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Thema 16 · Vortrag 1

Ein Gott in drei Hypostasen

Ein Wesen und drei Hypostasen, die Monarchie des Vaters, das eine Wirken, die Zeugnisse der Schrift und die Grenzen der Bilder

16 Min. LesezeitDie Heilige Dreifaltigkeit

Lernziele

  1. Die Dreifaltigkeitslehre der Kirche (ein Wesen, drei Hypostasen) korrekt wiedergeben.
  2. Wesen (ousia) und Hypostase unterscheiden und die hypostatischen Eigenschaften nennen.
  3. Die Dreifaltigkeit mit Mt 28:19, 2. Kor 13:13, Joh 1 und Joh 14⁠–⁠16 begründen.
  4. Drei Trinitätsbilder (Sonne, Baum, Wasser) nach Papst Tawadros II. beurteilen.

Schlüsselbegriffe

Monotheismus · Polytheismus · Heilige Dreifaltigkeit (Trinität) · Wesen (ousia) · Hypostase (Person) · hypostatische Eigenschaften · ungezeugt, gezeugt, hervorgehend · Monarchie des Vaters · Hervorgehen und Sendung · Analogie · Beigesellung

Bibelstellen

Dtn 6:4; Mk 12:29; Joh 10:30; 1. Kor 8:6; 1. Joh 4:8; Joh 16:28; Joh 15:26; Eph 4:6; Gen 1:1; Joh 1:3; Ps 104:30; 2. Kor 13:13; Joh 1:14; Joh 3:16; Gen 1:2⁠–⁠3; Gen 1:26; Jes 6:3; Mt 3:16⁠–⁠17; Mt 28:19; Joh 1:1; Joh 1:18; Joh 1:32⁠–⁠34; Joh 14:16⁠–⁠17; Joh 14:26; Joh 16:15; Joh 15:1; Joh 14:23; 1. Petr 3:15

Inhalt

„Glaubt ihr an drei Götter?“ Kinder brauchen darauf eine klare Antwort: Wir glauben an den einen Gott, der Vater, Sohn und Heiliger Geist ist. Wer sie geben will, braucht die genauen Worte der Kirche und die Zeugnisse der Schrift; die Grundbegriffe kennst du aus Thema 6 („Glaube, Dogma und Heilige Überlieferung“).

Ein Gott – der Glaube an die Einheit Gottes

Das Glaubensbekenntnis beginnt: „In Wahrheit glauben wir an den einen Gott“.1 Das Christentum ist eine Religion des Monotheismus (griechisch monos, „allein“, und theos, „Gott“): Es gibt nur einen Gott. Das Gegenteil ist der Polytheismus, der Glaube an viele Götter.2

Das Alte Testament bekennt: „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig“ (Dtn 6:4).3 Der Herr Jesus selbst nimmt dieses Bekenntnis auf: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr“ (Mk 12:29b). Wenn derselbe, der sagt: „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10:30), den einen Gott bekennt, dann ist der Glaube an ihn kein Glaube an zwei oder drei Götter. Paulus verbindet beides: „so haben doch wir nur einen Gott, den Vater. Von ihm stammt alles und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn“ (1. Kor 8:6).

Begriff
Heilige Dreifaltigkeit (Trinität)

Die Heilige Dreifaltigkeit ist der eine Gott, der in drei Hypostasen (Personen) existiert: Vater, Sohn und Heiliger Geist. Das Fachwort Trinität (lateinisch trinitas, „Dreiheit“) meint dasselbe. Die Dreifaltigkeit ist keine Dreizahl von Göttern, sondern das Geheimnis des einen Gottes.

Der Glaube an die Dreifaltigkeit zeigt Gott nicht als einsames, unnahbares Wesen; er vermittelt, so der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty, „die Vorstellung von Gott als einer ‚liebenden Einheit‘“.4 „Gott ist die Liebe“ (1. Joh 4:8b) – und er war es schon vor der Schöpfung, weil der Vater den Sohn von Ewigkeit her liebt.5

Ein Wesen in drei Hypostasen

Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty fasst diesen Glauben so zusammen:

„Gott ist einer: Er ist ein einziges, ungeteiltes und untrennbares Wesen und zugleich eine Dreifaltigkeit von Hypostasen, die voneinander unterschieden werden können. Die Hypostasen sind ewig und ohne Anfang; sie gehören einem einzigen Wesen an und haben einen einzigen Willen.“6

Begriff
Wesen und Hypostase
  • „ein einziges … Wesen“: Das Wesen (griechisch ousia) ist das eine göttliche Sein. Vater, Sohn und Heiliger Geist haben nicht drei Wesen, sondern ein und dasselbe. Darum gibt es nur einen Gott.
  • „ungeteilt und untrennbar“: Das Wesen wird nicht aufgeteilt, als hätte jeder ein Drittel. Jede Hypostase ist ganz Gott.
  • „eine Dreifaltigkeit von Hypostasen, die voneinander unterschieden werden können“: Hypostase (Person) bezeichnet jede der drei Personen in ihrer eigenen, unverwechselbaren Weise, im einen göttlichen Wesen zu sein. Der Vater ist nicht der Sohn, der Sohn nicht der Heilige Geist, der Heilige Geist nicht der Vater.
  • „ewig … einen einzigen Willen“: Keiner der drei ist später entstanden, und sie wollen und wirken nicht gegeneinander.

Warum sagt die Kirche lieber „Hypostase“ als „Person“? Menschliche Personen sind voneinander getrennt und haben jeweils einen eigenen Willen; die drei Hypostasen dagegen „sind ungetrennt ineinander, besitzen nur einen Willen und ein Wirken“.7

Ebenso wichtig ist, was eine Hypostase nicht ist. Sie ist kein Teil Gottes: Die Hypostasen „sind nicht drei Teile, die zusammengefügt das eine Wesen bilden“.8 Und sie ist keine bloße Eigenschaft oder Rolle, die der eine Gott einmal so und einmal anders zeigt. Jede Hypostase ist „in sich vollständig“, kein Teil eines Wesens, und mit den beiden anderen untrennbar verbunden.9 Der heilige Kyrill von Alexandrien beschreibt den ganzen Glauben so:

Aus den Vätern

… dass unser ganzer Glaube hierin auf eine Natur der Gottheit hinblickt, die in drei besonderen Hypostasen existiert, welche, einander gleichförmig und gleichgestaltig, in eine höchste Schönheit zusammenlaufen, nach welcher auch wir gestaltet sind, den Schriften gemäß …10

– Hl. Kyrill von Alexandrien, Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit, Gespräch 3, Kap. 16

Die hypostatischen Eigenschaften und die Monarchie des Vaters

Wodurch unterscheiden sich die drei, wenn sie doch ein Wesen sind? Durch ihre hypostatischen Eigenschaften, das heißt durch die Art, wie jeder von ihnen ist und sich zu den anderen verhält:

„Der Vater ist die ungezeugte Quelle; der Sohn ist von Ewigkeit her aus dem Vater gezeugt, und der Heilige Geist geht von Ewigkeit her aus dem Vater hervor.“11

Tabelle 53 · Die hypostatischen Eigenschaften
Hypostase hypostatische Eigenschaft Schriftwort
Vater ungezeugt; die Quelle „ein Gott und Vater aller“ (Eph 4:6a)
Sohn von Ewigkeit aus dem Vater gezeugt „Vom Vater bin ich ausgegangen“ (Joh 16:28a)
Heiliger Geist geht von Ewigkeit aus dem Vater hervor „der vom Vater ausgeht“ (vgl. Joh 15:26b)

Alles andere haben die drei gemeinsam: Sie sind ohne Anfang und Ende, heilig, allmächtig, allgegenwärtig und allwissend.12 Die Eigenschaft der einen Hypostase wird aber nie auf eine andere übertragen. Der heilige Gregor von Nyssa sagt, die Natur der Heiligen Dreifaltigkeit sei „nur eine, ohne dass sich aber die einzelnen Personen, weil an jeder eine besondere Eigentümlichkeit wahrzunehmen ist, miteinander vermengen ließen, und ohne dass sie diese besonderen Merkmale gegenseitig vertauschen könnten“.13

Die Monarchie des Vaters

Weil der Vater die Quelle ist, aus der der Sohn gezeugt wird und der Geist hervorgeht, spricht die Kirche von der Monarchie des Vaters. Das griechische Wort bedeutet „Alleinherrschaft“. Der heilige Athanasius führt einen Brief des Bischofs Dionysius von Rom an, der sich gegen die Teilung Gottes in drei Götter und gegen Sabellius wendet und mit dem Satz schließt: „… so wird sowohl die göttliche Dreieinigkeit als auch die heilige Verkündigung der Alleinherrschaft unversehrt erhalten.“14 Beides gehört zusammen: die drei Hypostasen und der eine Ursprung. Der heilige Gregor von Nazianz erklärt:

Aus den Vätern

Es ist notwendig, die Einheit Gottes festzuhalten und die Dreiheit in den Hypostasen, bzw. Personen zu bekennen, deren jede ihre Proprietät besitzt. Nach meiner Ansicht dürfte die Lehre von dem einen Gott dadurch festgehalten werden, dass der Sohn und der Geist auf eine einzige Ursache zurückgeführt, nicht aber vermengt und verwischt werden.15

– Hl. Gregor von Nazianz, Reden, Rede 20,6⁠–⁠7

Der Vater ist „Ursache“ und „Quelle“ – aber nicht so, als wäre er früher gewesen oder größer. Gregor warnt: „Wenn ich hier von Anfang rede, darfst du aber nicht an eine Zeit denken“.16 Und der Katechismus sagt: „Der Vater ist von Ewigkeit her Vater und war niemals ohne den Sohn. Der Sohn ist nicht geringer als der Vater, weil er aus ihm gezeugt ist; er ist Licht vom Licht.“17 Die Monarchie bedeutet also keine Rangordnung, sondern den einen Ursprung in Gott: Weil Sohn und Geist aus dem einen Vater sind, gibt es nicht drei Götter, sondern einen.

Zeugen ist dabei etwas anderes als Erschaffen: Der Sohn ist „gezeugt, nicht geschaffen“, Gott aus Gott und kein Geschöpf – das wird im nächsten Vortrag gegen Arius wichtig.

Hervorgehen und Sendung

Vom Heiligen Geist sagt der Herr:

Heilige Schrift

Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.

Joh 15:26

Hier stehen zwei verschiedene Dinge: Der Geist „geht vom Vater aus“ – das ist sein ewiges Hervorgehen; und der Sohn „sendet“ ihn – das ist seine Sendung zu uns. Wenn manche Väter sagen, der Geist gehe „vom Vater durch den Sohn“ aus, meinen sie, „dass der Geist als göttliche Hypostase aus dem Vater hervorgeht und vom Sohn gesandt wird“.18 Darum bekennt unsere Kirche den Heiligen Geist, „der aus dem Vater hervorgeht“, ohne den Zusatz „und aus dem Sohn“, den westliche Kirchen eingefügt haben;19 mehr dazu in Thema 24 („Der Heilige Geist“).

Ein einziges Wirken

Der Sohn heißt Logos (Wort Gottes). Der heilige Athanasius schreibt gegen die Lehre vom Geist als Geschöpf:

Aus den Vätern

Sie ist sich selbst gleich und ihrer Natur nach unteilbar, und ihre Wirksamkeit ist nur eine. Denn der Vater tut alles durch den Logos im Heiligen Geist.20

– Hl. Athanasius der Apostolische, Vier Briefe an Serapion, Brief 1, Kap. 28

Athanasius legt dazu ein Pauluswort aus: „ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist“ (Eph 4:6) – „über allem“ als Vater, „als Anfang und Quelle, ‚durch alles‘ aber durch den Logos und ‚in allem‘ im Heiligen Geist“.21 Jedes Werk Gottes ist ein Werk der ganzen Dreifaltigkeit:

  • Die Schöpfung: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (Gen 1:1); „Alles ist durch das Wort geworden“ (Joh 1:3a); „Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen“ (Ps 104:30a; LXX 103).22
  • Die Gnade: „Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2. Kor 13:13). Athanasius: „… die Gnade und Gabe, die in der Trinität verliehen wird, wird vom Vater durch den Sohn im Heiligen Geist verliehen.“23

Das eine Wirken hebt die Unterscheidung nicht auf: Mensch geworden ist allein der Sohn (Joh 1:14). Und weil der Wille Gottes einer ist, gibt es keinen „strengen Vater“, den ein „gütiger Sohn“ erst umstimmen müsste: „… Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab“ (Joh 3:16a).

Die Dreifaltigkeit in der Heiligen Schrift

Das Wort „Dreifaltigkeit“ steht nicht in der Bibel, wohl aber die Wirklichkeit, die es bezeichnet. Christus „gebrauchte in seiner Unterweisung keine theologischen Fachbegriffe“; er offenbarte die Dreifaltigkeit „durch seine Heilswerke“.24

Andeutungen im Alten Testament

Das Alte Testament bereitete den Glauben an die Dreifaltigkeit vor, offenbarte sie aber nicht ausdrücklich, weil die Völker ringsum „tief im Polytheismus … verstrickt“ waren.25 Gott schützte zuerst den Glauben an seine Einheit. Doch es gibt Andeutungen:

  • Die ersten Verse der Bibel nennen Gott, seinen Geist und sein Wort: „Gottes Geist schwebte über dem Wasser. Gott sprach: Es werde Licht“ (Gen 1:2b–3a). Die Kirche sieht im Geist über dem Wasser den Heiligen Geist26 und im schaffenden Wort den Sohn (Joh 1:3).
  • Der Gottesname Elohim hat Mehrzahlform; Abuna Tadros Y. Malaty verbindet sie mit dem Verb im Singular in Gen 1:1. Gott spricht auch in der Mehrzahl: „Lasst uns Menschen machen als unser Abbild“ (Gen 1:26a).27
  • In der Vision des Jesaja heißt es von den Serafim: „Sie riefen einander zu: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere“ (Jes 6:3a). Der heilige Athanasius sagt, dass sie mit dem dreimaligen „Heilig“ „die drei vollkommenen Hypostasen“ bezeichnen, mit dem einmaligen „Herr“ aber „die Einheit der Wesenheit“.28

Diese Stellen sind Hinweise, keine Beweise; erst im Licht des Neuen Testaments erkennen wir in ihnen das Geheimnis.

Die Offenbarung im Neuen Testament

Deutlich wird die Dreifaltigkeit bei der Taufe Jesu: „Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“ (Mt 3:16⁠–⁠17).

Beispiel

Am 11. Tubeh feiert die Kirche die Theophanie, die Taufe des Herrn; der Name bedeutet „göttliche Erscheinung“. Das Synaxarium sagt: An diesem Tag „erschien die Heilige Dreifaltigkeit klar für alle: der Vater im Himmel, der sprach: ‚Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe‘; der Sohn, der im Jordan getauft wurde; und der Heilige Geist, der wie eine Taube auf Ihn herabkam“.29

Die Taufe des Herrn (Mt 3:16⁠–⁠17)

Vier Stellen des Neuen Testaments bezeugen die Dreifaltigkeit besonders deutlich:

  1. Der Taufbefehl. Vor seiner Himmelfahrt sagte der Herr:
Heilige Schrift

Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes …

Mt 28:19

Er sagt „auf den Namen“, nicht „auf die Namen“: Er nennt drei Hypostasen und spricht doch von dem einen Gott.30

  1. Der Segen des Apostels (2. Kor 13:13): Gnade, Liebe und Gemeinschaft kommen vom Herrn Jesus Christus, von Gott dem Vater und vom Heiligen Geist. Der Katechismus sagt: „Eine der wichtigsten Aussagen zur Lehre von der Heiligen Dreifaltigkeit im apostolischen Zeitalter stammt vom heiligen Paulus“.31

  2. Der Prolog des Johannesevangeliums (Joh 1). „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“ (Joh 1:1). Das Wort ist „bei Gott“ – also vom Vater unterschieden – und ist zugleich „Gott“. „Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht“ (Joh 1:18b). Im selben Kapitel sieht Johannes der Täufer den Geist auf Jesus herabkommen (Joh 1:32⁠–⁠33) und bezeugt: „Er ist der Sohn Gottes“ (Joh 1:34b).

  3. Die Abschiedsreden (Joh 14⁠–⁠16). Der Sohn bittet, der Vater gibt den Geist: „Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. Es ist der Geist der Wahrheit“ (Joh 14:16⁠–⁠17a). „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren“ (Joh 14:26a). Der Geist verherrlicht den Sohn, und der Sohn sagt: „Alles, was der Vater hat, ist mein“ (Joh 16:15a). Drei sind hier unterschieden – und doch gehört alles, was der Vater hat, auch dem Sohn.

Bilder und ihre Grenzen

Weil die Dreifaltigkeit ein Geheimnis ist, suchen wir Vergleiche. Der Katechismus erinnert aber: „In der Natur gibt es kein Wesen, das in drei voneinander verschiedenen Hypostasen ein und dasselbe Wesen wäre.“ Darum ist jede Analogie, also jeder solche Vergleich, unvollkommen. Selbst zum Bild der Väter vom Feuer mit Flamme, Licht und Wärme fügt der Katechismus die Grenze hinzu: Sie „sind keine Hypostasen, weil keine von ihnen die anderen in sich enthält“.32 Papst Tawadros II. nennt Bilder aus dem Alltag, die die Lehre „für unseren Verstand annähern, aber nicht so tiefgründig sind“, und prüft sie. Drei davon gebrauchen Diener oft:33

Die Sonne – geeignet, mit ihrer Grenze. „Die Sonne ist eine Scheibe, von der Licht ausgeht und Wärme ausgeht. Die Scheibe ist nicht das Licht, das nicht die Wärme ist. Die drei sind jedoch untrennbar miteinander verbunden“. Das Bild zeigt Unterscheidung in Einheit: Es gibt nur eine Sonne, und nie war die Scheibe ohne ihr Licht. Doch Licht und Wärme sind keine Personen, und die Sonne ist ein Geschöpf; das ist die Grenze des Bildes. Falsch wäre es, die drei als drei „Erfahrungen“ derselben Sonne zu erklären.

Der Baum – abgelehnt. „Der Baum: Besteht aus Wurzeln, einem Stamm und Ästen. Der Fehler ist, dass jeder seiner Bestandteile unabhängig von den anderen ist.“ Das Bild macht aus den Hypostasen Teile; kein Ast ist der ganze Baum, Vater, Sohn und Geist aber sind jeder ganz Gott. Wenn der Herr sagt: „Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer“ (Joh 15:1), spricht er nicht von der Dreifaltigkeit, sondern von seiner Verbindung mit uns.

Das Wasser (Eis, Wasser, Dampf) – abgelehnt. „Die Materie: Existiert in drei Phasen: fest-flüssig-gasförmig. Der Fehler ist, dass dies unter bestimmten Bedingungen geschieht.“ Je nach Bedingungen nimmt dasselbe Wasser einen anderen Zustand an; so erschiene Gott einmal als Vater, dann als Sohn, dann als Geist – der Modalismus, den du im nächsten Vortrag kennenlernst. Ebenso lehnt Papst Tawadros II. den Finger mit seinen Gliedern und das Dreieck aus drei Seiten ab.

Nach jedem Vergleich sagst du darum, was er nicht kann: Vater, Sohn und Heiliger Geist sind weder Teile noch Erscheinungsweisen; jeder ist ganz Gott, und doch ist Gott einer.

Kreuzzeichen, Taufe und die Frage nach der „Beigesellung“

Wenn wir uns bekreuzigen, sprechen wir: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, ein Gott. Amen.“34 Papst Tawadros II. erklärt das Kreuzzeichen: „Das Auflegen der Finger auf die Stirn ist ein Hinweis auf Gott den Vater, der im Himmel und über allem ist.“ Die Bewegung hinab zur Brust weist auf die Menschwerdung des Sohnes, die Bewegung von der linken zur rechten Schulter auf das Wirken des Heiligen Geistes; dann sagen wir „Ein Gott. Amen“, „um die Einheit des göttlichen Wesens zu bekräftigen“.35

Auch die Taufe bekennt die Dreifaltigkeit. Der Priester taucht das Kind dreimal ins Wasser; beim ersten Mal spricht er „Ich taufe dich … im Namen des Vaters“, beim zweiten Mal „und des Sohnes“, beim dritten Mal „und des Heiligen Geistes“.36 Der heilige Kyrill gibt von hier aus die Antwort auf die Frage, mit der dieser Vortrag begann:

Aus den Vätern

… wir sind getauft worden auf Vater, Sohn und heiligen Geist und sagen keineswegs, dass der Glaube an drei Götter sei, sondern an eine Gottheit, die in einer Dreiheit angebetet wird.37

– Hl. Kyrill von Alexandrien, Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit, Gespräch 3, Kap. 3

Muslimische Mitschüler fragen manchmal, ob Christen dem einen Gott Partner beigesellen. Papst Tawadros II. antwortet: „Gewiss nicht. Mein Glaube an die Allerheiligste Dreifaltigkeit ist mein Glaube an den einen Gott.“38 Der Sohn und der Geist sind keine Partner oder Geschöpfe neben dem Vater, sondern mit ihm der eine Gott; die Gottesgebärerin und die Heiligen sind Menschen, keine Götter. Wie man solche Gespräche respektvoll führt, vertieft Thema 44 („Christentum und Islam; Sondergemeinschaften“).

Für den Dienst

  • „Sind das drei Götter?“ Antworte einfach und genau: „Nein. Es gibt nur einen Gott: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist. Darum sagen wir beim Kreuzzeichen am Ende: ‚ein Gott‘.“ Mit älteren Kindern liest du Mt 28:19 und achtest auf „Namen“ in der Einzahl.
  • Das Kreuzzeichen erklären: Übe es langsam mit den Kindern, in der Klasse wie in der Familie, und sage bei jeder Bewegung, wen wir bekennen. So wird aus einer Gewohnheit ein Gebet.
  • Bilder mit Grenze: Wenn du die Sonne gebrauchst, sag auch, was das Bild nicht kann. Baum und Eis–Wasser–Dampf gebrauchst du nicht, auch wenn sie in manchen Heften stehen.
  • Genau sprechen: Sag nicht „Gott hat sich selbst geopfert“ oder „der Vater ist Mensch geworden“, sondern: „Der Sohn Gottes ist Mensch geworden und hat für uns gelitten.“ Stelle den Vater nicht als streng und den Sohn als gütig dar – ihr Wille ist einer.
  • „Was hat die Dreifaltigkeit mit mir zu tun?“ Lies mit Jugendlichen das Versprechen des Herrn: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen“ (Joh 14:23b). Athanasius sagt dazu: „Und wenn der Geist in uns ist, so ist auch der Logos, der ihn gibt, in uns, und im Logos ist der Vater.“39 Die Liebe zwischen Vater, Sohn und Geist ist auch das Vorbild unserer Liebe zueinander, in der Klasse wie unter den Dienern.40
  • Nicht grübeln, sondern anbeten: Fragt ein Jugendlicher, wie der Sohn gezeugt ist, antworte mit Gregor von Nazianz: „Hörst du von Erzeugung, dann grüble nicht! Hörst du vom Ausgang des Geistes aus dem Vater, dann forsche nicht nach dem Wie!“41 Du sollst „stets bereit“ sein, „jedem Rede und Antwort zu stehen“ (1. Petr 3:15b), musst aber nicht mehr erklären, als die Kirche weiß.

Das Wichtigste in Kürze

  • Christen glauben an den einen Gott (Monotheismus); dieser eine Gott ist Vater, Sohn und Heiliger Geist.
  • Gott ist ein einziges, ungeteiltes und untrennbares Wesen und zugleich eine Dreifaltigkeit von Hypostasen; die Hypostasen sind ewig, gehören einem Wesen an und haben einen Willen (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 176).
  • Das Wesen (ousia) haben die drei gemeinsam; sie unterscheiden sich durch die hypostatischen Eigenschaften: Der Vater ist die ungezeugte Quelle, der Sohn ist von Ewigkeit aus dem Vater gezeugt, der Heilige Geist geht von Ewigkeit aus dem Vater hervor (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 191).
  • Monarchie des Vaters: Der Vater ist der eine Ursprung von Sohn und Geist – ohne Zeit und ohne Rangordnung. Der Geist geht ewig aus dem Vater hervor und wird vom Sohn gesandt (Joh 15:26).
  • Die drei haben ein Wirken: „… der Vater tut alles durch den Logos im Heiligen Geist“ (Athanasius).
  • Die Schrift bezeugt die Dreifaltigkeit in Mt 28:19, 2. Kor 13:13, Joh 1 und Joh 14⁠–⁠16; das Alte Testament enthält Andeutungen.
  • Jedes Bild ist unvollkommen: Die Sonne ist nur mit ihrer Grenze geeignet; Baum und Eis–Wasser–Dampf sind abgelehnt.

Zum Weiterlesen

  • Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Fr. 176⁠–⁠193 und Fr. 201⁠–⁠206.
  • Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 23⁠–⁠27 und Fr. 30.
  • Koptisch-Orthodoxe Diözese Österreichs und der Deutschschweiz (Hg.), Damals wie Heute, Kapitel „Die Heilige Dreifaltigkeit“ (S. 36⁠–⁠70).
  • Athanasius, Vier Briefe an Serapion, Brief 1, Kap. 28⁠–⁠31.
  • Gregor von Nazianz, Reden, Rede 20,5⁠–⁠11.

Anmerkungen

  1. Die göttlichen Liturgien, S. 177; vgl. Buch 1, Kapitel 4 („Das Glaubensbekenntnis“).↑

  2. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 180.↑

  3. Jahwe ist der Name, den Gott Mose am Dornbusch offenbart hat: „Das ist mein Name für immer“ (Ex 3:15). Die Einheitsübersetzung gibt ihn meist mit „der Herr“ wieder; an einigen Stellen wie hier schreibt sie „Jahwe“.↑

  4. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 189.↑

  5. Vgl. ebd., Fr. 185.↑

  6. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 176.↑

  7. Damals wie Heute, S. 36.↑

  8. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 191.↑

  9. Ebd., Fr. 192.↑

  10. Kyrill von Alexandrien, Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit, Gespräch 3, Kap. 16. „Eine Natur der Gottheit“ meint hier das eine göttliche Wesen.↑

  11. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 191.↑

  12. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 193.↑

  13. Gregor von Nyssa, Das Gebet des Herrn, Rede 3.↑

  14. Athanasius, Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa, Kap. 26, mit dem Brief des Bischofs Dionysius von Rom.↑

  15. Gregor von Nazianz, Reden, Rede 20,6⁠–⁠7. „Proprietät“ heißt „Eigentümlichkeit“, also die hypostatische Eigenschaft.↑

  16. Gregor von Nazianz, Reden, Rede 20,7.↑

  17. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 191.↑

  18. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 204.↑

  19. Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 125.↑

  20. Athanasius, Vier Briefe an Serapion, Brief 1, Kap. 28. „Sie“ ist die heilige Trinität.↑

  21. Ebd.↑

  22. Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 30.↑

  23. Athanasius, Vier Briefe an Serapion, Brief 1, Kap. 30.↑

  24. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 177.↑

  25. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 180.↑

  26. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 138.↑

  27. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Studies in the Holy Bible: Genesis, zu Gen 1:1 (S. 18); Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 180.↑

  28. Athanasius, Abhandlung über die Worte „Mir sind alle Dinge von meinem Vater übergeben worden“, Kap. 6.↑

  29. Synaxarium, 11. Tubeh, Fest der göttlichen Erscheinung (Die glorreiche Taufe), S. 238.↑

  30. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 182.↑

  31. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 178.↑

  32. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 190.↑

  33. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 27.↑

  34. Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 14. Mit denselben Worten beginnt das Vorwort von Damals wie Heute, S. 6. In der Liturgie segnet der Priester die Gaben „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, des einen Gottes“ (Die göttlichen Liturgien, S. 131).↑

  35. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 91.↑

  36. Die sieben Sakramente, S. 29; zur Zahl drei ebd., S. 16.↑

  37. Kyrill von Alexandrien, Sieben Gespräche über die heilige und wesensgleiche Dreieinigkeit, Gespräch 3, Kap. 3.↑

  38. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 26.↑

  39. Athanasius, Vier Briefe an Serapion, Brief 1, Kap. 30.↑

  40. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 189.↑

  41. Gregor von Nazianz, Reden, Rede 20,11.↑

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