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Thema 17 · Vortrag 1

„Das Wort war Gott“ – die Gottheit Christi im Neuen Testament

Johannes, Paulus und der Hebräerbrief bezeugen den einen Herrn

17 Min. LesezeitDie Gottheit Christi aus der Schrift

Lernziele

  1. Die Gottheit Christi mit fünf Stellen des Neuen Testaments begründen und sie im Zusammenhang erklären.
  2. Joh 2:1⁠–⁠11 dogmatisch auslegen und fünf geistliche Grundsätze daraus nennen.

Schlüsselbegriffe

Gottheit Christi · Logos (Wort) · Hypostase (Person) · einziger (eingeborener) Sohn · Entäußerung (Kenosis) · Zeichen · Lesart

Bibelstellen

Mt 16:15⁠–⁠16; Joh 1:1⁠–⁠4; Joh 1:12⁠–⁠14; Joh 1:18; 1. Kor 1:24; Joh 10:9⁠–⁠11; Joh 10:28⁠–⁠33; Joh 10:38; Ez 34:15; Ps 23:1; Joh 2:1⁠–⁠11; Joh 2:13⁠–⁠25; Joh 13:1; Eph 5:25; Jes 42:8; Jer 17:10; Joh 10:18; Joh 20:27⁠–⁠29; Phil 2:6⁠–⁠11; Jes 45:23; Kol 1:15⁠–⁠17; Kol 2:9; Hebr 1:2⁠–⁠3; Hebr 1:6⁠–⁠10; Röm 9:5; Tit 2:13; Jes 44:24; Ps 103:3; Mk 2:5⁠–⁠10; Lk 7:48; Offb 2:23; Gen 18:25; Mt 25:31⁠–⁠32; Jes 44:6; Offb 1:17; Lk 4:8; Mt 14:33; Joh 9:38; Hos 13:4; Joh 4:42; Joh 5:21; Joh 5:26; Joh 6:35; Joh 6:51; Joh 10:10; Joh 11:25; Joh 14:6; 1. Joh 5:11⁠–⁠12; Kol 3:4; Apg 3:15; 1. Tim 3:16; Apg 20:28; Joh 3:13; Mt 18:20; Mt 28:20; Joh 8:58; Joh 14:9; 1. Petr 3:15⁠–⁠16

Inhalt

„Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mt 16:15b). Petrus antwortet für die Kirche: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16:16b). Das Johannesevangelium, die Briefe des Apostels Paulus und der Hebräerbrief bezeugen die Gottheit Christi mit vielen Worten; an Joh 2 lernst du, wie man eine Bibelstelle dogmatisch, also auf die Glaubenslehre hin, auslegt. Kinder und Jugendliche fragen früher oder später, ob Jesus selbst gesagt hat, dass er Gott ist, ebenso Mitschüler, Kollegen oder Fremde. Als Diener sollst du ihnen aus der Schrift antworten können.

Warum es um alles geht

Dass Jesus Christus „wahrer Gott vom wahren Gott“ und „eines Wesens mit dem Vater“ ist, bekennst du im Glaubensbekenntnis;1 was diese Worte bedeuten, kennst du aus Buch 1, Kapitel 4 („Das Glaubensbekenntnis“). Gegen Arius, der den Sohn für ein Geschöpf hielt, hat der heilige Athanasius der Apostolische gezeigt, dass es dabei um unser Heil geht:

Aus den Vätern

Doch in Verbindung mit einem Geschöpf wäre der Mensch wieder nicht vergöttlicht worden, wenn der Sohn nicht wahrer Gott wäre. Auch wäre der Mensch nicht an die Seite des Vaters getreten, wenn der, welcher den Leib anzog, nicht sein natürliches und wahres Wort wäre.2

– Hl. Athanasius der Apostolische, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 2, Kap. 70

Nur Gott kann den Menschen mit Gott verbinden. Gemeint ist die Teilhabe am Leben Gottes: aus Gnade als Kinder Gottes durch den Heiligen Geist, niemals dem Wesen nach. Papst Schenouda III. hat die Zeugnisse der Schrift in seinem Buch Die Gottheit Christi gesammelt; er will sich „nur auf Beweise stützen, die durch Textstellen des Alten und des Neuen Testaments belegt sind“.3 Sein Weg ist einfach. Die Schrift nennt etwas, das Gott allein zukommt, und sie sagt dasselbe von Christus.

„Im Anfang war das Wort“ – Joh 1:1⁠–⁠18

Heilige Schrift

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott.

Joh 1:1

Der Vers sagt dreierlei:

  1. „Im Anfang war das Wort“: Als alles anfing, war das Wort schon da. Es ist nicht entstanden, es war.
  2. „Das Wort war bei Gott“: Das Wort ist vom Vater unterschieden, nicht bloß ein anderer Name für ihn.
  3. „Das Wort war Gott“: Das Wort ist selbst Gott – nicht ein Gott neben Gott, sondern der eine Gott.

Darin liegt der Glaube von Thema 16 („Die Heilige Dreifaltigkeit“): Der Sohn ist eine eigene Hypostase (Person) und doch wesensgleich mit dem Vater. Der heilige Athanasius sagt es zu Joh 10:30: „Vielmehr sind es zwei, weil der Vater Vater ist und nicht der nämliche [auch] Sohn ist und der Sohn Sohn, und nicht derselbe [auch] Vater ist. Aber die Natur ist nur Eine.“4 „Eine Natur“ meint hier das eine göttliche Wesen von Vater und Sohn. Wenn die Kirche von der „einen Natur des fleischgewordenen Wortes Gottes“ spricht, meint sie dagegen die Einheit von Gottheit und Menschheit in Christus (Thema 18). Und weil „alles … durch das Wort geworden“ ist (Joh 1:3), gehört das Wort nicht zu den Geschöpfen, sondern ist ihr Schöpfer; das vertieft Vortrag 2.

Begriff
Logos (Wort)

Griechisch Logos heißt „Wort“ und „Vernunft“. Johannes nennt so den ewigen Sohn Gottes: das personale Wort des Vaters, durch das alles geschaffen ist und das Fleisch geworden ist. Der Logos ist keine unpersönliche Kraft, sondern eine Hypostase (Person) der Dreifaltigkeit.

Papst Schenouda III. erklärt Logos als „die ausgesprochene Vernunft Gottes“ und fragt: „Mit welcher Vernunft hätte Gott sich eine Vernunft für sich erschaffen können?“5 So wenig Gott je ohne seine Weisheit war, so wenig war er je ohne seinen Sohn (1. Kor 1:24).

„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit“ (Joh 1:14). Der ewige Gott ist Mensch geworden, ohne aufzuhören, Gott zu sein; das entfaltet Thema 18 („Menschwerdung und Christologie“). Johannes schließt: „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht“ (Joh 1:18).

Christus ist der einzige (eingeborene) Sohn von Natur; wir werden Kinder Gottes aus Gnade (Joh 1:12). Papst Tawadros II.: „Die Sohnschaft Christi ist ewig. Unsere Sohnschaft ist zeitlich.“6

Joh 10: „Ich und der Vater sind eins“

„Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden“ (Joh 10:9a). „Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe“ (Joh 10:11). Im Alten Testament heißt es: „Der Herr ist mein Hirte“ (Ps 23:1b; LXX 22), und Gott verheißt: „Ich werde meine Schafe auf die Weide führen“ (Ez 34:15a). Was Gott von sich sagt, sagt Jesus von sich. Dann sagt er, was kein Mensch sagen kann: „Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen“ (Joh 10:28). Seine Hand und die Hand des Vaters halten dieselben Schafe (Joh 10:29).

Heilige Schrift

Ich und der Vater sind eins.

Joh 10:30

Die Zuhörer verstanden genau, was er sagte: „Wir steinigen dich nicht wegen eines guten Werkes, sondern wegen Gotteslästerung; denn du bist nur ein Mensch und machst dich selbst zu Gott“ (Joh 10:33b). Jesus nimmt nichts zurück, sondern verweist auf seine Werke: „Dann werdet ihr erkennen und einsehen, dass in mir der Vater ist und ich im Vater bin“ (Joh 10:38b).

„Eins“ heißt nicht „derselbe“: zwei Hypostasen, ein Wesen. Damit wehrt der Vers zwei Irrwege ab – den des Arius, der den Sohn zum Geschöpf machte, und den des Sabellius, der Vater und Sohn für bloße Erscheinungsweisen einer einzigen Person hielt.

Joh 2: Kana und die Tempelreinigung – eine Stelle dogmatisch auslegen

So legt man eine Stelle aus

Eine Bibelstelle dogmatisch auslegen heißt fragen, was sie über Gott, über Christus und über unser Heil lehrt. Fünf Schritte helfen:

  1. Genau lesen: Was steht da, wer handelt, wer spricht?
  2. Unterscheiden: Was zeigt Christus als Menschen, was zeigt ihn als Gott?
  3. Vergleichen: Was sagt die übrige Schrift von Gott, und wo sagt sie dasselbe von Christus?
  4. Mit der Kirche lesen: Wie verstehen die Väter die Stelle, und wie feiert die Kirche sie?
  5. Folgern: Was bedeutet sie für meinen Glauben und mein Leben?
Heilige Schrift

So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.

Joh 2:11

Was Kana über Christus lehrt

Gott und Mensch zugleich. „Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen“ (Joh 2:2). Er ist ein Gast unter Gästen, und doch wird auf sein Wort hin Wasser zu Wein. Der heilige Athanasius nennt Kana unter den Beispielen, an denen man beides zugleich sieht: Der Herr spricht mit seiner Mutter als Mensch und verwandelt doch sogleich als Gott das Wasser in Wein. Er fasst zusammen:

Aus den Vätern

Er war eben wahrer Gott im Fleische und wahres Fleisch im Worte.7

– Hl. Athanasius der Apostolische, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 3, Kap. 41

Hier sieht man den zweiten Schritt der Auslegung. Der eine Christus spricht und handelt; manches zeigt seine Menschheit, anderes seine Gottheit. Er ist nicht zwei, sondern einer.

Der Schöpfer. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty sagt: „Er offenbart sich als Schöpfer: Bei der Hochzeit zu Kana in Galiläa verwandelt er Wasser in Wein …, um uns geistliche Freude zu schenken“.8 Papst Schenouda III. betont, dass Jesus kein Gebet über das Wasser spricht; er sagt nur „Füllt die Krüge“ und „Schöpft jetzt“ – „und auf diese Weise wurde das Wasser zu Wein verwandelt, weil er es so wollte“.9 Die Propheten wirkten Zeichen, indem sie Gott anriefen; Christus wirkt aus eigener Macht.

Seine eigene Herrlichkeit. Gott sagt: „ich überlasse die Ehre, die mir gebührt, keinem andern“ (Jes 42:8b); Christus aber „offenbarte seine Herrlichkeit“ (Joh 2:11) – seine eigene.

„Meine Stunde“. Im Johannesevangelium ist das die Stunde des Kreuzes: „Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen“ (Joh 13:1b). Der Katechismus verbindet Anfang und Ende: „Der Herr begann seinen Dienst, indem er an einer Hochzeit teilnahm, und vollendete ihn, indem er seiner Braut sein eigenes Blut als Mitgift darbrachte.“10 Die Braut ist die Kirche, für die Christus „sich … hingegeben hat“ (Eph 5:25).

Die Mutter Jesu. Maria, die Gottesgebärerin (Theotokos), bemerkt die Not, bevor jemand bittet: „Sie haben keinen Wein mehr“ (Joh 2:3b). „Bei der Hochzeit zu Kana in Galiläa ging er auf ihre Bitte ein“, sagt der Katechismus.11 Ihr Wort an die Diener gilt allen: „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2:5b). Sie führt nicht zu sich, sondern zu ihrem Sohn.

Was die Tempelreinigung über Christus lehrt

  • Der Herr des Hauses. „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“ (Joh 2:16b). Er spricht im Tempel wie der Sohn im Haus seines Vaters.
  • Er erweckt sich selbst. „Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. … Er aber meinte den Tempel seines Leibes“ (Joh 2:19b.21). Christus sagt: „Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen“ (Joh 10:18b). Die Schrift sagt zugleich, dass Gott ihn auferweckt hat (Apg 3:15b), denn Vater und Sohn wirken gemeinsam.
  • Er kennt die Herzen. „… er wusste, was im Menschen ist“ (Joh 2:25b). Das sagt Gott von sich: „Ich, der Herr, erforsche das Herz und prüfe die Nieren“ (Jer 17:10a).

Geistliche Grundsätze aus Joh 2

Aus der Hochzeit zu Kana (Joh 2:1⁠–⁠11) folgen fünf Grundsätze, aus der Tempelreinigung (Joh 2:13⁠–⁠17) ein sechster:

  1. Lade Christus ein. Wo er eingeladen ist, bleibt die Freude (Joh 2:2). Die Kirche sieht in seiner Gegenwart den Segen über der Ehe.12
  2. Bring deine Not zu ihm – auch durch die Fürsprache der Heiligen. Maria sagt nur einen Satz und vertraut ihrem Sohn (Joh 2:3).
  3. Gehorche seinem Wort. „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2:5b) – auch wenn der Auftrag einfach oder unverständlich scheint.
  4. Tu deinen Teil ganz. Die Diener füllen die Krüge „bis zum Rand“ (Joh 2:7b). Gott wirkt das Wunder, aber er lässt den Menschen mitwirken.
  5. Gott hebt das Beste auf. „Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten“ (Joh 2:10b). Die Freude, die Christus schenkt, übertrifft alles Frühere.
  6. Ehre das Haus Gottes. „Der Eifer für dein Haus verzehrt mich“ (Joh 2:17b). Die Kirche ist ein Haus des Gebets.
Beispiel

Die Kirche feiert die Hochzeit zu Kana als eines der sieben kleinen Herrenfeste am 13. Tubeh (21. Jänner), zwei Tage nach der Theophanie, dem Fest der Taufe des Herrn. Das Synaxarium nennt das Wunder „das erste Zeichen, das der Herr Jesus Christus wirkte und durch das Er seine Herrlichkeit und Seine Macht über alles offenbarte“.13

Die Hochzeit zu Kana: „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2:5b)

Weitere tragende Stellen

„Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20:28b)

Acht Tage nach der Auferstehung steht der Auferstandene vor Thomas: „Streck deinen Finger aus – hier sind meine Hände!“ (Joh 20:27a). Thomas bekennt: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20:28b). Jesus weist das Bekenntnis nicht zurück, sondern preist die, „die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20:29b). Papst Schenouda III.: „Der Herr Jesus Christus akzeptierte dieses Bekenntnis seines Apostels.“14

Phil 2:6⁠–⁠11: Gott gleich – und Knecht geworden

„Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen“ (Phil 2:6⁠–⁠7). Nur wer Gott gleich ist, kann sich so erniedrigen.

Begriff
Entäußerung (Kenosis)

Der Sohn hat, ohne seine Gottheit abzulegen, Knechtsgestalt angenommen und sich bis zum Tod am Kreuz erniedrigt (Phil 2:7⁠–⁠8). Er hat nichts von seiner Gottheit verloren, sondern unsere Menschheit dazugenommen.

Am Ende des Hymnus sollen sich alle Knie „vor dem Namen Jesu“ beugen, „und jeder Mund bekennt: ‚Jesus Christus ist der Herr‘ – zur Ehre Gottes, des Vaters“ (Phil 2:10⁠–⁠11). Bei Jesaja sagt Gott von sich: „Vor mir wird jedes Knie sich beugen“ (Jes 45:23b). Was Gott allein gebührt, gebührt dem Namen Jesu.

Kol 1:15⁠–⁠20: Ebenbild und Schöpfer

„Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Denn in ihm wurde alles erschaffen … alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen. Er ist vor aller Schöpfung, in ihm hat alles Bestand“ (Kol 1:15⁠–⁠17). „Erstgeborener“ heißt nicht „erstes Geschöpf“ – in ihm wurde ja alles erschaffen. Der heilige Athanasius erklärt, Christus werde „nicht Erstgeborener genannt, als ob er den Geschöpfen gleich und nur der Zeit nach vor ihnen wäre. Wie wäre dies auch möglich, wo er doch der Eingeborene ist?“ Er heiße so „wegen der Herabkunft des Wortes zu den Geschöpfen, in der es auch Bruder vieler geworden ist“.15 Paulus sagt auch: „… in ihm allein wohnt wirklich die ganze Fülle Gottes“ (Kol 2:9).

Hebr 1: der Sohn über den Engeln

Gott hat „in dieser Endzeit … zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben des Alls eingesetzt und durch den er auch die Welt erschaffen hat; er ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Abbild seines Wesens“ (Hebr 1:2⁠–⁠3a). Die Engel sollen sich vor ihm niederwerfen (Hebr 1:6); zum Sohn aber sagt Gott: „Dein Thron, o Gott, steht für immer und ewig“ (Hebr 1:8a), und: „Du, Herr, hast vorzeiten der Erde Grund gelegt, die Himmel sind das Werk deiner Hände“ (Hebr 1:10). Hebr 1:10 wendet auf den Sohn an, was ein Psalm zu Gott, dem Schöpfer, sagt.

Ausdrücklich „Gott“ heißt Christus auch in Röm 9:5b („der über allem als Gott steht, er ist gepriesen in Ewigkeit“) und Tit 2:13b („unseres großen Gottes und Retters Christus Jesus“).

Göttliche Werke und Titel

Papst Schenouda III. ordnet die Zeugnisse nach Eigenschaften, die die Schrift Gott allein zuschreibt:

Tabelle 55 · Was Gott allein zukommt, sagt die Schrift von Christus
Gott allein … Schriftzeugnis Christus … Neues Testament
ist Schöpfer Jes 44:24 schafft alles Joh 1:3; Kol 1:16
vergibt Sünden Ps 103:3 vergibt Sünden Mk 2:5⁠–⁠10; Lk 7:48
prüft Herz und Nieren Jer 17:10 prüft Herz und Nieren Offb 2:23
ist Richter der ganzen Erde Gen 18:25 sitzt auf dem Thron des Gerichts Mt 25:31⁠–⁠32
ist der Erste und der Letzte Jes 44:6 ist der Erste und der Letzte Offb 1:17
wird angebetet Lk 4:8 wird angebetet Mt 14:33; Joh 9:38
ist der einzige Retter Hos 13:4 ist der Retter der Welt Joh 4:42

Sündenvergebung. Als Jesus zum Gelähmten sagt: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben!“, denken die Schriftgelehrten: „Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?“ (Mk 2:5b.7b). Jesus widerspricht nicht, sondern zeigt durch die Heilung, „dass der Menschensohn die Vollmacht hat, hier auf der Erde Sünden zu vergeben“ (Mk 2:10a). Er vergibt nicht durch ein Gebet, sondern aus eigener Vollmacht. Papst Schenouda III. betont: „Diese Vergebung der Sünden geschah auf seinen ausdrücklichen Befehl hin.“16

Der Erlöser. Gott sagt: „Es gibt keinen Retter außer mir“ (Hos 13:4b). Und doch ist Christus „wirklich der Retter der Welt“ (Joh 4:42b). Papst Schenouda III. erklärt, warum der Erlöser Gott sein muss:

Aus der Lehre unserer Päpste

Erlösung heißt unendliche Versöhnung, genügend zur Vergebung der unendlichen Sünden der Menschen aller Zeitalter. Dafür gab es keine andere Lösung als die der Fleischwerdung des Wortes Gottes, damit die unendliche Erlösung durch seine göttliche Kraft bewirkt wurde.17

– Papst Schenouda III., Die Natur Christi, Kap. 6

Gemeint ist: Die Erlösung genügt für alle Menschen aller Zeiten. Die Sünde trennt den Menschen von Gott, der Quelle des Lebens, und bringt ihm den Tod; kein Geschöpf kann alle retten und den Tod besiegen, das kann nur der Schöpfer selbst. Mehr dazu in Thema 22 („Schöpfung, Fall und Erlösung“).

Dazu gehört, was der heilige Athanasius sagt: Christus hat den Leib angenommen, „um als Schöpfer diesen zu erneuern … und so uns alle nach seiner Ähnlichkeit in das Reich der Himmel einzuführen“.18 Sühne für die Sünde, also ihre Tilgung durch das Opfer Christi, und Erneuerung unserer Natur – beides kann nur Gott.

„Jesus ist das Leben“ – zehn Verse

Gott ist die Quelle des Lebens. Johannes sagt dasselbe von Christus:

  1. „In ihm war das Leben“ (Joh 1:4a).
  2. „so macht auch der Sohn lebendig, wen er will“ (Joh 5:21b).
  3. „… wie der Vater das Leben in sich hat, so hat er auch dem Sohn gegeben, das Leben in sich zu haben“ (Joh 5:26).
  4. „Ich bin das Brot des Lebens“ (Joh 6:35a).
  5. „Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben“ (Joh 6:51b).
  6. „ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10:10b).
  7. „Ich gebe ihnen ewiges Leben“ (Joh 10:28a).
  8. „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Joh 11:25a).
  9. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14:6a).
  10. „Wer den Sohn hat, hat das Leben“ (1. Joh 5:12a).

Paulus nennt Christus „unser Leben“ (Kol 3:4a), Petrus „den Urheber des Lebens“ (Apg 3:15a). Dieses Leben ist Gemeinschaft mit Gott; wir empfangen es in der Kirche, besonders in den heiligen Mysterien, also in der Eucharistie. Papst Schenouda III. sieht in Joh 6 „Christus … als Lebensspender durch die Heilige Kommunion“.19

Wenn eine Bibel anders liest

Manche Bibelausgaben und Bücher der Kirche lesen drei oft angeführte Stellen anders als die Kursbibel: 1. Tim 3:16,20 Apg 20:2821 und Joh 3:13.22 Solche abweichenden Fassungen eines Verses heißen Lesarten. Sie sind Fragen der Überlieferung des Bibeltextes; niemand hat etwas gefälscht. Der Glaube hängt an keiner dieser Stellen, denn die Kursbibel trägt ihn ebenso:

  • Gott ist im Fleisch erschienen: Joh 1:1.14; Röm 9:5.
  • Der eine Christus, der Gott ist, hat für uns gelitten: „Den Urheber des Lebens habt ihr getötet“ (Apg 3:15a).
  • Christus ist überall gegenwärtig: „da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18:20b); „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28:20b).

Streite nicht um einen Vers, wenn die ganze Schrift spricht. Schon der heilige Ignatius, Bischof von Antiochien und Märtyrer aus der Generation nach den Aposteln, bekennt den einen Christus als Gott und Mensch:

Aus den Vätern

Einer ist der Arzt, fleischlich sowohl als geistig, geboren und ungeboren, im Fleische wandelnd ein Gott, im Tode wahrhaftiges Leben, sowohl aus Maria als aus Gott, zuerst leidensfähig, dann leidensunfähig, Jesus Christus unser Herr.23

– Hl. Ignatius von Antiochien, An die Epheser, Kap. 7,2

Mit „geboren und ungeboren“ meint Ignatius den einen Christus: als Mensch aus Maria geboren, als Gott ohne Anfang. Das widerspricht nicht dem Glaubensbekenntnis, das den Sohn „geboren aus dem Vater vor aller Zeit“ nennt;24 Ignatius schreibt, bevor die Kirche ihre späteren Fachworte festlegte.

Für den Dienst

Die Hochzeit zu Kana im Unterricht. Die fünf Schritte der Auslegung lassen sich auf jede Lektion anwenden, auch auf das Bibellesen in der Familie. Erzähle die Hochzeit zu Kana lebendig und frage dann: Wer hat das Wasser verwandelt? Was hat Maria gesagt? Was haben die Diener getan? Jüngere Kinder behalten ein Wort: „Was er euch sagt, das tut!“ Ältere Kinder unterscheiden selbst, woran sie erkennen, dass Jesus Mensch und Gott ist. Jugendliche übertragen die Grundsätze auf ihr Leben: Wo lade ich Christus ein? Wo fülle ich die Krüge nur halb?

„Hat Jesus je gesagt, dass er Gott ist?“ Antworte ruhig und mit der Schrift:

  • „Noch ehe Abraham wurde, bin ich“ (Joh 8:58b) – „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10:30) – „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14:9b).
  • Er tat, was nur Gott tut: Sünden vergeben (Mk 2:5⁠–⁠10), lebendig machen (Joh 5:21), die Herzen kennen (Joh 2:25).
  • Er nahm Anbetung und das Bekenntnis „Mein Herr und mein Gott!“ an (Joh 9:38; 20:28).
  • Seine Gegner haben ihn genau so verstanden (Joh 10:33).

Sei „stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen“ (1. Petr 3:15b), aber antworte „bescheiden und ehrfürchtig“ (1. Petr 3:16a) – nicht, um einen Streit zu gewinnen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Christus ist wahrer Gott, wesensgleich mit dem Vater; nur so kann er uns mit Gott verbinden und erlösen (Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 2, Kap. 70).
  • Joh 1:1: Das Wort war im Anfang (ewig), war bei Gott (eigene Hypostase), war Gott (wesensgleich mit dem Vater).
  • „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10:30): zwei Hypostasen, ein Wesen – gegen Arius und gegen Sabellius.
  • Joh 2 zeigt Christus als Gott und Mensch zugleich: Gast der Hochzeit und Schöpfer des Weines, Herr des Hauses seines Vaters, Kenner der Herzen.
  • Grundsätze aus Joh 2: Christus einladen; die Not zu ihm bringen; seinem Wort gehorchen; den eigenen Teil ganz tun; dem Besten vertrauen, das er schenkt; das Haus Gottes ehren.
  • Weitere Hauptstellen: Joh 20:28; Phil 2:6⁠–⁠11; Kol 1:15⁠–⁠20; Hebr 1; Röm 9:5; Tit 2:13.
  • Was die Schrift Gott allein zuschreibt (Schöpfung, Leben, Sündenvergebung, Gericht, Anbetung, Rettung), schreibt sie Christus zu.
  • Der Glaube hängt nicht an einer Lesart; die Kursbibel trägt ihn in vielen Stellen.

Zum Weiterlesen

  • Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 1 und 3.
  • Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 35⁠–⁠48.
  • Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Fr. 113⁠–⁠118.
  • Hl. Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 3, Kap. 26⁠–⁠41 (BKV 1. Reihe 13).

Anmerkungen

  1. Glaubensbekenntnis nach: Die göttlichen Liturgien, S. 177.↑

  2. Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 2, Kap. 70.↑

  3. Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Vorwort (S. VI).↑

  4. Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 3, Kap. 4.↑

  5. Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 1.1.↑

  6. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 42.↑

  7. Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 3, Kap. 41.↑

  8. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 177.↑

  9. Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 2.1.↑

  10. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1100.↑

  11. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 385.↑

  12. Vgl. Synaxarium, 13. Tubeh, Das Fest der Hochzeit zu Kana in Galiläa, S. 241.↑

  13. Synaxarium, 13. Tubeh, S. 241; Datum nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1082.↑

  14. Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 3.1.↑

  15. Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 2, Kap. 62.↑

  16. Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 2.12.↑

  17. Papst Schenouda III., Die Natur Christi, Kap. 6.↑

  18. Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 2, Kap. 70.↑

  19. Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 2.2.↑

  20. Lesart nach Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 3.1: „Gott wurde offenbar im Fleisch“. Die Einheitsübersetzung (1980) liest hier: „Er wurde offenbart im Fleisch“ (1. Tim 3:16).↑

  21. Lesart nach Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 3.1: „die Kirche Gottes zu leiten, die er sich erworben hat mit seinem eigenen Blut“. Die Einheitsübersetzung (1980) liest hier: „damit ihr als Hirten für die Kirche Gottes sorgt, die er sich durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben hat“ (Apg 20:28).↑

  22. Lesart nach Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 2.5: „Der Menschensohn, der im Himmel ist“. Die Einheitsübersetzung (1980) liest hier: „Und niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgestiegen ist: der Menschensohn“ (Joh 3:13).↑

  23. Ignatius von Antiochien, An die Epheser, Kap. 7,2.↑

  24. Die göttlichen Liturgien, S. 177.↑

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