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Thema 25 · Vortrag 1

Die eine, heilige, allumfassende und apostolische Kirche

Leib, Braut und Mutter – die Kennzeichen der Kirche und die Nachfolge der Apostel

18 Min. LesezeitDie Kirche und die Gemeinschaft der Heiligen

Lernziele

  1. Die vier Kennzeichen der Kirche aus dem Glaubensbekenntnis erklären.
  2. Die Kirche als Leib Christi, Braut und Mutter mit je einer Bibel- oder Väterstelle beschreiben.
  3. Die apostolische Sukzession mit der Schrift und dem heiligen Irenäus erklären.

Schlüsselbegriffe

Kirche · Leib Christi · Braut Christi · Mutter der Gläubigen · Arche des Heils · vier Kennzeichen der Kirche · katholisch (allumfassend) · apostolische Sukzession (Nachfolge der Apostel) · Handauflegung · kämpfende Kirche · triumphierende Kirche

Bibelstellen

1. Kor 12:27; Kol 1:18a; 1. Kor 12:13; 1. Kor 12:26; 1. Kor 10:17; Eph 5:25⁠–⁠27; Eph 5:32; Gal 4:26; 1. Petr 3:20b–21a; Joh 3:5b; Mk 16:16; 1. Tim 2:4; Röm 2:12⁠–⁠16; Lk 12:48b; Apg 17:30; 1. Kor 5:13a; Jak 4:12; Eph 4:4⁠–⁠6; Joh 17:21; 1. Petr 1:16b; Kol 3:11; Eph 2:20; Apg 2:42; Apg 2:47; Joh 20:21b; Mt 28:20b; Apg 13:3; 2. Tim 1:6b; Mt 16:16b; Mt 16:18b; Joh 16:33; Hebr 12:22; Eph 4:12; Mt 18:20; Hebr 10:25a

Inhalt

Im Glaubensbekenntnis sprechen wir: „Wir glauben an die eine, heilige, apostolische und universale Kirche.“1 Du dienst in der Kirche, die dich sendet; die Kinder und Jugendlichen, denen du dienst, sind durch die Taufe ihre Glieder geworden. Ihre vier Kennzeichen kennst du aus Buch 1, Kapitel 4 („Das Glaubensbekenntnis“).

Was ist die Kirche?

Das griechische Wort des Neuen Testaments für die Kirche, ekklesia, bedeutet „Versammlung“. Papst Tawadros II. nennt drei Bedeutungen des Wortes „Kirche“: den geweihten Ort, an dem sich die Gläubigen versammeln, die Priester, die für den Dienst der Kirche bestellt sind, und vor allem „die Versammlung der Gläubigen in der ganzen Welt (Mt 18:20), die ein heiliges Leben führt und an den göttlichen Mysterien teilnimmt …“.2 Er warnt davor, die Kirche zu klein zu denken:

„Die Kirche ist nicht nur ein materielles Gebäude, sondern die Glieder des Leibes Christi. Die Kirche ist nicht nur eine irdische Institution, sondern das Leben in Christus. Die Kirche ist nicht nur eine menschliche Gemeinschaft, sondern die Gemeinschaft der Heiligen mit Christus.“3

Die Kirche ist nicht von Menschen erdacht. Das Diözesanbuch Damals wie Heute sagt: „Jesus Christus selbst hat die Kirche als sichtbares Werkzeug der Erlösung gegründet, damit jeder, der an Seinem Heil teilhaben möchte, in ihr den Zugang dazu finde.“ Diese heilige Gemeinschaft sei „kein Museum für Vollkommene, sondern ein geistliches Krankenhaus für Schwache und Gebrochene“.4

Begriff
Kirche

Die Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen, die durch die Taufe Glieder des Leibes Christi geworden sind. Christus ist ihr Haupt; der Heilige Geist schenkt ihr das Leben. Sie ist auf die Apostel gegründet, bewahrt ihren Glauben und empfängt in den Sakramenten das Heil. Zu ihr gehören die Gläubigen auf Erden und die Heiligen, die schon bei Gott sind.

Im Glaubensbekenntnis steht die Kirche gleich nach dem Heiligen Geist, weil der Geist in ihr wirkt. Durch die Sakramente macht er wahr, dass die Kirche der Leib Christi ist; die Taufe ist „die Tür, durch die die Glieder Christi geboren werden“.5 Das Wirken des Geistes hast du in Thema 24 („Der Heilige Geist“) kennengelernt.

Leib, Braut, Mutter: die Bilder der Schrift

Die Kirche ist ein Geheimnis, das größer ist als jede Beschreibung. Darum spricht die Schrift in Bildern von ihr: Leib, Braut und Mutter; dazu kommt das Bild der Arche.

Der Leib Christi

Paulus schreibt: „Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm“ (1. Kor 12:27). Über Christus sagt er: „Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche“ (Kol 1:18a). Das Bild sagt dreierlei. Erstens: Christus und die Kirche gehören untrennbar zusammen wie Haupt und Leib; die Kirche lebt nicht aus eigener Kraft, sondern aus ihm. Zweitens: Wir werden durch die Taufe in diesen Leib aufgenommen: „Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt“ (1. Kor 12:13). Drittens: Die Glieder brauchen einander. „Wenn darum ein Glied leidet, leiden alle Glieder mit; wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm“ (1. Kor 12:26).

Was den Leib zusammenhält, ist vor allem die Eucharistie. Der Ausdruck „Leib Christi“ zeigt nach Papst Tawadros II., „dass die Kirche im Geheimnis der Danksagung (Kommunion) geeint ist, denn die Eucharistie schafft die Einheit der Kirche“.6 Paulus sagt: „Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1. Kor 10:17). Schon der heilige Ignatius von Antiochien, Bischof und Märtyrer, schreibt an die Gemeinde von Smyrna: „Wo immer der Bischof sich zeigt, da sei auch das Volk, so wie da, wo Jesus Christus ist, auch die katholische Kirche ist.“7

Die Braut Christi

Paulus vergleicht die Liebe Christi zur Kirche mit der Liebe eines Bräutigams:

Heilige Schrift

Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos.

Eph 5:25⁠–⁠27

Er fügt hinzu: „Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche“ (Eph 5:32). Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty nennt die Kirche darum „die Ikone ihres Bräutigams“: „Sie trägt ihn in sich und geht unter der Führung des Heiligen Geistes ihren Weg im Herrn.“8 Christus hat die Kirche also nicht gegründet wie einen Verein; er liebt sie, gibt sich für sie hin und heiligt sie. Die Kirche antwortet mit Treue.

Die Mutter der Gläubigen

Paulus sagt: „Das himmlische Jerusalem aber ist frei, und dieses Jerusalem ist unsere Mutter“ (Gal 4:26). Damals wie Heute erklärt: „Die Kirche wird nicht nur deshalb Mutter genannt, weil sie uns in Christus neu geboren hat, sondern auch, weil sie uns von Anfang an in Ihm erzieht, uns mit der lebenspendenden Milch nährt, uns zurechtweist und uns sowohl in Trauer als auch in Freude begleitet.“9 Papst Tawadros II. beschreibt, wie die Kirche den Menschen von Geburt an mit der Taufe annimmt und „mit ihm durchs Leben“ geht, „bis sie ihn in den Himmel verabschiedet“.10

Am bekanntesten hat der heilige Cyprian, Bischof von Karthago in Nordafrika und Märtyrer im 3. Jahrhundert, die Bilder Braut und Mutter verbunden. Er schrieb gegen eine Spaltung, die die Kirche seiner Zeit bedrohte:

Aus den Vätern

Zum Ehebruch lässt sich die Braut Christi nicht verführen, sie ist unbefleckt und züchtig. Nur ein Haus kennt sie, die Heiligkeit eines Schlafgemachs bewahrt sie in keuscher Scham. Sie ist es, die nur für Gott errettet, sie weist die Kinder, die sie geboren hat, seinem Reiche zu. … Gott kann der nicht mehr zum Vater haben, der die Kirche nicht zu[r] Mutter hat.11

– Hl. Cyprian von Karthago, Über die Einheit der katholischen Kirche, Kap. 6

Die Arche des Heils

Bei der Sintflut wurden „nur wenige, nämlich acht Menschen, durch das Wasser gerettet. Dem entspricht die Taufe, die jetzt euch rettet“ (1. Petr 3:20b–21a). Darum sieht die Kirche in der Arche ihr Bild. Sie ist „die Arche des Neuen Testaments“: Sie birgt und schützt die Menschen und führt sie zu einem Leben, das dem der Engel gleicht.12 Cyprian sagt im selben Kapitel: „Wenn irgendeiner zu entrinnen vermochte, der außerhalb der Arche Noes war, nur dann mag auch einer entkommen, der draußen, außerhalb der Kirche steht.“13

Die Kirche – die Arche des Heils (vgl. 1. Petr 3:20⁠–⁠21)

Das Heil in der Kirche und die Barmherzigkeit Gottes

Der Satz des heiligen Cyprian klingt hart. Cyprian schreibt gegen die Spaltung: Wer sich bewusst von der Kirche trennt und „außerhalb der Kirche sammelt“,14 trennt sich von dem Ort, an dem Christus das Heil schenkt. Diesen Weg hat Christus selbst gezeigt: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen“ (Joh 3:5b). „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“ (Mk 16:16). Zugleich sagt die Schrift von Gott: „er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1. Tim 2:4). Darum gilt für uns:

Merksatz

Wir geben treu weiter, was wir aus der Heiligen Schrift und der Überlieferung als notwendig für unser Heil empfangen haben – den Glauben an Christus, die Taufe (Joh 3:5; Mk 16:16) und das Leben in seiner Kirche (Apg 2:42.47). Wer das Gesetz Gottes nicht empfangen hat, wird nach dem gerichtet, was ihm gegeben war (Röm 2:12⁠–⁠16; Lk 12:48b). Heute aber können die Menschen fast überall von Christus hören; wer von ihm hört, soll diese Gelegenheit nutzen und umkehren (Apg 17:30). Wer in den Himmel kommt, entscheiden nicht wir, und wir richten nicht darüber; das Urteil über jeden Menschen gehört allein Gott (1. Kor 5:13a; Jak 4:12).

Der Satz Cyprians zeigt, wie kostbar die Kirche ist; er gibt uns nicht das Recht, über einzelne Menschen zu richten.

Die vier Kennzeichen der Kirche

Das Glaubensbekenntnis nennt vier Eigenschaften der Kirche, die vier Kennzeichen: Sie ist eine, heilig, apostolisch und universal.15 Für „universal“ steht im koptischen Text des Bekenntnisses das griechische Wort „katholisch“; so nennt auch Papst Tawadros II. dieses Kennzeichen „Katholisch: (Universal)“.16

Eine

Die Kirche ist eine, weil Christus einer ist: „Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist“ (Eph 4:4⁠–⁠6). Der Katechismus nennt den Grund: „Alle Gläubigen haben eine Mutter, weil alle aus der einen Taufe geboren werden und eine Speise essen – den Leib des einen Herrn.“17 Die Formen können je nach Kultur verschieden sein, etwa in Ikonen und Hymnen; „in ihrem theologischen und geistlichen Denken“ ist die Kirche eins.18 Cyprian vergleicht sie mit der Sonne, die viele Strahlen, aber nur ein Licht hat.19

Und die vielen Spaltungen unter den Christen? Im Lauf der Geschichte kam es zu Spaltungen, auch durch Irrlehren, „aber die Kirche hat nie ihre Einheit verloren“; die Einheit der Kirchen müsse „im Glauben, in der Lehre und in der Unterweisung bestehen …, bevor sie äußerlich verwirklicht wird“.20 Zugleich sagt der Papst, es gebe „viele gläubige Versuche aus verschiedenen Richtungen, die Einheit der Kirche herbeizuführen“, und diese Bemühungen hätten „zu vielen positiven Fortschritten geführt“.21 Die Einheit ist ein Geschenk, für das wir danken, und ein Auftrag, für den wir beten (Joh 17:21).

Heilig

„Das Geheimnis der Heiligkeit der Kirche besteht darin, dass ihr Haupt der heilige Christus ist, der von Heiligkeit überströmt. Die Sendung der Kirche besteht darin, jeden zu heiligen, der sich ihr anschließt.“22 Christus hat sich für sie hingegeben, „um sie … rein und heilig zu machen“ (Eph 5:26); der Geist, der ihr das Leben schenkt, ist heilig. Darum gilt allen Gliedern: „Seid heilig, denn ich bin heilig“ (1. Petr 1:16b). Die Kirche ist heilig durch Christus, nicht weil ihre Glieder schon vollkommen wären. Wer sündigt, findet in ihr, dem „geistlichen Krankenhaus“, Umkehr und Heilung.

Apostolisch

Die Kirche ist auf die Apostel gegründet: „Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlussstein ist Christus Jesus selbst“ (Eph 2:20). Von der ersten Gemeinde heißt es: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten“ (Apg 2:42). Der Katechismus erklärt: „Bis heute trägt sie das apostolische Denken in sich und bewahrt den von den Aposteln überlieferten Glauben. Sie hat die apostolische Kontinuität nicht unterbrochen und keinem Irrlehrer gestattet, die Kirche zu leiten.“23

Katholisch (allumfassend)

Das Wort katholisch bedeutet „allumfassend“. Der Katechismus sagt:

„Damit ist keine bestimmte Konfession gemeint. Vielmehr bedeutet es, dass sich die Kirche durch die Gnade Gottes in vielen Ländern ausbreiten kann, in denen Menschen den orthodoxen Glauben annehmen und in Christus Jesus leben und so ihre Zugehörigkeit zu der Kirche erfahren, die von Adam bis zum Ende der Zeiten reicht.“24

Die Kirche ist für alle Völker da: „… sondern Christus ist alles und in allen“ (Kol 3:11). Wenn wir die Kirche universal oder katholisch nennen, meinen wir also nicht die römisch-katholische Kirche, sondern die eine Kirche Christi, die alle Orte und Zeiten umfasst.

Tabelle 70 · Die vier Kennzeichen der Kirche
Kennzeichen Bedeutung Bibelstelle
eine ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Leib mit Christus als Haupt Eph 4:4⁠–⁠6
heilig geheiligt durch Christus, ihr Haupt, und den Heiligen Geist; alle sind zur Heiligkeit berufen Eph 5:25⁠–⁠27
apostolisch auf die Apostel gegründet; bewahrt ihren Glauben und die ununterbrochene Nachfolge Eph 2:20
universal, katholisch (allumfassend) für alle Völker, Orte und Zeiten; keine bestimmte Konfession Kol 3:11

Die Nachfolge der Apostel

Wie bleibt die Kirche apostolisch, obwohl die Apostel längst gestorben sind? Die Antwort heißt apostolische Sukzession (Nachfolge der Apostel). Der auferstandene Herr hat die Apostel gesandt: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20:21b), und versprochen: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28:20b). Daraus folgt nach dem Katechismus, dass „der Auftrag und die Vollmacht, die den heiligen Aposteln gegeben wurden, für immer in der Kirche bleiben – auch nachdem die Apostel aus diesem Leben geschieden sind“.25

Die Apostel gaben ihren Dienst durch die Handauflegung weiter, verbunden mit Gebet und Fasten. Selbst Barnabas und Saulus, die der Heilige Geist berufen hatte, wurden durch die Kirche gesandt: „Da fasteten und beteten sie, legten ihnen die Hände auf und ließen sie ziehen“ (Apg 13:3). Paulus erinnert Timotheus: „Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist“ (2. Tim 1:6b). Papst Schenouda III. zieht die Linie bis heute:

Aus der Lehre unserer Päpste

Dasselbe gilt für jeden Apostel an jedem Ort. Die Handauflegungen folgten ohne Unterbrechung aufeinander bis sie auf unsere Generation kamen: Es ist dasselbe Priestertum in seinen verschiedenen Stufen, das der Herr seinen Aposteln gab.26

– Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 2.6

Schon im 2. Jahrhundert hat der heilige Irenäus von Lyon gegen Irrlehrer, die sich auf geheime Lehren beriefen, auf diese Nachfolge verwiesen: „wir können die von den Aposteln eingesetzten Bischöfe der einzelnen Kirchen aufzählen und ihre Nachfolger bis auf unsere Tage“.27 Wie die Überlieferung des Glaubens damit zusammenhängt, hast du in Thema 6 („Glaube, Dogma und Heilige Überlieferung“) gelernt.

Begriff
Apostolische Sukzession

Die apostolische Sukzession ist die ununterbrochene Weitergabe des Dienstes der Apostel durch die Handauflegung der Bischöfe, verbunden mit der Treue zum Glauben der Apostel. Die Aufgabe der Apostel „ging … nicht verloren, sondern wurde in ununterbrochener Folge an ihre Nachfolger weitergegeben“.28

Zur Nachfolge gehören zwei Dinge, die man nicht trennen darf: die Handauflegung und der Glaube. Eine Liste von Namen allein genügt nicht; die Kirche hat „keinem Irrlehrer gestattet, die Kirche zu leiten“ (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 472). Umgekehrt macht sich niemand selbst zum Hirten: Wer für den Dienst fähig ist, beginnt ihn nicht von sich aus, „sondern zuallererst sendet ihn die Kirche“.29

Unsere Kirche steht in dieser Nachfolge seit dem heiligen Apostel Markus, der sie im 1. Jahrhundert gegründet hat.30 Heute sitzt Papst Tawadros II. als 118. Papst auf dem Stuhl des heiligen Markus, ist also sein Nachfolger im Amt; er wurde 2012 inthronisiert, das heißt feierlich in dieses Amt eingesetzt.31 Nach Papst Tawadros II. erfolgt die Bischofsweihe nach der Lesung der Apostelgeschichte als Zeichen dafür, dass der Dienst der Apostel fortgesetzt wird.32

Die unüberwindliche Kirche

Christus hat versprochen: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16:18b). Den Felsen erklärt Papst Tawadros II. so: „Der Herr Christus meinte mit dem Felsen den Glauben, der von den Jüngern in der Person des Apostels Petrus verkündet wurde“.33 Auf das Bekenntnis „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16:16b) ist die Kirche gebaut.

Die Kirche hat Verfolgungen und Irrlehren überstanden. Als im 4. Jahrhundert Arius lehrte, der Sohn Gottes sei ein Geschöpf, schrieb der heilige Alexander von Alexandrien, der 19. Papst unserer Kirche,34 an den Bischof von Konstantinopel:

Aus den Vätern

… ferner bekennen wir die apostolische Kirche, die eine einzige, alleinige und allgemeine ist, die stets unüberwindlich bleibt, auch wenn die ganze Welt den Kampf gegen sie aufnehmen wollte, die siegreich ist gegenüber jeder noch so gottlosen Empörung der Irrgläubigen, eine Siegeszuversicht, die uns der Herr selbst einflößt mit den Worten: „Seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“35

– Hl. Alexander von Alexandrien, Brief an Alexander von Konstantinopel (bei Theodoret, Kirchengeschichte), Buch I, Kap. 4

Die Kraft der Kirche liegt nicht in ihrer Größe, sondern in der Gegenwart ihres Herrn. Ihre Sendung ist nach Papst Tawadros II. „rein geistlich, völlig getrennt von der Politik der Welt“.36

Die Kirche auf Erden und im Himmel

Die Kirche ist größer als das, was wir am Sonntag in unserer Gemeinde sehen. „Die Kirche auf Erden ist die Ikone der himmlischen Kirche. Daher beten wir: ‚wie im Himmel, so auf Erden.‘“37 In jeder Göttlichen Liturgie sind wir „zur Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, zu Tausenden von Engeln“ hingetreten (Hebr 12:22). Papst Schenouda III. sagt: „Wir Menschen auf Erden kämpfen immer noch als Kirche gegen das Böse.“ Er nennt die Gläubigen auf Erden die kämpfende Kirche, die Heiligen im Himmel die triumphierende Kirche.38 Zur triumphierenden Kirche gehören „die Erzväter Abraham, Isaak und Jakob, ebenso die Propheten, Apostel, Lehrer, Märtyrer und Einsiedler sowie alle Gerechten, die dem Herrn in allen Generationen wohlgefielen“.39 Es sind nicht zwei Kirchen, sondern eine. Wie ihre Glieder verbunden sind, zeigt der zweite Vortrag.

Zur Kirche gehören – auch in der Diaspora

Papst Tawadros II. beschreibt die Verbundenheit mit der Kirche wie ein Kreuz mit vier Enden: eine Verbindung des Denkens (Schrift und Lehre der Väter), eine geistliche Verbindung (Jüngerschaft beim Beichtvater, Gebet und Buße), eine soziale Verbindung (Zugehörigkeit zur Kirche und Dienst) und als Grundlage von allem die liturgische Verbindung durch die Sakramente, besonders Taufe und Eucharistie.40

In der Absolution der Dienenden, dem Gebet um Vergebung für alle, die an diesem Tag dienen, spricht der Priester in der Göttlichen Liturgie: „Deine Diener an diesem Tag“, und er nennt danach die Priester, die Diakone, die Kleriker (die übrigen geweihten Altardiener) und „das ganze Volk“.41 Papst Tawadros II. erklärt: „Mit ‚Diener‘ sind nicht nur die Diener der Sonntagsschule gemeint. Jede Person, die in die Kirche kommt, ist ein Diener.“42 Christus hat die Dienste gegeben, „um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi“ (Eph 4:12).

Wir leben als koptische Christen außerhalb Ägyptens, in der Diaspora, und gehören doch zur einen Kirche. Jede Ortskirche bringt den einen Glauben „durch ihre eigene Sprache, ihre liturgischen Riten, Hymnen“ zum Ausdruck, „ohne die Einheit des Glaubens zu verlieren“; die Kirche in der Auswanderung darf sich „niemals auf eine ethnische Gemeinschaft beschränken und auch keine bestimmte Sprache zur Pflicht machen“.43 Die Kinder, denen du dienst, gehören ganz zur Kirche des heiligen Markus, auch wenn sie den Glauben zuerst auf Deutsch kennenlernen.

Für den Dienst

  • „Warum muss ich in die Kirche gehen? Ich kann doch zu Hause beten.“ Du kannst antworten: Natürlich beten wir auch zu Hause. Aber die Kirche ist unsere Familie, der Leib Christi. In der Liturgie empfangen wir den Leib und das Blut des Herrn, die uns mit ihm und miteinander verbinden (1. Kor 10:17). Der Herr hat versprochen: „… wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18:20). Und die Schrift mahnt: „Lasst uns nicht unseren Zusammenkünften fernbleiben, wie es einigen zur Gewohnheit geworden ist“ (Hebr 10:25a).
  • Bilder für jedes Alter. Kleinere Kinder verstehen „Die Kirche ist unsere Mutter“ und „Die Kirche ist wie die Arche“. Ältere können über den Leib und seine Glieder nachdenken: Jeder hat eine Aufgabe, keiner ist überflüssig.
  • Du bist gesandt. Du dienst, weil die Kirche dich gesandt hat. Das gibt dir Halt, wenn der Dienst schwer wird, und es bewahrt dich davor, deine eigene Meinung als Lehre der Kirche auszugeben.
  • Ohne Urteil über andere. Fragen Jugendliche oder Bekannte, ob Menschen außerhalb unserer Kirche verloren seien, hältst du dich an den Merksatz oben. Bei anderen Christen, die Christus kennen, gilt sein letzter Satz: Wer in den Himmel kommt, entscheiden nicht wir. Beten ist überall möglich; die Sakramente empfangen wir nur in unserer Kirche. Über andere Kirchen sprichst du respektvoll.
  • Das Ziel. Papst Tawadros II. nennt als „Hauptziel mit höchster Priorität“, dass die Menschen in den Sonntagsschulklassen „einen Anteil am Himmel haben“.44 Liebe zur Kirche lernen Kinder, wenn sie sehen, dass du die Kirche liebst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kirche ist nicht nur ein Gebäude, sondern die Glieder des Leibes Christi, das Leben in Christus und die Gemeinschaft der Heiligen mit Christus.
  • Die Schrift beschreibt die Kirche als Leib Christi (1. Kor 12:27), als Braut Christi (Eph 5:25⁠–⁠27) und als Mutter (Gal 4:26); die Arche ist ihr Vorbild (1. Petr 3:20⁠–⁠21).
  • Der heilige Cyprian sagt: „Gott kann der nicht mehr zum Vater haben, der die Kirche nicht zu[r] Mutter hat.“ Dazu gilt: Wir geben treu weiter, was wir aus der Heiligen Schrift und der Überlieferung als notwendig für unser Heil empfangen haben – den Glauben an Christus, die Taufe (Joh 3:5; Mk 16:16) und das Leben in seiner Kirche (Apg 2:42.47). Wer in den Himmel kommt, entscheiden nicht wir, und wir richten nicht darüber; das Urteil über jeden Menschen gehört allein Gott (1. Kor 5:13a; Jak 4:12).
  • Die vier Kennzeichen: Die Kirche ist eine, heilig, apostolisch und universal. Für „universal“ steht im koptischen Text „katholisch“ (allumfassend); gemeint ist keine bestimmte Konfession.
  • Apostolische Sukzession: Die Handauflegungen folgten seit den Aposteln ohne Unterbrechung aufeinander; dazu gehört die Treue zum Glauben der Apostel.
  • Die Kirche ist unüberwindlich, weil Christus sie auf das Bekenntnis zu ihm gebaut hat und bei ihr bleibt (Mt 16:18; Mt 28:20).
  • Die Kirche auf Erden ist die Ikone der himmlischen Kirche; kämpfende und triumphierende Kirche sind die eine Kirche.
  • Jeder Gläubige ist Glied und Diener der Kirche, auch in der Diaspora.

Zum Weiterlesen

  • Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Buch 3, Kap. 1 „Die Kirche: Das Reich Gottes“, Fr. 449⁠–⁠483.
  • Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 19⁠–⁠35.
  • Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 132⁠–⁠139.
  • Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 2 „Das Priestertum ist Berufung und Sendung“.
  • Hl. Cyprian von Karthago, Über die Einheit der katholischen Kirche, Kap. 5⁠–⁠8.

Anmerkungen

  1. Die göttlichen Liturgien, S. 178.↑

  2. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 132. Die „göttlichen Mysterien“ sind die Sakramente.↑

  3. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 20.↑

  4. Damals wie Heute, S. 303.↑

  5. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 139.↑

  6. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 135.↑

  7. Ignatius von Antiochien, An die Smyrnäer, Kap. 8,2. „Katholisch“ bedeutet hier „allumfassend“.↑

  8. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 451.↑

  9. Damals wie Heute, S. 329.↑

  10. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 24.↑

  11. Cyprian, Über die Einheit der katholischen Kirche, Kap. 6. „Katholisch“ heißt im Titel „allumfassend“.↑

  12. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 476.↑

  13. Cyprian, Über die Einheit der katholischen Kirche, Kap. 6.↑

  14. Cyprian, Über die Einheit der katholischen Kirche, Kap. 6.↑

  15. Die göttlichen Liturgien, S. 178; zum koptischen Wortlaut Euchologion, S. 128.↑

  16. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 134.↑

  17. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 467.↑

  18. Ebd., Fr. 467.↑

  19. Vgl. Cyprian, Über die Einheit der katholischen Kirche, Kap. 5.↑

  20. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 137.↑

  21. Ebd.↑

  22. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 470.↑

  23. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 472.↑

  24. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 471.↑

  25. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 474.↑

  26. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 2.6.↑

  27. Irenäus, Gegen die Häresien, Buch III, Kap. 3,1.↑

  28. Damals wie Heute, S. 316.↑

  29. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 2.5.↑

  30. Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 132.↑

  31. Vgl. Synaxarium, 6. Baschans, Ankunft der Reliquien der koptischen Märtyrer aus Libyen, S. 436 („Seine Heiligkeit Papst Tawadros II., der 118. Papst“); Euchologion, S. 1203 (Liste der koptischen Päpste).↑

  32. Vgl. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 12⁠–⁠13.↑

  33. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 136.↑

  34. Vgl. Synaxarium, 22. Baramuda, Die Entschlafung des heiligen Papstes Alexander I., des neunzehnten Patriarchen des Markusstuhles, S. 404⁠–⁠405.↑

  35. Alexander von Alexandrien, Brief an Alexander von Konstantinopel (bei Theodoret, Kirchengeschichte), Buch I, Kap. 4. Das Herrenwort steht in Joh 16:33; die Einheitsübersetzung liest: „… aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“↑

  36. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 133.↑

  37. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 582.↑

  38. Papst Schenouda III., Der Herr erhöre dich am Tag der Not, Abschnitt „Der Herr erhöre Dich am Tage der Not …“ (S. 26); ders., Wie wir ein neues Jahr beginnen, Kap. 3.5.↑

  39. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 465.↑

  40. Vgl. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 33⁠–⁠35.↑

  41. Die göttlichen Liturgien, S. 140.↑

  42. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 21⁠–⁠22.↑

  43. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 92.↑

  44. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 24.↑

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