Thema 35 · Vortrag 2
Begleiten in Lebensfragen
Zuhören, trösten und rechtzeitig weiterverweisen
14 Min. LesezeitBegleiten – Hausbesuch und Seelsorge
Lernziele
- Grundsätze seelsorglicher Gespräche und die Grenzen des Dieners beschreiben.
- Situationen nennen, in denen an Priester oder Fachleute weiterverwiesen werden muss.
Schlüsselbegriffe
seelsorgliches Gespräch · Verschwiegenheit · Angst · Selbstwert · Zufriedenheit · Trauer · Zweifel · Weiterverweisen · Krisenfall
Bibelstellen
1. Thess 5:14; Lk 24:17; Jak 1:19; Mk 14:33–34; 2. Kor 7:5; Phil 4:6–7; 1. Petr 5:7; Gen 1:27; Jes 43:4; Röm 12:3; Phil 4:11–13; Joh 9:2–3; Jak 5:14–15; Sir 38:1; Joh 11:35; Joh 11:38–45; 1. Thess 4:13; Joh 20:27–28; Mk 9:24; Jud 22; Spr 15:22; Lk 10:34–35; Mt 25:35–36
Inhalt
Kinder und Jugendliche bringen nicht nur Fragen zur Lektion in die Sonntagsschule und in jede Gruppe der Kirche, sondern ihr ganzes Leben: Angst vor der Schularbeit, Kummer über das eigene Aussehen, eine kranke Großmutter, einen Todesfall, Zweifel am Glauben. Oft wenden sie sich zuerst an ihren Diener. Er hört zu und nimmt sie an. Er tröstet, ohne zu verharmlosen, und bleibt ehrlich. Und er erkennt, wann er ein Kind zu den Eltern, zum Priester oder zum Arzt begleiten, also weiterverweisen muss.
Was Begleitung ist – und wo ihre Grenzen liegen
Im seelsorglichen Gespräch hört der Diener zu, wenn ein Kind oder ein Jugendlicher mit einer Lebensfrage zu ihm kommt. Er nimmt sein Gegenüber an, betet mit ihm und begleitet es, wo nötig, zu den Eltern, zum Priester oder zu Fachleuten. Es ersetzt weder die Beichte noch eine ärztliche oder psychologische Behandlung.
Paulus beschreibt diese Aufgabe kurz: „ermutigt die Ängstlichen, nehmt euch der Schwachen an, seid geduldig mit allen!“ (1. Thess 5:14b). Papst Schenouda III. fügt hinzu, dass wahrer Eifer niemanden überfordert: „Eifer bedeutet nicht, andere dafür zu tadeln, dass sie sich nicht nach einem idealen, vorbildlichen Standard verhalten, sondern es bedeutet, ihnen zu helfen, weiter danach zu streben.“1
Zur Begleitung gehören aber auch die Grenzen des Dieners. Er ist nicht Beichtvater: Beichte, geistliche Führung und Übungen gehören zum Priester. Er ist nicht Arzt und nicht Therapeut: Er stellt keine Diagnosen und behandelt nicht. Er ist nicht Ermittler: Bei Sorge um ein Kind forscht er nicht selbst nach. Und er handelt nicht allein, sondern in Absprache mit den Eltern, der Leitung des Dienstes und dem Priester (Abuna, „unser Vater“). Diese Grenzen sind kein Mangel an Liebe; sie schützen das Kind davor, dass ein gut gemeinter Rat schadet.
Zuhören und annehmen
Als die beiden Jünger traurig nach Emmaus gingen, begann der auferstandene Herr nicht mit einer Erklärung. Er fragte: „Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet?“ (Lk 24:17a). Erst als sie erzählt hatten, legte er ihnen die Schrift aus. Jakobus mahnt: „Jeder Mensch soll schnell bereit sein zu hören, aber zurückhaltend im Reden“ (Jak 1:19b). Für das seelsorgliche Gespräch gelten darum einige Grundsätze:
- Zeit und Ruhe: Nimm dir Zeit und sprich in Ruhe, offen und nie heimlich; Mädchen begleiten die Dienerinnen, Burschen die Diener.
- Ganz da sein: Handy weg, Blick zum Kind, ausreden lassen.
- Gefühle ernst nehmen: nicht verharmlosen („Das ist doch nicht schlimm“) und nicht dramatisieren.
- Nicht ausfragen und nicht urteilen: Das Kind erzählt, was es erzählen will.
- Keine schnellen Ratschläge und keine Predigt. Oft hilft eine Frage mehr: „Was würde dir jetzt guttun?“
- Ehrlich bleiben: Lieber „Das weiß ich nicht, ich frage nach“ als eine erfundene Antwort.
- Nichts versprechen, was du nicht halten kannst.
- Ein kleiner nächster Schritt: ein Gebet, wenn das Kind es möchte, ein Gespräch mit den Eltern, eine Frage an Abuna. Danach gehst du nach.
Papst Schenouda III. beschreibt, wie viel die Ruhe des Begleiters bewirkt. Der ruhige Mensch ist für den anderen da: „Sein unruhiger Bruder ist seiner Obhut anvertraut. Er hat die Aufgabe, die Nerven und den Ruf seines Bruders zu bewahren und ihn dazu zu führen, ebenfalls zur Ruhe zu kommen.“2
Verschwiegenheit und ihre Grenzen. Was dir ein Kind anvertraut, erzählst du nicht weiter. Diese Verschwiegenheit endet aber dort, wo ein Kind gefährdet ist. Darum versprichst du nie: „Ich sage es niemandem.“ Du sagst ehrlich: „Ich muss das jemandem sagen, der dir helfen kann.“ Ist ein Kind in Not, sprichst du mit Abuna; ist es in akuter Gefahr, handelst du selbst und sofort und rufst den Notruf, wie du in Thema 2 („Vorbild, Verhalten und Schutz“) gelernt hast.
Angst, Selbstwert und Zufriedenheit
Angst ist keine Schande
Viele Kinder und Jugendliche kennen Angst: vor Prüfungen und Noten, davor, nicht dazuzugehören, vor dem eigenen Aussehen, vor dem, was in sozialen Medien über sie geschrieben wird. Angst zeigt sich oft in Bauchweh oder schlechtem Schlaf, im Rückzug, in Gereiztheit oder darin, dass ein Kind Situationen meidet.
Angst ist nicht von vornherein Sünde oder ein Zeichen fehlenden Glaubens. Von Christus selbst heißt es in Getsemani: „Da ergriff ihn Furcht und Angst, und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt“ (Mk 14:33b–34a). Und Paulus bekennt: „Überall bedrängten uns Schwierigkeiten: von außen Widerspruch und Anfeindung, im Innern Angst und Furcht“ (2. Kor 7:5b). Ein Diener sagt darum nie: „Wer Angst hat, glaubt nicht genug.“
Die Schrift lädt den Ängstlichen ein, nicht allein zu bleiben: „Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch“ (1. Petr 5:7), und: „Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!“ (Phil 4:6). Diese Worte sind eine Einladung, kein Vorwurf. Papst Schenouda III. nennt zwei Hilfen, wenn Angst einen Menschen überwältigt: „Das Gebet und das Aufsuchen von Rat werden ihm in diesem Zustand helfen.“ Durch das Bitten um Rat „wird er ein weises und liebendes Herz an seiner Seite finden, das ihm eine Lösung präsentiert und im Glauben mit ihm umgeht; so fürchtet er sich nicht, sondern wird ruhig“.3 Ein solches Herz kann der Diener sein. Hält die Angst aber lange an oder schränkt sie das Leben eines Kindes stark ein, sprichst du mit Abuna. Er klärt mit den Eltern, welche Hilfe nötig ist; oft braucht es dann auch ärztliche oder psychologische Hilfe.
Selbstwert: geliebt, nicht verglichen
Manche Kinder denken: „Mit mir stimmt etwas nicht“, „Ich gehöre nicht dazu“, „Ich kann das nicht“. Sie trauen sich wenig zu, vergleichen sich ständig mit anderen und können kein Lob annehmen. Die Antwort des Glaubens beginnt bei Gott: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild“ (Gen 1:27a). Zu seinem Volk sagt er: „Weil du in meinen Augen teuer und wertvoll bist und weil ich dich liebe“ (Jes 43:4a). Demut heißt nicht, sich selbst zu verachten. Paulus mahnt, „nicht über das hinaus“ zu streben, „was euch zukommt“, sondern „besonnen zu sein“ (Röm 12:3b): weder Hochmut noch Selbstverachtung, sondern ein nüchterner Blick auf die Gaben, die Gott jedem gegeben hat.
Der Diener stärkt das Selbstwertgefühl der Kinder, indem er jedes ernst nimmt, seine Gaben entdeckt, niemanden bloßstellt und nicht vergleicht. Papst Schenouda III. rät: „Du gewinnst das Kind durch Lob. Durch Lob zeigst du ihm deine Liebe und ermutigst es auch zu guten Taten.“4
Zufriedenheit und soziale Medien
Soziale Medien zeigen ständig, wer schöner, stärker, reicher oder beliebter scheint. Wer sich dauernd vergleicht, wird unzufrieden. Paulus bekennt dagegen: „… ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden“ (Phil 4:11b). Papst Schenouda III. verbindet Zufriedenheit mit Dankbarkeit: „Ein zufriedener Mensch dankt immer, wie wenig er auch hat“. Er nennt das Beispiel eines Studenten, der mit Auszeichnung besteht und trotzdem traurig ist, weil er noch besser sein wollte, und schließt: „Es ist nichts dagegen einzuwenden, ehrgeiziger zu werden, aber nicht auf Kosten von Freude und Dankbarkeit.“5
Für den Dienst heißt das: Sei selbst ein Vorbild im Umgang mit Handy und sozialen Medien, sprich mit den Jugendlichen offen über einen gesunden Umgang mit Medien und lade zu echten Begegnungen ein.
Krankheit, Leid, Tod und Trauer
Krankheit rechtfertigt keine Schuldzuweisung
Als die Jünger einen Blindgeborenen sahen, fragten sie: „Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, sodass er blind geboren wurde?“ Jesus antwortete: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden“ (Joh 9:2–3). Krankheit ist darum nicht als Strafe oder als geistliches Versagen des Kranken oder seiner Familie zu deuten. Schon die Väter haben solchen Urteilen widersprochen:
Mögen andere im Urteil über Glück und Unglück verwegen und kühn sein – es wäre allerdings besser, wenn sie es nicht wären! –, ich für mich wage es nicht, ganz allgemein das irdische Unglück als Folge der Sünde und das irdische Wohlergehen als Folge der Tugend zu erklären.6
Auch Papst Schenouda III. schreibt vom armen Lazarus, der voller Wunden vor der Tür des Reichen lag: „Krankheit an sich ist nicht schlecht“; sie „trennte ihn nicht von Gott“.7
Die Kirche betet um Heilung. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty sagt: „Die Kirche nimmt als Braut Anteil an den Schmerzen der Kranken.“ Sie betet um die Heilung ihrer Kinder, „jedoch nach seinem Willen und nicht nach unserem eigenen menschlichen Willen“.8 Darum macht der Diener keine Heilungsversprechen: Er sagt nicht „Wenn du genug glaubst, wirst du gesund“ und nicht „Gott hat dich gestraft“. Er betet mit dem Kranken, bleibt bei ihm und sagt Abuna Bescheid, damit der Priester ihn besucht, für ihn betet und ihm, wo es angebracht ist, die Krankensalbung spendet (Jak 5:14–15). In den Gebeten der Krankensalbung, die der Priester auch im Haus des Kranken betet, ruft die Kirche: „Gepriesen seist du, Herr, unser Gott, Arzt unserer Seelen. Durch deine Wunden sind wir geheilt, o guter Hirte, der nach dem verlorenen Schaf suchte.“9
Ebenso gilt: Der Dienst in der Kirche ist keine „Lösung“ für Depression, Sucht oder Krankheit. Gemeinschaft, Gebet und eine Aufgabe in der Kirche können viel Gutes bewirken; eine Behandlung ersetzen sie nicht. Die Schrift sagt: „Schätze den Arzt, weil man ihn braucht; denn auch ihn hat Gott erschaffen“ (Sir 38:1).
Tod und Trauer
Am Grab des Lazarus heißt es: „Da weinte Jesus“ (Joh 11:35). Der Katechismus folgert: „Der Schmerz der Trennung gehört ganz natürlich zum Leben jedes Menschen, denn Gott hat uns Gefühle und Empfindungen geschenkt, damit wir sie erleben.“ Und: „Wie eine barmherzige Mutter teilt die Kirche die Gefühle der Trauernden.“10 Paulus verbietet die Trauer nicht, er gibt ihr Hoffnung: „damit ihr nicht trauert wie die anderen, die keine Hoffnung haben“ (1. Thess 4:13b).
Wenn ein Kind einen Menschen verloren hat, bist du zuerst einfach da. Du musst nicht viel erklären. Sag dem Kind nie, es dürfe nicht weinen, und nie, Gott habe den Verstorbenen „geholt“. Erzähle den Kleinen von Christus, der unschuldig gelitten hat und auferstanden ist, und davon, dass wir für den Verstorbenen beten. Auch die Kirche lässt eine trauernde Familie nicht allein. Am dritten Tag nach dem Tod betet der Priester mit den Angehörigen; gelesen wird das Evangelium von der Auferweckung des Lazarus (Joh 11:38–45), und er bittet für sie: „Nimm von ihnen ihre Schmerzen und trockne ihre Tränen. Gib ihnen Geduld und Trost.“11 Informiere Abuna, denk an die Gedenktage und frag nach einigen Wochen noch einmal nach. Wie man mit Kindern über den Tod spricht, hast du in Thema 31 („Die letzten Dinge“) gelernt.
Zweifel ernst nehmen
Jugendliche fragen: „Gibt es Gott wirklich?“, „Warum lässt er das zu?“, „Woher weiß ich, dass unser Glaube wahr ist?“ Solche Fragen sind kein Grund zu erschrecken. Christus kam zu Thomas, der gezweifelt hatte, und sagte: „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!“ (Joh 20:27b). Der Vater des kranken Jungen rief: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk 9:24b). Und Judas mahnt: „Erbarmt euch derer, die zweifeln“ (Jud 22).
Der Diener nimmt den Zweifel ernst. Er wertet die Frage nicht ab, hört auf die Erfahrung, die oft dahintersteht, antwortet ehrlich, liest mit dem Jugendlichen in der Schrift und bringt schwere Fragen zu Abuna. Ausführlich behandelt Thema 42 („Glaube und Vernunft“) das Gespräch mit Zweifelnden.
Weiterverweisen
Weiterverweisen heißt nicht, ein Kind abzuschieben. Der Diener begleitet das Kind zu jemandem, der ihm besser helfen kann, und bleibt an seiner Seite.
„Wo es an Beratung fehlt, da scheitern die Pläne, wo viele Ratgeber sind, gibt es Erfolg“ (Spr 15:22). In folgenden Situationen musst du weiterverweisen:
| Situation | An wen | Was du tust |
|---|---|---|
| Ein Kind erzählt von Gewalt, Missbrauch oder Vernachlässigung, oder es gibt Anzeichen dafür | sofort Abuna, der die nötigen Hilfen hinzuzieht; die Leitung des Dienstes steht dir zur Seite | ruhig zuhören, nichts versprechen, nicht nachforschen, nicht selbst mit der Familie sprechen |
| Ein Kind spricht davon, nicht mehr leben zu wollen, oder verletzt sich selbst | bei akuter Gefahr sofort selbst der Notruf; sonst sofort Abuna, der die Eltern und ärztliche oder psychologische Hilfe hinzuzieht | ernst nehmen, nicht allein lassen, sofort Hilfe holen |
| Angst, Niedergeschlagenheit, Essstörung oder Sucht halten an | Abuna, der mit den Eltern die nötige Hilfe klärt (Arzt oder Psychologe) | da bleiben, beten, keine Diagnose stellen |
| Fragen der Schuld, der Beichte, geistlicher Übungen | Beichtvater | zur Beichte ermutigen |
| Glaubensfragen, die du nicht beantworten kannst | Abuna | ehrlich sagen, dass du nachfragst |
| Schwere Krankheit, Wunsch nach Krankensalbung oder Kommunion zu Hause, Todesfall | Abuna | Bescheid geben, die Familie begleiten |
| Materielle Not einer Familie | Abuna, Leitung des Dienstes | nichts versprechen, weitergeben |
Ein Krisenfall duldet keinen Aufschub: Ein Kind ist verletzt, spricht davon, sich etwas anzutun, oder ist in unmittelbarer Gefahr. Dann wartest du nicht bis zum nächsten Sonntag und nicht auf andere: Du handelst selbst und sofort, rufst den Notruf, holst Hilfe und lässt das Kind nicht allein. Danach informierst du Abuna. Der Diener, der im Dienst für dich verantwortlich ist, steht dir dabei zur Seite. Gott hilft auch durch Ärzte und andere Helfer (Sir 38:1); sie zu rufen ist eine Pflicht der Liebe. Der barmherzige Samariter tat zuerst selbst, was er konnte, und verband die Wunden. Dann brachte er den Verletzten in eine Herberge, vertraute ihn dem Wirt an und versprach wiederzukommen (Lk 10:34–35).
Beim Suizid gilt besondere Behutsamkeit. Über einen Menschen, der sich das Leben genommen hat, fällt der Diener kein Urteil, denn die Umstände kennen wir nicht; über die kirchliche Begleitung entscheidet der Priester bzw. der Bischof. Spricht ein Kind oder Jugendlicher von Todesgedanken, lässt du es nicht allein und sprichst sofort mit Abuna; ist es in akuter Gefahr, rufst du selbst den Notruf.
Der Dienst an Armen und Kranken
Begleiten heißt auch, Not zu sehen und zu helfen. Christus sagt im Gericht: „… ich war krank und ihr habt mich besucht …“ (Mt 25:36b). Der Katechismus begründet das Geben damit, dass der Gläubige im Armen Christus selbst erkennt.12 Der heilige Gregor von Nazianz ruft in seiner Rede über die Liebe zu den Armen:
Bringe Hilfe, verabreiche Nahrungsmittel, schenke ein abgetragenes Kleid her, gib Arzneimittel, verbinde die Wunden, erkundige dich nach den Unglücklichen, ermuntere zur Geduld, fasse Mut, gehe selbst zu den Leuten! … Hast du keine große Gabe, dann zeige guten Willen! Hast du nichts, dann schenke deine Tränen! Barmherzigkeit, die von Herzen kommt, ist große Beruhigung für den, der im Unglück ist.13
Mit deiner Klasse oder Gruppe kannst du diesen Dienst üben, in Absprache mit der Leitung und den Eltern: für Kranke beten, einem kranken Kind einen Gruß der Klasse schicken, zu einer Sammlung der Gemeinde beitragen. Ältere Jugendliche können in begleiteten Gruppen am sozialen Dienst der Gemeinde mitwirken.
Für den Dienst
- Praxisrunde. Bring in die Praxisrunde eine Erfahrung aus deiner Klasse, aus einem anderen Dienst oder von deinem Hausbesuch mit: eine Situation, in der ein Kind eine Lebensfrage hatte, und wie du reagiert hast – ohne Namen von Kindern und Familien.
- Kenne den Weg in der Not. Weißt du, wie du Abuna in einem dringenden Fall erreichst? Frag die Leitung deines Dienstes, bevor du es brauchst.
- Üb die Grundsätze und kenne deine Grenze. Hör im nächsten Gespräch mehr zu, als du redest, und frag dich bei jeder schweren Frage: Wer kann hier besser helfen als ich?
Das Wichtigste in Kürze
- Im seelsorglichen Gespräch hört der Diener zu, nimmt an, betet und begleitet weiter; es ersetzt weder Beichte noch Behandlung.
- Grundsätze: Zeit und Ruhe, offen und nie heimlich, Mädchen bei den Dienerinnen, Burschen bei den Dienern, ganz da sein, Gefühle ernst nehmen, nicht ausfragen, keine schnellen Ratschläge, ehrlich bleiben, nichts Unerfüllbares versprechen, nachgehen. Verschwiegenheit endet, wo ein Kind gefährdet ist.
- Angst ist nicht von vornherein Sünde oder Unglaube: Christus empfand „Furcht und Angst“ (Mk 14:33), Paulus „Angst und Furcht“ (2. Kor 7:5).
- Jeder Mensch ist Gottes Abbild und in seinen Augen „teuer und wertvoll“ (Jes 43:4); Zufriedenheit wächst aus Dankbarkeit, nicht aus dem Vergleich.
- Krankheit rechtfertigt keine Schuldzuweisung (Joh 9:3); die Kirche betet um Heilung „nach seinem Willen“ (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 867). Keine Heilungsversprechen; der Dienst ersetzt keine Behandlung.
- Trauer ist erlaubt – Jesus weinte (Joh 11:35); Zweifel werden ernst genommen (Joh 20:27; Jud 22).
- Weiterverweisen, wenn ein Kind in Not oder Gefahr ist, bei Todesgedanken, anhaltender seelischer Not, Fragen der Beichte, schweren Glaubensfragen, Krankheit, Todesfall und materieller Not. In einem Krisenfall handelt der Diener selbst und sofort (Notruf, Hilfe holen); sonst spricht er mit Abuna, der je nach Lage die Eltern und weitere Hilfen hinzuzieht.
- Im Armen und Kranken begegnet uns Christus (Mt 25:36); „Hast du nichts, dann schenke deine Tränen!“ (Gregor von Nazianz).
Zum Weiterlesen
- Papst Schenouda III.: Ruhe, Kap. 1, Abschnitt „Wahre Ruhe“, und Kap. 3, Abschnitt „Furcht und Verwirrung“.
- Papst Schenouda III.: Das Leben der Danksagung, Kap. 2, Nr. 9–10, und Kap. 4.
- Abuna Tadros Y. Malaty: Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 2, Fr. 1343 und Fr. 1370–1371.
- Hl. Gregor von Nazianz: Reden, Rede 14 „Über die Liebe zu den Armen“ (BKV 1. Reihe 59).
- Dienstgebete außerhalb der Kirche, Krankensalbungsgebet (S. 38–87) und Gebet des dritten Tages (S. 88–93).
Anmerkungen
Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 1, Abschnitt „Schritt für Schritt mit ihnen gehen“.↑
Papst Schenouda III., Ruhe, Kap. 1, Abschnitt „Wahre Ruhe“.↑
Papst Schenouda III., Ruhe, Kap. 3, Abschnitt „Furcht und Verwirrung“.↑
Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Lob und Ermutigung“.↑
Papst Schenouda III., Das Leben der Danksagung, Kap. 4, Nr. 6.↑
Gregor von Nazianz, Reden, Rede 14,31.↑
Papst Schenouda III., Das Leben der Danksagung, Kap. 2, Nr. 10.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 867.↑
Dienstgebete außerhalb der Kirche, S. 61.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1370.↑
Dienstgebete außerhalb der Kirche, Gebet des dritten Tages, S. 91 (Joh 11:38–45) und S. 93.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1343.↑
Gregor von Nazianz, Reden, Rede 14,27–28.↑