Thema 43 · Vortrag 2
Zeugnis im Alltag – Evangelisation und Katechumenat
Freunde einladen, Fragen beantworten, Taufbewerber begleiten
14 Min. LesezeitDer Diener in der Diaspora
Lernziele
- Evangelisation als Zeugnis beschreiben und ihre Grenzen nennen (keine Lockgaben, Freiheit achten).
- Die Begleitung eines Taufbewerbers im Katechumenat erklären.
Schlüsselbegriffe
Evangelisation · Zeugnis · Menschenfischer · Gesandte an Christi statt · Theologische Schule von Alexandrien · Lockgaben · Katechumene · Katechumenat · Taufbewerber · Taufpate
Bibelstellen
Apg 1:8; Mt 5:16; Mt 4:19; Lk 5:10; 2. Kor 5:20; Joh 17:16; Joh 17:18; 1. Thess 4:3; Joh 1:39; Joh 1:46; Joh 4:28–29; Joh 4:42; 1. Petr 3:15–16; Kol 4:6; Mt 10:8; 1. Thess 2:3; 2. Kor 4:2; Offb 3:20; Mk 10:21–22; 1. Kor 3:6; Joh 3:5; Apg 8:26–38; Apg 2:42
Inhalt
Koptische Jugendliche in Europa sind oft die Einzigen ihrer Kirche in der Klasse, im Verein und später am Arbeitsplatz. Ohne es zu planen, sind sie Zeugen. Man fragt sie, warum sie fasten, warum sie am Sonntag in die Kirche gehen und was Kopten glauben. Wer sie begleitet, muss wissen, was die Kirche unter Evangelisation versteht, wo ihre Grenzen liegen und wie die Kirche Menschen begleitet, die getauft werden wollen.
Evangelisation als Lebenszeugnis
Vor seiner Himmelfahrt sagte der Herr: „ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1:8b). Der Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty beschreibt, wie die Kirche diesen Auftrag gelebt hat:
„Seit ihrer Gründung war die Kirche stets mit der Evangelisierung befasst … Jeder empfand es als seine Verantwortung, für Christus Zeugnis abzulegen – wenn nicht durch Worte, dann durch gute Werke.“1
Evangelisation ist die Weitergabe der Frohen Botschaft von Jesus Christus durch Leben, Wort und Einladung, damit Menschen zum Glauben und in die Kirche finden. Sie geschieht in Liebe und lässt dem anderen seine Freiheit.
Das erste Wort der Evangelisation ist das Leben. Abuna Daoud Lamei, ein koptischer Priester aus Heliopolis, der für Diener über die Verkündigung geschrieben hat, sagt: „Viele Christen meinen vielleicht, sie könnten nicht predigen; aber sie müssen wissen, dass ihr Leben die Wahrheit verkünden kann – und es tatsächlich auch soll.“2 Er nennt vier Stufen: gut sein, barmherzig sein, bereit sein zu antworten und erst dann ein weiser Evangelist sein, also einer, der anderen klug das Evangelium bringt.3
So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Schon der heilige Clemens von Alexandrien beklagt Christen, die in der Kirche anders sind als draußen:
Diejenigen, die Christus geweiht sind, sollten sich im ganzen Leben ebenso zeigen und gestalten, wie sie sich in den Kirchen zeigen, wo sie eine würdigere Haltung annehmen; und zwar sollten sie so sein, nicht zu sein scheinen, so sanft, so gottesfürchtig, so liebevoll. Jetzt aber verändern sie auf unbegreifliche Weise zugleich mit dem Ort auch die Haltung und das ganze Wesen, gerade wie die Polypen, von denen berichtet wird, dass sie den Steinen, bei denen sie sich aufhalten, ähnlich werden und die gleiche Färbung zeigen.4
Der Katechismus führt dazu ein Wort des heiligen Johannes Chrysostomus an: „Nichts ist kälter als ein Christ, der sich nicht um das Heil anderer kümmert.“5
Menschenfischer und Gesandte
Christus ruft die ersten Jünger: „Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen“ (Mt 4:19). Zu Petrus sagt er: „Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen“ (Lk 5:10b). Ein Menschenfischer braucht Geduld, arbeitet mit den anderen im Boot zusammen und hält aus, wenn lange nichts geschieht. Abuna Daoud Lamei deutet das Bild: Das Netz ist das Wort Gottes, das Boot die Kirche, das Ufer das Himmelreich.6
Paulus schreibt: „Wir sind also Gesandte an Christi statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt“ (2. Kor 5:20a). Ein Gesandter (Botschafter) vertritt sein Land in der Fremde. Er spricht die Sprache seiner Heimat und die des Landes, in dem er dient, und bleibt seiner Heimat treu.7 So sind die Jünger „nicht von der Welt“ (Joh 17:16a), und doch sagt der Herr: „Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt“ (Joh 17:18). Gesandter Christi ist man in Schule, Studium, Arbeit und Familie, nicht bloß zwei Stunden am Sonntag.
Die Theologische Schule von Alexandrien als Modell
Unsere Kirche hat Erfahrung damit, den Glauben Menschen anderer Herkunft weiterzugeben. „Die Schule von Alexandrien begann als Schule für Katechumenen, darunter Heiden und Juden, die die Taufe begehrten“, und sie „öffnete allen ihre Türen und nahm Menschen unterschiedlicher Religionen, Kulturen, sozialer Schichten und jeden Alters auf“.8 Ihre Geschichte erzählt Thema 32 („Die Kirche der Apostel und der heilige Markus“).
Abuna Tadros Y. Malaty beschreibt, wie Lehrer mit brennendem Herzen die Liebe Gottes in ihren Schülern entzündeten. Die Schule sorgte für drei Gruppen: die Nichtglaubenden, die Taufbewerber und die Gläubigen.9 Abuna Tadros Y. Malaty folgert für heute: Wir sollen den Glauben so weitergeben, dass andere ihn in ihrer eigenen Kultur verstehen. Wir verkünden den orthodoxen Glauben, nicht unsere örtliche Kultur, und achten die Kultur der anderen.10 Es geht nicht darum, Menschen zu Ägyptern zu machen, sondern zu Heiligen.11 „Das ist es, was Gott will: eure Heiligung“ (1. Thess 4:3a).
Freunde einladen, Fragen beantworten
„Komm und sieh!“
Natanaël zweifelte: „Aus Nazaret? Kann von dort etwas Gutes kommen?“ Philippus antwortete nur: „Komm und sieh!“ (Joh 1:46). So hatte Jesus selbst die ersten Jünger eingeladen: „Kommt und seht!“ (Joh 1:39a). Die Samariterin „ließ … ihren Wasserkrug stehen, eilte in den Ort und sagte zu den Leuten: Kommt her, seht“ (Joh 4:28–29a). Sie hatte bei Christus gefunden, was sie bei keinem Menschen gefunden hatte, und rief nun alle in ihrer Stadt, es mit ihr zu teilen.12 Am Ende sagen die Samariter: „Nicht mehr aufgrund deiner Aussage glauben wir, sondern weil wir ihn selbst gehört haben“ (Joh 4:42a). Der Zeuge führt zu Christus; die Begegnung schenkt Christus selbst.
- Lade ein, ohne zu drängen: zu einem Fest der Gemeinde, einem Jugendtreffen oder zur Göttlichen Liturgie. Bei Minderjährigen geschieht das mit Wissen ihrer Eltern.
- Bereite den Besuch vor: Erkläre vorher, was geschieht, setz dich zu deinem Gast und stell ihn der Gemeinde vor. Sag ihm, dass er herzlich willkommen ist, zuschauen und mitbeten darf. Sag ihm vorher auch freundlich, dass die heilige Kommunion von den Gläubigen unserer Kirche empfangen wird, die sich darauf vorbereitet haben, so wie auch wir in anderen Kirchen nicht zur Kommunion gehen (Thema 45); alle weiteren Fragen beantwortet Abuna.
Fragen von Mitschülern beantworten
Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen.
Abuna Daoud Lamei bemerkt: „Das Leben unter verschiedenen Kulturen kann verschiedene Fragen hervorrufen, die treffende, überzeugende Antworten brauchen; darum müssen wir bereit sein.“13 Häufige Fragen an koptische Jugendliche sind: „Warum fastet ihr so lange?“, „Warum habt ihr so viele Bilder in der Kirche?“, „Seid ihr Muslime oder Ägypter?“, „Warum betet ihr in einer Sprache, die niemand versteht?“ und „Glaubst du wirklich an Gott?“ Die Antworten lernst du in vielen Themen dieses Kurses, zum Fasten etwa in Thema 8 („Das Kirchenjahr“), zum Gespräch mit Andersglaubenden in Thema 42 („Glaube und Vernunft“), Thema 44 („Christentum und Islam; Sondergemeinschaften“) und Thema 45 („Die Kirchen und die Ökumene“).
Für jede Antwort gilt: „Eure Worte seien immer freundlich, doch mit Salz gewürzt; denn ihr müsst jedem in der rechten Weise antworten können“ (Kol 4:6). Antworte kurz, ehrlich und ruhig. Sag „Das weiß ich nicht, ich frage nach“, wenn du unsicher bist. Mach dich nie über den Glauben anderer lustig, und lade lieber ein, als zu streiten. Du darfst ruhig erwähnen, dass du fastest, damit andere fragen, aber nie, um gelobt zu werden.14
Was ein weiser Zeuge nicht tut
Abuna Daoud Lamei stellt eine Liste auf, was ein weiser Evangelist nicht tun soll. Er soll unter anderem nicht:15
- „die Menschen auffordern zu glauben und ihr altes Leben zu verlassen, bevor sie den Wunsch zeigen, sich zu ändern.“
- „Versprechen geben, die er vielleicht nicht erfüllen kann.“
- „die Gewohnheiten kritisieren oder die Lebens- und Verhaltensweise der verschiedenen Menschen verspotten, denen er dient.“
- „beim Predigen viel Geld oder Geschenke geben, besonders in der frühen Phase der Mission. Die Menschen warten dann vielleicht nur auf die Geschenke und übersehen das Hauptziel der Mission, nämlich die größte aller Gaben zu empfangen – das Wort Gottes.“
- „Geheimnisse derer preisgeben, die sich ihm anvertrauen und seinen Rat oder seine Führung suchen.“
Keine Lockgaben
Lockgaben sind Geschenke, Geld oder Vorteile, mit denen jemand zum Glauben gelockt werden soll.
Ein so angenommener Glaube steht auf Sand. Das wusste schon der heilige Augustinus:
Will aber einer nur deshalb Christ werden, weil er gewisse Vorteile von jemandem erhofft, dessen Wohlgefallen er auf andere Weise nicht erwerben zu können glaubt, oder weil er gewissen Unannehmlichkeiten entgehen möchte von Seiten solcher Leute, bei denen er Anstoß oder Feindschaft zu erregen fürchtet, so will er nicht so fast Christ als vielmehr bloß Scheinchrist werden. Denn der Glaube beruht nicht auf äußerlicher Höflichkeit, sondern auf gläubiger Herzenshingabe.16
Christen sollen trotzdem helfen: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10:8b). Gerade deshalb bleibt Hilfe Hilfe und wird nie zum Tausch gegen den Glauben.
Keine Manipulation
Paulus schreibt: „… wir predigen nicht, um euch irrezuführen, in schmutziger Weise auszunutzen oder zu betrügen“ (1. Thess 2:3), und: „wir handeln nicht hinterhältig und verfälschen das Wort Gottes nicht, sondern lehren offen die Wahrheit“ (2. Kor 4:2a). Wer Christus bezeugt, setzt niemanden unter Druck, macht keine Angst, nutzt keine Krise und keine Einsamkeit aus und verspricht nichts, was nur Gott geben kann.
Die Freiheit achten
Gott selbst zwingt niemanden. Die Heilige Schrift „ruft uns ohne Zwang zum himmlischen Leben! Gott heiligt die menschliche Freiheit“.17 „Er zwingt die Menschheit nicht zum Guten, sondern schenkt uns den freien Willen, denn wir sind sein Abbild.“18 Christus sagt: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten“ (Offb 3:20a). Den reichen jungen Mann sah er an und liebte ihn; als dieser traurig wegging, ließ er ihn gehen, ohne ihn unter Druck zu setzen (Mk 10:21–22).
Das Wachstum schenkt Gott: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber ließ wachsen“ (1. Kor 3:6). Der Zeuge betet für seine Freunde und bleibt ihr Freund, auch wenn sie nicht glauben. Für das Heil anderer Menschen gilt: Wir geben treu weiter, was wir aus der Heiligen Schrift und der Überlieferung als notwendig für unser Heil empfangen haben – den Glauben an Christus, die Taufe (Joh 3:5; Mk 16:16) und das Leben in seiner Kirche (Apg 2:42.47). Wer in den Himmel kommt, entscheiden nicht wir, und wir richten nicht darüber; das Urteil über jeden Menschen gehört allein Gott (1. Kor 5:13a; Jak 4:12).
Katechumenat: Taufbewerber begleiten
Ein Katechumene ist nach dem Katechismus „einer, der unterwiesen wird“, „ein Mensch, der sich auf die Taufe vorbereitet“.19 Die Zeit dieser Vorbereitung heißt Katechumenat. Taufbewerber sind Menschen, die sich auf die Taufe vorbereiten. Der Taufpate bürgt für den Täufling und begleitet ihn im Glauben.
Philippus und der Kämmerer aus Äthiopien. Philippus hört den Mann, einen hohen Hofbeamten der äthiopischen Königin, auf seinem Wagen den Propheten Jesaja lesen und fragt: „Verstehst du auch, was du liest?“ Er antwortet: „Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet?“ (Apg 8:30b–31a). Philippus setzt sich zu ihm, beginnt bei dem Schriftwort, das der Mann gerade liest, und verkündet ihm „das Evangelium von Jesus“ (Apg 8:35). Da fragt der Kämmerer: „Was steht meiner Taufe noch im Weg?“ (Apg 8:36b), und Philippus tauft ihn (Apg 8:38). Philippus hört zu, beginnt dort, wo der andere steht, erklärt die Schrift und führt zur Taufe. Philippus gehörte zu den Sieben, denen die Apostel die Hände aufgelegt hatten (Apg 6:5–6); heute bringst du einen Menschen, der getauft werden möchte, zum Priester, und die Kirche entscheidet über die Vorbereitung und den Tag der Taufe.
Das Katechumenat in der alten Kirche
Die alte Kirche achtete „in erster Linie auf die Beweggründe des Taufbewerbers“.20 Das Katechumenat dauerte oft lange und kannte mehrere Stufen. Die Dauer der Vorbereitung richtete sich nach dem Eifer und den Glaubenskenntnissen des Einzelnen.21 Jede Gruppe wurde „entsprechend ihrer Kultur, ihrer bisherigen Bildung und ihres Kenntnisstands“ unterrichtet, zuerst im christlichen Leben und in den Grundzügen des Glaubens, dann in den Sakramenten.22
Papst Schenouda III. erinnert daran, dass die Kirche die Große Fastenzeit „zu einer Zeit für die Vorbereitung derjenigen gemacht“ hat, „die den Glauben annehmen“. Sie hörten Unterweisungen und Predigten und wurden am Taufsonntag, dem Sonntag vor dem Palmsonntag, getauft, damit sie mit den Gläubigen den Palmsonntag, die Karwoche und das Auferstehungsfest feiern konnten.23 Bis heute heißt der erste Teil der Göttlichen Liturgie „Liturgie der Katechumenen“.24 In der Basilius-Liturgie betet der Priester im stillen Gebet zur Evangeliumslesung auch für sie: „Gedenke, o Herr, der Katechumenen Deines Volkes. Erbarme Dich ihrer und bestärke sie in dem Glauben an Dich.“25
Augustinus rät dem Katecheten (Glaubenslehrer), nach den Beweggründen zu fragen (5,9), die Geschichte des Heils von der Schöpfung bis zur Gegenwart zu erzählen (3,5) und alles auf die Liebe Gottes auszurichten (4,8). Der Taufbewerber soll wissen, dass es in der Kirche auch schlechte Christen, aber ebenso „eine große Anzahl guter Christen“ gibt; man soll ihm zureden, „doch ja seine Hoffnung nicht auf Menschen zu setzen“.26 Auch der beste Begleiter darf nicht an die Stelle Christi treten.
Begleitung heute
Wer heute getauft werden will, wendet sich an den Priester. Die Taufe spendet der Priester oder der Bischof; durch ihn tauft Christus selbst.27 Über die Aufnahme ins Katechumenat und den Zeitpunkt der Taufe entscheidet die Kirche durch ihre Hirten, nicht der Diener. Das Sakramentenbuch der Kirche sagt: „Für die Erwachsenen folgt die Taufe stets auf Verkündigung und Annahme des Glaubens.“28
Papst Tawadros II. erinnert an die Bürgen der alten Kirche. Wer getauft werden wollte, musste „von einem der Gläubigen, dem so genannten ‚Ishbin‘, empfohlen werden“, und dieser hatte „eine sehr wichtige Rolle gegenüber diesen Heiden, sowohl vor als auch nach ihrer Taufe“.29 Heute trägt diese Verantwortung der Pate, den man im Arabischen noch immer Ishbin nennt. Sein „Ich glaube“ bei der Taufe bedeutet nach dem Sakramentenbuch auch, „die Verantwortung zu übernehmen, den Täufling im Glauben zu erziehen und in den Lehren der Kirche zu unterweisen“.30
Nach Abuna Daoud Lamei braucht ein Taufbewerber einen erfahrenen Begleiter, etwa einen Priester oder einen reifen Diener. Der Taufbewerber liest eines der ersten drei Evangelien und das Johannesevangelium mit einfachen Erklärungen, lernt die Gebete und Riten der Kirche kennen und lernt Vaterunser und Glaubensbekenntnis auswendig. Er besucht regelmäßig die Göttliche Liturgie, empfängt aber vor der Taufe noch nicht die heilige Kommunion. Besonders geeignet sind die Sonntagslesungen der Großen Fastenzeit mit der Samariterin, dem Gelähmten und dem Blindgeborenen.31
Deine Aufgabe als Diener, wenn du einen Taufbewerber begleitest:
- Bete für ihn und mit ihm, und hör seine Geschichte an, ohne zu drängen.
- Sei ihm ein Freund und führ ihn in die Gemeinschaft ein: Er soll nicht allein in der Kirche stehen.
- Erkläre einfach, was er in Liturgie und Gebet erlebt, und lies mit ihm die Schrift.
- Arbeite mit dem Priester zusammen: Wer getauft werden möchte, den führst du direkt zum Priester; über Taufe und Zeitpunkt entscheidest nicht du. Ist der Taufbewerber minderjährig, bezieht der Priester die Eltern ein.
- Bleib nach der Taufe an seiner Seite. Die ersten Christen „hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten“ (Apg 2:42). Was er dir anvertraut, behandelst du vertraulich. Ist ein Mensch in Not, ziehst du sofort einen Priester hinzu; ist er in akuter Gefahr, rufst du selbst und sofort den Notruf.
Für den Dienst
- Lehre die Kinder, Zeugen zu sein, in deiner Klasse und in deiner Familie, passend zu ihrem Alter: die Kleinen durch Freundlichkeit und Ehrlichkeit, die Größeren durch eine ruhige Antwort auf Fragen in der Schule. Übe mit den Kindern Antworten im Sinn von 1. Petr 3:15–16.
- Bete mit den Kindern für Freunde, Mitschüler und Lehrer und lade diese gemeinsam mit den Kindern zu Festen der Gemeinde ein, ohne Druck und ohne Lockgaben.
- Prüfe dein Zeugnis an der Warnliste: Dränge ich? Verspreche ich zu viel? Achte ich die Freiheit des anderen?
Das Wichtigste in Kürze
- Evangelisation ist zuerst Lebenszeugnis: „So soll euer Licht vor den Menschen leuchten“ (Mt 5:16). Jeder Gläubige gibt Zeugnis, „wenn nicht durch Worte, dann durch gute Werke“ (Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 685).
- Der Zeuge ist Menschenfischer (Mt 4:19) und Gesandter an Christi statt (2. Kor 5:20): geduldig, nicht allein, in der Welt, aber nicht von der Welt.
- Die Theologische Schule von Alexandrien nahm Menschen aller Herkunft auf und bereitete Taufbewerber vor; wir verkünden den orthodoxen Glauben, nicht unsere örtliche Kultur.
- Freunde lädt man ein wie Philippus: „Komm und sieh!“ (Joh 1:46). Fragen beantwortet man „bescheiden und ehrfürchtig“ (1. Petr 3:16a).
- Grenzen der Evangelisation: keine Lockgaben, denn „der Glaube beruht nicht auf äußerlicher Höflichkeit, sondern auf gläubiger Herzenshingabe“ (Augustinus); keine Manipulation (1. Thess 2:3), keine unerfüllbaren Versprechen; die Freiheit achten (Offb 3:20). Das Wachstum schenkt Gott (1. Kor 3:6).
- Ein Katechumene ist ein Mensch, der sich auf die Taufe vorbereitet. Die alte Kirche prüfte die Beweggründe und unterwies die Bewerber im christlichen Leben, im Glauben und in den Sakramenten. In der koptischen Kirche war der Taufsonntag ein besonderer Tauftermin. Der Pate übernimmt die Verantwortung, den Täufling im Glauben zu erziehen (Die sieben Sakramente, S. 28).
- Der Diener betet mit Taufbewerbern, ist ihnen ein Freund und erklärt ihnen den Glauben. Dabei arbeitet er mit dem Priester zusammen, der die Taufe spendet, und begleitet sie auch nach der Taufe.
Zum Weiterlesen
- Augustinus, Vom ersten katechetischen Unterricht, Kap. 1–7.
- Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Fr. 113 und Fr. 682–690; Bd. 2, Fr. 1032 und Fr. 1313.
- Die sieben Sakramente, hg. vom Koptisch-Orthodoxen Kloster des heiligen Antonius, Kröffelbach 2017, Kap. 1 „Taufe“ (S. 5, 18 und 28).
- Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 26–33.
- Clemens von Alexandrien, Der Erzieher (Paidagogos) III 79–80.
Anmerkungen
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 685.↑
Abuna Daoud Lamei, The Harvest is Plentiful, Kap. 6.↑
Vgl. Abuna Daoud Lamei, The Harvest is Plentiful, Kap. 6.↑
Clemens von Alexandrien, Der Erzieher (Paidagogos), Buch III, 80,1–2. Polypen sind hier Kraken, die ihre Farbe der Umgebung anpassen.↑
Nach Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1313.↑
Vgl. Abuna Daoud Lamei, The Harvest is Plentiful, Kap. 2.↑
Vgl. Abuna Daoud Lamei, The Harvest is Plentiful, Kap. 2.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 113.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Evangelism and the School of Alexandria, Abschnitte 1 und 3.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Evangelism and the School of Alexandria, Abschnitte 7 und 10.↑
Vgl. Abuna Daoud Lamei, The Harvest is Plentiful, Kap. 3.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1032.↑
Abuna Daoud Lamei, The Harvest is Plentiful, Kap. 6.↑
Vgl. Abuna Daoud Lamei, The Harvest is Plentiful, Kap. 6.↑
Abuna Daoud Lamei, The Harvest is Plentiful, Kap. 6.↑
Augustinus, Vom ersten katechetischen Unterricht, Kap. 5,9. „Nicht so fast“ heißt „nicht so sehr“.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 45.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 216.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 113, Anmerkung 304.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 683.↑
Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 684.↑
Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 686.↑
Papst Schenouda III., Die Spiritualität des Fastens, Kap. 3; zum Taufsonntag auch Die sieben Sakramente, S. 5.↑
Vgl. Die sieben Sakramente, S. 78; Die stillen Gebete, S. 14; dazu Thema 28 („Die Eucharistie und die Göttliche Liturgie“).↑
Die stillen Gebete, S. 40.↑
Augustinus, Vom ersten katechetischen Unterricht, Kap. 7,11.↑
Vgl. Euchologion, S. 1220.↑
Die sieben Sakramente, S. 18.↑
Papst Tawadros II., Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen, S. 30.↑
Die sieben Sakramente, S. 28.↑
Vgl. Abuna Daoud Lamei, The Harvest is Plentiful, Kap. 10; Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1032.↑