Thema 33 · Vortrag 2
Das Mönchtum
Die Wüste Ägyptens als Schule des Gebets
16 Min. LesezeitMärtyrer und Mönche
Lernziele
- Das Leben des heiligen Antonius nach Athanasius und die Formen des Mönchtums beschreiben.
- Die vier Grundsätze des Mönchtums und seinen Beitrag zur Kirche nennen.
Schlüsselbegriffe
Mönchtum · Askese · Einsiedler (Anachoret) · koinobitisch · halb-eremitisches Leben · Sketis · Archimandrit · Jungfräulichkeit · Gehorsam · freiwillige Armut · Apophthegmata
Bibelstellen
Mt 19:21; Apg 4:32; 1. Kor 7:32; Lk 5:16; Phil 2:8; 2. Kor 8:9; 1. Thess 5:17
Inhalt
Das christliche Mönchtum entstand in Ägypten schon während der Verfolgungszeit und breitete sich nach ihrem Ende, im 4. Jahrhundert, stark aus. Es gehört zu den großen Gaben der koptischen Kirche an die ganze Christenheit. Die Väter und Mütter der Wüste sind auch für deinen Dienst ein Schatz, denn ihre kurzen Worte sprechen Jugendliche oft unmittelbar an.
Woran du anknüpfst
In Buch 1, Kapitel 1 („Wer die Kopten sind“) hast du Antonius, Pachomius und Makarius in Grundzügen kennengelernt; dort steht auch das Wort des heiligen Johannes Chrysostomus über die ägyptische Wüste mit den „Hütten ihrer Mönche“.1 Im ersten Vortrag hast du gehört, wie Antonius nach der Verfolgung „täglich Zeugnis ab[legte] in seinem Gewissen“.
Wie das Mönchtum entstand
Nach der Zeit der Märtyrer
Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty sagt über die Anfänge: „Im 4. Jahrhundert half diese Bewegung, das Herz der Kirche wieder dem inneren Leben zuzuwenden, nachdem der Staat das Christentum angenommen und der Kaiserhof seine Türen für Bischöfe und Priester geöffnet hatte.“2 Als man nicht mehr für Christus sterben musste, wollten viele für ihn leben – ganz und ungeteilt. Der heilige Pachomius sagte einem jungen Mönch, der unbedingt Märtyrer werden wollte: „Bruder, nimm den Kampf des Mönches auf dich, indem du dein Leben mutig und untadelhaft nach dem Wohlgefallen Christi einrichtest, und du wirst im Himmel die Gemeinschaft mit den Märtyrern haben.“3 Das Mönchsleben ist eine Form des täglichen Martyriums.
Wurzeln in der Schrift und in der frühen Kirche
Das Mönchtum hat keine neue Lehre erfunden. Es nimmt das Evangelium wörtlich. Schon von der Gemeinde in Jerusalem heißt es: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam“ (Apg 4:32). Der heilige Johannes Cassianus, der lange bei den ägyptischen Vätern lebte, sieht hier den Anfang des Gemeinschaftslebens der Mönche.4 Auch Jungfrauen, die ihr Leben ganz Gott weihten, gab es schon in den ersten Jahrhunderten.5 In Ägypten aber wurde daraus eine Bewegung, die die ganze Kirche geprägt hat.
Warum Menschen Mönche wurden
Manchmal hört man, die Menschen seien aus Armut, aus Angst vor der Verfolgung oder aus Ehrgeiz Mönche geworden. Die Quellen zeigen etwas anderes:
- Nicht aus Armut. Antonius verschenkte großen Grundbesitz, Paulus von Theben hatte ein reiches Erbe, Arsenius kam aus dem Palast.6
- Nicht vor allem aus Angst vor der Verfolgung. Paulus von Theben floh zwar in der Verfolgung in die Wüste; aber, so schreibt Hieronymus, „allmählich machte er aus der Not eine Tugend“.7 Antonius folgte dem Ruf des Evangeliums in die Einsamkeit, und das Mönchtum wuchs gerade dann, als die Verfolgung zu Ende war.
- Nicht aus Ehrgeiz. Pachomius wollte nicht, dass seine Mönche „nach Ehre und Würde und Ansehen“ strebten; nach dem Synaxarium floh er vor der vorgesehenen Priesterweihe durch Papst Athanasius.8
Im Mönchtum leben Männer und Frauen allein oder in Gemeinschaft ganz für Christus. Askese bedeutet Verzicht auf weltliche Freuden aus Liebe zu Gott: „die praktische Antwort des Menschen auf die göttliche Liebe“.9
Der heilige Antonius nach Athanasius
Was wir über Antonius den Großen wissen, verdanken wir vor allem seinem Freund, dem heiligen Athanasius dem Apostolischen. Er schrieb das Leben des heiligen Antonius für Mönche außerhalb Ägyptens, die ihn darum gebeten hatten; denn „auch bei euch gibt es jetzt Klöster, und der Name ‚Mönch‘ hat Geltung“.10
Der Ruf. Antonius war ein junger Ägypter aus wohlhabender christlicher Familie. Nach dem Tod seiner Eltern dachte er auf dem Weg zur Kirche darüber nach, wie die Apostel alles verlassen hatten. In der Kirche wurde gerade das Evangelium gelesen:
… und er hörte, wie der Herr zum Reichen sprach: „Wenn du vollkommen werden willst, wohlan, verkaufe all deine Habe, gib den Erlös den Armen, komm und folge mir nach, und du wirst einen Schatz im Himmel haben.“ Dem Antonius aber war es, wie wenn ihm von Gott die Erinnerung an diese Heiligen geworden sei und als ob um seinetwillen jene Lesung der Schriftstelle geschehen …11
Er verschenkte seinen Besitz, gab seine kleine Schwester in die Obhut gottgeweihter Jungfrauen in einem „Jungfrauenhaus“ und begann ein Leben der Askese nahe seinem Dorf. Er besuchte erfahrene Einsiedler und lernte von jedem „wie eine kluge Biene“. Er arbeitete mit seinen Händen, gab den Armen vom Lohn und betete beständig.12
Die Einsamkeit. Fast zwanzig Jahre lebte Antonius allein in einem verlassenen Kastell, einer kleinen Festung. Als Freunde schließlich die Tür aufbrachen, trat er heraus, ruhig und ausgeglichen. Viele wollten nun so leben wie er: „So entstanden jetzt auch im Gebirge Klöster, und die Wüste bevölkerte sich mit Mönchen“.13 Athanasius beschreibt diese Klöster:
In dem Gebirge lagen die Klöster wie Zelte voll göttlicher Chöre, die Psalmen sangen und sich der Lesung der Schrift befleißigten, die fasteten und beteten, die sich freuten über die Hoffnung auf die Zukunft, die arbeiteten am Werke der Barmherzigkeit, die Liebe und Eintracht pflegten untereinander.14
Für die Kirche. Antonius lebte nicht gegen die Kirche, sondern in ihr. In der Verfolgung diente er in Alexandrien den Bekennern (Kap. 46). Die Arianer, die Anhänger der Irrlehre des Arius, hielten den Sohn Gottes für ein Geschöpf. Als sie später behaupteten, Antonius denke wie sie, kam er nach Alexandrien und lehrte das Volk, „der Sohn Gottes sei kein Geschöpf, … sondern das Wort und die Weisheit seien ewig vom Wesen des Vaters“.15 Er ehrte die Bischöfe und Priester, verneigte sich vor ihnen und ließ beim Gebet sogar einem Diakon den Vortritt.16
Das Ende. Mit fast hundertfünf Jahren nahm er Abschied von den Mönchen.17 Seinen Schülern sagte er: „Lebt, wie wenn ihr jeden Tag sterben solltet, achtet auf euch und erinnert euch der Ermahnungen, die ihr von mir gehört habt.“18 Athanasius fasst zusammen: Antonius wurde berühmt „nicht durch seine Schriften noch durch weltliche Weisheit …, sondern allein durch seine Frömmigkeit“.19 Die Kirche nennt ihn den „Vater aller Mönche“ und gedenkt seiner am 22. Tubeh.20
Der heilige Paulus der Einsiedler
Antonius war nicht der Erste in der Wüste. Nach Hieronymus lebte schon vor ihm Paulus aus Theben verborgen in einer Höhle. Als Antonius im Traum erfuhr, dass es einen noch vollkommeneren Mönch gebe, suchte er ihn auf. Ein Rabe brachte ihnen ein ganzes Brot, während er Paulus sonst immer nur ein halbes gebracht hatte. Dann stritten die beiden Heiligen bis zum Abend – darüber, wer das Brot brechen dürfe: „Paulus berief sich auf das Recht der Gastfreundschaft, Antonius weigerte sich unter Hinweis auf den Altersunterschied.“ Schließlich brachen sie es gemeinsam.21 Bald danach starb Paulus, und Antonius begrub ihn. Die Kirche gedenkt seiner als „Anba Paulus, des ersten Einsiedlers“ am 2. Amschir.22
Der heilige Pachomius und das Gemeinschaftsleben
Pachomius stammte aus heidnischer Familie in Oberägypten und wurde als junger Mann zum Heer eingezogen. Unterwegs brachten Christen den eingesperrten Rekruten Essen und trösteten sie. Pachomius staunte und erfuhr, „daß die Christen gegen alle, vornehmlich aber gegen die Fremden, mitleidig und menschenfreundlich seien“.23 Er versprach Gott, ihm sein Leben lang zu dienen, ließ sich nach seiner Entlassung taufen und lernte bei dem Einsiedler Palamon das Mönchsleben. Christliche Nächstenliebe hat also den Vater des Gemeinschaftslebens gewonnen.
Eines Tages betete Pachomius lange beim Dorf Tabennesi. Da hörte er eine Stimme:
„Pachomius, bleibe hier und gründe ein Kloster; denn es werden zu dir viele kommen, die das Heil finden wollen. Diese leite nach der Vorschrift, die ich dir geben werde.“24
So entstand das koinobitische Leben: Mönche wohnen in einem Kloster zusammen, beten, arbeiten und essen nach einer gemeinsamen Regel unter einem Vater. Pachomius war selbst das beste Beispiel. Man konnte ihn sehen, „wie er ihnen … voll Eifer den Tisch rüstete; ebenso wie er im Garten Gemüse pflanzte …; wie er die Kranken Tag und Nacht wartete“.25 Nach dem Synaxarium gründete er mehrere Klöster und für seine Schwester ein Frauenkloster; als die Pest ausbrach, besuchte er die Kranken, steckte sich an und starb; die Leitung übergab er dem heiligen Petronius. Die Kirche gedenkt seiner am 14. Baschans als „Vater der koinobitischen Gemeinschaft“.26
Makarius, Moses und die Sketis
In der Wüste Sketis (arabisch Schihit, heute Wadi El-Natrun) wurde der heilige Makarius der Große zum Vater vieler Mönche. Nach dem Synaxarium besuchte er Antonius, der ihn mit dem Mönchsgewand bekleidete; unter dem arianischen Kaiser Valens wurde er um des rechten Glaubens willen verbannt. Er war berühmt für seine Demut und seine Langmut mit den Brüdern, deren Fehler er zudeckte, wie Gott unsere Fehler zudeckt.27 Bis heute trägt das Kloster des heiligen Makarius seinen Namen.
Der heilige Moses der Starke. Moses war ein Sklave aus Äthiopien und wurde Anführer einer Räuberbande. Nach der Überlieferung suchte er den wahren Gott und kam zu den Mönchen der Sketis; Makarius taufte ihn und nahm ihn als Mönch auf.28 Der Geschichtsschreiber Palladius erzählt, wie Moses heimlich diente: „Er ging zur Nachtzeit vor die Zellen der alten und strengsten Asketen, nahm insgeheim ihre Wasserkrüge und füllte sie mit Wasser.“29 Als die Brüder einmal über einen gefallenen Mönch Gericht halten wollten, kam Moses mit einem durchlöcherten Korb voll Sand auf der Schulter und sagte: „Das sind meine Sünden. Hinter mir rinnen sie heraus, und ich sehe sie nicht, und nun bin ich heute gekommen, um fremde Sünden zu richten.“ Da verziehen sie dem Bruder.30 Als Plünderer die Sketis überfielen, schickte er die Brüder fort und blieb selbst; so starb er als Märtyrer.31 Das Synaxarium sagt: „Betrachtet nun, ihr Geliebten, die Kraft der Reue und was sie bewirkt hat“ – aus einem Räuber wurde ein Mönch, Lehrer, Priester und großer Heiliger.32
Auch die neunundvierzig Märtyrer der Sketis gehören hierher. Als im 5. Jahrhundert Berber die Wüste überfielen, durfte jeder Mönch in die Festung fliehen; nur wer bleiben wollte, blieb bei dem alten Mönchsvater, der dazu aufgerufen hatte. „Achtundvierzig Altväter blieben bei ihm. Die Berber töteten sie alle, und so erlangten sie die Kronen des Martyriums.“ Mit ihnen starben der kaiserliche Gesandte Martinos und sein Sohn.33 Ihr Gedenktag ist der 26. Tubeh.
Der heilige Schenute der Archimandrit
In Oberägypten wirkte der heilige Schenute der Archimandrit (im Synaxarium: Anba Schenuda). Ein Archimandrit ist der Vorsteher eines Klosterverbandes. Schenute kam schon als Kind in das Kloster seines Onkels Pigol und wurde nach dessen Tod Vorsteher des Weißen Klosters. Er führte es streng, zog sich aber auch selbst immer wieder in die Einsamkeit zurück. Das Synaxarium betont: „Der Dienst des Anba Schenuda beschränkte sich nicht nur auf die Mönche, sondern er diente auch dem Volk, denn er öffnete ihnen die Tore seines Klosters, damit sie darin beten und dort das Nötige erhalten konnten.“ Er baute Kirchen, verteidigte das Volk vor Gericht und pflegte die koptische Sprache. Mit dem heiligen Kyrill von Alexandrien ging er im Jahr 431 zum Konzil von Ephesus.34
Frauen im Mönchtum
„Das monastische Leben der Frauen entstand gleichzeitig mit dem der Männer“, sagt der Katechismus.35 Schon Antonius brachte seine Schwester in ein Haus gottgeweihter Jungfrauen. Die Schwester des Pachomius kam zu ihrem Bruder; er ließ ihr eine Wohnung bauen, und als sich andere Jungfrauen zu ihr gesellten, „stand sie ihnen als Mutter vor, lehrte sie und zeigte ihnen alle Wege zum Heil“; Pachomius schrieb auch für sie Regeln.36 Im ersten Vortrag hast du die heilige Damiana kennengelernt, die mit vierzig Jungfrauen lebte.
Zu den Wüstenmüttern gehört Amma Synkletika; Amma bezeichnet eine geistliche Mutter.37 Ein Wort von ihr ist in den Aussprüchen der Väter überliefert:
Die zu Gott gehen, haben am Anfang Kampf und vielerlei Beschwerde. Hernach jedoch ist die Freude unaussprechlich. Wie nämlich diejenigen, die Feuer anzünden wollen, zuerst vom Rauch belästigt werden und weinen müssen und auf diese Weise das Gewünschte erreichen …, so müssen auch wir das göttliche Feuer in uns entfachen mit Tränen und Mühen.38
In Ägypten liegen die Männerklöster heute meist in der Wüste, die Frauenklöster in den Orten und Städten.39
Die Formen des Mönchtums
In Ägypten entstanden drei Formen des Mönchslebens.40
| Form | Wie die Mönche leben | Vater oder Vorbild |
|---|---|---|
| Einsiedlerleben (Anachoreten) | jeder allein, mit Gebet, Fasten und Handarbeit; nur selten Besuch | Antonius, Paulus der Einsiedler |
| Gemeinschaftsleben (koinobitisch) | zusammen in einem Kloster unter einem Vater, gemeinsames Gebet, gemeinsame Arbeit und Mahlzeiten nach einer Regel | Pachomius |
| Halb-eremitisches Leben (Zellen nahe beieinander) | jeder allein in seiner Zelle; am Samstag und Sonntag gemeinsam zur Liturgie und zum Mahl | Amun in Nitria, Makarius in der Sketis |
Ein Einsiedler oder Anachoret lebt allein in der Wüste oder an einem abgelegenen Ort, um sich ganz dem Gebet und dem Kampf gegen die Sünde zu widmen.
Diese Formen standen nicht gegeneinander. Die Väter „besuchten … einander und lobten die Lebensform des jeweils anderen“.41 Das Ziel ist eines, die Wege sind verschieden. Wer allein lebt, ist nicht von den Menschen abgeschnitten: Der Mönch „trägt … alle Menschen liebevoll in seinem Herzen, betet für sie und teilt ihre Leiden“.42
Die vier Grundsätze des Mönchtums
Das Leben der Mönche ruht auf vier Grundsätzen. Jeder hat seinen Grund in Christus.
- Jungfräulichkeit. Der Mönch lebt ehelos, um ungeteilt dem Herrn zu gehören: „Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen“ (1. Kor 7:32b). Das ist eine Berufung, nicht ein Urteil über die Ehe: „Im Christentum ist die Ehe heilig und das Ehebett rein.“43
- Einsamkeit. Der Mönch verlässt Haus und Welt, um mit Gott allein zu sein, wie Christus es tat: „Doch er zog sich an einen einsamen Ort zurück, um zu beten“ (Lk 5:16). Als Arsenius, der aus dem Palast in die Wüste gegangen war, im Gebet fragte, wie er gerettet werde, hörte er eine Stimme: „Arsenius, fliehe, schweige, ruhe! Das sind die Wurzeln der Sündenlosigkeit.“44
- Gehorsam. Der Mönch gibt seinen Eigenwillen auf und gehorcht seinem geistlichen Vater nach dem Vorbild Christi: „er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz“ (Phil 2:8). Pachomius forderte seine Mönche auf, „bereitwillig Gehorsam zu üben“, und ermahnte sie, „niemals eigenwillig zu sein, damit sie so auf den Nutzen Gottes bedacht seien und nicht auf ihren eigenen“.45 Dieser Gehorsam steht nie über den Geboten Gottes, sondern hilft, sie zu erfüllen.
- Freiwillige Armut. Der Mönch besitzt nichts für sich, wie Christus: „Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen“ (2. Kor 8:9b). Die Armut macht frei für Gott und für die Armen.
Alle vier Grundsätze dienen dem einen Ziel, dem Gebet ohne Unterlass (vgl. 1. Thess 5:17). Johannes Cassianus gibt das Wort des Abtes Isaak aus der Sketis weiter:
Das ganze Abzielen des Mönches und die ganze Vollkommenheit des Herzens geht auf die beständige und ununterbrochene Beharrlichkeit im Gebete …46
Was das Mönchtum der Kirche geschenkt hat
- Gebet und Vorbild. Die Klöster sind Orte, an denen die Kirche ohne Unterlass betet. Dort kann jeder Christ sehen, was ein Leben ganz für Christus heißt.
- Treue zum Glauben. Antonius stand gegen die Arianer, Makarius ging für den rechten Glauben in die Verbannung, Schenute begleitete Kyrill nach Ephesus. Viele Päpste und Bischöfe kamen aus den Klöstern; vom heiligen Papst Kyrillus VI. sagt das Synaxarium: Er „vergaß nie, dass er der arme Mönch Mina, der Einsiedler, war“.47
- Schrift und Bildung. Pachomius mahnte: „Übet euch in den Psalmen und dann in dem Wissen aus den anderen Büchern, vornehmlich aber in dem heiligen Evangelium!“48 Schenute pflegte die koptische Sprache.
- Dienst am Volk. Klöster öffneten ihre Tore für das Volk (Schenute), Mönche pflegten Kranke (Pachomius), und nach Palladius gaben sie vom Ertrag ihrer Arbeit Frauenklöstern und Gefangenen.49
- Ausstrahlung in die ganze Christenheit. Das Leben des Antonius machte das Mönchtum in der ganzen Welt bekannt.50 Der heilige Basilius „kam nach Ägypten. Er durchwanderte dessen Wüsten und lernte von seinen Mönchen Frömmigkeit, Tugend und das Leben der Askese“.51 Johannes Cassianus lernte bei den ägyptischen Vätern und gab ihre Lehre in seinen Unterredungen weiter.52
- Worte der Väter. Die Aussprüche der Wüstenväter und -mütter wurden gesammelt, besonders in den Apophthegmata („Aussprüche der Väter“); in der koptischen Überlieferung ist eine solche Sammlung als „Paradies der Väter“ bekannt.53
Auch heute wächst das koptische Mönchtum. Papst Kyrillus VI. ließ das Kloster des heiligen Mina wiederaufbauen; Papst Schenouda III. erneuerte das Kloster des heiligen Anba Bischoy im Wadi El-Natrun.54
Für den Dienst
Die Väter für Jugendliche. Jugendliche haben oft ein feines Gespür für Echtheit. Die kurzen Worte der Wüstenväter treffen sie, weil sie aus dem Leben kommen. Ein Wort genügt für eine ganze Stunde:
- „Fliehe, schweige, ruhe!“ – Wie finde ich Stille, wenn das Handy nie schweigt?
- Moses’ Korb mit Sand – Warum fällt es so leicht, andere zu richten?
- Synkletikas Feuer und Rauch – Was tun, wenn der Glaube anfangs nur mühsam ist?
- Die Christen, die Pachomius Essen brachten – Wie kann meine Freundlichkeit einen anderen zu Christus führen?
Geschichten für Kinder. Paulus und der Rabe, das Brotbrechen mit Antonius und Pachomius bei den freundlichen Christen eignen sich schon für kleine Kinder; von Moses erzählst du, wie aus einem Räuber ein Freund Gottes wurde – ohne Einzelheiten seiner früheren Taten.
Ein Klosterbesuch. Einen Klosterbesuch mit Jugendlichen sprichst du mit Abuna und den Eltern ab. Erzähle vorher vom Heiligen, dessen Namen das Kloster trägt; besprich das Verhalten (angemessene Kleidung, Stille, Ehrfurcht vor dem Ort und vor den Mönchen); sammle Fragen an einen Mönch. Klöster unserer Kirche gibt es nicht nur in Ägypten, sondern auch in Europa, etwa das Kloster des heiligen Antonius in Kröffelbach in der Diözese Süddeutschland, das unter anderem das deutsche Euchologion herausgegeben hat.55 Ein Kloster ist kein Ausflugsziel, sondern ein Ort des Gebets.
Eine gesunde Haltung. Das Mönchtum ist eine Berufung für einige; jeder Christ ist zur Heiligkeit gerufen, in der Ehe ebenso wie im Kloster. Dränge darum niemanden ins Kloster oder davon weg; Fragen der Berufung bespricht jeder mit seinem Beichtvater. Askese heißt nicht, den Leib zu verachten, sondern ihn „als heilig und als Helfer der Seele zu betrachten“.56 Auch dein geistliches Leben kann vom Mönchtum lernen: feste Gebetszeiten, Stille, Schriftlesung und ein geistlicher Vater.
Das Wichtigste in Kürze
- Das christliche Mönchtum begann in Ägypten vor dem Ende der Verfolgungen und breitete sich im 4. Jahrhundert stark aus; im Mönchsleben setzt sich das tägliche Martyrium fort.
- Der wahre Beweggrund ist die Liebe zu Christus und der Ruf des Evangeliums (Mt 19:21) – nicht Armut, nicht vor allem die Flucht vor der Verfolgung, nicht Ehrgeiz.
- Antonius folgte nach Athanasius dem Evangelium (Mt 19:21), lebte fast zwanzig Jahre in Einsamkeit und wurde Vater vieler Mönche; er diente den Bekennern, verteidigte den Glauben gegen die Arianer und ehrte die Bischöfe und Priester.
- Drei Formen: Einsiedlerleben (Antonius, Paulus), Gemeinschaftsleben (Pachomius, koinobitisch) und halb-eremitisches Leben (Amun in Nitria, Makarius in der Sketis).
- Die vier Grundsätze sind Jungfräulichkeit, Einsamkeit, Gehorsam und freiwillige Armut; ihr Ziel ist das unablässige Gebet.
- Große Gestalten: Makarius, Moses der Starke, die neunundvierzig Märtyrer der Sketis, Schenute der Archimandrit, die Schwester des Pachomius und Amma Synkletika.
- Das Mönchtum schenkte der Kirche Gebet und Vorbild, Treue zum Glauben, Bischöfe und Päpste, Schriftliebe und Bildung, Dienst am Volk und eine Ausstrahlung in die ganze Christenheit.
Zum Weiterlesen
- Athanasius, Leben des heiligen Antonius, BKV 1. Reihe 31, München 1917 (ganz lesen!).
- Leben des heiligen Pachomius, Kap. 1–12, ebd.
- Apophthegmata Patrum (Aussprüche der Väter), Abschnitte Antonius, Arsenius, Makarius, Moses und Synkletika.
- Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Fr. 870–874 und 877.
- Synaxarium: 22. Tubeh (Antonius), 2. Amschir (Paulus), 14. Baschans (Pachomius), 27. Baramhat (Makarius), 24. Bauna (Moses), 7. Abib (Schenute).
Anmerkungen
Johannes Chrysostomus, Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus, Homilie 8,4.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 874.↑
Leben des heiligen Pachomius, Kap. 42. Die Lebensbeschreibung stammt nicht von Pachomius selbst, sondern aus dem Kreis seiner Schüler.↑
Vgl. Johannes Cassianus, Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern, Unterredung 18,5.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 874.↑
Vgl. Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 2; Hieronymus, Leben des hl. Paulus, des ersten Einsiedlers, Kap. 4; Apophthegmata Patrum, Nr. 39 und 42 (Arsenius 1 und 4).↑
Hieronymus, Leben des hl. Paulus, des ersten Einsiedlers, Kap. 5.↑
Leben des heiligen Pachomius, Kap. 9; vgl. Synaxarium, 14. Baschans, Die Entschlafung des heiligen Pachomius, des Vaters der koinobitischen Gemeinschaft, S. 454.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 872.↑
Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Vorwort.↑
Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 2. Bibelwortlaut nach der Übersetzung der BKV; Einheitsübersetzung: Mt 19:21.↑
Vgl. Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 3.↑
Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 14.↑
Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 44.↑
Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 69.↑
Vgl. Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 67.↑
Vgl. Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 89; Synaxarium, 22. Tubeh, Die Entschlafung des großen Heiligen Anba Antonius, des Vaters aller Mönche, S. 256–257.↑
Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 91.↑
Athanasius, Leben des heiligen Antonius, Kap. 93.↑
Synaxarium, 22. Tubeh, S. 256–257.↑
Hieronymus, Leben des hl. Paulus, des ersten Einsiedlers, Kap. 7, 10–11.↑
Vgl. Synaxarium, 2. Amschir, Entschlafung des großen Heiligen Anba Paulus, des ersten Einsiedlers, S. 275–276.↑
Leben des heiligen Pachomius, Kap. 2.↑
Leben des heiligen Pachomius, Kap. 5.↑
Leben des heiligen Pachomius, Kap. 8.↑
Synaxarium, 14. Baschans, S. 453–454.↑
Vgl. Synaxarium, 27. Baramhat, Entschlafung des heiligen Makarios des Großen, des Vaters der Mönche der Wüste von Schihit, S. 363–365; Apophthegmata Patrum, Nr. 485 (Makarius der Ägypter 32).↑
Vgl. Synaxarium, 24. Bauna, S. 524–526.↑
Palladius, Leben der Väter (Historia Lausiaca), Kap. 19. Palladius ist ein Geschichtsschreiber des Mönchtums.↑
Apophthegmata Patrum, Nr. 496 (Moses 2).↑
Vgl. Apophthegmata Patrum, Nr. 504 (Moses 10); Synaxarium, 24. Bauna, S. 525.↑
Synaxarium, 24. Bauna, S. 526.↑
Synaxarium, 26. Tubeh, Das Martyrium der neunundvierzig Märtyrer, der Altväter der Wüste von Schihit, S. 262–263.↑
Synaxarium, 7. Abib, Die Entschlafung des großen Heiligen Anba Schenuda, des Archimandriten, S. 545–547.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 874. „Monastisch“ heißt: das Mönchsleben betreffend.↑
Leben des heiligen Pachomius, Kap. 12.↑
Vgl. Apophthegmata Patrum, Nr. 892 (Synkletika 1).↑
Apophthegmata Patrum, Nr. 892 (Synkletika 1).↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 877.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 873; zum heiligen Amun: Synaxarium, 22. Baschans, Die Entschlafung des heiligen Amun, des Gründers der Wüste von Nitria, S. 467; Palladius, Leben der Väter (Historia Lausiaca), Kap. 7–8.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 874.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 873.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 845.↑
Apophthegmata Patrum, Nr. 40 (Arsenius 2).↑
Leben des heiligen Pachomius, Kap. 10.↑
Johannes Cassianus, Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern, Unterredung 9,2.↑
Synaxarium, 30. Amschir, Die Entschlafung von Papst Kyrillus VI., S. 318.↑
Leben des heiligen Pachomius, Kap. 8.↑
Vgl. Palladius, Leben der Väter (Historia Lausiaca), Kap. 32.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 874.↑
Synaxarium, 6. Tubeh, Entschlafung des heiligen Basilius des Großen, des Erzbischofs von Cäsarea in Kappadokien, S. 229.↑
Vgl. Johannes Cassianus, Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern, Unterredung 17,31.↑
Vgl. Synaxarium, 15. Baramhat, S. 347.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 877.↑
Vgl. Euchologion, Titelblatt.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 873.↑