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Thema 42 · Vortrag 2

Schöpfung und Naturwissenschaft; Bibel und Auferstehung

Was der Glaube festhält, was die Wissenschaft erforscht und worauf sich unsere Hoffnung gründet

16 Min. LesezeitGlaube und Vernunft

Lernziele

  1. Den Glaubenskern der Schöpfungslehre von naturwissenschaftlichen Fragen unterscheiden, Urknall- und Evolutionstheorie als naturwissenschaftliche Theorien einordnen, die Grenzen beider Erkenntniswege erläutern und erklären, warum die Kirche ein Weltbild ohne Gott ablehnt.
  2. Gründe für die Zuverlässigkeit des Neuen Testaments und die Zeugnisse der Auferstehung nennen und sagen, was kein Beweis ist.

Schlüsselbegriffe

Schöpfung aus dem Nichts · Ebenbild · nach dem Augenschein · Naturwissenschaft · Urknalltheorie · Evolutionstheorie · Weltbild ohne Gott · Handschrift · Überlieferung · Augenzeuge · Auferstehung · leeres Grab · Erscheinungen des Auferstandenen

Bibelstellen

2. Makk 7:28; Gen 1:27; Gen 1:31; Röm 5:12; 2. Tim 3:16; Ps 104:24; Lk 1:1⁠–⁠4; 1. Joh 1:1⁠–⁠3; Joh 19:35; Mk 15:43⁠–⁠45; 1. Kor 15:3⁠–⁠8; 1. Kor 15:14; Mk 16:6; Lk 24:10⁠–⁠11; Mt 28:11⁠–⁠15; Apg 4:20; Gal 1:23; Joh 20:29; Joh 20:31

Inhalt

Im Biologieunterricht, im Studium und im Internet hören junge Christen oft: Die Naturwissenschaft habe die Schöpfungsgeschichte widerlegt, die Bibel sei eine Sammlung später Legenden, und an die Auferstehung könne kein denkender Mensch glauben. Auf diese Einwände antwortet die Kirche. Sie sagt, was der Glaube über die Schöpfung festhält und was er der Naturwissenschaft überlässt, warum wir dem Neuen Testament vertrauen können und welche Zeugnisse für die Auferstehung Christi sprechen. Ebenso ehrlich sagt sie, was kein Beweis ist. Als Diener hilfst du Kindern und Jugendlichen, gläubig und zugleich offen für das Lernen in der Schule zu sein, ohne einen Gegensatz zwischen Schule und Kirche aufzubauen.

Was der Glaube über die Schöpfung festhält

In Thema 22 („Schöpfung, Fall und Erlösung“) hast du die Schöpfungslehre der Kirche kennengelernt. Hier geht es darum, ihren Kern von den Fragen zu unterscheiden, die die Naturwissenschaft untersucht. Der Glaubenskern besteht aus drei Aussagen:

  • Gott hat Himmel und Erde aus dem Nichts erschaffen. Die Mutter der sieben makkabäischen Brüder, die lange vor Christus für das Gesetz Gottes als Märtyrer starben, sagt: „Gott hat das aus dem Nichts erschaffen und so entstehen auch die Menschen“ (2. Makk 7:28). Die Welt ist nicht ewig und nicht von selbst entstanden; sie verdankt ihr Dasein Gott, und sie ist gut (Gen 1:31).
  • Der Mensch ist Gottes Ebenbild mit geistiger Seele. „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie“ (Gen 1:27). Er ist mehr als ein höher entwickeltes Tier: Er kann Gott erkennen, lieben und ihm antworten. Der heilige Gregor von Nyssa sagt zum Menschen: „Du siehst in dir die Vernunft und den Denkgeist, ein Abbild des Ur-Geistes und Wortes.“1
  • Der Fall Adams ist geschichtlich. „Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod“ (Röm 5:12). Die Sünde ist kein Teil der guten Schöpfung, sondern durch den Ungehorsam des Menschen in die Welt gekommen.

Der heilige Basilius der Große beginnt seine Homilien über das Hexaemeron, also seine Predigten über das Sechstagewerk der Schöpfung, mit dem Hinweis, dass die Erschaffung von Himmel und Erde erzählt werden soll „nicht als ein von selbst erfolgter Vorgang, wie manche sich einbildeten, sondern als ein Werk, das in Gott seine Ursache hat“.2 Dass die Welt in Gott ihre Ursache hat, ist der Kern des Schöpfungsglaubens. Der heilige Athanasius fügt hinzu, dass sie nicht aus sich selbst besteht. Die Natur der geschaffenen Welt ist, „weil aus dem Nichts hervorgegangen, … für sich betrachtet, hinfällig, ohnmächtig und sterblich“; im Dasein hält sie der Logos Gottes, durch den sie geschaffen ist.3

Die Schrift irrt nicht und spricht nach dem Augenschein

Die Heilige Schrift ist Gottes Wort: „Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung“ (2. Tim 3:16a). Darum irrt sie nicht. Papst Tawadros II. erklärt, der Heilige Geist mache den Schreiber „unfehlbar, d. h. frei von Irrtum“ und lasse ihm doch „die Freiheit des Ausdrucks“.4 Die Schrift ist aber kein Lehrbuch der Naturwissenschaft. Wer ihre ersten Kapitel liest, als wären sie für den Physik- oder Biologieunterricht geschrieben, missversteht sie. Metropolit Anba Pola von Tanta erklärt: „Wenn in der Bibel von Naturphänomenen die Rede ist, werden sie so beschrieben, wie die Menschen sie sehen“ – zum Beispiel die Bewegung der Sonne von Osten nach Westen.5 Auch wir sagen heute „die Sonne geht auf“, obwohl wir wissen, dass sich die Erde dreht. Die Schrift spricht nach dem Augenschein; sie redet die Sprache aller Menschen und aller Zeiten.

Begriff
nach dem Augenschein

Die Schrift beschreibt die Natur so, wie der Mensch sie sieht und erlebt, und nicht in der Fachsprache einer Wissenschaft. Sie will nicht erklären, wie die Abläufe der Natur gemessen werden, sondern wer die Welt geschaffen hat, warum und wozu.

Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty sagt über den Zweck der Schrift: Sie will nicht erforschen, wie die Schöpfung vor sich ging, sondern uns Gott erkennen lassen, der die Menschen liebt und uns nach der Erschaffung nie verlassen hat.6 Basilius staunt darüber, dass Mose die Streitfragen der Gelehrten seiner Zeit über die Gestalt der Erde gar nicht berührt; er preist Gott dafür, dass er „nur das aufschreiben ließ, was zur Erbauung und Läuterung unserer Seelen dient“.7

Glaube und Naturwissenschaft

Zwei Erkenntniswege

Glaube und Naturwissenschaft stellen verschiedene Fragen. Die Naturwissenschaft fragt: Wie ist etwas aufgebaut, wie läuft es ab, was lässt sich messen und wiederholen? Der Glaube fragt: Wer hat die Welt gewollt? Warum gibt es überhaupt etwas? Wozu lebe ich? Wer bin ich vor Gott? Beide Arten von Fragen sind berechtigt; die eine ersetzt die andere nicht.

Darum sind Glaube und Wissenschaft keine Gegner. Der Katechismus sagt, Gott habe den Menschen nicht von Anfang an alle Erkenntnisse offenbart, denn „Gott heiligt den freien Willen und das menschliche Bemühen. Daher hat er ihnen die Türen zum Studium und zum Wachstum in der Erkenntnis geöffnet“.8 Basilius hat nach dem Katechismus Gläubige kritisiert, „die wissenschaftliche und philosophische Studien geringschätzen und sie für trügerisch halten“.9 Er selbst nennt die sichtbare Welt „eine Schule und Erziehungsanstalt zur Gotteserkenntnis“.10 Ein Christ kann mit Freude Biologie, Physik oder Medizin studieren; er entdeckt dabei die Weisheit des Schöpfers: „Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht“ (Ps 104:24; LXX 103).

Die Grenzen beider Wege

  • Die Grenze der Naturwissenschaft: Sie kann nur untersuchen, was sich beobachten und messen lässt. Über Gott, über den Sinn des Lebens, über Gut und Böse kann sie mit ihren Mitteln nichts entscheiden. Ihre Ergebnisse sind wertvoll, aber vorläufig. Der Katechismus sagt: „Der Gläubige leugnet nicht die Bedeutung des wissenschaftlichen Fortschritts, versteht aber, dass wissenschaftliche Theorien revidiert werden können.“11
  • Die Grenze des Glaubens: Der Glaube gibt keine Antwort auf naturwissenschaftliche Einzelfragen – etwa über das Alter der Erde oder den Verlauf der Entwicklung des Lebens. Wer solche Fragen aus der Bibel entscheiden will oder den Glauben an eine bestimmte wissenschaftliche Meinung bindet, verwechselt die Wege. Wenn sich die Meinung ändert, scheint dann auch der Glaube widerlegt.

Urknall und Evolution

Viele Jugendliche hören im Unterricht von der Urknalltheorie über den Anfang des Weltalls und von der Evolutionstheorie, einer naturwissenschaftlichen Theorie über die Entwicklung der Lebewesen. Sie fragen, ob das dem Glauben widerspricht. Die Kirche hält fest:

Merksatz

Gott hat Himmel und Erde aus dem Nichts erschaffen; der Mensch ist sein Ebenbild mit geistiger Seele; der Fall Adams ist geschichtlich. Die Heilige Schrift irrt nicht; sie ist aber kein Lehrbuch der Naturwissenschaft, sondern spricht nach dem Augenschein und will das Heil lehren (Basilius, Hexaemeron). Naturwissenschaftliche Theorien über den Anfang des Weltalls, etwa die Urknalltheorie, widersprechen dem Glauben an die Schöpfung aus dem Nichts nicht. Ein Weltbild ohne Gott lehnt der Glaube ab.

Die Dauer der Schöpfungstage hat die Kirche nicht festgelegt.

Was der Glaube ablehnt

Abgelehnt wird nicht die Naturwissenschaft, sondern ein Weltbild ohne Gott: die Behauptung, alles sei nur durch Zufall entstanden, die Welt habe keinen Schöpfer und keinen Sinn, und der Mensch sei nichts als Materie. Diese Behauptung ist selbst keine naturwissenschaftliche Erkenntnis mehr, denn über Gott und Sinn kann die Naturwissenschaft nichts aussagen; sie ist eine Weltanschauung. Schon der heilige Athanasius kannte Philosophen, die behaupteten, „alles sei von selbst und durch Zufall entstanden“, und hielt ihnen entgegen, dass die Ordnung der Welt auf eine Ursache verweist, „aus der man auf Gott, der alles angeordnet und geschaffen hat, schließen kann“.12

Der Katechismus sagt es so: Die Heilige Schrift hat kein Problem mit der wissenschaftlichen Forschung, wohl aber mit dem Hochmut und mit denen, die leugnen, dass die Welt einen Grund jenseits der Zeit hat.13

Zwei Erkenntniswege mit verschiedenen Fragen

Warum wir dem Neuen Testament vertrauen können

Vom Zeugnis zur Schrift

Die Evangelien erzählen nicht Märchen, sondern berichten, was geschehen ist. Sie gehen auf das Zeugnis von Menschen zurück, die Jesus gekannt haben, und wurden zur Zeit der Apostel und ihrer Schüler aufgeschrieben; wann genau die einzelnen Evangelien entstanden sind, ist nicht sicher überliefert (Thema 15). Die Evangelisten sagen selbst, worauf sie sich stützen. Lukas beginnt sein Evangelium so:

Heilige Schrift

Schon viele haben es unternommen, einen Bericht über all das abzufassen, was sich unter uns ereignet und erfüllt hat. Dabei hielten sie sich an die Überlieferung derer, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren. Nun habe auch ich mich entschlossen, allem von Grund auf sorgfältig nachzugehen, um es für dich, hochverehrter Theophilus, der Reihe nach aufzuschreiben. So kannst du dich von der Zuverlässigkeit der Lehre überzeugen, in der du unterwiesen wurdest.

Lk 1:1⁠–⁠4

Ebenso schreibt Johannes: „was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir“ (1. Joh 1:1). Und über die Kreuzigung: „Und der, der es gesehen hat, hat es bezeugt, und sein Zeugnis ist wahr“ (Joh 19:35).

Der heilige Irenäus von Lyon, der in seiner Jugend noch den heiligen Polykarp gesehen hatte, einen Schüler der Apostel,14 beschreibt in seinem Werk Gegen die Häresien, also gegen die Irrlehren seiner Zeit, wie das Evangelium zu uns gekommen ist:

Aus den Vätern

Von keinem andern als von denen, durch welche das Evangelium an uns gelangt ist, haben wir Gottes Heilsplan gelernt. Was sie zuerst gepredigt und dann nach dem Willen Gottes uns schriftlich überliefert haben, das sollte das Fundament und die Grundsäule unseres Glaubens werden.15

– Hl. Irenäus von Lyon, Gegen die Häresien, Buch III, Kap. 1,1

Irenäus nennt dann die vier Evangelisten: Matthäus, Markus, den Schüler und Dolmetscher des Petrus, Lukas, den Begleiter des Paulus, und Johannes, den Jünger des Herrn.16 Die Evangelien stammen also aus dem Kreis der Apostel und ihrer Schüler, und die Kirche hat sie von Anfang an als die ihren gelesen.

Die Überlieferung des Textes

Die Schriften des Neuen Testaments wurden von Hand abgeschrieben, lange bevor es den Buchdruck gab. Von ihnen sind viele alte Handschriften erhalten, die man miteinander vergleichen kann. Die Kirche hat diese Bücher bewahrt, abgeschrieben, übersetzt und in jedem Gottesdienst vorgelesen. Der Katechismus sagt: „Die Heilige Bibel ist das Buch der Kirche, das wir durch die Überlieferung der Kirche empfangen.“17

Die Abschriften weichen an manchen Stellen voneinander ab, meist in Einzelheiten, an wenigen Stellen auch in längeren Abschnitten; man spricht von Lesarten. Das ist bei jedem alten Buch so und kein Zeichen von Fälschung. Die Kirche lehrt ihren Glauben aus der ganzen Schrift, gelesen in ihrer Überlieferung, und nicht aus einer einzelnen unsicheren Stelle. Wie die Kirche ihre Bücher empfangen und den Kanon, das verbindliche Verzeichnis der biblischen Bücher, bewahrt hat, hast du in Thema 5 („Die Heilige Schrift“) gelernt.

Die Kreuzigung ist geschichtlich

Dass Jesus unter Pontius Pilatus gekreuzigt wurde, berichten alle vier Evangelien. Auch der jüdische Geschichtsschreiber Josephus erwähnt es im 1. Jahrhundert in seinem Werk über die Geschichte seines Volkes: Pilatus habe Jesus „auf Denunziation unserer angesehensten Männer hin zum Kreuzestode verurteilt“.18 Dieser Abschnitt ist in den Abschriften von christlicher Hand erweitert worden; ein echter Kern wird aber für möglich gehalten.

Die Evangelien erzählen den Tod Jesu als öffentliches Ereignis: Pilatus ließ sich vom Hauptmann bestätigen, dass Jesus tot war, bevor er den Leichnam Josef von Arimathäa überließ (Mk 15:43⁠–⁠45). Der heilige Athanasius betont, dass der Herr nicht im Verborgenen starb, sondern vor aller Augen. Sonst hätte niemand seinen Tod bezeugen können, und die Botschaft von der Auferstehung wäre unglaubwürdig gewesen: „Woher hätten auch seine Jünger den Mut zur offenen Predigt von seiner Auferstehung gehabt, wenn sie nicht auch sagen konnten, dass er zuvor gestorben?“19

Die Zeugnisse der Auferstehung

Die Auferstehung ist die Mitte unseres Glaubens. Paulus schreibt: „Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos“ (1. Kor 15:14). Papst Tawadros II. sagt:

Aus der Lehre unserer Päpste

Sie ist das Herz des christlichen Glaubens und des geistlichen Lebens, und sie ist auch das Zentrum unserer rituellen Gestaltung. Jeder Sonntag ist ein Fest der Auferstehung, und jede Liturgie ist eine Fortsetzung davon.20

– Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 107

Das überlieferte Zeugnis

Im ersten Brief an die Korinther fasst Paulus zusammen, was er selbst empfangen und den Korinthern weitergegeben hat:

Heilige Schrift

Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. Danach erschien er mehr als fünfhundert Brüdern zugleich; die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind entschlafen. Danach erschien er dem Jakobus, dann allen Aposteln. Als Letztem von allen erschien er auch mir, dem Unerwarteten, der „Missgeburt“.

1. Kor 15:3⁠–⁠8

Paulus nennt Namen und Gruppen von Zeugen – Kephas ist der aramäische Name des Petrus –, und er fügt hinzu, dass die meisten von ihnen noch leben – wer zweifelte, konnte sie fragen.

Das leere Grab

Die Frauen, die am ersten Tag der Woche zum Grab kamen, fanden es leer und hörten die Botschaft: „Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte“ (Mk 16:6). Das Matthäusevangelium berichtet, dass auch die Gegner das leere Grab nicht bestritten. Sie verbreiteten vielmehr, die Jünger hätten den Leichnam gestohlen (Mt 28:11⁠–⁠15) – eine Erklärung, die das leere Grab voraussetzt. Noch im 2. Jahrhundert berichtet der heilige Justin, dass Gegner der Christen verbreiteten, die Jünger hätten den Leichnam „bei Nacht gestohlen“.21

Die ehrlichen Berichte

Die Evangelien beschönigen auch die Schwächen und Zweifel der Jünger nicht. Die ersten Zeugen der Auferstehung waren Frauen, und die Apostel glaubten ihnen zunächst nicht: „Doch die Apostel hielten das alles für Geschwätz und glaubten ihnen nicht“ (Lk 24:11). Dass die Evangelien auch vom anfänglichen Unglauben der Apostel berichten, spricht für ihre Glaubwürdigkeit.

Die verwandelten Zeugen

Die Jünger, die bei der Gefangennahme Jesu geflohen waren (Mk 14:50), traten wenige Wochen später öffentlich in Jerusalem auf: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4:20). Sie ließen sich weder durch Drohungen noch durch Gefängnis davon abbringen, und nach der Überlieferung der Kirche starben viele von ihnen als Märtyrer. Die Bereitschaft der Jünger, für ihr Zeugnis zu sterben, spricht dafür, dass sie von dessen Wahrheit überzeugt waren. Auch Paulus, der die Kirche verfolgt hatte, wurde durch die Begegnung mit dem Auferstandenen verwandelt; die Gemeinden hörten nur: „Er, der uns einst verfolgte, verkündigt jetzt den Glauben, den er früher vernichten wollte“ (Gal 1:23).

Der heilige Athanasius sieht im Mut der Christen angesichts des Todes einen Beweis, dass der Tod seit der Auferstehung besiegt ist: „Seitdem aber der Heiland seinen Leib von den Toten auferweckt hat, ist der Tod nicht mehr schrecklich; vielmehr treten ihn alle, die an Christus glauben, mit Füßen, wie wenn er nichts bedeutete, und wollen lieber sterben als den Glauben an Christus verleugnen.“22 Unsere Kirche, die Kirche der Märtyrer, bezeugt, wie tief dieser Glaube trägt; das erste und tragende Zeugnis aber bleibt das der Augenzeugen.

Eine Auferstehung ohne Vergleich

Papst Tawadros II. erklärt, dass sich die Auferstehung Christi von den Totenerweckungen unterscheidet, die er selbst gewirkt hat: Sie ist eine verherrlichte Auferstehung, „eine dauerhafte Auferstehung, auf die kein Tod folgt“; er ist aus eigener Macht auferstanden, und sie ist der Sieg über Sünde und Tod.23 Lazarus und alle, die der Herr auferweckt hatte, mussten wieder sterben; Christus lebt in Ewigkeit.

Was kein Beweis ist

Gute Gründe sind keine Zwangsbeweise, und nicht alles, was als „Beweis“ weitergegeben wird, trägt im Gespräch mit Zweifelnden. Zwei Beispiele werden oft genannt:

  • Das Grabtuch von Turin. Viele Gläubige verehren es als Grabtuch des Herrn. Ob es tatsächlich das Grabtuch des Herrn ist, ist aber nicht gesichert, und der Glaube hängt nicht daran. Darum ist es im Gespräch kein Beweis, auf den sich der Glaube an die Auferstehung stützt.
  • Das heilige Licht. Das Synaxarium berichtet, wie am Grab Christi in Jerusalem am Lichtsamstag das heilige Licht erscheint, und die Gläubigen verehren es als Zeichen.24 Für den, der nicht glaubt, ist ein solches Zeichen aber kein Beweis; er wird es anders erklären.

Unser Glaube an die Auferstehung gründet nicht auf solchen Zeichen, sondern auf dem Zeugnis der Apostel, das die Kirche bewahrt und in jeder Liturgie verkündet. Zeichen können den Glauben der Gläubigen stärken; im Gespräch mit Zweifelnden sprichst du von den Zeugen. Johannes schreibt am Ende seines Evangeliums: „Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen“ (Joh 20:31). Und der Herr selbst sagt: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (Joh 20:29b).

Für den Dienst

  • Keinen Gegensatz zur Schule aufbauen. Sag einem Kind nie: „Was der Lehrer in Biologie sagt, ist gegen Gott.“ Hilf ihm, beides zu unterscheiden: Die Schule erklärt, wie die Natur funktioniert; die Kirche sagt, wer sie geschaffen hat und wozu. Ermutige die Kinder, gut zu lernen.
  • Die Schöpfung als Glaubensgeschichte erzählen. Erzähle Gen 1 als Lobpreis des Schöpfers, nicht als Naturkundeunterricht. Bei Fragen nach dem Wie darfst du sagen: „Das erforschen die Wissenschaftler; die Bibel sagt uns, wer es gemacht hat und dass es gut ist.“
  • Jugendliche ernst nehmen. Fragt ein Jugendlicher nach der Evolution, antworte mit dem Merksatz und sag dazu: Welche Abläufe es in der Natur und bei den Lebewesen gibt, untersucht die Naturwissenschaft; der Glaube hält fest, dass Gott den Menschen als sein Ebenbild mit geistiger Seele geschaffen hat, und lehnt die Behauptung ab, er sei nur ein Zufallsprodukt der Materie. Lass dich nicht auf naturwissenschaftliche Detailstreitigkeiten ein, die du nicht beurteilen kannst.
  • Die Auferstehung bezeugen. Jeder Sonntag ist ein Fest der Auferstehung. Zeige älteren Kindern 1. Kor 15:3⁠–⁠8 und frag sie: Wen nennt Paulus als Zeugen? Warum ist es wichtig, dass er Namen nennt?
  • Mit Vorsicht über Zeichen sprechen. Wenn Kinder vom Grabtuch oder vom heiligen Licht erzählen, nimm ihre Freude ernst, aber gründe ihren Glauben auf Christus und das Zeugnis der Apostel.
  • Für dich selbst. Lies in dieser Woche die Auferstehungsberichte der vier Evangelien (Mt 28; Mk 16; Lk 24; Joh 20⁠–⁠21) und achte darauf, wer was bezeugt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Glaubenskern der Schöpfungslehre: Gott hat Himmel und Erde aus dem Nichts erschaffen; der Mensch ist sein Ebenbild mit geistiger Seele; der Fall Adams ist geschichtlich.
  • Die Heilige Schrift irrt nicht; sie ist aber kein Lehrbuch der Naturwissenschaft, sondern spricht nach dem Augenschein und will das Heil lehren (Basilius, Hexaemeron 9,1). Ihr Ziel ist, dass wir Gott erkennen, der die Menschen liebt.
  • Naturwissenschaft und Glaube sind zwei Erkenntniswege mit verschiedenen Fragen und je eigenen Grenzen; sie sind keine Gegner.
  • Naturwissenschaftliche Theorien über den Anfang des Weltalls, etwa die Urknalltheorie, widersprechen dem Glauben an die Schöpfung aus dem Nichts nicht; ein Weltbild ohne Gott lehnt der Glaube ab. Die Dauer der Schöpfungstage hat die Kirche nicht festgelegt.
  • Das Neue Testament geht auf Augenzeugen zurück (Lk 1:1⁠–⁠4; Irenäus, Gegen die Häresien, Buch III, Kap. 1,1), ist in vielen alten Handschriften überliefert und wurde von der Kirche bewahrt; die Kreuzigung ist auch außerhalb der Bibel bezeugt.
  • Zeugnisse der Auferstehung: das überlieferte Zeugnis mit Namen der Zeugen (1. Kor 15:3⁠–⁠8), das leere Grab, die ehrlichen Berichte, die verwandelten Jünger und Märtyrer.
  • Grabtuch und heiliges Licht sind im Gespräch mit Zweifelnden keine Beweise; der Glaube gründet auf dem Zeugnis der Apostel.

Zum Weiterlesen

  • Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 2, Fr. 1348⁠–⁠1349 und Fr. 1356 b und d (Wissenschaft und Glaube) und Bd. 1, Fr. 65 (die Bewahrung der Schrift).
  • Hl. Basilius der Große, Homilien über das Hexaemeron, Homilie 1 und 9.
  • Hl. Athanasius, Über die Menschwerdung des Logos, Kap. 2 (gegen den Zufall) und Kap. 21⁠–⁠32 (Tod und Auferstehung des Herrn).
  • Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 98⁠–⁠107 (die Auferstehung) und Fr. 128 (die Inspiration der Schrift).
  • Metropolit Anba Pola, Die Bibel und die Wissenschaft, Kap. 2 (die Sprache der Bibel).

Anmerkungen

  1. Gregor von Nyssa, Abhandlung über die Ausstattung des Menschen, Kap. 5.↑

  2. Basilius, Homilien über das Hexaemeron, Homilie 1,1.↑

  3. Athanasius, Gegen die Heiden, Kap. 41.↑

  4. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 128.↑

  5. Metropolit Anba Pola, Die Bibel und die Wissenschaft, Kap. 2.↑

  6. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1348.↑

  7. Basilius, Homilien über das Hexaemeron, Homilie 9,1.↑

  8. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1349.↑

  9. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 20.↑

  10. Basilius, Homilien über das Hexaemeron, Homilie 1,6.↑

  11. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1356.↑

  12. Athanasius, Über die Menschwerdung des Logos, Kap. 2.↑

  13. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1356.↑

  14. Vgl. Irenäus, Gegen die Häresien, Buch III, Kap. 3,4.↑

  15. Irenäus, Gegen die Häresien, Buch III, Kap. 1,1.↑

  16. Vgl. Irenäus, Gegen die Häresien, Buch III, Kap. 1,1.↑

  17. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 65.↑

  18. Josephus, Jüdische Altertümer 18,63⁠–⁠64, nach Eusebius, Kirchengeschichte, Buch I, Kap. 11.↑

  19. Athanasius, Über die Menschwerdung des Logos, Kap. 23.↑

  20. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 107.↑

  21. Justin der Märtyrer, Dialog mit dem Juden Trypho, Kap. 108,2.↑

  22. Athanasius, Über die Menschwerdung des Logos, Kap. 27.↑

  23. Vgl. Papst Tawadros II., Mein Glaube, Fr. 98.↑

  24. Vgl. Synaxarium, 28. Baramhat, Entschlafung von Papst Petrus VII., dem 109. Patriarchen des Markusstuhles, S. 367.↑

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