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Thema 30 · Vortrag 2

Krankensalbung und Ehe

Das Sakrament der Heilung und das Sakrament des Bundes

17 Min. LesezeitPriestertum, Krankensalbung und Ehe

Lernziele

  1. Die Krankensalbung mit Jak 5:14⁠–⁠15 als Sakrament für Leib und Seele erklären.
  2. Die Ehe als Sakrament mit Eph 5:21⁠–⁠33 beschreiben.

Schlüsselbegriffe

Krankensalbung · Gebet der Lampe (Kandil) · allgemeine Krankensalbung · Sakrament der heiligen Ehe · Bund · Verlobung · Krönung · Hauskirche · Hausbesuch (Eftekad)

Bibelstellen

Jak 5:14⁠–⁠15; Jak 5:16; Mk 6:13; Jak 5:10⁠–⁠20; Joh 5:8; Lk 19:1⁠–⁠10; Mt 10:8; Joh 9:2⁠–⁠3; 2. Kor 12:8; 2. Kor 12:9; Röm 8:18; Sir 38:9; Sir 38:12; Gen 2:18; Gen 2:24; Mt 19:6; Mt 19:1⁠–⁠6; Mt 19:9; Joh 2:1⁠–⁠11; Eph 5:21⁠–⁠33; Eph 5:22⁠–⁠6:3; Hebr 13:4; 1. Kor 7:4; Ps 128:3; 2. Tim 4:8; Röm 16:5; Phlm 2; Mt 25:36; Sir 7:35

Inhalt

Zwei Sakramente begleiten das Leben vieler Familien in deiner Gemeinde: Wenn jemand krank ist, ruft man den Priester zum Gebet der Lampe; wenn zwei junge Menschen heiraten, krönt die Kirche sie mit den Kronen der Ehe. Aus Buch 1, Kapitel 7 („Die sieben Sakramente – Beichte ausführlich“) kennst du beide in Grundzügen; hier geht es um die Krankensalbung als Sakrament für Leib und Seele und um die Ehe als Sakrament und Bund. Als Diener begegnest du beiden: bei Krankenbesuchen mit dem Priester und in den Fragen von Jugendlichen nach Liebe, Ehe und Familie.

Die Krankensalbung

Das Wort des Apostels Jakobus

Schon als der Herr die Zwölf aussandte, heißt es von ihnen: „Sie trieben viele Dämonen aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie“ (Mk 6:13). Der Apostel Jakobus schreibt der Kirche die Ordnung vor, die sie bis heute bewahrt:

Heilige Schrift

Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.

Jak 5:14⁠–⁠15
Begriff
Krankensalbung

Bei der Krankensalbung ruft der Kranke die „Ältesten“, also die Priester der Kirche. Sie beten und salben ihn mit Öl; der Herr wirkt Heilung und Vergebung.

Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty beginnt seine Erklärung bei der Kirche selbst: „Die Kirche nimmt als Braut Anteil an den Schmerzen der Kranken. Deshalb beten die Priester, die Gemeinde und die Familie des Kranken für ihn, damit er an Seele und Leib Heilung empfängt.“1 Damals wie Heute fügt hinzu: „Dieses Sakrament zeigt, dass Gott den Menschen in seinem Leid nicht allein lässt.“2

Ein Sakrament für Leib und Seele

Die Krankensalbung heilt nicht nur den Leib. Das Liturgiebuch Die sieben Sakramente sagt: „Dieses Sakrament hat eine wunderbare Wirkung auf Leib und Seele – auf beide!“3 Der Katechismus beschreibt das Gebet des Priesters genauer: Er betet „um Heilung von geistlichen wie auch körperlichen Gebrechen – entsprechend dem, was Gott für das geistliche Wachstum und das Heil des Kranken als angemessen erachtet“.4

Darum gehört auch die Vergebung der Sünden zu diesem Sakrament (Jak 5:15). Der heilige Johannes Chrysostomus führt gerade diese Stelle an, wenn er über die Vollmacht der Priester spricht:

Aus den Vätern

… nicht nur, wenn sie unsere Wiedergeburt bewirken, sondern auch noch nach derselben haben sie die Vollmacht, unsere Sünden zu vergeben, „Ist jemand krank unter euch“, heißt es, „so rufe er die Presbyter der Kirche, und sie sollen über ihn beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken heilen, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm nachgelassen werden“.5

– Hl. Johannes Chrysostomus, Über das Priestertum, Buch III, Kap. 6

Die Vollmacht kommt von Christus, der den Aposteln den Heiligen Geist gab: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben“ (Joh 20:22b–23a). Der Priester vergibt nicht aus eigener Macht. Papst Schenouda III. sagt: „Die Vergebung geschieht durch Gott; der Priester ist nur sein Verwalter.“6

Jakobus fährt fort: „… bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheiligt werdet“ (Jak 5:16a). Deshalb beichtet der Kranke vor der Krankensalbung,7 und er fastet „nach seinen Möglichkeiten und dem Rat des Priesters“.8 Papst Schenouda III. betont, dass die Umkehr allen Sakramenten vorausgeht, auch der Krankensalbung.9

Nicht nur für Sterbende

Die Krankensalbung ist kein Sakrament nur für die letzten Stunden. Die Kirche salbt jeden, der krank ist, und vertraut sein ganzes Leben Gott an. Der Katechismus gibt ein Gebet aus dem Ritus, der gottesdienstlichen Ordnung des Sakraments, wieder, das beides zusammenhält:

„… erwecke diesen deinen Diener aus dem Tod der Sünde, und wenn du ihm gebietest, wieder aufzuerstehen, so gib ihm Hilfe und Beistand, damit er dir alle Tage seines Lebens wohlgefalle. Und wenn du gebietest, dass seine Seele genommen werde, so gewähre ihm, dass er durch die Hände der Engel des Lichts die Kraft empfange, die ihn vor den Dämonen der Finsternis rettet.“10

Die Kirche bittet um Heilung und legt zugleich alles in Gottes Hand. Darum nennen wir dieses Sakrament Krankensalbung, nie „letzte Ölung“.

Das Gebet der Lampe (Kandil)

Der Ritus heißt nach der Lampe, die dabei brennt, Gebet der Lampe (Kandil). In einer Schale mit Öl liegen sieben Dochte aus Watte. Zu Beginn jedes der sieben Gebete zündet der Priester einen Docht an.11 Die Familie versammelt sich mit dem Priester um den Kranken. Der Ritus beginnt mit dem Dankgebet und Psalm 51 (LXX 50).12

Jedes der sieben Gebete hat denselben Aufbau.13 Am Anfang steht eine Litanei: im ersten Gebet für die Kranken, dann für die Reisenden, für die Wasser, Saaten und Früchte, für die Regierenden, für die Entschlafenen, für die Opfergaben und für die Katechumenen (die Taufbewerber). Es folgen eine Lesung aus den Paulusbriefen oder dem Katholikon, ein Psalm und ein Evangelium und schließlich Bitten für den Kranken. Im ersten Gebet wird Jak 5:10⁠–⁠20 gelesen. So hört der Kranke sieben Lesungen aus den Briefen, sieben Psalmen und sieben Evangelien. Sie zeigen „zweierlei Heilung: die Heilung des Leibes und die Heilung der Seele durch Vergebung der Sünden“.14 Das erste Evangelium erzählt vom Gelähmten am Teich Betesda, zu dem Jesus sagt: „Steh auf, nimm deine Bahre und geh!“ (Joh 5:8), das zweite von Zachäus, in dessen Haus Christus einkehrte (Lk 19:1⁠–⁠10). Ein anderes erzählt, wie der Herr die Jünger aussendet: „Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“ (Mt 10:8a). Jeder Teil der Gebete schließt mit der Bitte um die Fürsprache der Gottesgebärerin (Theotokos), der heiligen Maria, und alle antworten: „Herr, erbarme dich.“

Nach dem siebten Gebet bittet der Priester Gott um die Vergebung der Sünden des Kranken und salbt ihn mit dem Öl. Dann beten alle das Glaubensbekenntnis, der Priester spricht die Absolutionsgebete und den Segen und salbt auch alle Anwesenden.15

Die Lampe des Kandil: Bei jedem der sieben Gebete wird ein Docht entzündet.
Beispiel

Die allgemeine Krankensalbung. Gewöhnlich betet der Priester das Kandil im Haus des Kranken. Einmal im Jahr aber feiert die ganze Gemeinde die Krankensalbung in der Kirche: am letzten Freitag der Großen Fastenzeit vor der Karwoche, vor der Göttlichen Liturgie. Dann betet der Priester für alle Anwesenden, und am Ende werden alle an der Stirn, am Hals und an den Handgelenken gesalbt. Das bedeutet: „Heilige o Herr meine Gedanken“, „… meine Worte“, „… meine Werke“.16 In der Karwoche selbst wird die Krankensalbung nicht gefeiert, denn die Kirche richtet dann alle ihre Gebete auf das Leiden des Herrn.

Wenn die Heilung ausbleibt

Nicht jeder Kranke wird nach der Krankensalbung gesund. Niemand darf ihm deshalb vorwerfen, er habe zu wenig geglaubt oder mehr gesündigt als andere. Als die Jünger beim Blindgeborenen fragten, wer gesündigt habe, antwortete Jesus: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden“ (Joh 9:3). Der Katechismus erklärt: Die Kirche betet um Heilung, „jedoch nach seinem Willen und nicht nach unserem eigenen menschlichen Willen“, und erinnert an den heiligen Paulus, der den Herrn dreimal anflehte (2. Kor 12:8) und die Antwort hörte: „Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.“17 In einem der sieben Gebete liest die Kirche: „Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll“ (Röm 8:18).

Die Gnade des Sakraments ist darum nie umsonst. Durch die Salbung, sagt Damals wie Heute, empfängt „die erkrankte Person viele Gnaden, die sie trösten, unterstützen und, wenn es Gottes Wille ist, auch zur Heilung ihrer Krankheit führen können“.18 Frieden, Geduld, Vergebung und die Gewissheit, nicht allein zu sein, sind auch Heilung. Wer nicht gesund wird, soll sich „auf die Weisheit Gottes verlassen, der besser weiß, was gut ist für den Menschen“; das Sakrament gibt die Kraft dazu.19

Die Krankensalbung ersetzt den Arzt nicht. Die Kirche hindert niemanden, „wegen einer Krankheit einen Arzt aufzusuchen“; die Behandlung durch den Arzt und die Einnahme von Medikamenten „erlaubt die Kirche, sie lobt sie sogar“. Falsch ist nur, sich allein auf den Arzt zu verlassen und Gott zu vergessen, und verboten ist der Gang zu Zauberern und Wahrsagern.20 Schon Jesus Sirach rät: „Mein Sohn, bei Krankheit säume nicht, bete zu Gott; denn er macht gesund“, und: „Doch auch dem Arzt gewähre Zutritt!“ (Sir 38:9.12a).

Die Ehe als Sakrament und Bund

Von Anfang an

Die Ehe beginnt nicht mit einer menschlichen Erfindung, sondern mit dem Wort des Schöpfers: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht“ (Gen 2:18b). Und: „… verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch“ (Gen 2:24). Jesus bestätigt diese Ordnung des Anfangs:

Heilige Schrift

Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.

Mt 19:6

Sein erstes Zeichen wirkte der Herr auf einer Hochzeit in Kana, zu der er mit seinen Jüngern eingeladen war (Joh 2:1⁠–⁠11). Darauf beruft sich die Kirche, wenn sie bei der Trauung betet: „der du bei der Hochzeit zu Kana in Galiläa weiltest und diese Feier gesegnet hast …, segne und schütze die Feier dieser deiner Diener … mit Frieden, Vertrautheit und Liebe“.21

Ein heiliges Mysterium

Was schenkt Christus im Sakrament der heiligen Ehe? Der Katechismus antwortet:

„Im Christentum ist die Ehe heilig und das Ehebett rein. Das Christentum hat die Ehe zu ihrer höchsten Würde erhoben: Es versteht die Verbindung der Ehegatten als eine Verbindung mit Gott selbst, als eine Einheit, die der Einheit zwischen Christus und der Kirche gleicht (Eph 5:22⁠–⁠24). Diese Verbindung dient nicht nur der Gründung eines neuen Hauses, sondern der Errichtung einer heiligen Kirche, in der der Herr wohnt und ruht.“22

Damals wie Heute sagt es so: „Diese Vermählung gilt nicht bloß als ein menschlicher Vertrag, sondern als ein göttlicher Bund, der im Angesicht Gottes und durchwirkt vom Heiligen Geist in der Kirche eingegangen wird.“23 Geschlossen wird dieser Bund „durch die Wirkung des Heiligen Geistes, der durch die Anrufung des Priesters herabkommt und das Übereinstimmen der Eheschließenden besiegelt, das sie zu einem Leib macht“.24 Der Hebräerbrief mahnt: „Die Ehe soll von allen in Ehren gehalten werden und das Ehebett bleibe unbefleckt“ (Hebr 13:4a).

Begriff
Sakrament der heiligen Ehe

Das Sakrament, in dem Christus Mann und Frau durch die Gnade des Heiligen Geistes zu einem Fleisch vereint und ihren Bund segnet; ihre Einheit ist ein Bild der Einheit zwischen Christus und der Kirche (Eph 5:31⁠–⁠32).

Verlobung und Krönung

Der Weg zur Ehe beginnt mit der Verlobung. Sie ist noch kein Sakrament, sondern ein freies Versprechen zweier Menschen, die einander heiraten wollen. Die Zeit der Verlobung soll dazu dienen, einander besser kennenzulernen und gemeinsam in christlicher Liebe zu wachsen.

Die Trauung selbst heißt Krönung. Die Brautleute bereiten sich auf sie mit Beichte und Umkehr vor, damit sie „mit reinem Gewissen, wahrer Umkehr … in echter Liebe“ die Gnade des Heiligen Geistes empfangen.25 Die Krönung ist ein Gottesdienst vor dem Altar. Gelesen werden als Paulus Eph 5:22⁠–⁠6:3 und als Evangelium Mt 19:1⁠–⁠6; dazu der Psalm: „Wie ein fruchtbarer Weinstock ist deine Frau drinnen in deinem Haus. Wie junge Ölbäume sind deine Kinder rings um deinen Tisch“ (Ps 128:3; LXX 127). Die Gemeinde betet das Glaubensbekenntnis, denn die Ehe wird auf den orthodoxen Glauben gegründet.26 Die Zeichen der Krönung erklärt das Liturgiebuch Die sieben Sakramente so:27

  • Salbung. Der Priester betet über dem Öl und salbt Braut und Bräutigam, zum Zeichen „für die geistige Freude, die auf sie herabkommen soll und die Gnade Gottes, die ihre Bindung heiligt“.
  • Ringe. Den Ring des Bräutigams steckt der Priester ihm an die Fingerspitze, und die Braut schiebt ihn ganz auf; den Ring der Braut gibt der Priester dem Bräutigam, der ihn ihr ansteckt, „als Zeichen, dass die Verbindung durch göttliche Macht geschieht“.
  • Kronen. Der Priester segnet die Kronen und setzt sie den Brautleuten auf: „Lege, o Herr, auf deine Diener: Kronen der Gnade, die nie versiegt. Amen. Kronen hoher Ehre, die unvergänglich ist. Amen. Kronen wahren und unerschütterlichen Glaubens. Amen.“ Dann legt er das Haupt des Bräutigams an das Haupt der Braut und spricht: „Kröne sie mit Ehre und Herrlichkeit, o Vater. Amen. Segne sie, o eingeborener Sohn. Amen. Heilige sie, o Heiliger Geist. Amen.“
  • Hände. Der Priester legt die rechte Hand der Braut in die rechte Hand des Bräutigams und übergibt so die Braut dem Bräutigam. Zuletzt erhalten beide eine Weisung für ihr gemeinsames Leben.

Die Kronen zeigen, dass Braut und Bräutigam König und Königin ihres neuen Hauses werden. Ihr Auflegen ist „das sichtbare Zeichen für das unsichtbare Herabkommen des Heiligen Geistes im Sakrament, das Mann und Frau vereint“.28 Vor allem aber richten sie den Blick auf den Himmel: Im Sakrament der Ehe richtet der Priester „den Blick des Paares und der Gemeinde auf die Krönung der Heiligen durch den himmlischen Bräutigam Jesus Christus“.29 Paulus spricht von dem „Kranz der Gerechtigkeit“, den der Herr allen geben wird, „die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten“ (2. Tim 4:8b).

Die Kronen der Ehe weisen auf die himmlische Krone hin.

Einheit und Treue nach Eph 5

Zum Verständnis der Pauluslesung der Krönung gehört der vorausgehende Satz, der für beide gilt: „Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus“ (Eph 5:21). Erst dann spricht Paulus zu den Frauen und den Männern. Den Männern sagt er: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat“ (Eph 5:25), und er schließt: „Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche. Was euch angeht, so liebe jeder von euch seine Frau wie sich selbst, die Frau aber ehre den Mann“ (Eph 5:32⁠–⁠33). Auch an anderer Stelle betont Paulus die Gegenseitigkeit: „Nicht die Frau verfügt über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt nicht der Mann über seinen Leib, sondern die Frau“ (1. Kor 7:4).

Das Wort „unterordnen“ wird oft missverstanden. Der Katechismus stellt klar: „Im Christentum bedeutet ‚Unterordnung‘ weder Hörigkeit noch Schwäche noch einen Mangel an Würde.“30 Und der heilige Johannes Chrysostomus zeigt, wie groß die Verantwortung des Mannes ist:

Aus den Vätern

Du willst, dass die Frau dir gehorche, wie die Kirche Christus gehorcht? So sorge du auch für sie, wie Christus für die Kirche sorgt! Müsstest du auch dein Leben für sie hingeben, müsstest du dich auch in tausend Stücke zerreißen lassen, müsstest du auch alles Erdenkliche ertragen und leiden, weigere dich dessen nicht!31

– Hl. Johannes Chrysostomus, Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser, Homilie 20,2

Gleich darauf schreibt er, man dürfe die Frau, „die Mutter der Kinder, den Quell aller Freude“, „nicht durch Furcht und Drohungen fesseln, sondern durch Liebe und herzliches Benehmen. Denn was ist das für eine Ehe, wenn die Frau vor dem Manne zittert?“32 Christliche Ehe ist ein Wettstreit der Liebe, nicht der Macht.

Die Kirche ehrt die Ehe ebenso wie die Ehelosigkeit um Christi willen. Der heilige Ambrosius, der die Jungfräulichkeit hoch lobte, antwortet auf die Frage, ob er damit die Ehe missbillige: „Nein, ich billige sie und verurteile jene, welche sie zu missbilligen pflegen.“33

Die Familie als Hauskirche

Durch die heilige Ehe, sagt der Katechismus, „werden unsere Häuser zu Kirchen“.34 Schon die ersten Christen versammelten sich in Häusern; Paulus grüßt „die Gemeinde, die sich in ihrem Haus versammelt“ (Röm 16:5a), und schreibt „an die Gemeinde in deinem Haus“ (Phlm 2). Der Katechismus deutet das weiter: Das „Haus“ kann „auch für eine heilige Familie stehen, in der jedes Familienmitglied sein Leben dem Herrn weiht. Auch wenn eine solche Familie klein sein mag, ist sie doch eine Kirche, in der Gott wohnt“.35 Wo Eltern mit ihren Kindern beten, die Schrift lesen, einander vergeben und gemeinsam zur Liturgie gehen, wird das Zuhause, wie der Katechismus sagt, „zu einer Botschaft des Himmels“.36

Wenn eine Ehe zerbricht

Bei der Trauung verspricht einer dem anderen „die Treue bis zum Tod“.37 Auf die Frage nach der Entlassung der Frau antwortet Jesus: „Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch“ (Mt 19:9). Mit diesem Wort wollte der Herr nach dem heiligen Augustinus den Grundsatz bekräftigen, dass eine Frau „nicht leichtfertig entlassen werden dürfe“.38 Eine Auflösung der Ehe ist „nur unter Mitwirkung der mit göttlicher Autorität ausgestatteten Kirche möglich“.39 Darüber entscheiden nie die Eheleute allein, sondern im Einzelfall die Kirche, d. h. der Bischof und das kirchliche Gericht. Als Diener urteilst du nicht über die Ehe anderer, besonders nicht über die Eltern der Kinder, denen du dienst.

Für den Dienst

Krankenbesuche. Der Herr sagt: „ich war krank und ihr habt mich besucht“ (Mt 25:36b), und Jesus Sirach rät: „Säume nicht, den Kranken zu besuchen, dann wirst du von ihm geliebt“ (Sir 7:35). Wenn ein Kind deiner Klasse oder ein Familienmitglied krank ist, sag es Abuna. Ein Hausbesuch (Eftekad) bei einem kranken Kind geschieht in Absprache mit dem Priester und den Eltern. Du achtest dabei Nähe und Distanz, wie du es in Thema 2 („Vorbild, Verhalten und Schutz“) gelernt hast: kein falsches Wort, keine falsche Berührung, keine heimliche Nähe. Bring einen Gruß der Klasse mit, bete kurz und hör zu. Versprich keine Heilung, und sag nie, eine Krankheit sei die Strafe für eine Sünde. Geht es dem Kind schlecht, sprich mit Abuna; in einer Notlage rufst du sofort selbst den Notruf. Wenn es passt, kannst du die Familie ermutigen, den Priester zum Gebet der Lampe zu rufen.

Die Krankensalbung in der Sonntagsschule und zu Hause. Erkläre den Kindern Jak 5:14⁠–⁠15 und das Kandil, wenn ein Kind davon erzählt oder die allgemeine Krankensalbung bevorsteht. Kinder lernen so: Wenn ich krank bin, betet die ganze Kirche für mich.

Fragen Jugendlicher zu Liebe und Ehe. Jugendliche fragen nach Liebe, Freundschaft und Ehe. Nimm ihre Fragen ernst. Zeige ihnen die Ehe als Sakrament, als Bund vor Gott und als Weg der gegenseitigen Liebe nach Eph 5, und die Verlobungszeit als Zeit, einander kennenzulernen und gemeinsam im Glauben zu wachsen. Persönliche Fragen gehören ins Gespräch mit dem Beichtvater; du bist kein Ehe- oder Lebensberater. Vertieft wird das Thema in Thema 46 („Christliche Lebensführung“).

Behutsamkeit mit Familien. In deiner Klasse und in jedem Dienst begegnest du Kindern aus vielen Familien, auch solche, in denen Eltern getrennt leben. Sprich von der Ehe als einem schönen Geschenk Gottes, ohne ein Kind oder seine Familie bloßzustellen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Krankensalbung gründet auf Jak 5:14⁠–⁠15: Die Priester beten über dem Kranken und salben ihn mit Öl; der Herr schenkt Heilung an Seele und Leib und die Vergebung der Sünden.
  • Sie ist für jeden Kranken bestimmt, nicht nur für Sterbende; darum sagt man nie „letzte Ölung“.
  • Der Ritus heißt Gebet der Lampe (Kandil): sieben Gebete mit sieben Dochten, jeweils mit Brieflesung, Psalm und Evangelium; am letzten Freitag der Großen Fastenzeit feiert die Gemeinde die allgemeine Krankensalbung.
  • Bleibt die Heilung aus, urteilen wir nicht über den Kranken; die Kirche betet „nach seinem Willen“, und Gottes Gnade genügt (2. Kor 12:9). Gebet und ärztliche Hilfe gehören zusammen.
  • Die Ehe ist ein heiliges Mysterium und ein göttlicher Bund: „Im Christentum ist die Ehe heilig und das Ehebett rein.“
  • Die Trauung heißt Krönung; ihre Zeichen sind Salbung, Ringe, Kronen und das Ineinanderlegen der Hände. Die Kronen weisen auf die Krone der Heiligen hin, die Christus, der himmlische Bräutigam, schenkt.
  • Nach Eph 5:21⁠–⁠33 ordnen sich die Eheleute einander unter in der Ehrfurcht vor Christus; der Mann liebt seine Frau, wie Christus die Kirche liebt.
  • Durch die heilige Ehe „werden unsere Häuser zu Kirchen“: Die christliche Familie ist eine Hauskirche.

Zum Weiterlesen

  • Abuna Tadros Y. Malaty: Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Fr. 845, Fr. 851, Fr. 867 und Fr. 869.
  • Damals wie Heute. Die Kirche vor Nizäa, Herausgebertexte „Die Ehe“ (S. 270) und „Die Krankensalbung“ (S. 277).
  • Die sieben Sakramente (Liturgiebuch, hg. vom Koptisch-Orthodoxen Kloster des heiligen Antonius, Kröffelbach 2017), Kap. 5 „Das Sakrament der Krankenölsalbung“ und Kap. 6 „Das Sakrament der Eheschließung“ (S. 98⁠–⁠113).
  • Johannes Chrysostomus: Kommentar zum Epheserbrief, Homilie 20 (BKV 2. Reihe 15).
  • Johannes Chrysostomus: Über das Priestertum, Buch III, Kap. 6 (BKV 1. Reihe 27).

Anmerkungen

  1. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 867.↑

  2. Damals wie Heute, S. 277.↑

  3. Die sieben Sakramente, S. 98.↑

  4. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 673 f.↑

  5. Johannes Chrysostomus, Über das Priestertum, Buch III, Kap. 6.↑

  6. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 7.4.↑

  7. Vgl. Die sieben Sakramente, S. 98⁠–⁠99.↑

  8. Ebd., S. 103.↑

  9. Vgl. Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 8.9.↑

  10. Nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 867, aus dem koptischen Ritus der Krankensalbung.↑

  11. Vgl. Dienstgebete außerhalb der Kirche, S. 38.↑

  12. Vgl. Die sieben Sakramente, S. 102.↑

  13. Vgl. Die sieben Sakramente, S. 102⁠–⁠103.↑

  14. Ebd., S. 103.↑

  15. Vgl. Dienstgebete außerhalb der Kirche, S. 85⁠–⁠87.↑

  16. Die sieben Sakramente, S. 103.↑

  17. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 867; 2. Kor 12:9a.↑

  18. Damals wie Heute, S. 277.↑

  19. Die sieben Sakramente, S. 100.↑

  20. Ebd., S. 101.↑

  21. Die sieben Sakramente, S. 106.↑

  22. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 845.↑

  23. Damals wie Heute, S. 270.↑

  24. Die sieben Sakramente, S. 104.↑

  25. Die sieben Sakramente, S. 105.↑

  26. Vgl. Das Gebet zur heiligen Krönung, S. 19⁠–⁠27.↑

  27. Die sieben Sakramente, S. 111⁠–⁠113.↑

  28. Ebd., S. 112.↑

  29. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 673 e.↑

  30. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 851.↑

  31. Johannes Chrysostomus, Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Epheser, Homilie 20,2.↑

  32. Ebd.↑

  33. Ambrosius, Über die Jungfrauen, Buch I, Kap. 7,34.↑

  34. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 670.↑

  35. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 455.↑

  36. Ebd., Fr. 869 f.↑

  37. Vgl. Euchologion, S. 1221.↑

  38. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 861; vgl. Fr. 862.↑

  39. Die sieben Sakramente, S. 116.↑

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