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Thema 23 · Vortrag 1

Umkehr und Beichte

Die Rückkehr zu Gott als Lebenshaltung und das Sakrament der Buße und Beichte

17 Min. LesezeitUmkehr, Beichte und geistlicher Kampf

Lernziele

  1. Buße mit der Schrift und Papst Schenouda III. definieren und die Bestandteile der Beichte nennen.
  2. Die Beichte vor dem Priester mit Joh 20:22⁠–⁠23 und dem heiligen Basilius begründen.
  3. Erklären, dass der Priester nicht die Quelle der Vergebung ist, sondern sie im Auftrag Gottes mitteilt.
  4. Einen altersgerechten Beichtspiegel für Kinder entwerfen.

Schlüsselbegriffe

Umkehr (Buße) · metanoia · Reue · Gewissenserforschung · Bekenntnis · Vorsatz · Absolution · Sakrament der Buße und Beichte · Vollmacht zu binden und zu lösen · Beichtvater · geistliche Begleitung · Heilmittel · Beichtspiegel · Beichtgeheimnis

Bibelstellen

Mk 1:15; Lk 15:17⁠–⁠20; Lk 15:24; Mt 6:12; Röm 6:4; Joh 20:22⁠–⁠23; Mt 18:18; Mt 3:6; Apg 19:18; Ps 51:3⁠–⁠4; Mt 18:21⁠–⁠22; Lk 22:61⁠–⁠62; Joh 21:15⁠–⁠17; Lk 19:8; Mt 5:24; 1. Tim 2:5; Mk 10:14; 2. Kor 5:18

Inhalt

Umkehr ist mehr als ein guter Vorsatz nach einem schlechten Tag. Sie ist die Bewegung, mit der ein Mensch sein ganzes Leben lang zu Gott zurückkehrt, und die Kirche schenkt ihr im Sakrament der Buße und Beichte einen festen Ort. Was die Beichte ist und wie sie abläuft, kennst du aus Buch 1, Kapitel 7 („Die sieben Sakramente – Beichte ausführlich“). Hier geht es um ihren Grund in der Schrift und bei den Vätern und um die geistliche Begleitung durch den Beichtvater. Wer dient, beichtet selbst regelmäßig und hilft den Kindern – in der Klasse wie in der Familie –, ohne Angst zur Beichte zu gehen.

Umkehr als Lebenshaltung

Was Umkehr heißt

Begriff
Umkehr (Buße)

Das griechische Wort des Neuen Testaments für Umkehr heißt metanoia, Sinnesänderung. Im Deutschen sagen wir Umkehr oder Buße; beide Wörter meinen dasselbe.

Jesus beginnt seine Verkündigung mit diesem Ruf: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1:15).

Papst Schenouda III. erklärt Umkehr von der Sünde her. Wenn die Sünde Trennung von Gott ist, dann ist die Buße die Rückkehr zu ihm.1 Er bestimmt sie genauer:

Aus der Lehre unserer Päpste

Buße ist also Verlassen der Sünde aus Liebe zu Gott und der Gerechtigkeit. Nicht jedes Verlassen der Sünde wird als Buße angesehen. […] Was die wahre Buße betrifft – sie ist die praktische, geistliche und seelische Abkehr von der Sünde vom Herzen, aus Liebe zu Gott, Seinen Geboten und Seinem Königreich und die Sorge des Büßers für seine Ewigkeit.2

– Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Eins, Abschnitt 1

Umkehr ist also mehr als ein Verhalten: Wer eine Sünde nur aus Angst, aus Verlegenheit oder weil sich keine Gelegenheit bietet, unterlässt, ist noch nicht umgekehrt. Ihr Antrieb ist die Liebe. Papst Schenouda III. sagt an anderer Stelle sogar, Buße sei „nicht meine Ankunft bei der Tugend, sondern meine Ankunft bei Dir“.3 Es geht nicht darum, ein besserer Mensch zu werden, sondern zu Gott heimzukommen.

Das Bild dafür hat Christus selbst gemalt. Der verlorene Sohn ging in sich (Lk 15:17) und sagte: „Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt“ (Lk 15:18). Und der Vater wartet nicht auf eine lange Rede: „Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn“ (Lk 15:20b). Zur Umkehr gehören also zwei: der Mensch, der aufbricht, und Gott, der ihm entgegenläuft.

Der Vater läuft dem heimkehrenden Sohn entgegen (Lk 15:20).

Nicht eine Phase, sondern ein Leben

Papst Schenouda III. schreibt: „Buße ist der Anfang des Weges zu Gott, sie ist ein Freund auf dem Weg bis zum Ende.“ Sie ist tägliche Arbeit, weil wir jeden Tag sündigen.4 Darum bitten wir im Vaterunser: „Und erlass uns unsere Schulden“ (Mt 6:12a). Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty sieht darin auch den Sinn der Vollmacht, die Christus nach seiner Auferstehung gab: Er wollte zeigen, „dass die Welt stets Buße und Beichte braucht“.5

Der heilige Johannes Chrysostomus lädt deshalb in seinen Predigten (Homilien) über die Buße alle in die Kirche ein, Sünder wie Gerechte: „Bist du ein Sünder, so gehe in die Kirche, um deine Sünden zu bekennen; bist du gerecht, so gehe hinein, um die Gerechtigkeit nicht zu verlieren: denn für Beide ist die Kirche ein Hafen.“6

Das Sakrament der Buße und Beichte

Die Erneuerung der Taufgnade

In der Taufe sind wir mit Christus gestorben und auferstanden: „Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben“ (Röm 6:4). Die Taufe wird nicht wiederholt, denn der Mensch wird nur einmal geistlich geboren.7 Was geschieht aber, wenn ein Getaufter wieder sündigt? Das Buch der Diözese Damals wie Heute antwortet:

„Wenn wir jedoch nach der Taufe wieder in Sünde fallen, empfangen wir keine zweite Taufe, sondern haben die Gnade, unsere Taufe durch Reue und Beichte zu erneuern. Denn die wahre Reue ist selbst eine Form der Auferstehung.“8

Darum haben manche die Buße „eine zweite Taufe“ genannt.9 Gemeint ist nicht ein zweites Taufbad, sondern dass die Gnade der Taufe neu aufleuchtet. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn endet mit dem Satz: „… mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden“ (Lk 15:24).

Die Bestandteile der Beichte

Beichten heißt mehr, als dem Priester etwas zu erzählen. Papst Schenouda III. fasst zusammen, was der Priester in der Beichte wahrnimmt: „Wenn der Sünder seine Sünde bekennt, seine Abkehr von ihr und seinen festen Willen, sie zu lassen, zeigt, teilt ihm der Priester die Vergebung der Sünden mit“.10 Daraus ergeben sich die Bestandteile:

Tabelle 66 · Die Bestandteile der Beichte
Bestandteil Was geschieht
Gewissenserforschung Du nimmst dir vor der Beichte Zeit, siehst ehrlich auf dein Leben und fragst nach deinen Sünden und ihren Ursachen.
Reue Du empfindest Schmerz darüber, dass du Gott und Menschen verletzt hast, und wendest dich innerlich von der Sünde ab.
Bekenntnis Du bekennst deine Sünden vor Gott in Gegenwart des Priesters, ehrlich und ohne dich zu rechtfertigen.
Vorsatz Du willst die Sünde lassen und bittest Gott um die Kraft dazu.
Absolution Der Priester betet das Absolutionsgebet; durch seinen Mund vergibt dir Gott.

Zur Gewissenserforschung rät Papst Schenouda III. zu einer „Sitzung“ mit dir selbst. Du sollst deine Sünden entdecken, die Gründe deiner Stürze erkennen – äußere Anlässe, Gewohnheiten, den Einfluss anderer – und sie im Gebet Gott offenbaren.11 Wer nur allein vor Gott bekennt, übersieht leicht vieles: Er „rechnet möglicherweise vieles nicht als Sünde“.12

Die Reue ist das Herz der Beichte. Ohne sie wäre das Bekenntnis ein Bericht. Papst Schenouda III. warnt davor, die Beichte als „Abrechnung eines alten Kontos“ zu verstehen; sie ist ein Zeichen der Buße, und darum braucht der Beichtende „Demut, Reue und Unterwerfung“.13 Das Gebet Davids in Ps 51 (LXX 50), in der Agpeya der 50. Psalm, ist das Gebet jedes Büßers:

Heilige Schrift

Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld,
tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
Wasch meine Schuld von mir ab
und mach mich rein von meiner Sünde!

Ps 51:3⁠–⁠4

Der Vorsatz ist kein Schwur. Papst Schenouda III. rät ausdrücklich, daraus kein Gelübde zu machen, als könnte man sich aus eigener Kraft bessern. Der Vorsatz ist „ein heiliger Wunsch, durch den du Gott deinen Willen und deine Entschlossenheit offenbarst, damit Er dir die Kraft gebe, sie umzusetzen“.14

Begriff
Absolution

Die Absolution ist das Gebet des Priesters, in dem Gott vergibt. Sie „ist nichts anderes als ein Gebet, das der Priester für den Sünder erhebt“.15

Zur gelebten Umkehr gehört auch die Wiedergutmachung, soweit sie möglich ist.16 Zachäus sagte: „Wenn ich von jemand zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zurück“ (Lk 19:8b); und der Herr sagt: „… geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder“ (Mt 5:24b).

Die Vollmacht: Warum vor dem Priester?

Das Wort des Auferstandenen

Warum einem Menschen die Sünden sagen, wenn doch Gott vergibt? Die Antwort steht im Evangelium. Am Abend des Auferstehungstages sagte Jesus zu seinen Jüngern:

Heilige Schrift

Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.

Joh 20:22⁠–⁠23

Schon vorher hatte er den Aposteln gesagt: „Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein“ (Mt 18:18). Diese Vollmacht zu binden und zu lösen hat Christus selbst gegeben. Sie ist durch die Handauflegung der Apostel bis heute weitergegeben worden.17

Auch das Bekennen vor anderen ist biblisch. Die Menschen am Jordan „bekannten ihre Sünden und ließen sich im Jordan von ihm taufen“ (Mt 3:6), und in Ephesus heißt es: „Viele, die gläubig geworden waren, kamen und bekannten offen, was sie (früher) getan hatten“ (Apg 19:18).

Die Väter bezeugen es

Der heilige Basilius der Große beantwortet die Frage, wem man seine Sünden bekennen soll, mit genau diesen Schriftstellen:

Aus den Vätern

… so müssen die Sünden Denjenigen gebeichtet werden, denen die Ausspendung der Geheimnisse Gottes anvertraut ist. Denn so, finden wir, haben auch vor Alters die Büßer vor den Heiligen getan. Denn es steht im Evangelium geschrieben, dass sie dem Täufer Johannes ihre Sünden bekannten, und in der Apostelgeschichte den Aposteln, von denen auch Alle getauft wurden.18

– Hl. Basilius der Große, 313 kurzgefasste Vorschriften, Nr. 288

„Geheimnisse Gottes“ ist hier das alte Wort für die Sakramente: Beichten soll man denen, die die Sakramente spenden. Der heilige Johannes Chrysostomus staunt über diese Gabe. Die Priester, schreibt er, haben nicht nur bei der Taufe, „sondern auch noch nach derselben“ die Vollmacht, „unsere Sünden zu vergeben“.19 Und weiter: „Was die Priester hienieden auf Erden wirken, das macht wahr Gott oben im Himmel“.20

Der heilige Ambrosius von Mailand stellt eine Gegenfrage an alle, die meinen, sie würden Gott mehr ehren, wenn sie nur ihm allein die Vergebung zuschreiben. Wenn der Herr selbst gesagt hat: „Empfanget den heiligen Geist; denen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen …“ – „wer ehrt ihn dann mehr: derjenige, welcher seinen Weisungen Folge leistet, oder derjenige, welcher sich denselben widersetzt?“21

Vor Gott allein bekennen wir unsere Sünden auch jeden Tag im Gebet. Papst Schenouda III. sagt dazu: „Wir hindern niemand daran, vor Gott zu beichten, das ist ohnehin Pflicht. Aber die Beichte vor dem Priester gehört dazu“. In ihr erhält man Weisung für den Weg; denn „viele beichten vor Gott ihre Sünden, aber sie wissen nicht, wie sie sich davon befreien und umkehren können“.22 Was die Beichte sonst noch schenkt – Trost, Vertrauen und eine helfende Hand –, hast du in Buch 1, Kapitel 7, gelesen.

Der Priester teilt die Vergebung mit

Vergibt also ein Mensch Sünden? Nein. Papst Schenouda III. stellt klar:

Merksatz

Der Priester ist nicht die Quelle der Vergebung, sondern ist der, der die Vergebung mitteilt.23

Er erklärt weiter: „Die Vergebung geschieht durch Gott; der Priester ist nur sein Verwalter. Deshalb sagt der Priester niemals zum Sünder: Ich vergebe dir, ich spreche dich los, sondern er sagt: ‚Gott spricht dich los‘.“24 Die Vergebung kommt aus dem Blut Christi, und der Heilige Geist teilt sie durch den Mund des Priesters mit.25 Darum hängt die Gnade der Absolution auch nicht von den persönlichen Eigenschaften des Priesters ab.26 Der Priester ist Diener, nicht Herr: Er steht im Dienst des einen Mittlers Christus (vgl. 1. Tim 2:5).

Keine Grenze der Barmherzigkeit

Manche fürchten, Gott werde irgendwann nicht mehr vergeben, wenn sie immer wieder in dieselbe Sünde fallen. Die Kirche kennt keine solche Grenze. Petrus fragte den Herrn, ob er seinem Bruder siebenmal vergeben müsse. Jesus antwortete: „Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal“ (Mt 18:22). Wenn schon wir so vergeben sollen, wie viel mehr vergibt Gott!

Der heilige Basilius wurde gefragt, ob jemand, der nach der Taufe in viele Sünden gefallen ist, an seiner Rettung verzweifeln müsse. Seine Antwort: Die Sünden lassen sich zählen und messen, die Barmherzigkeit Gottes aber nicht; darum „ist keine Gelegenheit zur Verzweiflung, sondern zur Anerkennung der Barmherzigkeit und zur Verabscheuung der Sünden, deren Vergebung, wie geschrieben steht, im Blute Christi vorliegt“.27 Und der heilige Ambrosius fragt: „Nimmt man denn nicht den Antrieb zur Buße hinweg, wenn man immerfort die Verzeihung versagt? Kann doch füglich keiner Buße tun, der nicht auf Verzeihung hofft!“28

Die Zeit der Umkehr ist dieses Leben. Der heilige Cyprian von Karthago bittet: „Jeder – ich bitte euch, liebe Brüder! – bekenne seine Sünde, solange, er, der gesündigt hat, noch auf der Welt ist, solange sein Bekenntnis noch angenommen werden kann …“29 Der Gedanke soll nicht Angst machen, sondern einladen: Es ist nie zu spät, solange wir leben, und es ist immer gut, nicht aufzuschieben.

Beispiel

Der Apostel Johannes und der junge Räuber. Clemens von Alexandrien gibt eine Überlieferung weiter: Johannes vertraute einen jungen Mann einem Bischof an, der ihn in sein Haus aufnahm, ihm alle Liebe erwies und ihn taufte. Später aber geriet der junge Mann an schlechte Gefährten, glitt Schritt für Schritt ab und wurde Anführer einer Räuberbande, weil er „die Hoffnung auf die Rettung in Gott völlig aufgegeben hatte“. Als Johannes davon hörte, ritt er, obwohl er alt war, selbst ins Gebirge. Der junge Mann floh vor Scham, Johannes lief ihm nach und rief: „Warum fliehst du, mein Sohn, vor mir, vor deinem eigenen Vater …? Habe Mitleid mit mir, mein Sohn, fürchte dich nicht! […] Bleib stehen! Fasse Vertrauen! Christus hat mich gesandt.“ Da warf der junge Mann seine Waffen weg und weinte bitterlich. Johannes führte ihn zur Kirche zurück, betete und fastete mit ihm und blieb, bis er gefestigt war.30

Auch die Schrift zeigt es. Petrus hatte den Herrn dreimal verleugnet. „Da wandte sich der Herr um und blickte Petrus an. […] Und er ging hinaus und weinte bitterlich“ (Lk 22:61a.62). Nach der Auferstehung fragte ihn der Herr dreimal nach seiner Liebe und vertraute ihm dreimal seine Herde an (Joh 21:15⁠–⁠17). Wer umkehrt, wird nicht nur geduldet, sondern wieder in Dienst genommen.

Beichtvater und geistliche Begleitung

Mehr als Vergebung

Der Priester, bei dem du regelmäßig beichtest, ist dein Beichtvater. Wie Buch 1 zeigt, ist er zugleich geistlicher Führer, der dich lehrt und dir den Weg erklärt. Der Katechismus vergleicht ihn mit dem Taufpaten: Beide sind „vor Gott für den Gläubigen verantwortlich“, und die Beichte wird so zu einer Jüngerschaft, „nicht nur zu einer bestimmten Zeit in der Woche, sondern ununterbrochen“.31 So entsteht geistliche Begleitung: Du sprichst mit ihm nicht nur über Sünden, sondern über deinen ganzen Weg mit Gott.

Papst Schenouda III. beschreibt diese Begleitung als ein Verhältnis des Vertrauens zu einem geistlichen Vater: Der Beichtvater führt, lehrt und erklärt den geistlichen Weg. Er gibt nicht bloß Anweisungen, sondern führt mit Erfahrung, überzeugt das Herz und hilft seinem geistlichen Kind, in seiner eigenen Persönlichkeit vor Gott zu reifen.32

Übungen als Heilmittel

Manchmal gibt dir der Beichtvater eine Übung mit, etwa ein bestimmtes Gebet, ein Fasten oder eine Tat der Wiedergutmachung. Das Liturgiebuch Die sieben Sakramente nennt „Gebete, Fasten und gute Werke, deren Ziel die Stärkung auf dem rechten Weg ist“.33 Eine solche Übung ist keine Bezahlung für die Sünde. Die Vergebung kommt aus dem Blut Christi und ist Geschenk. Die Übung ist ein Heilmittel: Sie hilft, die Wurzel einer Sünde auszureißen und eine gute Gewohnheit an die Stelle der schlechten zu setzen.

Der Katechismus gibt dazu einen Rat des heiligen Basilius wieder: Wer mit seinem Leib gesündigt hat, soll ihn für die entgegengesetzte Tugend einsetzen. „Du hast gelästert? Preise Gott mit deinem Mund. Du hast gestohlen? Mache es durch gute Taten wieder gut. […] Du hast andere beneidet? Bete für die, die du beneidet hast.“34 Der heilige Johannes Chrysostomus beschreibt, mit welcher Weisheit der Priester dieses Heilmittel wie ein Arzt auf den einzelnen Menschen abstimmt: Er wird „nicht ohne Weiteres nach dem Maße der Fehltritte die Strafe verhängen, sondern … auch die Gesinnung der Sünder in Betracht ziehen“.35

Das Beichtgeheimnis

Was in der Beichte gesagt wird, bleibt beim Beichtvater. Dieses Beichtgeheimnis gehört zum Sakrament. Es schützt das Vertrauen, ohne das niemand ehrlich beichten könnte. Das Liturgiebuch Die sieben Sakramente sagt vom Beichtvater, dass er „das ihm Anvertraute unter dem Siegel des Sakraments treu verwahrt“.36

Kinder zur ersten Beichte begleiten

Als Diener hörst du keine Beichte; sie ist ein Sakrament und geschieht beim Priester. Du kannst Kinder aber gut darauf vorbereiten: ihnen erklären, was dort geschieht, und ihnen die Angst nehmen. Die Kirche gewöhnt die Kinder früh an die Beichte, zuerst in einem kurzen Gespräch mit dem Priester. Das Liturgiebuch Die sieben Sakramente sagt von jeder Beichte: „Die Beichte ist ein Gespräch. Der erfahrene Beichtvater wird dem Beichtenden dieses Gespräch leicht machen.“37 Wann ein Kind zum ersten Mal zum Priester geht, besprechen die Eltern mit dem Priester; du richtest dich danach. Die Kirche kennt auch einen eigenen Ritus, in dem der Pate das Kind dem Beichtvater übergibt, der es von nun an im geistlichen Leben begleitet.38

Ein freundliches Bild von Gott. Kinder sollen in der Beichte dem Vater begegnen, der entgegenläuft (Lk 15:20). Papst Schenouda III. warnt Diener: „Mache dem Kind nicht das Bild von Gott, das es fürchtet, und dass Gott darauf wartet, es zu bestrafen, … oder dass Gott nicht verzeiht“.39 Der Herr selbst sagt: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!“ (Mk 10:14b).

Ein Beichtspiegel nach dem Alter. Ein Beichtspiegel ist eine Reihe von Fragen, die bei der Gewissenserforschung helfen. Für Kinder muss er einfach, konkret und kurz sein. Ein Volksschulkind fragt sich: „Bin ich meinen Eltern gefolgt? Habe ich gelogen? Habe ich jemanden ausgelacht?“ Ein Jugendlicher in der Unterstufe oder Oberstufe braucht andere Fragen, etwa zu Freundschaften, zum Umgang mit dem Handy oder zu Neid und Ehrlichkeit in der Schule. Gute Fragen gehen von Gott und dem Nächsten aus, nicht von einer Liste von Verboten. Die Vorlage „Beichtspiegel nach Altersstufen“ im Arbeitsheft zeigt Beispiele.

Eine klare Grenze. Der Diener sammelt keine Geheimnisse und fragt Kinder nicht nach ihren Sünden aus. Wenn ein Kind dir von sich aus etwas Schweres anvertraut, hörst du ruhig zu und ermutigst es, mit seinem Beichtvater darüber zu sprechen. Deutet das Gehörte auf eine Not des Kindes hin, versprichst du keine Geheimhaltung, die du nicht halten kannst. Du sprichst mit Abuna; ist das Kind in akuter Gefahr, rufst du sofort selbst den Notruf. Das entspricht dem Vorgehen aus Thema 2 („Vorbild, Verhalten und Schutz“).

Für den Dienst

Der Diener beichtet selbst. Niemand kann Kinder zu einer Quelle führen, aus der er selbst nicht trinkt. Deine regelmäßige Beichte ist die Voraussetzung deines Dienstes. Als Richtschnur nennt das Sakramentenbuch: „Von einer Beichte zur anderen sollten nicht mehr als 40 Tage vergehen.“40 Das ist ein seelsorglicher Rat, kein Gesetz; dein Maß besprichst du mit deinem Beichtvater. Wer länger nicht zur Beichte war, ist nicht verstoßen, sondern kehrt im Gespräch mit dem Beichtvater zurück. Papst Schenouda III. schreibt dem Diener: „Wenn du in den Dienst trittst, erlaube dir nicht, deine Sünden zu vergessen. Lass nicht zu, dass dein Erfolg in irgendeiner geistlichen Arbeit dich deine Tränen und deine Reue vergessen lässt.“41 Gerade wer vor anderen als Vorbild dasteht, tut sich mit der Buße schwer.42 Umkehr ist kein Thema für die anderen; sie ist zuerst deine Sache.

Der Diener ist Bote der Versöhnung. Paulus schreibt, Gott habe „uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen“ (2. Kor 5:18b). Im Dienst an den Kindern, in der Familie und unter allen, mit denen du lebst, zeigst du den Weg zurück zu Gott, zuerst durch dein Beispiel. Sprich von der Beichte so, wie Johannes zum jungen Räuber sprach: „Fasse Vertrauen!“

Der Diener hat Geduld. Wer selbst immer wieder neu anfängt, wird geduldig mit Kindern, die dieselben Fehler wiederholen. Nimm dir den Satz des Ambrosius zu Herzen: Keiner kann umkehren, „der nicht auf Verzeihung hofft“. Ein Kind, das sich nach einem Fehler von dir angenommen fühlt, lernt leichter, dass auch Gott es annimmt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Umkehr (Buße, metanoia) ist Rückkehr zu Gott. Mit Papst Schenouda III.: „Buße ist also Verlassen der Sünde aus Liebe zu Gott und der Gerechtigkeit.“
  • Umkehr ist keine einmalige Phase, sondern eine Lebenshaltung; die Kirche ist für Sünder und Gerechte ein Hafen.
  • In der Beichte erneuert der Getaufte seine Taufgnade; die Taufe selbst wird nicht wiederholt.
  • Bestandteile der Beichte sind Gewissenserforschung, Reue, Bekenntnis vor Gott in Gegenwart des Priesters, Vorsatz und Absolution; danach folgen gelebte Umkehr und Wiedergutmachung.
  • Die Vollmacht zur Vergebung hat Christus gegeben (Joh 20:22⁠–⁠23; Mt 18:18); der heilige Basilius lehrt, die Sünden denen zu beichten, „denen die Ausspendung der Geheimnisse Gottes anvertraut ist“.
  • Der Priester ist nicht die Quelle der Vergebung, sondern ist der, der die Vergebung mitteilt.
  • Gottes Barmherzigkeit kennt keine Grenze für den, der aufrichtig umkehrt; eine Übung, die der Beichtvater mitgibt, ist Heilmittel, keine Bezahlung.
  • Der Diener beichtet selbst und bereitet Kinder freundlich auf die Beichte vor. Die Kirche gewöhnt sie früh daran, zunächst in einem kurzen Gespräch mit dem Priester. Der Diener hört keine Beichte; sorgt er sich um ein Kind, spricht er mit Abuna.

Zum Weiterlesen

  • Papst Schenouda III.: Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Eins und Teil Vier, Nr. 1.
  • Papst Schenouda III.: Das Priestertum, Kap. 7.
  • Papst Schenouda III.: Jüngerschaft, Abschnitt „Von einem geistlichen Vater lernen“ (S. 55⁠–⁠63).
  • Die sieben Sakramente (Liturgiebuch, Kröffelbach 2017), Kap. 3 „Die Umkehr und das Sakrament der Beichte“.
  • Damals wie Heute. Die Kirche vor Nizäa, Kapitel „Die Reue und Beichte“ (S. 252⁠–⁠262).

Anmerkungen

  1. Vgl. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Eins, Abschnitt 1.↑

  2. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Eins, Abschnitt 1.↑

  3. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Sechs, Abschnitt „Andere Mittel“.↑

  4. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Vorwort (S. 8).↑

  5. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 729.↑

  6. Johannes Chrysostomus, Homilien über die Buße, Homilie 2,1.↑

  7. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 710.↑

  8. Damals wie Heute, S. 252.↑

  9. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Eins, Abschnitt 1.↑

  10. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 7.4.↑

  11. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Drei, Nr. 1.↑

  12. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 7.5.↑

  13. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Vier, Nr. 1.↑

  14. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Drei, Nr. 1.↑

  15. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 7.4.↑

  16. Vgl. Die sieben Sakramente, S. 43 und S. 58.↑

  17. Vgl. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 2.6.↑

  18. Basilius, 313 kurzgefasste Vorschriften, Nr. 288.↑

  19. Johannes Chrysostomus, Über das Priestertum, Buch III, Kap. 6.↑

  20. Ebd., Buch III, Kap. 5.↑

  21. Ambrosius, Über die Buße, Buch I, Kap. 2.↑

  22. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 7.5.↑

  23. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 7.4.↑

  24. Ebd.↑

  25. Vgl. ebd., Kap. 7.4⁠–⁠7.5.↑

  26. Vgl. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Vier, Nr. 1.↑

  27. Basilius, 313 kurzgefasste Vorschriften, Nr. 13.↑

  28. Ambrosius, Über die Buße, Buch I, Kap. 1.↑

  29. Cyprian, Über die Gefallenen, Kap. 29.↑

  30. Vgl. Clemens von Alexandrien, Welcher Reiche wird gerettet werden?, Kap. 42.↑

  31. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 761.↑

  32. Vgl. Papst Schenouda III., Jüngerschaft, Abschnitt „Von einem geistlichen Vater lernen“, Einleitung und Nr. 1⁠–⁠2 und 5 (S. 55⁠–⁠57).↑

  33. Die sieben Sakramente, S. 56.↑

  34. Nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 745.↑

  35. Johannes Chrysostomus, Über das Priestertum, Buch II, Kap. 4.↑

  36. Die sieben Sakramente, S. 55.↑

  37. Die sieben Sakramente, S. 47.↑

  38. Vgl. Die sieben Sakramente, S. 57.↑

  39. Papst Schenouda III., Wie man mit den Kindern umgeht, Abschnitt „Einschüchterung“ (S. 36).↑

  40. Die sieben Sakramente, S. 58.↑

  41. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Vier, Nr. 5.↑

  42. Vgl. ebd., Teil Eins, Abschnitt 7.↑

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