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Thema 44 · Vortrag 2

Sondergemeinschaften und neue religiöse Bewegungen

Zeugen Jehovas, Mormonen, Scientology und Esoterik – erkennen und antworten

16 Min. LesezeitChristentum und Islam; Sondergemeinschaften

Lernziele

  1. Die Lehre der Zeugen Jehovas über Christus beschreiben und mit drei Schriftstellen antworten.
  2. Merkmale von Sondergemeinschaften und Esoterik nennen.
  3. Ein Gespräch über Glaubensunterschiede respektvoll führen (1. Petr 3:15).

Schlüsselbegriffe

Sondergemeinschaft · neue religiöse Bewegung · Esoterik · Zeugen Jehovas · Wachtturm · Neue-Welt-Übersetzung · Arianismus · Mormonen (Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage) · Scientology · Horoskop · Seelenwanderung

Bibelstellen

Jud 3; Gal 1:8; 1. Joh 4:1; 1. Thess 5:21; Jes 43:10; Jes 44:6; Ex 20:3; Joh 1:1.3; Offb 1:17; Offb 22:13; Hebr 1:6.8; Offb 19:10; Joh 20:28; Apg 5:3⁠–⁠4; 2. Tim 2:24⁠–⁠25; Joh 4:24; Joh 1:14; 1. Joh 3:1; Hebr 9:27; Eph 2:8⁠–⁠10; Dtn 18:10⁠–⁠11; Apg 19:19; Spr 3:5⁠–⁠6; Mt 10:29⁠–⁠31

Inhalt

An der Wohnungstür läuten zwei freundliche Menschen und möchten über die Bibel sprechen; auf der Straße wird ein kostenloser Persönlichkeitstest angeboten. In der Klasse liest eine Mitschülerin jeden Morgen ihr Horoskop vor. Kinder und Jugendliche begegnen Sondergemeinschaften und esoterischen Angeboten oft, ohne es zu merken. Vor der Tür stehen zum Beispiel die Zeugen Jehovas; daneben werben die Mormonen und Scientology, und die Esoterik ist unter Gleichaltrigen verbreitet. Als Diener sollst du solche Angebote erkennen und mit der Schrift und den Vätern antworten können, ohne über Menschen zu spotten.

Was ist eine Sondergemeinschaft?

Begriff
Sondergemeinschaft

Eine Sondergemeinschaft beruft sich auf die Bibel oder auf Christus, leugnet aber zentrale Wahrheiten des christlichen Glaubens – vor allem die Dreifaltigkeit und die Gottheit Christi – oder stellt eigene Offenbarungen und heilige Bücher neben oder über die Schrift. Neue religiöse Bewegungen sind jüngere Gruppen, die sich oft gar nicht als christlich verstehen. Esoterik ist keine Gemeinschaft, sondern eine Vielfalt von Lehren und Praktiken, die geheimes Wissen über Schicksal, Kräfte und Jenseits versprechen.

Die anderen christlichen Kirchen und Konfessionen sind keine Sondergemeinschaften; über sie spricht Thema 45 („Die Kirchen und die Ökumene“). Auch das Judentum und der Islam sind keine Sondergemeinschaften, sondern eigene Religionen; über den Islam spricht Vortrag 1. Auch unter den Gruppen, die sich von der Kirche unterscheiden, werfen wir nicht alle in einen Topf. Jede Gemeinschaft wird nach dem beurteilt, was sie selbst lehrt.

Der Maßstab ist der Glaube der Kirche. Der heilige Athanasius nennt ihn „die alte Überlieferung sowie die Lehre und den Glauben der allgemeinen Kirche …, den der Herr gegeben, die Apostel verkündet und die Väter bewahrt haben“.1 Dieser Glaube ist nicht veränderlich: „Kämpft für den überlieferten Glauben, der den Heiligen ein für allemal anvertraut ist“ (Jud 3b). Darum mahnt Johannes: „traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind“ (1. Joh 4:1a). Und Paulus: „Prüft alles und behaltet das Gute!“ (1. Thess 5:21).

Die Zeugen Jehovas

Herkunft

Die Zeugen Jehovas entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten; als Gründer gilt Charles Taze Russell aus Pennsylvania. Ihre wichtigste Zeitschrift ist der Wachtturm.2 Ihren Namen leiten sie aus dem Propheten Jesaja ab: „Ihr seid meine Zeugen – Spruch des Herrn“ (Jes 43:10a).3 Sie verwenden eine eigene Bibelübersetzung, die Neue-Welt-Übersetzung, und besuchen Menschen in ihren Wohnungen, um ihre Schriften zu verbreiten. Mehrmals haben sie das Ende der Welt für bestimmte Zeitpunkte angekündigt, die ohne dieses Ereignis vergingen.4

Die Zeugen Jehovas berufen sich auf die Bibel, leugnen aber die Dreifaltigkeit und die Gottheit Christi. Papst Schenouda III. sieht in ihnen einen Rest der alten Irrlehre des Arius: „Dennoch aber blieben Reste des Arianismus weiterhin bis in die heutige Zeit verbreitet“.5

Was sie über Christus und den Heiligen Geist lehren

Papst Schenouda III. beschreibt ihre Lehre über Christus so: „In ihrer Behauptung steht, dass Christus ein Gott ist, sogar ein starker Gott, aber er ist nicht Gott selbst, sondern er ist der zweite Gott, der unmittelbar nach Jahwe kommt.“6 Für die Zeugen Jehovas ist Christus das erste Geschöpf Gottes; vor seiner Menschwerdung sei er der Erzengel Michael gewesen. Den Heiligen Geist halten sie nicht für eine göttliche Hypostase (Person), sondern für eine unpersönliche Kraft Gottes.7 Nach dem Katechismus von Abuna Tadros Y. Malaty lesen sie die tausend Jahre der Offenbarung wörtlich und erwarten ein irdisches Reich unter der Herrschaft Christi; außerdem lehnen sie die Lehre von der Heiligen Dreifaltigkeit, die Sakramente der Kirche und die Verehrung der Heiligen ab. Die Kirche dagegen versteht die tausend Jahre symbolisch: als die Herrschaft Gottes in den Herzen und den Sieg des Evangeliums.8

Damit kehrt eine alte Irrlehre zurück. Arius behauptete, der Sohn sei ein Geschöpf; sein Schlagwort lautete: „Es war einmal, da er nicht war“.9 Das Konzil von Nizäa, die Versammlung der Bischöfe im Jahr 325, hat dagegen bekannt, dass der Sohn gezeugt und nicht geschaffen ist und wesensgleich mit dem Vater; im Glaubensbekenntnis beten wir: „gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater“.10 Der heilige Athanasius zeigt, warum diese Frage über unser Heil entscheidet:

Aus den Vätern

Das wäre aber nicht geschehen, wenn das Wort ein Geschöpf wäre. Denn mit einem Geschöpf wäre der Teufel, selbst ein Geschöpf, immer im Kampfe gestanden, und der Mensch, der in der Mitte steht, wäre immer von der Todesfurcht befangen, weil er niemand hätte, in dem und durch den er mit Gott verbunden jeglicher Furcht losgeworden wäre. … Auch wäre der Mensch nicht an die Seite des Vaters getreten, wenn der, welcher den Leib anzog, nicht sein natürliches und wahres Wort wäre.11

– Hl. Athanasius der Apostolische, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 2, Kap. 70

Nur Gott kann den Menschen mit Gott verbinden. Ein Geschöpf, und sei es das höchste, kann uns das Leben Gottes nicht schenken.

Drei Antworten aus der Schrift

Erstens: Das Wort ist Gott und Schöpfer (Joh 1:1.3). Johannes beginnt sein Evangelium: „Im Anfang war das Wort, … und das Wort war Gott“ (Joh 1:1) und „Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist“ (Joh 1:3). Wenn alles durch das Wort geworden ist, ist das Wort selbst nicht geworden. Papst Schenouda III. fragt: „Mit welcher Vernunft hätte Gott sich eine Vernunft für sich erschaffen können?“12 Die Zeugen Jehovas übersetzen Joh 1:1 mit „ein Gott“. Papst Schenouda III. antwortet gelassen: „Damit wir also nicht mit den Zeugen Jehovas in eine Disputation über verschiedene Bibelübersetzungen geraten, wollen wir einfach sagen: Allein schon das Bekenntnis, dass Christus ein Gott ist, wird automatisch dazu hinführen, dass Jesus Christus Gott ist, denn es gibt nur einen Gott.“13 Denn Gott spricht: „Vor mir wurde kein Gott erschaffen und auch nach mir wird es keinen geben“ (Jes 43:10c).

Zweitens: Christus ist der Erste und der Letzte (Jes 44:6; Offb 1:17). Im Alten Testament sagt Gott: „Ich bin der Erste, ich bin der Letzte, außer mir gibt es keinen Gott“ (Jes 44:6b). In der Offenbarung spricht der verherrlichte Christus, der tot war und lebt, denselben Satz: „Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte“ (Offb 1:17b); und: „Ich bin das Alpha und das Omega, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“ (Offb 22:13). Papst Schenouda III. folgert: „Wenn Christus aber der Erste ist, dann ist er nicht erschaffen worden, denn es gibt ja niemanden vor ihm, der ihn hätte erschaffen können.“14

Christus Pantokrator, der Allherrscher – „Ich bin der Erste und der Letzte“ (Offb 1:17b)

Drittens: Christus ist kein Engel, sondern der, den die Engel anbeten (Hebr 1:6.8; Joh 20:28). Der Hebräerbrief stellt den Sohn über alle Engel: „Alle Engel Gottes sollen sich vor ihm niederwerfen“ (Hebr 1:6b). Und: „von dem Sohn aber: Dein Thron, o Gott, steht für immer und ewig“ (Hebr 1:8a). Ein Engel weist die Anbetung zurück (vgl. Offb 19:10); Christus nimmt sie an. Thomas bekennt vor dem Auferstandenen: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20:28b) – und Jesus weist ihn nicht zurecht.15

Auch der Heilige Geist ist keine bloße Kraft. Petrus sagt zu Hananias, der den Heiligen Geist belogen hat: „Du hast nicht Menschen belogen, sondern Gott“ (Apg 5:4b). Der Katechismus stellt die Frage: „Ist der Heilige Geist eine göttliche Hypostase oder lediglich eine Kraft, die die Gläubigen stärkt?“ und antwortet mit dieser Stelle: Der Geist lehrt, führt in die ganze Wahrheit, wird vom Sohn gesandt und geht vom Vater aus; er ist eine göttliche Hypostase, nicht bloß eine Kraft.16

Wenn sie an der Tür stehen

Die Zeugen Jehovas sind meist freundlich, gut vorbereitet und kennen viele Bibelverse – oft im Wortlaut ihrer eigenen Übersetzung. Ein langes Streitgespräch an der Tür bringt selten Frucht.17 Hilfreich sind wenige, klare Schritte:

  1. Freundlich bleiben. Grüße, höre zu, sei höflich. Paulus schreibt: „Ein Knecht des Herrn soll nicht streiten, sondern zu allen freundlich sein, ein geschickter und geduldiger Lehrer, der auch die mit Güte zurechtweist, die sich hartnäckig widersetzen“ (2. Tim 2:24⁠–⁠25a).
  2. Klar sagen, wer du bist. „Wir sind koptisch-orthodoxe Christen. Wir glauben an den einen Gott, Vater, Sohn und Heiligen Geist, und dass Jesus Christus Gott ist.“
  3. Bei einem Vers bleiben. Wenn du sprichst, dann über einen klaren Vers, zum Beispiel Joh 20:28 oder Offb 1:17. Papst Schenouda III. erzählt von einem Gespräch mit einem Zeugen Jehovas, der in Verlegenheit kam: „Ich hatte in seiner großen Verlegenheit Mitleid mit ihm und sprach: ‚Ich lasse es für kurze Weile so stehen, schließlich hängt der Glaube ja nicht von einem Vers ab.‘“18 Es geht nicht darum, den anderen bloßzustellen.
  4. Keine Schriften annehmen, die du nicht willst, und keine weiteren Treffen vereinbaren, die du nicht verantworten kannst.
  5. Für sie beten. Sie suchen Gott auf ihre Weise; wir vertrauen sie ihm an.

Kinder und jüngere Jugendliche sollen solche Gespräche nicht allein führen, sondern die Eltern holen.

Mormonen und Scientology im Überblick

Die Mormonen

Die Gemeinschaft, die man nach dem Buch Mormon meist Mormonen nennt, heißt selbst „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“. Sie entstand im 19. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten durch Joseph Smith. Nach ihrem Glauben berichtete ihm ein Engel namens Moroni von goldenen Platten mit Aufzeichnungen früherer Bewohner Amerikas; aus ihnen sei das Buch Mormon übersetzt worden. Neben die Bibel stellen sie dieses Buch und weitere eigene heilige Schriften (Lehre und Bündnisse, Köstliche Perle). Junge Missionare werben in vielen Ländern freundlich für ihren Glauben. Nach ihrer Lehre sind Vater, Sohn und Heiliger Geist drei getrennte Wesen; in ihrer Überlieferung heißt es auch, Gott der Vater sei einst ein Mensch gewesen und habe einen Leib, und der Mensch könne selbst ein Gott werden.

Die Antwort der Schrift ist klar. Es gibt nur einen Gott: „Vor mir wurde kein Gott erschaffen und auch nach mir wird es keinen geben“ (Jes 43:10c). „Gott ist Geist“ (Joh 4:24a); er war nie ein Mensch, der zu Gott wurde. Dass der ewige Sohn Gottes Mensch geworden ist und einen Leib angenommen hat (Joh 1:14), ist etwas ganz anderes: Er wurde Mensch, ohne aufzuhören, Gott zu sein. Und es gibt kein neues Evangelium neben dem der Apostel: Paulus schreibt, nicht einmal ein Engel vom Himmel dürfe ein anderes Evangelium verkünden als das, das die Apostel verkündet haben (Gal 1:8). Der Glaube ist „den Heiligen ein für allemal anvertraut“ (Jud 3b).

Der Mensch bleibt Geschöpf. Gott schenkt uns aus Gnade, seine Kinder zu sein: „Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es“ (1. Joh 3:1a). Niemand wird ein zweiter Gott neben Gott; der Unterschied zwischen Schöpfer und Geschöpf bleibt.

Scientology

Scientology wurde im 20. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten von L. Ron Hubbard gegründet, einem Schriftsteller von Science-Fiction-Romanen. Ausgangspunkt war sein Buch über „Dianetik“, eine Methode, belastende Erinnerungen bewusst zu machen. In Sitzungen („Auditing“) wird ein Messgerät eingesetzt, das Veränderungen im Inneren anzeigen soll. Scientology lehrt, der Mensch sei im Kern ein unsterbliches Geistwesen („Thetan“), das schon viele frühere Leben gelebt habe. Über Gott gibt es nach eigener Darstellung keine festgelegte Lehre.

Scientology versteht sich nicht als christlich. Für das Gespräch mit Jugendlichen, die davon angezogen werden, sind drei Punkte wichtig: Der Mensch lebt nicht viele Leben, sondern ein Leben vor Gott: „Und wie es dem Menschen bestimmt ist, ein einziges Mal zu sterben, worauf dann das Gericht folgt“ (Hebr 9:27). Das Heil ist keine Technik, die man sich erarbeitet, sondern Geschenk: „… aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft – Gott hat es geschenkt“ (Eph 2:8); dieses Geschenk nehmen wir in Glaube, Taufe und einem Leben der guten Werke an, „die Gott für uns im Voraus bereitet hat“ (Eph 2:10b). Und Gott ist nicht ein unbestimmtes „höchstes Wesen“, sondern der dreieine Gott, der sich in Jesus Christus gezeigt hat.

Esoterik unter Jugendlichen

Was gemeint ist

Unter Esoterik fasst man sehr verschiedene Angebote zusammen: Horoskope und Sternzeichen, Kartenlegen und Pendeln, Heilsteine und unsichtbare „Energien“, Versuche, mit Verstorbenen in Kontakt zu treten, oder den Glauben an eine Seelenwanderung, also an viele Leben in immer neuen Körpern. Vieles davon begegnet Jugendlichen nicht in einer Gruppe, sondern in Zeitschriften, im Internet oder unter Freunden – oft als harmloses Spiel. Dahinter steht meist eine echte Sehnsucht: die Zukunft zu kennen, Kontrolle zu haben, Schutz und Heilung zu finden.

Die Antwort der Schrift und der Väter

Die Schrift nimmt solche Praktiken ernst. Im Gesetz heißt es: „Es soll bei dir keinen geben, … der Losorakel befragt, Wolken deutet, aus dem Becher weissagt, zaubert, Gebetsbeschwörungen hersagt oder Totengeister befragt, keinen Hellseher, keinen, der Verstorbene um Rat fragt“ (Dtn 18:10⁠–⁠11). Gemeint sind alle Wege, die Zukunft zu erkunden oder verborgene Mächte zu beschwören. Das berührt das erste Gebot: „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben“ (Ex 20:3). Wer Zukunft und Schutz bei Sternen, Karten oder Totengeistern sucht, sucht sie nicht mehr bei Gott. Die Kirche befragt die Entschlafenen nicht; sie betet für sie. Als in Ephesus Menschen zum Glauben kamen, geschah dies: „Und nicht wenige, die Zauberei getrieben hatten, brachten ihre Zauberbücher herbei und verbrannten sie vor aller Augen“ (Apg 19:19a).

Schon der heilige Basilius der Große hat sich in seinen Homilien über das Hexaemeron, also in seinen Predigten über das Sechstagewerk der Schöpfung, mit den Sterndeutern seiner Zeit auseinandergesetzt. Er zeigt, dass ihre Berechnungen nicht stimmen können, und vor allem, dass sie die Freiheit und Verantwortung des Menschen aufheben:

Aus den Vätern

In solcherlei Reden liegt ja viel Unverstand, aber noch weit mehr Gottlosigkeit. … wenn die schlechten wie tugendhaften Handlungen prinzipiell nicht von uns ausgehen, sondern notwendige Folgen der Geburt sind, dann sind überflüssig die Gesetzgeber, die vorschreiben, was wir tun und was wir meiden sollen, überflüssig die Richter, die Tugend lohnen und Bosheit strafen.19

– Hl. Basilius der Große, Homilien über das Hexaemeron, Homilie 6,7

Unser Leben hängt nicht an den Sternen, sondern liegt in Gottes Hand: „Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen“ (Mt 10:31). Der Lernvers aus Thema 1 („Berufen zum Dienst“) sagt es so: „Mit ganzem Herzen vertrau auf den Herrn, bau nicht auf eigene Klugheit; such ihn zu erkennen auf all deinen Wegen, dann ebnet er selbst deine Pfade“ (Spr 3:5⁠–⁠6).

Wer Angst vor Mächten und Zauber hat, darf wissen: Christus ist stärker. Der heilige Athanasius hält den Heiden seiner Zeit entgegen: „Wer das vorhin Gesagte auf seine Wahrheit prüfen will, der komme doch und mache über den Dämonenspuk, den Orakeltrug und über die Gaukeleien der Zauberkunst das Zeichen des von ihnen geschmähten Kreuzes und spreche den Namen Christi nur aus, dann wird er sehen, wie vor ihm die Dämonen fliehen, die Orakel verstummen, alle Zauberei und Beschwörung abgetan ist.“20 Der Christ braucht keine Steine, Karten oder Sterne, um geschützt zu sein; er lebt im Gebet, in den Sakramenten und unter dem Zeichen des Kreuzes.

Erkennungsmerkmale

Woran man eine Sondergemeinschaft erkennt

Nicht jede Gruppe hat alle Merkmale, und ein einzelnes Merkmal macht noch keine Sondergemeinschaft. Je mehr davon zusammenkommen, desto mehr Vorsicht ist geboten:

  • In der Lehre: Die Dreifaltigkeit oder die Gottheit Christi wird geleugnet. Neben oder über die Bibel treten neue Offenbarungen, eigene heilige Bücher oder eine eigene Übersetzung, deren Auslegung nur die Leitung bestimmt. Die Gruppe erklärt die Kirche der Apostel und der Konzile für abgefallen und sich selbst für die erst in neuerer Zeit wiederhergestellte wahre Gemeinde. Das Heil wird zur Leistung, zur Technik oder zu geheimem Wissen. Termine für das Weltende werden angekündigt.
  • Im Umgang: Die Werbung ist freundlich, doch das eigentliche Ziel bleibt oft zuerst verborgen. Neue Mitglieder werden rasch gebunden und unter Druck gesetzt. Kontakte zu Familie und Freunden außerhalb der Gruppe werden schwierig gemacht, kritische Fragen sind unerwünscht, Aussteiger werden gemieden. Die Leitung gilt als unantastbar; es können Abhängigkeiten entstehen, auch finanzielle.

Esoterische Angebote erkennt man daran, dass sie Wissen über die Zukunft oder Macht über verborgene Kräfte versprechen, ohne nach dem lebendigen Gott zu fragen.

Wenn jemand hineingezogen wird

Ob eine Gemeinschaft den Glauben der Kirche lehrt, zeigt ihre Lehre, nicht ihre Größe oder ihr Ansehen. Ihre Mitglieder haben dieselbe Würde wie wir und verdienen Achtung.

Wenn eine Familie oder ein Jugendlicher in eine Gruppe hineingezogen wird, ist das keine Sache für einen Diener allein. Sprich mit Abuna und mit dem Diener, der für deinen Dienst verantwortlich ist. Gerät jemand unter starken Druck oder in Not, ziehst du sofort einen Priester hinzu; er sorgt je nach Lage auch für ärztliche oder psychologische Hilfe. Ist jemand in akuter Gefahr, rufst du selbst und sofort den Notruf.

Für den Dienst

Kinder schützen, ohne Angst zu machen. Sage den Kindern, dass sie Gespräche über Religion mit Fremden nicht allein führen, sondern ihre Eltern holen. Mache keine Angst vor Menschen, die anders glauben; erkläre lieber, was wir glauben.

Jugendliche ernst nehmen. Wenn eine Jugendliche ihr Horoskop liest oder von Kartenlegen erzählt, lache sie nicht aus. Frage, was sie daran anzieht, und sprich über das, was dahinter steht: Angst vor der Zukunft, Wunsch nach Halt. Zeige ihr, wo Christen diesen Halt finden – im Gebet, im Vertrauen auf Gott, im Gespräch mit dem Beichtvater.

Drei Antworten aus der Schrift kennen. Jeder Diener sollte die drei Antworten an die Zeugen Jehovas auswendig wissen: Joh 1:1.3; Jes 44:6 mit Offb 1:17; Joh 20:28. Das genügt für die meisten Gespräche.

Liebe zu den Menschen. Wer in eine Sondergemeinschaft geraten ist, braucht Freundschaft, nicht Spott. Bete für ihn und halte die Tür offen.

Beispiel

Besuch an der Tür (erdacht). Daniel (17) öffnet; zwei Damen bieten ein Heft an und fragen: „Wussten Sie, dass Jesus nicht Gott ist, sondern Gottes erstes Geschöpf?“ Daniel antwortet freundlich: „Danke. Ich bin koptisch-orthodoxer Christ. Für mich ist Jesus Gott – Thomas hat zu ihm gesagt: ‚Mein Herr und mein Gott!‘ Und Jesus hat ihn nicht zurechtgewiesen.“ Die Damen schlagen eine andere Stelle auf. Daniel sagt: „Ich lasse das jetzt so stehen. Danke für Ihre Freundlichkeit, ich möchte das Heft nicht. Gott segne Sie.“ Am Sonntag erzählt er seinem Diener davon; gemeinsam lesen sie Offb 1:17 und Jes 44:6.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Sondergemeinschaft beruft sich auf Bibel oder Christus, leugnet aber zentrale Wahrheiten wie die Dreifaltigkeit und die Gottheit Christi oder stellt eigene Offenbarungen neben die Schrift. Maßstab ist der Glaube, den der Herr gegeben, die Apostel verkündet und die Väter bewahrt haben.
  • Die Zeugen Jehovas entstanden im 19. Jahrhundert in den USA. Sie lehren, Christus sei ein Geschöpf, „ein Gott“, aber nicht Gott selbst, vor der Menschwerdung der Erzengel Michael; der Heilige Geist sei eine Kraft. Das ist ein Rest des Arianismus.
  • Drei Antworten: Joh 1:1.3 (das Wort ist Gott, durch es ist alles geworden); Jes 44:6 und Offb 1:17 (Christus ist der Erste und der Letzte); Hebr 1:6.8 und Joh 20:28 (die Engel beten ihn an, Thomas nennt ihn Gott).
  • Die Mormonen stellen eigene heilige Bücher neben die Bibel; sie lehren, Vater, Sohn und Geist seien drei getrennte Wesen und Menschen könnten Götter werden. Die Kirche bekennt den einen Gott; der Mensch bleibt Geschöpf und wird aus Gnade Kind Gottes, nie ein Gott neben Gott.
  • Scientology verspricht Befreiung durch Technik und kennt frühere Leben; Christen glauben an ein einziges Leben vor Gott und an das Heil als Geschenk.
  • Esoterik verspricht Wissen über die Zukunft und Macht über Kräfte. Die Schrift verbietet Wahrsagerei, denn sie stellt etwas anderes an die Stelle Gottes; Basilius zeigt, dass Horoskope die Freiheit des Menschen leugnen; Christus ist stärker als jeder Zauber.
  • Merkmale einer Sondergemeinschaft sind unter anderem neue Offenbarungen, der Anspruch, die angeblich verlorene Wahrheit der Apostel erst wiederhergestellt zu haben, Druck, Abschottung und unantastbare Leiter. Wer in eine solche Gruppe gerät, braucht Freundschaft; der Diener spricht mit Abuna.

Zum Weiterlesen

  • Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Vorwort und Kap. 1.1, 2.6, 3.1⁠–⁠3.3.
  • Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Bd. 1, Fr. 202; Bd. 2, Fr. 1379.
  • Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 1, Kap. 17⁠–⁠19, und Rede 2, Kap. 69⁠–⁠70 (BKV 1. Reihe 13).
  • Basilius der Große, Homilien über das Hexaemeron, Homilie 6, Kap. 5⁠–⁠7 (BKV 1. Reihe 47).
  • Athanasius, Über die Menschwerdung des Logos, Kap. 46⁠–⁠48 und 54 (BKV 1. Reihe 31).

Anmerkungen

  1. Athanasius, Vier Briefe an Serapion, Brief 1, Kap. 28.↑

  2. Vgl. Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Vorwort (S. V); Papst Schenouda III., The Heresy of Jehovah’s Witnesses, S. 8⁠–⁠9.↑

  3. Vgl. Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 3.2.↑

  4. Vgl. Papst Schenouda III., The Heresy of Jehovah’s Witnesses, S. 9⁠–⁠10.↑

  5. Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Vorwort (S. V).↑

  6. Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 3.1.↑

  7. Vgl. Papst Schenouda III., The Heresy of Jehovah’s Witnesses, S. 15⁠–⁠21 und 39⁠–⁠41.↑

  8. Vgl. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 2, Fr. 1379.↑

  9. Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 1, Kap. 17.↑

  10. Die göttlichen Liturgien, S. 177.↑

  11. Athanasius, Vier Reden gegen die Arianer, Rede 2, Kap. 70.↑

  12. Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 1.1.↑

  13. Ebd., Kap. 3.1.↑

  14. Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 2.6.↑

  15. Vgl. Papst Schenouda III., The Heresy of Jehovah’s Witnesses, S. 19⁠–⁠21.↑

  16. Abuna Tadros Y. Malaty, Katechismus, Bd. 1, Fr. 202.↑

  17. Vgl. Papst Schenouda III., The Heresy of Jehovah’s Witnesses, S. 10.↑

  18. Papst Schenouda III., Die Gottheit Christi, Kap. 2.6.↑

  19. Basilius, Homilien über das Hexaemeron, Homilie 6,7.↑

  20. Athanasius, Über die Menschwerdung des Logos, Kap. 48.↑

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