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Thema 34 · Vortrag 1

Arius, Nizäa und der heilige Athanasius

Die Lehre des Arius, die Antwort Papst Alexanders, das Konzil von 325 und der Bekenner Athanasius

16 Min. LesezeitNizäa und Konstantinopel

Lernziele

  1. Die Lehre des Arius und die Antwort Alexanders und des Athanasius beschreiben.
  2. Den Begriff „wesensgleich“ (homoousios) und seine Bedeutung für das Heil erklären.
  3. Ergebnisse von Nizäa (Bekenntnis, Ostertermin, Kanones) nennen und sagen, womit das Bekenntnis von 325 endet.
  4. Das Konzil von Nizäa mit dem Schema Irrlehre – Gegenbeweis – Beschluss – Kirchenvater erklären.

Schlüsselbegriffe

Arianismus · Methode „Wenn – dann“ · ökumenisches Konzil · wesensgleich (homoousios) · Anathema · Kanon (Kanones) · Ostertermin · Verbannung (Exil)

Bibelstellen

Joh 1:1⁠–⁠3; Joh 1:3; Mt 18:20; Joh 10:30; Joh 14:9b; Joh 1:12a; Jud 3; 1. Tim 4:16

Inhalt

In jeder Göttlichen Liturgie bekennen wir vom Sohn Gottes: „gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater“.1 Hinter diesen Worten steht ein Kampf des 4. Jahrhunderts, in dessen Mitte die Kirche von Alexandrien stand. Ihr Priester Arius leugnete die Gottheit des Sohnes; die Päpste Alexander und Athanasius und das Konzil von Nizäa, die Versammlung der Bischöfe der ganzen Kirche im Jahr 325, verteidigten sie. Wer Kindern das Glaubensbekenntnis erklärt, soll wissen, wie viel die Väter dafür gelitten haben.

Die Kirche nach der Verfolgung

Zu Beginn des 4. Jahrhunderts litt die Kirche unter einer schweren Verfolgung. Einer ihrer Hirten war Papst Petrus I., der 17. Patriarch auf dem Stuhl des heiligen Markus, den die Kirche „Siegel der Märtyrer“ nennt. Nach dem Synaxarium hatte schon Papst Petrus den Arius vielfach ermahnt und ihn, als er nicht davon abließ, aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen.2

Beispiel

Nach der Überlieferung des Synaxariums ließ Arius den Papst kurz vor dessen Martyrium durch Priester bitten, ihn wieder aufzunehmen. Petrus aber erzählte von einer Vision: Der Herr sei ihm in einem zerrissenen Gewand erschienen. Gefragt, wer es zerrissen habe, habe er geantwortet: „Arius ist es, der mein Gewand zerrissen hat, also nimm ihn nicht an.“3 Das Gewand ist ein Bild für die Einheit der Kirche; auch Papst Alexander schreibt später, die Anhänger des Arius hätten sich nicht gescheut, „das ungenähte Gewand Christi“ zu zerreißen.4

Nach Papst Petrus und der kurzen Amtszeit seines Nachfolgers wurde Alexander, der 19. Patriarch, Papst von Alexandrien. Arius hatte selbst nach dieser Würde gestrebt.5 Als Arius den neuen Papst um die Lossprechung, also um die Wiederaufnahme in die Gemeinschaft der Kirche, bitten ließ, antwortete Alexander nach dem Synaxarium: „Mein heiliger Vater Papst Petrus hat mir aufgetragen, ihn nicht anzunehmen. Er soll also Buße tun für die Sünde, die er begangen hat. Und wenn der Erlöser seine Buße annimmt, wird Er mir ein Zeichen geben, damit ich ihn losspreche.“6 Die Tür zur Umkehr blieb also offen.

Was Arius lehrte

Den Kern seiner Lehre kennst du aus Thema 16 („Die Heilige Dreifaltigkeit“). Papst Alexander gibt in seinem Umlaufschreiben an alle Bischöfe wieder, was Arius und seine Anhänger verbreiteten:

„Nicht immer war Gott Vater, sondern es gab eine Zeit, wo Gott nicht Vater war. Nicht immer war Gottes Wort, sondern er ist aus Nichts entstanden … Denn der Sohn ist etwas Geschaffenes und Gemachtes, und der Wesenheit nach dem Vater nicht gleich“.7

Arius dachte über Gott wie über einen menschlichen Vater, der früher da ist als sein Sohn. Darum, so meinte er, habe auch der Sohn Gottes einen Anfang gehabt; er sei das erste und höchste Geschöpf, durch das Gott die Welt gemacht habe, aber nicht Gott wie der Vater. Seine Lehre verbreitete er auch durch Lieder, deren Melodien so eingängig waren, „dass die Menschen sie liebten und auf öffentlichen Märkten sangen“; darum verfassten der heilige Athanasius und seine Mitarbeiter „andere Hymnen …, um den wahren Glauben zu bewahren“.8

Begriff
Arianismus

Der Arianismus ist die Lehre des Arius, der Sohn Gottes sei ein Geschöpf aus dem Nichts und nicht ewig: „Es gab eine Zeit, da er nicht war.“ Damit leugnet sie die Gottheit Christi. Das Konzil von Nizäa hat sie verurteilt.

Arius machte den Sohn also zu einem Teil der Schöpfung. Wäre das wahr, dann beteten die Christen ein Geschöpf an, und der Erlöser müsste selbst erlöst werden.

Die Antwort des Papstes Alexander

Unter Alexander widersprach Arius, inzwischen Priester, nach dem Bericht des Kirchenhistorikers Theodoret „der apostolischen Lehre Alexanders offen“ und nannte den Sohn ein Geschöpf.9 Alexander handelte als Hirte. Theodoret berichtet, er habe Arius „zuerst durch Ermahnung und Zuspruch auf bessere Wege zu bringen“ versucht.10 Erst als Arius seine Lehre weiter öffentlich verbreitete, rief der Papst die Bischöfe zusammen. Er selbst schreibt, die Arianer seien „in einer Versammlung der Bischöfe von Ägypten und Libyen, welche gegen hundert an der Zahl waren, mit dem Bannfluche“ belegt, also feierlich verurteilt und aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen worden.11

Unter den Diakonen von Alexandrien, die sein Umlaufschreiben unterschrieben, steht auch der Name Athanasius.12 Alexander antwortet mit einer einfachen Frage, die zeigt, wohin die Lehre des Arius führt:

Aus den Vätern

Wie aber konnte es, wenn das Wort oder die Vernunft und Weisheit Gottes der Sohn ist, einmal eine Zeit geben, wo er nicht war? Denn dieses ist eben so viel, als wenn sie sagten, Gott sei einmal ohne Vernunft und Weisheit gewesen.13

– Hl. Alexander von Alexandrien, Umlaufschreiben, Kap. 3

Ausführlicher schrieb Alexander an Bischof Alexander von Konstantinopel; das Synaxarium nennt dieses Schreiben den „Tomos Alexanders“, also sein Lehrschreiben.14 Er beruft sich auf den Anfang des Johannesevangeliums:

Heilige Schrift

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.

Joh 1:1⁠–⁠3

Daraus folgert er: „Wenn also alles durch ihn geworden ist, wie sollte derjenige, der den gewordenen Dingen das Sein geschenkt hat, selbst einmal nicht gewesen sein?“15 Am Ende des Briefes fasst er zusammen, was für ihn auf dem Spiel steht: „Dieses also lehren wir, dieses predigen wir, dies sind die apostolischen Dogmen der Kirche, für welche wir selbst zu sterben bereit sind“.16

Die Methode „Wenn – dann“

So denken die Väter oft, und so kannst du auch im Unterricht vorgehen:

Begriff
Methode „Wenn – dann“

Man nimmt eine Irrlehre beim Wort und fragt: Wenn das stimmt, was folgt dann für Gott, für die Schrift und für unser Heil? Führt im Gespräch mit Irrlehrern, die sich selbst auf die Bibel berufen, deren Folgerung zu etwas, das der Schrift widerspricht oder unser Heil zerstört, so ist die Irrlehre widerlegt.

Wenn der Sohn einmal nicht war, dann war Gott einmal ohne seine Weisheit; wenn alles durch das Wort geworden ist (Joh 1:3), dann ist das Wort nicht selbst geworden.

Das Konzil von Nizäa (325)

Der Weg zum Konzil

Der Streit griff über Ägypten hinaus. Kaiser Konstantin der Große beauftragte Bischof Hosius von Córdoba, ihn zu beenden. Nach dem Synaxarium gelang es diesem nicht, „weil ihn die Worte Papst Alexanders überzeugt hatten“; er vereinbarte mit Alexander, ein ökumenisches Konzil einzuberufen.17 Kaiser Konstantin rief daraufhin die Bischöfe nach Nizäa.18

Begriff
ökumenisches Konzil

Ein ökumenisches Konzil ist eine Versammlung der Hirten und Lehrer der Kirche aus allen Teilen der Welt, die eine Frage des Glaubens prüft.19

Die Väter von Nizäa

Im Jahr 325 versammelten sich unter Kaiser Konstantin in Nizäa in Kleinasien die Bischöfe zum ersten ökumenischen Konzil. Nach der Überlieferung unserer Kirche waren es dreihundertachtzehn Väter. Unter ihnen war Papst Alexander, „begleitet von seinem Schüler, dem gelehrten Diakon Athanasius“.20 Viele von ihnen hatten in der Verfolgung gelitten; Theodoret schreibt, man habe dort „eine ganze Schar von Märtyrern“ sehen können, darunter Paphnutius aus Ägypten.21

Der heilige Kyrill von Alexandrien war überzeugt, dass Christus selbst „unsichtbarer Weise Vorsitzender jener heiligen und großen Versammlung war“, und erinnert an das Wort des Herrn in Mt 18:20: „… wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“22

Beispiel

Das Synaxarium erzählt: Als die Väter Platz genommen hatten, zählten einige die Versammelten und kamen auf dreihundertneunzehn Bischöfe, einen mehr, als anwesend waren, „und so wurden sie gewiss, dass Gott in ihrer Mitte war“.23 Die fromme Überlieferung sagt in einem Bild, was Kyrill lehrt: Christus selbst leitet seine Kirche.

Arius durfte seine Lehre vor dem Konzil darlegen; die Väter sprachen ausführlich mit ihm. Weil er nicht umkehrte, schlossen sie ihn und alle, die seine Lehre teilten, aus der Kirche aus.24

Das Wort „wesensgleich“

Die Väter wollten den Glauben zuerst mit Worten der Schrift aussprechen: Der Sohn sei „aus Gott“, er sei das Bild und die Kraft des Vaters, ihm „ähnlich“. Doch die Anhänger des Arius nahmen diese Worte an und deuteten sie heimlich um: Auch alle Dinge seien „aus Gott“, auch der Mensch heiße Gottes Bild, auch himmlische Wesen hießen „Kräfte“.25 Darum wählten die Väter des Konzils, das Athanasius auch Synode nennt, ein Wort, das keine Ausflucht ließ:

Aus den Vätern

… darum hat die Synode, indem sie dieses einsah, mit Recht geschrieben, dass er gleichen Wesens sei, um sowohl die verkehrte Ansicht der Ketzer umzustoßen, als auch zu zeigen, dass das Wort von den geschaffenen Dingen verschieden sei.26

– Hl. Athanasius der Apostolische, Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa, Kap. 20
Begriff
wesensgleich (homoousios)

Wesensgleich, griechisch homoousios, heißt: Der Sohn hat dasselbe eine göttliche Wesen wie der Vater, nicht ein ähnliches oder ein geschaffenes. Er ist Gott wie der Vater Gott ist, und doch ist er nicht der Vater, sondern der Sohn. Im Glaubensbekenntnis beten wir dafür „eines Wesens mit dem Vater“; im koptischen Text steht das griechische Wort selbst.27

Das Wort steht nicht in der Bibel. Athanasius antwortet darauf, „dass, wenn auch die Worte nicht so in den Schriften sich finden, dieselben doch den Sinn … aus den Schriften haben“.28 Der Herr sagt in Joh 10:30: „Ich und der Vater sind eins.“ In Joh 14:9b sagt er: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“. Neu war nur das Wort, nicht der Glaube: Schon lange vor dem Konzil bekannten die Christen Vater, Sohn und Heiligen Geist als eines Wesens.29 Das Wort „wesensgleich“ schützt, was die Schrift sagt.

Warum es um unser Heil geht

War das ein Streit um Worte? Für Athanasius ging es um unsere Rettung:

Aus den Vätern

Ferner aber blieb der Mensch, wenn der Sohn ein Geschöpf war, trotzdem sterblich, weil ohne Verbindung mit Gott. Denn ein Geschöpf konnte die Geschöpfe nicht mit Gott verbinden, da es selbst nach dem Verbindenden sich umsehen musste, und es kann wohl auch nicht ein Teil der Schöpfung das Heil werden für die Schöpfung, da auch dieser der Rettung bedurfte.30

– Hl. Athanasius der Apostolische, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 2, Kap. 69

Das ist die Methode „Wenn – dann“: Wenn Christus nicht Gott wäre, könnte er uns nicht retten. Ebenso lehrt der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty: „Niemand könnte ohne die Menschwerdung des Sohnes Gottes, der mit dem Vater wesensgleich ist, und ohne sein Opfer für die Sünder von der Sünde erlöst werden“.31

Daran hängt auch, dass wir Kinder Gottes heißen. Johannes schreibt über den Sohn: „Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1:12a). Wenn Christus selbst nur ein Geschöpf wäre, wie könnte er uns dann zu Kindern Gottes machen? Der Katechismus unterscheidet: „Da er mit dem Vater wesensgleich ist, gründet seine Sohnschaft in seiner Natur und ist ewig.“ Unsere Sohnschaft dagegen ist „ein Geschenk“ der göttlichen Gnade.32

Das Bekenntnis von 325

Das Konzil fasste den Glauben in einem Bekenntnis zusammen. Seinen Wortlaut überliefert der heilige Kyrill:

„Wir glauben an einen Gott, den allmächtigen Vater, Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge, und an einen Herrn Jesus Christus, den Sohn Gottes, als Eingeborener gezeugt aus dem Vater, das heißt aus dem Wesen desselben, Gott von Gott, Licht vom Lichte, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht gemacht, wesenseins mit dem Vater, durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist, der um uns Menschen und um unseres Heiles willen herabgestiegen und Fleisch und Mensch geworden ist, gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist, aufgefahren zu den Himmeln und kommend zu richten die Lebenden und die Toten, und an den Heiligen Geist. Diejenigen aber, die da sagen, es habe eine Zeit gegeben, da der Sohn Gottes nicht war, und er sei nicht gewesen, bevor er gezeugt wurde, und er sei aus nichts geworden oder aus einer andern Substanz oder Wesenheit, oder er sei wandelbar oder veränderlich, diese anathematisiert die apostolische und katholische Kirche.“33

Achte auf zwei Dinge. Erstens endet das Bekenntnis von 325 mit den Worten „und an den Heiligen Geist“. Papst Tawadros II. erklärt, das Konzil habe zwar von den drei Personen gesprochen, „aber nicht sehr ausführlich über die Person des Heiligen Geistes, da das Konzil in erster Linie eine Antwort auf die arianische Irrlehre über die Person des Sohnes geben wollte“.34 Den ausführlichen Artikel über den Heiligen Geist und die Sätze über die Kirche, die Taufe und die Auferstehung fügte erst das Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 hinzu; davon handelt der zweite Vortrag. Zweitens folgt dem Bekenntnis ein Anathema, das die Sätze des Arius aufnimmt und verwirft.

Begriff
Anathema

Ein Anathema (Bannfluch) ist die feierliche Verurteilung einer Irrlehre durch die Kirche.

Ostertermin und Kanones

In ihrem Schreiben an die Kirche von Alexandrien verkünden die Väter „eine frohe Botschaft bezüglich der Einigung in der Feier unseres hochheiligen Osterfestes“: Die Kirchen des Ostens, die es bisher anders gehalten hatten, würden es „von jetzt an“ zusammen mit Alexandrien feiern.35 Der Ostertermin wurde also für alle Kirchen gleich geordnet. Die Berechnung, die schon Papst Demetrius von Alexandrien entwickelt hatte, „billigte“ nach dem Katechismus das Konzil von Nizäa.36

Außerdem erließen die Bischöfe „zwanzig Dekrete über die kirchliche Verwaltung“.37 Diese Beschlüsse heißen Kanones.

Begriff
Kanon (Kanones)

Ein Kanon (griechisch „Richtschnur“, Mehrzahl Kanones) ist eine Regel, die ein Konzil für das Leben und die Ordnung der Kirche festlegt.

Für unsere Kirche ist der sechste Kanon besonders wichtig. Papst Schenouda III. führt seinen Wortlaut an: „Mögen die alten, in Ägypten, Libyen und den fünf westlichen Städten gängigen Gewohnheiten bewahrt werden, dass nämlich dem Bischof von Alexandria die Jurisdiktion über sie alle zusteht.“38 Das Konzil bestätigt damit die alte Ordnung: Die Jurisdiktion, also die Leitung der Kirche in Ägypten, Libyen und der Pentapolis, den fünf westlichen Städten, liegt beim Nachfolger des heiligen Markus.

Die Väter des Konzils von Nizäa mit Papst Alexander und dem Diakon Athanasius

Der heilige Athanasius: vom Diakon zum Bekenner

Diakon in Nizäa, Papst von Alexandrien

Athanasius war in Nizäa noch Diakon, aber schon ein entschiedener Mitstreiter seines Papstes. Das Synaxarium sagt, er habe dort „tatsächlich den Häretiker Arius“ besiegt.39 Das Bekenntnis selbst ist ein Beschluss des ganzen Konzils. Im Jahr 328 entschlief Papst Alexander. Wie er es angeordnet hatte, wurde Athanasius sein Nachfolger, der 20. Patriarch. Er blieb fünfundvierzig Jahre auf dem Stuhl des heiligen Markus, bis zu seinem Heimgang im Jahr 373.40

Wiederholt verbannt

Weil Athanasius Arius ohne echte Umkehr nicht aufnahm, verfolgten ihn dessen Anhänger; wiederholt musste er in die Verbannung (das Exil) gehen:41

Tabelle 92 · Verbannung und Flucht des heiligen Athanasius nach dem Synaxarium
Kaiser Was geschah Rückkehr
Konstantin Athanasius weigert sich, Arius aufzunehmen, dessen Reue er nicht für echt hält; Verbannung nach Trier in Gallien auf Anordnung des sterbenden Kaisers
Constantius eine Synode, eine Versammlung von Bischöfen, in Antiochien setzt ihn ab; Zuflucht bei Julius, dem Bischof von Rom (339) 346, vom Volk mit Freude empfangen
Constantius Soldaten überfallen 356 die Kirche des heiligen Theonas; Athanasius lebt verborgen bei den Mönchen 362
Julian er verbirgt sich im Grab seines Vaters und flieht nach Oberägypten 364, unter Kaiser Jovian
Valens er muss 365 in ein Landhaus ausweichen nach neun Monaten (366), auf Drängen des Volkes

In seinen Nöten stand ihm der heilige Antonius bei; er „kam … herab, um dem leidenden Papst beizustehen“.42 Auf der Flucht entstanden viele seiner Schriften, darunter das Leben des heiligen Antonius und die Vier Reden gegen die Arianer: „Während Papst Athanasius in seinem selbstgewählten Exil von einem Kloster zum anderen zog, sein Herz entflammt von der Liebe zu Gott und seinem Volk, weidete er seine Kinder durch seine tiefgründigen Schriften.“43

Beispiel

Im Jahr 356 drangen Soldaten in die Kirche des heiligen Theonas ein, während der Papst mit seinem Volk betete. Das Synaxarium erzählt: „Der Papst weigerte sich hinauszugehen, bis die letzte Person hinausgegangen war, doch die Priester um ihn herum drängten ihn zur Flucht.“44 So handelt ein guter Hirt: Er denkt zuerst an seine Herde.

Die Kirche nennt Athanasius in ihren liturgischen Texten den Apostolischen.45 Was Judas seinen Lesern schreibt, hat er gelebt:

Heilige Schrift

Liebe Brüder, da es mich sehr drängt, euch über unsere gemeinsame Rettung zu schreiben, halte ich es für notwendig, euch mit diesem Brief zu ermahnen: Kämpft für den überlieferten Glauben, der den Heiligen ein für allemal anvertraut ist.

Jud 3

Das Glaubensbekenntnis als Frucht der Konzile

Nach Papst Tawadros II. ist unser Glaubensbekenntnis in zwei Etappen entstanden, „die mit dem Auftreten von Irrlehren korrespondieren“: gegen Arius in Nizäa, gegen die Lehre des Makedonius 381 in Konstantinopel.46

Darum hat es seinen Platz im Gebet: Es „wird in allen Gebeten der Agpeya, zu Beginn der göttlichen Liturgie, in den anderen Heiligen Geheimnissen und während unserer kirchlichen Versammlungen rezitiert“, und zwar im Stehen. Einer der Gründe ist die „Erinnerung an die Verfolgungen und Leiden, die die Kirchenväter ertragen mussten, um die Reinheit und Unversehrtheit des Glaubens zu bewahren“.47 Wenn du das Glaubensbekenntnis betest, stehst du an der Seite von Alexander und Athanasius.

Das Konzil von Nizäa lässt sich in vier Schritten zusammenfassen; im zweiten Vortrag folgt Konstantinopel im selben Schema:

Tabelle 93 · Das Konzil von Nizäa im Schema
Schritt Nizäa 325
Irrlehre Arius: Der Sohn sei ein Geschöpf aus dem Nichts; „es gab eine Zeit, da er nicht war“.
Gegenbeweis Joh 1:1⁠–⁠3: Im Anfang war das Wort, alles ist durch es geworden. „Wenn – dann“: Wenn der Sohn einmal nicht war, war Gott ohne seine Weisheit (Alexander); wenn er ein Geschöpf ist, kann er uns nicht mit Gott verbinden (Athanasius).
Beschluss Der Sohn ist wesensgleich mit dem Vater (homoousios); Bekenntnis bis „und an den Heiligen Geist“ mit Anathema; gemeinsamer Ostertermin; zwanzig Kanones, darunter der sechste über Alexandrien.
Kirchenvater Papst Alexander; der heilige Athanasius, damals Diakon, später Papst und wiederholt verbannt.

Für den Dienst

  • Das Bekenntnis bewusst beten. Erkläre den Kindern, warum wir beim Glaubensbekenntnis stehen. Lass ältere Kinder die Worte „eines Wesens mit dem Vater“ suchen und frage: Gegen wessen Lehre richten sich diese Worte?
  • Vom heiligen Athanasius erzählen. Erzähle die Szene in der Kirche des heiligen Theonas oder die Flucht auf dem Nil, die du aus Buch 1, Kapitel 6 („Die Konzile in Grundzügen“) kennst. Bleibe dabei beim Synaxarium.
  • „Wenn – dann“ mit Jugendlichen. Fragt dich ein Jugendlicher oder auch ein Kollege: „War Jesus nicht einfach ein besonders guter Mensch?“, dann denke mit ihm weiter: Wenn Jesus nur ein Geschöpf wäre, könnte er uns nicht mit Gott verbinden und nicht zu Kindern Gottes machen (Joh 1:12). Lies mit ihm Joh 1:1⁠–⁠3.
  • Wie Alexander handeln. Alexander hat Arius zuerst ermahnt und die Tür zur Umkehr offen gelassen. Auch du sprichst über Menschen, die anders glauben, ohne Spott und mit Liebe; du verurteilst die Lehre, nicht den Menschen.
  • Auf die Lehre achten. Hier gilt besonders der Leitvers des Kurses aus 1. Tim 4:16: „Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören.“ Die Kinder sollen den Glauben der Väter unverfälscht empfangen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Arius, ein Priester in Alexandrien, lehrte, der Sohn Gottes sei ein Geschöpf aus dem Nichts: „Es gab eine Zeit, da er nicht war.“ Nach dem Synaxarium hatte ihn schon Papst Petrus I. ausgeschlossen; offen verbreitete er seine Lehre unter Papst Alexander.
  • Papst Alexander ermahnte Arius, ließ ihn von einer Synode verurteilen und widerlegte ihn aus der Schrift (Joh 1:1⁠–⁠3). Athanasius erklärt: Wenn der Sohn ein Geschöpf wäre, könnte er uns nicht mit Gott verbinden.
  • Das Konzil von Nizäa (325, nach der Überlieferung dreihundertachtzehn Väter) bekannte den Sohn als wesensgleich (homoousios) mit dem Vater: Er hat dasselbe eine göttliche Wesen wie der Vater. Im Glaubensbekenntnis beten wir „eines Wesens mit dem Vater“.
  • Das Bekenntnis von 325 endet mit „und an den Heiligen Geist“ und einem Anathema gegen die Sätze des Arius; der Rest unseres Bekenntnisses kam 381 in Konstantinopel hinzu.
  • Nizäa ordnete einen gemeinsamen Ostertermin und erließ zwanzig Kanones; der sechste bestätigt die alte Ordnung der Kirche von Alexandrien.
  • Athanasius war in Nizäa Diakon, wurde 328 Papst und erlitt wiederholt Verbannung; die Kirche nennt ihn den Apostolischen.
  • Das Glaubensbekenntnis ist eine Frucht der Konzile; wir beten es im Stehen in Erinnerung an die Leiden der Väter.

Zum Weiterlesen

  • Alexander von Alexandrien, Umlaufschreiben, Kap. 1⁠–⁠6.
  • Athanasius, Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa, Kap. 18⁠–⁠21.
  • Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 2, Kap. 67⁠–⁠70.
  • Kyrill von Alexandrien, Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, Kap. 1⁠–⁠7.
  • Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 7⁠–⁠11.

Anmerkungen

  1. Die göttlichen Liturgien, S. 177.↑

  2. Vgl. Synaxarium, 29. Hatur, Das Martyrium des Papstes Petrus, „Siegel der Märtyrer“, des 17. Patriarchen des Markusstuhles, S. 152.↑

  3. Synaxarium, 29. Hatur, S. 152⁠–⁠153.↑

  4. Alexander von Alexandrien, Brief an Alexander von Konstantinopel (bei Theodoret, Kirchengeschichte), Buch I, Kap. 4.↑

  5. Vgl. Theodoret, Kirchengeschichte, Buch I, Kap. 2; Synaxarium, 22. Baramuda, Die Entschlafung des heiligen Papstes Alexander I., des neunzehnten Patriarchen des Markusstuhles, S. 404.↑

  6. Synaxarium, 22. Baramuda, S. 404.↑

  7. Arius nach Alexander von Alexandrien, Umlaufschreiben, Kap. 2.↑

  8. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 800; vgl. Synaxarium, 22. Baramuda, S. 404.↑

  9. Theodoret, Kirchengeschichte, Buch I, Kap. 2.↑

  10. Theodoret, Kirchengeschichte, Buch I, Kap. 2.↑

  11. Alexander von Alexandrien, Umlaufschreiben, Kap. 3.↑

  12. Vgl. Alexander von Alexandrien, Umlaufschreiben, Kap. 7.↑

  13. Alexander von Alexandrien, Umlaufschreiben, Kap. 3.↑

  14. Synaxarium, 22. Baramuda, S. 405.↑

  15. Alexander von Alexandrien, Brief an Alexander von Konstantinopel (bei Theodoret, Kirchengeschichte), Buch I, Kap. 4.↑

  16. Ebd. Dogmen sind die verbindlichen Lehren des Glaubens.↑

  17. Synaxarium, 22. Baramuda, S. 405.↑

  18. Vgl. Eusebius, Leben Konstantins, Buch III, Kap. 6.↑

  19. Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 8.↑

  20. Synaxarium, 9. Hatur, Versammlung des Ersten Ökumenischen Konzils von Nizäa, S. 114⁠–⁠115; ebenso Theodoret, Kirchengeschichte, Buch I, Kap. 7.↑

  21. Theodoret, Kirchengeschichte, Buch I, Kap. 7.↑

  22. Kyrill von Alexandrien, Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, Kap. 4.↑

  23. Synaxarium, 9. Hatur, S. 115.↑

  24. Vgl. Synaxarium, 9. Hatur, S. 115.↑

  25. Vgl. Athanasius, Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa, Kap. 19⁠–⁠20.↑

  26. Athanasius, Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa, Kap. 20.↑

  27. Die göttlichen Liturgien, S. 177; koptischer Wortlaut: Euchologion, S. 124 („ou-omo-ousios“).↑

  28. Athanasius, Über die Beschlüsse der Synode von Nizäa, Kap. 21.↑

  29. Vgl. Damals wie Heute, S. 47.↑

  30. Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 2, Kap. 69.↑

  31. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 124.↑

  32. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 109.↑

  33. Kyrill von Alexandrien, Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, Kap. 7. „Eingeborener“ meint den einzigen Sohn; „wesenseins“, also wesensgleich, gibt das griechische homoousios wieder; „Substanz“ und „Wesenheit“ meinen das Wesen; „katholisch“ heißt „allumfassend“.↑

  34. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 123.↑

  35. Synodalschreiben der Synode von Nizäa an die Kirche von Alexandrien, bei Theodoret, Kirchengeschichte, Buch I, Kap. 9.↑

  36. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1090.↑

  37. Theodoret, Kirchengeschichte, Buch I, Kap. 8.↑

  38. Papst Schenouda III., Der Augenzeuge Gottes, Abba Markus, der Apostel, Evangelist und Märtyrer, Kap. 5.8.↑

  39. Synaxarium, 7. Baschans, Die Entschlafung des großen Heiligen, des apostolischen Papstes Athanasius, des zwanzigsten Patriarchen des Markusstuhles, S. 437. Ein Häretiker ist ein Irrlehrer.↑

  40. Vgl. ebd., S. 437⁠–⁠440.↑

  41. Vgl. Synaxarium, 7. Baschans, S. 438⁠–⁠440; zur ersten Verbannung: Synodalschreiben der Bischöfe Ägyptens, bei Athanasius, Schutzschrift gegen die Arianer, Kap. 3; Theodoret, Kirchengeschichte, Buch I, Kap. 31⁠–⁠32.↑

  42. Synaxarium, 7. Baschans, S. 438.↑

  43. Ebd., S. 439.↑

  44. Synaxarium, 7. Baschans, S. 439.↑

  45. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑

  46. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 7.↑

  47. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 11. Mit den „Heiligen Geheimnissen“ sind die Sakramente gemeint.↑

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