Zum Inhalt springen

Thema 27 · Vortrag 1

Wie wächst ein Diener?

Weiterentwicklung, Wachsamkeit und Treue im Dienst

17 Min. LesezeitWachsen im Dienst

Lernziele

  1. Acht der sechzehn Punkte der Weiterentwicklung nennen.
  2. Die Selbstprüfungsfragen auf sich selbst anwenden.

Schlüsselbegriffe

Weiterentwicklung · Selbstprüfung · Jüngerschaft (Nachfolge) · Beichtvater · Oberflächlichkeit · Lauheit · Wachsamkeit · Treue · Dienertreffen · Demut · Geduld

Bibelstellen

1. Tim 4:15⁠–⁠16; Lk 2:52; 2. Petr 3:18; 1. Kor 3:6⁠–⁠7; Phil 2:13; Mt 6:33; Phil 3:13⁠–⁠14; Jak 3:1; Hebr 13:7; Lk 18:27; Lk 11:1; Spr 3:5⁠–⁠6; Röm 15:7; Spr 3:7; Röm 12:2; Hebr 3:15; Lk 10:41⁠–⁠42; 1. Kor 12:4⁠–⁠5; 2. Kor 13:5; Offb 3:14⁠–⁠19; Mt 13:5⁠–⁠6; 2. Tim 4:5⁠–⁠6; Lk 12:42; Mt 5:16; Lk 6:32; Mt 25:21; Gal 2:2; Spr 15:22; Hebr 13:17; Lk 17:10; Hebr 6:10; Lk 10:20; Sir 1:23; Gal 6:9

Inhalt

Seit drei Semestern lernst du und arbeitest in einem Dienst mit, oft in einer Sonntagsschulklasse. Wächst du dabei noch, oder bist du stehen geblieben? Paulus schrieb dem jungen Timotheus, er solle auf sich und auf die Lehre achten, und fügte hinzu: „Dafür sollst du sorgen, darin sollst du leben, damit allen deine Fortschritte offenbar werden“ (1. Tim 4:15). Ein Diener braucht Demut und Geduld, um weiterzuwachsen und nicht oberflächlich oder lau zu werden.

Wachsen gehört zum geistlichen Leben

Auch der Herr selbst ist als Mensch gewachsen: „Jesus aber wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen“ (Lk 2:52). Und die Schrift fordert jeden Christen auf: „Wachset in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und Retters Jesus Christus!“ (2. Petr 3:18a). Papst Schenouda III. sagt es so:

Aus der Lehre unserer Päpste

Das geistliche Leben bedeutet nicht, dass man ein gutes Leben führt, sondern dass man sich von einem guten zu einem besseren und weit besseren Leben bewegt, ohne Begrenzung.1

– Papst Schenouda III., Worte zum geistlichen Gewinn III, Nr. 132 „Das geistliche Leben“

Wer nicht mehr wächst, bleibt nicht einfach gleich. In einem anderen Buch warnt Papst Schenouda III.: „Und alle, deren Wachsen stillsteht, sind entweder lau geworden oder aber gefallen …“ Darum rät er: „Wache also über dein Wachsen, denn der Weg vor dir ist lang. Hüte dich vor dem Stillstand, auf dass du nicht dem Rückgang verfällst.“2

Begriff
Weiterentwicklung

Weiterentwicklung des Dieners heißt: im geistlichen Leben, in der Kenntnis des Glaubens und in der Art zu dienen ständig weiterwachsen, statt beim Erreichten stehen zu bleiben.

Wachstum ist aber keine Leistung, mit der du dich selbst groß machst. Paulus sagt über seinen Dienst: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen. So ist weder der etwas, der pflanzt, noch der, der begießt, sondern nur Gott, der wachsen lässt“ (1. Kor 3:6⁠–⁠7). Gott schenkt das Wachstum, und du wirkst mit: „… Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt, noch über euren guten Willen hinaus“ (Phil 2:13).

Die sechzehn Punkte der Weiterentwicklung

An sechzehn Punkten kann ein Diener sein Wachstum prüfen. Sie stehen alle unter dem Leitvers, den du aus dem ersten Semester kennst: „Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest!“ (1. Tim 4:16a).

Tabelle 73 · Die sechzehn Punkte der Weiterentwicklung
Nr. Punkt Was das heißt Bibelstelle
1 Wissen, wer ich bin und was ich brauche ein klares Ziel haben, nicht ziellos dienen 1. Tim 4:16
2 Einen Plan haben und Prioritäten setzen Gott zuerst; der Dienst bekommt einen festen Platz in der Woche Mt 6:33
3 Aus Fehlern lernen aus eigenen und fremden; den gleichen Fehler nicht wiederholen Phil 3:13
4 Ehrlich sagen: „Ich weiß es nicht“ lieber nachfragen als etwas Falsches lehren Jak 3:1
5 Einen geistlichen Vater haben in wichtigen Fragen des geistlichen Lebens und des Dienstes den Rat des Beichtvaters suchen Hebr 13:7
6 Nicht hoffnungslos werden Frucht kommt oft später; Gott ist nichts unmöglich Lk 18:27
7 Jünger bleiben wer dient, lernt weiter, wie lange er auch dient Lk 11:1
8 Einfach und zuversichtlich bleiben Schritt für Schritt lehren; auf Gott vertrauen, dass die Kinder wachsen Spr 3:5⁠–⁠6
9 Die Kinder annehmen, wie sie sind jede Persönlichkeit achten, kein Kind vernachlässigen Röm 15:7
10 Andere Meinungen annehmen die Ideen der Mitdiener ernst nehmen Spr 3:7
11 Das eigene Denken erneuern Methoden und Ideen erneuern, offen für Neues sein Röm 12:2
12 Nichts aufschieben Vorbereitung, Beichte, Gebet nicht auf „morgen“ verschieben Hebr 3:15
13 Zeit für das eigene geistliche Leben einplanen der Dienst darf Gebet, Beichte und geistliche Treffen nicht verdrängen Lk 10:41⁠–⁠42
14 Die eigenen Ziele regelmäßig überdenken Warum diene ich? Was will ich bei den Kindern erreichen? Phil 3:14
15 Die eigenen Talente und die der Kinder einsetzen jede Gabe für die Kinder nutzen und ihre Gaben fördern 1. Kor 12:4⁠–⁠5
16 Sich regelmäßig selbst prüfen nach jeder Stunde und von Zeit zu Zeit Bilanz ziehen; Kritik annehmen 2. Kor 13:5

Du musst die Punkte nicht der Reihe nach „abarbeiten“. Sie lassen sich zu vier Fragen bündeln.

Weiß ich, wohin ich gehe? (Punkte 1, 2, 13, 14). Papst Schenouda III. nennt das richtige Ziel des geistlichen Menschen: „Dieses Ziel ist die Liebe zu Gott und das Königreich Gottes in seinem Herzen.“3 Er warnt, dass sich bei manchen Dienern mit der Zeit „der Dienst zum Ziel“ verwandelt; dann bleibt keine Zeit mehr für das Gebet.4 Deshalb gehört zum Plan nicht nur die Vorbereitung der Stunde, sondern auch die Zeit mit Gott: „Die Lösung liegt also darin, dass du deine geistige Zeit geziemend einteilst.“5 Mehr dazu im zweiten Vortrag.

Lerne ich noch? (Punkte 3, 4, 7, 11). Wer Fehler macht, lernt daraus und schaut nach vorn: „Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist“ (Phil 3:13b). Wer etwas nicht weiß, sagt das ehrlich. Der heilige Antonius legte einmal mehreren Altvätern, erfahrenen Mönchen der Wüste, ein Wort der Schrift vor und fragte jeden, was es bedeute. Alle gaben eine Antwort, nur der Altvater Joseph sagte: „Ich weiß es nicht.“ Da sprach Antonius: „Wahrhaftig, Altvater Joseph hat den Weg gefunden, indem er sagte: ‚Ich weiß es nicht.‘“6

Wie gehe ich mit anderen um? (Punkte 5, 9, 10, 15). Kein Diener wächst allein. Papst Schenouda III. führt dazu ein Wort an: „Diejenigen, die ohne Führung sind, fallen wie Baumblätter.“7 Selbst Fragen wie „Kann ich in dieser Woche fasten, obwohl ich krank bin?“ entscheidest du nicht allein, sondern mit deinem Beichtvater. Das ist kein blinder Gehorsam: Du darfst fragen, wie du in Thema 1 („Berufen zum Dienst“) gelernt hast. Die Kinder nimmst du an, wie sie sind: „… nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes“ (Röm 15:7). Und den Mitdienern gegenüber gilt: „Halte dich nicht selbst für weise, fürchte den Herrn und fliehe das Böse!“ (Spr 3:7).

Bleibe ich dran? (Punkte 6, 8, 12, 16). Manchmal hast du das Gefühl, die Kinder mögen dich nicht oder nichts kommt an. Dann gilt Punkt 6: Gib nicht auf. Christus sagt: „Was für Menschen unmöglich ist, ist für Gott möglich“ (Lk 18:27). Und was du heute tun kannst, schiebst du nicht auf: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht“ (Hebr 3:15).

Selbstprüfung: Wo stehe ich?

Punkt 16 hält die anderen zusammen. In Thema 3 („Die Sonntagsschullektion“) hast du die tägliche Selbstprüfung nach Papst Schenouda III. kennengelernt. An derselben Stelle stellt er noch tiefere Fragen:

Aus der Lehre unserer Päpste

Frag dich jeden Tag: „Was habe ich für das Reich Gottes getan? Bin ich treu in meinem Dienst und in der Entwicklung aller Talente, die Gott mir gegeben hat? …“8

– Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3, Abschnitt „Ein fruchtbarer und aktiver Eifer“
Begriff
Selbstprüfung

Eine Selbstprüfung ist eine ehrliche Bestandsaufnahme vor Gott, die du für dich selbst machst. Darüber sprichst du, wenn du willst, mit deinem Beichtvater.

Diese Fragen helfen dir bei der Selbstprüfung:

  • Wo bin ich jetzt? Bin ich wirklich noch auf dem Weg?9
  • Wie hat mich der Dienst verändert? Bin ich näher bei Gott als vor einem Jahr?
  • Ist der Dienst für mich ein Weg zu Gott – oder ist er selbst zum Ziel geworden?10
  • Bin ich für die Kinder, denen ich diene, ein Segen?
  • Kenne ich jedes Kind, dem ich diene, mit Namen, und bete ich für jedes?
  • Welcher der sechzehn Punkte gelingt mir gut? An welchem will ich in diesem Semester arbeiten?
Hinweis

Selbstprüfungsbogen. Im Arbeitsheft findest du den Bogen „Selbstprüfungsbogen: Wie wachse ich im Dienst?“. Fülle ihn von Zeit zu Zeit aus, am besten nach einer Stunde, die du selbst gehalten hast, und noch einmal am Semesterende. Er bleibt bei dir; was du daraus mit deinem Beichtvater oder einem erfahrenen Diener besprichst, entscheidest du selbst.

Wachsen ohne Mittel und ohne Ruhm

Manche Diener sagen: „Ich würde gern mehr machen, aber uns fehlen Raum und Material.“ Papst Schenouda III. antwortet mit dem Beispiel des heiligen Markus, durch den das Evangelium nach Ägypten kam:

Aus der Lehre unserer Päpste

Lasst also niemanden sagen: „Ich bin bereit zu dienen, aber ich habe keine Mittel und Ressourcen!“ Der heilige Markus diente, ohne welche zu haben. Er begann mit gar nichts …11

– Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 4, Abschnitt „St. Markus“
Beispiel

Der heilige Markus und Anianus. Nach dem Synaxarium kam der heilige Markus mit einer zerrissenen Sandale nach Alexandrien und gab sie dem Schuster Anianus zur Ausbesserung. Anianus verletzte sich mit der Ahle, seinem spitzen Werkzeug, und rief: „O du einziger Gott“. Markus heilte die Wunde im Namen Christi, verkündete ihm den einen Gott und taufte ihn mit seinem ganzen Haus. Von Anianus heißt es dann: „Er blieb beständig beim Apostel Markus, hörte seine Lehren, bis er alle Lehren der Kirche und ihre Riten auswendig kannte.“12 Später wurde er Bischof und Nachfolger des heiligen Markus. Der Apostel begann ohne Mittel, und der Schüler wuchs, weil er beständig lernte.

Der heilige Markus heilt den Schuster Anianus (nach dem Synaxarium, 20. Hatur)

Wachsen „ohne Ruhm“ heißt: Du wartest nicht darauf, dass jemand dein Wachstum bemerkt. Papst Schenouda III. vergleicht den demütigen Menschen mit dem Fundament eines Hauses: „Das Fundament sucht kein Lob, sondern nur die Sicherheit des Gebäudes, das oben erscheint. Es ist ganz zufrieden, tief unten zu sein.“13

Die Gefahr der Oberflächlichkeit und Lauheit

Die größte Gefahr für einen Diener nach einigen Jahren ist nicht eine schwere Sünde, sondern ein langsames Abkühlen. Die Offenbarung spricht darüber im Brief an die Gemeinde in Laodizea:

Heilige Schrift

Ich kenne deine Werke. Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß! Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien. Du behauptest: Ich bin reich und wohlhabend und nichts fehlt mir. Du weißt aber nicht, dass gerade du elend und erbärmlich bist, arm, blind und nackt.

Offb 3:15⁠–⁠17
Begriff
Lauheit

Lauheit ist der Zustand eines Christen, der weder kalt noch heiß ist: Er hat den Glauben nicht verlassen, aber sein Eifer ist erkaltet, und er merkt es oft selbst nicht.

An der Gemeinde in Laodizea zeigt sich, wie Diener lau werden und wie sie umkehren können:

  1. Selbstzufriedenheit. Die Gemeinde sagt: „Ich bin reich und wohlhabend und nichts fehlt mir“ (Offb 3:17a). Die gefährlichste Ausrede lautet: „Nach dem Dienerkurs brauche ich nichts mehr zu lernen.“ Wer so denkt, sieht nicht mehr, wo er arm ist, und hört auf zu wachsen.
  2. Blindheit. Der Herr rät: „kaufe Salbe für deine Augen, damit du sehen kannst“ (Offb 3:18b). Lauheit kommt leise. Papst Schenouda III. vergleicht sie mit einem heißen Gefäß, das vom Herd genommen wird: Es kühlt so langsam ab, dass man von einem Augenblick zum anderen keinen Unterschied merkt, bis es ganz kalt ist. „Desgleichen ist es auch beim geistigen Leben die Art und Weise des allmählichen Abgleitens; es benötigt ein Wachen und Aufmerksamkeit, damit der Mensch es bemerkt …“14
  3. Zurechtweisung aus Liebe. Der Brief endet nicht mit einer Drohung, sondern mit einer Einladung: „Wen ich liebe, den weise ich zurecht und nehme ihn in Zucht. Mach also Ernst und kehr um!“ (Offb 3:19). Wer wacht, kann zurückfinden: „Derjenige aber, der sein geistiges Wachen pflegt, überwindet die Lauheit und kehrt zu seiner Inbrunst zurück.“15
Begriff
Oberflächlichkeit

Oberflächlichkeit im Dienst heißt: außen viel, innen wenig – Aktivitäten, Worte und Auftreten ohne Tiefe im Gebet, im Wissen und in der Beziehung zu den Kindern.

Der heilige Antonius der Große sagte über einen Mönch, den die Brüder lobten, der aber keine Kränkung ertrug: „Du gleichst einem Dorf, das zwar vorne schön geschmückt ist, hinten jedoch von Räubern verwüstet wird.“16 Ein oberflächlicher Diener ist wie dieses Dorf: Er weiß viele Antworten, kennt aber die Kinder kaum; er bereitet schöne Spiele vor, aber kein Gebet; er spricht über Dinge, die er selbst nicht versteht. Christus beschreibt im Gleichnis vom Sämann den Samen, der „auf felsigen Boden“ fiel: Er „ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte“ (Mt 13:5⁠–⁠6). Der heilige Gregor von Nazianz denkt an dieses Gleichnis, wenn er alle warnt, die vorschnell andere lehren und führen wollen:

Aus den Vätern

Möge man nicht durch dieses gefährliche Hetzen und übertriebene Hasten jenen Samenkörnern gleichen, welche auf Felsen fielen und, weil sie keinen tiefen Boden hatten, zwar sofort keimten, aber nicht einmal die erste Sonnenhitze ertragen konnten …17

– Hl. Gregor von Nazianz, Reden, Rede 2,73

Gegen Oberflächlichkeit helfen gründliche Vorbereitung, ernsthafte Antworten auf die Fragen der Kinder, die Kenntnis ihrer Namen und Sorgen und der Blick auf gute Vorbilder. Papst Schenouda III. nennt auch die Folge der Lauheit für den Dienst: Wir behindern das Wachstum des Reiches Gottes „durch unsere Negativität, unsere Kämpfe gegeneinander im Dienst, durch unsere laue Haltung“.18

Die Haltung des Dieners nach 2. Tim 4:5

Als Paulus sein Ende nahen sieht (2. Tim 4:6), fasst er für Timotheus zusammen, was einen Diener trägt:

Heilige Schrift

Du aber sei in allem nüchtern, ertrage das Leiden, verkünde das Evangelium, erfülle treu deinen Dienst!

2. Tim 4:5

Wachsamkeit: „sei in allem nüchtern“. Nüchtern bleibt, wer auf sich selbst achtet, seine geistliche Regel einhält und aufmerksam wahrnimmt, wie es den Kindern geht. Ein Diener bemerkt, wenn ein Kind sich verändert, still wird oder fehlt, und fragt nach. Der Herr fragt: „Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt?“ (Lk 12:42b; Gesinde: die Hausangestellten). Zur rechten Zeit – nicht zu spät. Papst Schenouda III. schreibt: „Viele unserer Brüder waren verloren, weil niemand sie besuchte oder zu dem Zeitpunkt, als sie besucht wurden, war es zu spät.“19 Bei Besuchen wahrst du das rechte Maß von Nähe und Distanz, wie Thema 2 („Vorbild, Verhalten und Schutz“) es beschreibt.

Mühen tragen: „ertrage das Leiden“. Dienst kostet Kraft und Zeit, manchmal auch Verzicht. Sobald du Diener bist, schauen die Kinder darauf, wie du redest, dich kleidest und dich verhältst – auch außerhalb der Kirche. Manches, was du dir erlauben könntest, lässt du, weil ein Kind es nachmachen würde. Dazu gehört auch, müde trotzdem freundlich zu sein und nach einem Fehler um Entschuldigung zu bitten. Ein Diener muss nicht fehlerlos wirken; er soll echt sein.

Das Evangelium weitergeben: „verkünde das Evangelium“. Du verkündest das Evangelium mit Worten und mit deinem Leben: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“ (Mt 5:16). Zu einem Leben nach dem Evangelium gehört die Liebe zu allen Kindern, nicht nur zu denen, die dich mögen: „Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, welchen Dank erwartet ihr dafür?“ (Lk 6:32a). Bevorzuge kein Kind. Braucht eines mehr Zuwendung, bekommt es sie, ohne dass die anderen zurückgesetzt werden, und immer mit dem rechten Maß von Nähe und Distanz.

Treue: „erfülle treu deinen Dienst“. Der Dienst darf nicht von deiner Laune abhängen. Wer zugesagt hat, kommt, bereitet vor und hört nicht mittendrin auf, weil er gerade keine Lust hat. Treue heißt aber auch: Wenn du verhindert oder überlastet bist, sagst du rechtzeitig Bescheid und sorgst gemeinsam mit den Mitdienern für eine Vertretung. Gott fragt nach Treue, nicht nach Glanz: „Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen“ (Mt 25:21b). Wie man einen Dienst annimmt und wieder ablegt, zeigt der zweite Vortrag.

Ein Leben lang lernen

Je länger jemand dient, desto größer wird die Versuchung, nicht mehr zu lernen. Papst Schenouda III. schreibt:

Aus der Lehre unserer Päpste

Jüngerschaft braucht nicht durch das Alter oder die Situation einer Person behindert zu werden. Gesegnet sind die, die als Jünger leben, bereit und gewillt sind, ihr ganzes Leben lang zu lernen …20

– Papst Schenouda III., Jüngerschaft, Abschnitt „Ein nutzbringendes Wort“ (S. 15)

Er nennt auch das Hindernis: „Unser Problem ist jedoch, dass wir uns einbilden, dass wir schon etwas wissen würden, oder dass wir einen Punkt erreicht hätten, an dem wir nicht mehr zu fragen oder zu lernen bräuchten …“21 Die Apostel kannten das Beten, und doch baten sie: „Herr, lehre uns beten“ (Lk 11:1b). Für jeden, der lehrt, gilt besonders: „Jeder, der im Lehramt tätig ist, muss persönlich viel lesen, um seine Schüler zufriedenstellen zu können, und damit er ihnen nicht nur eine Wiederholung von Fakten, oberflächliches Wissen, oder Dinge präsentiert, die sie schon kennen.“22 Schon der heilige Gregor von Nazianz sagte, es sei notwendig, „zuerst Weisheit zu lernen, erst dann sie zu lehren“.23 Ein Diener, der selbst liest – die Schrift, die Väter, die Bücher der Kirche –, hat den Kindern immer etwas Neues zu geben.

Dienertreffen und Absprache mit dem Priester

Begriff
Dienertreffen

Das Dienertreffen ist das regelmäßige Treffen der Diener zu Gebet, Vorbereitung und Austausch.

Dort besprecht ihr, wie es den Kindern geht, plant gemeinsam und lernt voneinander; neue Diener werden dort eingebunden. Selbst Paulus legte sein Evangelium den Aposteln in Jerusalem vor: „ich wollte sicher sein, dass ich nicht vergeblich laufe oder gelaufen bin“ (Gal 2:2b). Und die Weisheit sagt: „Wo es an Beratung fehlt, da scheitern die Pläne, wo viele Ratgeber sind, gibt es Erfolg“ (Spr 15:22).

Zur Gemeinschaft gehört die Absprache mit dem Priester. Ein Diener soll, so Papst Schenouda III., „in seinem Dienst an Gott nicht unabhängig von der Kirche“ handeln.24 Neue Ideen – ein Ausflug, eine neue Aktivität, ein Gespräch mit Eltern über ein schwieriges Thema – besprichst du vorher mit Abuna und der Leitung deines Dienstes. Manchmal sagt Abuna: „Gute Idee, aber noch nicht jetzt.“ Auch das ist Führung. Die Schrift sagt über die Hirten der Kirche: „… sie wachen über euch und müssen Rechenschaft darüber ablegen“ (Hebr 13:17a).

Demut statt Lohndenken

Wer eine Weile gedient hat, kann anfangen zu rechnen: Wie viele Stunden habe ich gehalten? Was bekomme ich dafür? Christus antwortet darauf mit einem Vers, den du auswendig lernst:

Heilige Schrift

So soll es auch bei euch sein: Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen wurde, sollt ihr sagen: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben nur unsere Schuldigkeit getan.

Lk 17:10

Das heißt nicht, dass dein Dienst wertlos ist. Gott vergisst ihn nicht: „… Gott ist nicht so ungerecht, euer Tun zu vergessen und die Liebe, die ihr seinem Namen bewiesen habt, indem ihr den Heiligen gedient habt und noch dient“ (Hebr 6:10). Aber du dienst nicht, um dir etwas zu verdienen. Das Heil ist Geschenk Gottes; der Mensch wirkt mit (Phil 2:13; Gal 5:6), aber er verdient es nicht. Darum sagt der Herr seinen Jüngern, als sie sich über ihre Erfolge freuten: „freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind“ (Lk 10:20b) – nicht über das, was ihr geleistet habt.

Geduld im Dienst

Wachstum braucht Zeit – bei dir und bei den Kindern. Der zweite Lernvers dieses Vortrags lautet:

Heilige Schrift

Der Geduldige hält aus bis zur rechten Zeit, doch dann erfährt er Freude.

Sir 1:23

Ein Kind, das heute stört, kann in einigen Jahren selbst Diener sein. Papst Schenouda III. sagt: „Anfangen ist leicht, aber die Kraft ist, weiterzumachen.“25 Und Paulus ermutigt: „Lasst uns nicht müde werden, das Gute zu tun; denn wenn wir darin nicht nachlassen, werden wir ernten, sobald die Zeit dafür gekommen ist“ (Gal 6:9).

Für den Dienst

  • Nach einer eigenen Stunde füllst du den Selbstprüfungsbogen aus. Wähle zwei der sechzehn Punkte, an denen du bis zum Semesterende arbeitest.
  • Lies selbst. Besprich mit deinem Beichtvater, welches Buch der Kirche du in diesem Semester liest.
  • Kenne deine Kinder. Schreibe für dich (nicht zum Weitergeben) auf, ob du jedes Kind, dem du dienst, mit Namen kennst und für jedes betest.
  • In der Klasse und zu Hause: Erzähle den Kindern von Anianus, dem Schuster, der beständig lernte, oder vom Sämann (Mt 13): Auch Kinder können verstehen, dass Glaube Wurzeln braucht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das geistliche Leben ist Wachstum ohne Ende; wer stehen bleibt, wird lau oder fällt. Das Wachstum schenkt Gott, der Diener wirkt mit (1. Kor 3:6⁠–⁠7).
  • Die sechzehn Punkte der Weiterentwicklung reichen von „Wissen, wer ich bin“ bis zur regelmäßigen Selbstprüfung; sie lassen sich zu vier Fragen bündeln: Ziel, Lernen, Umgang mit anderen, Ausdauer.
  • Die Selbstprüfung ist eine ehrliche Bestandsaufnahme vor Gott; man bespricht sie, wenn man will, mit dem Beichtvater.
  • Der heilige Markus diente ohne Mittel; wer dient, wartet nicht auf bessere Ausstattung oder Lob.
  • Oberflächlichkeit und Lauheit kommen leise (Offb 3:14⁠–⁠19); gegen sie helfen Wachsamkeit, Tiefe und Umkehr.
  • Nach 2. Tim 4:5 bleibt der Diener wachsam, trägt Mühen und Verzicht, gibt das Evangelium in Wort und Leben weiter, auch durch Liebe zu allen Kindern ohne Bevorzugung, und bleibt seinem Dienst treu.
  • Ein Diener bleibt ein Leben lang Jünger, liest selbst, arbeitet im Dienertreffen mit und spricht sich mit dem Priester ab.
  • Der Diener dient in Demut, nicht um Lohn (Lk 17:10), und mit Geduld (Sir 1:23).

Zum Weiterlesen

  • Papst Schenouda III.: Heiliger Eifer, Kap. 3, Abschnitt „Ein fruchtbarer und aktiver Eifer“, und Kap. 4, Abschnitt „St. Markus“.
  • Papst Schenouda III.: Das geistige Wachen, Kap. 3.
  • Papst Schenouda III.: Jüngerschaft, Abschnitte „Ein nutzbringendes Wort“ (S. 13⁠–⁠16) und „Jüngerschaft aus Büchern“ (S. 27⁠–⁠30).
  • Papst Schenouda III.: Worte zum geistlichen Gewinn III, Nr. 132 und 134.
  • Synaxarium, 20. Hatur: Die Entschlafung des heiligen Anianus (S. 136⁠–⁠137).

Anmerkungen

  1. Papst Schenouda III., Worte zum geistlichen Gewinn III, Nr. 132 „Das geistliche Leben“.↑

  2. Papst Schenouda III., Das geistige Wachen, Kap. 3.4 „Wache über dein geistiges Wachsen“.↑

  3. Papst Schenouda III., Das geistige Wachen, Kap. 3.1 „Das Wachen über das geistige Ziel“.↑

  4. Ebd.↑

  5. Papst Schenouda III., Die geistige Erweckung, Kap. 1.1 „Die Geschäftigkeit“. „Geziemend“ heißt: so, wie es sich gehört.↑

  6. Apophthegmata Patrum, Nr. 17 (Antonius 17).↑

  7. Papst Schenouda III., Worte zum geistlichen Gewinn III, Nr. 136 „Rechtschaffen in seinen eigenen Augen“.↑

  8. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3, Abschnitt „Ein fruchtbarer und aktiver Eifer“.↑

  9. Vgl. Papst Schenouda III., Das geistige Wachen, Kap. 3.4.↑

  10. Vgl. ebd., Kap. 3.2 „Das Wachen über die Mittel“.↑

  11. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 4, Abschnitt „St. Markus“.↑

  12. Synaxarium, 20. Hatur, Die Entschlafung des heiligen Anianus, des zweiten Patriarchen des Markusstuhls, S. 136⁠–⁠137.↑

  13. Papst Schenouda III., Jüngerschaft, Abschnitt „Von der Natur lernen“, Lektion 8 (S. 38).↑

  14. Papst Schenouda III., Das geistige Wachen, Kap. 3.2, Abschnitt „Hüte dich vor dem allmählichen Abgleiten“.↑

  15. Papst Schenouda III., Das geistige Wachen, Kap. 3.2. „Inbrunst“ ist glühender Eifer.↑

  16. Apophthegmata Patrum, Nr. 15 (Antonius 15).↑

  17. Gregor von Nazianz, Reden, Rede 2,73.↑

  18. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 1, Abschnitt „Partnerschaft mit Gott“.↑

  19. Papst Schenouda III., Worte zum geistlichen Gewinn III, Nr. 111 „Besuchsdienst“.↑

  20. Papst Schenouda III., Jüngerschaft, Abschnitt „Ein nutzbringendes Wort“ (S. 15).↑

  21. Ebd.↑

  22. Papst Schenouda III., Jüngerschaft, Abschnitt „Jüngerschaft aus Büchern“ (S. 29). Mit dem „Lehramt“ ist hier jeder Dienst des Lehrens gemeint.↑

  23. Gregor von Nazianz, Reden, Rede 2,71.↑

  24. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 2, Abschnitt „Hindernisse für den Eifer“.↑

  25. Papst Schenouda III., Worte zum geistlichen Gewinn III, Nr. 134 „Das Element der Beständigkeit“.↑

Inhalt