilig in Deinen Heiligen ruhst, der Du ohne Sünde bist und die Sünden vergeben kannst. Herr, Du weißt, dass ich für diesen Deinen heiligen Dienst unwürdig und unvorbereitet bin.“10 Papst Schenouda III. folgert aus diesem Gebet: Wenn schon der Priester so zerknirscht betet, wie viel mehr sollte es die übrige Gemeinde tun.11
Die Gebetsstunden der Agpeya
Bevor die Darbringung beginnt, betet die Gemeinde mit Priester und Diakonen Gebetsstunden aus der Agpeya: gewöhnlich die dritte und die sechste Stunde, an Fastentagen weitere Stunden.12 Die dritte Stunde erinnert an die Herabkunft des Heiligen Geistes, die sechste an die Kreuzigung des Herrn (vgl. Buch 1, Anhang „Gebetszeiten“). So bitten wir um den Geist, der die Gaben heiligen wird, und stellen uns unter das Kreuz, dessen Opfer gegenwärtig wird.
Die Händewaschung
Der Priester wäscht dreimal die Hände und betet dabei Verse aus den Psalmen: „Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee“ (Ps 51:9; LXX 50) und „Ich wasche meine Hände in Unschuld; ich umschreite, Herr, deinen Altar“ (Ps 26:6; LXX 25).13 Der Katechismus zitiert dazu den heiligen Kyrill von Jerusalem: „Das Händewaschen ist also ein Sinnbild der Freiheit von der Sünde.“14 Der Priester hat keine schmutzigen Hände; er zeigt, dass der Dienst am Altar ein reines Herz verlangt – auch von uns.
Die Darbringung des Lammes
Brot und Wein
Die Gläubigen bringen Brote und Wein für die Liturgie. Das Opferbrot (Qurban) ist rund und mit einem Siegel gestempelt: einem großen Kreuz in der Mitte, das Christus bedeutet, und zwölf kleinen Kreuzen ringsum für die zwölf Apostel; am Rand stehen die griechischen Worte des Trishagions: „Agios o Theos, Agios Ischyros, Agios Athanatos“.15 Kein Brot darf zerbrochen, altbacken, verbrannt oder mit einem Makel behaftet sein; so verlangen es schon die überlieferten Kanones des Basilius im Blick auf das fehlerlose Paschalamm.16 Der Wein muss rein sein; der Priester prüft ihn, bevor die Darbringung beginnt.17 Im Kelch wird er mit Wasser gemischt, denn als die Seite des Herrn durchbohrt wurde, „floß Blut und Wasser heraus“ (Joh 19:34).18
Die Auswahl des Lammes
Der Katechismus beschreibt den Anfang der Liturgie: „Das Lamm wird aus den dargebrachten Brotlaiben ausgewählt. Der Priester salbt es im Namen der Heiligen Dreifaltigkeit mit Wein.“19 Das ausgewählte Brot heißt Lamm, denn es wird der Leib Christi, des Lammes Gottes. Der Priester prüft die Brote sorgfältig und wählt das beste, ohne Riss und Makel – wie das Paschalamm fehlerfrei sein musste (Ex 12:5). Dabei legt er die Hände gekreuzt über die Brote, wie Jakob, als er die Söhne Josefs segnete und „seine Hände überkreuzte“ (Gen 48:14).20 Mit dem Wein bezeichnet er das Lamm und die übrigen Brote mit dem Kreuz, berührt mit dem Lamm die übrigen Brote und spricht: „Opfer des Segens, Opfer der Herrlichkeit, Opfer des Abrahams, Opfer des Isaaks, Opfer des Jakobs und Opfer des Melchisedechs“.21 Melchisedek „brachte Brot und Wein heraus“ (Gen 14:18). Alle alten Opfer weisen auf das eine Opfer Christi hin.
Der Katechismus sagt, was die Darbringung bedeutet: „Die Kirche bringt durch Christus, das wahre Opfer, ihr ganzes Leben dar.“22 Mit Brot und Wein legt die Gemeinde sich selbst auf den Altar.
Die Prozession und das Danksagungsgebet
Der Priester hüllt das Lamm in ein Seidentuch, hebt es über seinen Kopf und geht einmal um den Altar; der Diakon trägt den Wein.23 Die Kirche sieht darin den greisen Simeon, der das Kind Jesus „in seine Arme“ nahm und Gott pries (Lk 2:28).24 Dabei gibt der Priester der Heiligen Dreifaltigkeit Ehre und Herrlichkeit, bittet um Frieden für die Kirche und gedenkt aller, die die Gaben dargebracht haben; die Gemeinde antwortet mit einem Alleluja-Gesang, der sich nach dem Tag und der Zeit des Kirchenjahres richtet.25 Dann betet der Priester das Danksagungsgebet: „Wir danken Dir für jeden Zustand, wegen jedes Zustandes und in jedem Zustand, denn Du hast uns beschützt, geholfen, bewahrt, uns bei dir angenommen, mit Erbarmen bedacht, gestärkt und zu dieser Stunde gelangen lassen.“26
Die Gaben werden bedeckt; die Absolution
Nach dem Gebet der Darbringung bedecken Priester und Diakon die Gaben mit dem großen Tuch, der Prospherin, und legen ein kleines, zum Dreieck gefaltetes Tuch darauf. Die Kirche deutet die Prospherin auf den Stein vor dem Grab des Herrn und das kleine Tuch auf das Siegel des Grabes.27 Wenn die Prospherin vor der Anaphora wieder abgehoben wird, erinnert das an den Engel, der den Stein vom Grab wegwälzte (Mt 28:2).28
Dann betet der Priester still die Absolution des Sohnes, ein Gebet um Vergebung, das sich an den Sohn richtet. Vor dem Heiligtum spricht ein Priester, nach Osten gewandt, die Absolution der Dienenden; ist ein Bischof anwesend, spricht er sie.29 Sie beginnt mit den Worten „Deine Diener an diesem Tag“ und bittet, dass alle losgesprochen werden „durch den Mund der heiligen Dreifaltigkeit“, durch die Kirche, durch die Apostel und den heiligen Markus, durch die großen Väter – unter ihnen Athanasius, Johannes Chrysostomus, Kyrill, Basilius und Gregor – und durch die Väter der Konzile, der großen Versammlungen der Bischöfe, von Nizäa, Konstantinopel und Ephesus.30 Der Priester bekennt damit vor der Gemeinde den Glauben dieser Väter.
Wer sind diese „Diener“? Nicht nur Priester und Diakone:
Mit „Diener“ sind nicht nur die Diener der Sonntagsschule gemeint. Jede Person, die in die Kirche kommt, ist ein Diener.31
Papst Tawadros II. fügt hinzu, dass ein Priester oder Bischof die Liturgie nach guter Überlieferung nie allein betet: „Es müssen mindestens drei anwesend sein: Einer, der die Diener repräsentiert, einer, der das Volk vertritt und der Bischof oder der Priester, der betet.“32
Die Liturgie des Wortes
Nach der Absolution beginnt die Liturgie der Katechumenen oder Liturgie des Wortes. Die Katechumenen, die Taufbewerber, durften sie mitfeiern; doch auch die Getauften bleiben, wie der Katechismus sagt, „darauf angewiesen, das Wort immer wieder zu hören“.33 Der Katechismus lädt dazu ein, sich während der Lesungen „inmitten der Volksmenge“ zu sehen und zu bedenken, „dass Christus selbst in diesem Augenblick zu uns spricht“.34 Die Lesungen hat die Kirche geordnet und im Katameros, dem Buch der Lesungen, zusammengestellt. Von Papst Gabriel II. erzählt das Synaxarium, er habe angeordnet, die Lesungen aus den Briefen und Evangelien sowie die Predigten „nach der Lesung auf Koptisch auch auf Arabisch zu lesen, damit das Volk die Lesungen und Predigten verstehen könne“; auch die Lesungen der Karwoche hat er geordnet.35 Darum hören wir die Lesungen auch in unserer Sprache.
Der Weg der Lesungen
Die Lesungen folgen einem Weg, den die Kirche mit dem Weihrauch sichtbar macht:36
| Lesung | Woraus | Was geschieht | Sinn |
|---|---|---|---|
| Paulus | aus den vierzehn Briefen des Paulus, mit dem Hebräerbrief | Der Priester trägt den Weihrauch durch die ganze Kirche. | Paulus sagt: „Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht“ (1. Kor 15:10); er hat das Evangelium weit getragen. |
| Katholikon | aus den Briefen des Jakobus, Petrus, Johannes und Judas | kein Weihrauchumgang; der Priester bleibt im Heiligtum | Die Apostel blieben in Jerusalem, bis der Heilige Geist kam (Apg 1:4). |
| Praxis | aus der Apostelgeschichte | Der Priester geht mit dem Weihrauch hinaus, aber nicht durch die ganze Kirche. | Die Apostel ziehen aus, um Zeugen zu sein „bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1:8). |
| Synaxarium | aus dem Buch der Heiligen | Lesung vom Heiligen des Tages | Das Wort der Apostel lebt in den Heiligen weiter. |
| Psalm und Evangelium | aus den Psalmen und den vier Evangelien | Prozession mit dem Evangeliar (Evangelienbuch); Kerzen; die Gemeinde steht | Christus selbst spricht. |
Während der Pauluslesung betet der Priester still: „Gewähre uns und Deinem ganzen Volk einen freien Verstand, damit wir erkennen und verstehen, wie nützlich Deine heilige Lehre ist, die von ihm stammt und jetzt für uns gelesen wurde.“37 Die Reihenfolge führt von den Aposteln zu den Heiligen und dann zu Christus selbst: Erst hören wir die Diener des Wortes, dann den Herrn.
Das Synaxarium
Das Synaxarium erzählt das Leben der Heiligen und den Tag ihres Heimgangs. Bei vielen Heiligen feiert die Kirche den Tag ihres Heimgangs: Sie haben den Glauben bis zuletzt bewahrt. Sie kennt auch Geburtsfeste, etwa die Geburt der Gottesgebärerin Maria und des heiligen Johannes des Täufers.38 So erfüllt sich das Wort: „schaut auf das Ende ihres Lebens, und ahmt ihren Glauben nach!“ (Hebr 13:7b).39 Das Synaxarium wird fast immer gelesen; nur in der Karwoche und vom Auferstehungsfest bis zur Himmelfahrt entfällt es. In dieser Zeit hält die Kirche an seiner Stelle die Auferstehungsprozession.40 Nach der Lesung der Apostelgeschichte werden auch die Bischöfe geweiht, „als Symbol für die Fortsetzung der Arbeit der Apostelväter“.41
Trishagion, Psalm und Evangelium
Nun singt die Gemeinde das Trishagion: „Heiliger Gott, Heiliger Starker, Heiliger Lebendiger, Unsterblicher“. In seinen Zusätzen bekennt die Kirche Christus, „von der Jungfrau geboren“, „für uns gekreuzigt“, „vom Tode auferstanden und in den Himmel hinaufgestiegen“.42 Das Trishagion ist nicht dasselbe wie das „Heilig, heilig, heilig“ der Engel aus Jes 6:3, das in der Anaphora gesungen wird (dritter Vortrag).
Dann betet der Priester das Evangeliumsgebet. Es nimmt das Wort des Herrn auf: „Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören“ (Mt 13:16). Und es bittet: „Mache uns würdig, Deine heiligen Evangelien zu hören und danach zu handeln durch die Gebete Deiner Heiligen.“43 Der Diakon kündigt den Psalm an: „Aus den Psalmen unseres Lehrers David, des Propheten und Königs, sein Segen sei mit uns, Amen.“44 Priester und Diakon tragen das Evangeliar um den Altar; der Priester betet dabei still mit Simeon: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen“ (Lk 2:29–30).45 Simeon steht für den Alten Bund, der Abschied nimmt; die Kirche zeigt mit seinem Gebet, dass sie bereit ist, das Evangelium zu hören.46 Der Diakon ruft: „Steht auf in Ehrfurcht vor Gott, um das hl. Evangelium zu hören.“47 Die Gemeinde steht, und zwei Diakone halten brennende Kerzen neben dem Lesepult: Das Evangelium erleuchtet unseren Weg.48 Das Evangelium liest der Priester oder der Diakon; danach hält der Bischof oder der Priester die Predigt.49
Die drei großen Bittgebete
Nach Evangelium und Predigt betet der Priester vor dem Altar die drei großen Litaneien (Bittgebete): für den Frieden der Kirche, für die Väter der Kirche – den Papst und die Bischöfe – und für unsere Versammlungen.50 Die Gemeinde antwortet „Kyrie eleison“ („Herr, erbarme dich“). Der Katechismus führt eine alte Regel an: „Es wird für die ganze Kirche gebetet (für die Bischöfe, Priester, Diakone und die Gemeinde), ebenso für alle Obrigkeiten und Herrscher, für die Früchte der Erde, für die Kranken im Volk und für die Reisenden.“51 So tut die Kirche, was der Apostel verlangt: „Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, für die Herrscher und für alle, die Macht ausüben“ (1. Tim 2:1–2a). Bevor der Priester die Litaneien beginnt, bittet er die anwesenden Priester um Vergebung und um ihr Gebet, wie der Herr es verlangt: Wer seine Gabe zum Altar bringt, soll sich zuerst mit seinem Bruder versöhnen (Mt 5:23–24).52
Das Glaubensbekenntnis als Übergang
Am Ende der Litaneien ruft der Diakon: „Hört aufmerksam zu in der Weisheit Gottes“, und alle sprechen gemeinsam und laut das Glaubensbekenntnis: „In Wahrheit glauben wir an den einen Gott …“.53 Das Bekenntnis ist die Brücke zwischen den beiden großen Teilen der Liturgie. In alter Zeit verließen die Katechumenen an dieser Stelle die Kirche. In den überlieferten Kanones des Basilius heißt es: „Sobald sie die Liturgie der Katechumenen beendet haben, sollen sie die Katechumenen auffordern, hinauszugehen.“54 Zum Altar tritt nur, wer den Glauben der Kirche bekennt: „Ohne Glauben aber ist es unmöglich, (Gott) zu gefallen“ (Hebr 11:6). Glaube und Liebe sind die beiden Bedingungen. Den Glauben bekennen wir im Glaubensbekenntnis, die Liebe zeigen wir im Friedenskuss, der bald folgt.55
Während des Bekenntnisses wäscht der Priester noch einmal die Hände und schüttelt sie vor dem Volk aus, wie das Euchologion sagt, „als Warnung für das ganze Volk: Ihr sollt am Leib und Blut Christi nur würdig teilnehmen“.56 Jeder soll sich prüfen, bevor er zur Kommunion geht (1. Kor 11:28).
Priester, Diakon und Volk
In der Liturgie hat jeder seinen Platz. Schon der heilige Ignatius von Antiochien beschreibt die Ordnung der Kirche:
Befleißiget euch, alles zu tun in der Eintracht Gottes, da der Bischof den Vorsitz führt an Stelle Gottes, die Presbyter an Stelle des Apostelkollegiums, und die Diakonen, die ich gar sehr liebe, mit dem Dienste Jesu Christi betraut sind …57
Die Übersicht zeigt, wer in den ersten Teilen der Liturgie was tut:
| Teil | Priester | Diakon | Volk |
|---|---|---|---|
| Vorbereitung und Darbringung | legt die Gewänder an, bereitet den Altar, wäscht die Hände, wählt das Lamm, betet Danksagung und Darbringung, spricht die Absolution | legt die Gewänder an, trägt den Wein, hilft am Altar, antwortet | betet die Agpeya mit, bringt Brot und Wein, singt bei der Prozession, empfängt die Absolution |
| Liturgie des Wortes | bringt den Weihrauch dar, betet still um Verständnis, trägt das Evangeliar, liest das Evangelium, predigt | liest Lesungen, ruft zum Stehen auf, hält Kreuz und Kerzen | hört, steht beim Evangelium, singt Trishagion und Antworten |
| Litaneien und Bekenntnis | betet die drei großen Litaneien, wäscht die Hände | ruft zum Gebet und zum Bekenntnis auf | antwortet „Kyrie eleison“, spricht das Glaubensbekenntnis |
In den überlieferten Kanones des Basilius heißt es: „Nach den Psalmen soll die Gemeinde mit aller Kraft antworten. Wenn jemand körperlich krank ist und sich nicht beteiligen kann, trifft ihn kein Vorwurf. Wenn er aber die Kraft hat, am Gottesdienst teilzunehmen, und schweigt, so macht allein er sich des Segens unwürdig.“58
Für den Dienst
Pünktlich kommen. Kinder lernen von uns, wann die Liturgie beginnt. Wer zur Darbringung des Lammes da ist, erlebt, wie die Gaben auf den Altar kommen, für die er nachher dankt.
Die Namen kennen. Übe mit den Kindern die Namen der Lesungen in der richtigen Reihenfolge: Paulus, Katholikon, Praxis, Synaxarium, Psalm, Evangelium. Kinder können an der Bewegung des Weihrauchs erkennen, welche Lesung gerade kommt.
Beim Evangelium stehen. Erkläre den Kindern, warum wir aufstehen: Christus selbst spricht. Kleine Kinder können lernen, beim Ruf des Diakons still zu werden.
Gebetsanliegen mitbringen. Der Priester betet in der Liturgie für die Kranken, die Reisenden und die Entschlafenen; bei der Prozession des Lammes gedenkt er still aller, die ihn um sein Gebet gebeten haben.59 Du kannst mit den Kindern Gebetsanliegen sammeln und daran erinnern, dass die Kirche für alle betet.
Dienst im Gottesdienst. Manche Kinder und Jugendliche dienen als Epsaltos (Sänger) im Diakonenchor. Sie brauchen Diener, die ihnen erklären, was sie tun, damit ihr Dienst Gebet bleibt und nicht Gewohnheit wird.
Jeder ist Diener. Papst Tawadros II. sagt: „Jede Person, die in die Kirche kommt, ist ein Diener.“ Das gilt für dich am Sonntagmorgen, auch wenn du an diesem Tag keinen Dienst hast.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Koptisch-Orthodoxe Kirche feiert drei Liturgien: die Basilius-Liturgie (am häufigsten), die Gregorius-Liturgie (an den Sohn gerichtet) und die Kyrillus-Liturgie (auf die Markusliturgie zurückgehend).
- Weiße Gewänder, Agpeya-Gebet und Händewaschung bereiten Priester, Diakone und Volk auf den Dienst am Altar vor.
- In der Darbringung wird das beste Brot als Lamm ausgewählt; mit Brot und Wein bringt die Kirche durch Christus ihr ganzes Leben dar.
- Die Lesungen führen von Paulus über die anderen Apostel und die Heiligen zum Evangelium, in dem Christus selbst spricht.
- In den drei großen Litaneien betet die Kirche für ihren Frieden, für ihre Väter und für die Versammlungen; das Glaubensbekenntnis ist der Übergang zur Liturgie der Gläubigen.
- Priester, Diakon und Volk haben je ihre Aufgabe; jeder, der in die Kirche kommt, ist ein Diener.
Zum Weiterlesen
- Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Fr. 788–801.
- Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 19–22, 28–31.
- Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 8 „Heilige Kommunion“, Abschnitt „Vorbereitung auf die Heilige Kommunion“.
- Ignatius von Antiochien, An die Magnesier und An die Smyrnäer (BKV 1. Reihe 35).
- Die göttlichen Liturgien der koptischen Kirche, Koptisch-Orthodoxe Kirche in Österreich, Wien 2009: Basilius-Liturgie von der Bereitung des Altars bis zum Glaubensbekenntnis (S. 121–178).
Anmerkungen
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 791.↑
Die göttlichen Liturgien, S. 274 (Gregorius-Liturgie); vgl. Jes 53:7.↑
Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 340; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 791.↑
Vgl. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 38.↑
Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 252 und 341.↑
Nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 789.↑
Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 8 „Heilige Kommunion“.↑
Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 121–122; Die stillen Gebete in den koptischen Liturgien, S. 30–31.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 72.↑
Die stillen Gebete, S. 32.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 8.↑
Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 124–125.↑
Vgl. Die stillen Gebete, S. 33; Die göttlichen Liturgien, S. 125; Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 8. Ysop ist eine Pflanze, mit deren Zweigen man Wasser versprengte.↑
Kyrill von Jerusalem, Mystagogische Katechesen 5,2; zitiert nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 786.↑
Die sieben Sakramente, S. 67.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 803.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 75; Die göttlichen Liturgien, S. 126.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 770.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 792.↑
Vgl. Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 97–98.↑
Die sieben Sakramente, S. 75–76.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 792.↑
Vgl. Das heilige Euchologion der koptisch-orthodoxen Kirche, hg. vom Koptisch-Orthodoxen Kloster des heiligen Antonius, Kröffelbach 2022, S. 272.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 77.↑
Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 128–130.↑
Die göttlichen Liturgien, S. 135.↑
Vgl. Euchologion, S. 296 und S. 1194 (Glossar, Nr. 1).↑
Vgl. Euchologion, S. 396.↑
Vgl. Euchologion, S. 296.↑
Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 140.↑
Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 22.↑
Ebd.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 792.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 773.↑
Synaxarium, 10. Baramuda, Die Entschlafung des heiligen Papstes Gabriel II., S. 388.↑
Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 146–156; Die sieben Sakramente, S. 78–79; Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 113–131.↑
Die stillen Gebete, S. 37.↑
Vgl. Synaxarium, 1. Baschans, S. 423; 30. Bauna, S. 533.↑
Vgl. Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 128–129.↑
Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. VI.↑
Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 13. Mit „Apostelväter“ sind hier die Apostel gemeint.↑
Die göttlichen Liturgien, S. 157.↑
Die göttlichen Liturgien, S. 158.↑
Die göttlichen Liturgien, S. 162.↑
Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 161.↑
Vgl. Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 141–142.↑
Die göttlichen Liturgien, S. 161.↑
Vgl. Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 143.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 793–794.↑
Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 168–176.↑
Nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 795.↑
Vgl. Euchologion, S. 362; Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 169.↑
Die göttlichen Liturgien, S. 177.↑
Nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 796.↑
Vgl. Bischof Anba Mettaous, The Spirituality of the Rites of the Holy Liturgy, S. 170–171.↑
Euchologion, S. 386.↑
Ignatius von Antiochien, An die Magnesier, Kap. 6,1. Die „Presbyter“ sind die Priester, das „Apostelkollegium“ ist die Gemeinschaft der Apostel. „An Stelle Gottes“ heißt nicht, dass der Bischof Gott ersetzt; Ignatius nennt den Bischof „das Abbild des Vaters“ (An die Trallianer 3,1); vgl. Thema 30, Vortrag 1.↑
Nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 801.↑
Vgl. Euchologion, S. 274.↑