Thema 16 · Vortrag 2
Irrlehren über die Dreifaltigkeit und die Antwort der Väter
Modalismus, Adoptianismus, Arianismus und Tritheismus; die Makedonianer; die Perichorese; Sondergemeinschaften heute
15 Min. LesezeitDie Heilige Dreifaltigkeit
Lernziele
- Vier trinitarische Irrlehren und die Lehre der Makedonianer beschreiben und die Antwort der Väter darlegen.
- Die Perichorese nach Joh 14:11 mit dem heiligen Athanasius erklären.
- Spuren dieser Irrlehren in heutigen Gemeinschaften und in der eigenen Sprache erkennen.
Schlüsselbegriffe
Häresie (Irrlehre) · Monarchianismus · Modalismus (Sabellianismus) · Adoptianismus · Arianismus · Tritheismus · Makedonianer (Pneumatomachen) · Perichorese · Zeugung und Schöpfung · wesensgleich (homoousios)
Bibelstellen
Joh 10:30; Mt 3:16–17; Joh 14:16; Hebr 1:2; Joh 1:1; Spr 8:22; Joh 1:3; Apg 5:3–4; 1. Kor 2:10; Joh 14:11; Joh 14:9; 1. Petr 3:15
Inhalt
Im ersten Vortrag hast du die Lehre der Kirche über die Heilige Dreifaltigkeit kennengelernt. Sie wurde in den ersten Jahrhunderten nicht in Ruhe formuliert, sondern im Kampf gegen Irrlehren: Als die Verfolgungen endeten, erlebte die Kirche „eine andere Art der Verfolgung durch Satan in Form von Häresien …, wie beispielsweise durch Arius und Sabellius“.1 Wer diese Irrlehren kennt, versteht, warum die Kirche so genau spricht – und merkt, wenn sich ihre Spuren in den eigenen Unterricht oder in das eigene Reden über den Glauben einschleichen.
Zwei Abwege und der Weg der Mitte
Alle Irrlehren über die Dreifaltigkeit verlieren eine der beiden Seiten des Glaubens: Die einen halten an der Einheit fest und verlieren die drei Hypostasen (Personen); die anderen halten an den drei fest und verlieren den einen Gott. Der heilige Gregor von Nazianz beschreibt den Weg der Kirche zwischen beiden:
Wir beten den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist an, ihre Proprietäten unterscheidend, aber ihre Einheit in der Gottheit bekennend. Um nicht in die Krankheit des Sabellius zu fallen, verwischen wir nicht die Drei zu Einem. Und um nicht an dem Wahnsinn des Arius teilzunehmen, trennen wir sie nicht in drei fremde, verschiedene Wesen.2
Ebenso sagt der heilige Johannes Chrysostomus, der Apostel wolle uns im Hebräerbrief „von den Neuerungen des Sabellius und Arius, von denen der Eine den Unterschied der Person aufhebt, der Andere die eine Natur in eine Ungleichheit zertrennt, ferne halten“.3
Eine Häresie ist eine Lehre, die vom überlieferten apostolischen Glauben abweicht und von der Kirche verurteilt wurde. Die Kirche verurteilt die Lehre; für die Menschen betet sie.
| Irrlehre | Was sie lehrt | Was sie verliert | Antwort der Kirche |
|---|---|---|---|
| Modalismus (Sabellius) | ein Gott, der nacheinander als Vater, Sohn und Geist erscheint | die drei Hypostasen | drei wirkliche Hypostasen, gleichzeitig und ewig |
| Adoptianismus (Paulus von Samosata) | Jesus ein bloßer Mensch, von Gott als Sohn angenommen | die Gottheit des Sohnes | Sohn von Natur, nicht durch Annahme |
| Arianismus (Arius) | der Sohn ein Geschöpf aus dem Nichts | die Gottheit und Ewigkeit des Sohnes | „gezeugt, nicht geschaffen“, wesensgleich |
| Tritheismus | drei getrennte Götter | den einen Gott | ein Wesen, ein Wille, ein Ursprung |
| Makedonianer | der Heilige Geist ein Geschöpf | die Gottheit des Geistes | der Geist wird mitangebetet und verherrlicht |
Monarchianismus: die Einheit ohne die Dreiheit
Im ersten Vortrag hast du gelernt, dass die Kirche die Monarchie des Vaters bekennt: Der Vater ist der eine Ursprung; aus ihm ist der Sohn ewig gezeugt, und aus ihm geht der Geist ewig hervor. Manche Lehrer der frühen Zeit wollten die Einheit Gottes so sehr schützen, dass sie die drei Hypostasen leugneten. Man nennt sie zusammenfassend Monarchianer. Es gab zwei Formen: den Modalismus und den Adoptianismus.
Modalismus (Sabellianismus)
Der bekannteste Vertreter war Sabellius, der nach Gregor von Nazianz aus Libyen stammte.4 Nach seiner Lehre sei Gott der Vater selbst in der Gestalt des Sohnes erschienen, um die Erlösung zu vollbringen. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty fasst zusammen: „Nach Sabellius sind die drei Hypostasen nichts anderes als drei Erscheinungsweisen einer einzigen Hypostase.“5 Weil die drei bei ihm nur Weisen (lateinisch modi) sind, in denen der eine Gott erscheint, heißt diese Irrlehre Modalismus. Nach dieser Vorstellung wäre Gott im Alten Testament als Vater erschienen, in den Evangelien als Sohn und seit Pfingsten als Heiliger Geist – wie ein Schauspieler, der nacheinander verschiedene Masken trägt.
Die Antwort der Kirche gibt der heilige Athanasius, wenn er das Wort des Herrn „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10:30) auslegt:
… sie sind Eins, nicht wie wenn das Eins wieder in zwei Teile geteilt wäre und diese wieder nichts weiter als Eins wären, auch nicht so, wie wenn das Eins zweimal genannt würde, so dass derselbe das eine Mal Vater, ein andermal sein eigener Sohn wäre; denn wegen dieser Ansicht wurde Sabellius als Häretiker erklärt. Vielmehr sind es zwei, weil der Vater Vater ist und nicht der nämliche [auch] Sohn ist und der Sohn Sohn, und nicht derselbe [auch] Vater ist. Aber die Natur ist nur Eine.6
Auch die Schrift widerlegt den Modalismus. Bei der Taufe Jesu sind alle drei zugleich da: Der Sohn steigt aus dem Wasser, der Geist kommt wie eine Taube herab, und die Stimme des Vaters spricht vom Himmel (Mt 3:16–17). Der Sohn betet zum Vater und sagt: „Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben“ (Joh 14:16a). Wäre der Sohn nur eine Maske des Vaters, so wäre sein Gebet ein Selbstgespräch und die ewige Liebe zwischen Vater und Sohn ein Schauspiel.
Adoptianismus
Eine andere Form des Monarchianismus lehrte Paulus von Samosata, Bischof von Antiochien. Das Synaxarium berichtet, er habe geglaubt, „dass der Herr Christus ein gewöhnlicher Mensch sei, den Gott erschaffen habe, um durch ihn die Menschen zu erlösen, und dass er mit seiner Geburt aus der Jungfrau Maria begonnen habe und dass die Gottheit sich nicht mit ihm vereinigt, sondern ihn nur dem Willen nach begleitet habe“. Eine Synode, eine Versammlung von Bischöfen, in Antiochien prüfte seine Lehre und schloss ihn aus; der Papst von Alexandrien schrieb ihr dazu einen Brief, „dass der Herr Christus das Wort Gottes und sein Sohn ist und dass er dem Vater im Wesen, in der Gottheit und in der Ewigkeit gleich ist“.7 Weil nach solchen Lehren ein Mensch von Gott nachträglich als Sohn „angenommen“ (adoptiert) worden wäre, nennt man sie Adoptianismus.
Der heilige Johannes Chrysostomus sagt dazu: „Er sagte: ‚Sohn‘, und alsbald stützte sich Paulus von Samosata darauf mit der Behauptung, er sei ein Sohn wie die vielen anderen“; doch der Apostel nennt den Sohn den „Erben“, durch den Gott die Welt erschaffen hat (Hebr 1:2).8 Wir werden Kinder Gottes durch die Gnade; Christus ist Sohn von Natur. Der Katechismus führt dazu ein Wort des heiligen Kyrill von Jerusalem an: „Und wenn ihr wieder von einem ‚Sohn‘ hört, denkt nicht an einen Adoptivsohn, sondern an einen Sohn seiner Natur nach“.9 Das Johannesevangelium beginnt nicht mit der Geburt in Betlehem, sondern mit dem ewigen Wort: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott“ (Joh 1:1).
Arianismus: der Sohn als Geschöpf
Eine der gefährlichsten Irrlehren kam aus Alexandrien selbst: Arius, ein Priester dieser Stadt, lehrte, der Sohn sei „niemals dem Vater im Wesen gleich, und es gab eine Zeit, in der der Sohn überhaupt nicht existierte“.10 Der Arianismus ist keine Form des Monarchianismus, sondern eine eigene Irrlehre: Er unterscheidet den Sohn vom Vater, macht ihn aber zu einem Wesen zweiten Ranges. Der heilige Athanasius zitiert aus einem Lied, das Arius verfasst hatte:
„Nicht immer war der Sohn; denn als alles aus dem Nichtseienden entstand, und alle geschöpflichen und gemachten Wesen wurden, da ist auch das Wort Gottes aus Nichtseiendem geworden, und es war einmal, da es nicht war, und war nicht, bevor es wurde“.11
Nach Arius gehöre das Wort „zu den gewordenen und geschaffenen Wesen“ und „sei eins von ihnen“.12 Der Kern des Arianismus ist also: Der Sohn ist ein Geschöpf aus dem Nichts, das höchste zwar, aber eben ein Geschöpf mit einem Anfang. Es genügt deshalb nicht zu sagen, Arius habe gelehrt, der Sohn sei „gezeugt“ worden – auch die Kirche bekennt den Sohn als „gezeugt, nicht geschaffen“. Arius setzte Zeugen und Erschaffen gleich; die Kirche unterscheidet beides. Bei der Zeugung geht etwas aus dem eigenen Wesen hervor: „der Gezeugte empfängt somit die gleiche Natur wie der Zeugende“; wer dagegen etwas erschafft, „bringt etwas hervor, das außerhalb seines eigenen Wesens steht“.13 Arius berief sich unter anderem auf das Wort der Weisheit: „Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege“ (Spr 8:22a); Athanasius zeigt, dass auch diese Stelle „einen richtigen Sinn“ hat und nicht gegen die ewige Gottheit des Sohnes spricht.14
Wenn der Sohn einmal nicht war, dann war auch die Dreifaltigkeit einmal nicht vollständig. Dagegen schreibt der heilige Athanasius:
Die Dreiheit ist nicht geworden, sondern eine ewige und einzige Gottheit ist in der Dreiheit, und nur Eine Herrlichkeit der hl. Dreiheit gibt es.15
Er erinnert auch daran, dass die Schrift Gott die Quelle der Weisheit nennt: „Wenn aber die Quelle ewig ist, dann muss auch die Weisheit ewig sein.“ Diese Weisheit ist der Sohn, durch den alles geworden ist (Joh 1:3).16 Für Athanasius geht es dabei um unser Heil: Nur wenn der Sohn wahrer Gott ist, kann er uns mit Gott verbinden. „Doch in Verbindung mit einem Geschöpf wäre der Mensch wieder nicht vergöttlicht worden, wenn der Sohn nicht wahrer Gott wäre.“17 Gemeint ist die Teilhabe am Leben Gottes: aus Gnade als Kinder Gottes durch den Heiligen Geist, niemals dem Wesen nach; das lernst du in Thema 22 („Schöpfung, Fall und Erlösung“) genauer.
Das Konzil von Nizäa (325), die erste große Versammlung von Bischöfen aus der ganzen Kirche, verurteilte Arius und bekannte den Sohn als wesensgleich mit dem Vater; im Glaubensbekenntnis beten wir: „eines Wesens mit dem Vater“.18 Wie es dazu kam, lernst du in Thema 34 („Nizäa und Konstantinopel“).
Tritheismus: die Dreiheit ohne die Einheit
Auf der anderen Seite steht der Tritheismus (griechisch treis, „drei“, und theos, „Gott“): die Vorstellung von drei Göttern. Sie entsteht, wenn man sich die drei Hypostasen wie drei Menschen vorstellt – drei getrennte Wesen mit eigenem Willen, die nur gut zusammenarbeiten. Bischof Dionysius von Rom schrieb in einem Brief, den der heilige Athanasius anführt, gegen Lehrer, die „gewisser Maßen drei Götter“ lehren, „indem sie die heilige Einheit in drei einander fremde, voneinander völlig getrennte Substanzen teilen“.19 Gregor von Nazianz warnt die Prediger ausdrücklich vor beiden Gefahren zugleich – von „einer einzigen Person“ zu sprechen oder von „drei getrennten, verschiedenen Personen“.20
Die Antwort der Kirche kennst du aus dem ersten Vortrag: Die drei haben ein Wesen und „einen einzigen Willen“ (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 176), und Sohn und Geist sind aus dem einen Vater. Darum gibt es keine Spannung, keinen Wettstreit und keine Arbeitsteilung zwischen drei Göttern, sondern das eine Wirken des einen Gottes.
Die Makedonianer: der Heilige Geist als Geschöpf
Nach dem Sieg über Arius trat eine weitere Irrlehre auf. Der heilige Athanasius schreibt an Bischof Serapion von Thmuis, es gebe Leute, die sich „von den Arianern getrennt haben“, aber vom Heiligen Geist behaupten, „derselbe sei nicht bloß ein Geschöpf, sondern sogar einer der dienenden Geister und nur um eine Stufe von den Engeln verschieden“.21 Ihr bekanntester Vertreter war Makedonius, ein früherer Bischof von Konstantinopel, „der behauptete, der Heilige Geist sei geschaffen“.22 Man nennt seine Anhänger Makedonianer; ein anderer Name für alle, die gegen die Gottheit des Geistes stritten, ist Pneumatomachen, „Geistbekämpfer“. Gegen sie trat 381 das Konzil von Konstantinopel zusammen; es vollendete das Glaubensbekenntnis mit dem Artikel über den Heiligen Geist. Darum bekennen wir in der Liturgie: „Ja, wir glauben an den Heiligen Geist, den lebensspendenden Herrn, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird“.23
Die Schrift nennt den Heiligen Geist Gott: Petrus sagt zu Hananias, er habe „den Heiligen Geist“ belogen, und fügt hinzu: „Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott“ (Apg 5:3.4b). Der Geist „ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes“ (1. Kor 2:10b) – das kann kein Geschöpf. Mehr über die Gottheit des Heiligen Geistes lernst du in Thema 24 („Der Heilige Geist“).
Die Perichorese: das Ineinandersein der drei
Gegen alle diese Irrlehren haben die Väter eine Wahrheit betont, die der Herr selbst ausspricht:
Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke!
Dieses Ineinandersein heißt in der Sprache der Kirche Perichorese, „gegenseitige Durchdringung“: „Jede Hypostase ist in der anderen vollkommen gegenwärtig, ohne dass die eigene Hypostase aufgegeben wird.“24 Der Katechismus sagt: „Jede der drei Hypostasen erfüllt die beiden anderen und ist in ihnen enthalten und bleibt doch von ihnen unterschieden.“ Diese Einheit „ist keine Vermischung, wie sie bei Flüssigkeiten oder Stoffen entsteht“.25
Die Perichorese ist das vollkommene gegenseitige Ineinandersein der drei Hypostasen: Der Vater ist im Sohn, der Sohn im Vater, der Geist im Vater und im Sohn – ohne Vermischung und ohne Trennung.
Die Arianer spotteten über das Wort „Ich im Vater und der Vater in mir“: Wie könne der eine im anderen Platz finden? Athanasius antwortet, sie stellten sich Gott wie einen Körper vor. Vater und Sohn sind nicht „wie leere Gefäße“ ineinander, die sich gegenseitig auffüllen.26 Vielmehr gilt:
Es ist nämlich wirklich der Sohn im Vater, wie sich ja begreifen lässt, da das ganze Sein des Sohnes der Substanz des Vaters eigen ist, als der Abglanz aus dem Lichte und der Fluss aus der Quelle, so dass, wer den Sohn sieht, auch das sieht, was dem Vater eigen ist …27
Darum kann der Herr sagen: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14:9b). Und Athanasius fasst zusammen: „die Fülle der Gottheit des Vaters ist das Sein des Sohnes, und ganz Gott ist der Sohn“.28
Die Perichorese zeigt, warum beide Vorstellungen falsch sind. Gegen den Modalismus: Die drei bleiben unterschieden, denn nur wer ein anderer ist, kann in einem anderen sein. Gegen den Tritheismus: Die drei sind nicht getrennt nebeneinander wie drei Menschen, sondern ineinander, mit einem Willen, einer Macht und einem Wirken.29
Sondergemeinschaften heute
Die alten Irrlehren sind nicht nur Geschichte; sie leben in manchen Sondergemeinschaften weiter, also in Gemeinschaften, die sich auf die Bibel berufen, aber zentrale Wahrheiten des Glaubens wie die Dreifaltigkeit leugnen. Papst Schenouda III. schreibt über den Arianismus: „Dennoch aber blieben Reste des Arianismus weiterhin bis in die heutige Zeit verbreitet“, und nennt als Beispiel die Zeugen Jehovas, über deren Lehre er schon früh in der Sonntagsschulzeitschrift geschrieben hatte.30 Sie behaupten, „dass Christus in seiner Gottheit kleiner sei als Gott, der Vater, der Allmächtige“.31 Der Katechismus hält fest, dass sie „die Lehre von der Heiligen Dreifaltigkeit, die Sakramente der Kirche und die Verehrung der Heiligen“ ablehnen.32
Wer an der Tür von einem Gott spricht, dessen Sohn ein Geschöpf oder ein geringerer Gott sei, lehrt also nicht den Glauben der Kirche, auch wenn er viele Bibelverse zitiert. Begegne solchen Menschen freundlich und sachlich, ohne Spott, und bleibe beim Bekenntnis der Kirche. Wie man Sondergemeinschaften erkennt und mit ihnen spricht, lernst du in Thema 44 („Christentum und Islam; Sondergemeinschaften“).
Für den Dienst
- Die eigene Sprache prüfen. Die Irrlehren leben oft in harmlos klingenden Sätzen weiter. Prüfe dich: „Gott war früher Vater, dann Sohn“ ist modalistisch; „Jesus war ein guter Mensch, den Gott zu seinem Sohn gemacht hat“ ist adoptianisch; „Jesus ist das erste und höchste Geschöpf Gottes“ ist arianisch; „drei Götter, die gut zusammenarbeiten“ ist tritheistisch; „der Heilige Geist ist ein Geschöpf“ ist die Lehre der Makedonianer, und „der Heilige Geist ist nur eine Kraft“ leugnet, dass er eine göttliche Hypostase ist (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 202).
- Kinderfragen. Fragt ein Kind: „Ist Jesus der Vater?“, antworte: „Nein. Jesus ist der Sohn. Er betet zum Vater und sagt: ‚Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist‘ (Joh 14:11a). Der Vater ist nicht der Sohn – und doch sind sie ein Gott.“ Fragt ein Kind: „Hat Gott Jesus gemacht?“, antworte: „Nein. Gott hat alles durch Jesus gemacht. Jesus ist der ewige Sohn Gottes, nicht geschaffen.“
- Bei Jugendlichen. Wenn Jugendliche Begriffe wie „Trinität“ in Schule oder Internet hören, lies mit ihnen Joh 1:1 und Joh 14:9–11 und erkläre, was die Kirche gegen Sabellius und Arius bewahrt hat.
- Ohne Polemik. Die Väter haben scharf gegen Irrlehren geschrieben; wir sprechen über heutige Menschen mit Liebe und Achtung. Der Diener soll „stets bereit“ sein, „jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1. Petr 3:15b).
- Dankbar für die Väter. Erzähle den Kindern vom heiligen Athanasius, der für den Glauben an die Gottheit des Sohnes viel gelitten hat. Den Glauben, den wir in jeder Liturgie im Glaubensbekenntnis beten, hat er sein Leben lang verteidigt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Irrlehren über die Dreifaltigkeit verlieren entweder die drei Hypostasen (Monarchianismus) oder die Einheit Gottes (Tritheismus); die Kirche geht den Weg der Mitte.
- Modalismus (Sabellius): Vater, Sohn und Geist seien nur Erscheinungsweisen einer einzigen Hypostase. Antwort: Die drei sind wirklich unterschieden – „der Vater Vater … und der Sohn Sohn“, aber die Natur ist eine (Athanasius).
- Adoptianismus (Paulus von Samosata): Jesus sei ein Mensch, von Gott als Sohn angenommen. Antwort: Christus ist Sohn von Natur, das ewige Wort (Joh 1:1).
- Arianismus (Arius): Der Sohn sei ein Geschöpf aus dem Nichts; „es war einmal, da es nicht war“. Antwort: Er ist „gezeugt, nicht geschaffen“ und wesensgleich mit dem Vater (Nizäa 325); „die Dreiheit ist nicht geworden“ (Athanasius).
- Tritheismus: drei getrennte Götter. Antwort: ein Wesen, ein Wille, ein Ursprung im Vater.
- Makedonianer (Pneumatomachen): Der Heilige Geist sei ein Geschöpf. Antwort: Er ist Gott, wird mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht (Konstantinopel 381).
- Perichorese: Die drei Hypostasen sind ineinander, ohne Vermischung und ohne Trennung (Joh 14:11).
- Die Zeugen Jehovas lehnen die Dreifaltigkeit ab; wir begegnen ihnen freundlich und bleiben beim Bekenntnis der Kirche.
Zum Weiterlesen
- Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 1, Kap. 5–6 und 17–19; Rede 3, Kap. 1–6.
- Athanasius, Vier Briefe an Serapion, Brief 1, Kap. 1–2.
- Gregor von Nazianz, Reden, Rede 20,5–7.
- Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Fr. 187 und 192, Fr. 202.
- Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Vorwort (S. V–VI).
Anmerkungen
Damals wie Heute, Vorwort, S. 6.↑
Gregor von Nazianz, Reden, Rede 20,5. „Proprietäten“ sind die hypostatischen Eigenschaften.↑
Johannes Chrysostomus, Homilien über den Brief an die Hebräer, Homilie 2,1.↑
Vgl. Gregor von Nazianz, Reden, Rede 2,37.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 192.↑
Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 3, Kap. 4.↑
Synaxarium, 19. Babeh, Die Einberufung eines Konzils in Antiochia zur Untersuchung der Lehre des Paulus von Samosata, S. 83.↑
Johannes Chrysostomus, Homilien über den Brief an die Hebräer, Homilie 2,2.↑
Kyrill von Jerusalem nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 197.↑
Synaxarium, 9. Hatur, Versammlung des Ersten Ökumenischen Konzils von Nizäa, S. 115.↑
Arius nach Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 1, Kap. 5.↑
Ebd., Rede 1, Kap. 6.↑
Damals wie Heute, S. 58.↑
Vgl. Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 3, Kap. 1.↑
Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 1, Kap. 18.↑
Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 1, Kap. 19.↑
Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 2, Kap. 70.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4; Die göttlichen Liturgien, S. 177; Buch 1, Kapitel 4 („Das Glaubensbekenntnis“).↑
Athanasius, Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa, Kap. 26.↑
Gregor von Nazianz, Reden, Rede 2,36; vgl. Thema 6 („Glaube, Dogma und Heilige Überlieferung“).↑
Athanasius, Vier Briefe an Serapion, Brief 1, Kap. 1.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Die göttlichen Liturgien, S. 178; vgl. Synaxarium, 1. Amschir, Gedenken an die Versammlung des Zweiten Ökumenischen Konzils in der Stadt Konstantinopel, S. 274; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 202.↑
Damals wie Heute, S. 53.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 187.↑
Vgl. Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 3, Kap. 1.↑
Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 3, Kap. 3.↑
Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 3, Kap. 6.↑
Vgl. Damals wie Heute, S. 53.↑
Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Vorwort (S. V–VI).↑
Ebd., Kap. 1.1.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1379.↑