Thema 32 · Vortrag 2
Der heilige Markus und die Kirche von Alexandrien
Apostel, Evangelist und Märtyrer – Anianus, die Markusliturgie und die Theologische Schule
15 Min. LesezeitDie Kirche der Apostel und der heilige Markus
Lernziele
- Das Leben des heiligen Markus mit Ankunft in Alexandrien, Anianus und Martyrium nach dem Synaxarium wiedergeben.
- Aufgabe und Leiter der Theologischen Schule von Alexandrien beschreiben.
Schlüsselbegriffe
Markus · die Siebzig · Pentapolis · Anianus · Baukalia · Markusfest · Reliquien · Markusliturgie · Kyrillus-Liturgie · Papst von Alexandrien · Stuhl des heiligen Markus · Theologische Schule von Alexandrien · Katechetenschule
Bibelstellen
Apg 12:12; Apg 12:25; Apg 13:5; Apg 13:13; Apg 15:37–39; Apg 15:39–16:5; Kol 4:10; Phlm 24; 2. Tim 4:11; 2. Tim 4:10–18; 1. Petr 5:13; 1. Petr 5:1–14; Apg 2:10; Lk 10:1; Mk 14:13–15; Mk 1:1; Mk 1:1–11; Mk 1:3; Jes 19:19; Ps 96:2
Inhalt
Der heilige Markus, Apostel, Evangelist und Märtyrer, brachte den Glauben nach Ägypten; ihm verdankt die koptische Kirche ihren Anfang. Buch 1, Kapitel 1 („Wer die Kopten sind“), erzählt sein Leben in Grundzügen. Hier geht es genauer um das, was Schrift und Synaxarium von ihm berichten, um die Liturgie, die auf ihn zurückgeht, und um die Schule, die er in Alexandrien begann. Als Diener gibst du diese Geschichte an Kinder weiter, die in Europa aufwachsen und doch Kinder des heiligen Markus sind.
Was die Schrift über Markus sagt
Die Apostelgeschichte nennt ihn „Johannes mit dem Beinamen Markus“. Als Petrus aus dem Gefängnis befreit wurde, „ging er zum Haus der Maria, der Mutter des Johannes mit dem Beinamen Markus, wo nicht wenige versammelt waren und beteten“ (Apg 12:12). Johannes ist sein jüdischer, Markus sein römischer Name.1
Barnabas und Saulus nahmen ihn aus Jerusalem mit (Apg 12:25), und auf der ersten Reise hatten sie ihn „als Helfer bei sich“ (Apg 13:5). In Perge aber heißt es: „Johannes aber trennte sich von ihnen und kehrte nach Jerusalem zurück“ (Apg 13:13). Als Barnabas ihn auf die nächste Reise mitnehmen wollte, kam es zu einem Streit, und „Barnabas nahm Markus mit und segelte nach Zypern“ (Apg 15:39). Später ist Markus wieder bei Paulus: Er grüßt die Kolosser als „der Vetter des Barnabas“ (Kol 4:10) und gehört zu den „Mitarbeitern“ des Apostels (Phlm 24). Kurz vor seinem Tod schreibt Paulus:
Nur Lukas ist noch bei mir. Bring Markus mit, denn er wird mir ein guter Helfer sein.
Auch Petrus nennt ihn „mein Sohn Markus“ (1. Petr 5:13b). So zeigt die Schrift einen Mann, der einmal aufgab und doch zu einem der treuesten Mitarbeiter der Apostel wurde.
Was die Kirche über Markus überliefert
Das Synaxarium erzählt am 30. Baramuda sein Leben. Markus war „ein Jude vom Stamm Levi“; er „wurde in Kyrene, einer der fünf westlichen Städte Libyens, geboren“.2 Diese fünf Städte heißen Pentapolis. Sein Vater hieß Aristobulos, seine Mutter Maria.
Nach dieser Überlieferung gehörte Markus zu den siebzig Jüngern, die der Herr aussandte (vgl. Lk 10:1); das Synaxarium nennt ihn „einer der siebzig Apostel“.3 Sein Haus war der Ort, an dem der Herr mit seinen Jüngern zusammenkam; Markus war der Mann mit dem Wasserkrug, dem die Jünger vor dem letzten Abendmahl folgen sollten (vgl. Mk 14:13–15), und in diesem Haus kam der Heilige Geist am Pfingsttag herab.4 Den Glauben brachte er zuerst seinem eigenen Vater: Als ihnen ein Löwe begegnete, betete Markus und machte das Kreuzzeichen, und das Tier starb. „Das Symbol des Apostels Markus wurde der Löwe aufgrund dieses Vorfalls und auch, weil der Anfang seines Evangeliums lautet: ‚Die Stimme eines Rufers in der Wüste‘.“5
Die Kirche nennt Markus den Gottesseher, weil er den Herrn selbst gesehen hat.6 Im Abschlusssegen der Emporhebung des Weihrauchs und der Göttlichen Liturgie gedenkt sie seiner mit fünf Namen: „der Gottesseher, der Evangelist Markus der Apostel, der Heilige und Märtyrer“.7
| Was die Schrift berichtet | Was die Kirche überliefert |
|---|---|
| Johannes mit dem Beinamen Markus; das Haus seiner Mutter Maria als Ort des Gebets (Apg 12:12) | Geburt in Kyrene in der Pentapolis; Herkunft aus dem Stamm Levi |
| Helfer von Paulus und Barnabas, Rückkehr in Perge, später Mitarbeiter in Rom (Apg 13; 15; Kol 4:10; 2. Tim 4:11) | einer der Siebzig; der Mann mit dem Wasserkrug; das Pfingsthaus |
| „mein Sohn Markus“ bei Petrus (1. Petr 5:13) | Löwenwunder und Löwe als Symbol; Gründung der Kirche von Alexandrien und Martyrium |
Markus, der Evangelist
Sein Evangelium beginnt: „Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes“ (Mk 1:1). Der heilige Irenäus schreibt über die Zeit nach dem Tod des Petrus und Paulus: „Nach deren Tode zeichnete Markus, der Schüler und Dolmetscher Petri, dessen Predigt für uns auf.“8 Die koptische Kirche betont zugleich, dass Markus selbst ein Jünger des Herrn war, der vieles „als Augenzeuge“ beschrieb.9
Der Weg nach Alexandrien
Zuerst predigte Markus in seiner Heimat, der Pentapolis. Dann kam er nach Alexandrien. Papst Schenouda III. gibt einen alten Bericht des Bischofs Severus ibn al-Muqaffa wieder: Den Aposteln wurden die Länder durch die Eingebung des Heiligen Geistes zugeteilt, „und den Apostel Markus traf das Los, dass er auf Befehl des Hl. Geistes in das Land Ägypten und in die Stadt Alexandria zu gehen hatte“.10 Papst Tawadros II. schreibt, sein „Treibstoff“ sei das Buch Jesaja gewesen: „An jenem Tag wird es für den Herrn mitten in Ägypten einen Altar geben“ (Jes 19:19a).11
Alexandrien war eine Weltstadt mit berühmter Bibliothek, Philosophenschule und vielen Göttern. Markus kam allein. Nach dem Synaxarium gelangte er „um das Jahr 60 oder 61 n. Chr.“ dorthin.12 Wie vorsichtig man mit solchen Zahlen sein muss, zeigt Papst Schenouda III.:
Wie schwierig und mühevoll ist es die Termine im Leben unserer Väter, der Apostel, zu verfolgen! Selten finden wir ein ganz genaues Datum mit ziffernmäßiger Jahreszahl … Nach Alexandria dürfte er höchstwahrscheinlich im Jahre 60 oder 61 gekommen sein. Gott allein weiß es …13
Der Schuster Anianus
Das Synaxarium erzählt: Als Markus die Stadt betrat, war seine Sandale vom langen Weg zerrissen. Er ging zu dem Schuster Anianus. Beim Ausbessern fuhr diesem die Ahle, ein spitzes Werkzeug zum Durchstechen des Leders, in die Hand, „woraufhin er auf Griechisch ausrief: ‚EIS THEOS‘, das heißt ‚O du einziger Gott‘“. Markus heilte die Wunde und begann, „mit ihm über den Herrn Christus zu sprechen, über das Heil, das Er am Kreuz vollbrachte, und über die lebenspendende Auferstehung, bis Anianus und sein ganzes Haus zum Glauben kamen“; dann taufte er sie.14
Die erste Hauskirche Alexandriens. „Er machte das Haus des Anianus zu einem Ort, an dem er sich zum Dienst und zur Verkündigung versammelte.“15 Die Kirche von Alexandrien begann also wie die Kirche von Jerusalem: in einem Haus, mit einer Familie, die glaubte.
Die Gemeinde wuchs. Das Synaxarium berichtet weiter: Markus „gründete … die theologische Schule und vertraute ihre Leitung dem heiligen Justus an, der später der sechste Patriarch von Alexandria wurde. Dann verfasste der heilige Markus die Liturgie, die heute als die Kyrill-Liturgie bekannt ist“.16 Als die Heiden ihm nach dem Leben trachteten, weihte er Anianus zum Bischof von Alexandrien, mit ihm drei Priester und sieben Diakone, und ging für einige Zeit in die Pentapolis und nach Rom, wo er beim Martyrium der Apostel Petrus und Paulus war. Dann kehrte er nach Alexandrien zurück.17 Die Gläubigen bauten im Osten der Stadt eine Kirche an einem Ort, der Baukalia hieß (im Synaxarium auch Bokalia), „Haus der Rinder“.18
Auch Eusebius bewahrt diese Überlieferung: „Markus soll als erster in Ägypten das von ihm niedergeschriebene Evangelium gepredigt und in Alexandrien selbst als erster Kirchen gegründet haben.“19 Mit dem Wort „soll“ zeigt Eusebius, dass er Überliefertes weitergibt.
Das Martyrium
Nach dem Synaxarium feierten die Christen am 29. Baramuda des Jahres 68 das Auferstehungsfest in der Kirche von Baukalia. Am selben Tag war das Fest des heidnischen Gottes Serapis. Die Heiden stürmten die Kirche, ergriffen Markus und schleiften ihn durch die Straßen der Stadt; dann warfen sie ihn in ein finsteres Gefängnis.20 In der Nacht erschien ihm der Engel des Herrn und stärkte ihn, und dann der Herr selbst. Papst Schenouda III. gibt seine Worte nach der Überlieferung so wieder: „O Markus, o mein Jünger, o mein Evangelist, der Friede sei mit dir.“21
Am Morgen des 30. Baramuda schleiften sie ihn erneut durch die Straßen, bis er starb. „Er aber betete während all dessen und bat für sie um Verzeihung.“22 Wie Stephanus und wie sein Herr betete er für seine Verfolger. Als die Heiden seinen Leib verbrennen wollten, erhob sich ein Sturm mit heftigem Regen und löschte das Feuer. Die Gläubigen nahmen seinen Leib; der heilige Anianus, die Priester und das Volk beteten für ihn und begruben ihn „mit großer Ehre in der Kirche“.23
Die Kirche feiert sein Martyrium am 30. Baramuda (8. Mai).24
Die Reliquien des heiligen Markus
Die Kirche bewahrt auch die Geschichte seiner Reliquien, das heißt seines Leibes und seines Hauptes. Nach dem Synaxarium versteckte zur Zeit der arabischen Eroberung ein Seemann das Haupt auf einem Schiff, doch das Schiff konnte den Hafen nicht verlassen, bis man das Haupt fand; es wurde Papst Benjamin zurückgegeben. Die Kirche feiert dieses Gedächtnis am 30. Babeh.25 Lange Zeit ging jeder neue Patriarch nach seiner Weihe zum Haupt des Markus, betete dort und hüllte es in ein neues Tuch; so empfing er „den Segen vom Gründer des Markusstuhles“.26
Der Leib des Heiligen kam im 9. Jahrhundert nach Venedig und blieb dort elf Jahrhunderte. Im Jahr 1968 sandte der heilige Papst Kyrillus VI. eine Gesandtschaft nach Rom, die die Reliquien von Papst Paul VI. empfing. Sie kehrten nach Kairo zurück und wurden in der neuen Markuskathedrale in Abbassia (Kairo) beigesetzt.27
Die leiblichen Überreste der Heiligen, die die Kirche ehrt; sie werden auch in den Altären der Kirchen aufbewahrt.28 Verehrt werden die Heiligen, angebetet wird allein Gott.
Schon die Christen von Smyrna im 2. Jahrhundert unterschieden genau: „… ihn beten wir an, weil er der Sohn Gottes ist. Den Märtyrern aber erweisen wir als Schülern und Nachahmern des Herrn gebührende Liebe …“ Die Gebeine ihres Bischofs Polykarp nannten sie „wertvoller … als kostbare Steine und schätzbarer als Gold“.29
Die Markusliturgie und die Kyrillus-Liturgie
Die koptische Kirche feiert drei Liturgien: die des heiligen Basilius, die am häufigsten gefeiert wird, die des heiligen Gregor des Theologen und die des heiligen Kyrill. Über die dritte sagt der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty: „Der heilige Cyrill von Alexandrien hat sie zusammengestellt und die ältere Liturgie des heiligen Markus bearbeitet; deshalb wurde sie nach ihm benannt.“30 Nach der Überlieferung übergab Markus seine Liturgie dem Anianus; sie wurde lange mündlich weitergegeben, dann von Papst Athanasius aufgeschrieben und von Papst Kyrill ergänzt.31 Wer heute die Kyrillus-Liturgie mitbetet, betet in der Linie des heiligen Markus.
Am Markusfest liest die Kirche den Anfang seines Evangeliums (Mk 1:1–11) und aus den Briefen und der Apostelgeschichte: im Paulus 2. Tim 4:10–18 („Bring Markus mit“), im Katholikon 1. Petr 5:1–14 („mein Sohn Markus“) und in der Praxis Apg 15:39–16:5; dazu singt sie aus Psalm 96: „verkündet sein Heil von Tag zu Tag!“ (Ps 96:2; LXX 95).32
„Papst von Alexandrien“ und der Stuhl des heiligen Markus
Weil Markus in Alexandrien das Evangelium verkündete und dort sein Blut vergoss, heißt der Nachfolger des Markus bis heute „Papst von Alexandrien“, auch wenn er in Kairo lebt. Papst Tawadros II. schreibt: „Wenn man durch eine der Straßen von Alexandrien ging, fand man das Blut des Hl. Markus“; Alexandrien sei die erste Stadt Ägyptens, die den Glauben an Christus angenommen hat.33 Der volle Titel lautet „Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhls vom Heiligen Markus“.34 Der Titel „Papst“ ist in Alexandrien alt: Nach dem Synaxarium war Papst Heraklas, der 13. Patriarch, „der erste unter den Vätern des alexandrinischen Stuhles, der den Titel ‚Papst‘ trug“.35
Was bedeutet „Stuhl“? Papst Schenouda III. antwortet:
Mit „Stuhl des Mari Markus“ ist vielmehr die apostolische Nachfolge dieses Heiligen gemeint, die Vollendung seines apostolischen Wirkens in der Verkündigung und Verbreitung des Reiches Gottes auf Erden.36
Das Gebiet dieses Stuhls umfasste schon nach Nizäa Ägypten, Libyen und die Pentapolis (Kanon 6, siehe Vortrag 1). Nach dem Synaxarium dehnte sich die Verkündigung des Markus nach seinem Martyrium „nach Nubien, in den Sudan und nach Äthiopien aus“.37
Die Theologische Schule von Alexandrien
Warum eine Schule?
Alexandrien war die Stadt der Philosophen und der größten Bibliothek der Welt. Papst Schenouda III. schreibt: „Es musste daher eine theologische Schule errichtet werden, um die Menschen im Glauben zu festigen und die heidnischen Gedanken abzuwehren.“38 Nach der Überlieferung hat Markus selbst sie gegründet; der Katechismus hält fest: „Der heilige Hieronymus war der Ansicht, dass eine solche Schule vom heiligen Markus gegründet worden sei.“39 Sie heißt auch Katechetenschule, weil sie die Taufbewerber (Katechumenen) im Glauben unterwies; nach Papst Schenouda III. unterrichtete man dort in Frage und Antwort.40
Die Lehrstätte der Kirche von Alexandrien in den ersten Jahrhunderten (auch Katechetenschule genannt). Sie bereitete Taufbewerber auf die Taufe vor, festigte die Gläubigen und antwortete den Philosophen.
Ihre Aufgabe
Die Schule bereitete die Taufbewerber (Katechumenen) auf die Taufe vor, führte die Gläubigen tiefer in die Schrift und das geistliche Leben und verkündete den Gebildeten und Philosophen den Glauben in ihrer eigenen Sprache. Neben der Theologie lehrte sie auch Philosophie, Logik, Medizin, Geometrie und Musik.41 Der Unterricht war an kein bestimmtes Gebäude gebunden: „wo ihre Lehrer waren, da war die Schule“.42 Viele ihrer Leiter wurden später Päpste von Alexandrien.
Einer ihrer großen Lehrer, der heilige Clemens von Alexandrien, ruft den Heiden zu:
Wenn du dich aber als Bürger Gottes eintragen lässest, so ist der Himmel dein Vaterland und Gott dein Gesetzgeber.43
Ihre Leiter
| Leiter | Was wir von ihm wissen |
|---|---|
| der heilige Justus | erster Leiter, von Markus eingesetzt; später der sechste Patriarch |
| der heilige Pantänus | berühmter Gelehrter; predigte nach Eusebius bis nach Indien |
| der heilige Clemens von Alexandrien | Nachfolger des Pantänus; Lehrer des Origenes |
| Origenes | wurde im 18. Lebensjahr Vorsteher; großer Kenner der Schrift, aber kein Heiliger |
| die Päpste Heraklas und Dionysius | Schüler und Lehrer der Schule, später der 13. und 14. Patriarch |
| der heilige Didymus der Blinde | Leiter in der Zeit des heiligen Athanasius; „der sehende Blinde“ |
Eusebius berichtet: „Damals leitete ein wegen seiner Gelehrsamkeit sehr berühmter Mann, namens Pantänus, die Schule der Gläubigen in Alexandrien.“44 Den heiligen Didymus, der als kleines Kind erblindet war, nannten die Menschen wegen seiner Bücher „den ‚sehenden Blinden‘“.45 Aus der Schule gingen auch Papst Petrus, das „Siegel der Märtyrer“, und der heilige Athanasius hervor.46
Origenes – Gelehrter, aber kein Heiliger
Origenes leitete die Schule schon im achtzehnten Lebensjahr und war ein unermüdlicher Kenner der Heiligen Schrift; er stellte die Bibeltexte in sechs Spalten nebeneinander.47 Doch die Kirche nennt ihn nicht „heilig“, sondern „den Gelehrten Origenes“. Er geriet in Konflikt mit Papst Demetrius, der ihn auf einer Synode aufforderte, Alexandrien zu verlassen;48 die Kirche von Alexandrien schloss ihn aus, weil er der Lehre der Schrift eigene Gedanken beigemischt hatte.49 Papst Schenouda III. schreibt über ihn:
Origenes war der größte Gelehrte seiner Zeit. Er war ein asketischer Mann. Er hat um Christi willen viel gelitten und verteidigte den Glauben. Schließlich traf dieser schmerzliche Satz auf ihn zu: „O großer Turm, wie bist du gefallen?“50
Darum liest die Kirche Origenes als Zeugen der Geschichte, nicht als Lehrer des Glaubens. Wissen allein bewahrt niemanden; es braucht die Demut und die Treue zur Kirche.
Erbe und Neubeginn
Die Schule verfiel später; unter Papst Kyrillus V. wurde sie Ende des 19. Jahrhunderts als Priesterseminar neu gegründet. Einer ihrer ersten Leiter war der heilige Erzdiakon Habib Girgis, der Gründer der Sonntagsschulbewegung.51 Die Sonntagsschule, und mit ihr jeder Dienst der Unterweisung im Glauben, ist so ein später Zweig der Schule des heiligen Markus.
Für den Dienst
Kinder des heiligen Markus. Viele Kinder fragen sich, wohin sie gehören. Papst Tawadros II. beschreibt, wie die Kirche, die Markus gründete, immer neue Gemeinden hervorbrachte, bis es sie auf der ganzen Welt gab.52 Auch deine Gemeinde ist ein Zweig dieses Baumes. Papst Schenouda III. mahnt aber: „Wir rühmen uns zu Unrecht Söhne der Heiligen zu sein, wenn wir nicht ihre Werke vollbringen und ihre Botschaft verkünden …“53 Koptisch sein ist mehr als eine Herkunft; es ist Nachfolge.
Das Markusfest in der Sonntagsschule und zu Hause. Feiere den 30. Baramuda mit deiner Klasse, mit den Kindern in deinem Dienst oder in deiner Familie. Erzähle die Geschichte von Anianus – der zerrissenen Sandale, dem Ruf „O du einziger Gott“, der geheilten Hand und dem Haus, das zur Kirche wurde. Papst Tawadros II. ordnet den vier arabischen Buchstaben des Namens „Markus“ vier Stichworte zu: M wie Madrasa (die Schule), R wie Rasul (der Apostel), K wie Kodas (die Liturgie) und S wie Sira (sein Leben bis zum Martyrium).54 Daraus kann jedes Kind ein kleines Plakat gestalten. Lass die Kinder im Abschlusssegen der Liturgie auf die fünf Namen des Markus hören.
Eine zweite Chance. Jugendliche, die einmal versagt haben, finden sich in Markus wieder: Er trennte sich in Perge von Paulus und kehrte nach Jerusalem zurück (Apg 13:13), wurde später aber doch der „gute Helfer“ des Paulus (2. Tim 4:11) und der Apostel Ägyptens. Papst Tawadros II. schreibt: „Der Große baut Erfolg auf Erfolg. Der Größere baut Erfolg auf Misserfolg.“55
Mit Ehrfurcht. Erkläre bei den Reliquien den Unterschied zwischen Verehrung und Anbetung; ihre Rückkehr 1968 war ein Zeichen der Freundschaft zwischen den Kirchen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Schrift nennt ihn „Johannes mit dem Beinamen Markus“; er begleitete Paulus und Barnabas, kehrte von Perge nach Jerusalem zurück (Apg 13:13) und wurde später ein „guter Helfer“ des Paulus (2. Tim 4:11).
- Nach der Überlieferung war Markus ein Levit aus Kyrene in der Pentapolis, einer der Siebzig, und das Haus seiner Mutter in Jerusalem war die erste Kirche.
- Nach dem Synaxarium kam er um 60 oder 61 nach Alexandrien. Er heilte den Schuster Anianus, der „O du einziger Gott“ rief, taufte ihn mit seinem Haus und weihte ihn später zum Bischof, mit drei Priestern und sieben Diakonen.
- Am Auferstehungsfest, dem 29. Baramuda 68, ergriffen ihn die Heiden; am 30. Baramuda starb er als Märtyrer und betete für seine Verfolger. Sein Fest ist der 30. Baramuda (8. Mai).
- Die Kyrillus-Liturgie geht auf die Liturgie des heiligen Markus zurück, die der heilige Kyrill bearbeitete.
- Der Nachfolger des Markus heißt „Papst von Alexandrien und Patriarch des Stuhls des heiligen Markus“; „Stuhl“ bedeutet die apostolische Nachfolge.
- Die Theologische Schule von Alexandrien wurde nach der Überlieferung von Markus gegründet; sie bereitete Taufbewerber vor, festigte die Gläubigen und antwortete den Philosophen. Leiter waren unter anderen Justus, Pantänus, Clemens, Origenes und Didymus der Blinde.
- Origenes war ein großer Gelehrter, ist aber kein Heiliger; die Kirche liest ihn nur als Zeugen der Geschichte.
Zum Weiterlesen
- Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Abba Markus, der Apostel, Evangelist und Märtyrer, Kap. 6–7, Kap. 11, Kap. 13–14.
- Synaxarium, 30. Baramuda (S. 420–422).
- Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 36–44.
- Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Fr. 4 und Fr. 791.
Anmerkungen
Vgl. Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Abba Markus, der Apostel, Evangelist und Märtyrer, Kap. 1.2.↑
Synaxarium, 30. Baramuda, Das Martyrium des großen heiligen Markus, des Apostels, des Evangelisten, des Verkünders des ägyptischen Landes, S. 420. Die Einheitsübersetzung schreibt den Ort „Zyrene“ (Apg 2:10).↑
Synaxarium, 30. Baramuda, S. 420. Die koptische Überlieferung und die Lesung der Kirche sprechen von siebzig (vgl. Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 1.6.2). Die Einheitsübersetzung (1980) liest in Lk 10:1: „Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus“.↑
Vgl. Synaxarium, 30. Baramuda, S. 421.↑
Synaxarium, 30. Baramuda, S. 421; vgl. Mk 1:3.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 1.6.2.↑
Die göttlichen Liturgien, S. 118.↑
Irenäus, Gegen die Häresien, Buch III, Kap. 1,1.↑
Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 15.5.5.↑
Nach Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 3.3.↑
Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 42.↑
Synaxarium, 30. Baramuda, S. 421. Andere Geschichtsschreiber nennen andere Jahre; vgl. Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 6.3.↑
Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 6.3.↑
Synaxarium, 30. Baramuda, S. 421–422.↑
Synaxarium, 30. Baramuda, S. 422.↑
Synaxarium, 30. Baramuda, S. 422.↑
Vgl. ebd.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 6.10.↑
Eusebius, Kirchengeschichte, Buch II, Kap. 16; Anianus nennt er den ersten Nachfolger des Evangelisten (ebd., Buch II, Kap. 24).↑
Vgl. Synaxarium, 30. Baramuda, S. 422.↑
Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 7.3.↑
Ebd., Kap. 7.4.↑
Synaxarium, 30. Baramuda, S. 422.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1103.↑
Vgl. Synaxarium, 30. Babeh, Die Erscheinung des Hauptes des heiligen Markus, S. 98–99; 8. Tubeh, Die Rückkehr des Hauptes des heiligen Apostels Markus, S. 231.↑
Synaxarium, 30. Babeh, S. 99.↑
Vgl. Synaxarium, 15. Bauna, Empfang des Leibes des heiligen Markus, S. 513; 17. Bauna, S. 515; 19. Bauna, S. 519.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 603.↑
Martyrium des hl. Polykarp, Kap. 17–18.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 791.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 11.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 10.7.↑
Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 38–39.↑
So auf dem Titelblatt von Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes (S. III).↑
Synaxarium, 8. Kiyahk, Die Entschlafung des Papstes Heraklas, des dreizehnten Patriarchen des Markusstuhles, S. 175.↑
Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 13.↑
Synaxarium, 30. Baramuda, S. 421.↑
Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 14.1.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 14.1.↑
Vgl. ebd.; Abuna Tadros Y. Malaty, Evangelism and the School of Alexandria, Abschnitt 3.↑
Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 14.4.↑
Clemens von Alexandrien, Mahnrede an die Heiden (Protrepticus), 108,4.↑
Eusebius, Kirchengeschichte, Buch V, Kap. 10.↑
Synaxarium, 6. Bauna, Die Entschlafung des heiligen Didymus des Blinden, S. 497.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 14.2; den Beinamen nennt das Synaxarium, 28. Hatur, Das Martyrium des heiligen Sarapamon, Bischof von Nikiu, S. 150.↑
Vgl. Eusebius, Kirchengeschichte, Buch VI, Kap. 3; Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 14.4.↑
Vgl. Synaxarium, 12. Baramuda, Entschlafung des heiligen Alexandros, des Bekenners, Bischof von Jerusalem, S. 391; Abuna Tadros Y. Malaty, Evangelism and the School of Alexandria, Abschnitt 6.V.↑
Vgl. Leben des heiligen Pachomius, Kap. 11.↑
Papst Schenouda III., Das Leben der Buße und Reinheit, Teil Sechs, Abschnitt „Sie begannen im Geist und vollendeten im Fleisch“. „Asketisch“ heißt: streng in Fasten, Gebet und Verzicht.↑
Vgl. Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Kap. 14.5; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑
Vgl. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 39.↑
Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Vorwort.↑
Vgl. Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 37–38.↑
Papst Tawadros II., Die Kirche ist meine Mutter, S. 43.↑