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Thema 35 · Vortrag 1

Der Hausbesuch (Eftekad)

Nachgehen und besuchen nach dem Herzen des guten Hirten

18 Min. LesezeitBegleiten – Hausbesuch und Seelsorge

Lernziele

  1. Ez 34:1⁠–⁠16 als Grundlage des Hausbesuchs erklären und die Stufen der Nachbetreuung und die Schritte eines Besuchsplans nennen.
  2. Ziele, Haltungen und häufige Fehler beim Hausbesuch nennen.
  3. Die Haltung von Nähe und Distanz (Absprache mit Abuna und den Eltern, Besuch bei der Familie, Verschwiegenheit) auf einen geplanten Besuch anwenden.

Schlüsselbegriffe

Hausbesuch (Eftekad) · Nachbetreuung · Besuchsplan · seelsorglicher Besuch · Hirtensorge · Elternarbeit · Nähe und Distanz · Verschwiegenheit

Bibelstellen

Ez 34:1⁠–⁠16; Joh 10:3; Joh 10:11; Joh 10:14; Lk 15:4⁠–⁠7; Mt 18:12⁠–⁠14; Lk 19:5⁠–⁠6; Lk 19:10; Mk 1:29⁠–⁠31; Apg 15:36; Gen 37:14; Spr 27:23; Ps 23:1; 1. Petr 5:2⁠–⁠3; Joh 7:24; Röm 12:15; 1. Kor 3:6; 2. Kor 8:21; Ez 33:21

Inhalt

Ein Kind fehlt mehrere Sonntage hintereinander. Niemand fragt nach, und nach einigen Monaten hat es den Weg in die Kirche vergessen. So weit soll es nicht kommen. Der Diener geht seinen Kindern nach: mit einem Anruf, mit einer kurzen Begegnung und mit dem Hausbesuch (Eftekad). Sein Vorbild ist der Hirt, der das Verlorene sucht (Ez 34; Joh 10).

Begriff
Hausbesuch (Eftekad)

Der Hausbesuch (Eftekad) ist der Besuch und die persönliche, nachgehende Begleitung der Kinder und ihrer Familien durch den Diener. Zur Nachbetreuung gehört jede Form, in der der Diener einem Kind außerhalb der Stunde nachgeht: der Gruß, der Anruf, das Gespräch, die Begegnung in der Kirche und der Besuch.

Gott sucht seine Schafe

Die Hirten, die sich selbst weiden (Ez 34:1⁠–⁠10)

Der Prophet Ezechiel lebt mit den Verschleppten seines Volkes in der Verbannung (Ez 1:1⁠–⁠3), und kurz vor diesem Wort erreicht ihn die Nachricht über Jerusalem: „Die Stadt ist gefallen“ (Ez 33:21b). Gott lässt ihn ein hartes Wort gegen die Hirten Israels sagen, das heißt gegen die Verantwortlichen des Volkes: „Weh den Hirten Israels, die nur sich selbst weiden. Müssen die Hirten nicht die Herde weiden?“ (Ez 34:2b). Dann zählt Gott auf, was sie versäumt haben: „Die schwachen Tiere stärkt ihr nicht, die kranken heilt ihr nicht, die verletzten verbindet ihr nicht, die verscheuchten holt ihr nicht zurück, die verirrten sucht ihr nicht und die starken misshandelt ihr“ (Ez 34:4). Die Folge ist bitter: „Doch keiner kümmerte sich um sie; niemand suchte sie“ (Ez 34:6b).

Dieses Wort trifft jeden, der in der Kirche Verantwortung für andere trägt, auch den Diener. Man kann eine Klasse „haben“ und doch nur sich selbst weiden: Man hält die Stunde, freut sich über Anerkennung und fragt nicht, wo die Kinder sind, die fehlen. Die fünf Versäumnisse aus Ez 34:4 lassen sich leicht in die Sonntagsschule und in jeden anderen Dienst übersetzen:

  • das Schwache stärken: das schüchterne Kind, das sich nichts zutraut, oder das Kind, dem das Lernen schwerfällt;
  • das Kranke heilen: das Kind, das krank ist oder eine schwere Last trägt;
  • das Verletzte verbinden: das Kind, das gekränkt wurde, das Streit erlebt oder einen Menschen verloren hat;
  • das Verscheuchte zurückholen: das Kind, das durch ein hartes Wort, durch Spott oder Gleichgültigkeit weggeblieben ist;
  • das Verirrte suchen: das Kind oder der Jugendliche, der nicht mehr kommt und von dem niemand mehr spricht.

Am Ende des Verses steht noch ein Vorwurf: Selbst die starken Tiere werden misshandelt. Wer Kinder sucht, um sie zu tadeln, zu beschämen oder unter Druck zu setzen, verscheucht sie ein zweites Mal.

Gott selbst wird Hirt (Ez 34:11⁠–⁠16)

Nach der Klage folgt die Verheißung. Gott spricht: „Jetzt will ich meine Schafe selber suchen und mich selber um sie kümmern“ (Ez 34:11). Er tut genau das, was die Hirten versäumt haben:

Heilige Schrift

Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen, die fetten und starken behüten. Ich will ihr Hirt sein und für sie sorgen, wie es recht ist.

Ez 34:16

Diese Verheißung erfüllt Christus. Er sagt: „Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich“ (Joh 10:14), und: „Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe“ (Joh 10:11). Von ihm heißt es: „er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen“ (Joh 10:3b). Im Gleichnis vom verlorenen Schaf lässt der Hirt die neunundneunzig zurück „und geht dem verlorenen nach, bis er es findet“ (Lk 15:4b). Und er schließt: „So will auch euer himmlischer Vater nicht, dass einer von diesen Kleinen verloren geht“ (Mt 18:14). Was der Psalm betet, „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen“ (Ps 23:1b; LXX 22), soll jedes Kind ein wenig auch in der Sorge seines Dieners erfahren.

Der Diener ist nicht der Hirte der Kinder; der Hirte ist Christus, und in der Gemeinde dient der Priester als Hirte. Aber der Diener hat Anteil an dieser Sorge. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty sagt dazu:

„Wir betrachten die Suche nach einem verlorenen Schaf … nicht als eine gute Tat, die wir um eines anderen willen vollbringen, sondern als etwas, das wir für uns selbst tun; denn solange diese Seele nicht zur Kirche zurückgeführt ist, fehlt auch uns selbst etwas. Wenn die verlorene Seele zurückkehrt, kehrt der Friede wieder in die Kirche ein, und auch wir werden wieder ganz.“1

Papst Schenouda III. begründet das mit dem Wert jedes einzelnen Menschen: „Das Christentum richtet seine Sorge nicht nur auf ganze Gruppen von Menschen, sondern ist auch um jede einzelne Seele besorgt.“2 Eine Sonntagsschulklasse ist darum nie nur „die Gruppe“. Jedes Kind hat einen Namen und soll spüren, dass Gott und die Kirche für es da sind.

Besuchen gehört zur Hirtensorge

Christus hat Menschen in ihren Häusern aufgesucht. Zu Zachäus sagte er: „Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein“ (Lk 19:5b). Er ging in das Haus des Simon und Andreas, wo Simons Schwiegermutter mit Fieber lag, „fasste sie an der Hand und richtete sie auf“ (Mk 1:31a). Die Apostel haben ihre Gemeinden nicht sich selbst überlassen. Paulus sagte zu Barnabas: „Wir wollen wieder aufbrechen und sehen, wie es den Brüdern in all den Städten geht, in denen wir das Wort des Herrn verkündet haben“ (Apg 15:36). Papst Schenouda III. weist darauf hin, dass die Apostel ihren Dienst „mit allen Mitteln“ fortsetzten: durch Briefe, durch Jünger, die sie sandten, und durch eigene Besuche.3

Schon im Alten Testament schickt Jakob seinen Sohn Josef mit dem Auftrag: „Geh doch hin und sieh, wie es deinen Brüdern und dem Vieh geht, und berichte mir!“ (Gen 37:14a). Und die Weisheit rät: „Kümmere dich um das Aussehen deiner Schafe und sorge für deine Herden“ (Spr 27:23). Wer seine Kinder kennt, sieht auch, wie es ihnen geht.

Die Kirche selbst geht bis heute in die Häuser ihrer Kinder. Das Buch Dienstgebete außerhalb der Kirche enthält die Gebete, die der Priester in den Familien spricht: für ein Neugeborenes, bei der Segnung eines neuen Hauses, bei Kranken und nach einem Todesfall mit den Angehörigen. Segnet er ein neues Haus, wird das Evangelium von Zachäus gelesen, und der Priester bittet „um die Heiligung dieses Hauses und alle, die in ihm wohnen“.4 Das Evangelium schließt mit dem Wort: „… der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lk 19:10). Der Diener besucht in demselben Geist: als Gast, mit Gebet und mit der Sorge um jeden, der verloren zu gehen droht.

Aus der Lehre unserer Päpste

Der Besuch ist eine Art der Seelsorge. … Der Bischof und der Priester besuchen die Herde und der Diener besucht seine Kinder. … Andere zu besuchen bedeutet, dass man sich um sie sorgt und sich vergewissern will, dass es ihnen gut geht.5

– Papst Schenouda III., Worte zum geistlichen Gewinn III, Nr. 111 „Besuchsdienst“

Papst Schenouda III. unterscheidet den seelsorglichen Besuch vom gesellschaftlichen: „Du könntest ihn besuchen und über viele Dinge sprechen, ohne auf Gott und das Ausmaß der Beziehung dieser Person zu Ihm hinzuweisen.“ Der seelsorgliche Besuch ist mehr: „Seelsorge bedeutet, andere mit Gottes Begleitung zu besuchen.“6 Das heißt nicht, dass man bei jedem Besuch predigt. Es heißt, dass der Diener mit Gebet kommt, mit Liebe zuhört und das Kind und seine Familie spüren lässt, dass Gott sie liebt.

Die Stufen der Nachbetreuung

Telefonate und kurze Begegnungen zählen. Der Hausbesuch ist die persönlichste Form der Nachbetreuung, aber nicht die einzige. Ein kurzer Anruf bei den Eltern, ein Wort nach der Stunde oder eine herzliche Begrüßung nach der Göttlichen Liturgie gehören ebenso dazu. Die Nachbetreuung kennt darum Stufen, von der einfachsten bis zur persönlichsten:

  1. Erinnerung in der Gruppe: eine Einladung oder ein Gruß in der Nachrichtengruppe der Klasse, in der die Eltern und die Leitung des Dienstes dabei sind.
  2. Anruf bei den Eltern: „Wir haben euer Kind vermisst. Geht es ihm gut?“ Auch den Kontakt mit Jugendlichen pflegst du achtsam und offen, nie heimlich.
  3. Ein kurzes Gespräch nach der Stunde: Du nimmst dir in Ruhe einige Minuten Zeit für ein Kind.
  4. Die kurze Begegnung: nach der Liturgie, bei einem Fest der Gemeinde, auf dem Kirchenplatz; ein Gruß, eine Frage, ein Lächeln.
  5. Der kurze Besuch an der Tür: angekündigt, etwa um einem kranken Kind einen Gruß der Klasse zu bringen.
  6. Der Hausbesuch: nach Absprache mit dem Priester (Abuna, „unser Vater“) und mit den Eltern, mit vereinbartem Termin.

Du musst nicht jede Stufe durchlaufen und nicht immer bei der ersten beginnen. Wähle die Stufe, die zum Alter des Kindes, zu seiner Lage und zu den Wünschen der Familie passt. Vor jedem Besuch fragst du zuerst Abuna. Wo ein Besuch nicht möglich oder nicht erwünscht ist, etwa weil die Familie weit entfernt wohnt, bleiben die anderen Stufen. Auch sie sind echte Nachbetreuung.

Der Besuchsplan

Nachbetreuung braucht einen Plan, und sie gilt allen Kindern. Auch das Kind, das immer kommt, gut mitmacht und nie auffällt, soll spüren, dass es geliebt ist. Ein Besuchsplan ordnet die Nachbetreuung in sechs Schritten:

  1. Überblick: Du gehst mit deinen Mitdienern die Klasse durch. Wen haben wir länger nicht gesehen? Wer ist neu, krank, in Trauer, vor einer schweren Prüfung oder der Matura? Wer kommt immer und wurde noch nie besucht?
  2. Absprache in der Kirche: Du besprichst den Plan mit der Leitung des Dienstes und fragst Abuna, ob und wie Besuche geschehen sollen.
  3. Absprache mit den Eltern: Du fragst die Eltern, ob ein Besuch willkommen ist, und vereinbarst Tag, Uhrzeit und Dauer. Sie wissen, wer kommt.
  4. Vorbereitung: Ihr betet für das Kind und seine Familie, überlegt, was ihr wünscht (etwa: das Kind ermutigen, die Familie kennenlernen, zu einem Fest einladen), und wählt ein kurzes Wort der Schrift. Empfohlen ist, zu zweit zu gehen; dann sprecht ihr ab, wer das Gespräch beginnt und wer am Ende das Gebet spricht.
  5. Der Besuch: herzlich, mit offenen Ohren und nicht länger, als es der Familie recht ist (siehe unten).
  6. Nachbereitung: Ihr dankt Gott, betet weiter für das Kind und notiert nur das Nötigste: Datum, wer besucht hat, was ihr der Familie versprochen habt. Sorgen und Geheimnisse der Familie gehören nicht in diese Notiz; was euch beunruhigt, besprecht ihr mit Abuna. Dann geht ihr nach und haltet ein, was ihr zugesagt habt.

Ein guter Plan ist regelmäßig und machbar. Er verlangt nicht, jedes Kind jede Woche zu besuchen, sorgt aber dafür, dass im Lauf des Jahres kein Kind vergessen wird und dass bei besonderen Anlässen jemand da ist: wenn ein Kind neu in die Klasse kommt, länger fehlt, krank ist, einen Menschen verloren hat oder etwas Schönes erlebt.

Ziele und Haltungen

Wozu der Hausbesuch dient

  • Liebe zeigen. Das Kind und seine Familie sollen spüren: Du bist uns wichtig, auch außerhalb der Stunde.
  • Das Kind kennenlernen. Der gute Hirt kennt die Seinen (Joh 10:14). Zu Hause zeigt sich oft, was in der Klasse verborgen bleibt. Das hilft, gerecht zu urteilen: „Urteilt nicht nach dem Augenschein, sondern urteilt gerecht!“ (Joh 7:24). Ein Kind, das in der Stunde abwesend wirkt, ist vielleicht nicht gleichgültig, sondern müde, traurig oder krank.
  • Zuhören. Viele Kinder und Jugendliche möchten vor allem gehört werden, auch wenn du keine Lösung hast.
  • Am Leben teilnehmen. „Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden!“ (Röm 12:15). Ein Glückwunsch zur bestandenen Prüfung gehört ebenso dazu wie ein Besuch nach einem Todesfall.
  • Die Eltern stärken. Der Besuch baut Vertrauen zwischen Familie und Kirche auf.
  • Zu Christus führen. Das Ziel ist nicht, dass das Kind am Diener hängt, sondern dass es Christus und seine Kirche liebt.

Mit welcher Haltung der Diener besucht

  • Gebet. Vor dem Besuch und danach. Der Diener betet für jedes seiner Kinder beim Namen.
  • Liebe ohne Unterschiede. Der Diener wendet sich allen Kindern zu, nicht nur denen, die ihm besonders liegen oder gerade Hilfe brauchen.
  • Demut. Ob ein Kind wiederkommt, liegt nicht in deiner Hand. „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen“ (1. Kor 3:6). Kommt das Kind wieder, ist das Gottes Gnade und kein Grund zum Stolz; kommt es nicht, war dein Besuch trotzdem nicht umsonst.
  • Geduld. Manche Kinder öffnen sich erst nach langer Zeit. Manche Jugendliche finden erst Jahre später zur Kirche zurück.
  • Verschwiegenheit. Was du in einer Familie siehst und hörst, erzählst du nicht weiter; wenn du dich um ein Kind sorgst, sprichst du mit Abuna.
  • Freiwilligkeit und Vorbild. Petrus schreibt den Hirten der Kirche: „Sorgt als Hirten für die euch anvertraute Herde Gottes, nicht aus Zwang, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern aus Neigung; seid nicht Beherrscher eurer Gemeinden, sondern Vorbilder für die Herde!“ (1. Petr 5:2⁠–⁠3).

Wie diese Hirtensorge aussieht, beschreibt einer der ältesten Väter der Kirche:

Aus den Vätern

Auch die Presbyter (sollen) wohlwollend (sein), barmherzig gegen alle, (sollen) die Verirrten zurückführen, alle Kranken besuchen, voll Sorge sein für die Witwen, die Waisen und die Armen; … Reden wider andere nicht sogleich glauben, nicht strenge im Urteil …7

– Hl. Polykarp von Smyrna, Brief an die Philipper, Kap. 6,1

Der heilige Polykarp schreibt an die Presbyter, die Priester der Gemeinde. Der Diener hat in seiner Weise und in Absprache mit dem Priester Anteil an ihrer Sorge: Er ist wohlwollend, führt die Verirrten zurück, besucht die Kranken, glaubt nicht vorschnell, was über ein Kind geredet wird, und urteilt nicht hart.

Typische Fehler und die Etikette des Besuchs

Fehler, die man vermeidet

  1. Aufschieben. Wer den Besuch immer wieder verschiebt, kommt zu spät. Papst Schenouda III. schreibt: „Viele unserer Brüder waren verloren, weil niemand sie besuchte oder zu dem Zeitpunkt, als sie besucht wurden, war es zu spät.“8
  2. Neugier. Der Diener will nicht die Geheimnisse der Familie erfahren und fragt das Kind nicht aus. Will es reden, hört er zu.
  3. Unnötige Bemerkungen über Aussehen, Wohnung, Essen oder Schulnoten.
  4. Ratschläge über die eigene Aufgabe hinaus. Geistliche Übungen, Fragen der Beichte und schwere persönliche Entscheidungen gehören zum Beichtvater. Vor einem besonderen Rat fragt der Diener Abuna oder die Leitung des Dienstes.
  5. Problemlöser der Familie sein wollen. Der Diener ist nicht der Richter in Familienstreitigkeiten und nicht der Retter in jeder Not. Das Ziel ist Christus.
  6. Rasch Früchte sehen wollen und über ein Kind urteilen, wie es „enden“ wird.
  7. Weitererzählen an andere Diener, an Kinder oder in der Gemeinde. Was ihr wissen müsst, um zu helfen, gebt ihr nur an Abuna oder die Leitung des Dienstes weiter.
  8. Bloßstellen, etwa ein Kind vor seinen Eltern tadeln.
  9. Mehr reden als zuhören und das Gespräch selbst beenden, bevor der andere gesagt hat, was ihn bewegt.
  10. Nur über Nebensächliches reden. Fußball und Schule sind ein guter Anfang; auch ein gutes Wort oder ein Gebet gehört zum Besuch.
  11. Vergessen nachzugehen. Was ihr versprecht, haltet ihr; was ihr begonnen habt, führt ihr weiter.

Abuna Daoud Lamei, ein koptischer Priester, nennt in seinem Buch über die Verkündigung Dinge, die ein weiser Verkündiger nicht tun soll, darunter: sich „in das Privatleben anderer einmischen in der Meinung, das sei ein Weg, die Botschaft Gottes zu verkünden“, und „die Gewohnheiten kritisieren oder die Lebens- und Verhaltensweise der verschiedenen Menschen verspotten, denen er dient“.9

Die Etikette

  • Termin vereinbaren und pünktlich sein. Ein Hausbesuch wird vorher vereinbart.
  • Nicht zu lange bleiben. Bleib nicht länger, als die Familie es gut tragen kann, und beende den Besuch freundlich.
  • Den Zeitpunkt beachten. Vor einer Schularbeit, zur Essenszeit oder bei Krankheit genügt ein kurzer Gruß.
  • Sich nicht umsehen. Du setzt dich dorthin, wohin die Familie dich bittet, und betrachtest nicht die Wohnung.
  • Auf die Worte achten: freundlich, einfach, ohne Spott, ohne Klatsch über andere.
  • Gastfreundschaft dankbar annehmen, aber nichts erwarten. Keine Geschenke von Wert und kein Geld, weder geben noch nehmen; ein kleiner Gruß der Klasse, eine Karte oder ein Bild genügen.
  • Mit Gebet schließen, wenn die Familie es möchte: ein kurzes Gebet oder ein Segenswunsch, dazu ein Dank für die Aufnahme.

Elternarbeit und Kinder, die nicht mehr kommen

Die Eltern als Partner

Für die Erziehung eines Kindes sind zuerst seine Eltern verantwortlich. Papst Schenouda III. hält fest: „… die Eltern tragen die Verantwortung für ihr Kind, sei es für dessen religiöse Erziehung oder für die Überwachung dieser Erziehung“.10 Der Diener ersetzt die Eltern nicht, er unterstützt sie. Zur Elternarbeit gehört:

  • die Eltern begrüßen, kennen und mit Respekt behandeln;
  • sie wissen lassen, was die Klasse gerade lernt, welcher Merkvers gilt und welche Feste und Termine kommen;
  • Besuche und Fahrten immer mit ihnen absprechen;
  • vor den Eltern gut über ihr Kind sprechen und Schwierigkeiten ruhig und vertraulich, nicht vor dem Kind, ansprechen, in Absprache mit der Leitung des Dienstes;
  • neue Familien willkommen heißen;
  • ihre Entscheidung achten, wenn sie keinen Besuch wünschen.

Nachgehen, wenn ein Kind fehlt

Fehlt ein Kind zwei Sonntage hintereinander, fragt der Diener nach, zuerst mit einem freundlichen Anruf bei den Eltern. Der Ton ist entscheidend: „Wir haben dich vermisst“, nicht „Warum warst du nicht da?“. Oft gibt es einfache Gründe: Krankheit, ein Umzug, Prüfungen, ein Wechsel der Gemeinde. Manchmal steckt mehr dahinter: eine Kränkung in der Klasse, Streit mit anderen Kindern, Fragen über den Glauben, Sorgen in der Familie. Diese Gründe nimmt der Diener ernst. Er übt keinen Druck aus und macht keine Schuldgefühle.

Bei Jugendlichen, die sich von der Kirche entfernt haben, braucht es besondere Geduld. Der Kontakt bleibt freundlich und auf den Wegen, die Eltern und Leitung kennen: eine Einladung zu einem Fest, ein Gruß zum Geburtstag über die Gruppe, ein Wiedersehen bei der Liturgie. Der Diener betet für sie und überlässt Gott die Zeit.

Nähe und Distanz beim Besuch

Die Haltung von Nähe und Distanz, die du in Thema 2 („Vorbild, Verhalten und Schutz“) kennengelernt hast, gilt auch beim Hausbesuch. Sie schützt die Kinder, die Familien und dich selbst:

  • Absprache mit Abuna und den Eltern. Kein Besuch ohne beide.
  • Am besten zu zweit. Empfohlen ist, den Hausbesuch zu zweit zu machen; um die Mädchen kümmern sich die Dienerinnen, um die Burschen die Diener.
  • Der Besuch gilt der Familie. Du kommst, wenn die Eltern oder ein anderer Erwachsener der Familie zu Hause sind, und setzt dich dorthin, wo die Familie dich empfängt.
  • Kein falsches Wort, keine falsche Berührung. Ein herzlicher Gruß ja, aber Körperkontakt nie gegen den Willen des Kindes und nie als Mittel, um es für sich zu gewinnen. Die Beziehung entsteht durch Zuhören, Zeit und Treue.
  • Keine heimliche Sonderbeziehung. Du schreibst einem Kind nicht hinter dem Rücken seiner Eltern, und den Besuch sprichst du mit den Eltern ab.
  • Verschwiegenheit auch über das, was du weißt. Adressen und Telefonnummern der Familien gibst du nicht weiter, und eine Notiz über einen Besuch enthält keine Sorgen oder Geheimnisse der Familie.
  • Sorge um ein Kind mit dem Priester besprechen. Bemerkst du bei einem Besuch etwas, das dich um das Kind besorgt macht, forschst du nicht selbst nach und sprichst nicht auf eigene Faust mit der Familie darüber. Du besprichst deine Sorge mit Abuna; er zieht je nach Lage die Eltern und weitere Hilfen hinzu. Ist das Kind in akuter Gefahr, handelst du selbst und sofort und rufst den Notruf.

Paulus schreibt: „Es liegt uns nämlich daran, dass alles einwandfrei zugeht, nicht nur vor dem Herrn, sondern auch vor den Menschen“ (2. Kor 8:21). Wer so besucht, zeigt der Familie, dass er ihr Vertrauen achtet.

Der gute Hirt (Joh 10:11; Lk 15:4⁠–⁠6)

Für den Dienst

  • Geh deine Klasse oder Gruppe durch. Schreib für dich auf, welches Kind du in den letzten Wochen nicht gesehen hast und welches noch nie besucht wurde. Besprich das mit deinen Mitdienern und der Leitung des Dienstes.
  • Plane einen Hausbesuch. Nimm den Besuchsleitfaden aus dem Arbeitsheft und sprich zuerst mit Abuna und den Eltern. Über den Besuch schreibst du den Besuchsbericht (Hausaufgabe). Ist ein Besuch nicht möglich, besprich mit der Leitung des Dienstes, welche andere Stufe der Nachbetreuung du stattdessen gehst.
  • Ruf an, bevor es zu spät ist. Wenn ein Kind zwei Sonntage fehlt, melde dich bei den Eltern.
  • Bring es in die Praxisrunde. Im nächsten Vortrag wertet ihr eure Erfahrungen aus Klasse und Besuchen aus, ohne Namen von Kindern und Familien.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ez 34 klagt die Hirten an, die nur sich selbst weiden: Sie stärken nicht, heilen nicht, verbinden nicht, holen nicht zurück, suchen nicht. Gott verheißt, seine Schafe selbst zu suchen (Ez 34:11.16); erfüllt ist das in Christus, dem guten Hirten (Joh 10:11.14; Lk 15:4⁠–⁠7).
  • Der Hausbesuch (Eftekad) ist Seelsorge: „Der Bischof und der Priester besuchen die Herde und der Diener besucht seine Kinder“ (Papst Schenouda III.). Auch die Kirche selbst kommt in die Häuser; bei der Segnung eines neuen Hauses liest sie das Evangelium von Zachäus (Lk 19:1⁠–⁠10).
  • Telefonate und kurze Begegnungen zählen. Die Stufen der Nachbetreuung reichen von der Erinnerung in der Gruppe über den Anruf bei den Eltern, das Gespräch nach der Stunde und die kurze Begegnung bis zum Besuch an der Tür und zum Hausbesuch.
  • Ein Besuchsplan hat sechs Schritte: Überblick, Absprache in der Kirche, Absprache mit den Eltern, Vorbereitung, Besuch, Nachbereitung.
  • Ziele: Liebe zeigen, kennenlernen, zuhören, am Leben teilnehmen, die Eltern stärken, zu Christus führen. Haltungen: Gebet, Liebe ohne Unterschiede, Demut, Geduld, Verschwiegenheit.
  • Fehler: aufschieben, neugierig sein, Ratschläge über die eigene Aufgabe hinaus, Problemlöser sein wollen, weitererzählen, bloßstellen, mehr reden als zuhören. Ein Besuch dauert nicht länger, als es der Familie recht ist.
  • Nähe und Distanz beim Besuch: Absprache mit Abuna und den Eltern, am besten zu zweit, der Besuch gilt der Familie, keine heimliche Sonderbeziehung, Verschwiegenheit. Wer sich um ein Kind sorgt, spricht mit Abuna; bei akuter Gefahr ruft der Diener sofort selbst den Notruf.

Zum Weiterlesen

  • Papst Schenouda III.: Worte zum geistlichen Gewinn III, Nr. 103 „Der Geist des Dienstes“ und Nr. 111 „Besuchsdienst“.
  • Papst Schenouda III.: Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitte „Liebe zu den Menschen und Mitgefühl für sie“ und „Der Wert der individuellen Seele“.
  • Abuna Tadros Y. Malaty: Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 2, Fr. 1306⁠–⁠1309.
  • Dienstgebete außerhalb der Kirche, Gebet für das Segnen der neuen Häuser (S. 29⁠–⁠37).
  • Papst Schenouda III.: Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitte „Breitere Gesellschaft“ und „Sonntagsschulen“.

Anmerkungen

  1. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1309.↑

  2. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitt „Der Wert der individuellen Seele“.↑

  3. Papst Schenouda III., Worte zum geistlichen Gewinn III, Nr. 103 „Der Geist des Dienstes“.↑

  4. Dienstgebete außerhalb der Kirche, S. 33⁠–⁠34 (Lk 19:1⁠–⁠10) und S. 37.↑

  5. Papst Schenouda III., Worte zum geistlichen Gewinn III, Nr. 111 „Besuchsdienst“.↑

  6. Papst Schenouda III., Worte zum geistlichen Gewinn III, Nr. 111 „Besuchsdienst“.↑

  7. Polykarp, Brief an die Philipper, Kap. 6,1.↑

  8. Papst Schenouda III., Worte zum geistlichen Gewinn III, Nr. 111 „Besuchsdienst“.↑

  9. Abuna Daoud Lamei, The Harvest is Plentiful, Kap. 6.↑

  10. Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Sonntagsschulen“.↑

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