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Thema 34 · Vortrag 2

Das Konzil von Konstantinopel 381

Makedonius, Apollinaris und die Vollendung des Glaubensbekenntnisses

14 Min. LesezeitNizäa und Konstantinopel

Lernziele

  1. Die Irrlehren des Makedonius und des Apollinaris beschreiben.
  2. Die Ergänzung des Bekenntnisses 381 nennen und den Umfang der Bekenntnisse von 325 und 381 unterscheiden.
  3. Das Konzil von Konstantinopel mit dem Schema Irrlehre – Gegenbeweis – Beschluss – Kirchenvater erklären.

Schlüsselbegriffe

Makedonianer (Pneumatomachen) · Apollinarismus · vernünftige Seele · Sabellianer · Markellianer · Glaubensbekenntnis (Nizäno-Konstantinopolitanum) · Lebensspender · Hervorgehen

Bibelstellen

Apg 5:3⁠–⁠4; 1. Kor 2:10b; Mt 28:19; Mt 26:38a; Lk 2:52a; Joh 15:26; Joh 6:63a; 2. Petr 1:21b; Eph 4:5; 1. Kor 15:3b–4a; Mk 15:15

Inhalt

Das Konzil von Nizäa bekannte die Gottheit des Sohnes; sein Bekenntnis endete mit „und an den Heiligen Geist“. Bald musste die Kirche zwei weitere Fragen beantworten: Ist der Heilige Geist Gott, und hat Christus wirklich eine menschliche Seele? Das Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 beantwortete diese Fragen und vollendete das Glaubensbekenntnis, das wir heute beten. Seine Beschlüsse helfen uns, Kindern den Artikel über den Heiligen Geist zu erklären.

Nach Nizäa: Der Streit ging weiter

Mit dem Konzil von Nizäa war der Streit nicht beendet. Du hast gelesen, wie der heilige Athanasius immer wieder in die Verbannung gehen musste. Die Väter von Konstantinopel, die im Jahr nach ihrem Konzil noch einmal zusammenkamen, beschreiben diese Zeit so: „… erst gestern sozusagen und vorgestern sind die einen, befreit von den Banden des Exils, unter tausenderlei Bedrängnissen zu ihren Kirchen zurückgekehrt“.1

Im Jahr 381 rief Kaiser Theodosius der Große die Bischöfe nach Konstantinopel. Nach dem Synaxarium versammelten sich einhundertfünfzig Bischöfe; aus Alexandrien kamen „Papst Timotheus I., der 22. Patriarch, und einige Bischöfe“. Das Konzil wurde einberufen, um die Lehren des Makedonius, des Sabellius und des Apollinaris zu prüfen, „die Lästerungen gegen Gott, das Wort, und den Heiligen Geist vorgebracht hatten“.2 Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty nennt unter den Teilnehmern auch Nektarius, den Patriarchen von Konstantinopel, und die beiden großen Väter Gregor den Theologen und Gregor von Nyssa.3

Makedonius und die Gottheit des Heiligen Geistes

Was Makedonius lehrte

Makedonius war ein früherer Bischof von Konstantinopel. Der Kirchenhistoriker Theodoret berichtet, die Arianer hätten ihn auf diesen Stuhl gebracht, ihn aber bald wieder vertrieben, weil er den Sohn nicht ein Geschöpf nennen wollte. Danach sei er „Haupt und Führer einer besonderen Häresie“ geworden: Den Sohn nannte er dem Vater nur „ähnlich“, „den [Heiligen] Geist dagegen nannte er ganz offen ein Geschöpf“.4 Papst Tawadros II. sagt, Makedonius habe behauptet, „der Heilige Geist sei ein Geschöpf wie die Engel“.5

Begriff
Makedonianer (Pneumatomachen)

Die Makedonianer sind die Anhänger der Lehre des Makedonius, der Heilige Geist sei geschaffen. Man nennt alle, die gegen die Gottheit des Geistes stritten, auch Pneumatomachen, „Geistbekämpfer“. Das Konzil von Konstantinopel hat ihre Lehre verurteilt.

Zur Zeit des Konzils war Makedonius längst nicht mehr Bischof; auf dem Konzil vertraten seine Anhänger seine Lehre. Das Synaxarium fasst die Widerlegung dieser Lehre durch Papst Timotheus I. in der Form eines direkten Gesprächs zusammen: Timotheus fragt Makedonius nach seinem Glauben, und dieser antwortet: „Der Heilige Geist ist ein Geschöpf wie alle anderen Geschöpfe.“ Timotheus zeigt ihm, wie verkehrt diese Meinung ist, und rät ihm umzukehren. „Er aber hörte nicht.“6 Das Konzil verurteilte die Irrlehre des Makedonius und alle, die ihr folgten.

Die Antwort: Der Geist ist Gott

Die Antwort der Kirche hatte der heilige Athanasius schon vorbereitet. In seinen Briefen an Bischof Serapion von Thmuis, die du aus Thema 24 („Der Heilige Geist“) kennst, gebraucht er die Methode „Wenn – dann“:

Aus den Vätern

Wenn der Heilige Geist aber ein Geschöpf wäre, so würde uns durch ihn keine Gemeinschaft mit Gott zuteil; wir würden vielmehr mit einem Geschöpf verbunden und der göttlichen Natur entfremdet, weil wir in nichts derselben teilhaft wären.7

– Hl. Athanasius der Apostolische, Vier Briefe an Serapion, Brief 1, Kap. 24

Ebenso argumentiert er mit der Taufe. Wir werden auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft (Mt 28:19). Darum gilt: „der überlieferte Glaube an sie ist einer und verbindet mit Gott“; wer aber „ohne den Geist im Vater und Sohn getauft wird, empfängt nicht“.8 Wäre der Geist ein Geschöpf, so würden wir auf ein Geschöpf getauft.

Auch die Schrift spricht vom Geist wie von Gott. Petrus sagt zu Hananias, er habe „den Heiligen Geist“ belogen; in Apg 5:4b fügt er hinzu: „Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott.“ Paulus schreibt in 1. Kor 2:10b: „Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes.“ Kein Geschöpf kann die Tiefen Gottes ergründen.

Apollinaris: Christus ohne vernünftige Seele?

Was Apollinaris lehrte

Die zweite Irrlehre betraf Christus selbst. Apollinaris von Laodicea wollte die Gottheit Christi verteidigen und fiel dabei in einen neuen Irrtum. Er lehrte, das Wort habe zwar einen Leib angenommen, aber keine vernünftige menschliche Seele, also keinen menschlichen Verstand und Geist.9 Im Synaxarium beschreibt er seine Lehre selbst so: „Die Menschwerdung des Sohnes geschah durch seine Vereinigung mit dem menschlichen Leib ohne die vernunftbegabte Seele, denn seine Gottheit trat an die Stelle der Seele und des Verstandes.“10

Begriff
Apollinarismus

Der Apollinarismus ist die Lehre des Apollinaris, das Wort Gottes habe einen menschlichen Leib ohne vernünftige (vernunftbegabte) menschliche Seele angenommen; das göttliche Wort habe in Christus die Stelle des menschlichen Geistes und Verstandes eingenommen. Damit leugnet er, dass Christus vollständig Mensch ist.

Die Antwort: Christus ist vollständig Mensch

Im Synaxarium antwortet Papst Timotheus nach der Methode „Wenn – dann“:

„Gott, das Wort, hat sich mit unserer Natur vereint, um uns zu erlösen. Wenn seine Vereinigung nur mit dem tierischen Leib geschah, dann hat er nicht die Menschen erlöst, sondern die Tiere. Denn die Menschen werden am Tag der allgemeinen Auferstehung mit der vernunftbegabten Seele auferstehen, durch sie geschieht das Gericht, und durch sie empfangen sie die Glückseligkeit oder die Strafe.“11

Wenn Christus keine vernünftige menschliche Seele angenommen hätte, dann wären also auch unsere Seele und unser Geist nicht erlöst. Der heilige Athanasius hatte schon vorher geschrieben:

Aus den Vätern

Unsere Erlösung ist aber nicht Einbildung; und nicht bloß die Erlösung des Leibes, sondern in Wahrheit des ganzen Menschen, der Seele und des Leibes, wurde durch den Logos bewirkt.12

– Hl. Athanasius der Apostolische, Brief an Epiktet, Kap. 7

Die Evangelien zeigen den Herrn mit einer menschlichen Seele. Im Garten Getsemani sagt er nach Mt 26:38a: „Meine Seele ist zu Tode betrübt.“ Von dem Knaben Jesus heißt es: „Jesus aber wuchs heran und seine Weisheit nahm zu“ (Lk 2:52a). Der Sohn Gottes hat, wie du in Buch 1, Kapitel 6 („Die Konzile in Grundzügen“) gelesen hast, „Fleisch mitsamt einer vernünftigen Seele angenommen“.13 Wie Gottheit und Menschheit in Christus vereint sind, hast du in Thema 18 („Menschwerdung und Christologie“) gelernt.

Sabellianer und Markellianer

Das Synaxarium nennt unter den Irrlehren, die das Konzil prüfte, auch die des Sabellius: „Die Dreifaltigkeit hat ein Wesen und eine Person.“ In seiner Erzählung antwortet Papst Timotheus: „Wenn die Dreifaltigkeit, wie du behauptest, ein Wesen und eine Person hat, dann ist die Erwähnung der Dreifaltigkeit hinfällig, und deine Taufe ist ungültig, denn sie geschieht im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“14 Die Lehre des Sabellius, Vater, Sohn und Geist seien nur Erscheinungsweisen einer einzigen Hypostase (Person), kennst du aus Thema 16 („Die Heilige Dreifaltigkeit“) als Modalismus. Sabellius selbst hatte schon vor Nizäa gelehrt; Papst Alexander nennt ihn bereits in seinem Brief gegen Arius.15 Das Konzil verurteilte also eine ältere Irrlehre, die zu seiner Zeit noch Anhänger hatte.

Der erste Kanon des Konzils bestätigt den Glauben der dreihundertachtzehn Väter von Nizäa. Er verurteilt mehrere Irrlehren, darunter die Lehren der Pneumatomachen und der Apollinaristen. Auch die Sabellianer, die Anhänger des Sabellius, und die Markellianer, die Anhänger des Bischofs Markell von Ankyra, werden genannt.16 Die Bischöfe von Konstantinopel erklären im Jahr darauf, wogegen sich ihr Glaube richtet: Er lehre eine Gottheit „in drei ganz vollkommenen Hypostasen oder drei vollkommenen Personen, so dass weder die Krankheit des Sabellius Platz findet, wonach die Hypostasen vermischt und die Eigentümlichkeiten derselben aufgehoben werden, noch auch die gotteslästerliche Lehre der Eunomianer, Arianer und Pneumatomachen Kraft gewinnt“.17 Theodoret fügt hinzu, das Schreiben richte sich auch gegen Markell.18 Sabellianer und Markellianer hielten also den Unterschied der drei Hypostasen nicht fest.

Die Vollendung des Glaubensbekenntnisses

Der Artikel über den Heiligen Geist

Das Synaxarium fasst das Ergebnis zusammen: Das Konzil schloss Makedonius, Sabellius und Apollinaris aus. „Dann vervollständigten sie das Glaubensbekenntnis von ‚Ja, wir glauben an den Heiligen Geist …‘ bis zum Ende.“19 Auch Theodoret berichtet, die Bischöfe hätten erklärt, „dass das in Nizäa aufgestellte Glaubensbekenntnis in Kraft bleiben solle“.20 Konstantinopel hat also kein neues Bekenntnis gegen das von Nizäa gesetzt, sondern das Bekenntnis von Nizäa bestätigt und vollendet. Der Teil, den es hinzufügte, lautet in unserem Glaubensbekenntnis:

„Ja, wir glauben an den Heiligen Geist, den lebensspendenden Herrn, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, er hat gesprochen durch die Propheten. Wir glauben an die eine, heilige, apostolische und universale Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt. Amen.“21

Jedes Wort antwortet auf die Irrlehre:

  • „den lebensspendenden Herrn“: Der Geist ist nicht Diener, sondern Herr, wie der Vater und der Sohn, und er spendet das Leben. Papst Tawadros II. nennt ihn darum „Lebensspender“: Er schenkt jedem Lebewesen das Leben und uns „das Leben der Gnade“.22 Der Herr sagt: „Der Geist ist es, der lebendig macht“ (Joh 6:63a).
  • „der aus dem Vater hervorgeht“: So sagt es der Herr selbst (siehe die Bibelstelle unten). Der Geist ist nicht gemacht, sondern geht ewig aus dem Vater hervor.
  • „der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird“: Ein Geschöpf darf nicht angebetet werden. Wenn die Kirche den Geist mit dem Vater und dem Sohn anbetet, bekennt sie ihn als Gott.
  • „er hat gesprochen durch die Propheten“: Die Schrift sagt: „vom Heiligen Geist getrieben haben Menschen im Auftrag Gottes geredet“ (2. Petr 1:21b).
  • Kirche, Taufe, Auferstehung: Das Konzil bekannte auch die eine Kirche, die eine Taufe – „ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“ (Eph 4:5) – und die Hoffnung auf die Auferstehung und das ewige Leben.
Heilige Schrift

Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen.

Joh 15:26

Der Herr unterscheidet hier zwei Dinge: Der Geist geht vom Vater aus, und der Sohn sendet ihn. Das Hervorgehen ist ewig; die Sendung geschieht in der Zeit, etwa zu Pfingsten. Darum sagt das Bekenntnis nur „der aus dem Vater hervorgeht“; den Zusatz „und vom Sohn“ kennt es nicht. Papst Tawadros II. unterscheidet die ewige „Prozession“, also das Hervorgehen, aus dem Vater von der zeitlichen „Aussendung“.23 Wie das Hervorgehen geschieht, sollen wir nicht ergrübeln. Der heilige Gregor von Nazianz mahnt: „Hörst du von Erzeugung, dann grüble nicht! Hörst du vom Ausgang des Geistes aus dem Vater, dann forsche nicht nach dem Wie!“24

Das Bekenntnis von 325 und von 381

Der heilige Kyrill überliefert den Wortlaut von 325. Vergleicht man ihn mit dem Bekenntnis der einhundertfünfzig Väter von Konstantinopel, zeigt sich, dass 381 auch der Abschnitt über den Sohn seine heutige Gestalt erhielt. Hinzu kam der ausführliche Artikel über den Heiligen Geist.25

Tabelle 94 · Das Bekenntnis von 325 und von 381
Teil Nizäa 325 Konstantinopel 381 (heutiger Wortlaut)
Vater „Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge“ „Schöpfer des Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und Unsichtbaren“
Sohn „gezeugt aus dem Vater, das heißt aus dem Wesen desselben“; „wesenseins mit dem Vater“ „geboren aus dem Vater vor aller Zeit“; „eines Wesens mit dem Vater“; neu im Wortlaut: „durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria“, „für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus an unsrer Statt“, „begraben“, „gemäß der Schrift“, „zur Rechten seines Vaters“, „in Herrlichkeit“, „seine Herrschaft wird kein Ende sein“
Heiliger Geist nur „und an den Heiligen Geist“ der ganze Artikel: „den lebensspendenden Herrn, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, er hat gesprochen durch die Propheten“
Kirche, Taufe, Hoffnung – die eine Kirche, die eine Taufe, die Auferstehung der Toten, das Leben der kommenden Welt
Schluss Anathema gegen die Sätze des Arius „Amen“

Neu ist dabei der Wortlaut, nicht der Glaube: Leiden und Auferstehung bekennt schon das Bekenntnis von 325, und Tod und Begräbnis Christi bezeugt schon der Apostel Paulus: „Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden“ (1. Kor 15:3b–4a). Die Kreuzigung unter Pilatus berichten die Evangelien (Mk 15:15).

Sein Fachname lautet darum Nizäno-Konstantinopolitanum: das Bekenntnis von Nizäa in der Gestalt, die ihm Konstantinopel gegeben hat.

Was 325 in Nizäa und 381 in Konstantinopel bekannt wurde

Der heilige Gregor von Nazianz, der Theologe

Ein Vater dieses Konzils ist der heilige Gregor von Nazianz. Die Kirche nennt ihn „der Theologe“, „das heißt: der von Gott redet“, wegen seiner tiefgründigen Predigten; ihm wird auch die Gregorius-Liturgie zugeschrieben.26 Nach dem Synaxarium kam er im Jahr 379 auf die Bitten der Gläubigen nach Konstantinopel, wo die Arianer viele verwirrt hatten, und führte viele zum rechten Glauben zurück.27

In einer seiner Reden über die Glaubenslehre warnt Gregor vor beiden Abwegen, vor dem des Sabellius und vor dem des Arius, und sagt:

Aus den Vätern

Es ist notwendig, die Einheit Gottes festzuhalten und die Dreiheit in den Hypostasen, bzw. Personen zu bekennen, deren jede ihre Proprietät besitzt.28

– Hl. Gregor von Nazianz, Reden, Rede 20,6

Man wollte Gregor als Patriarchen von Konstantinopel einsetzen. Auf dem Konzil erhob die ägyptische Delegation jedoch Einspruch, weil er zuvor für einen anderen Bischofssitz geweiht worden war. Da verließ er die Stadt, „nachdem er sich von den Bischöfen und dem Volk mit einer äußerst bewegenden Ansprache verabschiedet hatte“.29

Theodoret überliefert, was Gregor den Bischöfen riet: „Sucht euch also einen lobenswerten und verständigen Mann, der die schwere Last so vieler Sorgen auf sich nehmen und mit Leichtigkeit tragen kann, und diesen wählet dann zum Bischof!“30 So wurde Nektarius Bischof von Konstantinopel. Gregor hat den Frieden der Kirche über seine eigene Würde gestellt.

Der heilige Gregor von Nazianz, der Theologe

Das Konzil von Konstantinopel im Schema

Fasse das Konzil mit demselben Schema zusammen wie das Konzil von Nizäa:

Tabelle 95 · Das Konzil von Konstantinopel im Schema
Schritt Konstantinopel 381
Irrlehre Makedonius, ein früherer Bischof von Konstantinopel, und seine Anhänger: Der Heilige Geist sei ein Geschöpf. Apollinaris: Christus habe keine vernünftige menschliche Seele. Dazu die Sabellianer und Markellianer, die die drei Hypostasen nicht unterscheiden.
Gegenbeweis Apg 5:3⁠–⁠4; 1. Kor 2:10; Mt 26:38; Lk 2:52. „Wenn – dann“: Wenn der Geist ein Geschöpf wäre, hätten wir durch ihn keine Gemeinschaft mit Gott (Athanasius). Wenn Christus keine vernünftige menschliche Seele hätte, wären unsere Seele und unser Geist nicht erlöst (Timotheus nach dem Synaxarium; Athanasius).
Beschluss Der Glaube von Nizäa bleibt bestehen; der Artikel über den Heiligen Geist („Ja, wir glauben an den Heiligen Geist …“) und die Sätze über Kirche, Taufe und Auferstehung vollenden das Bekenntnis; die Irrlehren werden verurteilt.
Kirchenvater Papst Timotheus I. von Alexandrien; der heilige Gregor von Nazianz, der Theologe; vorbereitet durch den heiligen Athanasius.

Für den Dienst

  • Den Heiligen Geist als Person zeigen. Kinder stellen sich den Heiligen Geist oft wie eine Kraft oder einen Wind vor. Sage ihnen: Der Heilige Geist ist Gott, wir beten zu ihm und mit ihm; er schenkt uns in der Taufe neues Leben. Bete mit der Klasse zu Beginn der Stunde um den Heiligen Geist; dasselbe Gebet passt auch in die Familie.
  • Jesus hat eine Seele wie wir. Erzähle von Jesus, der traurig war (Mt 26:38), der lernte und wuchs (Lk 2:52), der weinte und sich freute. Kinder dürfen wissen: Jesus versteht unsere Gefühle, weil er ganz Mensch geworden ist, ohne aufzuhören, Gott zu sein.
  • „Wenn – dann“ im Gespräch. Sagt ein Jugendlicher: „Der Heilige Geist ist doch nur eine Energie Gottes“, dann frage: Wenn er nur eine Kraft wäre, wie könnte man ihn belügen (Apg 5:3⁠–⁠4)? Und wie könnten wir auf seinen Namen getauft werden (Mt 28:19)?
  • Das Glaubensbekenntnis erklären. Lass ältere Kinder die Sätze über den Heiligen Geist im Glaubensbekenntnis suchen und erkläre jedes Wort mit der Liste dieses Vortrags. So können sie die Worte beim Beten besser verstehen.
  • Wie Gregor dienen. Gregor hat auf ein hohes Amt verzichtet, damit Friede wird. Im Dienst geht es nicht um unseren Platz, sondern um die Menschen, denen wir dienen, und um die Einheit der Kirche.
  • Ohne Polemik, also ohne abwertende Streitworte. Die Irrlehrer von damals werden ernst genommen, aber nicht verspottet. Wer heute Fragen hat, wird geduldig begleitet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Konzil von Konstantinopel (381) versammelte einhundertfünfzig Bischöfe unter Kaiser Theodosius dem Großen; aus Alexandrien nahm Papst Timotheus I. teil.
  • Makedonius lehrte, der Heilige Geist sei ein Geschöpf. Antwort: Der Geist ist Gott; wäre er ein Geschöpf, hätten wir durch ihn keine Gemeinschaft mit Gott (Athanasius).
  • Apollinaris lehrte, Christus habe keine vernünftige menschliche Seele, die Gottheit habe ihre Stelle eingenommen. Antwort: Christus ist vollständig Mensch; er hat den ganzen Menschen, Seele und Leib, erlöst.
  • Der erste Kanon bestätigt den Glauben von Nizäa und verurteilt unter anderem die Sabellianer und die Markellianer, die die drei Hypostasen nicht unterscheiden.
  • Konstantinopel vollendete das Bekenntnis; in unserem Glaubensbekenntnis reicht dieser Teil von „Ja, wir glauben an den Heiligen Geist, den lebensspendenden Herrn, der aus dem Vater hervorgeht …“ bis „das Leben der kommenden Welt. Amen“.
  • Das Bekenntnis von 325 endete mit „und an den Heiligen Geist“ und einem Anathema; 381 erhielt es seine heutige Gestalt (Nizäno-Konstantinopolitanum).
  • Der Heilige Geist geht ewig aus dem Vater hervor und wird vom Sohn gesandt (Joh 15:26).
  • Der heilige Gregor von Nazianz, der Theologe, lehrte die eine Gottheit in drei Hypostasen und stellte den Frieden der Kirche über seine eigene Würde.

Zum Weiterlesen

  • Gregor von Nazianz, Reden, Rede 20.
  • Athanasius, Vier Briefe an Serapion, Brief 1, Kap. 22⁠–⁠31.
  • Athanasius, Brief an Epiktet, Kap. 5⁠–⁠9.
  • Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Fr. 98.
  • Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 123⁠–⁠131.

Anmerkungen

  1. Synodalschreiben der in Konstantinopel versammelten Bischöfe an die Bischöfe des Abendlandes, bei Theodoret, Kirchengeschichte, Buch V, Kap. 9.↑

  2. Synaxarium, 1. Amschir, Gedenken an die Versammlung des Zweiten Ökumenischen Konzils in der Stadt Konstantinopel, S. 273.↑

  3. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑

  4. Theodoret, Kirchengeschichte, Buch II, Kap. 6.↑

  5. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 124.↑

  6. Synaxarium, 1. Amschir, S. 273.↑

  7. Athanasius, Vier Briefe an Serapion, Brief 1, Kap. 24. Teilhabe meint das Leben aus Gnade, keine Teilhabe am göttlichen Wesen; vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 327, Anmerkung 666.↑

  8. Athanasius, Vier Briefe an Serapion, Brief 1, Kap. 30.↑

  9. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 4.↑

  10. Synaxarium, 1. Amschir, S. 273.↑

  11. Synaxarium, 1. Amschir, S. 273. Die Rede ist Wortlaut des Synaxariums; eine Schrift des Papstes Timotheus ist dafür nicht überliefert.↑

  12. Athanasius, Brief an Epiktet, Kap. 7. Logos ist das griechische Wort für „Wort“; gemeint ist der Sohn Gottes (Joh 1:1).↑

  13. Kyrill von Alexandrien, Dass Christus einer ist, Kap. 10.↑

  14. Synaxarium, 1. Amschir, S. 273.↑

  15. Vgl. Alexander von Alexandrien, Brief an Alexander von Konstantinopel (bei Theodoret, Kirchengeschichte), Buch I, Kap. 4.↑

  16. Vgl. Konzil von Konstantinopel (381), Kanon 1; zu Markell als Bischof von Ankyra: Theodoret, Kirchengeschichte, Buch II, Kap. 7.↑

  17. Synodalschreiben der Bischöfe von Konstantinopel, bei Theodoret, Kirchengeschichte, Buch V, Kap. 9. Die Eunomianer sind die Anhänger des Eunomius, der den Sohn dem Vater dem Wesen nach unähnlich nannte.↑

  18. Vgl. Theodoret, Kirchengeschichte, Buch V, Kap. 9.↑

  19. Synaxarium, 1. Amschir, S. 274.↑

  20. Theodoret, Kirchengeschichte, Buch V, Kap. 8.↑

  21. Die göttlichen Liturgien, S. 178.↑

  22. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 124.↑

  23. Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 125; ausführlich Thema 24, „Der Heilige Geist“.↑

  24. Gregor von Nazianz, Reden, Rede 20,11.↑

  25. Vgl. Kyrill von Alexandrien, Erklärung des nizänischen Glaubensbekenntnisses, Kap. 7; Glaubensbekenntnis der 150 Väter von Konstantinopel (in: Nicene and Post-Nicene Fathers, 2. Reihe, Bd. 14, S. 342); Die göttlichen Liturgien, S. 177⁠–⁠178.↑

  26. Synaxarium, 24. Tut, Die Entschlafung des heiligen Gregor, des Theologen, S. 49.↑

  27. Vgl. ebd., S. 49.↑

  28. Gregor von Nazianz, Reden, Rede 20,6. „Proprietät“ ist die Eigentümlichkeit jeder Hypostase: Der Vater ist ungezeugt, der Sohn gezeugt, der Geist geht hervor.↑

  29. Synaxarium, 24. Tut, S. 49.↑

  30. Gregor von Nazianz nach Theodoret, Kirchengeschichte, Buch V, Kap. 8.↑

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