Thema 26 · Vortrag 2
Die Myronsalbung und der Ritus der Eingliederung
Gesalbt mit dem Heiligen Geist
16 Min. LesezeitDie Sakramente; Taufe und Myronsalbung
Lernziele
- Die Wiedergeburt in der Taufe und die Einwohnung des Geistes durch die Myronsalbung unterscheiden.
- Die Hauptteile des Taufritus beschreiben (Absage nach Westen, Bekenntnis nach Osten, Wasserweihe, dreimaliges Untertauchen, Salbungen).
Schlüsselbegriffe
Myronsalbung · heiliges Myron · Siegel des Geistes · Einwohnung des Heiligen Geistes · Absage an den Satan · Weihe des Taufwassers · weißes Taufgewand · Lösen des Gürtels · Taufpate
Bibelstellen
Joh 3:5; 1. Kor 12:13; 1. Kor 6:19; Apg 8:14–17; Apg 19:5–6; 2. Kor 1:21–22; 1. Joh 2:20; 1. Joh 2:27; Eph 4:30; Apg 11:26; Apg 10:38; 1. Petr 2:9; Jes 11:2; Ex 30:25; Joh 20:22; Mal 3:20; Gen 2:8; Ps 51:9; Gal 3:27
Inhalt
Wer bei einer koptischen Taufe dabei ist, erlebt eine lange und reiche Feier: Eltern und Paten wenden sich nach Westen und nach Osten, der Priester weiht das Wasser, taucht das Kind dreimal unter, salbt es sechsunddreißigmal mit dem heiligen Myron, kleidet es in Weiß und reicht ihm die heilige Kommunion. In der Myronsalbung, dem zweiten Sakrament dieses Tages, nimmt der Heilige Geist im Getauften Wohnung. Als Diener wirst du Kindern diesen Ritus erklären, bei Taufen in der Gemeinde mitbeten und vielleicht selbst einmal Taufpate sein.
Die Myronsalbung – die Gabe des Heiligen Geistes
Wiedergeburt und Einwohnung
Unmittelbar nach der Taufe wird der Neugetaufte mit dem heiligen Myron gesalbt. Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty sagt über diese Salbung: „Sie erfolgt unmittelbar nach der Taufe und ist ein eigenes Sakrament.“1 Das Liturgiebuch Die sieben Sakramente fügt hinzu: „Beide Sakramente haben einen eigenen Ritus und eigene Gebete.“2 Taufe und Myronsalbung werden in derselben Feier gespendet, sind aber zwei Sakramente mit je eigener Gabe:
„In der Taufe empfangen wir die Wiedergeburt und die Vergebung der Sünden; in der Myronsalbung empfangen wir den Heiligen Geist, damit er in uns Wohnung nimmt.“3
Das bedeutet nicht, dass der Heilige Geist bei der Taufe abwesend wäre. Der Herr spricht von der Geburt „aus Wasser und Geist“ (Joh 3:5), und Paulus sagt: „Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen“ (1. Kor 12:13a). In der Taufe wirkt also der Geist im Wasser und schenkt die neue Geburt;4 in der Myronsalbung kommt er selbst, um im Getauften zu wohnen, ihn zu leiten und wachsen zu lassen. Ein Neugeborenes muss wachsen und reifen; so braucht auch der neugeborene Christ die bleibende Gegenwart des Geistes. Darum heißt die Myronsalbung auch das Sakrament der Festigung und des Weiterwachsens.5
Weil beide Sakramente meist zusammen gespendet werden, sprechen manche Kirchenväter von der Taufe in einem weiteren Sinn, der die Myronsalbung einschließt.6 Wenn du bei einem Vater liest, man empfange in der Taufe den Heiligen Geist, ist oft die ganze Feier gemeint.
Die Myronsalbung ist das Sakrament, in dem der Getaufte unmittelbar nach der Taufe mit dem heiligen Myron gesalbt wird und den Heiligen Geist empfängt, damit er in ihm Wohnung nimmt.
Das Zeugnis der Apostel
Die Apostelgeschichte zeigt, dass die Gabe des Geistes zur Taufe hinzukommt. Der Diakon Philippus hatte in Samarien gepredigt und getauft. Dann geschah dies:
Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samarien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. Diese zogen hinab und beteten für sie, sie möchten den Heiligen Geist empfangen. Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur auf den Namen Jesu, des Herrn, getauft. Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist.
Ebenso in Ephesus: Die Jünger ließen sich taufen, und dann heißt es: „Paulus legte ihnen die Hände auf und der Heilige Geist kam auf sie herab“ (Apg 19:6a). Anfangs vermittelten die Apostel und Bischöfe die Gabe des Geistes durch Handauflegung. Der Katechismus erklärt, wie daraus die Salbung wurde: „Als immer mehr Menschen sich der Kirche Christi anschließen wollten und immer mehr Kinder in christlichen Familien geboren wurden, begannen die Priester, die Neugetauften mit dem Myronöl zu salben.“7 Das Diözesanbuch Damals wie Heute fasst zusammen: „… wird der Gläubige nach der Taufe vom Bischof oder vom Priester mit Öl gesalbt und empfängt dadurch den Heiligen Geist in sich.“8 Die Handauflegung ist dabei nicht verschwunden; sie gehört bis heute zum Ritus.9
Die Apostel beschreiben diese Gabe mit dem Wort Salbung und mit dem Bild des Siegels: „Gott aber, der uns und euch in der Treue zu Christus festigt und der uns alle gesalbt hat, er ist es auch, der uns sein Siegel aufgedrückt und als ersten Anteil (am verheißenen Heil) den Geist in unser Herz gegeben hat“ (2. Kor 1:21–22). Johannes schreibt: „Ihr habt die Salbung von dem, der heilig ist, und ihr alle wisst es“ (1. Joh 2:20) und: „Die Salbung, die ihr von ihm empfangen habt, bleibt in euch“ (1. Joh 2:27). In der frühen Kirche hieß dieses Sakrament darum auch „Siegel des Geistes“.10 Ein Siegel zeigt, wem etwas gehört. Der Gesalbte gehört Christus; darum mahnt Paulus: „Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung“ (Eph 4:30).
Der heilige Ambrosius sagt den Neugetauften in Mailand:
So denk denn daran, dass du die Geistesbesieglung empfangen hast: „den Geist der Weisheit und des Verstandes, den Geist des Rates und der Stärke, den Geist der Erkenntnis und der Frömmigkeit, den Geist der heiligen Furcht“! Und wahre, was du empfangen hast! Gott Vater hat dich besiegelt, Christus der Herr dich gestärkt und das Pfand des Geistes in dein Herz gegeben, wie du aus der apostolischen Lesung weißt.11
Ambrosius verbindet die Salbung mit dem Wirken der ganzen Heiligen Dreifaltigkeit: Der Vater besiegelt, Christus stärkt, der Geist wird als Pfand ins Herz gegeben, als erster Anteil am verheißenen Heil (2. Kor 1:22). Die Gabe des Geistes ist ein Anfang, der im Leben bewahrt werden will.
„Christen“ heißt: die Gesalbten
Der Name Christus bedeutet „der Gesalbte“. Petrus erzählt, „wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft“ (Apg 10:38a). Wer die Salbung empfängt, trägt den Namen seines Herrn: „In Antiochia nannte man die Jünger zum ersten Mal Christen“ (Apg 11:26b). Das Sakramentenbuch führt dazu den heiligen Theophilus von Antiochien an: Wir heißen Christen, „weil wir mit dem Öle Gottes gesalbt sind“.12
Der heilige Ambrosius sagt: „… alle werden wir zum Reich Gottes und zum Priestertum durch die geistige Gnade gesalbt.“13 Gemeint ist die vom Heiligen Geist geschenkte Würde aller Getauften, die Petrus „eine königliche Priesterschaft“ nennt (1. Petr 2:9); das Sakrament des Priestertums ist etwas anderes (dazu Thema 30, „Priestertum, Krankensalbung und Ehe“).
Durch die Salbung wird der Leib zum Wohnort des Geistes. Paulus schreibt: „Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst“ (1. Kor 6:19). Was wir mit unserem Leib tun, betrifft den Geist, der in uns wohnt.
Das heilige Myron
Das Wort Myron ist griechisch und bedeutet wohlriechende Salbe. Der Katechismus beschreibt es so: „Dieses wohlriechende Öl ist eine Mischung aus Duftstoffen und Gewürzen, die durch das Wort Gottes und das Gebet geheiligt und von Bischöfen zubereitet wird.“14
Schon im Alten Bund ließ Gott ein „heiliges Salböl“ bereiten (Ex 30:25), mit dem Priester, Könige, das Offenbarungszelt, das Zeltheiligtum Israels in der Wüste, und seine Geräte gesalbt wurden.15
Das heilige Myron bereitet der Papst von Alexandrien zusammen mit den Bischöfen in einer feierlichen Liturgie; von dort wird es an die Kirchen verteilt. Das Synaxarium berichtet von Papst Athanasius III.: „Als er feststellte, dass die Kirchen des heiligen Myron bedurften, rief er die Bischöfe in das Kloster des heiligen Makarios, wo er die Bereitung des Myron vornahm und die heiligen Gebete in einer geistlichen Freude verrichtete, die alle erfasste.“16 Auch der heilige Papst Kyrillus VI. und Papst Schenouda III. haben das Myron bereitet.17
Mit dem Myron werden nicht nur die Neugetauften gesalbt. Der Priester gießt es auch bei der Weihe in das Taufwasser, und mit ihm werden Kirchen, Altäre, heilige Geräte und Ikonen geweiht.18 Diese Weihe von Dingen ist aber nicht das Sakrament der Myronsalbung; das Sakrament empfängt der getaufte Mensch.
Der Ritus der Eingliederung Schritt für Schritt
Taufe und Myronsalbung bilden zusammen eine einzige Feier, durch die ein Mensch in die Kirche eingegliedert wird. Ihre wichtigsten Teile folgen in dieser Ordnung aufeinander; die Gebetsworte stehen im Liturgiebuch Die sieben Sakramente.19
1. Die Absage an den Satan – nach Westen
Bei einem Kind nimmt die Mutter, der Vater oder der Pate das Kind auf den linken Arm, wendet sich nach Westen, erhebt die rechte Hand und spricht nach, was der Priester vorspricht. Ein Erwachsener spricht selbst:
„Ich widersage dir, Satan, und all deinen unreinen Werken, all deinen bösen Kriegern, all deinen bösen Teufeln, all deiner Kraft, all deiner verachtenswerten Verehrung, all deinen bösen und täuschenden Listen, deinem Heer, deiner Macht und dem ganzen Heer deiner Heuchelei. Ich widersage dir, ich widersage dir, ich widersage dir.“20
Die erhobene rechte Hand wehrt den Satan ab. Dann bläst der Priester dem Täufling dreimal ins Gesicht und gebietet den unreinen Geistern, durch die Kraft der Heiligen Dreifaltigkeit aus seinem Leben auszufahren.21 Der Westen ist die Richtung, in der die Sonne untergeht – ein Bild der Finsternis, in der der Teufel herrscht (vgl. Lk 22:53; Eph 6:12).22
2. Das Bekenntnis zu Christus – nach Osten
Danach wendet sich der Täufling nach Osten; wer ein Kind trägt, nimmt es auf den rechten Arm und erhebt die linke Hand. Er spricht: „Ich bekenne mich zu dir Christus, mein Gott, zu all deinen erlösenden Gesetzen, zu deinem lebensspendenden Dienst und zu all deinen lebenschaffenden Werken.“ Dann folgt das Bekenntnis des Glaubens, das der Priester vorspricht. Auf seine Frage „Glaubst du daran?“ antwortet der Täufling oder sein Pate: „Ich glaube.“23
Gen Osten wendetest du dich; denn wer dem Teufel widersagt, wendet sich Christus zu, ihm schaut er geraden Blickes ins Auge.24
Christus ist die „Sonne der Gerechtigkeit“ (Mal 3:20); im Osten pflanzte Gott das Paradies (Gen 2:8); von Osten erwarten wir seine Wiederkunft.25 Die beiden Wendungen gehören zusammen: Wer dem Bösen absagt, wendet sich Christus zu. Der Katechismus nennt das Bekenntnis den Eintritt in einen Bund mit Gott.26
3. Die zweite Salbung mit Öl
Schon vor der Absage ist der Täufling einmal mit Öl gesalbt worden, mit dem „Öl der Ermahnung“. Nun folgt die zweite Salbung.27 Dabei spricht der Priester: „Ich salbe dich, (..), mit dem Öl der Freude, das gegen alle Werke des Gegners wirkt, damit du in den guten Olivenbaum gepflanzt bist, in die eine, heilige, universale und apostolische Kirche Gottes. Amen!“28 Diese Salbungen vor der Taufe sind noch nicht die Myronsalbung. Sie stärken den Täufling als Kämpfer Christi gegen die Mächte der Finsternis.29
4. Die Weihe des Taufwassers
Das Taufbecken wird mit Wasser gefüllt. Der Priester beginnt mit dem Danksagungsgebet; es folgen Lesungen aus der Heiligen Schrift und die großen Gebete, und die Weihe des Wassers verläuft ähnlich wie die Göttliche Liturgie.30 Der Priester ruft den Heiligen Geist herab und gießt schließlich dreimal ein wenig vom heiligen Myron in Kreuzform in das Wasser. Dabei spricht er:
„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes! Gepriesen sei Gott, der Allmächtige Vater. Amen! Gepriesen sei sein eingeborener Sohn, Jesus Christus, unser Herr. Amen! Gepriesen sei der Heilige Geist, der Tröster. Amen!“31
Dann bewegt er das Wasser mit der Hand, die das Kreuz hält, in Kreuzform und spricht Psalmverse, unter ihnen: „Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee“ (Ps 51:9; LXX 50).32
5. Das dreimalige Untertauchen
Während die Diakone Psalm 150 singen, nimmt der Priester das Kind und taucht es langsam, damit es nicht erschrickt, dreimal in das Wasser. Er spricht: „Ich taufe dich (..) im Namen des Vaters“, beim zweiten Mal „und des Sohnes“, beim dritten Mal „und des Heiligen Geistes“. Nach jedem Untertauchen haucht er ihm ins Gesicht.33 Was dieses Untertauchen bedeutet, hat der erste Vortrag gezeigt: Begräbnis und Auferstehung mit Christus, auf den Namen der Heiligen Dreifaltigkeit.
6. Die Myronsalbung
Die Mutter trocknet das Kind ab und hüllt es in ein Tuch; dann hält der Priester das Gefäß mit dem heiligen Myron und betet:
„O allein Allmächtiger, der alle Wunder tut, für den nichts zu schwer ist, sondern dessen Willen und Kraft in allem wirkt, verleihe den Heiligen Geist, wenn wir mit dem heiligen Myron benetzen. Lass es ein lebensspendendes Siegel und eine Stärkung sein für deine Diener durch deinen eingeborenen Sohn, Jesus Christus, unseren Herrn.“34
Dann salbt er den Getauften an sechsunddreißig Stellen mit dem Kreuzzeichen, vom Kopf bis zu den Füßen: zuerst die Stirn und die Sinne – Nase, Mund, Ohren und Augen –, dann Herz und Rücken, schließlich die Gelenke der Arme und die Beine.35 Zu jeder Gruppe spricht er ein kurzes Wort, beim Haupt: „Salbung mit der Gnade des Heiligen Geistes. Amen“, bei den Armen: „Heilige Salbung Christi unseres Herrn, ein unzerbrechliches Siegel. Amen“.36 Die Sinne werden geheiligt, damit durch sie keine Verführung ins Herz dringt, die Arme für reine Werke, die Beine für den Weg zum ewigen Leben.37 Der ganze Mensch wird Gott geweiht und wird zum Gesalbten des Herrn.
Danach legt der Priester jedem Gesalbten die Hände auf und spricht: „Sei gesegnet mit dem Segen des Himmels, dem Segen der Engel. Es segne dich unser Herr Jesus Christus, sei gesegnet in seinem Namen.“ Dann haucht er ihm ins Gesicht und spricht: „Empfange den Heiligen Geist. Sei ein reines Gefäß durch Jesus Christus, unseren Herrn!“38 So hat auch der auferstandene Herr seine Jünger angehaucht und gesagt: „Empfangt den Heiligen Geist!“ (Joh 20:22b).
7. Weißes Gewand, Gürtel und Krone
Der Priester kleidet den Neugetauften in ein weißes Gewand und spricht: „Ein Gewand des ewigen und unvergänglichen Lebens. Amen.“39 „… ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus (als Gewand) angelegt“ (Gal 3:27). Der heilige Ambrosius sagt: „Danach hast du das weiße Kleid empfangen zum Zeichen, dass du ausgezogen die Hülle der Sünden und angezogen der Unschuld reines Gewand.“40 Dieses Kleid soll der Getaufte nie beschmutzen; kommt er doch zu Fall, kehrt er durch Umkehr, Beichte und Kommunion schnell zur Reinheit zurück.41
Dann legt der Priester dem Getauften einen Gürtel in Kreuzform um, ein rotes Band: „Es weist ihn als Soldat für Jesus Christus aus.“ Die Ritusbücher nennen hier auch eine Krone, ein Zeichen des Sieges und der neuen Freiheit, die der Gesalbte in Christus empfangen hat.42 Der Katechismus vermerkt, dass der Ritus der Krone in seiner ursprünglichen Form heute nicht mehr vollzogen wird; der Gürtel ist geblieben. Er zeigt, dass der Getaufte ein lebendiges Glied der Kirche ist.43
8. Kommunion, Prozession und Lösen des Gürtels
Der Neugetaufte empfängt in der Göttlichen Liturgie die heilige Kommunion. Mit Kerzen wird er in einer Prozession durch die Kirche getragen, ein Zeichen der Freude über den Sieg Christi und der geistlichen Erleuchtung.44 Zum Schluss betet der Priester das Gebet zum Lösen des Gürtels. Vorgesehen ist es für den achten Tag nach der Taufe; heute empfangen Täuflinge und Angehörige meist am Ende der Liturgie die Kommunion, und gleich danach wird das rote Band abgenommen.45 Die Kirche dankt Gott für die Erleuchtung und bittet: „Segne sie mit deinem Segen und festige sie bis ans Ende in deinem orthodoxen Glauben. Lass sie zur Reife und zum Erwachsenenalter gelangen.“46
Der Tauftag: drei Sakramente
Am Tag seiner Taufe empfängt ein Kind also drei Sakramente:
Der Tag der Taufe ist ein einzigartiger Tag, weil das Kind drei Sakramente empfängt: Taufe, Myronsalbung und Eucharistie. Dieser Tag ist der Anfang des Weges zur Ewigkeit.47
Darum empfangen koptische Kinder die heilige Kommunion vom Tag ihrer Taufe an. Sie müssen nicht bis zum Schulalter warten, um zum ersten Mal zu kommunizieren; von klein auf werden sie zum Altar gebracht.
Der Taufpate
Bei der Taufe eines Kindes sprechen Eltern und Paten die Absage und das Bekenntnis für das Kind. Mit ihrem „Ich glaube“ übernehmen sie die Verantwortung, es im Glauben zu erziehen und in den Lehren der Kirche zu unterweisen.48 Danach übergibt die Kirche den Getauften dem Paten, „der sich verpflichtet, ihn mit der Milch des unverfälschten Glaubens zu nähren“.49 Der Katechismus vergleicht den Paten mit dem Beichtvater: „beide sind vor Gott für den Gläubigen verantwortlich“.50 Der Pate ersetzt die Eltern nicht; er steht an ihrer Seite. Zu seinem Dienst gehört,
- für das Patenkind zu beten, besonders am Tag seiner Taufe;
- ihm mit den Eltern die ersten Gebete beizubringen – das Kreuzzeichen, das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis – und ihm biblische Geschichten zu erzählen;
- es zur Göttlichen Liturgie und zur heiligen Kommunion zu bringen und später zur Beichte zu ermutigen;
- ihm Vorbild zu sein, so wie Timotheus den Glauben von seiner Großmutter und seiner Mutter empfing (2. Tim 1:5).
Wer Pate werden kann und welche Voraussetzungen gelten, sagt der Priester.
Für den Dienst
- Eine Taufe miterleben. Wenn in deiner Gemeinde eine Taufe gefeiert wird, frag den Priester und die Familie, ob du dabei sein darfst. Du bist Gast der Familie und betest still mit. Achte auf die Schritte dieses Vortrags.
- Kindern den Ritus erklären. Wenn eine Taufe bevorsteht, erkläre den Kindern vorher, was sie sehen werden: die Wendung nach Westen und Osten, das Wasser, das Myron, das weiße Gewand. Kinder fragen oft: „Warum war ich nackt?“ – Weil wir in der Taufe den alten Menschen ablegen und neu bekleidet werden; das weiße Kleid ist ein Zeichen der neuen Natur, die wir durch Christus anziehen.51 „Warum hat mich der Priester angehaucht?“ – Weil Christus seinen Jüngern den Heiligen Geist so geschenkt hat (Joh 20:22). „Habe ich den Heiligen Geist?“ – Ja, seit deiner Myronsalbung wohnt er in dir.
- Der Geist in uns. Kinder und Jugendliche dürfen wissen: Der Heilige Geist wohnt in ihnen. Das macht sie nicht fehlerlos; der Kampf gegen die Sünde bleibt. Aber sie sind nicht allein, und ihr Leib ist ein Tempel des Geistes (1. Kor 6:19).
- Die eigene Patenschaft. Wenn du gefragt wirst, ob du Pate werden willst, ist das ein Dienst für viele Jahre. Bete für dein Patenkind, besuche es, erinnere dich an seinen Tauftag.
Für dein eigenes Leben: Ambrosius sagt: „Und wahre, was du empfangen hast!“ (Über die Mysterien 7,42) Prüfe, wo du im Alltag den Heiligen Geist betrübst – durch Worte, Bilder oder Wege, die nicht zu einem Gesalbten Christi passen.
Das Wichtigste in Kürze
- „In der Taufe empfangen wir die Wiedergeburt und die Vergebung der Sünden; in der Myronsalbung empfangen wir den Heiligen Geist, damit er in uns Wohnung nimmt“ (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 715).
- Schon in der Taufe wirkt der Heilige Geist und schenkt die neue Geburt. Taufe und Myronsalbung werden zusammen gespendet, sind aber zwei Sakramente.
- Die Apostel vermittelten die Gabe des Geistes durch Handauflegung (Apg 8:14–17; 19:6); heute salbt der Priester mit dem heiligen Myron und legt die Hände auf.
- „Christen“ heißt die Gesalbten; der Leib des Getauften ist ein Tempel des Heiligen Geistes (1. Kor 6:19).
- Das heilige Myron ist ein wohlriechendes, geweihtes Salböl, das der Papst mit den Bischöfen bereitet. Der Getaufte wird sechsunddreißigmal gesalbt: Sinne, Herz, Glieder – der ganze Mensch wird geheiligt.
- Der Taufritus: Salbung mit dem Öl der Ermahnung, Absage an den Satan nach Westen, Bekenntnis zu Christus nach Osten, Salbung mit dem Öl der Freude, Weihe des Taufwassers mit dem Myron, dreimaliges Untertauchen, Myronsalbung, weißes Gewand und Gürtel (rotes Band; die Ritusbücher nennen dazu die Krone), Kommunion, Lösen des Gürtels.
- Am Tauftag empfängt das Kind drei Sakramente: Taufe, Myronsalbung und Eucharistie.
- Der Taufpate verpflichtet sich, das Kind mit den Eltern im Glauben zu erziehen.
Zum Weiterlesen
- Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Fr. 688–709: die Riten der Taufe; Fr. 713–727: die Myronsalbung.
- Die sieben Sakramente (Kröffelbach 2017), Kap. 2 „Das Sakrament der heiligen Myronsalbung“ (S. 33–42) und die Liturgie der Taufe (S. 23–24, 26–29).
- Hl. Ambrosius von Mailand, Über die Mysterien, Kap. 2, 6 und 7.
- Damals wie Heute. Die Kirche vor Nizäa, „Die Myron Salbung“ (S. 247–251).
- Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, „Verbundenheit mit der Kirche“ (S. 32–35).
Anmerkungen
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 703.↑
Die sieben Sakramente, S. 33.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 715.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 713.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 33–34.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 715.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 714.↑
Damals wie Heute, S. 247.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 40; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 714.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 714.↑
Ambrosius, Über die Mysterien, Kap. 7,42. Lesart nach Ambrosius, Über die Mysterien, Kap. 7,42 (Jes 11:2–3 in der Bibelfassung des Ambrosius). Die Einheitsübersetzung (1980) liest hier: „der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht“ (Jes 11:2).↑
Theophilus von Antiochien, An Autolykus I,12; zitiert in: Die sieben Sakramente, S. 36; vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 721.↑
Ambrosius, Über die Mysterien, Kap. 6,30.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 714.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 724.↑
Synaxarium, 1. Kiyahk, Die Entschlafung von Papst Athanasius III., S. 157–158.↑
Vgl. Synaxarium, 30. Amschir, S. 318; 8. Baramhat, S. 334.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 604, Fr. 617 und Fr. 700.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 688.↑
Die sieben Sakramente, S. 26; vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 698.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 27.↑
Vgl. ebd.; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 697.↑
Die sieben Sakramente, S. 26 und 28; vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 698.↑
Ambrosius, Über die Mysterien, Kap. 2,7.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 697.↑
Vgl. ebd.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 25 und 28.↑
Ebd., S. 29.↑
Vgl. ebd.; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 695.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 23.↑
Die sieben Sakramente, S. 25; vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 700.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 25; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 700. Ysop ist eine Pflanze, mit deren Zweigen man Wasser versprengte.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 29.↑
Die sieben Sakramente, S. 38; vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 703.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 38–40; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 703 und Fr. 714.↑
Die sieben Sakramente, S. 39–40.↑
Vgl. ebd., S. 38–40.↑
Die sieben Sakramente, S. 40; vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 703.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 704.↑
Ambrosius, Über die Mysterien, Kap. 7,34.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 40.↑
Die sieben Sakramente, S. 41.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 705 und Fr. 709.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 707.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 31; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 709.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 709.↑
Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 33.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 28.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 706.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 761.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 2 und 40.↑