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Thema 39 · Vortrag 1

Die koptische Sprache

Geschichte, Schrift und Gebrauch in der Liturgie

16 Min. LesezeitDie koptische Sprache

Lernziele

  1. Die Entwicklung von der ägyptischen zur koptischen Sprache und die Rolle des Bohairischen beschreiben.
  2. Die Buchstaben des koptischen Alphabets erkennen und fünf liturgische Grundformeln mit Umschrift mitsprechen (Sprechübung im Kurs).
  3. Erklären, warum die Kirche koptisch und in der Landessprache betet, und die Kinderfrage „Warum beten wir koptisch?“ beantworten.

Schlüsselbegriffe

Koptisch · Hieroglyphen · Hieratisch · Demotisch · Dialekt · Sahidisch · Bohairisch · Kirchensprache · Arabisierung · Ġenkem · Nomina sacra · Umschrift · Kehrvers · Landessprache

Bibelstellen

Apg 2:8; Apg 2:11b; 1. Kor 14:15; 1. Kor 14:19; Offb 7:9a; Mt 6:9⁠–⁠13

Inhalt

In jeder Göttlichen Liturgie hörst du Worte, die nicht deutsch sind: „Amien“, „Kyrie eleison“, „eFnouti nai nan“. Viele Gebete beginnen mit Ϧⲉⲛ ⲫ̀ⲣⲁⲛ ⲙ̀Ⲫ̀ⲓⲱⲧ … – „Im Namen des Vaters …“. Früher oder später fragt dich ein Kind: „Warum beten wir eigentlich koptisch?“

Die Sprache Ägyptens

Koptisch heißt Ägyptisch

Den Namen der Kopten kennst du aus Buch 1, Kapitel 1 („Wer die Kopten sind“). „Kopten“ und „Ägypter“ sind sprachlich ein und dasselbe Wort.1 Auf dem Titelblatt des Euchologions, des Buches der Göttlichen Liturgie, steht für „koptisch-orthodox“ ⲛ̀Ⲣⲉⲙⲛ̀ⲭⲏⲙⲓ ⲛ̀Ⲟⲣⲑⲟⲇⲟⲝⲟⲥ. Darin steckt das Wort ⲭⲏⲙⲓ (Kiemi), Ägypten. Im Brotteilungsgebet an den Herrenfesten heißt es von Christus, dass er „ins Land Ägypten“ zog: ⲉ̀ⲡ̀ⲕⲁϩⲓ ⲛ̀Ⲭⲏⲙⲓ.2

Koptisch ist keine Sprache, die erst mit dem Christentum entstanden wäre. Es ist die ägyptische Sprache selbst, seit Jahrtausenden am Nil gesprochen und geschrieben, in ihrer letzten Gestalt und in einer neuen Schrift.

Von den Hieroglyphen zum koptischen Alphabet

Die ägyptische Sprache wurde nacheinander in vier Schriften geschrieben:

  1. Hieroglyphen – eine Bilderschrift. Zuerst stand ein Zeichen für ein Wort oder eine Sache, nach und nach auch für eine Silbe oder einen Laut.
  2. Hieratisch – eine aus den Hieroglyphen abgeleitete Kursivschrift, also eine flüssige Schreibschrift, später den Priestern für religiöse Texte vorbehalten.
  3. Demotisch – „volkstümlich“: die vereinfachte Schrift des Alltags; Hieroglyphen setzte man nur noch an Denkmäler.
  4. Koptisch – dieselbe Sprache in griechischen Buchstaben, ergänzt um Buchstaben aus dem Demotischen.

Warum griechische Buchstaben? In Alexandrien war Griechisch die Sprache der Bildung. An der christlichen Katechetenschule von Alexandrien, der Theologischen Schule der Kirche, lernte man nach dem Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty „Sprachen wie Griechisch und Ägyptisch (aus dem sich später das Koptische entwickelte)“.3 Die Lehrer der Kirche lasen Griechisch, aber nicht Demotisch; das einfache Volk verstand Ägyptisch, konnte aber nicht lesen. Damit die Heilige Schrift überall gleich verkündet wurde, schrieb man sie in der Sprache des Volkes mit griechischen Buchstaben und nahm für Laute, die das Griechische nicht kennt, Zeichen aus dem Demotischen hinzu. Von der koptischen Bibelübersetzung erzählt Thema 5 („Die Heilige Schrift“).

Begriff
Koptisch

Koptisch ist die letzte Stufe der ägyptischen Sprache. Es wird mit dem griechischen Alphabet und sieben zusätzlichen Buchstaben aus dem Demotischen geschrieben. Heute ist es vor allem die Sprache des Gottesdienstes der koptischen Kirche, ihre Sakralsprache.

Vier Schriften, eine Sprache: von den Hieroglyphen zum koptischen Alphabet

Die Sprache der Wüstenväter

Papst Tawadros II. sagt: „Am Anfang der ägyptischen Kirche beteten die Menschen in der koptischen Sprache und ihren verschiedenen Dialekten.“4 Besonders die Mönchsväter sprachen und lehrten koptisch. Der heilige Antonius der Große hatte keine Schulbildung genossen; mit griechischen Philosophen sprach er „durch seinen Dolmetscher“.5 Zu seinen Mönchen sprach er in seiner Muttersprache. Der heilige Athanasius der Apostolische berichtet:

Aus den Vätern

Einmal nun kam er heraus, alle seine Mönche versammelten sich um ihn und wünschten von ihm eine Belehrung zu empfangen; da trug er ihnen in ägyptischer Sprache folgendes vor: „Die Heilige Schrift ist zwar hinreichend zur Belehrung; für uns aber ist es gut, wenn wir einander ermuntern im Glauben und uns salben mit dem Balsam guter Lehren.“6

– Hl. Athanasius der Apostolische, Leben des heiligen Antonius, Kap. 16

Die „ägyptische Sprache“ seiner Zeit ist das Koptische. Wie sehr die Väter die einfachen koptischen Mönche achteten, zeigt der heilige Arsenius. Er hatte im Kaiserpalast gelebt und besaß große griechische und römische Bildung. Als man sich wunderte, dass er einen ägyptischen Bauern um Rat fragte, antwortete er: „Die römische und griechische Bildung habe ich in mir, aber das Alphabet dieses Bauern habe ich noch nicht gelernt.“7 Er meinte das „Alphabet“ der Tugend, das die ägyptischen Landleute „durch eigene Bemühungen“ gelernt hatten.

Zur großen Schriftsprache machte das Koptische der heilige Schenute, der Archimandrit, also ein Klostervorsteher (im Synaxarium: Anba Schenuda). Er leitete ein großes Kloster bei Achmim in Oberägypten und schrieb für Mönche, Geistliche, Laien und sogar für Beamte. Nach dem Synaxarium kümmerte er sich „um die koptische Sprache und das koptische Erbe im Allgemeinen, stolz auf seine ägyptische Herkunft und seine koptische Kirche“.8 Mehr über die Mönchsväter erzählt Thema 33 („Märtyrer und Mönche“).

Dialekte – und warum die Kirche Bohairisch betet

Entlang des Nils bildeten sich mehrere Dialekte. Sie unterscheiden sich in der Aussprache der Vokale und zum Teil im Wortschatz: unter anderem das Sahidische in Oberägypten, das Bohairische im Nildelta, das Fayyumische, das Achmimische, das Lykopolitanische (um Asyut) und das Mittelägyptische.

Lange war das Sahidische die vorherrschende Schriftsprache, auch die des heiligen Schenute. Das Bohairische hielten vor allem die Klöster der Sketis (Wadi El-Natrun) lebendig. Als der Sitz der Päpste von Alexandrien im 11. Jahrhundert nach Kairo verlegt wurde, wurde das Bohairische zur Kirchensprache. Heute ist es der einzige Dialekt, der im Gottesdienst weiterlebt.

Begriff
Bohairisch

Das Bohairische ist der koptische Dialekt des Nildeltas und der Klöster der Sketis (Wadi El-Natrun). Seit dem Mittelalter ist es die Kirchensprache der koptischen Kirche: Liturgie, Psalmodie und Hymnen, die du auf Koptisch hörst, sind bohairisch.

Auch als das Koptische im Alltag schon zurückging, sorgten Bischöfe für seine Bewahrung. Von Anba Athanasius von Qus, der im 14. Jahrhundert lebte, sagt das Synaxarium: „Er bemühte sich um die Bewahrung der koptischen Sprache und verfasste eine Einführung in den beiden Dialekten Sahidisch und Bohairisch“.9

Die Dialekte des Koptischen entlang des Nils

Arabisierung und Erneuerung

Die Arabisierung

Im 7. Jahrhundert eroberten die Araber Ägypten. Die Herrscher gingen sehr verschieden vor; die radikaleren zwangen die Kopten, Arabisch zu gebrauchen.10 Zu Beginn des 8. Jahrhunderts wurde das Arabische Amtssprache des Staates, und die Kopten lernten es.11 Im Alltag aber blieb das Koptische noch einige Jahrhunderte die Sprache Ägyptens. Im 10. Jahrhundert schrieb Bischof Severus ibn al-Muqaffa die ersten koptischen Bücher in arabischer Sprache.12 Danach wurde das Koptische Schritt für Schritt verdrängt; in Oberägypten hielt es sich am längsten.

Die Kirche sorgte dafür, dass das Volk den Gottesdienst verstand, ohne das Koptische aufzugeben. Papst Gabriel II., der 70. Patriarch, also Oberhirte der Kirche von Alexandrien, lebte im 12. Jahrhundert. Das Synaxarium berichtet über ihn: „Er ordnete an, die Lesungen aus den Briefen und Evangelien sowie die Predigten nach der Lesung auf Koptisch auch auf Arabisch zu lesen, damit das Volk die Lesungen und Predigten verstehen könne.“13 Mit der Zeit standen in den Büchern der Kirche Koptisch und Arabisch nebeneinander; die Überlieferung verlangte aber weiterhin, dass im Gottesdienst Koptisch gebetet wird. Mehr dazu in Thema 38 („Die Kirche unter islamischer Herrschaft“).

Die Erneuerung im 19. und 20. Jahrhundert

Eine Wende brachte im 19. Jahrhundert Papst Kyrillus IV., der „Vater der Reform“. Er errichtete Schulen und kümmerte sich nach dem Synaxarium auch „um die koptische Sprache und die Kirchengesänge. Er kaufte eine Druckerei, um Bücher zu veröffentlichen“.14 Papst Tawadros II. erzählt, Papst Kyrillus IV. habe angeordnet, „dass die Maschinen mit Lobgesängen und Kirchenliedern empfangen wurden“.15 Papst Kyrillus V. beauftragte später den Mönch Abd al-Masih, den späteren Papst Makarius III., „mit dem Unterricht der koptischen und französischen Sprache an der theologischen Schule für Mönche“.16

Heute bewahrt die Kirche ihre koptischen Hymnen und berücksichtigt zugleich die Sprache der Menschen, die am Gottesdienst teilnehmen.17

Das koptische Alphabet

Griechische und demotische Buchstaben

Das Euchologion zählt zweiunddreißig Buchstaben: Die ersten fünfundzwanzig stammen aus dem griechischen Alphabet, die letzten sieben aus der demotischen Schrift.18 Eines der griechischen Zeichen, das Sou (ⲋ), dient nur als Zahlzeichen für sechs und wird nicht gesprochen.

Die griechischen Buchstaben erkennst du leicht, auch wenn manche andere Namen tragen: Beta heißt Wieta (ⲃ), Lambda Loula (ⲗ), Sigma Siema (ⲥ), Tau Taw (ⲧ), Phi Fie (ⲫ), Chi Kie (ⲭ), Omega Oo (ⲱ). Neu sind die sieben Buchstaben aus dem Demotischen; Namen und Aussprache stehen so im Euchologion:19

Tabelle 104 · Die sieben Buchstaben aus dem Demotischen
Buchstabe Name Aussprache
Ϣ ϣ Schai sch
Ϥ ϥ Fai f
Ϧ ϧ Khai kh, wie ch in „Bach“
Ϩ ϩ Hori h
Ϫ ϫ Ġanġa vor e, i und ⲏ wie englisch j, in der Umschrift ġ; sonst g
Ϭ ϭ Tschima tsch
Ϯ ϯ Ti ti

Die ganze Tafel steht im Arbeitsmittel „Das koptische Alphabet“ im Arbeitsheft. Zwei Zeichen brauchst du zum Lesen besonders:

  • Der Ġenkem ist ein kleiner Schrägstrich über einem Buchstaben (ⲛ̀, ⲙ̀, ⲫ̀). Man spricht dabei ein e vor dem Buchstaben: ⲫ̀ⲣⲁⲛ liest man efran, ⲛ̀ⲧⲉ ente, Ⲡ̀ϭⲟⲓⲥ eP-tschois.20
  • Ein waagrechter Strich über einem oder mehreren Buchstaben zeigt eine Zahl oder eine Abkürzung an. Zahlen schreibt man mit Buchstaben in der Reihenfolge des Alphabets: ⲁ̅ ist 1, ⲓ̅ ist 10, ⲣ̅ ist 100. So ist ⲓ̅ⲃ̅ zwölf, die Zahl der Apostel, und ⲧ̅ⲓ̅ⲏ̅ dreihundertachtzehn, die Zahl der Väter von Nizäa, die die Basilius-Liturgie nennt.21

Aussprache und Umschrift

Einige Buchstaben haben mehr als einen Lautwert, werden also je nach Wort verschieden ausgesprochen; das Euchologion gibt die Regeln an.22

  • Ⲃ spricht man am Wortanfang und vor einem Vokal wie ein deutsches w, am Wortende und vor einem Mitlaut wie b: ⲉ̀ⲃⲟⲗ (ewol), aber ⲉ̀ⲑⲟⲩⲁⲃ (ethouab).
  • Ⲭ klingt in koptischen Wörtern wie k, so in ⲭⲏⲙⲓ (Kiemi). In griechischen Wörtern klingt es vor e, i, ⲏ und ⲩ wie sch, so in ⲭⲉⲣⲉ (schere), „gegrüßt“, sonst wie kh; Ⲡⲓⲭ̀ⲣⲓⲥⲧⲟⲥ schreibt die Umschrift Pi-echris-tos.
  • Ⲩ steht in ⲟⲩ für ou (Ⲓⲏⲥⲟⲩⲥ, Iie-sous), nach a, e, i und ⲱ für w (ⲡ̀ⲛⲉⲩⲙⲁ, epnewma).

Neben jedes koptische Gebet setzt das Euchologion eine einfache Umschrift in deutschen Buchstaben. Sie ist eine Lesehilfe, keine genaue Lautschrift, und schreibt manches Wort an verschiedenen Stellen leicht verschieden.23 Gebete lernt man darum vor allem durch Hören. Im Gottesdienst richtest du dich nach Priester, Diakonen und dem Epsaltos (Sänger) deiner Gemeinde, damit alle mit einer Stimme beten.

Heilige Namen mit Strich: die Nomina sacra

Begriff
Nomina sacra

Nomina sacra („heilige Namen“) heißen die Abkürzungen heiliger Wörter in koptischen Büchern. Man schreibt nur einige Buchstaben des Wortes und setzt einen Strich darüber.

Die wichtigsten nennt das Euchologion:24

Tabelle 105 · Häufige Nomina sacra
Abkürzung volles Wort Bedeutung
Ⲓⲏ̅ⲥ̅ Ⲓⲏⲥⲟⲩⲥ Jesus
Ⲡⲭ̅ⲥ̅ Ⲡⲓⲭ̀ⲣⲓⲥⲧⲟⲥ Christus
ⲡⲉⲛ⳪̅ Ⲡⲉⲛϭⲟⲓⲥ unser Herr
ⲡⲓⲡ̅ⲛ̅ⲁ̅ Ⲡⲓⲡ̀ⲛⲉⲩⲙⲁ (der) Geist
ⲉ̅ⲑ̅ⲩ̅ ⲉ̀ⲑⲟⲩⲁⲃ heilig
Ⲁⲗ̅ⲗ̅ Ⲁⲗⲗⲏⲗⲟⲩⲓⲁ̀ Halleluja
ⲕ̅ⲉ̅ Ⲕⲩⲣⲓⲉ̀ ⲉ̀ⲗⲉⲏ̀ⲥⲟⲛ Herr, erbarme dich

Gelesen wird immer das volle Wort: Wo ⲕ̅ⲉ̅ steht, singt die Gemeinde Kyrie eleison.

Liturgische Grundformeln

Die folgenden fünf Formeln stammen aus verschiedenen Gebeten und Gesängen unserer Liturgie. Du sollst sie verstehen und mitsprechen können; das üben wir im Kurs gemeinsam.

Hinweis
Koptischer Text, Umschrift und deutscher Wortlaut

Koptischer Text und Umschrift folgen dem Euchologion, auch die Großbuchstaben mitten im Wort (eFnouti);25 der deutsche Wortlaut folgt dem Messbuch unserer Diözese. Das ġ spricht man wie das englische j, kh wie ch in „Bach“.26

  1. Das Kreuzzeichen.
    Ϧⲉⲛ ⲫ̀ⲣⲁⲛ ⲙ̀Ⲫ̀ⲓⲱⲧ ⲛⲉⲙ Ⲡ̀ϣⲏⲣⲓ ⲛⲉⲙ Ⲡⲓⲡ̀ⲛⲉⲩⲙⲁ ⲉ̀ⲑⲟⲩⲁⲃ ⲟⲩⲛⲟⲩϯ ⲛ̀ⲟⲩⲱⲧ.
    Khen efran em-eF-joot nem eP-schieri nem Pi-epnewma ethouab ounouti en-ou-oot.
    „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, des einen Gottes.“27
  2. Der Ruf um Erbarmen.
    Ⲫ̀ⲛⲟⲩϯ ⲛⲁⲓ ⲛⲁⲛ – eFnouti nai nan – „Gott, erbarme dich unser“.28
    Ebenso oft hörst du den griechischen Ruf Ⲕⲩⲣⲓⲉ̀ ⲉ̀ⲗⲉⲏ̀ⲥⲟⲛ – Kyrie eleison – „Herr, erbarme dich“.29 Papst Schenouda III. erinnert daran, dass wir ihn in jedem Stundengebet einundvierzigmal sprechen.30
  3. Der Friedensgruß und die Antwort.
    Der Priester: Ⲓⲣⲏⲛⲏ ⲡⲁⲥⲓ – Irienie pasi – „Der Friede sei mit allen!“
    Die Gemeinde: Ⲕⲉ ⲧⲱ ⲡ̀ⲛⲉⲩⲙⲁⲧⲓ ⲥⲟⲩ – Ke too epnewmati sou – „Und mit Deinem Geiste!“31 Beide Sätze sind griechisch.
  4. Lobpreis und Amen.
    Ⲁⲙⲏⲛ Ⲁⲗⲗⲏⲗⲟⲩⲓⲁ̀ : Ⲇⲟⲝⲁ Ⲡⲁⲧⲣⲓ ⲕⲉ Ⲩⲓⲱ̀ ⲕⲉ ⲁ̀ⲅⲓⲱ̀ Ⲡⲛⲉⲩⲙⲁⲧⲓ
    Amien Allie-louja : Zoxa Patrie ke E-joo ke agioo Pnewmati
    „Amen, Alleluja, Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist.“32
  5. Der Kehrvers der Fürbitten, der wiederkehrende Antwortvers.
    Ϩⲓⲧⲉⲛ ⲛⲓⲡ̀ⲣⲉⲥⲃⲓⲁ̀ ⲛ̀ⲧⲉ ϯⲑⲉⲟ̀ⲧⲟⲕⲟⲥ ⲉ̀ⲑⲟⲩⲁⲃ Ⲙⲁⲣⲓⲁ̀ : Ⲡ̀ϭⲟⲓⲥ ⲁ̀ⲣⲓϩ̀ⲙⲟⲧ ⲛⲁⲛ ⲙ̀ⲡⲓⲭⲱ ⲉ̀ⲃⲟⲗ ⲛ̀ⲧⲉ ⲛⲉⲛⲛⲟⲃⲓ.
    Hiten ni-epreswia ente titheotokos ethouab Maria : eP-tschois ari-ehmot nan empi-koo ewol ente nen-nowi.
    „Durch die Fürsprache der Muttergottes der hl. Maria, gewähre uns, O Herr, die Vergebung unserer Sünden.“33 ϯⲑⲉⲟ̀ⲧⲟⲕⲟⲥ ist die Gottesgebärerin (Theotokos). Den zweiten Halbsatz wiederholt die Kirche in der Göttlichen Liturgie bei vielen Heiligen, durch deren Fürsprache sie den Herrn um Vergebung bittet.34

Die Antworten der Gemeinde sind kein Beiwerk. Der heilige Johannes Chrysostomus erinnert daran, dass der Bischof immer wieder „Friede sei mit allen“ sagt, und fragt: „Du antwortest: Und mit deinem Geiste, und außerhalb der Kirche verleumdest du ihn?“35 Wer eine Antwort mitspricht, soll meinen, was er sagt – in jeder Sprache.

Das Vaterunser auf Koptisch

„Das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis werden in all unseren Liturgien gesprochen“, sagt der Katechismus.36 Im Euchologion trägt es nach seinen ersten Worten die koptische Überschrift Ϫⲉ Ⲡⲉⲛⲓⲱⲧ:

(Ϫⲉ) Ⲡⲉⲛⲓⲱⲧ ⲉⲧ ϧⲉⲛ ⲛⲓⲫⲏⲟⲩⲓ̀ : ⲙⲁⲣⲉϥⲧⲟⲩⲃⲟ ⲛ̀ϫⲉ ⲡⲉⲕⲣⲁⲛ
(Ġe) Pen-joot et-khen nifie-oui : maref-touwo enġe pekran
„Vater unser im Himmel, geheiligt werde Dein Name.“37

Den ganzen Text findest du im Arbeitsmittel „Sprechübung: Grundformeln und Vaterunser“. Am Schluss heißt es Ϧⲉⲛ Ⲡⲓⲭ̀ⲣⲓⲥⲧⲟⲥ Ⲓⲏⲥⲟⲩⲥ Ⲡⲉⲛϭⲟⲓⲥ (Khen Pi-echris-tos Iiesous Pen-tschois), „durch Christus Jesus unseren Herrn“, und „denn Dein ist das Reich, die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen“.38 Wir beten zum Vater in Christus und durch ihn.

Koptisch und Landessprache

Warum betet die Kirche dann nicht nur deutsch – oder nur koptisch? Der Katechismus fragt: „Warum schätzen wir die koptischen Kirchenhymnen? Ist es zulässig, sie in die Sprache zu übersetzen, die die Menschen verstehen?“ Seine Antwort hat zwei Seiten:

„Unser Stolz auf die koptischen Kirchenhymnen bedeutet nicht, dass wir die Kirchenhymnen anderer Traditionen – etwa der syrischen, armenischen oder äthiopischen – geringschätzen oder außer Acht lassen sollen. Zugleich müssen wir die Gläubigen berücksichtigen, die am Gottesdienst teilnehmen, und uns bemühen, diese Kirchenhymnen in die Sprachen zu übersetzen, die die Menschen vor Ort sprechen, wie dies gegenwärtig in der Diaspora geschieht.“39

Zugleich hat das Koptische einen eigenen Wert: „Die große Zahl an Vokalen in der koptischen Sprache verleiht ihr beim Singen von Hymnen eine gewisse Süße und Geschmeidigkeit.“40 Die frühe koptische Kirche hat diese Tradition den Äthiopiern trotzdem nicht aufgezwungen.41 In der koptischen Sprache haben Antonius, Schenute und Generationen von Märtyrern und Mönchen gebetet; in ihr sind die Hymnen der Kirche gewachsen.

Die Heilige Schrift zeigt, dass Gott die Sprachen der Menschen nicht verachtet. Zu Pfingsten staunten die Menschen in Jerusalem: „Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören“ (Apg 2:8) – „wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden“ (Apg 2:11b). Paulus schreibt: „Doch vor der Gemeinde will ich lieber fünf Worte mit Verstand reden, um auch andere zu unterweisen, als zehntausend Worte in Zungen stammeln“ (1. Kor 14:19).42 Und vor dem Thron Gottes steht am Ende „eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen“ (Offb 7:9a).

Der heilige Augustinus sagt, die ganze Kirche rede in allen Sprachen: „Gewiss rede ich so, weil jede Sprache die meine ist, d. h. jenes Leibes, dessen Glied ich bin. Die über alle Völker zerstreute Kirche redet in allen Sprachen, die Kirche ist der Leib Christi“.43

So ordnet das Euchologion für die Lesungen der Liturgie: Psalm und Evangelium werden „zuerst in koptischer Sprache gelesen, dann folgt die Übersetzung in die Sprache des jeweiligen Landes; auf deutsch und/oder arabisch“.44 Papst Tawadros II. sagt für die Gemeinden außerhalb Ägyptens:

Aus der Lehre unserer Päpste

Unsere Kirchen in der Diaspora beten in der jeweiligen Landessprache, sei es Englisch, Deutsch, Schwedisch, Französisch usw. Entwicklung ist zwingend notwendig! Das Beharren auf dem Beten in nur einer Sprache kann zum Verlust vieler Seelen führen. Wir können nicht behaupten, dass es im Himmel nur eine Sprache gibt. Ja, es gibt die Sprache des Lobpreises, aber wir wissen nicht, ob das Arabisch oder Englisch ist.45

– Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 16

Unsere Gemeinden beten heute auf Koptisch (mit den überlieferten griechischen Rufen), auf Arabisch und in der jeweiligen Landessprache, bei uns auf Deutsch. Mit ihrer überlieferten Sakralsprache bewahrt die Kirche ihr Erbe und bleibt mit den Vätern und allen koptischen Gemeinden der Welt verbunden. In der Landessprache können alle verstehen, was sie beten, besonders die Kinder (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1068). Paulus will „nicht nur im Geist beten, sondern auch mit dem Verstand“ (1. Kor 14:15). Wie viel koptisch und wie viel deutsch gebetet wird, ordnet die Kirche vor Ort. Die eine Kirche spricht in allen Sprachen.

Für den Dienst

Die Kinderfrage „Warum beten wir koptisch?“ Antworte kurz, freundlich und so, wie es zum Alter passt:

  • Kindergarten und Volksschule: „Koptisch ist die Sprache, in der unsere Kirche schon ganz lange betet – schon der heilige Antonius hat so mit seinen Mönchen gesprochen. Wenn wir koptisch singen, singen wir mit allen Kopten auf der ganzen Welt. Und wir beten auch deutsch, damit wir alles verstehen.“
  • Unterstufe: Erkläre dazu, dass Koptisch die Sprache der alten Ägypter in griechischen Buchstaben ist, und zeige ein Nomen sacrum, etwa Ⲓⲏ̅ⲥ̅ für Jesus.
  • Jugendliche: Sprich über beide Gründe für die Sprachenwahl (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1068) und über das Wort von Papst Tawadros II. Jugendliche dürfen sagen, dass sie wenig verstehen; hilf ihnen, die Bedeutung der Formeln zu lernen.

Antworten mit Kindern lernen. Schon kleine Kinder können „Amien“, „Kyrie eleison“ und „eFnouti nai nan“ mitsprechen, in der Sonntagsschule wie in der Familie. Sag ihnen vorher, was die Worte bedeuten, und sprich langsam vor. Ältere Kinder lernen das Kreuzzeichen und den Friedensgruß. Wichtig ist, dass sie mit dem Herzen antworten, wie Chrysostomus mahnt, und nicht nur Klänge nachahmen.

Beispiel

Eine Stunde in der zweiten Klasse Volksschule. Ein Diener schreibt Ⲓⲏ̅ⲥ̅ Ⲡⲭ̅ⲥ̅ an die Tafel und fragt, wo die Kinder diese Zeichen schon gesehen haben – etwa auf einem Kreuz oder in einem Gebetbuch. Er erklärt: „Das heißt Jesus Christus. Die Kopten schreiben heilige Namen mit einem Strich darüber.“ Dann lernen alle die Antwort „eFnouti nai nan – Gott, erbarme dich unser“ und sprechen sie zum Abschluss gemeinsam.

Die eigene Haltung. Mache niemanden lächerlich, der Koptisch nicht kann oder anders ausspricht, und lass dich selbst nicht entmutigen. Koptisch ist keine heiligere Sprache als Deutsch – Gott hört jedes Gebet. Es ist aber das Erbe deiner Kirche, und wer es pflegt, ehrt die Väter. Wer mehr lernen will, besucht einen Koptischkurs in seiner Gemeinde, um lesen und schreiben zu lernen und sich mit der Grammatik zu beschäftigen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Koptisch ist die letzte Stufe der ägyptischen Sprache; „Koptisch heißt Ägyptisch“.
  • Die ägyptische Sprache wurde in Hieroglyphen, Hieratisch, Demotisch und Koptisch geschrieben; das koptische Alphabet besteht aus griechischen Buchstaben und sieben Buchstaben aus dem Demotischen.
  • Von den Dialekten wurde das Bohairische (Nildelta, Klöster der Sketis) zur Kirchensprache; das Sahidische war lange vorherrschend.
  • Durch die Arabisierung wurde das Koptische als Alltagssprache verdrängt, blieb aber die Sprache des Gottesdienstes; Papst Gabriel II. ließ die Lesungen auch arabisch lesen, damit das Volk verstand.
  • Papst Kyrillus IV., der „Vater der Reform“, kümmerte sich im 19. Jahrhundert um die koptische Sprache und die Kirchengesänge und kaufte eine Druckerei.
  • Das koptische Alphabet hat zweiunddreißig Buchstaben. Die Umschrift des Euchologions ist eine Lesehilfe; maßgeblich ist das Vorsprechen in der Gemeinde.
  • Nomina sacra sind Abkürzungen heiliger Namen mit einem Strich darüber, etwa Ⲓⲏ̅ⲥ̅ für Jesus.
  • Die Kirche betet koptisch, um ihr Erbe und ihre Einheit zu bewahren, und in der Landessprache, damit alle verstehen (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1068).

Zum Weiterlesen

  • Das heilige Euchologion der koptisch-orthodoxen Kirche, hg. vom Koptisch-Orthodoxen Kloster des heiligen Antonius, Kröffelbach 2022, mit Umschrift; Anhang „Die koptische Sprache“ und „Das koptische Alphabet“ (S. 1206⁠–⁠1215).
  • Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 2, Fr. 1066⁠–⁠1072.
  • Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 15⁠–⁠19.
  • Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 16 und 72⁠–⁠73.
  • Synaxarium, 10. Baramuda (Papst Gabriel II.) und 23. Tubeh (Papst Kyrillus IV.), S. 387⁠–⁠388 und 258⁠–⁠259.

Anmerkungen

  1. Vgl. Euchologion, S. 1206.↑

  2. Euchologion, Titelblatt und S. 806.↑

  3. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1356.↑

  4. Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 15.↑

  5. Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 72; vgl. ebd., Kap. 1.↑

  6. Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 16.↑

  7. Apophthegmata Patrum, Nr. 44 (Arsenius 6); vgl. ebd. Nr. 39 und 43 (Arsenius 1 und 5).↑

  8. Synaxarium, 7. Abib, Die Entschlafung des großen Heiligen Anba Schenuda, des Archimandriten, S. 546.↑

  9. Synaxarium, 15. Tut, Die Entschlafung des Anba Athanasius von Qus, S. 34.↑

  10. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑

  11. Vgl. Iris Habib el Masri, The Story of the Copts, Book II, § 433.↑

  12. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑

  13. Synaxarium, 10. Baramuda, Die Entschlafung des heiligen Papstes Gabriel II., S. 388.↑

  14. Synaxarium, 23. Tubeh, Die Entschlafung von Papst Kyrillus IV., dem Vater der Reform, S. 259.↑

  15. Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 16.↑

  16. Synaxarium, 25. Misra, Entschlafung des heiligen Papstes Makarius III., S. 620.↑

  17. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1068.↑

  18. Euchologion, S. 1209.↑

  19. Euchologion, S. 1210⁠–⁠1214.↑

  20. Euchologion, S. 1210; die Umschriften S. 18 und 20.↑

  21. Zu den Vätern von Nizäa vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 140.↑

  22. Euchologion, S. 1211⁠–⁠1213; die Umschriften S. 6, 18, 20 und 1191.↑

  23. So ⲧ̀ⲫⲉ („Himmel“) im Vaterunser etwe, in der Abschlusshymne des Weihrauchopfers etfe: Euchologion, S. 4 und 180.↑

  24. Euchologion, S. 1215.↑

  25. Euchologion, S. 20, 130, 6, 180 und 18; das Vaterunser S. 4.↑

  26. Euchologion, S. 1213⁠–⁠1214.↑

  27. Die göttlichen Liturgien, S. 131.↑

  28. Die göttlichen Liturgien, S. 93.↑

  29. Die göttlichen Liturgien, S. 92.↑

  30. Vgl. Papst Schenouda III., Betrachtungen über die Bergpredigt, Kap. 5.5.↑

  31. Die göttlichen Liturgien, S. 68.↑

  32. Die göttlichen Liturgien, S. 488.↑

  33. Die göttlichen Liturgien, S. 6.↑

  34. Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. 143⁠–⁠144.↑

  35. Johannes Chrysostomus, Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Kolosser, Homilie 3,4.↑

  36. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 102.↑

  37. Die göttlichen Liturgien, S. 67.↑

  38. Die göttlichen Liturgien, S. 67.↑

  39. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1068. „Diaspora“ meint hier die Gemeinden außerhalb Ägyptens.↑

  40. Ebd.↑

  41. Vgl. ebd.↑

  42. „In Zungen reden“ heißt bei Paulus: in einer Sprache beten, die die anderen nicht verstehen (vgl. 1. Kor 14:2).↑

  43. Augustinus, Vorträge über das Johannes-Evangelium, Vortrag 32,7.↑

  44. Euchologion, S. 344.↑

  45. Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 16.↑

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