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Thema 8 · Vortrag 1

Kalender, Feste und Fasten

Das Kirchenjahr als Weg mit Christus

17 Min. LesezeitDas Kirchenjahr

Lernziele

  1. Den Sinn der Zyklen des Kirchenjahres (Tag, Woche, Monat, Jahr) als Vergegenwärtigung des Heilswerks erklären.
  2. Mit dem heiligen Basilius erklären, dass wahres Fasten in der Entfernung der Fehler besteht, und die Fastenzeiten den Festen zuordnen.
  3. Den Katameros als Lesungsordnung des Kirchenjahres beschreiben.

Schlüsselbegriffe

Kirchenjahr · koptischer Kalender · Jahr der Märtyrer · Nayrouz · Herrenfeste · Monatsgedenken · Paramoun · Fastenzeiten · Katameros · Synaxarium

Bibelstellen

2. Kor 5:17; Ps 65:12; Ps 119:164; Mt 9:15; Mt 6:17⁠–⁠18; Mt 4:2; Jes 58:6; Jona 3:10; Apg 13:2⁠–⁠3; Lk 2:21; Lk 4:19; Lk 15; Joh 4; Joh 5; Joh 9

Inhalt

Die Sonntagsschule lebt im Rhythmus der Kirche: Im Herbst beginnt das koptische Jahr, im Winter bereitet sich die Gemeinde auf die Geburt Christi vor, im Frühjahr fastet sie auf das Auferstehungsfest zu. Wenn du Kinder durch dieses Jahr begleitest – in der Sonntagsschule, in einem anderen Dienst oder in der Familie –, genügen Daten nicht. Du solltest verstehen, warum die Kirche ihre Zeit so ordnet, warum sie fastet und feiert und woher die Lesungen jedes Sonntags kommen. Erst dann kannst du ein Sonntagsschuljahr nach dem Kirchenjahr planen.

Woran du anknüpfst

Die koptischen Monatsnamen, die sieben großen und sieben kleinen Herrenfeste, die Marienfeste und die Fastenzeiten kennst du aus Buch 1, Kapitel 9 („Kirchliche Ordnung, Kirchenjahr und Gebetsleben“) und Anhang „Feste und Fasten“. Halte die Tabelle des Anhangs bereit. Was geschieht mit uns, wenn wir mit der Kirche beten, fasten und feiern?

Der koptische Kalender und das Jahr der Märtyrer

Ein Kalender aus Ägypten

Die Kopten haben ihren koptischen Kalender von ihren ägyptischen Vorfahren übernommen. Das Jahr hat zwölf Monate zu je dreißig Tagen; am Ende folgen fünf zusätzliche Tage, der „kleine Monat“ Nesi, in jedem vierten Jahr sechs.1 Das neue Jahr beginnt am 1. Tut, der je nach Jahr auf den 11. oder 12. September fällt.2 Der liturgische Tag beginnt mit dem Sonnenuntergang, und der erste Tag der Woche ist der Tag des Herrn, der Sonntag.3 Darum gehört die Emporhebung des Abendweihrauchs schon zum folgenden Tag: Am Samstagabend beginnt in der Kirche der Sonntag.4 Die Monatsnamen stammen aus dem alten Ägypten; die Kopten haben sie bewahrt, die Zeit selbst aber mit Christus gefüllt.5

Warum die Kirche nach den Märtyrern zählt

Die Jahre zählt die koptische Kirche nach dem Jahr der Märtyrer (lateinisch Anno Martyrum).

Begriff
Jahr der Märtyrer

Die koptische Jahreszählung beginnt mit dem Regierungsantritt Kaiser Diokletians im Jahr 284 n. Chr. Unter ihm litten so viele Christen in Ägypten, dass die Kirche ihre Zeit seither nach den Märtyrern zählt. Das Synaxarium, das Buch der Heiligengeschichten und Gedenktage im Kirchenjahr, nennt oft beide Jahreszahlen, etwa beim Martyrium der neunundvierzig Altväter der Sketis: „im Jahr 160 der Märtyrer (444 n. Chr.)“.6

Dass die Kirche ausgerechnet das Jahr eines Verfolgers zum Ausgangspunkt nimmt, ist kein Zufall. Das Synaxarium erklärt am 1. Tut: Die Kirche stellt ihren Kindern die frühe Christenheit „in ihrem schönsten Bild dar“, als die Christen in der Verfolgung Vorbilder „der Liebe, der Hingabe, des Glaubens, der Geduld und der Feindesliebe“ waren. „Sie lehrt damit, dass sich der christliche Glaube in seiner Frühzeit mehr durch das Vergießen des Blutes der Märtyrer und durch das Vorbild verbreitete als durch Predigt und Lehre.“7 Jede Jahreszahl erinnert also daran, dass der Glaube, den wir weitergeben, mit Blut bezeugt wurde – und dass auch heute das gelebte Vorbild mehr überzeugt als viele Worte.

Nayrouz und Kreuzfest: wie das Jahr beginnt

Das neue Jahr beginnt mit dem Nayrouz, dem koptischen Neujahr und Fest der Märtyrer, am 1. Tut (11. oder 12. September). Bis zum 16. Tut betet die Kirche in der freudigen Melodie.8 Das Synaxarium lädt an diesem Tag ein, das neue Jahr in Reinheit zu beginnen, und erinnert an zwei Schriftworte: „Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden“ (2. Kor 5:17), und: „Du krönst das Jahr mit deiner Güte“ (Ps 65:12a; LXX 64).9 Im Evangelium des Festes hören wir, dass Christus gekommen ist, „ein Gnadenjahr des Herrn“ auszurufen (Lk 4:19).

Kaum ist die Freude des Neujahrs verklungen, feiert die Kirche am 17. Tut drei Tage lang das Kreuzfest; ein zweites Kreuzfest folgt am 10. Baramhat.10 So stehen am Anfang jedes Jahres die Märtyrer und das Kreuz. Papst Schenouda III. sagt: „In der Tat ist das christliche Leben praktisch eine Reise nach Golgatha; und ein Christentum ohne Kreuz ist kein wirkliches Christentum.“11

Die Zyklen: das Heilswerk im Lauf der Zeit

Das Kirchenjahr ist mehr als ein Kalender mit Festtagen. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty unterscheidet einen täglichen, einen wöchentlichen, einen monatlichen und einen jährlichen Zyklus.12 In jedem dieser Kreise begegnet uns dasselbe: das Heilswerk Christi – seine Menschwerdung, sein Kreuz, seine Auferstehung, die Sendung des Heiligen Geistes und seine Wiederkunft.

Begriff
Kirchenjahr

Die Ordnung, in der die Kirche das Heilswerk Christi im Lauf von Tag, Woche, Monat und Jahr betend, fastend und feiernd begeht. Jede Feier ist nach dem Katechismus eine „Begegnung mit der Heiligen Dreifaltigkeit“.13

Darum sprechen wir von einer Vergegenwärtigung des Heilswerks: Die Kirche erinnert nicht nur an Vergangenes, wie man in der Schule an ein geschichtliches Datum denkt. Was Christus ein für alle Mal für uns getan hat, wird nicht wiederholt; aber es gilt heute, und im Gebet der Kirche treten wir in dieses Geschehen ein. Am Ende seines Kapitels über den Kirchenkalender sagt der Katechismus: „Der Zweck des Kirchenkalenders besteht darin, dass die Kirche ihre Sendung erfüllt und zur Ikone ihres himmlischen Bräutigams wird.“14

Die vier Zyklen des Kirchenjahres

Der Tag: die Stunden der Agpeya

Den Tag heiligt das Stundengebet der Agpeya. Der Psalmist sagt: „Siebenmal am Tag singe ich dein Lob wegen deiner gerechten Entscheide“ (Ps 119:164; LXX 118). Jede Gebetszeit führt zu einem Ereignis des Heils: Am Morgen gedenken wir der Auferstehung, zur dritten Stunde der Herabkunft des Heiligen Geistes, zur sechsten der Kreuzigung, zur neunten des Todes Christi im Fleisch und der Aufnahme des rechten Schächers, des reumütigen Verbrechers am Kreuz, zur elften der Abnahme vom Kreuz, zur zwölften der Grablegung und um Mitternacht der Wiederkunft des himmlischen Bräutigams; in den Klöstern kommt nach der zwölften Stunde das Schleiergebet hinzu.15 So geht der Betende jeden Tag den Weg von der Auferstehung über Golgota bis zur Erwartung des kommenden Herrn. „So wird jeder Tag zu einem freudigen Fest, denn für uns ist der Herr das ewige Fest“, sagt der Katechismus.16

Die Woche: Sonntag, Mittwoch und Freitag

Jeder Sonntag ist ein kleines Auferstehungsfest: An ihm lebt der Gläubige „das Leben der Auferstehung“ und heiligt dadurch die ganze Woche. Am Mittwoch und Freitag fastet die Kirche; sie erinnert damit an den Verrat des Judas und an die Kreuzigung.17 Diese Ordnung ist sehr alt. Schon die Didache, eine Kirchenordnung der frühen Christenheit, weist die Gläubigen an: „ihr aber sollt fasten am vierten Tage und am Rüsttage (d. h. am Mittwoch und Freitag)“.18

Die Fasttage führen auf den Sonntag hin; sie bereiten auf die wöchentliche Feier der Auferstehung vor.19 Darum entfallen diese Fasttage in den Heiligen Fünfzig Tagen vom Auferstehungsfest bis Pfingsten; dann steht die ganze Zeit im Licht der Auferstehung.

Der Monat: drei Gedenktage

Auch jeder Monat trägt die Mitte des Glaubens in sich, in drei Monatsgedenken:

  • Am 12. jedes koptischen Monats gedenkt die Kirche des Erzengels Michael, des Anführers der himmlischen Heerscharen.20
  • Am 21. gedenkt sie der Gottesgebärerin (Theotokos); dieses Gedächtnis heiligt jeden Monat.21 Das Synaxarium erinnert dabei an ihren Heimgang am 21. Tubeh und an die Weihe der ersten Kirche auf ihren Namen in Philippi am 21. Bauna.22
  • Am 29. feiert sie das Gedächtnis der drei großen Herrenfeste: Verkündigung, Geburt und Auferstehung. Ausgenommen sind die Monate Tubeh und Amschir, die „das Gesetz und die Propheten versinnbildlichen“ und dem Monat Baramhat vorausgehen, in dem sich die Verkündigung erfüllte.23

Die Verehrung der Gottesgebärerin führt dabei immer zu ihrem Sohn: Auch wenn wir sie und die Heiligen ehren, bleibt unser Blick auf das Kreuz gerichtet.24

Das Jahr: Feste und Fastenzeiten

Im Jahreszyklus feiert die Kirche die großen und kleinen Feste des Herrn, die Feste der Gottesgebärerin und der Heiligen, die Weihetage von Kirchen und die jährlichen Fastenzeiten.25 Die Herrenfeste teilt die Kirche nach ihrer Bedeutung für unser Heil in sieben große und sieben kleine Feste ein.26 Die sieben großen Herrenfeste bilden zusammen den Weg des Heils: von der Verkündigung, bei der das Wort im Schoß der Jungfrau Mensch wird, über die Geburt, die Theophanie (Taufe des Herrn), den Einzug in Jerusalem und die Auferstehung bis zur Himmelfahrt und zur Herabkunft des Heiligen Geistes an Pfingsten.

Wie ein Fest uns selbst betrifft, zeigt die Theophanie (11. Tubeh / 19. Jänner). Christus stieg in den Jordan hinab; jeder Gläubige ist mit ihm hinabgestiegen, als er im Taufbecken dreimal untergetaucht wurde, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.27 Ähnlich das kleine Fest der Beschneidung des Herrn: Christus wurde nach dem Gesetz am achten Tag beschnitten (Lk 2:21). Der Katechismus sieht darin die geistliche Beschneidung, die wir in der Taufe empfangen: „In den Wassern der Taufe wird der alte Mensch in uns gekreuzigt.“28 Das Fest ist also kein Rückblick allein: Es sagt mir, was Christus an mir getan hat.

Beispiel

Kiyahk – der Monat des Lobpreises. Den Monat Kiyahk nennt der Katechismus den „Monat der Nachtwachen und des Lobpreises“.29 In ihm singt die Kirche beim Mitternachtslobpreis, dem nächtlichen Lobgottesdienst, aus der Kiyahk-Psalmodie, dem Hymnenbuch für diesen Monat; das Gebet beginnt am Abend und dauert die ganze Nacht.30 Dazu gehören die Theotokien, Lobgesänge auf die Gottesgebärerin, die das menschgewordene Wort in ihrem Schoß trug. Im Weihnachtsfasten geht die Kirche so auf die Geburt des Herrn am 29. Kiyahk zu. Wer diesen Monat mitbetet, „erinnert“ sich nicht nur an Weihnachten, sondern wird selbst bereit, Christus aufzunehmen.

Fasten und Fest

Was wahres Fasten ist

Begriff
Fasten

Zum Fasten gehören die Enthaltsamkeitszeit und die pflanzliche Kost. In der Enthaltsamkeitszeit verzichtet man an Fasttagen ganz auf Speisen und Getränke, bis zum Ende der Liturgie des Fasttages oder bis zu der Tagesstunde, die man mit dem Beichtvater vereinbart. Danach isst man pflanzlich: kein Fleisch, keine Milchprodukte, keine Eier, in den strengen Fastenzeiten auch keinen Fisch. Verbunden mit Gebet, Umkehr und Werken der Liebe, macht das Fasten den Menschen geistlich frei.31

Davon zu unterscheiden ist die eucharistische Nüchternheit vor jeder Kommunion: Man isst und trinkt nichts bis zum Empfang der Kommunion, nicht weniger als neun Stunden, üblicherweise ab Mitternacht.32 Fisch nennt Papst Schenouda III. ein tierisches Lebensmittel, das die Kirche in manchen Fastenzeiten erlaubt, beim „Fasten erster Klasse“ aber nicht.33

Wer nur auf den Speiseplan schaut, hat das Fasten noch nicht verstanden. Der heilige Basilius der Große sagt in seiner Predigt über das Fasten:

Aus den Vätern

Beschränk indes die guten Folgen des Fastens nicht auf die bloße Enthaltung von Speisen! Das wahre Fasten besteht in der Entfernung der Fehler. „Löse alle Bande der Bosheit!“ Vergib dem Nebenmenschen die Beleidigung! Vergib ihm die Schulden! „Fastet nicht zu Streit und Hader!“ Fleisch issest du nicht; aber du vertilgest den Bruder. Du enthältst dich des Weines; aber du beherrschest deinen Übermut nicht.34

– Hl. Basilius der Große, Ausgewählte Predigten, Predigt I (Über das Fasten), Kap. 10

Basilius nimmt das Wort des Propheten auf: „Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen …“ (Jes 58:6a). Dasselbe lehrt der heilige Johannes Chrysostomus: „… die Ehre des Fastens ist nicht Enthaltung von Speisen, sondern Vermeidung von Sünden … Siehst du einen Armen, erbarme dich; siehst du einen Feind, versöhne dich … Denn nicht nur der Mund soll fasten, sondern auch Auge und Ohr und Füße und Hände und alle Glieder unseres Leibes.“35 Der heilige Hieronymus nennt das Fasten „noch nicht die vollendete Tugend, vielmehr ist es die Grundlage der übrigen Tugenden“.36 Papst Schenouda III. sagt es kurz: „Gott will ein reines Herz mehr als einen hungrigen Körper.“37

Das heißt nicht, dass der Leib unwichtig wäre. Der Katechismus sagt: „Das Fasten ist die Niederwerfung des ganzen Menschen vor dem Heiligen Geist, damit er ihn heilige. Gott will nicht die Zerstörung des Leibes, sondern dessen Heiligung.“38 Leibliches und geistliches Fasten gehören zusammen: Der Verzicht auf Speise macht frei für das Gebet, für die Umkehr und für den Nächsten.

Warum auf das Fasten ein Fest folgt

Christus selbst hat Fasten und Fest miteinander verbunden:

Heilige Schrift

Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam genommen sein; dann werden sie fasten.

Mt 9:15

Die Kirche fastet, weil sie den Bräutigam erwartet und sich für seine Wiederkunft schmückt.39 Darum endet fast jede Fastenzeit mit einem Fest. Der Sinn des Fastens ist nach dem Katechismus, „dass wir das himmlische Festmahl genießen und himmlische Freude erfahren können“.40 Finster ist das Fasten deshalb nicht. Christus sagt: „Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht“ (Mt 6:17⁠–⁠18a). In den Heiligen Fünfzig Tagen nach dem Auferstehungsfest gibt es weder Fasten noch Metanien (Niederwerfungen bis zur Erde), denn der auferstandene Bräutigam ist bei uns.41

Wie ernst die Kirche die Vorbereitung auf ein Fest nimmt, zeigt der Paramoun vor Weihnachten und vor der Theophanie. Das Synaxarium erklärt: „Das Wort Paramon ist griechischen Ursprungs und bedeutet Vorbereitung auf das Fest.“ Gemeint ist die Vorbereitung auf die Geburt des Herrn „mit einem über das Übliche hinausgehenden, strengen Fasten“.42 Weil am Samstag und Sonntag nicht streng gefastet wird, verlängert sich der Paramoun auf zwei oder drei Tage, wenn das Fest auf einen Sonntag oder Montag fällt.43

Die Fastenzeiten und ihre Feste

„Alle Fastenzeiten, auch wenn einige von ihnen die Namen von Heiligen tragen, sind wie jede Form der Anbetung auf den Herrn Christus ausgerichtet“, sagt der Katechismus.44 Jede Fastenzeit führt zu einem Fest, und jede hat ihren geistlichen Schwerpunkt:

Tabelle 20 · Die Fastenzeiten und ihre Feste
Fastenzeit führt hin zu Geistlicher Schwerpunkt Fisch erlaubt?
Mittwoch und Freitag Sonntag, Feier der Auferstehung Dank, dass Gott selbst Verrat und Kreuz zum Heil gewendet hat nein
Weihnachtsfasten mit Paramoun Geburt Christi (29. Kiyahk / 7. Jänner) dass Christus in den Herzen aller Menschen Wohnung nimmt ja, außer Mittwoch, Freitag und Paramoun
Paramoun der Theophanie Theophanie (11. Tubeh / 19. Jänner) dass wir Gottes Herrlichkeit durch unsere Werke zeigen, wie er sie am Jordan offenbart hat nein
Jona-Fasten (Montag bis Mittwoch, zwei Wochen vor der Großen Fastenzeit) Pascha des Jona (am Donnerstag danach) Umkehr nach dem Vorbild Ninives (Jona 3:10) nein
Große Fastenzeit mit der Karwoche Auferstehungsfest Teilnahme am Fasten Christi (Mt 4:2), Weg zum Pascha nein
Apostelfasten Apostelfest (5. Abib / 12. Juli) Verkündigung des Evangeliums mit den Aposteln (Apg 13:2⁠–⁠3) ja, außer Mittwoch und Freitag
Marienfasten Aufnahme ihres Leibes in den Himmel (16. Misra / 22. August) dass Christus in unseren Herzen wohne, wie das Wort in ihrem Schoß Mensch wurde ja, außer Mittwoch und Freitag

Die Apostel fasteten, bevor sie Barnabas und Saulus aussandten (Apg 13:2⁠–⁠3); darum bereitet das Apostelfasten auf den Dienst vor.45 Auch du fastest als Diener nicht nur für dich selbst.

Der Katameros: die Lesungsordnung des Kirchenjahres

Begriff
Katameros

Das Buch der Schriftlesungen für die Emporhebung des Abend- und Morgenweihrauchs und für die Göttliche Liturgie, geordnet nach dem Kirchenjahr.

Aus Buch 1 kennst du die Lesungen der Göttlichen Liturgie: Paulus, Katholikon, Praxis, Synaxarium, Psalm und Evangelium. Das Synaxarium wird fast immer gelesen. In der Karwoche entfällt es, weil die Kirche in dieser Woche allein das Leiden des Herrn betrachtet; auch in der Liturgie des Gründonnerstags werden das Synaxarium und das Gedenken der Heiligen nicht gelesen. Vom Auferstehungsfest bis zur Himmelfahrt tritt an seine Stelle die Auferstehungsprozession.46 Welche Abschnitte an einem bestimmten Tag gelesen werden, bestimmt der Katameros. Er liegt in der Kirche auf den Lesepulten bereit, in vielen Gemeinden in mehreren Sprachen.47 So hört die ganze Kirche am selben Tag dasselbe Wort Gottes.

Der Katameros folgt den Zyklen des Kirchenjahres. Er hat einen Teil für die Sonntage und Feste, Teile für die Wochentage des Jahres, einen eigenen Teil für die Große Fastenzeit, der auch Lesungen aus dem Alten Testament enthält, und einen für die Heiligen Fünfzig Tage; für die Karwoche gibt es den Katameros der Pascha.48 Hat ein Tag mehrere Anlässe, regelt die Ordnung, welche Lesungen gelten: Die Lesungen des Nayrouz und des Kreuzfestes werden auch an einem Sonntag gelesen.

Alle Lesungen eines Tages, vom Abendweihrauch an, folgen einem gemeinsamen Gedanken.49 Wie sich ein solcher Gedankengang durch eine ganze Zeit zieht, siehst du an den Sonntagsevangelien der Großen Fastenzeit, die der Katechismus als „Gedankengang der Kirche“ erklärt: Vorbereitungssonntag (Almosen, Gebet und Fasten im Verborgenen, Mt 6:1⁠–⁠18), Sonntag der Schätze (Mt 6:19⁠–⁠33), der Versuchung (Mt 4), des verlorenen Sohnes (Lk 15), der Samariterin (Joh 4), des Gelähmten (Joh 5), des Blindgeborenen (Joh 9) und schließlich der Palmsonntag mit dem Einzug in Jerusalem.50 Vom verborgenen Gebet zum Vater führt der Weg über Versuchung, Umkehr und Heilung bis dahin, dass Christus in unser Herz einzieht wie in sein Jerusalem.

Beispiel

Wie die Kirche ihre Lesungen ordnete. Das Synaxarium erzählt: Früher lasen die Gläubigen in der Karwoche die ganze Heilige Schrift in der Kirche. Papst Gabriel II. (1131⁠–⁠1145) wusste, dass viele Menschen in dieser Woche arbeiten mussten. Mit Mönchen aus dem Kloster des heiligen Makarius ordnete er die Pascha-Lesungen in Stunden, damit die Gläubigen ihnen folgen konnten. Später stimmte Anba Petrus, Bischof von El-Bahnasa, die Lesungen der einzelnen Stunden aufeinander ab und legte sie „im Buch des Katameros der Pascha nieder, das die Kirche bis heute verwendet“.51

Für den Dienst

Ein Sonntagsschuljahr nach dem Kirchenjahr planen

Wenn deine Sonntagsschule im Herbst beginnt, fällt ihr Anfang fast mit dem Nayrouz zusammen. So kannst du vorgehen:

  1. Kalender des Jahres besorgen. Trage die Feste mit festem Datum nach der Tabelle in Buch 1 ein. Die beweglichen Feste und Fastenzeiten hängen vom Auferstehungsfest ab; ihre Daten erfährst du in deiner Gemeinde.
  2. Fixpunkte setzen. Nayrouz und Kreuzfest am Anfang, Weihnachtsfasten und Kiyahk, Weihnachten und Theophanie, Jona-Fasten, die Sonntage der Großen Fastenzeit, Karwoche und Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten, das Apostelfasten zum Ende des Jahres.
  3. Lektionen zuordnen. Nimm das Evangelium des Sonntags aus dem Katameros oder das Fest der Woche als Ausgangspunkt; eine Heiligengeschichte aus dem Synaxarium kann sie ergänzen.
  4. Absprechen. Stimme den Plan mit dem Dienstleiter und dem Priester deiner Gemeinde ab.

Für die Planung findest du im Arbeitsheft das Arbeitsblatt „Jahresplan der Sonntagsschule“.

Fasten mit Kindern

Kinder sollen das Fasten als Weg zu Christus erleben, nicht als Last. Papst Schenouda III. erinnert daran, dass sich die Fastenden im Alter unterscheiden: Die Fähigkeit eines Kindes zu fasten ist eine andere als die eines Erwachsenen; das Fasten „erfordert einen schrittweisen Aufbau“, und die Zeit der Enthaltsamkeit „sollte unter der Leitung deines Beichtvaters stehen“.52 Wie lange und wie streng ein Kind fastet, entscheiden deshalb die Eltern mit dem Beichtvater, nicht der Diener. Du drängst kein Kind zum Fasten, kontrollierst nicht, was es isst, und stellst niemanden bloß.

Deine Aufgabe ist es, den Sinn zu erschließen. Zeige den Kindern das „Fasten“ von Zunge, Augen und Händen, von dem Chrysostomus spricht: kein böses Wort, kein Streit, eine Versöhnung. Lade sie ein, Ersparnisse mit Bedürftigen zu teilen: „Faste nicht, um Essen für dich selbst zu sparen, sondern eher, dass du fastest und das gesparte Essen den Bedürftigen gibst.“53 Und feiere mit ihnen das Fest, auf das das Fasten hinführt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kirche zählt ihre Jahre nach den Märtyrern, ab dem Jahr 284 n. Chr.; das Jahr beginnt mit dem Nayrouz am 1. Tut (11. oder 12. September).
  • Tag, Woche, Monat und Jahr sind Zyklen, in denen die Kirche das Heilswerk Christi vergegenwärtigt: Wir treten betend in das ein, was Christus für uns getan hat.
  • Die Agpeya heiligt den Tag, der Sonntag die Woche; Mittwoch und Freitag bereiten auf den Sonntag vor. Am 12. und 21. jedes koptischen Monats gedenkt die Kirche des Erzengels Michael und der Gottesgebärerin; am 29. feiert sie das Gedächtnis von Verkündigung, Geburt und Auferstehung, außer in Tubeh und Amschir.
  • „Das wahre Fasten besteht in der Entfernung der Fehler“ (Basilius); Fasten ohne Umkehr und Liebe ist kein Fasten.
  • Jede Fastenzeit führt zu einem Fest; der Paramoun ist die Vorbereitung auf Weihnachten und Theophanie.
  • Der Katameros ordnet die Lesungen für Weihrauch und Liturgie nach dem Kirchenjahr; die Kirche hat ihn mit Sorgfalt geordnet.
  • Der Diener plant sein Sonntagsschuljahr nach dem Kirchenjahr und begleitet Kinder behutsam ins Fasten, in Absprache mit Eltern und Beichtvater.

Zum Weiterlesen

  • Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 2, Kap. 10 „Das heilige Fasten“ (Fr. 1015⁠–⁠1032) und Kap. 15 „Der koptische Kirchenkalender“ (Fr. 1073⁠–⁠1112).
  • Papst Schenouda III., Die Spiritualität des Fastens, Kap. 1⁠–⁠4.
  • Papst Schenouda III., Das Fest des Kreuzes, Abschnitt „Das christliche Leben ist ein Kreuz“, S. 11.
  • Basilius der Große, Ausgewählte Predigten, Predigt I (Über das Fasten) (BKV).
  • Synaxarium, 1. Tut (Nayrouz) und 5. Babeh (Anba Petrus von El-Bahnasa).

Anmerkungen

  1. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1088.↑

  2. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1092.↑

  3. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1091.↑

  4. Vgl. Die sieben Sakramente, S. 70.↑

  5. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1092.↑

  6. Synaxarium, 26. Tubeh, Das Martyrium der neunundvierzig Märtyrer, der Altväter der Wüste von Schihit, S. 262.↑

  7. Synaxarium, 1. Tut, Das Nayrouz-Fest – Beginn des neuen koptischen Jahres, S. 3. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1091.↑

  8. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1096.↑

  9. Vgl. Synaxarium, 1. Tut, S. 3. Bibelwortlaut nach der Einheitsübersetzung.↑

  10. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1096; Synaxarium, 17.–19. Tut, S. 35⁠–⁠39; Papst Schenouda III., Das Fest des Kreuzes, S. 6.↑

  11. Papst Schenouda III., Das Fest des Kreuzes, Abschnitt „Das christliche Leben ist ein Kreuz“, S. 11.↑

  12. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1076.↑

  13. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1073.↑

  14. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1112.↑

  15. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1077; die Übersicht steht im Anhang „Gebetszeiten“ von Buch 1.↑

  16. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1077.↑

  17. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1078; Fr. 1031.↑

  18. Didache, Kap. 8,1.↑

  19. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1078.↑

  20. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1079; Euchologion, S. 1224.↑

  21. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1079.↑

  22. Vgl. Synaxarium, 21. Tut, Das Gedächtnis der Gottesgebärerin, der heiligen Jungfrau Maria, S. 42.↑

  23. Synaxarium, 29. Tut, Das Gedächtnis der drei großen Herrenfeste, S. 54.↑

  24. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1062.↑

  25. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1080.↑

  26. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1081; Euchologion, S. 1224.↑

  27. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1081 c.↑

  28. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1082 a.↑

  29. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1099.↑

  30. Vgl. Die sieben Sakramente, S. 71.↑

  31. Vgl. Papst Schenouda III., Die Spiritualität des Fastens, Kap. 2.↑

  32. Vgl. Die sieben Sakramente, S. 97.↑

  33. Vgl. Papst Schenouda III., Die Spiritualität des Fastens, Kap. 2.↑

  34. Basilius, Ausgewählte Predigten, Predigt I (Über das Fasten), Kap. 10. Die Schriftworte: Jes 58:6 und 58:4.↑

  35. Johannes Chrysostomus, Homilien über die Bildsäulen, Homilie 3,4.↑

  36. Hieronymus, Briefe, Brief 130,11 (an Demetrias).↑

  37. Papst Schenouda III., Die Spiritualität des Fastens, Kap. 3.↑

  38. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1022.↑

  39. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1019.↑

  40. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1030.↑

  41. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1087; Papst Schenouda III., Die Spiritualität des Fastens, Kap. 4.↑

  42. Synaxarium, 28. Kiyahk, Paramon des Festes der heiligen Geburt, S. 211.↑

  43. Vgl. Synaxarium, 28. Kiyahk, S. 211; 10. Tubeh, Paramun des glorreichen Festes der Theophanie, S. 236.↑

  44. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1087.↑

  45. Vgl. Papst Schenouda III., Die Spiritualität des Fastens, Kap. 1 und Kap. 4; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1031.↑

  46. Vgl. Die göttlichen Liturgien, S. VI.↑

  47. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 653.↑

  48. Vgl. Euchologion, S. XIV und 1219; Papst Schenouda III., Die Spiritualität des Fastens, Kap. 3; Synaxarium, 5. Babeh, S. 65.↑

  49. Vgl. Euchologion, S. 1219.↑

  50. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1032.↑

  51. Synaxarium, 5. Babeh, Der Heimgang des Anba Petrus, des Bischofs von al-Bahnasa, S. 64⁠–⁠65.↑

  52. Papst Schenouda III., Die Spiritualität des Fastens, Kap. 2.↑

  53. Papst Schenouda III., Die Spiritualität des Fastens, Kap. 4.↑

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