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Thema 21 · Vortrag 1

Was ist geistlicher Dienst?

Liebe, Geben, Eifer, Brücke und Vorbild

16 Min. LesezeitDer geistliche Dienst

Lernziele

  1. Mit Papst Schenouda III. Unterricht als Weitergabe von Wissen und Dienst als Führung der Seelen zu Gott unterscheiden.
  2. Fünf seiner Bestimmungen des Dienstes (Liebe, Geben, Eifer, Brücke, Vorbild) nennen und erläutern.
  3. Mit Papst Tawadros II. erklären, dass das Ziel der Sonntagsschule der Anteil am Himmel ist.

Schlüsselbegriffe

geistlicher Dienst · Diener · Liebe · heiliger Eifer · Brücke · Mittler · Fürbitte · Vorbild · stiller Dienst · Anteil am Himmel · Hausbesuch (Eftekad)

Bibelstellen

Lk 1:39⁠–⁠45; Joh 13:1b; 1. Joh 4:19; Jak 2:1; Apg 10:38; Lk 12:42b; Hebr 4:12a; Mt 19:21; Ps 69:10a; 1. Kor 9:22b; Ez 34:16a; 1. Kor 3:9a; Gen 28:12; Eph 6:19; 1. Tim 2:5; Lk 16:2; Mt 25:14⁠–⁠30; Lk 24:49b; Joh 10:10b; Ps 34:9; Joh 6:63b; 1. Tim 2:4; 1. Tim 4:16

Inhalt

Du arbeitest in einer Klasse der Sonntagsschule oder in einem anderen Dienst der Kirche mit, hast Lektionen vorbereitet und vielleicht schon eine eigene Stunde gehalten. Was aber macht diese Arbeit zu einem geistlichen Dienst? Papst Schenouda III. hat seinen Dienern darauf in dem Buch The Spiritual Ministry („Der geistliche Dienst“) geantwortet.

Unterricht oder Dienst?

Papst Schenouda III. hielt die Vorträge dieses Buches vor Tausenden von Dienern in der großen Kathedrale in Kairo. In der Einleitung nennt er den Grund: Die Diener müssen fortwährend lernen, „was die Spiritualität des Dienstes bedeutet, damit sie nicht meinen, der Dienst sei bloß das Lehren von Wissen oder die Weitergabe von Kenntnissen“.1 Mit demselben Gedanken beginnt das erste Kapitel:

Aus der Lehre unserer Päpste

Der Dienst ist nicht bloß Lehren oder Unterrichten, sonst wird er zu einer rein verstandesmäßigen Arbeit. Der Diener ist nicht bloß ein Lehrer oder ein Wissensspeicher, der Kenntnisse in die Köpfe der Kinder überträgt.2

– Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I

Wissen ist dabei nicht unwichtig: Die Vorbereitung der Diener in Bibel, Geschichte, Riten (den Ordnungen der Gottesdienste) und Lehre nennt Papst Schenouda III. ausdrücklich „nützlich“.3 Aber das Wissen ist nicht das Ziel. Im zweiten Kapitel fasst er den Unterschied in einem Satz zusammen: „Lehren ist bloß die Weitergabe von Wissen in die Köpfe unserer Zuhörer, Dienen aber ist, Seelen zu Gott zu führen, indem man ein geistlicher Mensch ist.“4

Begriff
geistlicher Dienst

Dienst ist die Arbeit für Gott und die Menschen in der Kirche aus Liebe, besonders die geistliche Begleitung und Unterweisung der Kinder und Jugendlichen. Geistlich ist dieser Dienst, wenn er vom Heiligen Geist bestimmt und auf Gott hin ausgerichtet ist: Er gibt nicht nur Kenntnisse weiter, sondern führt die Kinder zu Gott.5

Der Unterschied liegt also nicht im Stoff, sondern in der Richtung: Dieselbe Geschichte von Josef oder von der heiligen Damiana kann bloß eine Geschichte bleiben oder ein Kind näher zu Gott bringen.

Beispiel

Maria bei Elisabet. Abuna Tadros Y. Malaty zeigt an einer Szene aus dem Lukasevangelium, was christliche Unterweisung ist. Als die Jungfrau Maria, die Gottesgebärerin (Theotokos), nach der Verkündigung zu ihrer Verwandten Elisabet ging (Lk 1:39⁠–⁠45), brachte sie mehr als Worte: „Statt ihrer Verwandten Geschenke oder Ratschläge zu bringen, brachte die Jungfrau Maria Elisabet unseren Herrn Jesus Christus, der in ihrem Leib Mensch geworden war!“ Elisabet rief: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ (Lk 1:43). Wer Christus als seinen Lehrer annimmt, so Abuna Tadros Y. Malaty, bricht selbst auf, „um zu dienen, indem er allen, die ihm begegnen, Christus selbst bringt“.6 Darin liegt der Kern des geistlichen Dienstes: Der Diener spricht von Christus, um zu ihm zu führen.

Fünf Bestimmungen des Dienstes

Was ist der Dienst also? Papst Schenouda III. antwortet im ersten Kapitel mit fünfzehn kurzen Bestimmungen. Der Dienst ist dort unter anderem auch das Werk der Engel und der Apostel, das Begleichen einer Schuld gegenüber der Kirche, die uns erzogen hat, und eine Pflicht der Liebe. Fünf davon tragen alle anderen: Liebe, Geben, Eifer, Brücke und Vorbild.

1. Der Dienst ist Liebe

Am Anfang steht nicht die Methode, sondern die Liebe. Papst Schenouda III. schreibt: „Der Dienst ist die natürliche Folge von etwas Größerem als der Dienst selbst – der göttlichen Liebe“. Und weiter: „Ist er ohne Liebe, wird er trocken, routinemäßig und ohne Geist und ohne Früchte. Er wird bloß eine Weitergabe von Wissen sein.“7

Die Liebe war die Grundlage des Dienstes Christi selbst: „Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung“ (Joh 13:1b). Unsere Liebe ist Antwort auf diese Liebe: „Wir wollen lieben, weil er uns zuerst geliebt hat“ (1. Joh 4:19). Wer dient, gibt also weiter, was er selbst von Gott empfangen hat.

Papst Schenouda III. erklärt, warum ohne Liebe nichts gelingt:

Aus der Lehre unserer Päpste

Du kannst niemals eine geistliche Wirkung auf einen Menschen haben, wenn nicht Liebe zwischen dir und diesem Menschen besteht. Durch die Liebe des Kindes zu dir entsteht Vertrauen, und das Kind wird deine Worte annehmen. Schließlich wird es dir sagen, was in seinem Herzen ist. Dann kannst du seine geistlichen Bedürfnisse erkennen und es zu Gott und seinem Reich führen.8

– Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 1

Liebe zeigt sich als Anteilnahme: „Selbst wenn achtundzwanzig von dreißig da sind, denkt der wahre Diener weiter an die beiden anderen.“9 Dazu gehört der Hausbesuch (Eftekad): der Besuch und die nachgehende Begleitung der Kinder und ihrer Familien. Du sprichst ihn mit Abuna und mit den Eltern ab und wahrst dabei Nähe und Distanz, wie du es aus Thema 2 („Vorbild, Verhalten und Schutz“) kennst.

Liebe bestimmt auch die Vorbereitung. Die wahren Diener kreisen nicht um sich selbst, „als wollten sie in ihren eigenen Augen als gute und treue Diener dastehen“. Sie suchen gute Geschichten und Gedanken, aber: „Die Absicht ist nicht, dass die Lektion vollkommen wird, sondern andere froh zu machen, zu ihrem Wohl zu wirken und für sie zu leiden.“10 Der heilige Augustinus erklärte einem Diakon in Karthago, wie man Erwachsene zum ersten Mal im Glauben unterweist; darum heißt seine Schrift Vom ersten katechetischen Unterricht, also von der ersten Unterweisung im Glauben. Er nennt dasselbe Ziel:

Aus den Vätern

Diese Liebe also setze dir als höchstes Ziel, worauf deine ganze Rede abzielen muss, und dann halte deinen Vortrag so, dass dein Schüler durch Hören zum Glauben, durch den Glauben zur Hoffnung, durch die Hoffnung aber zur Liebe gelange.11

– Hl. Augustinus, Vom ersten katechetischen Unterricht, Kap. 4,8

2. Der Dienst ist Geben – an alle

Die zweite Bestimmung lautet: „Der Dienst ist ein Geben an alle“. Papst Schenouda III. gebraucht Bilder aus der Natur: Die Sonne gibt Wärme und Licht, der Baum Schatten, Blüten und Früchte, die Quelle Wasser für alle, die Durst haben. So geben die Diener „ohne Zwang, von selbst“, und „ihrem Wesen nach lieben, lehren, besuchen und stützen sie alle und helfen allen, ohne Ansehen der Person“.12 Der Jakobusbrief sagt dasselbe: „Meine Brüder, haltet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit, frei von jedem Ansehen der Person“ (Jak 2:1).

Ohne Bevorzugung zu geben, ist nicht selbstverständlich. Leicht ist es beim Kind, das klug antwortet; schwerer beim stillen, beim unruhigen und bei dem, das selten kommt. Der geistliche Diener gibt allen, und nicht nur in der Kirche: zu Hause, an der Universität, bei der Arbeit ist er wie sein Herr, der umherzog und Gutes tat (Apg 10:38).

Zum Geben gehört die geistliche Nahrung. Der Herr fragt: „Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt?“ (Lk 12:42b). Die Diener geben ihren Kindern „reiche Mahlzeiten aus geistlichen Büchern, aus den Lebensbeschreibungen der Heiligen und aus Hymnen. Sie vermitteln auch die Glaubenslehren und Dogmen der Kirche auf einfache und geistliche Weise“.13

Aber was ist eine Stunde in der Woche? Papst Schenouda III. stellt diese Frage selbst und antwortet: „Die geistliche Wirkung hängt nicht davon ab, wie viele Stunden man mit den Kindern verbringt, sondern von der Kraft des geistlichen Wortes, das vom geistlichen Diener kommt.“14 Denn „lebendig ist das Wort Gottes, kraftvoll und schärfer als jedes zweischneidige Schwert“ (Hebr 4:12a).

Beispiel

Ein einziges Wort. Papst Schenouda III. erinnert an den heiligen Antonius den Großen: „Der heilige Antonius hörte in der Kirche nur ein einziges Wort, und sein ganzes Leben wurde verwandelt.“15 Der heilige Athanasius der Apostolische erzählt, wie das geschah: „In solchen Gedanken betrat er das Gotteshaus, und es fügte sich, dass gerade das Evangelium vorgelesen wurde, und er hörte, wie der Herr zum Reichen sprach: ‚Wenn du vollkommen werden willst, wohlan, verkaufe all deine Habe, gib den Erlös den Armen, komm und folge mir nach, und du wirst einen Schatz im Himmel haben.‘“ (vgl. Mt 19:21). Antonius „ging sogleich aus der Kirche“ und verschenkte seinen Besitz.16 Niemand weiß, welches Wort aus deiner Stunde in einem Kind aufgeht.

3. Der Dienst ist heiliger Eifer

Die dritte Bestimmung ist der heilige Eifer. Papst Schenouda III. nennt ihn „eine Feuerflamme im Herzen, die es voll Liebe zu den anderen macht und voll Verlangen nach ihrem Heil“.17 David sagt: „… der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt“ (Ps 69:10a), und Paulus: „Allen bin ich alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten“ (1. Kor 9:22b). Das Vorbild ist der gute Hirt, der durch den Propheten spricht: „Die verloren gegangenen Tiere will ich suchen, die vertriebenen zurückbringen, die verletzten verbinden, die schwachen kräftigen“ (Ez 34:16a).

Seinem Buch Heiliger Eifer stellt Papst Schenouda III. diese Bestimmung voran:

Aus der Lehre unserer Päpste

Heiliger Eifer ist ein Feuer, das im Herzen eines Gläubigen brennt und ihn antreibt, mit großem Enthusiasmus sein Bestes für den Zweck zu geben, andere zu retten und das Reich Gottes zu bauen.18

– Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 1, Abschnitt „Eifer ist ein Feuer, das brennt“

Heiliger Eifer ist aber kein Druck auf die Kinder. Im selben Buch schreibt Papst Schenouda III.: „Nicht jeder Eifer ist heiliger Eifer“.19 Echter Eifer gründet auf Wissen, wird von einem guten Leben begleitet und baut auf, statt zu zerstören. Und er ist nicht hart: „Eifer bedeutet also nicht Strenge in der Leitung und im Geben von Führung. Es bedeutet auch nicht, dass diejenigen, die Wissen haben, sich über diejenigen erheben, die schwach und unfähig sind.“20 Ein eifriger Diener geht mit jedem Kind Schritt für Schritt. Er beschämt niemanden und schimpft nicht.

Die Kraft dieses Eifers kommt von Gott. „Es ist eine große Gnade Gottes, uns die Gelegenheit zu geben, mit ihm an der Sorge für seine Kinder teilzuhaben“, schreibt Papst Schenouda III., und: „Der Heilige Geist wirkt in uns, durch uns und mit uns.“21 Paulus sagt von sich und Apollos: „… wir sind Gottes Mitarbeiter“ (1. Kor 3:9a).

4. Der Dienst ist eine Brücke zwischen Gott und den Menschen

Die vierte Bestimmung ist ein Bild, das man genau verstehen muss:

Aus der Lehre unserer Päpste

Du sollst in deinem Dienst eine starke Brücke sein und weitergeben, was der Heilige Geist sagt. Die geistlichen Diener sind die, die von Gott nehmen und ihren Kindern geben; sie geben nicht aus ihren eigenen Mitteln.22

– Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 5

Papst Schenouda III. vergleicht den Dienst mit der Jakobsleiter: „Da hatte er einen Traum: Er sah eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr stiegen Engel Gottes auf und nieder“ (Gen 28:12). Die Engel stiegen hinauf mit den Anliegen der Menschen und herab mit Gottes Antwort. So machen es die Diener: Sie bringen ihre Kinder im Gebet vor Gott und bitten ihn um das rechte Wort, wenn sie den Mund öffnen (vgl. Eph 6:19). Dann geben sie weiter, was sie von Gott empfangen haben.23

Jakobs Traum (Gen 28:12): Die Engel steigen auf und nieder – Bild für den Dienst, der von Gott empfängt und weitergibt

Eine Brücke ist aber kein Mittler. Die Schrift sagt klar: „Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus“ (1. Tim 2:5). Der Diener steht nicht zwischen Gott und den Kindern, als könnten sie Gott nur durch ihn erreichen. Das Bild der Brücke meint zwei Bewegungen: empfangen und weitergeben. Der Diener empfängt von Gott und von der Kirche – das Wort der Schrift, den Glauben der Väter, die Liebe Gottes – und gibt es weiter, nicht seine eigenen Ideen. Und er betet für die Kinder; dieses Gebet der Gläubigen füreinander heißt Fürbitte. Das Ziel ist, dass die Kinder selbst zu Christus finden: selbst beten, die Schrift lieben, an der Liturgie teilnehmen und die Sakramente empfangen. Eine gute Brücke führt ans andere Ufer, nicht zu sich selbst.

5. Der Dienst ist Vorbild

Die fünfte Bestimmung fasst mehrere Abschnitte des Kapitels zusammen: Verantwortung, Vorbild und Fülle.

Verantwortung und Talent. Der Dienst ist ernst. Papst Schenouda III. erinnert daran, dass der Diener „in dieser Lebensphase des Kindes die einzige Quelle religiöser Erziehung sein“ könnte. Einmal wird Gott fragen, wie im Gleichnis vom Verwalter: „Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung!“ (Lk 16:2). Darum: „Erinnern wir uns immer daran, dass der Dienst keine Tätigkeit ist, sondern eine Verantwortung und ein Talent, das wir Gott mit Gewinn darbringen sollen.“24 Du kennst das Gleichnis von den Talenten (Mt 25:14⁠–⁠30): Gott vertraut jedem etwas an, und er freut sich über den, der damit arbeitet.

Vorbild. „So ist der Lehrer im Dienst wichtig – nicht die Lektion“, schreibt Papst Schenouda III. Die Kinder „brauchen ein gutes Vorbild, dem sie folgen können, an dem sie das Christentum in der Praxis sehen“.25 Manche Sonntagsschullehrer sind weder besonders redegewandt noch gelehrt und haben doch großen Einfluss: Ihre Art zu sprechen und ihre ruhigen, lächelnden Züge lehren die Kinder mehr als eine Lektion.26 Papst Schenouda III. nennt das den stillen Dienst:

Aus der Lehre unserer Päpste

Das Predigen durch das Vorbild nennt man den stillen Dienst. Dabei lehrt ein Mensch, ohne zu sprechen. Die Menschen lernen allein aus seinem Verhalten; sein Leben ist eine Predigt – nicht seine Worte.27

– Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 10
Begriff
stiller Dienst

Der stille Dienst ist das Lehren durch das eigene Leben: Die Kinder lernen aus dem, was sie am Diener sehen – wie er betet und spricht, wie er mit anderen und mit eigenen Fehlern umgeht –, oft mehr als aus dem, was er sagt.

Fülle und Überfließen. Niemand kann geben, was er nicht hat. „Du sollst zuerst selbst ein Leben mit Christus haben sowie Gemeinschaft mit ihm, damit du anderen Leben geben kannst.“ Papst Schenouda III. zitiert einen Spruch, der unter den Dienern bekannt ist: „Du kannst nicht überfließen, wenn du nicht voll bist.“28 Selbst die Apostel, die drei Jahre mit dem Herrn gelebt hatten, sollten nicht sofort losgehen. Er sagte ihnen: „Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet“ (Lk 24:49b). Nach Pfingsten begannen sie ihre weltweite Verkündigung. Christus ist gekommen, „damit sie das Leben haben und es in Fülle haben“ (Joh 10:10b); der Diener gibt aus dieser Fülle weiter. Er lädt die Kinder ein, selbst Gottes Güte zu erfahren: „Kostet und seht, wie gütig der Herr ist; wohl dem, der zu ihm sich flüchtet!“ (Ps 34:9; LXX 33). Darum gilt für jeden Diener der Leitvers des Kurses: „Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören“ (1. Tim 4:16).

Geist statt Formalität: das Herz vor der Zunge

Papst Schenouda III. kennt die Gefahr, dass der Dienst zur Routine wird:

Aus der Lehre unserer Päpste

Manche meinen vielleicht, der Dienst sei nur das Äußere: das Vorbereitungsbuch, die Anwesenheitslisten und die Besuche. Das ist nicht alles, was der Dienst umfasst – der Dienst ist vor allem anderen Geist. Er ist der Geist des Dieners, den er seinen Kindern weitergibt, der Geist, in dem er lehrt und mit ihnen umgeht; er ist sein Herz vor seiner Zunge, die Wärme seines Herzens vor seiner gesprochenen Botschaft.29

– Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 14

Vorbereitung und Besuche helfen, für die Kinder zu sorgen. Entscheidend ist, ob du dich den Kindern zuwendest. Stell dir zwei Diener vor: Der eine hält seine Stunde pünktlich, fragt aber kein Kind, wie es ihm geht. Der andere begrüßt jedes Kind beim Namen, merkt, wer traurig ist, und betet am Abend für das Kind, das fehlt. Beide haben „eine Stunde gehalten“; gedient hat der zweite. Christus sagt: „Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben“ (Joh 6:63b).

Dieser Geist wirkt auf den Diener zurück: Der Dienst ist ein „Weg zum geistlichen Wachstum“, „nicht nur für die Kinder, sondern auch für den Lehrer“.30 In Die Geistlichen Mittel schreibt er: „Der Dienst stärkt die Geistlichkeit des Dieners. Und die Geistlichkeit des Dieners stärkt den Dienst. Indem man dient, gibt man und nimmt.“31 Die Lektion, die du vorbereitest, ist zuerst eine Lektion für dich.

Das Ziel: ein Anteil am Himmel

Wozu das alles? Papst Tawadros II. beschreibt die Kirche als Mutter, die den Menschen sein ganzes Leben begleitet: Von Geburt an nimmt sie ihn mit dem Gebet über dem Wasserbecken und dem Sakrament der Taufe auf und geht mit ihm durchs Leben, bis sie ihn in den Himmel verabschiedet.32 Die Sonntagsschule ist ein Teil dieses Weges. Daraus folgt ihr Ziel:

Aus der Lehre unserer Päpste

Wir können Aktivitäten und Kirchenfeiern organisieren. Das ist alles gut. Aber das Hauptziel mit höchster Priorität ist, dass die Menschen, die an den Sonntagsschulklassen und den vielen wichtigen pädagogischen und hochwertigen Treffen in allen Formen teilnehmen, einen Anteil am Himmel haben.33

– Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 24

Das ist der Maßstab für alles in der Sonntagsschule und in jedem anderen Dienst: Ausflüge, Spiele und Feste sind gut, wenn sie diesem Ziel dienen, und leer, wenn sie es ersetzen. Gott selbst „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1. Tim 2:4). Der Diener teilt diesen Willen Gottes.

Dabei „macht“ der Diener den Himmel nicht. Das Heil ist Gottes Geschenk; der Diener führt, betet und bereitet den Weg. Abuna Tadros Y. Malaty sagt es von Christus, dem Lehrer: „Das erste Anliegen des Herzens unseres göttlichen Lehrers ist es, uns durch seine Gnade in seinen Himmel zu versetzen.“34 Wer mit Christus lebt, betet und an den Sakramenten teilhat, kostet schon jetzt etwas vom Himmel. Darum reden wir, so Abuna Tadros Y. Malaty, „nicht nur über den Himmel“, sondern laden andere ein, ihn mit uns zu erfahren.35

Für den Dienst

Prüfe an deiner eigenen Klasse oder an deinem Dienst, ob du in den letzten Wochen „eine Stunde gehalten“ oder gedient hast. Die fünf Bestimmungen helfen dir dabei:

  • Liebe: Kenne ich jedes Kind beim Namen und weiß, wie es ihm geht? Habe ich mit meinen Mitdienern und mit Abuna besprochen, wie wir die Fehlenden erreichen?
  • Geben: Habe ich allen gegeben – auch dem stillen, dem unruhigen und dem Kind, das selten kommt?
  • Eifer: Liegt mir das Heil der Kinder am Herzen oder nur ein ruhiger Ablauf? Ist mein Eifer freundlich, nicht streng?
  • Brücke: Habe ich für die Kinder gebetet? Habe ich weitergegeben, was die Kirche lehrt, und nicht nur meine eigenen Gedanken?
  • Vorbild: Sehen die Kinder an mir, was ich ihnen sage – während und nach der Stunde, auch im Internet?

Beginne in dieser Woche eine Gebetsliste für deine Klasse oder die Gruppe, in der du dienst: Schreib die Vornamen der Kinder auf und bete jeden Tag für einige von ihnen, besonders für die, die fehlen oder es schwer haben. Die Liste ist nur für dein Gebet; du gibst sie nicht weiter. Und bereite deine nächste Lektion zuerst für dich vor: Lies den Bibeltext betend und frag, was Gott dir damit sagt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Unterricht gibt Wissen weiter; Dienst führt Seelen zu Gott. Nach Papst Schenouda III. ist der Diener „nicht bloß ein Lehrer oder ein Wissensspeicher“.
  • Fünf Bestimmungen tragen den Dienst: Er ist Liebe, Geben an alle, heiliger Eifer, eine Brücke zwischen Gott und den Menschen und Vorbild.
  • Liebe schafft Vertrauen; ohne Liebe wird der Dienst „trocken, routinemäßig und ohne Geist und ohne Früchte“.
  • Heiliger Eifer ist ein Feuer im Herzen für das Heil der anderen, aber nicht streng und nicht hochmütig.
  • Der Diener ist Brücke, weil er von Gott empfängt und weitergibt; der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen ist Christus (1. Tim 2:5).
  • Der stille Dienst lehrt durch das Leben; man kann nur überfließen, wenn man selbst voll ist.
  • Der Dienst ist „vor allem anderen Geist“: das Herz vor der Zunge.
  • Das Hauptziel der Sonntagsschule ist nach Papst Tawadros II., dass die Kinder „einen Anteil am Himmel haben“.

Zum Weiterlesen

  • Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 1⁠–⁠3.
  • Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 11 „Der Dienst und seine Erfolgsbedingungen“.
  • Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, „Die Stellung der Kirche“ (S. 23⁠–⁠27).
  • Augustinus, Vom ersten katechetischen Unterricht, Kap. 1⁠–⁠4 (BKV 1. Reihe 49).
  • Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 1⁠–⁠3 (BKV 1. Reihe 31).

Anmerkungen

  1. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Einleitung.↑

  2. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I.↑

  3. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. II, Nr. 4.↑

  4. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. II, Nr. 4.↑

  5. Vgl. Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 11.↑

  6. Abuna Tadros Y. Malaty, Orthodox Thought and Instruction in the Orthodox Church, South Brunswick 2012, S. 2.↑

  7. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 1.↑

  8. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 1.↑

  9. Ebd.↑

  10. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 1.↑

  11. Augustinus, Vom ersten katechetischen Unterricht, Kap. 4,8.↑

  12. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 2.↑

  13. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 3. Dogmen sind die verbindlichen Glaubenssätze der Kirche.↑

  14. Ebd.↑

  15. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 3.↑

  16. Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 2.↑

  17. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 4.↑

  18. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 1, Abschnitt „Eifer ist ein Feuer, das brennt“.↑

  19. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3.↑

  20. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 1, Abschnitt „Schritt für Schritt mit ihnen gehen“.↑

  21. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 4.↑

  22. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 5.↑

  23. Vgl. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 5.↑

  24. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 9.↑

  25. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 10.↑

  26. Vgl. ebd.↑

  27. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 10.↑

  28. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 11.↑

  29. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 14.↑

  30. Papst Schenouda III., The Spiritual Ministry, Kap. I, Nr. 15.↑

  31. Papst Schenouda III., Die Geistlichen Mittel, Kap. 11; „Geistlichkeit“ meint hier das geistliche Leben.↑

  32. Vgl. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 24. Das Gebet über dem Wasserbecken betet der Priester am siebten bzw. achten Tag nach der Geburt für das Kind, noch vor der Taufe; vgl. Dienstgebete außerhalb der Kirche, S. 9; zum achten Tag Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 709.↑

  33. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 24.↑

  34. Abuna Tadros Y. Malaty, Orthodox Thought and Instruction in the Orthodox Church, S. 3.↑

  35. Vgl. ebd.↑

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