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Thema 27 · Vortrag 2

Hindernisse und Gefahren im Dienst

Hindernisse, Sünden des Dieners, falscher Eifer und die eigenen Grenzen

14 Min. LesezeitWachsen im Dienst

Lernziele

  1. Hindernissen im Dienst Lösungen und Bibelstellen zuordnen.
  2. Kennzeichen falschen Eifers nach Papst Schenouda III. beschreiben.
  3. Anzeichen von Überforderung beschreiben und Wege nennen, Hilfe zu suchen.

Schlüsselbegriffe

Hindernis · Anstoß · Hochmut · Routine · eitler Ruhm · heiliger Eifer · falscher Eifer · Belastungsgrenze · Überforderung · Beichtvater · Dienstleitung

Bibelstellen

Offb 3:17; Hebr 13:17; Lk 10:41⁠–⁠42; 2. Tim 1:7; 1. Kor 3:6⁠–⁠7; Hld 2:15; Spr 15:22; Spr 3:5; 1. Kor 12:4⁠–⁠5; Hos 4:6; Mt 18:6⁠–⁠7; 2. Kor 6:3; Röm 14:13; 1. Tim 4:12; Spr 16:18; 1. Kor 4:7; Jak 3:1; 1. Tim 4:16; Mt 6:1; Röm 10:2; Mt 26:52; Lk 9:54⁠–⁠55; Num 11:28⁠–⁠29; Ex 18:17⁠–⁠18.22; 1. Kön 19:4⁠–⁠8; Mk 6:31; Gal 6:2; Sir 38:1

Inhalt

Wer dient, stößt auf Hindernisse – bei den Kindern, im Team und vor allem in sich selbst. Viele lassen sich benennen, und für jedes gibt es einen Weg heraus. Andere sind Sünden, in die gerade Diener leicht fallen, oder ein Eifer, der gut gemeint ist und doch schadet. Und jeder Diener kommt einmal an seine Grenzen; dann muss er wissen, woran er Überforderung erkennt, wo er Hilfe findet und wie er einen Dienst annimmt und wieder ablegt.

Zehn Hindernisse und ihre Lösungen

Die meisten Hindernisse kommen nicht von außen, sondern aus dem eigenen Herzen. Zehn davon begegnen Dienern immer wieder:

Tabelle 74 · Zehn Hindernisse im Dienst
Nr. Hindernis Woran man es merkt Lösung Bibelstelle
1 zu viel Selbstvertrauen man meint, niemand mache es besser; man sieht auf Mitdiener herab Ich bin es nicht wert zu dienen; ich danke Gott für die Möglichkeit Offb 3:17
2 die Regeln des Dienstes nicht einhalten Unpünktlichkeit, keine Vorbereitung, Absprachen werden übergangen gehorsam sein gegenüber Abuna und der Dienstleitung: Diener, nicht Angestellte Hebr 13:17
3 falsche Interessen Ausflüge, Essen, Ansehen werden wichtiger als die Kinder Gott ist die Priorität im Dienst Lk 10:41⁠–⁠42
4 Hoffnungslosigkeit „Es bringt nichts“, „die anderen sind besser“ Gott lässt wachsen; ich pflanze und begieße treu 2. Tim 1:7; 1. Kor 3:6⁠–⁠7
5 Aufgeben Rückzug wegen Kränkung, Streit oder Bequemlichkeit den Dienst nicht wegen der Umstände verlassen; Schwierigkeiten früh besprechen Hld 2:15
6 Unbeweglichkeit nur die eigene Meinung zählt, keine Diskussion andere Meinungen annehmen Spr 15:22
7 falsche Denkweise Erfolg soll an Geld, Kontakten oder Begabung hängen; eigene Pläne statt des Wohls der Kinder nicht auf eigene Klugheit bauen; das Wohl der Kinder im Blick behalten Spr 3:5
8 Vergleichen Neid oder Entmutigung: „Die anderen können das besser.“ Jeder hat eigene Gaben; wir ergänzen uns 1. Kor 12:4⁠–⁠5
9 kein klares Ziel man weiß nicht mehr, warum man dient das Ziel des Dienstes erkennen und die Motive regelmäßig prüfen Hos 4:6
10 Anstoß geben man lehrt, was man selbst nicht lebt leben, was man lehrt Mt 18:7

Drei Hindernisse brauchen eine Erklärung.

Hoffnungslosigkeit. Wer keine Frucht sieht, verliert leicht den Mut oder hält sich für nutzlos. Paulus antwortet: „… Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Tim 1:7). Gott lässt wachsen (1. Kor 3:6⁠–⁠7) – aber er tut es nicht ohne uns. Papst Schenouda III. sagt: „Wenn Gott mit dir arbeitet, bedeutet das nicht, dass du faul sein darfst.“1 Du pflanzt und begießt treu; das Wachstum überlässt du Gott.

Aufgeben. Selten verlässt jemand den Dienst auf einen Schlag. Zuerst fehlt man eine Woche, dann einen Monat, dann kommt man nicht mehr. Das Hohelied spricht von den kleinen Füchsen: „Fangt uns die Füchse, die kleinen Füchse! Sie verwüsten die Weinberge“ (Hld 2:15). Wer Schwierigkeiten früh mit dem Beichtvater oder der Dienstleitung bespricht, fängt die kleinen Füchse, bevor sie den Weinberg verwüsten. Papst Schenouda III. erinnert daran, was schwieriger und wertvoller ist: „Es ist leicht für einen Sonntagschuldiener, einen unerträglichen Schüler aus seiner Klasse zu werfen, eine andere Sache ist es jedoch, diesen erfolgreich zu betreuen.“2

Vergleichen. Wer sich ständig vergleicht, wird neidisch oder mutlos; dabei gibt es „verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn“ (1. Kor 12:5). Papst Schenouda III. sagt über Rivalität unter Dienern: „Wer im Dienst konkurriert, nimmt sich selbst wichtiger als den Dienst.“3

Arten des Anstoßes

Das zehnte Hindernis wiegt besonders schwer, weil es nicht nur dem Diener schadet, sondern den Kindern. Christus sagt: „Wehe der Welt mit ihrer Verführung! Es muss zwar Verführung geben; doch wehe dem Menschen, der sie verschuldet“ (Mt 18:7) – und im Vers davor spricht er ausdrücklich von den Kleinen, die an ihn glauben (Mt 18:6).

Begriff
Anstoß

Ein Anstoß ist alles, was einen anderen, besonders ein Kind, im Glauben zum Straucheln bringt. Paulus mahnt: „Achtet vielmehr darauf, dem Bruder keinen Anstoß zu geben und ihn nicht zu Fall zu bringen“ (Röm 14:13b).

Für Diener gilt das Wort des Apostels:

Heilige Schrift

Niemand geben wir auch nur den geringsten Anstoß, damit unser Dienst nicht getadelt werden kann.

2. Kor 6:3

Anstoß kann auf verschiedene Weise entstehen:

  • durch Kleidung und Auftreten – in der Kirche, aber auch auf der Straße und in sozialen Medien;
  • durch das Verhalten in der Göttlichen Liturgie – Kinder sehen, ob ihr Diener betet, mitsingt oder am Handy ist;
  • durch das Fasten – wer das Fasten lehrt, fastet selbst;
  • durch Reden ohne Wissen – wer über Dinge spricht, die er nicht kennt, verwirrt die Kinder;
  • durch ein Doppelleben – wer im Dienst anders lebt als im Alltag, wird unglaubwürdig. Paulus schreibt dem jungen Timotheus: „Sei den Gläubigen ein Vorbild in deinen Worten, in deinem Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit“ (1. Tim 4:12b; Lauterkeit heißt Reinheit).

Sünden, in die ein Diener fallen kann

Manche Sünden bedrohen Diener mehr als andere, gerade weil sie dienen.

Hochmut. Er ist wie eine Mutter, die viele Kinder hat: Aus ihm wachsen Lästern, Urteilen, Starrsinn, Mangel an Liebe und Spaltung. „Hoffart kommt vor dem Sturz und Hochmut kommt vor dem Fall“ (Spr 16:18). Demut heißt nicht, sich klein zu reden; zwischen Kleinmut, dem fehlenden Vertrauen in die eigenen Gaben, und Hochmut steht der Diener, der seine Gaben kennt und Gott die Ehre gibt: „Und was hast du, das du nicht empfangen hättest?“ (1. Kor 4:7b).

Routine und Trägheit. Viele beginnen „heiß“ und werden mit der Zeit kalt: Sie kommen erst kurz vor Beginn zur Liturgie, bereiten sich hastig vor und greifen immer auf dieselben Ideen zurück. Der Dienst fühlt sich an wie eine Pflicht. Papst Schenouda III. sagt dagegen: „Eifer ist nicht nur das Befolgen einer Routine oder das Erfüllen einer Pflicht, es ist Kraft.“4

Lehren statt lernen. Wer oft vorträgt, hört leicht auf, selbst zu lernen, und hört Mitdienern gelangweilt oder vergleichend zu. Dagegen steht die Warnung: „Nicht so viele von euch sollen Lehrer werden, meine Brüder. Ihr wisst, dass wir im Gericht strenger beurteilt werden“ (Jak 3:1).

Untreue zur Lehre. Am gefährlichsten ist es, die eigene Meinung als Glauben der Kirche auszugeben. Ein Diener, der aus Unwissen etwas Falsches lehrt, lässt sich korrigieren. Wer auf seinem Irrtum beharrt oder nur halb orthodox lehrt, schadet den Kindern auf Dauer. Darum arbeitet der Diener mit den Büchern der Kirche und gibt den Glauben vollständig weiter: mit Bibelvers, Glaubenslehre, Ritus, Geschichte der Kirche und der Väter und mit der Anwendung für das Leben. „Achte auf dich selbst und auf die Lehre“ (1. Tim 4:16a).

Eitler Ruhm junger Diener

Eine besondere Versuchung junger Diener ist der eitle Ruhm: Man freut sich mehr über das Lob als über die Kinder. Papst Schenouda III. vergleicht das mit den Mühen des Apostels Paulus:

Aus der Lehre unserer Päpste

Das ist wirklich Eifer, und davor können wir nur stehen und staunen, wenn wir uns immer mehr daran gewöhnen, einen jungen Mann mit eitlem Ruhm überhäuft zu sehen, nur weil er ein Kapitel in einer Bibel Klasse unterrichtet oder eine Predigt in der Kirche hält!5

– Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 4, Abschnitt „Der Apostel St. Paulus“

Christus warnt: „Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten“ (Mt 6:1). Wer gelobt wird, gibt das Lob an Gott weiter und dient weiter wie zuvor.

Wahrer und falscher Eifer

In Thema 21 („Der geistliche Dienst“) hast du gehört, dass der Dienst heiliger Eifer ist. Papst Schenouda III. fügt eine Warnung hinzu:

Aus der Lehre unserer Päpste

Nicht jeder Eifer ist heiliger Eifer, es gibt falsche Arten von Eifer, z. B. der sich nicht auf Wissen gründet, der nicht religiös, der unfruchtbar, der zerstörerisch und der missbräuchlich ist.6

– Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3

Er nennt fünf Bedingungen des heiligen Eifers. Ihr Gegenteil sind die Kennzeichen falschen Eifers:

Tabelle 75 · Heiliger und falscher Eifer nach Papst Schenouda III.
Heiliger Eifer ist … Kennzeichen falschen Eifers Beispiel
auf Wissen gegründet gut gemeint, aber ohne Erkenntnis und mit falscher Methode Petrus und das Schwert (Mt 26:52); Jakobus und Johannes wollen Feuer vom Himmel (Lk 9:54⁠–⁠55); Josua eifert für Mose (Num 11:28⁠–⁠29)
von einem guten Lebensstil begleitet man zeigt anderen den Weg, geht ihn aber selbst nicht Wegweiser, die zur Stadt weisen, aber selbst nicht hineingehen
aufbauend, nicht zerstörerisch Lärm, Beleidigung, Bloßstellung; der Sünder wird „zermalmt“ „Zu retten ist besser als zu verurteilen.“
stark und mutig Schüchternheit, als ob Demut verbiete, den Glauben zu bekennen Paulus spricht vor dem Statthalter Felix
fruchtbar und tätig nur Worte, Passivität ein Baum ohne Frucht

Paulus sagt über einen Eifer ohne Erkenntnis: „… ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer haben für Gott; aber es ist ein Eifer ohne Erkenntnis“ (Röm 10:2). Petrus wollte seinen Herrn verteidigen, doch Jesus sagte: „Steck dein Schwert in die Scheide“ (Mt 26:52a). Die Absicht war gut, die Methode falsch. Für den Dienst heißt das: Wer Kinder anschreit, beschämt oder mit Strafen droht, „damit Ordnung herrscht“, meint vielleicht, eifrig zu sein. Papst Schenouda III. nennt das eine List: Der Teufel „bietet dir harte Behandlung deiner Kinder und jungen Brüder unter dem Namen von Disziplin, guter Erziehung und Korrektur an“.7 Heiliger Eifer dagegen rettet den Sünder von seiner Sünde, statt ihn zu „zermalmen“: „Zu retten ist besser als zu verurteilen.“8

Gefahren im Dienst

Dienst ohne Gebet

Der Dienst kann weitergehen, während das Gebet immer mehr zu kurz kommt. Papst Schenouda III. beschreibt einen eifrigen Diener, der vor lauter Aufgaben keine Zeit mehr für das Gebet findet: „Der Geist des Kirchendieners trocknete aus, dachte er doch er habe die Höhe des Dienstes erreicht. Der Dienst verwandelt sich in eine Art Geschäftigkeit, bar des Geistes: eine Organisation der Befehle und Verbote.“9 Von solchen Dienern sagt er auch: „Sie leben von ihrem vergangenen geistlichen Vorrat, ohne etwas Neues hinzuzufügen.“10 Darum gilt: „Wir haben nichts gegen den Dienst, aber er muss sich in gewissen Grenzen halten, um Gebete, Kontemplation oder geistliche Lektüre oder Verbundenheit mit Gott nicht zu hindern.“11

Aufgaben, für die man nicht begabt ist

Eine zweite Gefahr sieht aus wie Liebe: Ein Diener übernimmt Aufgaben, die über seine Gabe hinausgehen – etwa die geistliche Führung von Jugendlichen in schweren persönlichen Fragen. Papst Schenouda III. warnt: „Wir müssen wissen, dass nicht jeder dazu qualifiziert ist, eine Führung zu geben.“12 Wer solche Gespräche allein trägt, kann selbst Schaden nehmen. Er hätte die Jugendlichen, so der Papst, „von Anfang an zu einem geistlichen Vater schicken und sich entlasten können“.13 Schwere Sünden, Glaubenskrisen und große Sorgen eines Kindes oder Jugendlichen gehören darum zum Priester und Beichtvater. Sorgst du dich um das Wohl eines Kindes, sprichst du mit Abuna; bei akuter Gefahr rufst du sofort selbst den Notruf. Es ist Demut, zu sagen: „Ich war nicht in der Lage, mich selbst zu leiten, wie kann ich dann andere leiten?“14

Belastungsgrenzen, Rückzug und Hilfe suchen

Auch treue Diener kommen an ihre Grenzen. Die Schrift verschweigt das nicht. Als Mose das ganze Volk allein richtete, sagte sein Schwiegervater zu ihm:

Heilige Schrift

Da sagte der Schwiegervater zu Mose: Es ist nicht richtig, wie du das machst. So richtest du dich selbst zugrunde und auch das Volk, das bei dir ist. Das ist zu schwer für dich; allein kannst du es nicht bewältigen.

Ex 18:17⁠–⁠18

Sein Rat lautet: „Entlaste dich und lass auch andere Verantwortung tragen!“ (Ex 18:22b). Der Prophet Elija war auf der Flucht so erschöpft, dass er sich unter einen Ginsterstrauch setzte und sagte: „Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben“ (1. Kön 19:4b). Gott tadelte ihn nicht. Ein Engel rührte ihn an und sprach: „Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich“ (1. Kön 19:7b). Und Christus sagte zu seinen Aposteln, als sie nicht einmal Zeit zum Essen fanden: „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus“ (Mk 6:31a).

Der Engel stärkt den Propheten Elija (1. Kön 19:5⁠–⁠7)

Der heilige Antonius der Große erklärte das mit einem Bild. Ein Jäger nahm Anstoß daran, dass der Altvater mit den Brüdern scherzte. Antonius ließ ihn den Bogen spannen, immer weiter, bis der Jäger sagte: „Wenn ich über das Maß spanne, dann bricht der Bogen.“ Der Greis antwortete: „So ist es auch mit dem Werk Gottes. Wenn wir die Brüder übers Maß anstrengen, versagen sie schnell.“15 Was für die Brüder gilt, gilt auch für dich.

Begriff
Belastungsgrenze

Die Belastungsgrenze ist das Maß, über das hinaus ein Mensch auf Dauer nicht belastet werden kann, ohne an Leib, Seele oder geistlichem Leben Schaden zu nehmen. Wer sie überschreitet, ist überfordert.

Anzeichen von Überforderung

  • Du bist ständig müde; Schlaf, Studium, Arbeit oder Familie leiden.
  • Gebet und Schriftlesung fallen immer öfter aus, „weil der Dienst so viel Zeit kostet“.
  • Du bereitest nur noch im letzten Moment vor und hast keine Freude mehr an der Stunde.
  • Du wirst schnell gereizt, gegenüber Kindern oder Mitdienern.
  • Du denkst: „Ohne mich geht nichts“, und kannst keine Aufgabe abgeben.
  • Du trägst Sorgen und Geheimnisse anderer allein mit dir herum und wirst sie nicht los.
  • Du sagst zu jeder neuen Aufgabe Ja, obwohl du schon zu viel hast.

Wege, Hilfe zu suchen

  • Sprich mit deinem Beichtvater. Papst Schenouda III. vergleicht Beichtväter und geistliche Berater mit Ärzten, die dem kranken Menschen helfen.16
  • Sprich offen mit der Dienstleitung und mit deinen Mitdienern. Aufgaben lassen sich teilen; eine Vertretung lässt sich finden. „Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6:2).
  • Gib schwere Lasten ab. Was über deine Aufgabe hinausgeht, gehört zum Priester; mit ihm sprichst du auch über Sorgen, die du sonst allein trägst.
  • Achte auf deinen Leib. Halten Erschöpfung, Schlafprobleme oder Niedergeschlagenheit länger an, ist das kein geistliches Versagen; dann suchst du auch ärztliche Hilfe. Die Schrift sagt: „Schätze den Arzt, weil man ihn braucht; denn auch ihn hat Gott erschaffen“ (Sir 38:1).

Die Väter haben einander so geholfen: Sahen sie einen Bruder, „der von der Arbeit erschöpft war“, dann „nahmen [sie] die Last von ihm“.17 Auch du darfst dir helfen lassen – und sollst anderen so helfen.

Einen Dienst annehmen, tragen und ablegen

Viele Überforderungen beginnen mit einem schnellen Ja, und mancher Dienst endet damit, dass jemand still wegbleibt. Für Anfang und Ende eines Dienstes gilt darum:

Merksatz

Sag nicht zu jedem Dienst Ja. Steck Zeit in den Dienst, den du übernimmst. Leg einen Dienst nicht leichtfertig ab. Besprich Beginn und Ende immer mit deinem Beichtvater und der Dienstleitung.

Papst Schenouda III. rät: „Wenn also eine neue Verpflichtung auf dich zukommt, überlege gut bevor du sie annimmst.“18 Das heißt nicht, dass ein Diener sich die bequemen Aufgaben aussucht; kein Dienst ist ihm zu gering, auch wenn er Mühe kostet. Was du zusätzlich übernehmen kannst, prüfst du gemeinsam mit deinem Beichtvater. Auch die eigene Familie darf der Dienst nicht verdrängen: „Das Sich-Weihen für den Dienst des Herrn … bedeutet nicht, dass der Mensch seine Verwandten und Angehörigen vernachlässigen darf“.19

Wer neu ist, übernimmt zuerst eine kleine Aufgabe neben einem erfahrenen Diener: das Gebet am Anfang der Stunde, eine kurze Erzählung, eine Gruppe beim Basteln. Größere Aufgaben strebt man nicht an; man nimmt sie an, wenn die Kirche ruft. Wer aus Eifer lehren möchte, dem sagt Papst Schenouda III.: „Gehe zur Kirche, damit sie dich aussendet“.20

Einen Dienst, den du übernommen hast, legst du nicht beim ersten Engpass ab. Einem Studenten, der wegen seiner Seminare aufhören wollte, antwortete Papst Schenouda III.: „Mein Sohn, wie kannst du den Dienst verlassen? Ist nicht ein Tag in der Woche, der Tag des Herrn, an dem du dienen kannst?“21 Brauchst du trotzdem eine Pause oder musst du aufhören, entscheidest du das nicht allein: Du besprichst es mit deinem Beichtvater und der Dienstleitung und sorgst mit ihnen dafür, dass die Kinder nicht ohne Diener bleiben. So wird aus einem Ende kein Davonlaufen.

Für den Dienst

  • Praxisrunde. Bringe in die Praxisrunde ein Hindernis mit, das du in deiner Klasse, in einem anderen Dienst oder in einer eigenen Stunde erlebt hast, und die Lösung, die du versucht hast – ohne Namen von Kindern oder Mitdienern.
  • Selbstprüfungsbogen. Prüfe mit dem Abschnitt „Hindernisse und Grenzen“ des Bogens, welches Hindernis dich betrifft und ob du Anzeichen von Überforderung bemerkst.
  • Prüfe deinen Eifer. Frage dich nach einer schwierigen Stunde: Habe ich aufgebaut oder zermalmt?

Das Wichtigste in Kürze

  • Die zehn Hindernisse im Dienst sind: zu viel Selbstvertrauen, Missachten der Regeln, falsche Interessen, Hoffnungslosigkeit, Aufgeben, Unbeweglichkeit, falsche Denkweise, Vergleichen, kein klares Ziel und Anstoß; jedes hat eine Lösung und eine Bibelstelle.
  • Anstoß gibt, wer anders lebt, als er lehrt; der Diener achtet auf Kleidung, Verhalten in der Liturgie, Fasten, Worte und sein Privatleben (Mt 18:6⁠–⁠7; 2. Kor 6:3).
  • Diener sind besonders durch Hochmut, Routine, Lehren ohne Lernen, Untreue zur Lehre und eitlen Ruhm gefährdet.
  • Nach Papst Schenouda III. ist falscher Eifer ohne Wissen, ohne Lebenszeugnis, zerstörerisch, ängstlich oder fruchtlos; heiliger Eifer rettet, statt zu zermalmen.
  • Ein Dienst ohne Gebet trocknet aus; der Dienst muss sich in Grenzen halten, die Gebet und geistliches Leben nicht hindern.
  • Überforderung zeigt sich an Müdigkeit, ausfallendem Gebet, fehlender Freude, Gereiztheit und dem Gefühl „ohne mich geht nichts“.
  • Hilfe findest du beim Beichtvater, bei der Dienstleitung, bei den Mitdienern und, wenn nötig, beim Arzt.
  • Ein Diener sagt nicht zu jedem Dienst Ja, steckt Zeit in den Dienst, den er übernimmt, legt ihn nicht leichtfertig ab und bespricht Beginn und Ende immer mit dem Beichtvater und der Dienstleitung.

Zum Weiterlesen

  • Papst Schenouda III.: Heiliger Eifer, Kap. 3 „Die notwendigen Bedingungen des heiligen Eifers“.
  • Papst Schenouda III.: Teuflische Kriege, Kap. 3, Abschnitte 1, 2 und 12.
  • Papst Schenouda III.: Die geistige Erweckung, Kap. 1.1 „Die Geschäftigkeit“.
  • Papst Schenouda III.: Eine komplette spirituelle Lebenslehre, Abschnitt „Der Dienst“ (S. 106⁠–⁠114).

Anmerkungen

  1. Papst Schenouda III., Der geistliche Mensch, Kap. 15 „Das Leben des Sieges und des Triumphs“, Abschnitt „Wie man überwindet“.↑

  2. Papst Schenouda III., Eine komplette spirituelle Lebenslehre. Nach dem Brief an die Römer, Kap. „Je nach der uns verliehenen Gnade“, Abschnitt „Der Dienst“ (S. 112).↑

  3. Ebd. (S. 113).↑

  4. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3, Abschnitt „Ein starker und mutiger Eifer“.↑

  5. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 4, Abschnitt „Der Apostel St. Paulus“.↑

  6. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3.↑

  7. Papst Schenouda III., Teuflische Kriege, Kap. 3, Abschnitt 1 „Eine unter dem Deckmantel der Tugend versteckte Sünde“.↑

  8. Papst Schenouda III., Heiliger Eifer, Kap. 3, Abschnitt „Konstruktiv und nicht zerstörerisch“.↑

  9. Papst Schenouda III., Die geistige Erweckung, Kap. 1.1 „Die Geschäftigkeit“.↑

  10. Papst Schenouda III., Teuflische Kriege, Kap. 3, Abschnitt 12 „Verstrickung“.↑

  11. Ebd. „Kontemplation“ ist das stille, betrachtende Gebet.↑

  12. Papst Schenouda III., Teuflische Kriege, Kap. 3, Abschnitt 2 „Eine Tugend zu zerstören, um eine andere zu gewinnen“.↑

  13. Ebd.↑

  14. Ebd.↑

  15. Apophthegmata Patrum, Nr. 13 (Antonius 13).↑

  16. Vgl. Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Sechs, Abschnitt „Für den Geist sorgen“.↑

  17. Nach Papst Schenouda III., Eine komplette spirituelle Lebenslehre, Kap. „Je nach der uns verliehenen Gnade“, Abschnitt „Der Dienst“ (S. 111).↑

  18. Papst Schenouda III., Teuflische Kriege, Kap. 3, Abschnitt 12 „Verstrickung“.↑

  19. Papst Schenouda III., Die sieben Worte Christi am Kreuz, Wort 3.↑

  20. Papst Schenouda III., Das Priestertum, Kap. 10.5.↑

  21. Papst Schenouda III., Die geistige Erweckung, Kap. 1.1 „Die Geschäftigkeit“.↑

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