Thema 26 · Vortrag 1
Die Sakramente und die Taufe
Geboren aus Wasser und Geist
17 Min. LesezeitDie Sakramente; Taufe und Myronsalbung
Lernziele
- Die sieben Sakramente nennen und erklären, was ein Sakrament ist.
- Mindestens vier Wirkungen der Taufe und drei Stellen zu ihrer Notwendigkeit nennen (Joh 3:5; Mk 16:16; Mt 28:19).
- Die Kindertaufe mit drei Argumenten begründen.
Schlüsselbegriffe
Sakrament (Mysterium) · die sieben Sakramente · Taufe · Wiedergeburt · Gotteskindschaft · Erbsünde · dreimaliges Untertauchen · Kindertaufe
Bibelstellen
Röm 16:25; Joh 3:5; Mk 16:16; Mt 28:19; Mt 3:16; Tit 3:5; 1. Kor 12:13; Apg 2:38; Apg 22:16; 1. Petr 3:21; Röm 5:12; Röm 6:3–4; Kol 2:11–12; Gal 3:27; Joh 1:12; Eph 2:19; Apg 8:38; Gen 17:12; Lk 2:21; 1. Kor 10:1–2; Mt 19:14; Apg 2:39; Apg 16:15; Apg 16:33; 1. Kor 1:16; Eph 4:5
Inhalt
Die meisten Kinder, denen du in der Kirche begegnest, wurden als Säuglinge getauft. An ihre Taufe erinnern sie sich nicht, und doch ist an diesem Tag das Wichtigste ihres Lebens geschehen. Buch 1, Kapitel 7 („Die sieben Sakramente – Beichte ausführlich“) hat die Sakramente kurz vorgestellt. Kinder und Jugendliche fragen: Was schenkt die Taufe? Warum ist sie notwendig? Warum tauchen wir dreimal unter, und warum taufen wir Kinder? Wer das weiß, kann Kindern und Jugendlichen antworten.
Was ein Sakrament ist
Ein Geheimnis Gottes
Das Wort Sakrament kommt aus dem Lateinischen; die griechische Kirche sagt Mysterium, das heißt Geheimnis. Beide Wörter meinen dasselbe. Der Apostel Paulus spricht von einem Geheimnis, das seit ewigen Zeiten unausgesprochen war (vgl. Röm 16:25). Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty erklärt, dass damit Gottes Wirken im Neuen Bund gemeint ist: Durch die Kreuzigung Christi, seine Auferstehung und das Wirken seiner Gnade in der Kirche wird die liebevolle Beziehung des Menschen zu Gott wiederhergestellt.1 Die Sakramente sind die Wege, auf denen dieses große Geheimnis in das Leben jedes einzelnen Gläubigen kommt.
Sichtbare Zeichen und unsichtbare Gnade
Was geschieht in einem Sakrament? Die Kirche betet, das Wort Gottes wird gesprochen, und dazu gebraucht sie sichtbare Dinge: Wasser bei der Taufe, heiliges Öl bei der Myronsalbung, Brot und Wein bei der Eucharistie.2 Der Katechismus sagt dazu: „Gott, der den Menschen mit Leib und Seele erschaffen hat, verachtet die Materie nicht, sondern heiligt sie. Durch die Sakramente ehrt Gott die Materie, und der Heilige Geist gebraucht das Sichtbare, um den unsichtbaren Segen zu schenken.“3 Seit das Wort Gottes selbst Fleisch geworden ist, kann das Sichtbare Träger des Unsichtbaren sein.
Das Diözesanbuch Damals wie Heute sagt es kurz: Die Sakramente „werden auch Mysterien genannt, da sie zwar eine sichtbare Form besitzen, dem Gläubigen aber eine unsichtbare Gnade verleihen“.4 Der heilige Gregor von Nyssa lehrte in seiner Großen Katechese, einer Unterweisung im Glauben, dass „Gebet zu Gott und Anrufung der göttlichen Gnade und Wasser und Glaube die Mittel seien, wodurch die geheimnisvolle Wiedergeburt zustande kommt“.5
Der Katechismus gebraucht dafür ein Bild aus dem Alltag: Ein Geldschein ist nur Papier; seinen Wert erhält er von der Stelle, die ihn ausgegeben hat.6 So ist es auch mit den Zeichen der Sakramente. Ihre Kraft kommt nicht aus dem Wasser oder dem Öl, sondern von Gott, der durch sie wirkt.
Ein Sakrament ist eine heilige Handlung der Kirche. In ihr schenkt Gott durch das Gebet und durch sichtbare Zeichen – Wasser, heiliges Öl, Brot und Wein – die unsichtbare Gnade des Heiligen Geistes. Der eigentlich Handelnde ist Christus selbst.
Christus handelt in jedem Sakrament
Der Priester spricht die Gebete, aber er handelt nicht aus eigener Kraft. Der Katechismus sagt: „Die Kirchenväter betonten, dass Christus selbst diese Sakramente durch den Priester vollzieht.“7 Und zusammenfassend: „Letztlich vollzieht Christus all diese Mysterien durch das Sakrament des Priestertums.“8 Der heilige Ambrosius, Bischof von Mailand, erklärte das den Neugetauften seiner Stadt so:
Sieh nicht auf die persönlichen Verdienste, sondern auf der Priester Dienste! … So glaube denn, dass der Herr Jesus zugegen ist, herabgerufen durch das Gebet der Priester!9
Daraus folgt: Die Gnade eines Sakraments hängt nicht davon ab, wie heilig der Priester persönlich ist. Papst Schenouda III. gebraucht dafür ein Bild, das auch Kinder verstehen: „Der Geistliche ist wie ein Briefträger, der einen freudvollen Brief überbringt; ob der Überbringer nun gut oder schlecht ist, hat keinen Einfluss auf die Freude beim Erhalt des Briefes.“10
Warum das Glaubensbekenntnis die Taufe nennt
Im Glaubensbekenntnis sprechen wir: „Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden.“11 Warum nennt es nur die Taufe? Als das Glaubensbekenntnis entstand, wurde über sie gestritten, über die anderen Sakramente nicht; außerdem soll sich jedes Kind der Kirche freuen, durch die Taufe ein Kind Gottes zu sein.12
Die sieben Sakramente
Die Kirche kennt sieben Sakramente. In jedem schenkt der Heilige Geist eine eigene Gabe:13
- Taufe: die geistliche Geburt; wir werden Kinder Gottes und Glieder am Leib Christi.
- Myronsalbung: der Heilige Geist nimmt in uns Wohnung.
- Eucharistie: Leib und Blut Christi als Nahrung für unsere Seelen.
- Buße und Beichte: Heilung von der Krankheit der Sünde.
- Krankensalbung: Gebet um Heilung für Seele und Leib, so wie Gott es als gut erachtet.
- Ehe: Christus segnet den Bund von Mann und Frau.
- Priestertum: Gnade für die Berufenen, damit durch sie die Sakramente gefeiert werden.
In allen Sakramenten wirkt derselbe Christus. Nicht jedes Sakrament ist für jeden verpflichtend: Taufe, Myronsalbung, Eucharistie und Beichte gehören zum Leben jedes Christen; die Ehe oder das Priestertum empfängt, wer dazu berufen ist, die Krankensalbung, wer krank ist. Weniger wichtig sind diese Sakramente deshalb nicht: Durch das Priestertum schenkt Christus seiner Kirche alle anderen. Die Sakramente spenden Bischof und Priester; die Weihe im Sakrament des Priestertums spendet nur der Bischof.14 Die Emporhebung des Abend- und Morgenweihrauchs dagegen ist ein Gebetsgottesdienst und kein Sakrament.
Die Taufe – Geburt aus Wasser und Geist
Christus selbst hat die Taufe eingesetzt
Johannes der Täufer taufte zur Umkehr. Dann ließ sich Christus selbst von ihm im Jordan taufen und heiligte damit die Taufe; nach seiner Auferstehung sandte er die Apostel aus, alle Völker zu taufen.15 Drei Worte des Herrn zeigen, dass die Taufe notwendig ist. Das erste sprach er zu Nikodemus, einem Lehrer Israels, der nachts zu ihm kam:
Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.
Das zweite ist der Auftrag vor der Himmelfahrt: „… geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28:19). Das dritte verbindet Glaube und Taufe: „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet“ (Mk 16:16a). Der Glaube führt zur Taufe, und die Taufe ist kein bloßes Zeichen neben dem Glauben, sondern die Geburt, in der Gott den Glaubenden neu schafft. So handelten auch die Apostel: Am Pfingsttag rief Petrus: „Kehrt um und jeder von euch lasse sich auf den Namen Jesu Christi taufen zur Vergebung seiner Sünden“ (Apg 2:38a).
Wasser und Geist
Die Taufe heißt Wiedergeburt, weil der Mensch in ihr ein zweites Mal geboren wird – nicht aus Fleisch und Blut, sondern aus Gott. Paulus nennt sie „das Bad der Wiedergeburt und der Erneuerung im Heiligen Geist“ (Tit 3:5b).
Das Wasser allein bewirkt das nicht; der Heilige Geist wirkt im Wasser. Der heilige Ambrosius sagt den Neugetauften:
Wasser nur sehe ich, wie ich es alle Tage gesehen: das soll mich reinigen? So oft stieg ich hinein und nimmer ward ich rein? Lerne daraus, dass das Wasser ohne den Geist nicht reinigt! … Was ist denn das Wasser ohne das Kreuz Christi? Ein gewöhnliches Element ohne irgendwelche sakramentale Wirkung. Und umgekehrt: ohne Wasser kein Geheimnis der Wiedergeburt; denn „wer nicht wiedergeboren ist aus dem Wasser und dem Geiste, kann in das Reich Gottes nicht eingehen“.16
Darum sagt Paulus auch: „Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen“ (1. Kor 12:13a). Schon in der Taufe wirkt also der Heilige Geist: Er schenkt die neue Geburt. In der Myronsalbung nimmt er dann im Getauften Wohnung.
Was die Taufe schenkt
Die Heilige Schrift beschreibt die Gaben der Taufe mit vielen Bildern; der Katechismus zählt zwölf „Segnungen“ auf.17 Die wichtigsten sind:
| Wirkung der Taufe | Bibelstelle |
|---|---|
| Rettung: „Dem entspricht die Taufe, die jetzt euch rettet.“ | 1. Petr 3:21a; Mk 16:16 |
| Wiedergeburt aus Wasser und Geist | Joh 3:5; Tit 3:5 |
| Abwaschung und Vergebung der Sünden | Apg 2:38; Apg 22:16 |
| Befreiung von der Erbsünde | Röm 5:12; Röm 6:4 |
| mit Christus sterben, begraben werden und auferstehen | Röm 6:3–4; Kol 2:12 |
| Christus als Gewand anziehen, ein neuer Mensch werden | Gal 3:27; Röm 6:4 |
| Kind Gottes werden – aus Gnade | Joh 1:12; Gal 3:26 |
| Glied der Kirche, des Leibes Christi, werden | 1. Kor 12:13; Eph 2:19 |
Die Gotteskindschaft verdienen wir nicht. Der Katechismus sagt: „Durch den eingeborenen Sohn werden wir mit ihm zu Kindern angenommen – nicht von Natur aus, sondern durch Gottes freie Gnade.“18 Christus ist von Natur und von Ewigkeit der Sohn; wir werden es aus Gnade.
Zur Vergebung der Sünden gehört auch die Befreiung von der Erbsünde. Dazu halten wir fest:
Durch den Ungehorsam Adams ist die Sünde in die Welt gekommen und durch die Sünde der Tod (Röm 5:12). Die ganze Menschheit hat von Adam die Erbsünde geerbt: die Trennung von Gott, die Verderbnis der Natur und die Verurteilung zum Tod. Die Sünde Adams ist für uns nicht eine von uns begangene (tatsächliche) Sünde; wir tragen aber ihre Folgen. In der Taufe werden wir von der Erbsünde befreit und neu geboren.
Kreuz und Grab
Wie geschieht diese neue Geburt? Paulus antwortet mit dem Bild von Tod und Begräbnis:
Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.
Der heilige Johannes Chrysostomus legt diese Stelle in einer Predigt (Homilie) so aus:
Ein Kreuz ist nämlich die Taufe. Was für Christus das Kreuz und das Grab war, das ist für uns die Taufe, wenn auch nicht in derselben Beziehung. Er starb nämlich und wurde begraben dem Fleische nach, wir erfahren beides in Bezug auf die Sünde.19
Chrysostomus fährt fort: „Auch bei dir gibt es ein Kreuz und ein Grab. Wenn du mit ihm Tod und Grab gemeinsam hast, so umso mehr auch Auferstehung und Leben.“20 Die Taufe ist mehr als ein Abwaschen: Sie gibt uns persönlich Anteil am Pascha Christi, an seinem Tod und seiner Auferstehung.
Dreimal untergetaucht
Weil die Taufe Begräbnis und Auferstehung ist, tauft die Kirche durch Untertauchen. Das dreimalige Untertauchen hat zwei Bedeutungen. Das Liturgiebuch Die sieben Sakramente sagt: „Dreimal wird der Täufling im Wasser untergetaucht, im Namen der Dreifaltigkeit Gottes, und auch einmal für jeden Tag, den Christus im Grab lag, denn die Taufe ist Sterben mit Christus und mit ihm Begraben-Sein in Wasser statt im Grab.“21 Der heilige Gregor von Nyssa schreibt: „… so ahmen wir durch die dreimalige Eintauchung in das Wasser und die Wiedererhebung aus demselben das Begräbnis unseres Heilbringers und seine nach drei Tagen erfolgte Auferstehung nach“.22
Schon die Didache, eine der ältesten Kirchenordnungen, bindet die Taufe an den Namen des dreieinigen Gottes: „Bezüglich der Taufe haltet es so: Wenn ihr all das Vorhergehende gesagt habt, ‚taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes‘ in fließendem Wasser.“23 Papst Schenouda III. begründet das Untertauchen aus der Schrift: Christus selbst stieg nach seiner Taufe „aus dem Wasser“ (Mt 3:16); Philippus und der Kämmerer, ein hoher Beamter der äthiopischen Königin, „stiegen in das Wasser hinab“ (Apg 8:38); die Taufe ist Begräbnis, Geburt und Bad zugleich.24
Der Tag des Untertauchens. Am Fest der Theophanie feiert die Kirche die Taufe Christi im Jordan. Papst Schenouda III. erinnert daran, dass unsere Kirche diesen Tag „‚Tag des Untertauchens‘ genannt“ hat, „um so die Bedeutung in unserem Gedächtnis festzuhalten“.25 Der Sonntag vor dem Palmsonntag heißt Taufsonntag; früher wurde an ihm und am Auferstehungsfest besonders getauft.26
Taufe und Beschneidung
Im Alten Bund wurde ein Knabe am achten Tag beschnitten (Gen 17:12) und dadurch in den Bund Gottes mit Abraham aufgenommen; auch Jesus wurde „als acht Tage vorüber waren“ beschnitten (Lk 2:21). Paulus sieht in der Taufe die Beschneidung des Neuen Bundes:
In ihm habt ihr eine Beschneidung empfangen, die man nicht mit Händen vornimmt, nämlich die Beschneidung, die Christus gegeben hat. Wer sie empfängt, sagt sich los von seinem vergänglichen Körper. Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat.
Papst Schenouda III. zeigt, was beide verbindet: Wie der Beschnittene Mitglied des Volkes Gottes wurde, so wird der Getaufte Glied der Kirche. Wie man nur einmal beschnitten wird und dieses Zeichen nicht ausgelöscht werden kann, so wird auch die Taufe nur einmal gespendet.27 Der Unterschied ist groß: Die Beschneidung geschah durch Menschenhand am Leib; die Taufe ist eine Beschneidung, „die Christus gegeben hat“, am ganzen Menschen. Weitere Vorbilder der Taufe sind die Arche Noachs (1. Petr 3:20–21) und der Durchzug durch das Rote Meer (1. Kor 10:1–2).
Warum wir Kinder taufen
Manche Christen taufen nur Menschen, die ihren Glauben selbst bekennen können. Unsere Kirche tauft auch kleine Kinder, und das tut sie „seit der Zeit der Apostel“.28 Drei Gründe sind besonders wichtig.
Erstens: Das Heil ist ein Geschenk, und Christus schließt die Kinder nicht aus. Wenn ein Kind getauft wird, wird ihm „jenes unverdiente Heil geschenkt, das niemand erwerben kann“.29 Das Wort „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird …“ (Joh 3:5) gilt jedem Menschen, auch den Kleinen. Der Herr sagt: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich“ (Mt 19:14). Das Wort „Wer glaubt und sich taufen lässt …“ (Mk 16:16) richtet sich an Erwachsene, die das Evangelium hören; es verbietet nicht, Kinder zu taufen.30
Zweitens: Wie die Beschneidung am achten Tag. Papst Schenouda III. schreibt über den Knaben im Alten Bund: „Natürlich verstand er von all dem gar nichts, aber er wurde durch den Glauben seiner Eltern – die an diesen Bund glaubten – beschnitten, wurde so ein Mitglied des Gottesvolkes“.31 Die Taufe ist die Beschneidung des Neuen Bundes. Darum fragt das Liturgiebuch Die sieben Sakramente: „Wenn Gott die Gnade des Eintritts in seinen Bund gab – wer kann sie dann ablehnen?“ Die Kinder werden auf den Glauben ihrer Eltern getauft, „die sich vor dem Priester verpflichten, sie im Glauben zu belehren und zu christlichem Handeln zu erziehen“.32 Der achte Tag ist dabei Vorbild, keine Vorschrift: Als im 3. Jahrhundert jemand meinte, man dürfe ein Neugeborenes erst am achten Tag taufen, antwortete der heilige Cyprian von Karthago: „Ganz anderer Meinung war unsere Versammlung. Denn dem, was du für richtig hieltest, stimmte niemand zu, sondern unser allgemeines Urteil ging vielmehr dahin, daß man keinem einmal geborenen Menschen Gottes Barmherzigkeit und Gnade versagen darf.“33
Drittens: Die Apostel tauften ganze Häuser. Petrus sagte am Pfingsttag: „… euch und euren Kindern gilt die Verheißung“ (Apg 2:39a). Von Lydia heißt es, dass „sie und alle, die zu ihrem Haus gehörten, getauft waren“ (Apg 16:15), vom Gefängniswärter in Philippi, dass er sich „sogleich mit allen seinen Angehörigen taufen“ ließ (Apg 16:33), und Paulus schreibt: „Ich habe allerdings auch die Familie des Stephanas getauft“ (1. Kor 1:16a). Die Schrift nimmt die Kinder dieser Häuser nicht aus.34
Dazu kommt: Durch die Taufe wird das Kind Glied der Kirche; in ihren Liturgien wächst es „durch Hören, Sehen und Miterleben“ in den Glauben hinein.35 Damals wie Heute sagt: „Die Wiedergeburt und die Kindschaft Gottes ist nicht nur Erwachsenen und kognitiv uneingeschränkten Menschen vorbehalten, sondern gilt ebenso für Säuglinge, Kinder und Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen.“36
Die Taufe nimmt dem Menschen die Freiheit nicht: Wer heranwächst, muss den Glauben seiner Taufe selbst annehmen und leben.37 Und wenn Kinder fragen, was mit Menschen geschieht, die nicht getauft sind, gilt für uns: Wir geben treu weiter, was wir aus der Heiligen Schrift und der Überlieferung als notwendig für unser Heil empfangen haben – den Glauben an Christus, die Taufe (Joh 3:5; Mk 16:16) und das Leben in seiner Kirche (Apg 2:42.47). Wer das Gesetz Gottes nicht empfangen hat, wird nach dem gerichtet, was ihm gegeben war (Röm 2:12–16; Lk 12:48b). Heute aber können die Menschen fast überall von Christus hören; wer von ihm hört, soll diese Gelegenheit nutzen und umkehren (Apg 17:30). Wer in den Himmel kommt, entscheiden nicht wir, und wir richten nicht darüber; das Urteil über jeden Menschen gehört allein Gott (1. Kor 5:13a; Jak 4:12). Einem Kind genügt: „Wer in den Himmel kommt, entscheidet Gott allein, und Gott ist gerecht und voller Erbarmen.“ Fragt ein Kind nach einem Geschwisterchen, das gestorben ist, sagen wir ihm in der Zuversicht der Kirche: Kinder, die sterben, nimmt Gott in seinem Erbarmen zu sich.
Nur einmal getauft
Papst Tawadros II. schreibt: „Die Taufe ist eine geistliche Geburt von oben, und so wie ein Mensch nur einmal körperlich geboren werden kann, kann auch die geistliche Geburt nicht wiederholt werden.“38 Bei Paulus heißt es: „ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (Eph 4:5), und wir bekennen „die eine Taufe zur Vergebung der Sünden“. Auch wer den Glauben verlassen hat und zurückkehrt, wird nicht noch einmal getauft: „Die Taufe wird nicht wiederholt, wenn jemand zum Glauben zurückkehrt.“39
Die Taufe ist eine Erneuerung des Lebens, „aber sie verleiht keine Sündlosigkeit“, sagt Papst Schenouda III.; die Freiheit, Gutes oder Böses zu tun, bleibt.40 Wer nach der Taufe fällt, tut Buße. Papst Tawadros II. erklärt: „… hat die Kirche vorgeschrieben, dass das Sakrament der Taufe nur einmal durchgeführt wird, aber das Sakrament der Buße kann jederzeit empfangen werden.“41 Wie wir durch Umkehr und Beichte die Gnade der Taufe erneuern, behandelt Thema 23 („Umkehr, Beichte und geistlicher Kampf“).
Wer tauft?
Die Taufe spendet der Priester oder der Bischof; durch ihn tauft Christus selbst.42 Christus hat den Auftrag zu taufen nicht der Allgemeinheit gegeben, sondern seinen Aposteln (Mt 28:19). Papst Schenouda III. beschreibt den Weg dieses Auftrags: „Sie übergaben dann diese Aufgabe ihren Jüngern, den Bischöfen, und diese wiederum beauftragten die Priester.“43
Für den Dienst
Die Taufe ist für die Kinder, denen du dienst, eine Tatsache ihres Lebens, auch wenn sie sich nicht daran erinnern. Hilf ihnen, ihre Taufe zu entdecken:
- Die eigene Taufgeschichte. Kinder können zu Hause fragen, wann und wo sie getauft wurden, wer ihre Taufpaten sind und welchen Namen sie in der Taufe empfangen haben. Die Taufe Jesu (Mt 3:13–17) und die des Kämmerers (Apg 8:26–39) eignen sich als Erzählungen.
- Aus der Taufe leben. Der heilige Gregor von Nyssa schreibt den Getauften: „Hast du nun Gott aufgenommen und bist du ein Kind Gottes geworden, so zeige durch dein Tun und Lassen, dass Gott in dir wohnt, zeige, wer dein Vater ist!“44 Für Kinder heißt das: Wer ein Kind Gottes ist, darf mit Vertrauen „Vater unser“ beten und soll im Alltag wie ein Kind dieses Vaters handeln.
- Fragen von Jugendlichen. Jugendliche hören manchmal, die Taufe sei „nur ein Zeichen“, oder kennen Christen, die Kinder nicht taufen. Erkläre ruhig die Gründe der Kirche, ohne über andere zu spotten.
- Klar und ohne Angst. Sag Kindern nie, ein Ungetaufter sei von Gott verlassen. Sag ihnen: Wer in den Himmel kommt, entscheidet Gott allein, und Gott ist gerecht und voller Erbarmen. Die Taufe ist kein Spiel: Kinder „taufen“ in der Stunde weder einander noch Puppen, denn die Taufe spendet der Priester oder der Bischof.
Für dein eigenes Leben: Die Gnade deiner Taufe ist nicht vergangen. Chrysostomus nennt die neue Lebensführung „eine Auferstehung schon im gegenwärtigen Leben“.45 Frage dich, wo du in diesem Jahr als „neuer Mensch“ leben willst.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Sakrament (Mysterium) ist eine heilige Handlung der Kirche: Durch das Gebet und sichtbare Zeichen schenkt Gott die unsichtbare Gnade des Heiligen Geistes. In jedem Sakrament handelt Christus selbst.
- Die sieben Sakramente sind Taufe, Myronsalbung, Eucharistie, Buße und Beichte, Krankensalbung, Ehe und Priestertum. Nicht jedes ist für jeden verpflichtend.
- Die Taufe ist notwendig (Joh 3:5; Mk 16:16; Mt 28:19); sie ist die Wiedergeburt aus Wasser und Geist.
- Die Taufe schenkt Rettung, Wiedergeburt, Vergebung der Sünden, Befreiung von der Erbsünde, Sterben und Auferstehen mit Christus, ein neues Leben, die Gotteskindschaft aus Gnade und die Gliedschaft im Leib Christi.
- Dreimaliges Untertauchen: Zeichen der Heiligen Dreifaltigkeit und des dreitägigen Begräbnisses mit Christus.
- Die Taufe ist die Beschneidung des Neuen Bundes (Kol 2:11–12). Wir taufen Kinder, weil das Heil Geschenk ist, weil die Beschneidung am achten Tag auf den Glauben der Eltern hin geschah und weil die Apostel ganze Häuser tauften.
- Die Taufe wird nur einmal gespendet; wer danach fällt, kehrt durch Buße und Beichte zurück.
- Die Taufe spendet der Priester oder der Bischof; durch ihn tauft Christus selbst. Die Weihe im Sakrament des Priestertums spendet nur der Bischof.
Zum Weiterlesen
- Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Fr. 670–682 und 701–712: Sakramente und Taufe.
- Die sieben Sakramente (Kröffelbach 2017), Kap. 1 „Das Sakrament der Taufe“, S. 1–16: die Bedeutung der Taufe.
- Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 1 „Die Taufe“.
- Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 140–142.
- Damals wie Heute. Die Kirche vor Nizäa, „Die Heiligen Sakramente“ und „Die Taufe“ (S. 233–246).
Anmerkungen
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 670.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 671.↑
Ebd.↑
Damals wie Heute, S. 233.↑
Gregor von Nyssa, Große Katechese, Kap. 33,1.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 671.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 670.↑
Ebd.↑
Ambrosius, Über die Mysterien, Kap. 5,27.↑
Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 1.6.↑
Die göttlichen Liturgien, S. 178.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 674.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 673 a–g; Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 8.1.↑
Vgl. Euchologion, S. 1220.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 679.↑
Ambrosius, Über die Mysterien, Kap. 4,19–20. Das Schriftwort am Ende ist Joh 3:5 in der Übersetzung der BKV.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 1.1; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 678.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 675.↑
Johannes Chrysostomus, Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Römer, Homilie 11,4.↑
Ebd.↑
Die sieben Sakramente, S. 15; vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 676 und Fr. 701.↑
Gregor von Nyssa, Große Katechese, Kap. 35,2.↑
Didache, Kap. 7,1.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 1.4.↑
Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 1.4.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 5; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 682.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 1.1.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 681.↑
Ebd.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 1.5.↑
Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 1.5.↑
Die sieben Sakramente, S. 20; vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 681.↑
Cyprian, Brief 64, Kap. 2; vgl. Damals wie Heute, S. 246.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 1.5.↑
Die sieben Sakramente, S. 20.↑
Damals wie Heute, S. 244. „Kognitiv“ heißt: das Denken und Verstehen betreffend.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 1.5.↑
Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 142.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 141.↑
Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 1.6.↑
Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 141.↑
Vgl. Euchologion, S. 1220.↑
Papst Schenouda III., Vergleichende Theologie, Kap. 1.2.↑
Gregor von Nyssa, Große Katechese, Kap. 40,2.↑
Johannes Chrysostomus, Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Römer, Homilie 11,4.↑