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Thema 28 · Vortrag 1

Die Eucharistie

Einsetzung, wirkliche Gegenwart, Opfer und würdiger Empfang

17 Min. LesezeitDie Eucharistie und die Göttliche Liturgie

Lernziele

  1. Die wirkliche Gegenwart Christi in der Eucharistie mit Joh 6, den Einsetzungsworten und zwei Väterstellen begründen.
  2. Die Eucharistie als das eine Opfer Christi und als Anamnese erklären.
  3. Das Paschalamm (Ex 12) auf die Eucharistie deuten.
  4. Vorbereitung und würdigen Empfang der Kommunion für Kinder erklären.

Schlüsselbegriffe

Eucharistie · heilige Kommunion · die heiligen Mysterien · Einsetzungsworte · Verwandlung · wahrer Leib und wahres Blut · unblutiges Opfer · Anamnese · Epiklese · Paschalamm · Nüchternheit

Bibelstellen

Mt 26:17⁠–⁠19; Mt 26:26⁠–⁠28; Lk 22:15; Lk 22:19; 1. Kor 11:23⁠–⁠29; Joh 6:35; Joh 6:49⁠–⁠51; Joh 6:53⁠–⁠56; Joh 6:60; Joh 6:63; Joh 6:66⁠–⁠69; Ex 12:5⁠–⁠8; Ex 12:11; Ex 12:13⁠–⁠14; Ex 12:26; Ex 12:43; Ex 12:46; 1. Kor 5:7⁠–⁠8; Joh 1:29; Joh 19:36; 1. Petr 1:19; Hebr 7:27; Hebr 9:28; Hebr 13:10; Gen 14:18; Ps 110:4; 1. Kön 18:38; 1. Kor 10:16⁠–⁠17; Mt 5:23⁠–⁠24; Apg 2:42; Apg 20:6⁠–⁠7; Joh 6:10; Joh 6:59

Inhalt

Jeden Sonntag tritt die Gemeinde an den Altar und empfängt den Leib und das Blut Christi. Für die Kirche ist das kein Brauch unter vielen, sondern die Mitte ihres Lebens. Wer Kinder zur Kommunion begleitet, muss selbst wissen, was er empfängt. Dazu gehört, wie der Herr die Eucharistie eingesetzt hat und warum die Kirche an seine wirkliche Gegenwart glaubt. Ebenso muss er erklären können, in welchem Sinn sie ein Opfer ist und wie man sich auf die heilige Kommunion vorbereitet.

Danksagung – das Sakrament der Sakramente

Das griechische Wort Eucharistie heißt „Danksagung“. Den Empfang selbst nennen wir heilige Kommunion; in der Liturgie heißen die Gaben die heiligen Mysterien. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty erklärt:

Begriff
Eucharistie

„Es ist das Mysterium, das uns Gläubige mit dem Erlöser vereint, indem wir seinen Leib und sein Blut empfangen, die er für uns hingegeben hat. So wird unser ganzes Wesen, einschließlich unseres Leibes, geheiligt und durch seine ewige Herrlichkeit gesegnet.“1

Der Katechismus nennt die Eucharistie den Höhepunkt des christlichen Gottesdienstes.2 Die Grundzüge kennst du aus Buch 1, Kapitel 7 („Die sieben Sakramente – Beichte ausführlich“).

Die Einsetzung beim letzten Abendmahl

Der Herr hat die Eucharistie am Abend vor seinem Leiden eingesetzt, beim Paschamahl mit seinen Jüngern, dem Festmahl, mit dem Israel jedes Jahr des Auszugs aus Ägypten gedachte (Mt 26:17⁠–⁠19). Er sagte ihnen: „Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen“ (Lk 22:15). Matthäus berichtet:

Heilige Schrift

Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

Mt 26:26⁠–⁠28

Diese Worte heißen Einsetzungsworte. Lukas und Paulus überliefern dazu den Auftrag: „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22:19b). Paulus, der beim Abendmahl nicht dabei war, schreibt: „… ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe“ (1. Kor 11:23a). Der Katechismus erklärt das mit einem Wort des heiligen Johannes Chrysostomus: „Er sagte dies, damit ihr wisst, dass der erste Tisch keinen Vorzug vor dem späteren hatte. Denn auch heute tut er alles und reicht es dar wie damals.“3

Aus den Einsetzungsworten lernen wir vier Dinge:

  1. Christus selbst hat das Sakrament gestiftet. Es ist keine Erfindung der Kirche.4
  2. Er sagt: „Das ist mein Leib.“ Papst Schenouda III. betont: „Er sagte nicht, das ist ein Gleichnis meines Leibes, ein Gleichnis meines Blutes.“5
  3. Das Blut wird „für viele vergossen … zur Vergebung der Sünden“. Das sind Worte eines Opfers.
  4. „Tut dies“ ist ein bleibender Auftrag. „… sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“ (1. Kor 11:26). Diese Worte bedeuten nach Papst Schenouda III. „die ununterbrochene Feier dieses Sakraments“.6
Das letzte Abendmahl: „Das ist mein Leib“ (Mt 26:26)

Das Brot des Lebens: Johannes 6

Schon vor dem Abendmahl hat der Herr von der Eucharistie gesprochen. Nach der Speisung der Fünftausend (Joh 6:10) lehrte er in der Synagoge von Kafarnaum (Joh 6:59): „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben“ (Joh 6:35). Anders als das Manna in der Wüste schenkt dieses Brot ewiges Leben (Joh 6:49⁠–⁠50). Dann wird er deutlich: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, (ich gebe es hin) für das Leben der Welt“ (Joh 6:51c).

Heilige Schrift

Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm.

Joh 6:53⁠–⁠56

Viele Jünger sagten: „Was er sagt, ist unerträglich“ (Joh 6:60). Sie gingen weg, und der Herr schwächte seine Worte nicht ab. Auch sein Wort „Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts“ (Joh 6:63a) nimmt nichts zurück: Nach dem heiligen Augustinus tadelt der Herr damit das grobe Verständnis seiner Hörer, die an gewöhnliches Fleisch dachten.7 Er fragte die Zwölf: „Wollt auch ihr weggehen?“, und Petrus antwortete: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Joh 6:67⁠–⁠68). Papst Schenouda III. folgert: „Esst und trinkt ist nicht symbolisch gemeint, sondern tatsächlich.“8 Joh 6 und die Einsetzungsworte gehören zusammen: In Kafarnaum verheißt der Herr das Brot des Lebens, im Obergemach gibt er es.

Das Paschalamm als Vorbild

Dass der Herr die Eucharistie beim Paschamahl einsetzte, ist kein Zufall. Das Paschalamm ist das Lamm, das Israel in der Nacht des Auszugs aus Ägypten aß: Jede Familie sollte ein Lamm schlachten, sein Blut an die Türpfosten streichen und das Fleisch essen. „Wenn ich das Blut sehe, werde ich an euch vorübergehen“ (Ex 12:13b), sprach der Herr. Das Neue Testament sagt, wer das wahre Lamm ist: Johannes der Täufer zeigt auf Jesus: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1:29b). Und Paulus schreibt: „… als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden“ (1. Kor 5:7b).

In den überlieferten Kanones des Basilius heißt es über das Brot der Liturgie: „… das Lamm, das zur Zeit der Hebräer in Ägypten geschlachtet wurde, war ein Vorausbild dieses Mysteriums.“9 Auch die Deutung der Gürtel und des ungesäuerten Brotes in der folgenden Übersicht stammt aus diesen Kanones:10

Tabelle 76 · Das Paschalamm als Vorbild der Eucharistie
Das Paschalamm (Ex 12) Erfüllt in Christus In der Eucharistie
„Nur ein fehlerfreies, männliches, einjähriges Lamm darf es sein“ (Ex 12:5) das Lamm „ohne Fehl und Makel“ (1. Petr 1:19) Das beste Brot wird als „Lamm“ ausgewählt (Vortrag 2).
Das Blut an den Türpfosten schützt vor dem Tod (Ex 12:7.13). Sein Blut am Kreuz rettet vom Tod. Wir empfangen sein Blut „zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26:28).
„Ihr sollt keinen Knochen des Paschalammes zerbrechen“ (Ex 12:46b). „Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen“ (Joh 19:36). Wir empfangen das Lamm, das am Kreuz geopfert wurde (1. Kor 5:7).
Das Fleisch wird gegessen (Ex 12:8). „Wer mein Fleisch isst …“ (Joh 6:54) Wir haben an seinem Opfer teil.
Man isst es mit ungesäuertem Brot (Ex 12:8). „Schafft den alten Sauerteig weg“ (1. Kor 5:7). Umkehr vor der Kommunion
„eure Hüften gegürtet, Schuhe an den Füßen, den Stab in der Hand“ (Ex 12:11) Aufbruch aus der Knechtschaft Wache, bereite Haltung des Herzens
„Kein Fremder darf davon essen“ (Ex 12:43). Der neue Bund Nur wer getauft ist und den Glauben der Kirche teilt, kommuniziert.
„Diesen Tag sollt ihr als Gedenktag begehen“ (Ex 12:14). „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22:19b) die Anamnese in jeder Liturgie

Wirkliche Gegenwart und Verwandlung

Die Kirche glaubt, dass Brot und Wein in der Liturgie wahrer Leib und wahres Blut Christi werden. Sie nennt das Verwandlung. Das Liturgiebuch Die sieben Sakramente sagt: „Im orthodoxen Glauben werden Brot und Wein durch die Heiligungsworte des Eucharistiesakraments in den wahren Leib und das wahre Blut Christi verwandelt. Sie sind nicht lediglich Symbol oder Hinweis auf Christi Leib und Blut.“11 Schon die Väter der ersten Jahrhunderte bezeugen diesen Glauben.

Der heilige Ignatius von Antiochien, Bischof und Märtyrer, schreibt auf dem Weg zu seinem Martyrium an die Gemeinde von Smyrna über Irrlehrer, die behaupteten, Christus habe nur zum Schein einen Leib gehabt. Sie hielten sich von der Eucharistie fern, weil sie nicht bekannten:

Aus den Vätern

… dass die Eucharistie das Fleisch unseres Erlösers Jesus Christus ist, das für unsere Sünden gelitten hat und das der Vater in seiner Güte auferweckt hat.12

– Hl. Ignatius von Antiochien, An die Smyrnäer, Kap. 7,1

Für Ignatius hängen Menschwerdung und Eucharistie zusammen: Wer das wahre Fleisch Christi leugnet, leugnet auch die Eucharistie.

Im 2. Jahrhundert erklärt der heilige Justin der Märtyrer in seiner Verteidigungsschrift (Apologie) dem Kaiser, was die Christen am Sonntag empfangen: „… nicht als gemeines Brot und als gemeinen Trank nehmen wir sie“; vielmehr seien sie belehrt, dass die „unter Danksagung geweihte Nahrung … Fleisch und Blut jenes fleischgewordenen Jesus sei“.13 Der heilige Gregor von Nyssa sagt in seiner Großen Katechese, einer Unterweisung im Glauben, wann das geschieht:

Aus den Vätern

Mit Recht also glauben wir, dass auch jetzt das durch das Wort Gottes geheiligte Brot in den Leib des Wortes Gottes verwandelt werde … jedoch nicht so, dass es erst durch Essen allmählich in den Leib des Wortes überging, sondern so, dass es sofort durch das Wort in den Leib verwandelt wird.14

– Hl. Gregor von Nyssa, Große Katechese, Kap. 37,3

Wer verwandelt? Nicht der Priester aus eigener Kraft. Der Katechismus zitiert den heiligen Johannes Chrysostomus: „… nicht der Mensch verwandelt die Gaben in seinen Leib und sein Blut, sondern Christus selbst, der für uns gekreuzigt wurde. Der Priester spricht die Worte, doch die Macht und Gnade Gottes bewirken die Heiligung.“15 Papst Schenouda III. fasst zusammen: „Das Brot ist Materie. Aber es wird verwandelt zum Leib des Herrn.“16

Die Kirche erklärt das Geheimnis nicht mit philosophischen Begriffen. Sie hält sich an das Wort des Herrn: „Das ist mein Leib.“ Die Augen sehen Brot und Wein; der Glaube hört auf das Wort Christi und erkennt, was sie geworden sind. Darum antwortet die Gemeinde in der Liturgie: „Wir glauben, dass dieses in Wahrheit so ist. Amen.“17

Das eine Opfer und die Anamnese

Der Hebräerbrief sagt, dass Christus „ein einziges Mal geopfert“ wurde (Hebr 9:28); er hat es „ein für allemal getan, als er sich selbst dargebracht hat“ (Hebr 7:27). Wie kann dann die Eucharistie ein Opfer sein? Der Katechismus antwortet:

„Es gibt nicht mehrere Opfer, wie sie der Hohepriester in früherer Zeit darbrachte; vielmehr bringen wir jeden Tag dasselbe Opfer dar – oder anders gesagt: Wir vollziehen das Gedächtnis des Opfers …“18

Begriff
Anamnese

Das griechische Wort Anamnese heißt Gedächtnis, aber nicht bloßes Erinnern an Vergangenes. Das Liturgiebuch Die sieben Sakramente erklärt: „wir erinnern uns an den gekreuzigten und auferstandenen Christus nicht als vergangenes Geschehen, sondern als gegenwärtiges, wahres Opfer – ein wirkungsvolles Gedächtnis“.19

Der heilige Johannes Chrysostomus sagt dasselbe in seinen Predigten (Homilien) über den Hebräerbrief: „Wohl opfern wir, aber wir begehen das Andenken an seinen Tod, und es ist ein Opfer, und es sind nicht viele.“ Denn „wir opfern immer denselben, und nicht jetzt ein anderes Schaf und morgen wieder ein anderes, sondern immer dasselbe, so dass das Opfer eines ist“.20 Christus wird also nicht neu geschlachtet. Sein eines Opfer am Kreuz wird auf dem Altar gegenwärtig, ohne neues Blutvergießen. Darum heißt die Eucharistie unblutiges Opfer. So schreibt der heilige Kyrill von Alexandrien an Nestorius:

Aus den Vätern

Wenn wir den Tod des eingeborenen Sohnes Gottes, das heißt Jesu Christi, dem Fleische nach verkünden und das Wiederaufleben von den Toten und die Aufnahme in die Himmel bekennen, so bringen wir in den Kirchen das unblutige Opfer dar, und dann treten wir zu den geheimnisvollen Opfergaben hinzu und werden geheiligt, indem wir teilhaft werden des heiligen Fleisches und des kostbaren Blutes Christi, des Heilandes unser aller.21

– Hl. Kyrill von Alexandrien, Dritter Brief an Nestorius, S. 93

Kyrill verbindet beides: Im Verkünden und Bekennen (Anamnese) bringen wir das Opfer dar. Manche sagen: „Christi Opfer war einmalig; es wird nicht wiederholt.“ Papst Schenouda III. antwortet:

Aus der Lehre unserer Päpste

Wahrlich, es ist einmalig, aber es dauert an. Es ist ein andauerndes Opfer mit uns bis zur Wiederkunft des Herrn.22

– Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 6.3, Nr. 25

Schon das Alte Testament kündigt dieses Opfer an. Melchisedek, „Priester des Höchsten Gottes“, „brachte Brot und Wein heraus“ (Gen 14:18), und vom Messias heißt es: „Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks“ (Ps 110:4; LXX 109). Papst Schenouda III. folgert: Neben dem Priestertum Aarons mit seinen Tieropfern gibt es das Priestertum Melchisedeks mit Brot und Wein, „das bis heute unter uns besteht“.23 Darum sagt der Hebräerbrief: „Wir haben einen Altar“ (Hebr 13:10).

Die Epiklese

Begriff
Epiklese

Die Epiklese (griechisch: Herabrufung) ist das Gebet der Liturgie, in dem der Priester Gott bittet, den Heiligen Geist auf die Gemeinde und auf Brot und Wein herabzusenden, damit sie Leib und Blut Christi werden.

Der heilige Johannes Chrysostomus vergleicht die Liturgie mit dem Opfer des Propheten Elija auf dem Karmel. Damals betete der Prophet, und „da kam das Feuer des Herrn herab und verzehrte das Brandopfer“ (1. Kön 18:38). Chrysostomus fährt fort:

Aus den Vätern

… hier steht der Priester da und zieht nicht Feuer, sondern den Heiligen Geist herab. Er verrichtet das lange Bittgebet, nicht dass eine Flamme vom Himmel sich entzünde und die daliegenden Gaben verzehre, sondern auf dass die Gnade auf das Opfer herabfalle, durch dasselbe die Seelen aller entflamme und sie in hellerem Glanze erstrahlen lasse als im Feuer geläutertes Silber.24

– Hl. Johannes Chrysostomus, Über das Priestertum, Buch III, Kap. 4

Das Wort Christi und das Wirken des Heiligen Geistes gehören zusammen. In der Kyrillus-Liturgie bittet der Priester den Vater, seinen Heiligen Geist herabzusenden „auf uns, deine Diener, und auf diese Opfergaben, die dir gehören, … auf dieses Brot und diesen Kelch, damit sie geheiligt und verwandelt werden“.25

Die Früchte der Kommunion

Der Katechismus nennt die Wirkung: „Durch den Empfang des Leibes und des Blutes des Herrn bleibt der Gläubige in Christus, wird mit ihm vereint und hat Anteil am ewigen Leben.“26 Die Liturgie sagt vom Leib des Herrn, er sei „hingegeben zur Vergebung der Sünden und zum ewigen Leben, denen, die an ihm Anteil haben“.27 Im Einzelnen:

  • Bleiben in Christus: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm“ (Joh 6:56).
  • Vergebung der Sünden: Das Blut ist „für viele vergossen … zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26:28).
  • Ewiges Leben und Auferstehung: Der heilige Ignatius nennt das eucharistische Brot „ein Heilmittel zur Unsterblichkeit, ein Gegengift, dass wir nicht sterben, sondern leben in Jesus Christus immerdar“.28
  • Einheit der Kirche: „Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1. Kor 10:17).
  • Heilung und Kraft: „Die Eucharistie ist eine Arznei für Priester und Gläubige, die allesamt als krank gelten.“29

Würdig empfangen

So groß die Gabe ist, so ernst ist die Mahnung des Apostels:

Heilige Schrift

Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt.

1. Kor 11:27⁠–⁠29

Wer kommuniziert? Schon die Didache, eine der ältesten Schriften der Kirche, sagt: „Aber keiner darf essen oder trinken von eurer Eucharistie, außer die auf den Namen des Herrn getauft sind.“30 Justin nennt drei Bedingungen: teilnehmen darf nur, „wer unsere Lehren für wahr hält, das Bad zur Nachlassung der Sünden und zur Wiedergeburt empfangen hat und nach den Weisungen Christi lebt“.31

Wie bereite ich mich vor?

  • Selbstprüfung und Umkehr. Der Gläubige soll „sein Gewissen vor Gott prüfen und es durch Umkehr reinigen“.32 Dazu gehört die Beichte bei deinem Beichtvater, der dich auch zur Kommunion führt (vgl. Thema 23 „Umkehr, Beichte und geistlicher Kampf“).
  • Versöhnung. „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder“ (Mt 5:23⁠–⁠24).
  • Nüchternheit. Vor der Kommunion isst und trinkt man nicht; so bereitet sich auch der Leib vor. Die Ordnung der Kirche lautet: „Neun Stunden vor der Kommunion ist völlige Enthaltsamkeit geboten; wenn die Liturgie am Morgen gefeiert wird, muss man ab 12 Uhr mitternachts fasten.“33 Was für Kinder und Kranke gilt, erklärt dir dein Beichtvater.
  • Ehrfurcht. Komm rechtzeitig, bleib bis zum Ende, sei still und gesammelt, und danke nach der Kommunion.
  • Demut statt Angst. Niemand ist aus sich würdig. Die Vorbereitung besteht nach dem Katechismus „einfach darin, sich unwürdig zu fühlen und aufrichtig durch Umkehr und Gebet um das Wirken der Gnade Gottes zu bitten“.34 Papst Schenouda III. betet vor dem Empfang, er komme nicht, weil er würdig sei, sondern um seiner Not willen: „Nicht um meiner Würdigkeit willen, sondern um meines Heilmittels willen.“35

Die Eucharistie in der Urkirche

Die Apostelgeschichte erzählt von der ersten Gemeinde: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten“ (Apg 2:42). In Troas waren die Christen „am ersten Wochentag versammelt …, um das Brot zu brechen“ (Apg 20:6⁠–⁠7). Im 2. Jahrhundert beschreibt der heilige Justin den Sonntagsgottesdienst:

Aus den Vätern

An dem Tage, den man Sonntag nennt, findet eine Versammlung aller statt, die in Städten oder auf dem Lande wohnen; dabei werden die Denkwürdigkeiten der Apostel oder die Schriften der Propheten vorgelesen, solange es angeht. Hat der Vorleser aufgehört, so gibt der Vorsteher in einer Ansprache eine Ermahnung und Aufforderung zur Nachahmung all dieses Guten. Darauf erheben wir uns alle zusammen und senden Gebete empor.36

– Hl. Justin der Märtyrer, Erste Apologie, Kap. 67

Dann folgen nach Justin der Friedenskuss, die Danksagung über Brot, Wein und Wasser, das „Amen“ des ganzen Volkes und die Austeilung durch die Diakone.37 Du erkennst die Teile unserer Liturgie wieder.

Beispiel

Der heilige Ignatius auf dem Weg nach Rom. Nach dem Synaxarium (24. Kiyahk) wurde Ignatius verurteilt, in Rom den wilden Tieren vorgeworfen zu werden.38 Unterwegs schrieb er an die Christen in Rom: „Brotkorn Gottes bin ich, und durch die Zähne der Tiere werde ich gemahlen, damit ich als reines Brot Christi erfunden werde.“39 Wer die Eucharistie empfängt, wird selbst eine Gabe für Gott. Das starke Bild ist für Jugendliche und Erwachsene bestimmt; kleinen Kindern erzählst du nur, dass Ignatius Christus bis in den Tod geliebt hat und ganz ihm gehören wollte.

Für den Dienst

Kinder kommunizieren von klein auf. Papst Tawadros II. schreibt: „Der Tag der Taufe ist ein einzigartiger Tag, weil das Kind drei Sakramente empfängt: Taufe, Myronsalbung und Eucharistie.“40 Die Kinder, denen du dienst, kommunizieren also seit ihrer Taufe. Mit dem Alter wächst das Verstehen und die bewusste Vorbereitung:

  • Kindergarten und erste Volksschuljahre: Stille und Ehrfurcht, das Kreuzzeichen, ein kurzes Dankgebet nach dem Empfang; „Jesus kommt zu mir“.
  • Volksschule: die Einsetzung beim Abendmahl; warum wir nüchtern kommen; warum wir uns versöhnen, bevor wir zum Altar gehen.
  • Unterstufe und Oberstufe: Joh 6 und das Paschalamm; Beichte und Gewissenserforschung; Antworten auf Fragen wie „Ist das nicht nur ein Symbol?“.

Fragen der Kinder ernst nehmen. Schon beim Pascha sollten die Kinder fragen: „Was bedeutet diese Feier?“ (Ex 12:26). Wenn ein Kind fragt, warum die Kommunion wie Brot aussieht, antworte einfach und richtig: „Jesus hat gesagt: Das ist mein Leib. Wir sehen Brot, aber wir glauben seinem Wort.“

Vorbild sein. Wenn du pünktlich kommst, nüchtern bist und nach der Kommunion still dankst, lehrst du ohne Worte – Kinder wie Erwachsene, im Dienst wie in der Familie.

Mit den Eltern zusammenarbeiten. Bei Fragen zur Nüchternheit der Kinder und zur Beichte verweist du auf die Eltern und den Beichtvater.

Das Wichtigste in Kürze

  • Christus hat die Eucharistie beim letzten Abendmahl eingesetzt (Mt 26:26⁠–⁠28; 1. Kor 11:23⁠–⁠25) und in Joh 6 als das Brot des Lebens verheißen.
  • Brot und Wein werden wahrhaft Leib und Blut Christi; die Kirche nennt das Verwandlung. Das bezeugen schon Ignatius, Justin und Gregor von Nyssa.
  • Die Eucharistie ist das eine Opfer Christi, kein neues: Die Kirche vollzieht „das Gedächtnis des Opfers“ (Anamnese) und bringt das unblutige Opfer dar.
  • In der Epiklese ruft der Priester den Heiligen Geist auf die Gemeinde und auf die Gaben herab; nicht der Mensch, sondern Christus wirkt die Verwandlung.
  • Das Paschalamm (Ex 12) ist das Vorbild: Christus ist „unser Paschalamm“ (1. Kor 5:7).
  • Die Früchte der Kommunion sind das Bleiben in Christus, die Vergebung der Sünden, das ewige Leben und die Einheit der Kirche.
  • Würdig empfängt, wer getauft ist, den Glauben der Kirche teilt, sich durch Umkehr, Beichte, Versöhnung und Nüchternheit vorbereitet und in Demut hinzutritt.

Zum Weiterlesen

  • Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Fr. 764⁠–⁠807.
  • Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 6 „Das Priestertum und der Dienst am Altar“.
  • Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 8 „Heilige Kommunion“.
  • Gregor von Nyssa, Große Katechese, Kap. 37.
  • Die sieben Sakramente, hg. vom Koptisch-Orthodoxen Kloster des heiligen Antonius, Kröffelbach 2017, Kap. 4 „Das Sakrament der Eucharistie“ (S. 59⁠–⁠97).

Anmerkungen

  1. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 764.↑

  2. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 766.↑

  3. Johannes Chrysostomus, Homilien über den ersten Brief an die Korinther, Homilie 27,4; zitiert nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 781.↑

  4. Vgl. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 6.2, Nr. 7.↑

  5. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 6.3, Nr. 27.↑

  6. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 6.2, Nr. 8.↑

  7. Vgl. Augustinus, Vorträge über das Johannes-Evangelium, Vortrag 27,5.↑

  8. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 6.2, Nr. 14.↑

  9. Nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 803.↑

  10. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 803.↑

  11. Die sieben Sakramente, S. 59.↑

  12. Ignatius von Antiochien, An die Smyrnäer, Kap. 7,1.↑

  13. Justin der Märtyrer, Erste Apologie, Kap. 66. „Gemein“ heißt hier: gewöhnlich.↑

  14. Gregor von Nyssa, Große Katechese, Kap. 37,3.↑

  15. Nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 780.↑

  16. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 6.3, Nr. 24.↑

  17. Das heilige Euchologion der koptisch-orthodoxen Kirche, hg. vom Koptisch-Orthodoxen Kloster des heiligen Antonius, Kröffelbach 2022, S. 416 (Basilius-Liturgie, Einsetzungsbericht).↑

  18. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 769.↑

  19. Die sieben Sakramente, S. 89; vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 783.↑

  20. Johannes Chrysostomus, Homilien über den Brief an die Hebräer, Homilie 17,3.↑

  21. Kyrill von Alexandrien, Dritter Brief an Nestorius, S. 93.↑

  22. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 6.3, Nr. 25.↑

  23. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 6.2, Nr. 22.↑

  24. Johannes Chrysostomus, Über das Priestertum, Buch III, Kap. 4.↑

  25. Die göttlichen Liturgien, S. 365 (Kyrillus-Liturgie, Epiklese); vgl. Die stillen Gebete in den koptischen Liturgien, S. 59.↑

  26. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 772.↑

  27. Die göttlichen Liturgien, S. 201 (Basilius-Liturgie, Epiklese).↑

  28. Ignatius von Antiochien, An die Epheser, Kap. 20,2.↑

  29. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 805.↑

  30. Didache, Kap. 9,5.↑

  31. Justin der Märtyrer, Erste Apologie, Kap. 66.↑

  32. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 771.↑

  33. Die sieben Sakramente, S. 97.↑

  34. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 767.↑

  35. Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 8.↑

  36. Justin der Märtyrer, Erste Apologie, Kap. 67. Die „Denkwürdigkeiten der Apostel“ sind die Evangelien, der „Vorsteher“ ist der Bischof oder Priester, der der Feier vorsteht.↑

  37. Vgl. Justin der Märtyrer, Erste Apologie, Kap. 65 und 67.↑

  38. Vgl. Synaxarium, 24. Kiyahk, Das Martyrium des heiligen Ignatius, des Theophoros, S. 205⁠–⁠206. „Theophoros“ heißt „Gottesträger“.↑

  39. Ignatius von Antiochien, An die Römer, Kap. 4,1. „Erfunden werden“ heißt hier: befunden werden.↑

  40. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 33.↑

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